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Barfuß
am Balaton
(Forumbeiträge seit Sommer 2000)
[2000] Georg Baba oder : ein Ungarnurlaub
Wir wissen nicht, was es bei Ali bedeutet - bei Georg ist Baba = Barfuß am
Balaton
Hallo Forum, während Ihr hier gefroren habt,
konnten meine Familie und ich am Plattensee zwei schöne Urlaubswochen
verbringen - lediglich am Ende ließ auch dort das Wetter nach, es kühlte sich
ab und regnete auch ergiebiger (nach drei Monaten Trockenheit).
Mal ganz abgesehen davon dass man als deutsche Familie dort nach wie vor recht
preisgünstig urlauben kann, waren unsere Kinder mit Angeln, Schlauchbootfahren,
Baden und Sonnen beschäftigt - mein Ding nicht so, aber Eltern wissen um den
Erholungswert einer Beschäftigung der Kinder ...
Dank des Badebetriebes bei angenehmen Temperaturen waren, wie anders nicht zu
erwarten, nackte Füße überall an der Tagesordnung - aber nahezu immer von
ziemlich scheußlichen Plastikschlappen "geschmückt" - barfuß ging
außerhalb der Bäder fast niemand.
Allerdings waren die Bedingungen dazu, sogar innerhalb der Badeanlagen, häufig
genug wenig einladend: allgegenwärtige Steinchen und feste Bodenbeläge von
einer Unebenheit der Oberfläche, die wir gar nicht kennen, sorgten auch bei
meinen Kindern dazu, dass sie lieber ihre Birkis anzogen. Da ich bereit bin,
auch einmal einen kleinen Umweg zu machen, um barfußtaugliches Terrain
beschreiten zu können, bin ich allerdings nahezu überall unbeschuht unterwegs
gewesen - Ausnahmen s. u.
Die dreimonatige Trockenheit in Verbindung mit einer etwas von der unseren
divergierenden Mentalität (wozu Wege reinigen, wenn es doch irgendwann der
Regen erledigen wird ?) führte übrigens im Ergebnis zu so hartnäckig
schwarzen Sohlen, dass ich sie selbst mit Einweichen nur grau bekam - erst der
Regen am Ende des Urlaubs sorgte wieder für die Rückkehr der Hautfarbe.
Obwohl außer mir fast niemand barfuß ging, schien es während der Schönwetterphase
nahezu niemandem aufzufallen (ich weiß allerdings auch nicht, was barfuß auf
ungarisch heißt).
Das galt auch für zwei Ausflüge nach Budapest, einen bei Tag mit einem am
Plattensee ansässigen Busunternehmen und einen am Abend auf eigene Faust. Bei
der Busreise blieb ich, wie auch bei dem anderen Besuch, komplett barfuß, auch
beim Essen in einem Restaurant, und wurde lediglich ein Mal von einem
Mitreisenden freundlich gefragt, ob der Boden nicht zu warm würde (war bei rund
25° nicht so, aber für diesen Fall hatte ich Sandalen mit). Budapest hat übrigens
zumindest in der City eine gut funktionierende Stadtreinigung und angenehme
Bodenbeläge, ich habe die Stadt insofern als recht barfußfreundlich erlebt.
Noch besser gefiel es meinen Füßen in der Puszta, deren Sandboden außerordentlich
zum Barfußlaufen einlud - und siehe da, im Freilichtmuseum von Bugac (zwischen
Kecskemet und Szeged, südöstlich von Budapest) waren einige andere Besucher
barfuß unterwegs und im Sand der Wege fand sich immer wieder einmal ein Fußabdruck
zwischen den Schuhsohlen.
Unspektakulär gestalteten sich auch andere Stadtbesichtigungen, die sich mit Fuß
- Erinnerungen verbinden, so z. B. das Kopfsteinpflaster in Vezprems Altstadt,
dessen Bitumenfugen sich sehr nett mit Zehenabdrücken dekorieren ließen, oder
der Rundgang im Garten des Barockschlosses in Keszthely, in dem ich vom (wie üblich)
geschotterten Weg auf den Rand des Rasens auszuweichen versuchte, was einen
trillerpfeifenden Aufseher zum Einsatz brachte - kurz bevor ich um die Hecke
herum seinem Blickfeld entschwand ... und wieder über den Rasen ging.
So hatte ich bis gegen Ende des Urlaubs lediglich auf einem übel geschotterten
Parkplatz und einem ebensolchen Markt für wenige Minuten Sandalen getragen -
aber das schlechte Wetter zwang mich beim abschließenden Zirkusbesuch beim
Stillsitzen im Zelt dann doch in Schuhe - und beim Einkauf im Supermarkt am nächsten
Morgen gestikulierte die Verkäuferin in Richtung meiner nackten Füße. Denen
gefiel aber der jetzt feuchte Grund viel zu gut, als dass die Schuhe eine echte
Chance bekommen hätten ...
Fazit : Schön war's, im Grunde auch (abgesehen halt von manchen Untergründen)
barfußfreundlich und erholsam - also durchaus empfehlenswert.
Serfuß Georg
1. PS : Auf dem Markt in Siofok, dem größten Touristenort am See, wurden auf
Kunststofffußsohlen auch Zehenringe angeboten (ich
habe keinen gekauft).
2. PS : Unser Vermieter erkundigte sich beim Begrüßungs- - Rundgang im
Ferienhaus besorgt , ob ich nicht kalte Füße bekäme - Außentemperatur knapp
30° und Parkettboden im Haus ...
3. PS : Während des gesamten Urlaubs habe ich keine Zecke
gesehen; allerdings wird für Ungarn eine FSME - Schutzimpfung empfohlen.
Sziasztok! Hallo (heißt das)! Schön, dass es
auch noch andere Ungarn - Fans gibt...
[nackte Füße ... Plastikschlappen ... barfuß fast niemand ... feste
Bodenbeläge von Unebenheit der Oberfläche]
Nun gut, die Bedingungen sind nicht immer einladend - weil nicht auf Barfüßer
abgestimmt (genau wie in Deutschland eben auch). Aber schreckt uns das?
[Mentalität (wozu Wege reinigen, wenn es doch irgendwann der Regen erledigen
wird ?)]
Das mit der Mentalität kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Sicherlich sind
die Ungarn (zum Glück ;-) nicht so "perfekt" wie wir Deutschen, aber
reinlich sind sie allemal - auch was das Fegen von Straßen und Höfen
anbetrifft ...
[barfuß nahezu niemandem aufzufallen (weiß nicht, was barfuß auf ungarisch
heißt)]
Barfuß heißt "mezítláb" (was ungefähr soviel bedeutet wie
"unbekleidetes Bein/Fuß").
Zum Schluss muss ich allerdings noch anmerken, dass es Ungarn genauso viel und
genauso wenig Barfußtoleranz gibt wie in Deutschland. Eine besondere "Barfußkultur"
gibt's dort nicht mehr (Bauern- und Zigeunerkinder liefen natürlich früher oft
barfuß, aber das ist endgültig ad acta gelegt).
In einem ungarischen Lesebuch fand ich aber neulich noch eine schöne Geschichte
(aus alten Tagen, das Buch ist aus den 50er/ 60ern) mit dem Titel "A mezítlábasok"
(Die Barfüßigen), in der sehr schön erzählt wird, wie es die Kinder früher
schon im April barfuß hinaus trieb, freiwillig und zum Leidwesen der Mütter,
da es um diese Jahreszeit meist doch noch frisch ist (letztes Jahr im April
sagte mir ein Dorfbewohner am Balaton, dass man erst im Mai barfuß gehen
sollte, da man ansonsten Rückenprobleme bekommen werde; er selbst sei als Kind
auch schon immer so früh barfuß gelaufen, vor allem beim Vieh hüten).
In Ungarn ist wohl das Barfußlaufen auch mit Armut gleichgesetzt worden
(dokumentiert auch in einigen ungarischen Filmen) und im (pseudo-)
"Sozialismus" konnte man sich wahrscheinlich so eine Armutserscheinung
erst recht nicht leisten und hat für ständige Beschuhung gesorgt.
Heute erweckt man deswegen bei den meisten sicher eher Schmunzeln und Unverständnis
(selbst bei Zigeunerkindern, wie mir letztes Jahr passiert).
Viszlát, Lupu
Hallo Lupu, einige nur kurze Anmerkungen :
[Bedingungen nicht auf Barfüßer abgestimmt ... schreckt uns das?]
Nein, uns nicht - aber andere !
[Ungarn nicht so "perfekt" wie wir Deutschen, aber reinlich
allemal]
Verallgemeinerungen sind ohnehin immer schwierig und die Bemerkung war auch
absolut nicht böse gemeint, sondern begründet sich auf die Beobachtung, dass
es in der Straße, in der wir wohnten, zahlreiche Kirschbäume gab, deren
abgefallene und weitgehend vertrocknete Früchte überall auf Fahrbahn und
Gehweg herumlagen, was sich nicht nur barfuß eher unangenehm anfühlte, sondern
auch unter Schuhsohlen eine ziemliche Sauerei ergab.
[besondere "Barfußkultur" gibt's nicht mehr]
Kann ich dem flüchtigen Eindruck nach, den ich in zwei Wochen gewinnen konnte,
nur bestätigen. Die folgende Feststellung
[erweckt man deswegen bei meisten eher Schmunzeln und Unverständnis]
eher nicht, aber vermutlich sind die Menschen in den Regionen Budapest und
Balaton wegen des hohen Touristenaufkommens auch etwas offener.
Ansonsten gilt in Ungarn wie in Deutschland absolut eine Feststellung, die vor
langer Zeit schon einmal Lorenz sehr richtig getroffen hat : weit mehr als für
unsere nackten Füße interessiert man sich in aller Regel für unsere Geldbörsen
- und dass ich Tourist und damit potentiell kaufstark bin, hat man mir auch ohne
Schuhe sofort angesehen (was allein schon die zahllosen Angebote, auf der Straße
zu tauschen, beweisen - aber nicht nur diese).
Herzliche Füße Georg
So ist es! Da es kein "natürliches
Barfußparadies" mehr gibt (zumindest nicht im guten, alten Europa),
müssen wir es uns eben Stückchen für Stückchen selbst bauen.
Ist ja auch eigentlich nicht so schwer, und im Urlaub - begünstigt durch den
von dir beschriebenen Umstand der ersehnten Kaufkraft - erst recht nicht
(zumindest für uns Westeuropäer ;-).
Szia, Lupu
Auch ich bin Ungarnfan! Kann mir zur Zeit
nichts günstigeres im halbwegs zivilisierten Europa vorstellen (Bulgarien?).
Ostern waren dort auch bereits böse, heiße Temperaturen. Die Balaton -
Uferregionen taugen gut für Barfußexkursionen. Allerdings liegen oft
Glasscherben umher. Zecken fing ich mir dort auch noch keine ein. Dumme
Kommentare hörte ich ebenso noch nicht. Nur eher merkwürdige Blicke (von
deutschen Touristen, wem sonst...) Andere Barfüßer sah ich bisher kaum.
Allgemein empfand ich das Barfußgehen in der "Wildnis" bisher als
recht heikel. Dort sind viele dornige und stachelige Gewächse. Auch rund um
Tapolca/ Badacsony ist aufgrund der vulkanischen Gegend oft genug scharfer
Steinbelag auf den Wegen. Budapest halte ich für sehr schmuddelig, schwärzeste
Sohlen binnen kürzester Zeit! Wie jede andere Großstadt eben.
mfg Markus (malo)
[rund um Tapolca/ Badacsony ...
vulkanische Gegend ... scharfer Steinbelag auf den Wegen]
Aber dort ist es auch teilweise wirklich sehr schön zum Barfußlaufen, gerade
dort bei Badacsony. Vor allem die Kötenger ("Steinmeere") lohnen sich
- z.B. bei Szentbékálla - , sehr angenehm auf den gewärmten Felsen (aber auch
ein Schlangenparadies ;-).
Lupu
Barfuß in der Puszta ist echt toll!
Ich hab vor einigen Jahren einmal eine Reise nach Kecskemet mit tollen
Wanderungen bei Bugac und Fülöphaza unternommen, war von Landschaft, Pflanzen
und Pferden begeistert und der Sandboden und das Steppengras unter meinen
nackten Füssen waren einfach ein Genuss.
Barfußgehen ist in Ungarn heutzutage auch nicht häufiger üblich als im übrigen
Mitteleuropa, aber ich hatte dennoch das Gefühl, von älteren Ungarn am Land
dadurch eher mehr als weniger akzeptiert zu werden. Unter anderem erlebte ich
eine Einladung zum Weintrinken durch zwei alte Männer in einem entlegenen Haus,
bei der wir in einer wilden Sprachenmischung aus Ungarisch, Russisch und Deutsch
über das frühere Leben in der Puszta im allgemeinen sowie über Pferde und über
meine nackten Füße im speziellen plauderten.
Auch freute ich mich darüber, auf den Sandwegen die Spuren so manch anderer
Barfüßer zu sehen. Auch am Abend in Kecskemet habe ich mich damals ohne Schuhe
sehr wohl gefühlt (im "noblen" Budapest eher nicht.)
Liebe Grüße an
alle Ungarn - Fans! Harald
Hódmezövásárhelykutasipuszta... Tja, trotz
so vieler Ungarnbesuche und Sprachkenntnisse und Freunden und Verwandten und und
und - von der Puszta kenne ich unglücklicherweise nicht viel mehr als die
Touristenklischees (die haben mich immer abgeschreckt ;-) und diesen
wunderschönen, halb erfundenen, aber die ungarische Sprache sehr wohl charakterisierenden
Ortsnamen aus "Ich denke oft an Piros(ch)ka". So wie du es hier
beschreibst, habe ich einen Grund mehr, endlich mal die Puszta zu besuchen -
barfuß.
Szia vagy szervusz, Lupu
[2001] In diesem Sommer erschien mir der barfüßige Urlaub am Plattensee noch
unproblematischer als im vergangenen . Dass wir in einem etwas touristischeren
Ort mit mehr Urlaubern am See wohnten (Zamardi), mag eine der Ursachen dafür
gewesen sein.
Auch die ältere Vermieterin - wie dort häufig war sie mit ihrem Mann
während der Saison in eine Art Hütte auf dem Gelände gezogen und hatte ihr
Haus vermietet - lief häufiger barfuß und ich hatte bereits jedwede Kommentare
diesbezüglich abgeschrieben, als sie sich beim Abschied in ihrem sehr
gebrochenen Deutsch erkundigte, ob ich denn wohl mit Packen des Autos fertig
sei. Ich bejahte und sie meinte - mit Geste auf meine Füße - dann könne ich
mich ja auch fertig anziehen.
Ergebnis : verschärfte Heiterkeit bei meiner Familie, zu der dann ihr
Abschiedsgruß "Gute Farat !" noch weiter beitrug.
In verschiedenen Bereichen am Seeufer und in Grünanlagen ist mir in diesem
Jahr ein Bodenbelag positiv aufgefallen, den ich aus dem Vorjahr so nicht in
Erinnerung hatte : ein rundkörniges Material von beiger Farbe und etwa 2 bis 4
mm Durchmesser, das zumindest stückweise ganz angenehm zu begehen war als unser
Schotter (erkennbar ungeübten Barfußgehern aber auch Probleme bereitete).
Einmal nach einem Regenguss fand ich es sogar richtig schön, ein längeres
Stück darauf zu gehen.
Sehr schön, aber mit doch schmerzhaftem Ergebnis war eine ausgiebigere
Barfußwanderung auf der Halbinsel Tihany (dort verkehrt die einzige Autofähre
über den See). Ich habe sie an einem heißen Tag ohne die anderweitig
beschäftigte Familie unternommen.
Ein schmaler und naturbelassener Pfad führt oberhalb der Westküste am Hang
entlang; der Zugang befindet sich direkt am Hotel des Club Tihany, steigt gleich
an und verläuft danach relativ eben. Der Pfad ist nicht nur angenehm barfuß zu
begehen, sondern auch von zusätzlichem Reiz, da man gut allerlei Tiere hören
und beobachten konnte.
Da ich keine Wanderkarte besaß und mir lediglich eine Tafel am Wegesbeginn
einzuprägen versucht hatte, habe ich diesen schönen Pfad an einer vielleicht
nicht optimalen Stelle verlassen, um über Feldwege (barfuß nicht sooo toll)
und einen Binnensee herum den Ort Tihany mit der Abteikirche zu erreichen.
Und hier folgte nun der unangenehme Teil : der Ehrgeiz ging mit mir durch und
ich lief länger über den heißen Asphalt als mir gut bekam. Ergebnis : arg
empfindliche Fußsohlen und ein Rückweg dann doch in den vorsichtshalber
mitgenommenen Sandalen. Sch....ehrgeiz !
Barfuß ebenfalls gänzlich unproblematisch der Ausflug per Bahn nach
Budapest. Die sehenswerte ungarische Hauptstadt bietet verschiedenste
Untergründe und Bodenbeläge in der City, der Markthalle, in den Anlagen auf
der Margarethen - Insel und auf den Treppen zur Fischerbastei. Zwar habe ich
außer einigen von den Schwimmbädern der Margarethen - Insel zurückkehrenden
Jugendlichen keine anderen Barfüßer gesehen, aber auch nirgendwo interessierte
sich irgendwer für meine Barfüße. Und auch die in der City allgegenwärtigen
Restaurant - Reinlotser interessierten sich mehr für den vermuteten Inhalt meiner
Geldbörse als für Schuhe.
Auf der Bahnfahrt zurück zum See waren dann aber eine Menge befreiter Füße
zu beobachten - die hatten es aber sicher auch bitter nötig.
Eine Kleinigkeit zum Schluss : neben der Sportanlage am Anfang der
Margarethen - Insel war ein Stück des Weges gepflastert und in der Mitte lag
ein Streifen roter Ziegel aus Tartanmaterial. Man hätte schon versucht sein
können zu glauben, hier habe jemand sein Herz für Barfußläufer entdeckt (auf
der Sportanlage joggten tatsächlich einige mittleren Alters), aber leider
mündete dieser Weg in eine übel geschotterte Passage ein. Aber vielleicht gibt
es ja in einigen Jahren dort einen durchgehenden Barfußläufer - Weg ?
Serfuß Georg
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Lupus
Barfüßerbericht aus dem österlichen Magyarország
(Forumbeitrag im Frühjahr 1999)
Hallo vermisste Barfüßer, hier mal wieder ein - wegen
langer Krankheit reichlich verspäteter - Beitrag aus der Hauptstadt (der deutschen,
sorry), mal absolut "fetischfrei" ...
Eigentlich wollte ich ja bereits schon kurz nach meinem nachösterlichen Ungarn
- Urlaub
meine dortigen Barfuß - Erlebnisse dem geneigten Publikum ins Forum schreiben, aber eine
längere Krankheit inkl. Krankenhausaufenthalt (wahrscheinlich durch eine ungarische
Zecke
verursacht) hinderten mich daran.
Wie gesagt, war ich über die Ostertage und eine Woche darüber hinaus am Balaton
(Plattensee) in Ungarn. In unserem Ferienhaus, das ein wenig landeinwärts in den
Weinbergen nahe an einem kleinen Dorf liegt, war es zwar meist noch ein wenig zu kalt, um
barfuß zu gehen. Aber draußen war es von vormittags elf bis abends um sieben warm genug
- und das die ganze Woche! Demzufolge habe ich meine Schuhe auch so oft es ging in die
Ecke oder den Rucksack verbannt. Die Gegend ist absolut barfußfreundlich, wenn man sich
auch mit gelegentlichen Schotterwegen und Steinchen anfreunden kann. Gerade auf die
nahegelegenen "Berge" (die Süddeutschen oder Schweizer werden jetzt schmunzeln)
konnte man wunderbar barfuß gehen, auf tollen und sehr angenehmen Waldwegen. Und auch ein
wunderbar barfußfreundliches "Steinmeer" (kötenger) aus vormenschlichen Zeiten
bot eine angenehme Abwechslung für die Sohlen (trotz gelegentlich dort herumlungernder
Schlangen).
Meine Mitreisenden waren zwar immer etwas erstaunt über meine Barfußneigung, haben es
aber toleriert (ohne es mir jedoch nachzutun). Als Reaktionen gab es unterwegs (wenn man
denn mal jemanden traf) meist nur verwunderte Blicke, sonst nichts. Nur der unser Haus in
Abwesenheit beaufsichtigende Ungar war mir bereits dreimal begegnet, als ich keine Schuhe
trug und schließlich sprach er mich dann im Dorf einmal darauf an und erzählte mir, dass
dies in dieser Jahreszeit nicht gut sei, alldieweil es Rücken- und Darmprobleme
verursachen würde. Erst wenn sich die kleinen Nüsse an den Bäumen zeigen würden, wäre
es laut einer alten Volksweisheit so weit, dass man getrost barfuß laufen könne [an
dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass meine Ungarischkenntnisse noch nicht absolut
perfekt und dialekt- schnellsprech- sicher sind - und meine botanischen erst recht
nicht...]. Er selbst habe aber in seiner Kindheit und Jugend diese Weisheiten außer Acht
gelassen und die Schuhe sobald wie möglich ausgezogen - z.B. beim Vieh hüten. Das waren
mahnende, aber ermunternde Worte zugleich - und ich hatte den Eindruck, dass auch ein
bisschen Wehmut und Neid mitschwangen...
Im heutigen Ungarn jedenfalls ist Barfußlaufen genauso "außerirdisch" wie bei
uns - vielleicht sogar noch ein wenig mehr, denn da wo einst Armut zu nackten Füßen
zwang und 40 Jahre pseudo-sozialistischer Aufbau dieses "Übel" ausrotteten, ist
es eben wie ein "Rückfall". Unterstützt wurde diese These zum Beispiel durch
das Verhalten der Zigeunerkinder, die am Ortsrand auf der Straße spielten und es
überhaupt nicht glauben konnten, dass da ein erwachsener Mensch barfuß über die Straße
geht. Die waren völlig verdattert und konnten sich deutlich sichtbar keinerlei Reim auf
dieses Phänomen machen. Denn Armut konnte man mir nicht unbedingt ansehen und außerdem
ist es ja selbst in ihren Zusammenhängen (und Zigeuner sind nun mal die Ärmsten in
Ungarn) völlig ungewöhnlich. Für Schuhe muss es bei ihnen wohl immer noch reichen, da
ansonsten ihre gesellschaftliche Stellung noch deutlicher würde... (ein bisschen anders
ist es m.E. in noch ärmeren Gegenden, wie in Teilen Rumäniens).
Es war auf jeden Fall amüsant, die Reaktionen zu beobachten...
Zurück in Berlin konnte ich krankheitsbedingt meine Schuhe leider noch nicht einmotten
und gerate damit leider gegenüber dem letzten Jahr in Verzug - schade! Aber ich weiß, da
draußen seid Ihr und "arbeitet" hart und vergnüglich an unserer weiteren
Vermehrung... In diesem Sinne, viel Spaß dabei Euer Lupu
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