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[Bernd A.s Erinnerungen an Afrika] |
[Barfuß in Gambia] |
Bernd
A.s Erinnerungen an Afrika, den barfüßigen Erdteil
(Forumberichte im Sommer 2000)
Es ist ja auch interessant, wie
Leute im Ausland auf das Barfußlaufen reagieren.
Auf einer Reise in Namibia haben mir die Mitreisenden gar
Regressforderungen angedroht, falls ich ihnen mit meiner Barfußlauferei die
Urlaubsfreuden vermiese. Sie sahen sich im Geist schon vor dem nächsten
Krankenhaus auf ihren durch "bodenlosen Leichtsinn" verunglückten
Kameraden warten.
Vor Schlangen, Skorpionen und anderem Getier wurde ich gewarnt. Ich fragte sie,
warum die Afrikaner wohl so große Probleme mit der Überbevölkerung haben, wo
sie doch ihr ganzes Leben barfuß laufen und auf Schritt und Tritt auf
irgendwelche Skorpione, Schlangen und Giftspinnen treten ...
Überhaupt, AFRIKA, man kann ja fast sagen, der barfüßige Erdteil ! Wer läuft
in Afrika nicht barfuß?
Da saß ich in Zaire an einem Fluss oberhalb eines malerischen Wasserfalls
mitten im Urwald. Natürlich war ich barfuß. Vom nahen Dorf kamen einige junge
Frauen, mit ihren Gefäßen auf dem Kopf. Graziös bewegten sie sich, ihre kräftigen
barfußgewohnten Füße tasteten sich geschmeidig über den durchwurzelten
Trampelpfad entlang des Flusses. Sie trugen bunte Wickeltücher.
Für sie ist Barfußlaufen so normal und natürlich wie essen und trinken,
dachte ich mir. Sie können sich nicht vorstellen, dass es in unserer Welt viele
Leute gibt, bei denen barfußlaufen verpönt ist. Sie können sich aber auch
nicht vorstellen, das man als Hobby barfuß laufen kann oder als Sport. Es ist
ihnen völlig fremd, dass es Leute gibt, die aus Prinzip barfußlaufen, oder um
zu provozieren ja sogar aus erotischen Bewegungsgründen !
Für sie ist barfußlaufen normal, es ist halt so, für was soll man auch Schuhe
tragen? Alle laufen barfuß, das ist keine Überlegung wert, warum. Man grübelt
ja auch nicht darüber, warum das Wasser nass ist ...
Die Frauen stiegen die Uferböschung hinab und tauchten ihre Gefäße ins
Wasser. Dann gingen sie wieder zurück, lachend und kichernd.
Wir machten am nächsten Tag eine Wanderung zu den Berggorillas in den
Virungavulkanen. Ein mehrstündiger Fußmarsch durch schwülen Urwald. Aber eine
herrliche Erfahrung für meine nackten Füße. Der nasse, warme Urwaldboden, mit
unzähligen Zweigen und Wurzeln. Nasse Blätter, Gras, Schlamm, Steine, Wasserläufe.
Jeder einzelne Zentimeter wird von den Füßen wahrgenommen und registriert -
mit Schuhen würde man nur halb soviel erleben. Nasse Farne streifen über die
Fußrücken, warme feuchte Erde umschließt sie an weichen Stellen, in denen man
einsinkt.
Plötzlich und unvermittelt sind sie da, die Gorillas. Friedliche Tiere, die uns
anschauen. Nur wenige Meter entfernt sitzt der alte Silberrücken-Mann, ein 250
kg-Koloss. An seinem dicken Bauch lehnt genüsslich seine Frau und er krault ihr
mit einem Finger den Kopf, was für eine friedliche Stimmung. Einige Jungaffen
spielten in der Umgebung. Wir Menschen sitzen auf der Erde mitten unter ihnen.
Einer der Menschenaffen kommt auf mich zu, streckt seine Hand aus, mit gekrümmtem
Zeigefinger. Mit dem Rücken seines Fingers berührt er meine Hand und
streichelt sie zärtlich, so als wolle er sagen: "willkommen im Club der
Barfüßer!"
Eine weitere Barfußwanderung führte mich in den Regenwald am Vulkan Nyiragonga,
gar nicht weit von Virunga entfernt . Auch hier gab es Barfußerlebnis pur.
Oder die Viktoriawasserfälle: nur barfuß kann man dieses Naturschauspiel
richtig genießen. Man läuft ja ständig durch die Gischtwolken des
Wasserfalls, die wie ein Wolkenbruch auf einen herunterprasseln. Ich musste über
all diejenigen lachen, die mit aufgeweichte und für den weiteren Gebrauch
untauglichen Schuhen herumeierten und gar keine Zeit hatten die Naturschönheit
zu genießen. Wohl denen, die wie ich, barfuß gingen. So viel für heute. ...
Ein Leben lang barfuß! Menschen in Afrika.
In meinem heutigen Beitrag bleibe ich mal auf dem gleichen Breitengrad wie
die Seychellen, nur etwa 1000 km weiter westlich, in Afrika.
Ich hatte ja vor
einiger Zeit schon mal über eine Reise in Afrika und einer Wanderung zu den
Berggorillas geschrieben. Heute möchte ich mal mehr über die Menschen, die
einem auf solch einer Reise begegnen, schreiben.
Wenn man als ganz normaler
Pauschaltourist nach Kenia fliegt, um dort ein paar Wochen unter Palmen und
tropischer Sonne am Indischen Ozean zu relaxen, wird man normalerweise am
frühen Morgen in der quirligen Hafenstadt Mombasa ankommen.
Nach dem
langwierigen Check-in (wer schon mal dort war kennt die Bedeutung von "Pole-
Pole"!) geht
es mit dem Bus durch die Stadt zu den Hotels an den Stränden nördlich und
südlich davon. Wenn man früh morgens durch eine Großstadt fährt, erwartet
man Verkehrschaos. Das gibt es natürlich auch in Mombasa, nur findet es dort
nicht auf der Autostraße, sondern mehr auf dem Gehweg statt. Die (natürlich
schwarzen) Menschen eilen zu ihrer Arbeit, zu Fuß. Und die allermeisten sind
barfuß.
Es ist schon eine eigenartige Stimmung, so ganz anders als bei uns. Da
wuselt es auf den Vorstadtstraßen von barfüßigen Menschen auf ihrem Weg zur
Arbeit.
Dann hat man die Stadt verlassen, doch die Küste ist dicht besiedelt.
Hütte reiht sich an Hütte, rechts und links der Straße. Schulkinder stehen am
Straßenrand und warten auf den Schulbus. Sie tragen alle ordentliche grüne
Schuluniformen, Schuhe besitzen die meisten aber nicht.
Ein Brieffreund von mir,
der heute in den USA lebt, berichtete mir einmal von seiner Schulzeit in Tansania folgendes:
"Ich hasse Frost. Das ist deshalb, weil ich mich dabei
immer an meine Vergangenheit erinnere. Ich bin in Njombe im Süden Tansanias
geboren. Das ist ein Gebiet, in dem es Frost gibt. Das Gebiet liegt sehr hoch.
Während Frostperioden ist das Leben miserabel. Die Häuser sind aus Holz oder
Lehm, die Dächer aus Gras. Keine Heizung. Es wird wirklich kalt. Morgens musste
ich 10 Kilometer zur Schule laufen, zu Fuß.
Der Frost ist sehr streng. Meine
Füße haben Risse, aus denen Blut läuft. Wenn ich zu spät kam, schlug mich
der Lehrer mit dem Stock auf die Finger. Weil ich keine Handschuhe besaß, tat
das sehr weh, denn der Frost steckte im ganzen Körper. Ich erinnere mich, ich
bekam meine ersten Schuhe, als ich 11 Jahre alt war. Aber was heißt schon
Schuhe, es waren keine Schuhe, wie sich das anhört. Du kennst diese Sandalen,
die aus alten Autoreifen gemacht sind ...!"
Barfuß laufen als Hobby? Nein
Danke! Afrikaner laufen nicht aus Hobby barfuß, ganz bestimmt nicht.
Zurück
nach Mombasa. Frost ist hier kein Thema. Das Wasser des Meeres ist immer um die
25-28 Grad warm, so wird die Luft auch nachts nie unter 20 Grad
"kalt". Vor den Hütten an der Straße brennen Feuerstellen, an denen
die Leute ihr Frühstück kochen. Die Luft riecht nach Rauch.
In der Nacht sind
alle Katzen grau, oder alle Neger schwarz. Und an einem tropischen Strand sind
alle Menschen barfuß, klar keine Frage. Für mich ist ein reiner Strandurlaub
zu langweilig, ich möchte was von Land und Leuten kennen lernen. Diese üblichen
Touristensafaris besichtigen ja in erster Linie die Tiere, manchmal gibt's noch
einige landschaftliche Highlights, aber von den Menschen bekommt man nichts mit.
Doch man sieht sie, wenn sie auf der Straße laufen, mit ihren nackten Füßen.
Kinder tragen unvorstellbare Lasten auf dem Kopf. Wenn wir bei unserer Arbeit
solche Lasten schleppen müssten, würden die Berufsgenossenschaften Alarm
schlagen!
Doch am meisten beeindrucken in Ostafrika die Masai. Sie schleppen
keine Lasten. Ihr Speer ist das einzige, was sie tragen. Um den Körper haben
sie nur ihr meist rotes oder braunes Tuch gewickelt. Schuhe haben die meisten
nicht. Sie laufen barfuß durch die Savanne, mit ihren vielen dornigen Büschen.
Man hat den Eindruck, der dicken Hornhaut an den Füßen dieser Menschen könne
kein Dorn etwas anhaben.
Doch auch die Masai sind vor den Akaziendornen, die
manchmal mehr als 10 Zentimeter (!!!)lang sein können, nicht sicher. Das
Entfernen von Dornen aus den Fußsohlen bei sich selbst oder auch bei anderen
gehört zum normalen Alltag.
Masai sind keine Jäger, sie bestellen auch keine
Felder, sie leben fast ausschließlich von ihren Rindern und Ziegen. Das
traditionelle Kriegertum mit Mutproben wie Überfälle oder das Erlegen von
gefährlichen Tieren haben sie inzwischen fast gänzlich aufgegeben. In ihren
Dörfern gibt es einen dicken "Teppich" aus Rinderdung. Und da laufen
sie natürlich auch barfuß. - Dirty soles auf afrikanisch.
Doch auch Masai sind
oft nicht ganz barfuß, sondern tragen die angesprochenen Sandalen aus
Autoreifen. Barfüßige Menschen gibt es in Afrika überall zu sehen. Es gibt
Überlieferungen, wonach Afrikaner barfuß bis in die höchste Regionen des
Mount Kenya oder des Kilimanjaro gewandert sind, lange bevor die ersten Weißen
dort oben ihre Fahnen aufstellten.
Ein anderer beeindruckender Stamm sind die
Pygmäen. Sie leben nicht in der Savanne, sondern im Regenwald und sie sind
nicht nur barfuß, sondern fast ganz nackt. Pygmäen züchten keine Tiere und
betreiben auch keinen Ackerbau. Sie streifen barfuß durch den Wald, auf der
Suche nach jagdbarem Wild.
Die meisten Pygmäen werden ihr Leben lang keine
Schuhe besitzen. Und wenn, dann ist das etwas ganz Besonderes. Sie werden mit
Stolz getragen.
Wenn man einen Pygmäen oder einen anderen Afrikaner fragen
würde, ob er als Hobby barfuß läuft, wird er nur mit den Achseln zucken.
Hobby Barfuß, das ist ihm völlig fremd. Ich sah aber auch schon Afrikaner,
denen es offensichtlich Spaß machte, barfuß zu laufen, wenn es auch nicht
gerade ihr Hobby ist.
Ich denke zum Beispiel an die Frauen, die zum Wasserholen
an einen Fluss in Zaire kamen. Ich saß dort an einem tosenden Wasserfall mitten
in einem Urwaldgebiet. Ein schmaler Trampelpfad führte am Fluss entlang.
Während ich das so saß, natürlich selbst auch barfuß, und tagträumend ins
Wasser blickte und die angenehmen warmen Temperaturen genoss, hörte ich am Weg
plötzlich Frauenstimmen. Sie kamen näher. Kichernd kamen zwei fast erwachsene
afrikanische Mädchen auf dem Pfad vom Berg herunter. Sie gingen direkt hinter
mir vorbei, winkten mir zu. Keiner verstand natürlich die Sprache des anderen.
So blieb es beim gegenseitigen Zuwinken.
Sie waren natürlich barfuß. Ihre
kräftigen, aber trotzdem anmutigen Füße tasteten sich geschmeidig und sicher
über die Wurzeln und Steine auf dem Weg. Sie stiegen an den steilen Ufern
hinunter zum Wasser, um ihre Gefäße in den Fluten zu füllen. Dann gingen sie
wieder.
Es schien nicht so, als ob es für sie unangenehm war, barfuß zu
laufen, aber sie taten es bestimmt auch nicht bewusst, oder gar als Hobby.
Überhaupt, Hobby! Die meisten Menschen in Afrika haben keine Hobbys. Ein Hobby
ist was für gelangweilte, satte Menschen in reichen Ländern. In Afrika macht
man nichts zum Spaß, außer Spielen und Tanzen. Alles andere erfüllt einen
Sinn im täglichen Überlebenskampf. Man tut es, um etwas zu Essen zu bekommen
oder Geld zu verdienen. Und barfuß laufen als Spiel, das kommt wahrscheinlich
keinem Afrikaner in den Sinn.
Wie gesagt, den beiden Mädchen schien es nicht
unangenehm zu sein, ohne Schuhe zu laufen. Ich habe aber auch in Afrika schon
Kinder gesehen, die mit schmerzverzerrtem Gesicht über geschotterte Wege
wankten, mit den nackten Füßen nach halbwegs ebenen Flächen ohne Steine
suchend. Barfuß laufen ist für sie nicht schön.
Aber so ist das. Die
Menschen, die ihr Leben lang barfuß sein müssen, weil sie keine Schuhe kaufen
können, wünschen sich nichts mehr als Schuhe, die sie vor Frost, Hitze,
Dornen, spitzen Steinen und natürlich auch vor stechenden Tieren schützen. Und
Leute wie wir, denen die Gesellschaft das tragen von, möglichst geschlossenen
(zumindest bei Männern) Schuhen auferlegt, finden nichts schöner, als nach der
Arbeit die beengenden, viel zu warmen Schuhe endlich abzustreifen und barfuß zu
gegen.
Vielleicht sollten wir mal ein Jahr lang barfuß gehen MÜSSEN, immer und
überall, jeden Tag, bei Hitze und Kälte und keine Chance haben, Schuhe zu
bekommen. Vielleicht würden wir es dann nicht mehr als Hobby bezeichnen.
Vielleicht sollte man einen Afrikaner mal dazu verdammen, den ganzen Tag
geschlossene Schuhe mit dunklen Socken zu tragen, bei der größten Hitze, bei
der Arbeit, in der Schule, beim Tanzen, beim Spiel, immer. Erst wenn er ins Bett
geht, darf er sie ausziehen - er würde es wohl als Folter empfinden!
So, genug
philosophiert, bis zum nächsten Mal Gruß, Bernd
[ Menschen, die Leben lang barfuß sein müssen,
weil sie keine Schuhe kaufen können, wünschen sich nichts mehr als Schuhe, die
sie schützen]
Mit anderen Worten, sie würden Schuhe tragen, wenn dies
angemessen und zweckmäßig ist. Nicht, wenn sie ihnen hinderlich oder
unangenehm sind. Dies wäre jedenfalls eine vernünftige Einstellung, und ein
möglicher Ausdruck für einen "afrikanischen Weg": Nicht alle Fehler
der Industriestaaten nachmachen, eigene Traditionen bewahren, wo diese besser
sind (ob es nun ums barfußgehen oder um landwirtschaftliche Anbaumethoden geht,
die oft weitaus naturschonender und nachhaltiger sind als
"importierte" Massenkulturen), Neues entwickeln oder übernehmen, wo
das Alte angesichts der Bevölkerungsvermehrung an seine Grenzen stößt.
Afrika
ist reich an Natur und Kulturen, hat dabei viel eigenes, das es sonst nirgends
auf der Welt gibt, läuft aber Gefahr, das zu verlieren, wenn es blindlings das
nachmacht, was andernorts schon gescheitert ist.
Schuhe zu tragen, ist nicht der
größte Fehler, den die Industrieländer vormachen, aber der allgemeine Schuhzwang ist auch schon ein
Ausdruck dessen, dass etwas schief läuft. Unci
Hallo Bernd, vielleicht kannst Du als weltweit gereister Barfüßer mir und
allen anderen Interessierten ja die Frage beantworten, warum in den überwiegend
angelsächsisch geprägten Ländern Südafrika,
Australien und Neuseeland - nur
letzteres kenne ich aus eigener Erfahrung - das Barfußlaufen auch bei Weißen
durchaus üblich ist.
Besonders scheint mir das für Kinder zu gelten, wie z.B.
auch die Länderrubriken von "Parents for barefooted children"
dokumentieren. So erfreulich es ist, scheint mir doch ein gewisser Widerspruch
darin zuliegen, denn in vielen anderen Dingen waren die Einwanderer sehr wohl
willens, sich von den Einheimischen, also den schwarzen Stämmen im südlichen
Afrika, den Abos und Maoris auch in äußeren Dingen zu unterscheiden. Das
Barfußsein bildet da eine Ausnahme, wofür ich bislang keine schlüssige
Erklärung habe. Das gegenüber Europa mildere Klima und entsprechend
"leichtere" Kleidung scheint mir als alleiniger Grund nicht zu
genügen.
Gruß Schorsch
Mehr zu "Barfuß in Afrika" kann man in den Länderberichten nachlesen!
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Barfuß in Gambia
(Forumbeitrag im Herbst 2003)
Aus Westafrika
zurück, finde ich etwas Zeit für einen kurzen Reisebericht.
Das kleinste Land Afrikas ist nicht viel mehr als der gleichnamige Fluss und ein
bisschen Ufer rechts und links mit tropischer Vegetation am Ufer,
Steppenlandschaft im abgelegeneren Teil. Sonne pur und Temperaturen bis 38 Grad
sind Dank der recht geringen Luftfeuchte ganz gut auszuhalten. Insofern macht
sich die trockene Wüstenluft der nicht so fernen Sahara positiv bemerkbar.
Die breite Mündung des Gambia und bis tief ins Land hinein besteht der Fluss
aus Salzwasser. Im Mündungsgebiet kann man Delfine bewundern. Weiter hinten im
Süßwasserteil die Nasenlöcher und Öhrchen von Flusspferden. Krokodile sind
ebenso einheimisch wie Hunderte Vogelarten und diverse Affen.
Das Reisen ins Hinterland ist trotz geringer Entfernungen beschwerlich, da die
Straße bald nach der Küste eine reine Kraterlandschaft ist. So braucht man
für die 306 km von der Hauptstadt Banjul (ehemals Bathurst) nach Janjang-Buhre
(früher Georgetown) satte 8 Stunden. Dafür kann man dort mit Wassu das
'Stonehenge Afrikas' bewundern, rätselhafte Steinkriese, längst nicht so
gewaltig, aber im Licht der Abendsonne im mannshohen Elefantengras nicht minder
mystisch.
Die Geschichte Gambias ist geprägt von der Sklaverei. So ist der berühmteste
Gambier Kunta Kinte ("Roots"). Dessen Nachfahrin in siebter Generation
Binta Kinte kann man in Juffureh besuchen. Auf einer Insel, St. James Island,
unweit im Gambia-Fluss ist das Fort, das Ausgangspunkt für die Sklavenschiffe
in die Neue Welt war. In winzigen Räumen wurden bis zu 30 Sklaven gehalten, die
durch kleine Öffnungen mit minimal Wasser und Nahrung versorgt wurden. Wer
nicht gestorben war in den 14 Tagen, war kräftig genug für die Baumwollfelder.
Barfuß laufen dort eigentlich nur die Kinder. Irgendwelche einfachen Latschen
hat jeder Erwachsene. Ausnahmen: einige nomadisierende Völker im Hinterland.
Wegen der staubigen Straßen ist das Laufen mit nackten Füßen eigentlich ganz
angenehm. Aufpassen muss man an der Küste auf den Muschelpisten, die Straßen
sind dort zum Teil wirklich mit Muscheln asphaltiert, die manchmal - wenn sie
noch nicht so abgefahren sind - ordentlich pieken können. Die Warnung vorab
wegen viel Unrat auf den Wegen, an dem man sich verletzen kann, ist berechtigt,
aber da es sich um größere Teile handelt, hat man sie eigentlich immer sicher
im Blick.
In den Unterkünften - auch den richtig touristischen - zeigten sich die
Einheimischen sehr tolerant. Irritierte Blicke, weil ich etwa barfuß zum Buffet
ging, gab es eigentlich nur von den anderen Touris.
Auf jeden Fall empfehlenswert, da noch recht ursprünglich und wenig touristisch
versaut.
Gruß, Carsten
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