Als
Gringo in Guatemala
(Forumbeiträge im Sommer 2001)
War mit meiner Familie Ende August in Guatemala, 50 % touristisch, 50 %
"dienstlich" im Rahmen einer karitativen Tätigkeit, wobei ich betonen
möchte, dass ich die Reise 100 % privat bezahlt habe.
Durch den
"dienstlichen" Aspekt der Reise hatte ich offizielle Verpflichtungen
in der Hauptstadt mit unseren Vertrauenspersonen, die der weißen Oberschicht
angehören, und habe touristisch das Land bereist, mit Kontakten zur
indianischen und Mischlingsbevölkerung.
Im Gegensatz zum Nachbarland Belize, das ein Barfußeldorado zu sein scheint,
wo, so heißt es, die Leute "aus Prinzip" barfußlaufen, das kulturell
aber auch ganz anders ist als Guatemala (englischsprachig, afro-karibische
Bevölkerung, Guatemala ist spanischsprechend + 22 indianische Sprachen), läuft
in Guatemala in dieser Hinsicht glatt nichts.
Bei der weißhäutigen, spanischen Oberschicht sowieso nicht: unsere Vertrauenspersonen
, die vor einigen Monaten bei uns zu Hause In Europa zu Besuch
waren, waren einfach paff, dass ich am Wochenende zu Hause barfuß herumlief.
Gesagt haben sie nichts, die Leute sind sehr höflich, aber es schien sie zu
schockieren. Ich hab es daher aus Gründen der Gastfreundschaft und der
Höflichkeit für eine Woche bleiben lassen.
Aber auch die indianische Bevölkerung ist vollends "bekehrt", mit
zwei Ausnahmen:
Auf dem Land laufen nur die alten Frauen noch konsequent barfuß, die
jüngeren tragen selbst in entlegenen Dörfern Plastiksandalen. Eigentlich könnte sich die indianische Bevölkerung keine Schuhe leisten,
aber auf den Märkten gibt es, abseits der Handarbeitsstände für Touristen,
Second-Hand Schuhverkäufer, die ausgediente Lederschuhe, Plastiksandalen usw. feilbieten. Über
Hygiene oder orthopädische Aspekte des Tragens von
eingelaufenen Schuhen macht man sich keine Sorgen.
In der Hauptstadt sind nur die Straßenkinder und die Bettler barfuß.
Touristen werden ausdrücklich vom Busfahrer gewarnt, am Lake Atitlan nicht
barfuß zu laufen, wegen der zahlreichen Skorpione, die es dort gäbe (??!)
Ich selbst habe das Barfußlaufen für die zwei Wochen dann , wenn auch mit
Bedauern, sein lassen, da ich es vermeiden wollte, mich in einem fremden Land ,
in dem ich Gast bin, "daneben "zu benehmen. Mich bei mir zu Hause, in
meinem gewohnten Umfeld, in gewissem, für andere Leute nicht schädigendem Maß,
auf einem Punkt abweichend von der sozialen Norm zu benehmen, damit habe ich
keine Probleme. In einer vollkommen fremden Kultur, hatte ich Hemmungen,
insbesondere in einer Gesellschaftsstruktur, wo Kleider noch viel ausgeprägter
als bei uns Leute machen, und wo Barfußlaufen eindeutig das Wahrzeichen der
Allerärmsten ist.
Ein "Gringo", der barfuß läuft, wäre dort
vermutlich auf totales Unverständnis gestoßen, und als "loco"
(verrückt) gegolten.
Die Einheitsfußtracht für die zahlreichen jungen EuropäerInnen in Antigua
(Sprachschulen) oder am Lago Atitlan (Ferien) sind übrigens TEVA's.
Zugegebenermaßen war ich nur in der Hauptstadt, in der Ebene zur
Pazifikküste, und im Hochland. Ich weiß nicht wie die Lage im Peten, an der
Grenze zu BELIZE, oder am Rio Dulce ist.
Wenn jemand von dort berichten kann,
wäre ich sehr gespannt.
MfG, Aquajeans
Deine Erfahrungen in Guatemala kann ich großteils bestätigen ... aber auch
relativieren.
Ich habe selbst auch beruflich in Mittel- und Südamerika zu tun,
und das schon recht lange. Du hast recht mit deiner Beobachtung. Es ist
offensichtlich, dass die meisten Leute dort sich verständlicherweise noch in
einer heftigen Assimilationsphase westlicher Güter befinden, ähnlich wie wir
Deutschen nach dem Krieg. Verzicht auf Symbole des Wohlstands (und gerade
Schuhe) würde wirklich und verständlicherweise als Verhöhnung begriffen
werden.
Auch für mich ist es (mittlerweile) zumal im Zusammenhang mit meinem Job (Gastprof.
an Unis) absolut undenkbar dort barfuß zu laufen. Unabhängig davon sind die
Verhältnisse in den Großstädten alles andere als einladend.
Dennoch, ab und an geht's einfach nicht mit Schuhen: Und ein paar Mitstreiter
gibt es auch. So sieht man zumindest ab und an Langstreckenläufer(innen), die
wie ich, barfuß laufen. Allerdings werden sie dies wohl meist aus Mangel an (im
Vh. teurer) Ausrüstung tun.
Jedenfalls ist DIESES Barfußlaufen nichts
Spektakuläres. Ganz im Gegenteil. Vor kurzem war ich noch in den Llanos
(Ostkolumbien) und bin morgendlich meine 10 km gerannt. Zwar auf Teer aber -
bekannt - Technik und Gewöhnung. Durch Ortschaften laufend hab ich praktisch
KEINE Aufmerksamkeit auf mich gezogen. Aber... die tatsächlichen täglichen
Probleme sind dort wohl zu präsent im Vergleich zum Auftauchen eines verrückten
Gringos.
Und dann mit einem treuen Mitstreiter, einem Fachkollegen: Wir fahren
regelmäßig zu Klettern nach Suesca (60 km nördl. Bogotá). Fantastischer
windverwitterter Quarzsandstein mit extremer Reibung. Kletterschuhe gehören
schon seit geraumer Zeit nicht mehr ins Gepäck. Wir sind uns einig: Lieber 1-2 Schwierigkeitsgrade
weniger, aber dafür volles Felsfeeling. Bei Kletterkollegen
sind wir und unsere Gewohnheit bekannt und nur positiv kommentiert. Schöne
Sache.
Seit über 10 Jahren bewege ich mich auch in den Tieflandwäldern, in
Flußauen und im Páramo, den Gebirgssümpfen, barfuß umher, wie die Indios es
seit Jahr1000en tun. Einige meiner Studenten machen das übrigens auch.
Generell
gilt, dass wo wenig Bevölkerung lebt, sind auch die immer erwähnten Parasiten
viel seltener. Und wirklich giftige Tiere gibt es nicht in der Tat eher selten
und nur in bestimmten Regionen, die man dann auch bekannt sein sollten.
Also, passende Gelegenheiten zum Barfußlaufen gibt es auch in den Ländern
Süd- und Mittelamerikas viele, man muss eben hinaus ins Hinterland, weg von der
Stadt sich frei bewegen wissen, und so lässt es sich meiner Erfahrung nach
selbst gehobensten Ansprüche nachkommen.
Motivierend y descalzo, Wolfgang
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Barfußparadies
Belize
(Forumbeitrag im Winter 1999/2000)
Hallo alle Barfuß - Fans, bin eben erst
gestern aus meinen Ferien in Belize zurückgekommen. Und Belize ist wirklich das
Barfuß -
Paradies, besonders auf Ambergris Caye und dem Städtchen San Pedro.
Fast alle, inklusive (meist USA-) Touristen laufen dort auf nackten Sohlen durch die
Gegend, ist ja auch das einzig Richtige auf diesen Sand - Strassen. Ob beim Stadtbummel,
beim Einkaufen, an der Bar oder auch beim Candlelight - Dinner im besten Lokal,
barfuß
ist absolut kein Problem, und das habe ich natürlich rege ausgenützt, die einzige
Fußbekleidung waren die Flossen für die Schnorcheltrips zum Korallenriff. Am
herrlichsten war es als es einige male kurz regnete, da war vor lauter Pfützen kaum noch
Strasse sichtbar, es war ein Vergnügen barfuß und mit Regenschirm spazieren zu gehen.
Die vorhergehende Woche auf dem Festland waren auch nicht ohne, zwar musste ich da ab und
zu die Sandalen montieren, da im Dschungel doch einige dornige Dinge rumliegen. Aber sonst
sind wirklich auch dort die meisten Leute auch ohne irgendwelches Schuhwerk. Dieses Land
ist wirklich eine Reise wert, ist zwar nicht ganz billig und auch etwas kompliziert
erreichbar, dafür noch kein Massentourismus, viel Natur und vor allem sehr nette Leute,
was wahrscheinlich auch vom ganzjährigen Barfußlaufen herrührt.
Und jetzt muss ich mich wieder mit dem Winterwetter zurechtfinden, barfuß nur noch im
Haus oder kurze Zeit draußen. Aber der nächste Frühling kommt bestimmt.
Barfüßige Grüße Rudi (vom kalten Zürichsee)
Barfußparadies für Reiche
Gerade läuft Voxtours über Belize.
Die Einwohner dieses mittelamerikanischen Kleinstaats wurden mit obigen Worten
beschrieben. Wer wollte noch auswandern? :)
Frohes 21. Jahrhundert! Unci
Wieder
zurück von meiner Mittelamerika-Reise muss ich Euch unbedingt von Belize
berichten, einem kleinen selbständigen Staat zwischen Mexiko (Yucatan),
Guatemala und der Karibik, ehemals British Honduras, weshalb die Autos das hübsche
Nationalkennzeichen BH haben.
Entlang der Küste schlängeln sich die Cayes (sprich Kies); eine Fortsetzung
der Florida Keys, die nur zwischenzeitlich nicht aus dem Wasser mehr rausragen.
Das ist eine Kette langer (mehrere Kilometer), schmaler (wenige hundert Meter)
Inseln. Straßen gibt es keine, nur Sandpisten, Autos auf den meisten auch
nicht, man fährt mit diesen Wägelchen umher, die man von amerikanischen Golfplätzen
kennt.
Das Beste: Es ist ein reines Barfuß-Paradies, sowohl für Touris wie auch für
die Einheimischen. Wegen des sandigen Untergrunds kann man auch in den
Ortschaften angenehm barfuß laufen. Aber es ist auch durchaus üblich, (als
Kunde) barfuß - zum Geldwechseln - in die Bank, ins Restaurant oder in den
Supermarkt zu gehen. Und
das während die Wetterkarte auf Deutschland -12 Grad vermerkt !
Beste Reisezeit ist übrigens der europäische Winter (Trockenzeit), hinkommen
am günstigsten per Billigflug für ca. 650 Euro nach Mexiko, dann weiter per
Bus oder Cityhopser (Tropic Air oder Maya Island Air).
Mein Tipp: Caye Caulker, 45 Schnellbootminuten vor Belize City, bis heute fest
in hand von Rucksacktouristen, keine großen Hotels oder gar Resorts, sondern
alternative Unterkünfte. Besonderes Schmankerl: Der Hurrikan Hattie sauste 1961
über die Insel, dort, wo er entlangfegte, ist die Insel heute geteilt, ein
tiefer Kanal zieht sich von einer Seite zur anderen - der beste Badeplatz auf
Caulker.
Also, viel Spaß bei der Vorfreude auf den nächsten Urlaub ! Carsten
Den
Bericht kann ich nur bestätigen. Beste Barfußstimmung v.a. in San Pedro,
Ambergris Caye (neben Caye Caulker). Strassen eher steinig, d.h. kiesartig,
jedenfalls "anspruchvoller" als auf Caye Caulker. Mir war's egal, den
meisten Einheimischen auch und auch erstaunlich vielen Touristen. Hatte 2 Wochen
lang nicht einen Tag Schuhe an.
Wetter war tadellos (Februar) und man trifft selten so viele freundliche
Menschen.
Auch atmosphärisch ist Belize (vormals britisch, daher zweisprachig und wohl
auch etwas weltoffener) sehr viel angenehmer als die Allerweltskaribik Marke Dom. Rep.
Allgemeines Muster dort: Touristen in den Strand-Ressorts, Einheimische dahinter
in Wellblechhütten. Der Verzicht auf Schuhe scheint dort - wie im spanischen
Kulturbereich (auch Kuba) ja allgemein - eher als Armutszeichen zu gelten. Nicht
so in Belize; dort ist es auch sozial sehr durchmischt und man hat eigentlich
nie das Gefühl, die ansässige Bevölkerung um Strand und Heimat zu bringen - für
mich ein wesentlicher Wohlfühl-Faktor. Dazu kommt: Hat man sich erst einmal
entsprechend umgeblickt, dann ist Belize erstaunlich günstig - jedenfalls dann,
wenn man sich mit einem alten Holzhotel mit Gemeinschaftsbad und typischen
Einheimischenlokalen begnügt. D.h.: Frischer Fisch und Seebrise im duchlüfteten
Zimmer für vielleicht Euro 30 am Tag.
Einziger wirklicher Kostenpunkt ist der Flug - aber da schafft einen Billigflug
nach Cancun Abhilfe, von dort nimmt man dann den Bus und ist in ein paar Stunden
vor Ort.
Also, nichts wie hin!
Chris
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