Barfußbeobachtungen
auf Kuba
(Forumbericht im Sommer 2000)
Hallo, liebe Barfüßer, gerade bin ich von einer dreiwöchigen Kubareise
zurückgekehrt, bei der ich - wage es kaum zu gestehen - kein einziges Mal
barfuß unterwegs war. Das hatte seine Gründe, doch dazu später mehr.
Zunächst zum Barfußlaufen der Kubaner selbst. Gemessen an den aus
mitteleuropäischer Sicht idealen Bedingungen mit 365 Tagen Barfußwetter muss
man, jedenfalls soweit ich das feststellen konnte, von einem Totalausfall
sprechen. In La Habana, wo ich mich die meiste Zeit aufgehalten habe, sah ich
während der gesamten drei Wochen ganze zwei barfüßige Erwachsene, die sich
weiter entfernt von ihrem unmittelbaren Zuhause aufhielten. Aufgrund ihrer
wirklich abgerissenen Kleidung und motorischen Störungen (in einem Fall ganz
deutlich aufgrund übersteigerten Alkoholkonsums) handelte es sich um Menschen
einer sehr niedrigen sozialen Schicht. Dies fiel selbst gemessen an der durchweg
bescheiden zu nennenden Garderobe fast aller Kubaner auf, die aber dennoch Wert
auf Ordnung legen, d.h. sie ist sauber, ohne Risse etc..
In der Stadt gab es hin
und wieder ein paar barfüßige, meist jüngere Kinder und hin und wieder den
einen oder anderen Teenager. Beide Gruppen hielten sich aber offensichtlich in
unmittelbarer Nähe der elterlichen Wohnung auf oder saßen auf den Stufen der
Eingangstüre, wie es in südlichen Ländern üblich ist.
Alle Kinder und
Jugendlichen tragen in Kuba Schuluniformen: weiße Hemden/Blusen mit roten
Hosen/ Shorts/ Röcken die jüngeren bzw. gelblich- ockerfarbenen Hosen/ Shorts/
Röcken die älteren.
Keinen einzigen Schüler sah ich in
Kombination damit barfuß, so dass ich annehmen möchte, es existiert eine
Vorschrift, die das verbietet. Barfuß findet also nur in der Freizeit statt.
Auf dem Land stieg die Zahl der barfüßigen Kinder (und auch Erwachsenen) zwar
an, bewegte sich insgesamt aber auf niedrigem Niveau.
Den allermeisten Kubanern
geht es wirtschaftlich mäßig bis schlecht. Vom absolut Lebensnotwendigen
abgesehen, ist alles übrige nur für US-Dollar zu bekommen, was angesichts der
seit Jahrzehnten anhaltenden unverschämten Blockadepolitik der USA (in
jüngster Zeit etwas gemildert) geradezu grotesk ist: die Währung des
hartnäckigsten "Feindes" bestimmt inzwischen das wirtschaftliche
Leben des Landes entscheidend mit.
Im Gespräch mit einer Mutter erläuterte sie
mir ihre Probleme und sagte u.a., dass gerade die Schuhe für die Kinder (deren
Füße nun einmal schnell wachsen) kaum zu bezahlen seien. Zuhause - d. h. dort
konkret auf einem außerhalb des Ortes gelegenen kleinen Hof - kämen ihre
Tochter und die beiden Söhne zwar ohne Schuhe zurecht, aber in der Schule, die
mehrere Kilometer weit entfernt liege ... Es war für mich jedenfalls
offensichtlich, dass sie es als bedauernswerten Mangel empfand, ihren Kindern
nicht problemlos neue Schuhe kaufen zu können, wenn dies erforderlich ist.
Am
Klima wird das bestimmt nicht liegen, sondern wohl daran, dass, wie in vielen
anderen südlichen Ländern auch, barfuß sein gleichbedeutend ist mit Armut.
Die östlichen Teile Kubas habe ich nicht besuchen können. Sie gelten insgesamt
als einfacher, bodenständiger, doch glaube ich nicht, dass die Situation dort
grundlegend anders ist, habe auch in diversen Reiseführern kein anderes Bild
vermittelt bekommen.
Was mich selbst betrifft, so bekam ich gleich zu Beginn
einige gesundheitliche Probleme, die mich die ganze Zeit nicht verlassen haben.
Die Vorstellung, mir auch noch irgend etwas in den Fuß zu treten, war mir daher
nicht sehr sympathisch.
La Habana ist zwar eine sehr interessante und quirlige
Stadt, sie ist aber gleichzeitig auch sehr schmutzig, vor allem durch die
unglaublichen Abgase der uralten Autos, die das Straßenbild bestimmen.
Kohlrabenschwarze Sohlen bekommt man dort jedenfalls schon nach zwanzig
Schritten.
Hinzu kommt, dass außerhalb der mustergültig herausgeputzten
Altstadt und des Zentrums die Straßen übersät sind mit Schlaglöchern und die
Bürgerseige überall abgebrochene Kanten, eingebrochene Platten u.ä. haben. D.
h. man muss seine Schritte schon sehr gut im Blick haben, um nicht ständig
umzuknicken. Barfuß ist die Gefahr bei solchen Fallen natürlich noch größer
(zumindest für wenig Geübte).
In einer kleineren Stadt im Süden Kubas sah ich
zwei barfüßige Touristen, die sich offenbar recht wohl fühlten, was
angesichts des schönen und warmen Wetters auch kein Wunder war.
Soweit einige
Eindrücke aus einem sehr interessanten Land, was das Barfußsein allerdings
nicht einschließt.
Anderes habe ich bei einem meiner letzten Urlaube auf den
Kapverdischen Inseln erlebt, aus dem es sehr viel mehr zum Thema
"Barfußsein" zu berichten gibt. Hierzu ein anderes Mal mehr.
Gruß,
der Schorsch
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