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Auf
den Kapverden leben viele ohne Schuhe
(Forumbericht im Herbst 2000)
Hallo zusammen, im vergangenen Jahr habe ich
einen sehr schönen Urlaub auf den Kapverdischen Inseln verbracht.
"Cabo
Verde" ist, wie die meisten von Euch sicher wissen, die Heimat der
Sängerin Cesarea Evora, der "barfüßigen Diva", die momentan wieder
durch Deutschland tourt. Sie hat sich schon häufiger in Interviews zu ihrer
Neigung geäußert, die sich auf den kurzen Nenner bringen lässt: "Ich mag
halt keine Schuhe". Sie war in der Vergangenheit auch dann barfuß, als es
aus protokollarischen Gründen - ich glaube, als Beispiel wurde der Besuch eines
portugiesischen Politikers genannt - nicht angesagt war. Tolles Selbstvertrauen,
finde ich.
Cesarea Evora ist allerdings kein Einzelfall. Ich habe selten in
einem Land so viele barfüßige Menschen gesehen, wie hier. Alle Altergruppen
waren vertreten, wobei Kinder und Jugendliche den größten Anteil stellten. Von
den ganz Kleinen abgesehen, sind auf den Kapverden Schuluniformen MIT Schuhen
vorgeschrieben. (Angesichts des hierzulande grassierenden Klamotten -
Markenfetischismus ist das mit der Schuluniform eine überlegenswerte
Alternative, was sagen die Pädagogen hier im Forum dazu?). Die Vorschüler
waren wie gesagt barfuß, die älteren Schüler dann aber nach Schulschluss ebenfalls in großer Zahl. Ich erinnere mich z.B., einen Teenager im Elternhaus
verschwinden zu sehen und nach fünf Minuten war er in "Zivil" und auf
nackten Sohlen wieder auf der Straße.
Natürlich sind die Menschen auf den
Kapverden nach unseren Maßstäben gemessen arm, wobei viele von
Familienangehörigen, die im Ausland (USA, Niederlande etc.) arbeiten,
unterstützt werden. Dennoch war es offensichtlich, dass Armut allein nicht der
Grund fürs Barfußsein war, denn viele trugen ansprechende Kleidung, aber
eben keine Schuhe. Im Gegensatz zu unseren oftmals zivilisationsschwachen
Gewächsen war die Zahl der ausgesprochen wohlgeformten Füße beträchtlich.
Ich habe kaum Platt-, Senk- oder Spreizfüße gesehen.
Leider gab es einige
Fälle von Klumpfüßen, was auf unzureichende medizinische Versorgung bei
Kleinkindern schließen lässt. Ein mit uns wandernder Orthopäde erläuterte
sogleich, was man in Deutschland dagegen tun würde, bestätigte aber
gleichzeitig, wie gesund geformt die meisten Füße hier seien, was er auf ein
ausgiebiges barfüßiges Training von Kind an zurückführte.
Tatsächlich gab
es keinen Untergrund, der nicht barfuß bewältigt worden wäre. Auf den extrem
schönen Wandertouren begegneten wir zahlreichen Einwohnern verschiedenen
Alters, die mit einer Leichtigkeit, ja Eleganz über Stock und Stein gingen, dass
es eine Freude war. Im Gegensatz dazu "eierten" wir in unseren
Wanderschuhen und Teva - Sandalen doch ziemlich herum.
Das absolute Highlight war
die Besteigung des Vulkans Fogo auf der gleichnamigen Insel, wo uns ein
vielleicht sechszehnjähriger Einheimischer führte und ebenso behände wie
schnell auf nackten Sohlen voraus ging. Dabei hatte ich Gelegenheit, auf seine
Füße genauer zu achten: soweit ich sehen konnte, hatte er weniger eine
zentimeterdicke Hornhaut als eine "Polsterung" unter der Haut, die es
ihm erlaubte, einer Gämse gleich zu klettern.
Ich selbst habe während des
Urlaubs Schuhe und Sandalen ausgelassen, wo immer möglich, konnte mich mangels
Übung mit den Einheimischen aber nicht annähernd messen. Die Reaktion reichte
von Verwunderung bis Zustimmung, denn barfüßig wandernde Touris sind auf Cabo
Verde offenbar immer noch eher die Ausnahme. Einen therapeutischen Erfolg hatte
das Barfußlaufen auch, da ich eine mir zuvor in Deutschland eingefangene
Dornenwarze wieder los wurde - wahrscheinlich aufgrund der ausgiebigen Massage
durch die unterschiedlichen Bodenverhältnisse.
Für einen ereignisreichen
Urlaub kann ich die Kapverden jedenfalls jedem empfehlen - dem Barfüßer sicher
noch mehr als dem Beschuhten. Vielleicht hat ein anderer Forumsteilnehmer ja
ähnliches dort erlebt ...
Ach ja, fast vergaß ich's: In einem Hafen auf der
Insel Santo Antao habe ich den bislang einzigen Menschen gesehen, der
tatsächlich sechs Zehen an jedem Fuß hatte, was ich erst dem leckeren "Grogue"
(so ähnlich wie Rum) vom Vorabend zugeschrieben habe. Aber auch beim
Nachzählen blieben es sechs.
Schöne Füße wünscht Euch der Schorsch
Barfuß und Trekkinggruppen scheint ein
eigenes spannendes Thema zu sein. Ich habe zwar noch nie an so einer Gruppe oder
anderen organisierte Reisen teilgenommen (dazu bin ich zu individualistisch -
weniger Wohlwollende sagen zu stur und eigensinnig), da ich aber gerne reise und
wandere, mache ich aber immer wieder witzige Beobachtungen dazu.
Eine Begegnung "der besonderen Art" hatte ich vor ein paar Jahren auf den
Kapverdischen Inseln. Ich
war dort mit Freunden unterwegs und bin einfach einmal, während die irgendwo im
Schatten oder am Meer herumgesessen sind, ein Tal hinaufspaziert. Es war ein
gemütlicher Weg, zwischendurch habe ich eine Pause in einer Dorfbar gemacht,
dann ein Stück mit einem Auto mitgefahren, so nach einem halben Tag war ich
wieder zurück.
Der Großteil des Weges war eigentlich eine Auto - befahrbare
Piste, ein Stück gepflasterter Fußweg. Großteils war ich barfuß unterwegs,
für steinige Wegstücke hatte ich meine Flipflops im Rucksack, mit denen auch
die meisten Kapverdeaner unterwegs sind. Die Bewohner dieses Tals haben sich
weder über meine Füße noch über meine sonstige Bekleidung (kurze Jeans,
T-Shirt) gewundert: es war ein schöner warmer Tag, wie meistens auf den
Kapverden. Ich habe das ganze eher als längeren Spaziergang und nicht als
wirkliche "Bergtour" erlebt.
Plötzlich kam eine Gruppe großteils
deutscher Trecking-Touristen des Weges. Die Ausrüstung: schwere Bergschuhe,
Treckinghosen im Army-Stil, großteils wärmere Sweater umgehängt oder gar
angezogen, fast alle mit Teleskopstöcken, große Rucksäcke ...
schweißüberströmt und wirklich fast mit heraushängender Zunge.
Ich hab sie angestarrt wie Wesen von einem anderen Stern, und sie mich auch!
Ich
habe dann lange überlegt, wo denn in dieser Gegend das Gebirge ist, dass sie
gerade "erstürmen" wollten. Bloß - es gab keines. Auf den einzigen
Berg führt auf der anderen Seite eine Passstraße hinauf. Und über die
örtlichen Verhältnisse müssten sie informiert sein: Die (damals) einzige
Trecking-Agentur der Insel wurde von vor Ort lebenden EuropäerInnen geleitet.
Ich denke, diese Begegnung war nicht nur recht witzig, da steckt schon ein
bisschen was dahinter: Wie sehr nämlich Reisen mit Sehnsüchten nach Freiheit
zu tun hat, die dann von der Tourismusindustrie wieder enttäuscht werden. (Ist
zunächst etwas weit hergeholt und wäre eher ein Thema für ein Forum zur
"Reisephilosophie" - kennt jemand so etwas?)
Ähnliches beobachte ich
auch immer wieder in den Alpen: Nichts gegen ordentlich Ausrüstung. Ich habe
schon gerne einen warmen Pullover, eine Regenjacke und feste Schuhe dabei, wenn
ich auf höhere Berge gehe. Nur: ich muss sie nur dann verwenden, wenn mir mein
Gefühl sagt, dass es jetzt notwendig ist. Und ich muss keinen ungeschriebenen
Kleidercodex erfüllen, der bis zur Farbe der Socken reicht (und nach
Altersgruppen fein differenzier ist - macht echt Spaß, das zu beobachten!)
Zerrissene Jeans und nackte Füße sind da ein Zeichen, das gerade jüngeren
"Bergsportler" offenbar unangenehm an die Freiheit erinnert, die man
auch in den Bergen finden kann, wenn man nicht nur den Stress sucht, den der
Alpenverein in die Berge getragen hat. (Sorry, dieser Verein hat natürlich auch
ein paar gute Seiten. Aber ich habe halt auch ein paar Probleme mit dem
Alpinismus. Aber das gehört auch nur mehr am Rand hier her ...) ...
Wer von Euch
kennt eigentlich Cesaria Evora?
Für mich eine ganz faszinierende Sängerin von
den ebenfalls faszinierenden Kapverdischen Inseln. Sie ist eines der
bekanntesten Aushängeschilder einer Inselwelt vor der Küste Westafrikas, die
kulturell irgendwo zwischen Portugal, Afrika und Brasilien steht - und einfach
voller Musik verschiedener eigenständiger Stilrichtungen ist.
Cesaria Evora
stammt aus der Hafenstadt Mindelo und ist so etwas wie der Inbegriff des
Musikstils der "Morna" - einer kapverdischen Variante des
portugiesischen Fados. Manche Leute lieben diese Musik, die Sehnsucht,
Melancholie und Hoffnung ausdrückt. Ich gehöre zu denen.
Angeblich tritt
Cesaria bei ihren Konzerten immer barfuß auf. Es heißt, aus Solidarität mit
den Bauern in ihrem Land, für die Schuhe noch keine Selbstverständlichkeit
sind. Harald
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Auf den
Seychellen gehen alle barfuß
(Forumbeitrag im Herbst 2000)
Heute möchte ich mal von einem
ganz besonderen Reiseziel berichten.
Zuletzt habe ich ja ausführlich von meinen Erlebnissen in
Australien,
insbesondere auch von der barfüßigen Besteigung des "Clunp"
(Ayers Rock) erzählt.
Endpunkt dieser Reise war Darwin, ganz im Norden von Downunder. Wenn man
nun von Darwin aus mit den Passatwinden über den Indischen Ozean Richtung
Afrika segeln würde, Kurs West - Nordwest, dann würde man nach
einigen Wochen Land voraus sichten.
Beim Näherkommen erkennt man sofort, dass es sich nicht um die ostafrikanische
Küste handelt, sondern um Inseln, deren dicht mit tropischem Wald
bewachsenen Berge sich bis zu annähernd 1000 Metern aus der Weite
des Indischen Ozeans erheben. Die größeren Inseln sind fast
alle bewohnt, es gibt aber auch ganz winzige, auf denen es keine Menschen
gibt, aber eine überwältigende Vielfalt an Vögeln.
Die Menschen auf den großen Inseln sind schwarz, schwarz wie der
schwärzeste Rabe, sie sind weiß, weiß und blond, wie man
sich ein Mädchen aus Stockholm vorstellt, sie sind braun, braun wie
das schönste Braun, das man sich vorstellen kann! Und sie sind barfuß!
Alle!
Schuhe braucht man hier nicht, sie sind so überflüssig, wie ein
Kühlschrank in Grönland. Die Menschen hier leben vom Fisch, wilde
Tiere gibt es nicht, zumindest keine, die man essen kann. Es gibt auch
keine Schlangen und keine sonstigen Gifttiere. Viehzucht ist nahezu unbekannt,
ein paar Hühner, das war's.
Zum Essen gibt's Fisch, in einem Variantenreichtum, den man sich nicht
vorstellen kann. Ich bin (leider) nicht mit dem Segelschiff aus Australien
in dieses Paradies gekommen, sondern gänzlich unromantisch, mit dem
Flugzeug, aus Basel.
Nun wollt Ihr natürlich wissen, wie dieses Paradies heißt! Vielleicht
könnt Ihr es Euch ja schon denken: Es sind die Seychellen!
Schon der Landeanflug auf der Hauptinsel Mahe ist etwas abenteuerlich.
Die Landebahn ist ideal für kleinere Propellermaschinen, aber eine
DC8 mit knapp 300 Leuten an Bord dort sicher runterzubringen ist schon
eine Herausforderung für einen Flugkapitän. Das einzig Gute:
weder vor, noch hinter der Piste gibt es irgend ein Hindernis, nur Wasser!
Folglich gleitet das Flugzeug schon mehrere Kilometer vor der Landebahn
ganz knapp über der Wasseroberfläche dahin, bis es schließlich
die Landebahn erreicht - und dann wird gebremst!
Die Insel Mahe ist relativ groß, mit hohen, weithin sichtbaren Bergen,
an denen sich die feuchten Passatwinde abregnen.
Wesentlich kleiner und flacher, die höchste Erhebung ist 340m hoch,
ist die Insel Praslin, die zweitgrößte Insel des Archipels.
Ein wirkliches Paradies, man kann sie zu Fuß in einem Tag umrunden,
wenn man sich 2 Tage Zeit lässt, hat man auch noch Zeit um die paradiesische
Landschaft genauer anzuschauen.
Wer nicht so gerne wandert, kann sich, wie ich, auch einen Buggy mieten,
mit dem man die interessantesten Stellen bequem erreicht.
Auf Praslin hatte ich meine Unterkunft, in einem Hotel. Es gibt aber auch
exklusive Privatunterkünfte, für diejenigen, die es sich leisten
können. Das Flair in solchen Pensionen ist einmalig, ein wahrer Urlaub
im Paradies, aber wie gesagt, man braucht halt das nötige Kleingeld
dafür.
Aber auch, was die Insel und ihre kleineren Nachbarn sonst noch zu bieten
haben, ist paradiesisch und durchaus erschwinglich. Im Zentrum von Praslin,
zwischen dicht bewaldeten Bergen liegt das verschwiegene Vallee de Mai,
das Tal des Mai. Hier wächst die geheimnisvolle Coco de Mer oder Saychellennuß.
Sie ist wahrlich außergewöhnlich. Eine "doppelte" Kokosnuss,
die auf bis zu 80 Meter hohen Palmen wächst und 25 kg schwer wird!
Sie braucht 7 Jahre zu Reife, dann ist sie so hart, dass man Geschirr daraus
schnitzen kann.
Wenn man sie essen möchte, sollte man sie nach drei bis vier Jahren
ernten, vorausgesetzt, man schafft es, eine 80m hohe Palme zu erklimmen
... Wenn man diese Nuss betrachtet, erscheint sie, wie ein wohlgeformter
menschlicher Po (ich über lasse es Euerer Phantasie, ob männlich
oder weiblich). Die Coko der Mer wächst nur auf Praslin und einige
wenige Palmen auf der Nachbarinsel Curieuse. Alle Kultivierungsversuche
auf anderen tropischen Inseln schlugen fehl. Die Nuss wurde verschiedentlich
schon an fernen Stränden angespült, wo man sie für eine
Nuss hielt, die im Meer wächst. Daher kommt der Name.
Man kann den Urwald im Vallee de Mai auf sauber gepflegten Pfaden erwandern,
das ist mehr ein Spaziergang. Eine 1A- Barfuß- Empfehlung! Da kann
man auch die Coco de Mer bewundern, und ihre Blätter, die eine Fläche
von ca. 16 Quadratmetern haben!
Das Tal birgt noch ein weiteres Geheimnis, den schwarzen Papagei. Man hört
ihn rufen, aber nur wenige Menschen bekommen ihn jemals zu sehen. Man schätzt
den Bestand auf etwa 10 Paare (Stand 1983). Den schwarzen Papagei gibt
es weltweit nur hier in den Wäldern um das Valley de Mai.
Landschaftlich ist das Tal ebenso phantastisch. Dichter Urwald, Wasserfälle,
wilde Bananen, Ananas, Palmen, Schluchten, ein tropisches Paradies, ohne
Schlangen, Skorpione und Giftspinnen. man kann bedenkenlos barfuß
laufen. Auch vor den Moskitos braucht man keine Bange zu haben, es gibt
auf den Seychellen keine Malaria. Auch andere tropische Krankheiten erreichen
die abgelegenen Inseln nur in Einzelfällen.
Von meiner Unterkunft aus konnte ich einen Hügel besteigen, mit üppiger
tropischer Vegetation. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die
benachbarten Buchten mit ihren strahlend weißen Strandsicheln. Noch
toller ist die Aussicht vom 340 Meter hohen Grand Fond. Sie reicht über
das ganze tropische Inselarchipel. Man kann den Gipfel per Auto erreichen.
Ebenso führt eine Straße zur malerischen Anse Lazio ganz im
Norden der Insel, eine Strandbucht wie aus dem Bilderbuch, hier hat der
Schöpfer malerischen Kreativität freien Lauf gelassen. Weißer
Sand, hohe, leicht geneigte Palmen, tiefblaues Wasser, ein kleiner Urwaldfluss
plätschert ins Meer, dicke Granitblöcke unterteilen den Strand,
bewaldete Hügel rahmen ihn ein. Der Blick übers Meer geht nach
Westen, die Sonne versinkt am Abend hinter der winzigen Felseninsel Roche
Grand Maman im Meer. Da vollführt nicht nur das Maler- und Fotografenherz
Freudensprünge ...
Noch schöner ist die kleinere Bucht Anse Georgette, ganz im Nordwesten.
Man erreicht sie nur zu Fuß, durch den Urwald oder per Boot und man
ist dort meistens ganz alleine. Aber auch die unzähligen anderen kleinen
und größeren Strände der Insel sind wunderschön. Und
die Unterwasserwelt bietet dem Schnorchler einmalige Anblicke. Zwischendurch
kann man auf einen Granitblock sitzen und die Seele baumeln lassen.
Per Boot erreicht man die Nachbarinseln, z.B. Aride im Norden. Ein paar
vereinzelte Häuser an der Südküste, hier wohnen die wenigen
Einwohner des 2 qkm kleinen Eilands. Aber es gibt eine wundervolle Vogelwelt,
vor allem im Mai. Ein verzweigtes Netz von Fußwegen, meist verwurzelte
oder felsige Urwaldpfade erschließen die Insel und ihre Brutplätze,
die man aber nur mit Führer aufsuchen darf. Eine genaue ornithologische Beschreibung würde den Rahmen hier sprengen und ich bin auf diesem
Gebiet ohnehin kein Experte.
Courieuse ist eine verlassene Urwaldinsel, die palmenbewachsenen Felsen
von St. Pierre bieten von Pte Zanguilles auf Praslin eine herrliche Kulisse
im Sonnenaufgang. Chouve Souris kann man schwimmend erreichen. Ein Boot
braucht man wiederum, wenn man die Paradiesinseln Petite und Grand Sceur
oder Felicite besuchen möchte.
Petit Sceur ist unbewohnt, auf den beiden anderen gibt es nur wenige Menschen.
Überall laden malerische Buchten und geheimnisvolle Urwaldpfade zu
barfüßigen Spaziergängen in bezaubernder Landschaft ein.
Ich gebrauche in meiner Beschreibung viele Ausdrücke der Superlative:
paradiesisch, phantastisch, bezaubernd etc. Sie alle können nicht
wirklich beschreiben, was sich den Sinnen hier bietet, die Anblicke, die
Gerüche, die Geräusche, die Gefühle beim barfüßigen
Ertasten dieses Fleckchen Erde, aber wie soll man das Paradies schon beschreiben
...
Die größte Nachbarinsel von Praslin ist La Digue. Menschen gibt
es einige auf dieser Insel, die Buchten vor allem im Südosten stehen
denen im Norden von Praslin in nichts nach. Überall auf diesen Inseln
sind Schuhe absolut überflüssig, man braucht sie nicht. Jeder
ist hier barfuß, beim Arbeiten, beim Fischen, beim Spazieren gehen,
beim Tanzen, einfach immer und überall!
Es gibt keinen Massentourismus, der ist bei den Seycheloir auch nicht erwünscht.
Die Leute sind zurückhaltend aber nicht unfreundlich, sie wollen aber
gerne alleine bleiben. Einige wenige Urlauber sind immer willkommen, aber
keine Massen wie in anderen tropischen Inselreichen.
Die Seycheloir wollen sich ihr kleines Reich erhalten, wie es ist, ein
Paradies. Wie gesagt, sie sind eine bunte Mischung aus allen Rassen Afrikas,
Asiens und Europas und sie leben friedlich zusammen. Soldaten gibt es keine.
Einige tausend Meilen vom nächsten Festland entfernt gibt es auch
niemanden, mit dem man streiten könnte.
Wenn man hier in Urlaub ist, verlieren unsere Wertmaßstäbe an
Bedeutung. Nichts geht schnell, nichts ist groß, materieller Reichtum
ist unwichtig. Es gibt keine landschaftlichen Superlativen a la Grand
Canyon, Ayers Rock, Amazonas, Viktoriawasserfälle oder Serengeti.
Alles ist klein, eine Welt en Miniatur. Man bracht keine sportlichen Höchstleistungen
zu erbringen, wenn man die Inseln erwandert, alles nur Spaziergänge.
Eine barfüßige Tour ist schön, man kann damit aber nicht
prahlen. Man fällt auch nicht auf, ja, nach kurzer Zeit merkt man
es noch nicht mal selber, dass man barfuß ist. Andere Leute, die
barfuß laufen, fallen ebenfalls nicht auf, man registriert sie gar nicht,
es sind ja alle.
Es fallen nur diejenigen (wenigen) auf, die wanderstiefelbewehrt das "wilde"
Vallee de Mai durchdringen möchten. Mitleidig kann man sich ihre "kochenden"
Füße vorstellen.
Ja, und irgendwann, nach einigen Wochen muss man nach Hause, in unsere
Welt zurückkehren, wo barfüßige Menschen auffallen. Man
muss sich wieder die Vergewaltigung der Füße im Beruf antun.
Aber bei Spaziergängen im Wald an lauen Sommerabenden kommen die Erinnerungen
ans Paradies auf den Seychellen ...
Zunächst muss ich wohl noch ergänzend sagen, dass ich vor 17 Jahren auf den
Seychellen war. Am Leben der Menschen dort hat sich aber wahrscheinlich
inzwischen nicht sooo viel geändert.
Ich war als stinknormaler Urlauber in einem Touristikhotel und bekam vom Leben
dort einen nur sehr allgemeinen Einblick.
Zu den Lebenshaltungskosten: Die meisten Menschen dort leben (1983) als Fischer
und von bescheidener Landwirtschaft als Selbstversorger. Lebensmittel sind im
allgemeinen sehr viel billiger als bei uns. Kleidung dürfte etwa das gleiche
kosten. Luxusgüter, wie PC, PKW, TV, Video, Waschmaschine etc. sind mit
Sicherheit teurer, als bei uns und für Einheimische kaum erschwinglich.
Ein Häuschen auf den Seychellen! Wer träumt davon nicht! Du kannst davon
ausgehen, dass unbewohnte Inseln auch unbewohnbar sind. Auf den großen,
bewohnten Inseln ist die Bevölkerungsdichte etwa so hoch wie bei uns. Die
Grundstückspreise dürften also relativ hoch sein.
Ein Haus auf den Seychellen kann ja sehr einfach sein. Man muss nicht wärmedämmend
bauen, Heizung ist überflüssig, ein Plumpsklo im Garten ist ausreichend und ob
Du eine Dusche brauchst musst Du selbst entscheiden. Die Seychelloir haben meist
keine. So sind die eigentlichen Baukosten für einen Mitteleuropäer sicher kein
Thema. Übrigens, die meisten Häuser auf den Seychellen haben keinen
elektrischen Strom.
Zur Sprache: Die meisten Leute verstehen nur Französisch - Kreolisch. Englisch
wird teilweise verstanden, es ist aber notwendig, Französisch zu können.
Einwanderungsbestimmungen: Genaues weiß ich nicht. In jedem Falle sehr
schwierig. Die Menschen stehen Fremden eher reserviert gegenüber. Touristen
sind kein Problem, Einwanderer aber nicht gerne gesehen, es soll aber auch schon
Übergriffe gegeben haben.
Lebenserwartung: Die Bedingungen sind besser als in den meisten afrikanischen
Staaten. Doch haben auch auf SEY die wenigsten Leute Geld einen Arzt zu
bezahlen, oder eine regelmäßige Versicherung zu unterhalten. Deswegen ist die
durchschnittliche Lebenserwartung sicher niedriger als bei uns.
Alles in allem sind die Seychellen ein Paradies für zahlungskräftige
Touristen. Für Einwanderer gilt wie überall auf der Welt: als
"normaler" Mensch hast Du kaum eine Chance.
Wenn Du aber 'ne Menge Geld mitbringst, stehen Dir alle Tore offen! Bernd
A.
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