Lotsi erfragt Tipps für eine Barfußwanderung
(Forumbeiträge im Winter 2000 / 2001)

Hi Ihr! Ich hab mal 'ne Frage: Bislang war ich ja nicht so die Freundin des Wanderns. Viel mehr als längere Spaziergänge habe ich nicht zustande gebracht. Aber das soll sich ändern.
Im kommenden Barfußsommer möchte ich mal eine längere Wanderung barfuß machen.
Frage: Ist es für den Anfang zuviel, gleich gute 20 KM zu laufen?
Wir planen eine leichte Route, ganz flach (bloß kein Gebirge!), die Donau aufwärts, bis Kloster Weltenburg und dann mit dem Dampfer zurück. Es geht teilweise durch den Wald, selten über Steine, sowie auf asphaltierten Radwegen.
Wie ist das so? Zwar bin ich barfuß - trainiert, aber beim Wandern fehlt mir noch die Erfahrung. Es sind immerhin gut 20 KM ... Sollte ich für alle Fälle Schuhe mitnehmen?
Liebe Grüße Eure Lotsi

Hallo Lotsi, da Du barfuß - trainiert bist, wie Du selber schreibst, dürften für Dich diese 20 km keinerlei Problem darstellen - jedenfalls nicht für die Füße.
Viele Grüße, MarkusII

[Frage: Ist es für Anfang zuviel, gleich gute 20 KM zu laufen?]
Kommt auf deine allgemeine Kondition an.
[planen leichte Route, ganz flach (bloß kein Gebirge!), Donau aufwärts]
Bei ebener Wegstrecke gehst du mit ca. 5 km/h, ohne Pausen gerechnet. Also 4 Stunden reine Gehzeit. Vielleicht mal Pause machen, 5 Stunden. Mit genug Zeit (früh aufbrechen und dann nichts mehr vorhaben) und Proviant (insb. Getränken) kein Problem.
[geht teilweise durch Wald, selten über Steine, sowie auf asphaltierten Radwegen ... bin barfuß - trainiert, aber beim Wandern fehlt noch Erfahrung]
Bei Schotter, Geröll und spitzen Steinen ermüden die Füße; da besteht dann die Gefahr, nach längerer Zeit nicht mehr so bewusst die Schritte zu setzen und sich zu verletzen.
[Sollte ich Schuhe mitnehmen?]
Kommt drauf an, ob du dir sicher bist hinsichtlich der eigenen Konstitution und des Weges. Kommt auch drauf an, ob du dich mit Schuhen im Gepäck abschleppen willst, zusätzliches Gewicht auf den Schultern führt auch zu Ermüdung.
Unci

Wenn der Weg so beschaffen ist, wie Du schreibst, und da es wohl ziemlich sicher nicht der erste Barfußgang der Saison ist, wirst Du es wahrscheinlich schaffen.
[ Sollte ich Schuhe mitnehmen?]
Ein paar Sportsandalen im Rucksack würden sicher nicht schaden, für den Fall, dass plötzlich irgendwo scharfkantiger Schotter frisch aufgeschüttet oder der Radweg frisch geteert ist -- solche Überraschungen habe ich schon des öfteren erlebt :-((
Viele liebe Grüße, Lorenz

Mit meiner Cousine bin ich mal 20 km um die Osterseen herum barfuß gelaufen. Das war eigentlich kein Problem, weil der Weg sehr abwechslungsreich war. Wenn Du aber Pech hast, kommt mal 3 Km Schotter, da wird`s dann schon happig. Gerade Waldwege sind manchmal mit Schotter aufgeschüttet !!!
[ Sollte ich Schuhe mitnehmen?]
Auf keinen Fall. Wenn Du keine dabeihast, dann musst Du durch, und wenn Du schon geübt bist, schaffst Du es auch ohne. Aber Pflaster und eine Pinzette würde ich auf jeden Fall mitnehmen.
Viele Grüße EVI

[ Sollte ich Schuhe mitnehmen?]
Ja, mach mal. Ich versuche zwar die letzten Jahre, mich auch den Winter über einigermaßen fit zu halten, aber die Fußkondition ist im Frühjahr eben doch eine andere als im Herbst.
Am ersten Mai laufe ich mit Kollegen traditionell deren leicht sportliche Maiwanderung von Rottweil nach Beuron (Donau) mit -- 50 km. Ich habe immer noch den Ehrgeiz, das mal ohne Schuhe zu schaffen, aber die letzten beiden Jahre musste ich doch spätestens nach 30 km die Waffen strecken. Die Wegbeschaffenheit ist dabei typischer Durchschnitt (von allem etwas).
Wenn die Fußsohle einmal gereizt ist und Du einen frisch geschotterten Weg vor Dir hast, machst Du Dir ohne Not-Schuhe keine Freunde. No tapfer! Kai (VS)

Hi Du aufgrund deiner Aussage 'wir planen' gehe ich davon aus, dass Du nicht allein wandern willst. Das bedeutet also, dass du dein Tempo u.U. anpassen musst.
Die Frage ist nun, ob die Mitwanderer auch barfuß oder mit Wanderstiefeln gehen.
Sind sie beschuht, dürften sie gegenüber einer 'marschmäßig' untrainierten Barfußläuferin schneller sein. Spätestens wenn für Barfüßer kritische Wegstücke mit gebrochenem Kies oder scharfem Splitt auf asphaltierten Radwegen, vor euch liegen.
Ich bin sicher, dass Du mit deinen trainierten Füssen auch 30km schaffen könntest, allerdings in deinem Tempo. Ich würde vorgängig auf einer kürzeren Strecke (4-5 km = ca. 1h) mal dein persönliches Tempo feststellen. Und je nach Toleranz deiner Mitwanderer, bzw. um müßiges Warten an heiklen Stellen zu vermeiden, trotzdem ein paar Schuhe (Tevas) einpacken.
Aus meiner persönlichen Erfahrung (ich bin alles marschiert zwischen 5 und 100km an einem Stück) kann ich Dir sagen, dass ich mit Schuhen ca. 1,5 mal schneller marschiere als meine Frau 'wandert'. Bin ich barfuß sind wir ungefähr gleich schnell.
Ich persönlich bevorzuge übrigens eher eine voralpine Bergstrecke mit saftig grünen Almwiesen weit mehr als ein harter Radweg.
Spaß macht's alleweil, Hauptsache barfuß...!!!
Gruß Marc
P. S. Noch etwas, ob mit oder ohne Schuhe, bei langen Wanderungen ist nicht die Streckenlänge an sich das Problem sondern die Einstellung dazu. Wenn Du überzeugt bist auch 50 oder mehr Km an einem Tag gehen zu können, wirst Du 20 ohne mit der Wimper zu zucken schaffen...
Über die mentale Grundhaltung, Vorbereitung, die Überwindung des 'inneren Schweinehundes...' (sorry für den Militärslang, aber mir fällt grad nichts besseres ein...) könnten wir noch die ganze Nacht diskutieren, aber das führt wohl ein Bisschen zu weit.

[ Du nicht allein wandern willst ... Tempo u. U. anpassen musst]
Alle müssen ihr Tempo aneinander anpassen ...
[ Frage ob Mitwanderer auch barfuß oder mit Wanderstiefeln gehen]
 .... aber als einziger barfuß in einer Gruppe mit Schuhen macht es auch weniger Spaß.
[ Sind sie beschuht, dürften sie gegenüber 'marschmäßig' untrainierten Barfußläuferin schneller sein]
Komisch. Wenn ich barfuß wandere, hänge ich immer massenhaft Schuhträger ab.
Ich hatte auch schon mal das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung hier gepostet, nach dem die optimale Gehgeschwindigkeit um so geringer ist, je schwerer die Schuhe sind (Pendelgesetz).
[ wenn für Barfüßer kritische Wegstücke mit gebrochenem Kies oder Splitt vor euch liegen]
Das ist allerdings wahr. Gut ist, wenn es möglich ist, sich andere Wege zu suchen, eventuell abseits der ausgeschilderten "Hauptroute". Das ist allerdings wesentlich stressfreier möglich, wenn man sich nicht selbst künstlich hetzt.
[ persönlich bevorzuge voralpine Bergstrecke mit saftig grünen Almwiesen]
Ja, zumal ich mich immer etwas komisch fühle, wenn mich alle 10 Sekunden Radler in 10 cm Abstand überholen.
Wichtig ist doch, dass es Spaß macht, und nicht, wie viele Kilometer es nun genau waren. Ich jedenfalls hänge gerne noch einen Schlenker dran, wenn am Schluss noch genug Zeit, Lust, Kondition und gutes Wetter übrig sind; es ist für mich aber auch keine Schande, vorzeitig die nächste ÖPNV-Haltestelle anzusteuern, wenn mir eine dieser Ressourcen vorzeitig ausgeht.
Unci

Hallo Lotsi, also ich glaube kaum, dass du mit dem Weg Probleme haben wirst, wenngleich ich ihn selbst natürlich nicht kenne.
Wenn du vorher öfters unterwegs bist, sind deine Füße genug abgehärtet.
Notschuhe nehme ich nur noch auf wirklich langen Wildnistouren mit. Hier bei uns nie. Wenn du noch Platz im Rucksack hast, kannst du ja Sandalen mitnehmen, für den Fall dass du doch eine größere Glasscherbe übersiehst. Aber man könnte ja auch einen Helm mitnehmen, für den Fall dass es unterwegs Steinschlag gibt...
Gruß, Bernd A

Hi Lotsi Ich habe von Regensburg aus, lange her, viele Barfuß - Ausflüge gemacht, oft zwei oder drei Tage, entlang der Donau, dem Regen oder im vorderen oder hinteren Bayerischen Wald.
Leider kann ich mich oft nicht mehr an die Einzelheiten erinnern. Die Wanderung nach Weltenburg war eine der Besten. Aber ich habe sie meistens im Altmühltal begonnen (z. B. Riedenburg) und von dort an der Befreiungshalle vorbei nach Weltenburg und zurück nach Riedenburg (wenn mein Rad dort war) oder nach Kehlheim (zum Zug).
Die Befreiungshalle ist Klasse für Barfuß - Treppensteigen und die Aussicht ist einmalig. Der Weg durch den Wald, zwar nicht immer flach, war (damals) sehr gut und der erste Höhepunkt in Weltenburg war die Überfahrt auf der Fähre (der Fährmann fragte immer: wia san d'Schwammerl heut), der zweite Höhepunkt war der Biergarten (nirgends schmeckt das Dunkle besser) und der dritte Höhepunkt war die Asam - Kirche die, als klassische Barockkirche zum barfüßigen Besuch einlädt und sicher schon viele Barfüßler gesehen hat.
Wenn Du die Wanderung im Altmühltal anfängst, kannst Du sie beliebig kürzer machen.
Eine andere Variante wäre von Kehlheim nach Weltenburg und zurück, wenn Du Dich stark genug fühlst. Dann würde natürlich die Dampferfahrt ausfallen.
Um die Romantik des Donaudurchbruchs zu genießen, sollte man im Paddelboot durchfahren. Wir haben das damals oft gemacht und ich denke, es sollte leicht sein, jemand zu finden, der Dich und Deine Freunde mitnimmt.
Und hier ist ein bisschen Geschichte, zur Ermunterung. Kaiser Heinrich II, der auf der Burg in Abbach (etwa halbwegs zwischen Regensburg und Weltenburg) aufwuchs, ging täglich zu Fuß zur Messe in St. Emmeran in R. Wahrscheinlich in modisch spitzigen Schuhen, der Arme, aber wer weiß?
Auf jeden Fall viel Spaß
Und wenn Du die Schuhe zu Hause lässt, hast Du die Wahl. Entweder entgeht Dir ein Höhepunkt oder Du musst Dich zum ersten Mal? barfuß in eine Kirche wagen.
Otto

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