[Lorenz mit Familie barfuß bei den Kreuzottern] [Barfußwanderer begegnen Wildschweinen]

Lorenz mit Familie barfuß bei den Kreuzottern
(verschiedene Forumbeiträge im Winter 1998/99)

Im Augenblick liegen diese lieben Tierlein ja unter einer dicken Schneedecke in Kältestarre, aber kürzlich wurden sie in der Forumsdiskussion erwähnt. Deshalb möchte ich ein wenig von ihnen zu berichten.
Im Voralpenland wie auch in den Alpen selbst sind Kreuzottern recht häufig, und gerade meine liebsten Baufuß- Spazierwege führen durch ihren Lebensraum in Flußauen, Moor- und Streuwiesen. Einige Male haben meine Barfüße auch ihren Weg gekreuzt, aber das ging immer in gegenseitigem Respekt und ohne Konflikte ab. Von einer dieser Begegnungen will ich hier berichten.
In September 93, als meine jüngere Tochter gerade ein Jahr alt war, machten wir bei einigermaßen schönem Wetter einen Familienspaziergang im Osterseegebiet bei Seeshaupt. Ich wollte da meinen Mädels einen Weg durch das Moor zeigen, an dem um diese Zeit der Schwalbenwurz-Enzian in dichten Beständen blüht. Meine Schuhe blieben zu Hause. Als der Untergrund moorig wurde, zog auch die damals 5-jährige Verena die Schuhe aus, und sogar meine Frau ließ sich dazu überreden.
Ich lief vorneweg, die kleine Dorothee trug ich in der Kraxe. Es war angenehm, der Boden war einigermaßen warm. Auf einmal sah ich etwa 3 m vor mir eine recht stattliche Kreuzotter mit schönem Zickzackmuster auf dem Weg liegen. Ich hielt sofort an, näherte mich dann vorsichtig auf ca. einen Meter. Verena, die eine Tiernärrin ist, ließ sich gerade noch davon abhalten, näher hinzugehen, während meine Frau etwas bleich um die Nase wurde. Das Reptil wärmte sich genüsslich in der Sonne und ließ sich so leicht nicht stören. Nachdem wir die Otter ausgiebig beäugt hatten, stampfte ich ein
paar Mal mit dem Fuß auf, worauf sie sich langsam unter unmutigem lauten Zischen in das Schilf schlängelte.
Meine Hoffnung, dieser Spaziergang könnte aus meiner Frau eine leidenschaftliche Barfußläuferin machen, hat sich leider nicht so recht bewahrheitet! Mir ist die Lust am Barfußlaufen in der Natur dadurch nicht vergangen, es hat sich ja bestätigt,
dass Kreuzottern in keiner Weise aggressiv sind - wenn man nicht auf sie tritt. Aber mir wurde klar, dass der sanfte Schritt eines Barfüßers nicht unbedingt die Erschütterungen auslöst, die eine Kreuzotter vertreiben. Ich vermeide deshalb nach Möglichkeit eine dichte Vegetation, in der ich nicht sehe, wo ich hintrete.
Objektiv gesehen ist die Gefahr eines Verkehrsunfalls bei der Fahrt zu diesem Wanderweg wesentlich größer (am Rand der betreffenden Straße stehen zwei Holzkreuze!) als die eines Schlangenbisses, der außerdem keine tödliche Gefahr darstellt.
Im (recht unwahrscheinlichen) Falle eines Falles wird allerdings dringend empfohlen, ohne Panik, aber auch ohne Umwege ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Auf jeden Fall sollte nicht mit zweierlei Maß gemessen werden: beim Skivergnügen werden erhebliche Verletzungsrisiken ohne Nachdenken in Kauf genommen. Wie sollte man da verlangen können,
dass das Barfußvergnügen völlig ohne jedes Risiko ist?
Herzliche Füße, Lorenz
PS: Winword 97 wollte mich hier überreden, "Herzliche Grüße" zu schreiben! So'n Quatsch!!

Mainpost Newsline; 10.06.99 : Schlange braucht ihr Gift für Beutetiere OBERELSBACH (NIC)
Eine Schlange wurde im vergangenen Sommer in Unterweißenbrunn gesehen. Die Warnung an alle Eltern: Kinder nicht barfuß spielen lassen. Wo Giftschlangen leben, ist da Gefahr für den Menschen?
Die Kreuzotter, die durch ein länderübergreifendes Projekt in der Rhön geschützt werden soll, weckt schon beim bloßen Erwähnen Ängste. Diese Ängste versteht Harald Nicolay, der Leiter des Projekts: Die Schlange ist seit Menschengedenken ein Mythos, steht für das Gefährliche, das Unheimliche und Hinterhältige. Doch wirklich gefährlich ist das Kriechtier für den Menschen eher selten.
Obwohl in den röhrenförmigen Zähnen der Kreuzotter Nerven-, Blut- und Gewebegifte stecken, ist dem Schlangenforscher kein Todesfall aus den letzten 50 Jahren bekannt. Ganz im Gegenteil würde die Schlange, wenn sie Menschen beiße, fast immer giftlos beißen. Denn die Zähne sind ein- und ausklappbar, ein von der Schlange bewusst steuerbares System. "Die Schlange verschwendet ihr Gift nicht an den Menschen.", meint Harald Nicolay.
Das Gift setzt die Viper berus, die Kreuzotter, zum Lähmen und Verdauen ihrer Beutetiere ein. Willkürlich würde die Kreuzotter einen Menschen nie angreifen und beißen nur, wenn sie beträchtlich gereizt werde, sagt der im Umgang mit Schlangen erfahrene Mann. Selbst bei Abwehrbissen blieben die Giftzähne meist eingeklappt.
Den Biss beschreibt Nicolay als unangenehm, aber normalerweise nicht lebensgefährlich. Wenn tatsächlich Gift injiziert werde, treten starke Schmerzen im Bereich der Bisswunde auf. Rötungen, Schwellungen und Störung der Blutgerinnung, allergische Reaktionen und Kreislaufprobleme können nach einigen Tagen wieder abklingen. In selteneren Fällen ist ein Serum gegen das Schlangengift notwendig, den Einsatz sollte ein Arzt entscheiden.
Spaziergänger, die eine Kreuzotter am Waldesrand oder etwa auf den Basaltsäulen in der Rhön sichten, können das Tier in aller Ruhe aus zwei Meter Entfernung betrachten. Die Kreuzotter verlässt sich auf ihre Tarnfärbung und wird nicht fliehen. Anschließend empfiehlt Schlangenspezialist Nicolay aber, das Tier zu ignorieren. Denn schon aus gesetzlichen Schutzbestimmungen heraus darf eine Schlange nicht gefangen oder getötet werden.

Hallo, Hysterie will konsequent ausgelebt werden:
[Schlange wurde gesehen ... Warnung an alle Eltern: Kinder nicht barfuß spielen lassen]
Kinder werden eher in die Hand gebissen, weil sie das Tier anfassen wollen.
[gefährlich ist das Kriechtier für den Menschen selten ... kein Todesfall aus den letzten 50 Jahren bekannt]
Ich habe dagegen gelesen, dass es pro Jahr 300 Opfer von Bienen- und Wespenstichen geben soll -- meist wegen allergischem Schock. Und meine Mutter hat mir von einer Frau erzählt, die durch einen Narkosezwischenfall bei einer Hallux valgus- Operation um's Leben kam: eindeutig ein Schuh - Opfer!
[Spaziergänger können Tier in aller Ruhe aus zwei Meter Entfernung betrachten ... Kreuzotter verlässt sich auf Tarnfärbung und wird nicht fliehen ... anschließend Tier ignorieren]
Am vergangenen Sonntag war wieder mal eine Kreuzotter an unserem Lieblingsbadeplatz. Meine Tochter sah sie aus dem See an Land schwimmen, da saß sie dann am Ufersrand und war in kurzer Zeit von einem Dutzend barer Füße umgeben, in weniger als einem Meter Abstand! Sie war dunkler gefärbt, wie das die Ottern aus dem Moor gerne sind. Das vermutlich junge Tier von ca. 40 cm Länge duckte sich, so gut es konnte, zwischen die Grasbüschel und stellte sich tot. Wer nicht wusste, wo sie steckte, konnte sie kaum erkennen. Allmählich wurde die Otter doch ein wenig nervös und suchte einen Fluchtweg, aber immer wieder kam ihr ein Fuß entgegen. Einige Male konnte man schon sehen, dass sie in Abwehrstellung ging, um notfalls zustoßen zu können. Diese Botschaft wurde schließlich verstanden, nicht zuletzt, weil ich den Leuten gut zuredete, doch einen Fluchtweg freizumachen. Und so konnte die Schlange endlich ihrer inneren Stimme folgen: weg von den vielen Leuten, die sie unversehens in ihrer Naturidylle störten.
Dies war nun schon das dritte Mal, dass ich an diesem Badeplatz eine Kreuzotter gesehen habe. Aber ich habe nie gehört, dass dort jemals einer der unzähligen Barfüße gebissen wurde, die sich da an schönen Tagen tummeln. In eine Wespe bin ich dort allerdings schon einmal getreten, aber das war nicht weiter schlimm.
Obwohl ich in einer Gegend lebe, die sehr reich an Kreuzottern ist, sehe ich für meine Familie keine Veranlassung, das Barfußgehen in der Natur einzuschränken. Wir vermeiden allerdings, in den entsprechenden Biotopen außerhalb der Wege zu laufen, wo ich ein am Boden sitzendes Tier nicht sehen könnte.
Barfußgehen heißt auch, sich auf die Natur einzulassen -- gerade deshalb macht es mir Spaß! Serfuß, Lorenz

Hallo Lorenz!
- Gut, dass wir Deine wirklich "praxisnahe" Beschreibung und Einordnung der Dinge ebenfalls im Forum haben!
- Es gibt die Möglichkeit, zu diesem Artikel einen Kommentar an die Redaktion der Main Post oder Main Post Newsline zu senden. Ich meine, dass Du dies mit Deinen Ausführungen nach Möglichkeit tun solltest.
Viele Grüße und viel Spaß bei Eurem Barfußtreffen! MarkusII

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Barfußwanderer begegnen Wildschweinen
(Forumbeiträge im Frühsommer 1999)  

Begegnung mit Sus scrofa ... das ist die wissenschaftliche Bezeichnung für das Wildschwein, sagt jedenfalls Encarta 99 Und : "Das Wildschwein war früher über den gesamten europäischen Kontinent sowie über Nordafrika und Westasien verbreitet ... Das Wildschwein bewohnt insbesondere morastige Wälder und lebt als Allesfresser u. a. von Wurzeln, Früchten, Pilzen, Würmern, Insekten, Schnecken und Aas."
Was Encarta leider nicht verrät : wie verhalte ich mich als Barfüßer richtig, wenn so ein Allesfresser des Weges kommt ? Die Frage stelle ich nicht von ungefähr : neulich in der Wahner Heide ging ich in der Abenddämmerung fröhlich meines Wegs zwischen Büschen und einem Wäldchen, als es vor mir vernehmlich raschelte. Nun ist das da nicht ungewöhnlich, aber dass ein (wohl junges) Wildschwein dann wenige Meter vor mir den Weg kreuzte, erschreckte mich doch - zumal es weiterhin raschelte ... Ich zog es vor, das Glück nicht zu versuchen, ging zurück und seitlich um die Büsche herum weiter.
Aber seither frage ich mich, welches die richtige Verhaltensweise in einem solchen Falle ist !?
Tierische Füße Georg

Hallo Georg, ich müsste schon längst ins Bett, aber...
Also: Auf dieser Website findest Du viele hilfreiche Informationen! Ich bin bisher meistens einfach RUHIG weitergegangen (teils bis auf zehn Meter heran), dabei auf den Wegen bleiben!! Wenn es mir doch zu brenzlig wurde (größere Rotte mit großem Leittier, die einfach nicht wegrennen will, s. dazu auch Näheres auf der o.g. Webseite), bin ich auch umgekehrt.
Das Verhalten einer solchen Rotte spürt man jedoch schon aus größerer Entfernung, so dass man sich danach richten kann. Einmal bin ich trotz Ankündigung (Hüsteln, dann HUSTEN etc.) mitten in eine große Rotte hineingeraten, von der ich jedoch nur die Hälfte wahrgenommen hatte, die mit den jüngeren Tieren nämlich. Der Rest war im Gebüsch versteckt. Plötzlich flüchteten diese Tiere in MEINE Richtung (zu den anderen Mitgliedern hin); durch heftiges Schlagen auf meine Oberschenkel habe ich sie noch dazu gebracht, nicht näher als zwei bis drei Meter (links und rechts...) an mir vorbeizurennen.
Dieses Jahr haben die Jäger wohl stärker gejagt; die Tiere sind plötzlich viel scheuer geworden und es gibt hier z. Zt. keine Schwierigkeiten mit ihnen. Trotzdem war ich mehrmals sehr nah an ihnen dran.
Der Förster, den ich vor vielen Jahren gefragt hatte, ob diese Waldbewohner gefährlich werden könnten, lachte nur und meinte: "Wenn Sie ihnen nicht gerade auf den Schwanz treten..." Trotzdem scheinen diese Tiere sehr schlau zu sein und - wie auf o.g. Webseite beschrieben - sehr wohl einen Jäger von einem Wanderer unterscheiden zu können, zumal, wenn letzterer auf leisen, weil bloßen Sohlen daherkommt. Kommt dann dazu, dass sie länger nicht bejagt wurden, denken sie gar nicht mehr daran, abzuhauen.
Vielleicht sollte man dann mit ihnen wirklich einmal Kontakt aufnehmen, da dies ja gut möglich sein soll (s. wiederum o.g. Webseite). Dass ich dabei verdammt vorsichtig sein werde, kannst Du mir glauben, denn mit Ihren Hauern können die lieben Tierchen einem schwerste Wunden an den Beinen beibringen, an denen man verblutet, wenn nicht sofort Hilfe da ist.
Trotzdem ist dies wohl die absolute Ausnahme (und man muss sich schon sehr dumm verhalten; wenn man auf den Wegen bleibt, kommt man z.B. prinzipiell nicht in die Nähe eines Nestes mit noch sehr jungen Frischlingen).
So, jetzt aber schnellstens ab ins eigene "Nest"! Viele Grüße, MarkusII

Hallo Markus, vielen Dank für die Hinweise !
[trotz Ankündigung (Hüsteln, dann HUSTEN etc.) mitten in Rotte geraten ... flüchteten Tiere in MEINE Richtung (zu den anderen Mitgliedern hin); durch heftiges Schlagen auf meine Oberschenkel dazu gebracht vorbeizurennen]
Ich werde das Repertoire meiner Verhaltensweisen in Deinem Sinne ausbauen (kommt aber vermutlich nur bei Wildschweinen so an wie gemeint ...) ! Spaß beiseite - noch mal vielen Dank für die nächtliche Beantwortung !
Aber vielleicht hat ja doch noch jemand anderes Erfahrungen mit Wildschweinen !?
Mit tierischen Füßen Georg

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