| Jens erzählt von Barfuß - Trip nach Syrien |
Barfuß in Antalya
(Forumberichte im Frühling 2001)
Ich war letzte Woche in Antalya/ TR unterwegs. Bin bei 35 Grad barfuß in der
Fußgängerzone bummeln gewesen.
Man sollte meinen, dass in solch einem
Urlaubsort das Barfußlaufen als normal angesehen wird. Weit gefehlt! Man
schaute mich an, als wäre ich von einem anderen STERN! Die Einheimischen haben
bestimmt gedacht: "Wieder so ein typischer Touri, der in der brütenden
Hitze barfuß auf dem heißen Pflaster spazieren geht"
Es war aber trotzdem
sehr angenehm. Ich habe meine Schuhe fast immer vergessen! ( hi, hi )
Am Strand
war das alles kein Problem. Aber da wo "man" es nicht gewohnt ist,
jemanden barfüßig zu sehen, fällt es eben auf. Das ist mir aber ohnehin
völlig egal! Ich find´s einfach sehr schön barfuß zu laufen. Ich werd´s
auch weiterhin genießen.
barfüßige Urlaubsgrüße von Booker
Hi Booker,
genau die Erfahrungen hab' ich in Spanien und Griechenland
auch gemacht: die
Einheimischen haben den "typisch Tourie" - Blick drauf, sich aber im
Laufe der Zeit so an alles Mögliche gewöhnt.
Ich denke, mit Barfußlaufen
verletzen wir sicherlich nicht deren Gefühle, sie finden's einfach komisch oder
ungewöhnlich. Nähert man sich den Häfen, gibt's zahlreich barfüßige
Fischer.
Insgesamt hatte oder spürte ich überhaupt keine Probleme, in
Einkaufszonen barfuß rumzulaufen. Für Spanier und Italiener kommt dies für
sich selbst oft nicht in Frage (Eitelkeit, Faible für "schicke"
Schuhe ?).
Also, barfuß sehr o.k. (am Strand sowieso, ist doch klar).
Was anderes ist
es, leichtbekleidet Kirchen o.ä. zu besuchen. Sogar Muscleshirts z.B. sind auf
asiatischen Flughäfen zwar beliebt, aber nicht gern gesehen (kann ich oft
nachvollziehen ...).
Barfuß ist eine Sache, typische Touristenleichtbekleidung
'ne andere, das trenne ich natürlich.
Viel Barfußspaß in der Sonne, Creme mit LSF nicht vergessen...
Alexander (HH)
Oh Mann! Da haben wir wieder den typischen Deutschen Touri...
Antalya ist KEIN Urlaubsort, sondern eine Stadt, in der Menschen leben und
arbeiten!
Die Türken, die in Antalya rumlaufen, sind da nicht etwa zur Belustigung der Touristen ausgestellt, sondern sie WOHNEN da. Wenn Du glaubst,
türkische Küstenstädte seien ein einziger Strand, dann bleib in Zukunft bitte
in Deutschland.
Lass mich mal raten: Du hattest zu Deinen bloßen Füßen natürlich einen
Shorts an, weil Du ja quasi "am Strand" unterwegs warst. Und wenn die
"dummen Moslems" meinen, Shorts seien Unterhosen, das ist das
"deren Problem", immerhin finanzierst Du ja deren Leben.
Ob barfuß oder nicht, mit Deiner Einstellung solltest Du in Zukunft das
Ausland meiden...
SchnaXeL
Oh, da haben wir einen ganz ruppigen Zeitgenossen.
Nur zu Deiner Info! Ich
bin mit einer Türkin verheiratet! Und ich war in Antalya bei Einheimischen zu
Besuch.
Ich wollte mit der Mail nur darstellen, dass es auch im Ausland nicht
unbedingt auf wohlgefallen stößt, wenn man in der Öffentlichkeit barfuß
läuft. Da musst Du nicht gleich solche Sprüche bringen!
Booker
1:0 für Booker (grins...). So manchmal hab' ich den Eindruck, dass die Leute
hier im Forum ganz schön schnell barfuß in die Scherben rennen und sich gern
aggressiv austoben (ob die das auch tun, wenn sie nicht anonym bleiben und
jemandem in kontroverser Diskussion in die Augen schauen sollen ?).
Locker
bleiben - Booker hat doch sympathisch geschrieben.
Alexander (HH)
Hallo Alexander,
vielen Dank für die Blumen! Manchmal ist es wirklich schon eigenartig, wie
hier diskutiert wird. Zum Glück aber eher selten.
Es ist schon interessant
festzustellen, dass die Vorbehalte oder auch Vorurteile gegenüber Barfüßern
nicht nur in Deutschland vorhanden sind. Gerade in solch einem Land wie der
Türkei ( das im Moment in einer großen Wirtschaftskrise steckt ), sollte man
meinen, das Barfußlaufen doch als normal angesehen wird.
Nicht deshalb, weil
die meisten Menschen dort sehr arm sind, sondern weil das Wetter dort viel
besser ist, und weil "man" sich immer selbst ein bestimmtes Bild vor
Augen führt.
Türkei ist ein orientalisches Land. Im Orient lüft man barfuß!?
Da ist allerdings schon etwas wahres dran. Bei den Türken ist es so, dass man
grundsätzlich die Schuhe auszieht, wenn man eine Wohnung betritt. Diese
Tradition sollte man schon beherzigen, wenn man mal in solch eine Situation
gerät.
In Moscheen darf man ohnehin keine Schuhe tragen. Dort rennt jeder
grundsätzlich barfuß herum. Schuhe bleiben draußen. Gerade aus den
vorgenannten Gründen meint man, dass das barfußlaufen in solchen Ländern normal
sei. Eigentlich ist es das ja auch. Nur eben auf den Straßen in den
Großstädten nicht. Es ist dort sehr gefährlich barfuß zu laufen. Meine
Freunde mit denen ich unterwegs war ( beide türkische Familienväter ) machten
sich immer große Sorgen, wenn ich barfuß unterwegs war. Sie meinten ich würde
mich verletzen, bis ich ihnen erklärte, dass ich regelmäßig barfuß laufe und
meine Füße nicht mehr so empfindlich sind.
Ich habe es sogar geschafft, beide
davon zu überzeugen auch mal barfuß zu laufen. Sie haben dann ihre Schuhe
ausgezogen, aber auch gleich nach ein paar Metern wieder angezogen. Ich muss allerdings sagen
dass das nicht ganz fair von mir war. Denn da wo wir gerade
herspazierten, lag ziemlich feiner Schotter. Mir machte das nichts aus, aber
meinen Freunden sehr wohl. Sie liefen wie auf rohen Eiern. Anschließend sagten
sie, dass sie das gar nicht verstehen könnten, dass ich ohne Probleme auf diesem
feinen Schotter laufen könnte.
Auch am Strand, das gleiche Problem. In Antalya
gibt es sehr unterschiedliche Strände. Mit Sand, aber auch mit Kies! Wir waren
an einem solchen! Ich lief dort natürlich barfuß rum. Meine Freunde hatten
ihre Latschen an. Sie versuchten aber immer häufiger ohne auszukommen. Ermutigt
durch mein Verhalten.
Im großen und ganzen war es eigentlich kein Problem, dort
barfuß zu laufen. Aber auch wie hier zu Lande, gibt es Vorbehalte gegenüber
Barfußläufern.
Es ist schon merkwürdig! Die Füße sind doch ein Körperteil
wie jeder andere, mit der Ausnahme, dass gerade die Füße von den meisten
völlig vernachlässigt werden! Dabei sind sie so wichtig!
Meine Frau kommt
ziemlich weit aus dem Osten der Türkei. Dort rennen zumindest die Kinder immer
barfuß herum. Auch in den Bergen! Ziemlich abgehärtet!
Meine Frau hat auch
erst die Stirn gerunzelt, als sie gemerkt hat, dass ich häufig barfuß laufe.
Nachdem ich ihr aber erklärt habe, warum ich das mache, hat sie es verstanden.
Mittlerweile läuft sie auch schon häufiger barfuß als früher, und sie hat
Spaß daran gefunden.
Die Angst, die jeder kennt, wenn man in der
Öffentlichkeit unterwegs, hat sich mittlerweile auch schon gelegt. Es ist gar nicht
so schlimm! Man darf nicht nur durch die Gegend rennen und die Leute
beobachten und denken: Beobachten die mich jetzt? schauen die auf meine Füße?
Was meinen die wohl dazu?
Vielen Menschen fällt das gar nicht auf, dass man keine
Schuhe an hat! Und wenn, ist es manchmal sogar lustig ! So jetzt muss ich weg.
Viele barfüßige Grüße
Booker
[Antalya KEIN Urlaubsort, sondern Stadt, in der Menschen leben und
arbeiten! Wenn Du glaubst,
türkische Küstenstädte seien einziger Strand, dann bleib
in Deutschland]
Willst du damit ausdrücken, dass barfußgehen in fremden Ländern nur am
Strand, keineswegs jedoch in Städten angemessen ist, weil sich ja die
Einheimischen daran stören könnten?
Ich dachte eigentlich, es sei Konsens in
diesem Forum, sich eben nicht solchen gesellschaftlichen Zwängen unterzuordnen,
ob nun als Tourist oder Einheimischer.
Das bedeutet keine Geringschätzung von
irgendjemandem, sondern eben das kleine Stück persönlicher Freiheit, das wir
mit uns führen, wohin unsere nackten Sohlen uns auch führen.
Unci
Hi Unci!
Es geht mir hier nicht um das Barfußgehen in anderen Ländern, sondern
schlichtweg darum, dass man sich als Gast in einem Fremden Land bitteschön auch
wie ein solcher zu benehmen hat.
Wenn Deutsche Touristen in Shorts durch türkische Städte gehen oder im
schulterfreien Top Moscheen besichtigen, brauchen sie sich nicht zu wundern,
wenn sie böse angeguckt oder gar angepöbelt werden.
Bei Bookers Artikel habe
ich mich vor allem am Begriff "Urlaubsort" gestoßen. Ich selbst war
schon länger nicht mehr in Antalya, aber als ich 1989 zuletzt da war, war
Antalya noch ein schönes türkisches Städtchen, in dem zwar auch ein paar
Touris (damals noch angemessen bekleidet) unterwegs waren, in dem aber vor allem
Einheimische lebten, arbeiteten und ihre Kultur pflegten.
Inzwischen scheinen aber die typischen Deutschen Proll-Touris die Türkei
für sich entdeckt zu haben und zu ihrer Kolonie zu machen. Für sie ist
Antalya jetzt ein "Urlaubsort", in dem zur allgemeinen Belustigung ein
paar niedliche Türken rumrennen, und in dem sich Touristen so benehmen dürfen,
wie sie es zuhause nie tun würden.
Hierzulande mache ich mir auch einen Spaß aus den Leuten, die mich dumm
angucken, wenn ich barfuß in der Stadt unterwegs bin, in anderen Europäischen
Ländern tue ich das auch, aber wenn man sich in einem fremden Land mit deutlich
anderer Kultur befindet, sollte man jede Provokation bleiben lassen und sich den
kulturellen Gepflogenheiten anpassen.
Für Türken sind Shorts eben Unterhosen
und bloße Füße gehören in die Wohnung oder die Moschee. Vermutlich dachten
die Türken, die Booker schräg angeguckt hatten, mit grausen daran, dass er mit
seinen dreckigen Füßen ganz selbstverständlich die nächstbeste Moschee
zwecks Besichtigung ansteuern könnte, natürlich ohne sich vorher die Füße zu
waschen.
Abgesehen davon kann ich mich daran erinnern, dass es, als ich vor 10 Jahren das letzte Mal in der Türkei war, in der türkischen Provinz noch lange
nicht selbstverständlich war, dass sich jeder Schuhe leisten konnte, und ich weiß nicht, ob sich dies in der Zwischenzeit geändert hat.
Für jene Leute, die sich evtl. noch gut an eine Zeit erinnern konnten, in der
sie aus Armut barfuß gehen müssten, ist ein barfüßiger Touri ebenfalls eine
Provokation, dessen sollte sich unsereins bewusst sein, wenn er in fremden
Kulturen meint seine persönliche Freiheit ausleben zu müssen, indem er in der
Öffentlichkeit barfuß geht.
Fuß zum Gruß, SchnaXeL
[Bei Bookers Artikel habe am Begriff
"Urlaubsort" gestoßen]
Na und, ich lebe auch in einem solchen .... die Vielfalt der Besucher führt
immer wieder zu interessanten Begegnungen. Allerdings sind die Touristen und
Einheimischen städtebaulich gut getrennt.
[typischen Deutschen Proll-Touris Türkei
für sich entdeckt]
Kleiner Exkurs zum Thema Deutschtum: Interessant ist in diesem Zusammenhang,
dass offenbar nur die Deutschen genug Selbstkritikfähigkeit haben, dass
"typisch deutsch" bei ihnen ein Schimpfwort ist :) Das Äquivalent,
"typically Britisch" oder "typiquement français", würde
bei den entsprechenden Völkern nicht als ähnlich ablehnenswert interpretiert.
Diese geschichtlich bedingte Verwässerung des "harten Nationalismus"
macht die Deutschen fast sympathisch ....
[Für Leute, die sich an Zeit erinnern, in
der sie aus Armut barfuß gehen, ist barfüßiger Touri Provokation]
Das halte ich für eine etwas abwegige Argumentation; das Zeichen, mir nicht
alles leisten zu müssen, das ich mir leisten könnte, kann ich doch auch und
gerade dort setzen, wo ich mit anderen zusammenkomme, die sich noch weniger
leisten können?
Schuhe dort zu tragen, wo sie nicht notwendig sind, ist doch
letztlich auch nur ein Ausdruck überflüssigen Konsums und westlicher Dekadenz
...
Unci
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Jens
erzählt von seinem kommunikativen Barfuß - Trip nach Syrien
(Forumbericht im Sommer 2000)
Nach längerer Pause möchte ich über meine neuesten Barfuß -
Reiseerlebnisse berichten: Ich war den ganzen Juli über in Syrien und – wie
immer - barfuß unterwegs.
Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Land auf nackten Sohlen zu erkunden ist nur
dann eine gute Idee, wenn man ein erfahrener Barfüßer ist - mit Sohlen, die so
einiges gewohnt sind und einer guten Portion Selbstvertrauen!
Außer einigen Kindern in ländlichen Gegenden (Beduinen!) läuft wirklich
niemand barfuß! Die Syrer tragen Sandalen verschiedenster Art oder zumindest
"Flip - Flops". Dass ich den ganzen Tag barfuß herumlief erregte daher
einiges Aufsehen, und ich wurde andauernd gefragt, wo meine Schuhe sind, warum
ich barfuß laufe etc. Viele Syrer waren besorgt, der sonnenverwöhnte Boden
(egal ob Wüstensand oder Asphalt) könne zu heiß für mich sein, und manche
Einheimische boten mir sogar ihre Schuhe an oder wollten mir ein Paar "Flip
- Flops" kaufen!
Sobald ich den Leuten jedoch erklärte, dass ich es vorziehe, barfuß zu
bleiben, gab es keinerlei Probleme: Ob bei der Anmeldung im Hotel, im Museum, in
Kreuzfahrerburgen oder Kirchen – nirgends bekam ich wegen meiner nackten –
und meist auch ziemlich schmutzigen - Füße Schwierigkeiten!
Die Straßen sind ziemlich verdreckt, aber ich liebe es, wenn meine Sohlen schön
schwarz werden! Glassplitter sind ebenfalls keine Seltenheit, aber glücklicherweise
ist meine Hornhaut ziemlich widerstandsfähig. Trotzdem hatte ich immer eine
Pinzette dabei, und habe sie auch ein- oder zweimal gebraucht.
Die Besichtigung antiker Stätten war eine gute Gelegenheit einmal zu testen,
was ich meinen Sohlen so alles zumuten kann: Das steinige Gelände – ohne
feste Wege und mit viel dornigem Unkraut - erfordert schon einige Jahre Barfuß
- Erfahrung. In Apamea traf ich einen Traveller aus Kalifornien. Dass ich barfuß
unterwegs war veranlasste ihn zu dem erstaunten Kommentar "Für mich ist es
schon ziemlich hart, hier in Sandalen herumzulaufen!"
Einmal traf ich einige junge Beduinen, von denen zwei barfuß unterwegs waren.
Als sie merkten, dass ich auch barfuß bin, zeigten sie auf ihre Füße und lächelten!
Meiner Meinung nach ist ein Barfuß - Trip nach Syrien schon interessant, wenn
man ein erfahrener Barfüßer ist. Barfuß in Syrien unterwegs zu sein ist außerdem
sehr "kommunikativ": Viele Einheimische wollen wissen, warum da jemand
ohne Schuhe herumläuft, und man erhält reichlich Gelegenheit, seinen Barfuß -
Lebensstil zu erläutern!
Ciao, Jens
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