Bloßhappig
in Österreich
(Forumbeiträge seit Sommer 2001)
Bloßhappig (oder: ein bisschen österreichische Kulturkunde)
Nach längerer Zeit melde ich mich wieder einmal zu Wort. Zunächst möchte
ich den mehrheitlich deutschen LeserInnen dieses Forums einmal ein paar
österreichische Spezialitäten erklären.
Es gibt ja den Spruch: "Der
größte Unterschied zwischen Deutschland und Österreich liegt in der
gemeinsamen Sprache" und so beginne ich gleich beim Wort
"barfuß".
Also, in Österreich spricht eigentlich jeder mehrere
Sprachen, zumindest ein paar Formen von Deutsch, die oft nur wenig mit der
Sprache Goethes gemeinsam haben und hierzulande eher "Deidsch" genannt
werden. Jede Gegend hat ihren Dialekt, in Wien sogar manche Stadtteile einen
eigenen, dann gibt es eine Art österreichische Umgangssprache, damit mich
Niederösterreicher auch ein Tiroler so halbwegs verstehen kann, und
schließlich "Hochdeutsch", damit auch z.B. Ihr mich versteht (so
irgendwie halt...)
In der österreichischen Umgangssprache ist "barfuß" ein zwar
verständliches, aber selten gebrauchtes Wort. Üblich ist
"bloßfüßig". In den Dialekten Ost-Österreichs sagt man dann
"bloßhappig" oder gar "bloßhappert". Ich hab echt keine
Ahnung, woher das kommt.
"Barfuß/Bloßfüßig laufen" würde tatsächlich rennen / joggen
etc. bedeuten. Ansonsten "gehen" wir. (Schön langsam und gemütlich
halt... ;-) )
Noch eine Beobachtung von mir, die sich vielleicht ein wenig von dem
unterscheidet, was Ihr aus den Städten (Süd-) Deutschlands berichtet:
"Bloßfüßig gehen" ist z.B. in Wien im Stadtzentrum eher stärker
verbreitet als in den Randbezirken. Touristen, Studenten, junge Leute am Weg zum
"Beisl" oder "Schanigarten" (Übersetzungen auf Anfrage!)
ziehen eher ihre Schuhe aus als Arbeiter in Simmering, der "neue
Mittelstand" in den Stadtrandsiedlungen oder gar die vornehmen Döblinger.
Die große Ausnahme sind die Donauauen am Stadtrand, von denen ich Euch schon
einmal berichtet habe.
Am Land ist es dann ein wenig anders: Barfuß auf der Dorfstraße wird kaum
beachtet, auch wenn es auch nicht gar so viele machen. In die nächste
Kleinstadt fährt der Landbewohner aber auf jeden Fall mit Schuhen - und wundert
sich, wenn es ein anderer nicht tut.
Soweit ein paar Beobachtungen aus dem "fernen Osten", mit denen ich
Euch hoffentlich nicht allzusehr gelangweilt habe...
Das bringt mich auf eine kurze „Geologie für
Barfüßer“:
Österreich besteht geologisch aus 3 Teilen: den Alpen, den eher flachen
Gebieten mit weichen Sedimenten (Tegel, Schotter, Lehm, Löss, Sand) im Osten
und der Böhmischen Masse, einer Mittelgebirgslandschaft aus Granit und Gneis nördlich
der Donau, die nicht ganz bis in die Nordostecke des Landes reicht. Die Alpen
bestehen im Kern aus Gneis und Schiefer (Zentralalpen), dann schließen nördlich
(Karwendel, Totes Gebirge, ... bis zum Schneeberg) sowie südlich (Dolomiten,
Karawanken, ...) die Kalkalpen an. Ganz im Norden gibt es noch einen schmalen
Streifen mit Sandstein, der nur im Wienerwald ein wenig breiter wird.
Der langen Rede kurzer Sinn: Sandböden sind für Barfüßer der Himmel auf
Erden. Es gibt sie in Österreich fast nur im Marchfeld und in Teilen des
Burgenlandes, großflächiger z.B. in Ungarn zwischen Donau und Theiß.
Sandsteingebiete sind herrlich für ganz lange Wanderungen durch Buchenwälder.
Berge aus Gneisen und ähnlichen „Silikatgesteinen“ sind irgendwie sanft und
ganz einladend zum Barfußgehen. Beispiele sind die Niederen Tauern oder der
Zirbitzkogel. Umso besser dann die sanftwelligen „Rumpflandschaften“ der Böhmischen
Masse – in Österreich des Wald- und Mühlviertels, dann auch z.B. der Böhmerwald,
der Bayerische Wald ... Die am wenigsten barfußgeeigneten Landschaften sind
leider die schroffen Kalkalpen. Hier zerbrechen die Steine auch nicht so
angenehm rund, sondern stechend spitz. Den Unterschied merkt man auch z.B. auf
Forststraßen. Ihr kennt das. Das schreibe ich jetzt mit einem Seufzen, weil der
kalkige Schneeberg (ca. 80 km von Wien) und dann erst recht der einsame Göller
eigentlich meine Lieblingsberge sind...
Euer
Harald
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Barfußurlaub
am Bodensee
(Forumbericht im Sommer 2001)
Hallo miteinander,
wie versprochen, will ich euch noch über meinen Sommerurlaub berichten - den
barfüßigsten Urlaub, den ich je erlebt habe!
Drei Wochen super Wetter im August, und dann noch auf einem Campingplatz am
Bodensee - ideale Voraussetzungen.
Zum ersten Mal war ich tagelang
ununterbrochen barfuß, ohne dabei aufzufallen. Auf dem Campingplatz war ich
immer in guter Gesellschaft. Nicht nur viele Kinder, auch einige Erwachsene und
erfreulicherweise auch nicht wenige Jugendliche waren ständig barfuß. Das war
schon irgendwie beruhigend, mal zu sehen, dass der Trend, statt barfuß zu
laufen, irgendwelche Minimal- Fußbekleidung zu tragen, nicht alle infiziert hat.
Es waren auch einige Jugendgruppen auf dem Platz und da hatte ich das Gefühl, barfuß zu laufen gehört einfach dazu und Schuhe haben auf dem Campingplatz
nichts verloren.
Aber jetzt verlassen wir mal den Campingplatz ... auch außerhalb gibt es
einiges barfüßiges zu berichten.
Zum Beispiel von einem Ausflug ins Appenzeller Land, wo alle
"Vorurteile" sofort bestätigt wurden: Nach dem Besuch eines Museums
war gerade der Unterricht in der benachbarten Schule zu Ende und es kamen
tatsächlich sehr viele Kinder barfuß aus der Schule. Auch sonst waren in den
Dörfern bestimmt etwa die Hälfte aller Kinder barfuß unterwegs. Allerdings
sank die Barfußquote mit zunehmendem Alter deutlich ...
Aber immerhin waren auch
einige Erwachsene barfuß zu sehen - also, wer wirklich mal Barfüßigkeit als
Normalität erleben will, und sich keine Reise nach Neuseeland leisten kann, dem
sei ein Abstecher ins Appenzeller Land an einem warmen Sommertag empfohlen ...
Dieser Ausflug führte uns dann noch zur Schwägalp, von wo die Säntisbahn
auf den Säntisgipfel bringt. Dort angekommen, sahen wir auf den Monitoren, dass
die Sicht auf dem Gipfel nicht sehr gut war, so dass wir die recht teure Fahrt
nicht antraten. Während wir uns noch etwas umschauten, tauchte ein junges Paar
auf und löste 2 Tickets - sie so gekleidet, wie man üblicherweise Ausflüge
ins Hochgebirge unternimmt, er mit 3/4-Hose, T-Shirt und - barfuß!! Ich
drückte dem jungen Mann meine Bewunderung aus, dass er so locker barfuß auf 'nein Zweieinhalb-Tausender steigt - er fand das überhaupt nichts besonderes, er
laufe im Sommer immer barfuß. Wir blieben wie gesagt unten und machten eine
kleine Wanderung in der Umgebung der Schwägalp, teilweise barfuß auf
wunderschönen weichen Bergwiesen, ein Genuss, den sich selbst meine sonst nicht
sonderlich barfußbegeisterten Kinder nicht nehmen lassen wollten.
Als wir danach noch mal an der Bergbahn die Lage erkundeten, kam gerade das
junge Pärchen wieder aus der Bahn und ich erkundigte mich gleich, wie es war.
Super sei es gewesen, ein bisschen kühl, aber für barfußerfahrene Sohlen
überhaupt kein Problem. Ob er denn immer barfuß laufe im Sommer, wollte ich
neugierig noch wissen. Mit seiner Antwort überraschte er mich dann zum zweiten
Mal: Ja, immer. Er arbeite auf dem Bau, da sei das kein Problem.
- Aha,
ausgerechnet auf dem Bau barfuß kein Problem? Nix mit Sicherheitsvorschriften
und so?
- Na ja, die gibt's schon, aber er sei ja weit oben, auf dem Dach, da
sieht's keiner so schnell...
- Und der Chef hat da nichts dagegen, wenn du barfuß auf dem Dach rumturnst?
- *lacht*: Nö, der sagt nur immer zu den
Kollegen: Wenn er runterfällt, zieht ihm auf jeden Fall zuerst mal Schuhe an.
Also, liebe Bauleute, ich weiß nicht, ob so was nur in der barfußfreundlichen Schweiz möglich ist, aber vielleicht hat man doch in
manchen Berufszweigen immer wieder zu viele Bedenken? - Okay, ob das jetzt Sinn
macht oder einfach leichtsinnig ist, barfuß auf dem Bau rumzuturnen, muss jeder
natürlich selber wissen ...
Tja, und sonst? Gerade in Bodenseenähe hab ich sehr viel Barfußtoleranz
erfahren, aber auch sehr viele andere auf nackten Sohlen gesehen, ob auf dem
Dorf, in der Natur, im Supermarkt, in der Stadt, ich hatte das Gefühl, dass barfußlaufen als etwas völlig "normales" betrachtet wurde - leider
im Gegensatz zum Großraum Stuttgart.
Auch wenn nicht alle so denken: in Konstanz sah ich einen jungen Mann auf weißen Socken ohne Schuhe durch die
Fußgängerzone laufen. Ich konnte mir die
Frage nicht verkneifen, ob barfuß nicht angenehmer sei?? Na ja, meinte er, er
habe dummerweise heute morgen seine Schuhe vergessen und sei so ins Auto
gestiegen und jetzt müsse er erst mal Schuhe kaufen.
- Oder die Socken
ausziehen, empfahl ich ihm dann.
- Wäre auch ne Lösung, meinte er dann
lachend. Seine Begleiterin warf mir daraufhin allerdings einen bitterbösen
Blick zu - ich glaube, sie war von diesem Vorschlag nicht so begeistert...
Was ich allerdings leider trotz intensiver Barfüßigkeit nicht geschafft
habe, ist, mir eine stabile Hornhaut zuzulegen. Im Gegenteil, ich hatte den
Eindruck, dass meine Fußsohlen immer empfindlicher wurden, so dass jedes fiese
kleine Steinchen mich richtig quälte. .. Aber ich schätze, da muss ich einfach
nächstes Jahr noch ein bisschen mehr Barfußtraining in der Natur machen ...
Soweit mal mein Bericht- bitte entschuldigt den Stil, ich hab einfach mal
drauflosgetippt...
Gruß, Moritz
Urlaubswoche
am Ober-/Hochrhein
Hallo zusammen,
nach zwei Barfuß - Urlaubswochen zurück daheim will ich kurz berichten.
Bekannte von uns besitzen ein Ferienhaus in Italien, das sie uns angeboten
hatten. Leider konnten wir es wegen Terminproblemen nur für eine Woche nutzen,
und deshalb haben wir auf dem Hinweg eine Woche Am Ober- / Hochrhein
zwischengeschaltet.
In dieser Region waren wir schon häufiger, und einmal mehr hat sich bestätigt,
dass sie nicht nur prinzipiell barfußfreundlich ist, sondern dort - zumindest
an sommerlichen Tagen - auch barfuß gelaufen wird: in Karlsruhe, Freiburg,
Basel, Zürich und auch in kleineren Orten habe ich dies beobachtet.
Einige Tage haben wir in Waldshut - Tiengen in einer Ferienwohnung gewohnt. Dort
liefen mir täglich Barfüßige über den Weg, Jugendliche und junge Erwachsene
- und dank des Vorhandenseins von Wasserläufen in der Innenstadt (wie ja auch
in Freiburg) ohnehin immer wieder barfüßige Kinder (denen die Eltern meist die
Sandalen hinterher trugen).
Als absolut barfußtauglich erwies sich auch der Besuch am Rheinfall bei
Schaffhausen. Die von mir vorsorglich mitgenommenen Sandalen konnten im Rucksack
bleiben, weil die Rundfahrtboote keinen Metall-, sondern Holzboden besaßen.
Auch alle Zuwegungen ließen sich (nicht nur von mir) barfuß gut begehen.
Nirgendwo hatte ich den Eindruck, dass meine nackten Füße überhaupt nur zur
Kenntnis genommen wurden (auch nicht von den Vermietern der Ferienwohnung) - mit
einer Ausnahme: als wir an einem gewittrigen Abend in Colmar auf der Suche nach
einem zu unserem Geldbeutel passenden Lokal waren, brüllte Jungvolk aus einem
vorbei fahrenden Auto irgendwas von „Chaussures“ (also Schuhe). Ich fand
mich jedenfalls passend gekleidet - und nach dem großen Regen versuchten sich
auch junge Damen mit ungeeignetem Schuhwerk - allerdings erkennbar unbeholfen -
als Barfüßerinnen auf dem Colmarer Altstadtpflaster.
Fazit: eine schöne Barfußregion. Lediglich ein einzelner Barfußwanderversuch
von Tiengen nach Waldshut entlang Wutach und Rhein verlief dank ständig
steiniger Wege eher unbefriedigend.
Serfuß
Georg
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