El Condor barfuß in den argentinischen und
chilenischen Anden
(Forumbericht im Herbst 2000)
San Carlos de Bariloche in den südlichen Anden Argentiniens. Vom
Fenster unseres Hotelzimmers hat man einen herrlichen Blick über den Lago
Nahuel Huapi. Der langgestreckte See könnte auch in den Schweizer Alpen liegen
oder im Fjordland Südwestnorwegens.
Die Berge der Umgebung ragen bis zu 3500
Meter auf, die Gletscher am Tronador reichen bis auf eine Höhe von ca. 300 Meter
herunter. Doch sie schmelzen langsam ab. In Bariloche gibt es einige Skilifte,
die Stadt gilt bei reichen Leuten in Europa und Amerika als Insidertipp für
exklusives Skivergnügen. Doch es gab schon lange keinen Schnee mehr, in
Bariloche. Ab und zu rieseln im Süd- Winter mal ein paar Flocken vom Himmel,
doch liegen bleibt das kaum. Und die Gletscher am Tronador eignen sich nicht zum
Skifahren. So bringen die Lifte heute nur noch Wanderer in die grandiose
Bergwelt rund um den Nahuel Huapi.
Wir waren im Februar da, Spätsommer in
Argentinien. Zusammen mit einer Reisegruppe eines deutschen Abenteuer -
Reiseveranstalters war ich 1989 hierher gereist um in den
argentinischen Anden zu wandern. Der Veranstalter hat sich spezialisiert auf
Reisen für junge Leute, die mit wenig Geld viel Natur erleben wollen und gerne
auf Komfort verzichten. Da bin ich genau richtig und bestimmt nicht der einzige,
der barfuß herumläuft, dachte ich mir.
Es war auch von Anfang an eine sehr
ungezwungene Atmosphäre in der Gruppe. Der erste Ausflug von Bariloche ging mit
dem Bus durch die Bergwelt nach San- Martin- de- los- Andes. Eine herrliche
Landschaft mit einigen fjordähnlichen Seen. Doch es ist wesentlich trockener,
als an den norwegischen Fjorden. Die hohen Anden halten fast alle
Niederschläge, die vom Südpazifik nach Chile ziehen, ab, und östlich der Anden
bleibt es meist trocken, was man an der wüstenhaften Vegetation sieht. Direkt
an den Seen gibt es jedoch dichte Wälder, wie bei uns in Mitteleuropa.
Zu
meinem Erstaunen war ich der einzige der Gruppe, der bei den herrlichen
Sommertemperaturen barfuß lief. Und es gab auch die ersten verwunderten Blicke
und die üblichen Bemerkungen (zu kalt, zu heiß, zu steinig ...).
Dann der erste
Wandertag, zum Eingewöhnen. Mit einem Kleinbus fuhren wir Richtung Tronador.
Zunächst gab es eine kurze Wanderung durch dichten Wald zu einem herrlichen
Wasserfall, der über einen Felsvorsprung rauscht, so dass man dahinter
durchlaufen kann. Eigentlich ein herrlicher, geradezu idealer Weg zum
Barfußlaufen. Die anderen konnten es jedoch nicht fassen! Selbst der
einheimische Busfahrer zeigte sich verwundert und fragte, ob ich denn so arm
sei, dass ich mir keine Schuhe kaufen könne ... Die Sichtweise eines
Argentiniers.
Dann ging es zum Gletscher des Tronador, über große
Geröllfelder, na ja, ihr könnt euch die Blicke und Bemerkungen der anderen
sicher vorstellen. Man musste kein Hellseher sein, um ihre Gedanken erahnen zu
können!
Doch nun ging es erst richtig zur Sache. Eine dreitägige Wanderung
durch felsige Berglandschaft stand bevor. Um einer endlosen Diskussion aus dem
Weg zu gehen zog ich meine Sportschuhe an. Doch welch ein vielstimmiger
Aufschrei der Entrüstung! Ob ich den tatsächlich D A M I T wandern möchte????
Da braucht man doch richtige Wanderstiefel ... Lange stand Franz, der Reiseleiter
da, fassungslos auf meine Sportschuhe starrend und nach Luft ringend. Nach
langem Überlegen fand er sich schließlich damit ab. Doch als ich später in
einem herrlichen Flusstal die Schuhe ganz auszog und barfuß über die weiten
Grasflächen lief, fiel er fast in Ohnmacht! Doch das hielt mich nicht davon ab
die wunderschöne Berglandschaft zu genießen, in felsigem Gelände ließ ich
mich dann dazu überreden, doch zumindest meine Sportschuhe anzuziehen.
Abends
erreichten wir unsere erste Übernachtungshütte an einem kleinen See. Das
Matratzenlager war nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber das Abendessen von
den Mapuche dafür umso mehr. Und der Mate - Tee war super. Am Morgen gab es ein
herrliches "Anden" - Glühen. Die rötlich leuchtenden Zinnen des
Zerro - Cathedral spiegelten sich perfekt im See. Dann ging es weiter.
Bei der
Hütte hat sich noch eine bildhübsche Studentin aus Buenos - Aires zu unserer
Gruppe gesellt. Sie ließ sich wohl von mir inspirieren und lief ebenfalls an
ebenen, sandigen Wegabschnitten barfuß und zeigte auch, dass sie es schön
findet. Leider spreche ich so gut wie kein spanisch und sie weigerte sich
standhaft englisch zu sprechen. So klappte es mit der Verständigung nur, wenn
einer unserer Spanischkundigen übersetzte. Ich fragte sie, ob sie denn kein
Englisch kann, als Studentin. "Ja, schon, wir haben es in der Schule lernen
müssen, aber es interessiert mich nicht!" Die Argentinier haben die
Falkland - Niederlage gegen England nicht vergessen. Und die "Gringos"
aus USA sind ohnehin in ganz Südamerika sehr unbeliebt.
Die Wanderung ging
über felsige Bergkämme und durch saftige Flusstäler. Am Abend mussten wir
einen steilen Geröllhang hinunter wandern, wobei wir mehr schlitterten als
wanderten. Das letzte Stück durch dichten Wald zur Hütte war dann wieder
barfuß angesagt. Am dritten Tag ging es durch ein heißes Flusstal und ständig
am Wasser entlang. Hier erlaubte mir Franz sogar, barfuß zu gehen. Um die
Mittagszeit wurde es allerdings so heiß, dass barfuß laufen kaum noch möglich
war.
Am Abend kamen wir zurück nach Bariloche. Und da gab es offizielle Manöverkritik. Jeder durfte loslassen, was ihm in den ersten Tagen nicht
gefiel. Neun vorwurfsvolle Augenpaare richteten sich auf mich und meine Füße
... Ich würde die Gruppe aufhalten, weil ich ja barfuß nicht so schnell
bin, wie die anderen. Das stimmt natürlich, allerdings bin ich auch mit Schuhen
langsamer, ich fahre ja nicht ans andere Ende der Welt, um dann im Sauseschritt
durchzuhasten. Ich will ja auch was sehen. Jedenfalls baten sie mich
eindringlich im weiteren Reiseverlauf doch auf längeren Wanderungen Schuhe
anzuziehen. Die Erfüllung dieser Bitte war kein Problem, denn es gab keine
längeren Wanderungen mehr. So war dieses Problem dann für den Rest der Reise
gelöst.
Unsere Reise ging weiter, mit dem Schiff über die Seen Nahuel Huapi
und Todos Los Santos nach Puerto Montt in Chile. Vom Nahuel Huapi gab es noch
mal einen herrlichen Ausblick auf den vergletscherten Tronador. Der Name
bedeutet auf deutsch "der Donnernde" und kommt daher, dass immer
wieder riesige Stücke der Gletscher abbrechen und donnernd ins Tal stürzen.
Zwischen den beiden Seen verkehrt ein Bus über den 960 Meter hohen Pass bei
Puerto Frias. Jenseits, auf der regenreichen Westseite der Anden wird die
Vegetation dann viel üppiger. Dann steht wieder eine Schiffspassage bevor,
über den Todos los Santos. Auch hier gibt es wieder eine malerische
Bergkulisse, der absolut symmetrische Kegel des Bilderbuch - Vulkans Osorno mit
seiner schneebedeckten Spitze dominiert die Aussicht.
Auf dem Schiff sind auch
einige chilenische Studentinnen. Man sieht ihnen an, dass sie aus wohlhabenden Bevölkerungsschichten
sind. Doch sie stellen sich gerne als Fotomodel vor der
malerischen Bergkulisse zur Verfügung. Eine davon spricht fast perfekt deutsch
und es stellt sich heraus, dass sie jahrelang in Bremen als Austauschschülerin
gelebt hat. Am Ende des Sees machen wir noch eine kurze Wanderung am Fuße des
Osorno und zu einigen Wasserfällen. Dann geht es mit dem Bus weiter, nach
Puerto Montt.
Die Mitreisenden hatten sich inzwischen an
meine nackten Füße gewöhnt, es war kein Thema mehr. Chile ist ein sehr langes
Land. Es reicht von subtropischen Gebieten im Norden bis fast an die Antarktis
heran. Die Berge im Süden sind bis fast auf Meereshöhe vergletschert, ein
unwegsames Gebiet, in dem so gut wie niemand wohnt. Straßen gibt es gar keine.
Die Küste ist zerfurcht und zerklüftet. Straßen gibt es nicht, das Inlandeis
ist auch heute noch eine Herausforderung für Extremabenteurer. Extreme Stürme
machen jede Expedition zum Wagnis.
Puerto Montt liegt im Süden Chiles, aber
immer noch 500 km nördlich des Inlandeises, in gemäßigten Zonen. Es regnet
viel, die Sommer sind eher kühl, die Winter eher mild und stürmisch. Man kann
das Klima hier vielleicht am ehesten mit dem von Irland vergleichen.
Richtung
Norden liegt das Prunkstück chilenischer Landwirtschaft. Hier herrscht ideales
Klima für Obst und Weinbau. Obst von hier wird in die ganze Welt geliefert.
Dies ist das Gebiet, in dem wir auf unserer Reise unterwegs waren.
Doch
zunächst besuchten wir noch die Insel Chiloe. Leider hatten wir nur einen Tag
Zeit. Und das Wetter spielte auch nicht mit, es regnete und windete, wie bei uns
im September. Klar, Februar ist in Südchile Spätsommer! Da blasen schon mal
die ersten antarktischen Herbststürme. Chiloe ist Bauernland, gilt in Chile oft
als rückständig. Aber es hat eine herrliche Landschaft, an klaren Tagen hat
man im Hintergrund die herrliche Kulisse der schneebedeckten Anden und der
Vulkane Osorno und Puntiagudo. Und die Menschen dort wirken nicht unbedingt
unglücklich über ihr einfaches Leben. Die Menschen in Chile sind freundlich,
englisch sprechen sie nicht, deutsch auch nicht. Und mit europäischem
Schulspanisch kommt man ebenfalls nicht sehr weit.
Gringos aus USA sind nicht
sehr willkommen, gibt man sich jedoch als Deutscher zu erkennen, bleibt nichts
unversucht, sich verständlich zu machen. So fand sich immer ein Weg, wenn wir
Auskunft brauchten. Barfüßige Leute sah ich keine (außer am Strand), aber es
ist auch niemand besonders aufgefallen, wenn ich barfuß unterwegs war.
Puerto
Montt ist ein Provinzstädtchen, sehenswert ist eigentlich nur die Insel Chiloe
und die Vulkane im Osten. Es gibt einige schöne alte Holzhäuser in der Stadt.
Wir fuhren mit dem Linienbus weiter nach Valdivia. Ein wunderschönes Städtchen
mitten im Obstanbaugebiet mit einem Klima wie in Norditalien. Man kann sich so
richtig wohl fühlen hier. Ganzjähriges Barfußvergnügen wäre garantiert!
Nicht weit nördlich liegt das Städtchen Temuco. In dieser Gegend blieben wir
einige Tage lang. Temuco ist eigentlich nicht sehr einladend, ein schmutziges,
graues Städtchen mit viel Verkehr. Die Nationalstraße, Teil der Panamerikana,
die alle wichtigen Städte des Landes verbindet und ganz Chile in Nord- Süd-
Richtung durchzieht, führt mitten durch Temuco. Aber das Hinterland
mit seinen Vulkanen und den Anden ist sehr sehenswert. In Temuco gibt es einen
der größten Indianermärkte des Landes. Er ist sehr sehenswert. Bauern aus der
ganzen Umgebung kommen am Markttag mit ihren Pferdefuhrwerken in die Stadt, um
Früchte, Kleidung und anderes zu verkaufen. Es ist ein buntes Treiben,
stundenlang kann man über den Markt schlendern, man findet immer wieder neues
und interessante Menschen. Die vielen reifen Früchte lassen das Wasser im Munde
zusammenlaufen, es gibt einfach alles, ein Schlaraffenland. Das Klima hier
lässt sowohl Südfrüchte, als auch mitteleuropäisches Obst und Gemüse
prächtig gedeihen.
Nach diesem Markttag machten wir einen Ausflug zum Vulkan Llaima. Hier ist die Heimat der Araukania - Tanne. Das Gebiet ist eher trocken.
Der Vulkan Llaima hat einen Bilderbuchkegel, wie Osorno, aber nur wenige
Schneereste zieren sein Haupt. An seinem Fuße gibt es ein paar malerische
kleine Seen, umgeben von dichten Wäldern. Am Nachmittag machten wir eine
herrlich entspannende Wanderung um einen der Seen. Es war inzwischen auch bei
meinen Mitreisenden selbstverständlich, dass ich solche Wanderungen barfuß
machte. Es war Wochenende und einige Chilenen verbrachten ihre freien Tage hier
am See, mit dem Zelt. Gerne wären wir auch hier am See geblieben, über Nacht.
Aber unsere Unterkunft befand sich in Temuco, ein staubiges Hotel direkt an der
Hauptstraße. Wir genossen am Abend noch die herrliche Ruhe am See. Perfekt
spiegelte sich der Llaima im Wasser, im zarten Abendlicht.
Am nächsten Tag ging
es mit unseren beiden Mietwagen durch Obstplantagen ins kleine Bauerndorf
Curacautin, ein Dorf mit romantischem südeuropäischen Flair, es könnte auch
in der Toskana liegen. In einem wunderschönen kleinen Hotel mit
Gartenrestaurant war unser Nachtquartier.
Am nächsten Tag trennte sich unsere
Gruppe. Der größte Teil fuhr zurück nach Temuco, um etwas zu entspannen. Zu
viert fuhren wir weiter zum Vulkan Lonquimay, der 6 Wochen zuvor nach langer
Ruhepause wieder ausgebrochen war. Schon von weitem sahen wir eine pechschwarze
dichte Rauchwolke, die immer noch über dem Vulkan stand. Wir fuhren durch eine
scheinbar tote Landschaft aus Gesteinsasche. Eine Landschaft in schwarz. Das
letzte Stück mussten wir zu Fuß gehen. Gewaltiges Donnern dröhnte vom
schwarzen Kegel des Lonquimay zu uns herüber. Bis auf 800 Meter konnten wir uns
dem Krater nähern.
Ich war natürlich barfuß. Die Asche fühlte sich an wie
grobkörniger Sand, bei jedem Schritt sank ich tief ein, in die locker
geschichtete Asche. Immer wieder stieß der Vulkan tiefschwarze Rauchwolken aus,
begleitet von gewaltigem Dröhnen. Dir Boden erzitterte unter dem Toben des
Vulkans. Zeitweise wurde die Sonne völlig verdunkelt, von den Rauchmassen.
Leute, die über Nacht in der Nähe des Vulkans waren, erzählten uns, dass man
bei Dunkelheit leuchtende Feuerfontänen über dem Krater sehen könnte. Wie
gerne wäre ich geblieben, um dieses Schauspiel bei Nacht bewundern zu können,
aber die Zeit drängte, wir mussten weiter. So ist das halt bei organisierten
Reisen mit festem Programm. Der Abstecher zum Lonquimay und die folgende Fahrt
entlang der Anden stand ohnehin nicht auf dem Plan.
Die Fahrt ging weiter zur
Ortschaft Lonquimay. Hier konnten wir uns in einem malerischen kleinen Laden mit
frischen Lebensmitteln eindecken. Die Straßen hier sind bedeckt mit feiner
Asche, die der Wind vom Vulkan herüber getragen hat. Autos sind hier eher
selten, die Leute bewegen sich zu Pferde fort. Ein Hauch von Wildwestromantik.
Zum Transport benutzen die Bauern Ochsenkarren. Eine lange staubige Fahrt auf
Naturstraßen stand uns nun bevor, immer mit Blick auf die Kulisse der
schneebedeckten Anden. Bauernland, Ochsenkarren und kleine, oft sehr einfache
Anwesen bestimmten das Bild. Man bekommt einen Eindruck, wie es bei uns wohl vor
ein paar hundert Jahren ausgesehen hat. Nur die gelegentlich vorbeifahrenden
Autos erinnerten an unser Jahrhundert.
Vorbei am Paso de Icalma und einigen
malerischen Bergseen ging es nach Melipeuco. Hier gibt es auch wieder Benzin
fürs Auto. Entlang dem Rio Allipen fuhren wir nach Cunco. Herrliches Bauernland
mit spanischer Romantik. Männer, die im Schatten eines Baumes Siesta halten und
einfach nur das Leben genießen. Barfuß sind sie nicht. Aber es würde auch
nicht stören, wenn sich jemand barfuß dazusetzen würde. Ortsnamen wie Las
Hortensias oder Los Laureles lassen schon erahnen, wie hier alles schön grünt
und blüht.
Dann öffnete sich der Blick, vor uns lag tiefblau der Lago Villarrica. Schon der Name zergeht wie italienisches Eis auf der Zunge. Auf der
anderen Seite erhebt sich majestätisch der gleichnamige Vulkan, Villarrica!
Hier trafen wir unsere Kameraden wieder, in der Stadt, die den selben Namen
trägt, logisch. Badewetter, planschen im See war angesagt. Die Nacht
verbrachten wir hier am See, der auch bei vielen Chilenen als Urlaubsziel
beliebt ist.
Zurück nach Temuco, von wo am Abend der Nachtzug nach Santiago
abfuhr. Santiago glänzt mit kolonialzeitlichen Prachtbauten. Wir hatten einen
Tag Zeit, die Stadt zu Fuß, mit dem Bus und mit der U-Bahn zu erkunden. Dann
ging es weiter nach Vina del Mar. Wie immer benutzten wir öffentliche
Verkehrsmittel, das heißt in diesem Falle Linienbus. Es war Freitagnachmittag.
Das Wochenende stand bevor und die Busse von Santiago ins ca. 80 km entfernte
Vina waren brechend voll. Vina del Mar hört sich nicht nur so an wie Rimini
oder Costa Brava, es sieht dort auch so aus. Hotelburg neben Hotelburg!
Nachtleben, Disco, High Live, Wochenende und Sonnenschein. Die barfüßige
Schönheiten laufen hier in Massen herum. Und am Tag tummelt man sich am Strand,
auf dass man schön braun wird. Nur ... das Wasser ... na ja, es ist ja
wunderschön anzuschauen, wenn man auf den Klippen südlich von Vina steht und
über den weiten feinsandigen Strand schaut. Aber es ist ja soooo kalt!!! An den
Klippen tummeln sich nicht nur Sonnenanbeter, sondern auch eine stattliche
Kolonie Pinguine! Sie fühlen sich bei den Wassertemperaturen wohl. Der Humboldt
- Strom bringt das kalte Wasser direkt aus der Antarktis bis hier hoch
und weiter bis zum Äquator.
Südlich von Vina del Mar ist die Hafenstadt
Valparaiso, einer der wichtigsten Häfen Chiles. Natürlich stand auch eine
Besichtigung auf dem Programm. Weiter nördlich beginnt dann die Wüstenregion.
Die chilenische und peruanische Wüste ist die trockenste der Welt. Es gibt
Stellen, wo es schon seit 100 Jahren und mehr nicht geregnet hat. Wir fuhren mit
dem Bus hinauf in die Anden, von 0 auf 2800 Meter. Das sind nur ein paar
Fahrstunden, bis Puente del Inca auf argentinischem Gebiet. Gleich nach Ankunft
machte ich noch eine Barfußwanderung in der Umgebung. Danach legte ich mich ins
Bett. Doch irgendwie war mir so komisch, nein das ist zu milde ausgedrückt, es
war mir hundeelend! Höhenkrankheit! Sterben muss schöner sein! Kopfweh,
Bauchweh, die Fontänen sprudelten zu allen Körperöffnungen raus! Und am
nächsten Tag sollte es weitergehen, per Pferd bis auf 3500 Meter und
übermorgen bis auf 4200 am Fuße der Südwand des Aconcagua. Unvorstellbar ...
Doch am nächsten morgen ging es gar nicht so schlecht. Auf dem Rücken eines
Pferdes ging es dann durch steinige, fast vegetationslose Hochgebirgslandschaft.
Die 5000er stehen hier nur so herum und vor uns erhebt sich majestätisch der
fast 7000 Meter hohe Aconcagua. Genau 6959 Meter hoch ist sein Gipfel, ziel
vieler Bergsteiger. Leider müssen viele für dieses Abenteuer mit dem Leben
bezahlen, der Aconcagua ist einer der schwierigsten Berge der Welt. Abends
erreichten wir unser Camp Confluencia in 3500 Meter Höhe, umgeben von Geröll
und Gesteinsschutt. Keinerlei Vegetation. Dafür gab es herrliche Bergkulissen.
Die Nacht wurde saukalt. So kalt, dass ein munter dahinplätscherndes Bächlein
am nächsten Morgen komplett gefroren war. Doch was juckte mich schon die Kälte
- die dünne Luft war viel schlimmer, für mich als
"Flachlandtiroler".
Am Glaciar Morenes entlang ging unser Ritt am
nächsten Tag bis nach Plaza Francia, ein Camp am Fuße der senkrechten, fast
2800 Meter hohen Südwand. und wir waren immerhin auch schon in einer Höhe von
ca. 4200 Meter. Um uns herum eine wahre Mondlandschaft aus Geröll. Die Südwand
ist komplett vereist. Lawinen poltern immer wieder herunter. Sie sind
unberechenbar und machen den Aufstieg so gefährlich. Nach einem längeren
Aufenthalt ritten wir zurück nach Confluencia, und so langsam begann ich mich
an die Höhe zu gewöhnen. Gerade jetzt, wo es Spaß macht, muss man wieder
zurück. Übermütig gab ich meinem Pferd die Sporen und wir galoppierten den
anderen davon. Seht zum Unmut unseres argentinischen Begleiters. Der erfahrene
Reiter holte mich natürlich schnell ein. Gott sei Dank verstehe ich kein
spanisch, so konnte ich ihm auf seine Moralpredigt nur mit Achselzucken und
freundlichem Lächeln antworten. Ach ja, barfuß war ich in dieser Situation
nicht, angesichts der Kälte war das auch kein größeres Problem.
Eine weitere
Nacht in Puente del Inca, dann ging es nach Mendoza, wo wir die Reise gemütlich
ausklingen ließen. Noch ein paar Tagen in den "Guten Lüften" (Buenos
Aires), dann ging es zurück in den spätwinterlichen Nebelsmog in der Heimat.
Falls ich nun jemandem die Lust auf Chile geweckt haben sollte: Ich kann Dich
verstehen! Irgendwann möchte ich auch noch mal hin, auf eigene Faust den wilden
Süden erkunden, und die Insel Chiloe. Aber erst muss ich mal das Geld dafür
verdienen - und natürlich spanisch lernen!
Gruß, Bernd A
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