Barfuß in Südtirol
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumberichten im
Sommer 1999)
Hallo Freunde, ehe ich ganz und gar im Packen aufgehe
oder versinke, will ich mich hier noch in den Urlaub abmelden. Wir hatten schon im
vergangenen Sommer auf dem Bauernhof in Südtirol, auf dem wir Ferien gemacht hatten, neu
gebucht. Insofern wissen wir auch, was uns erwartet - und das sind nicht direkt optimale
Barfußbedingungen, weil Südtirols Wege eher Schotterpisten gleichen. Ich kann
diesbezüglich nur darauf setzen, dass die Leistungs- (und Leidens- (?)) fähigkeit meiner
Füße dank des umfangreichen Trainings in dieser Saison so
gestiegen ist, dass ich meinen Vorsatz, nur selten Schuhe zu tragen, verwirklichen kann;
in den Städten und Ortschaften sollte es ohnehin gehen, falls es nicht schon zu heiß
wird !
Da wir nur kurz hinter dem Brenner urlauben, werden wir sicherlich auch einige Male in den
österreichischen Teil Tirols (Stubaital, Innsbruck ...) fahren - und vielleicht sehe ich
da ja auch ab und an einige andere Barfüßer, denn in Südtirol waren alle Altersgruppen
grundsätzlich beschuht ... Ich habe jedenfalls vor, soviel als möglich barfuß zu machen
und ein wenig Tagebuch zu schreiben, um hinterher hier darüber berichten zu können ! ...
Urlaub ist für uns Schuhe ja eigentlich eine schöne
Zeit. Vorher ist immer etwas Unruhe, wer mitfährt und wer daheim bleiben soll. Aber
eigentlich möchte man ja mit, schließlich gibt es ja manches zu entdecken / kennenzulernen. Etwas mehr Nachtruhe als sonst und mal ein Tag ganz ohne Einsatz sind uns
natürlich auch willkommen. Diejenigen von uns, die er zur Arbeit anzieht, hatten sich
schon gar keine Hoffnungen gemacht. Und richtig - die blieben gleich hier. Aber einige
andere sind mitgefahren. Aber wenn wir geahnt hätten, was da passieren wird - ich glaube,
wir wären alle in den Schrank geflüchtet ! Uns Clogs z. B. hat er nur einmal angezogen,
als es kalt und regnerisch war. Und kaum öffneten sich die Wolken etwas, waren wir schon
in einer Tasche verschwunden ! Noch schlimmer hat es die Zehenstegsandalen getroffen. Die
standen drei Wochen im Auto und angezogen hat er sie nur mal, als es ganz heiß war und
sich die Ärmsten fast die Schuhsohlen verbrannt hätten. Die Wanderschuhe haben
wenigstens was von der Landschaft gesehen : weil sie außen am Rucksack baumelten. Einige
Male hat er sie sogar angezogen, aber dann ging es gleich über Stein und Schotter. Das
hat ihnen dann auch wieder nicht gefallen. Und es kommt noch schlimmer : unseren kleinen
Geschwistern, den Kinderschuhen, ging es auch kaum besser ! Aber so hatten wir wenigstens
ein bisschen Gesellschaft ...
Georgs Schuhe
Hallo ihr armen Teufel, muss ja sehr frustríerend gewesen sein! Jetzt hoffe ich nur auf einen ausführlicheren Bericht von Georgs glücklichen Füßen! Ciao Lorenz
Dank recht angenehmen Wetters und ganz erträglicher
Geländebedingungen kamen meine Schuhe, wie bereits geschildert, nur seltenst zum Einsatz.
Das galt phasenweise übrigens auch für die Schuhe unserer Kinder, die sich von Vaters
Barfüßern ausgiebig anspornen ließen ... Wie schon oft konnte ich jedenfalls
feststellen, dass für meine nackten Füße nur selten jemand erkennbar Interesse zeigte :
weder im Freien noch in den Geschäften, der kleinen Fußgängerzone von Sterzing und auch
nicht in Innsbruck erfuhren sie sonderliche Beachtung (und mir ist das ja auch nur recht
so).
Nur einmal war dies nachdrücklich anders : beim ersten von insgesamt zwei Besuchen auf
der bekannten Seiser Alm. Da waren wir vorher noch nicht dort waren, folgten der Empfehlung
unseres Wanderführers zur Puflatschalm - und das bedeutete Begegnungen en masse. Obwohl
ich dieses Gelände (jedenfalls diesen Teil) als eher harmlos einstufen würde, waren alle
anderen Besucher wanderbeschuht - da erregten meine und der Kinder Barfüße Interesse in
den verschiedensten Sprachen, wobei mir ein energisches "no way" einer etwas
älteren Amerikanerin ebenso in Erinnerung blieb wie die Vermutung einer deutschsprachigen
Dame, ich würde mir bestimmt viele Blasen holen ! (woher kommen wohl solche Irrmeinungen
?) Unsere Tochter war auf halber Strecke aus Unachtsamkeit in einen Stein getreten und
hatte eine kleine Fleischwunde, sodass sie ein Pflaster anbringen und ihre Schuhe anziehen
musste - und die Vorübergehenden kleideten ihr "Das musste ja so kommen !" in
mitleidige Kommentare ... Dabei ist die Seiser Alm ein wunderbares Barfußwanderrevier,
jedenfalls Anfang Juli und wenn man die Anweisung der Nationalparkverwaltung, auf den (oft
geschotterten) Wegen zu bleiben, großzügig auslegt - Barfüßer sind ja schließlich ein
Teil der Natur ! Noch eine nette Geschichte dazu : unsere Wegbeschreibung erwies sich als
recht ungenau (und die italienische Art der Wegemarkierung als zurückhaltend), so frug
ich einen älteren Herrn nach dem Weg. Er wies mich auf einen der Schotterwege und meinte
in ehrlich bedauerndem Ton mit Blick auf unsere nackten Füße: "So viele Sünden
können Sie gar nicht begangen haben, wie Sie da abbüßen müssen !" Dass man auch
neben dem Schotter hergehen konnte, kam ihm nicht in den Sinn.
Während also unsere Barfüße auf der Seiser Alm so interessant wie nirgends waren, waren
sie auf unserer Anreise bei einem Zwischenstop in Memmingen / Allgäu so uninteressant wie
nirgends : ein ausgiebiger Stadtbummel zum Beinevertreten am Sonntag Vormittag zwischen 11
und 1 - und nicht ein einziger Blick, viel weniger ein Kommentar ist mir aufgefallen :
glückliches Bayern ! ...
es hat zwar niemand im Forum auf meinen Südtirol - Bericht reagiert, aber ich bilde mir
einfach mal ein, die Fortsetzung würde Euch interessieren ... Ich hatte ja schon vor dem
Urlaub geschrieben, dass ich für diesen Zweck ein kleines Barfuß - Tagebuch schreiben
wollte. An dem orientiere ich mich jetzt.
Den Anreisetag brachte ich schon mal gut ganz ohne Schuhe hinter mich - einschließlich
des erfreulicherweise so selbstverständlich verlaufenden Barfußspaziergangs in
Memmingen, von dem ich schon geschrieben hatte. Auch im Radio - einem österreichischen
Sender, den ich zufällig nahe Innsbruck "erwischt" hatte - war im
"Trendmagazin" davon die Rede : von irgendwelchen merkwürdigen Gummischuhen
nämlich, die keine Sohle haben, so dass man darin barfuß geht (bekam 2 von 5 möglichen
Sternen) - bekloppt, oder ?
In Südtirol war es zunächst sehr kalt, so dass am zweiten Tag nur der Supermarkt meine
nackten Füße zu sehen bekam. Aber das Wetter besserte sich etwas und wir beschlossen,
die mit dem Auto schon im letzten Jahr häufig gefahrene Strecke von unserem
Ferienbauernhof im Jaufental in den Hauptort Sterzing einmal zu Fuß zurückzulegen. Hin
und zurück erschien meinen Lieben aber etwas zu weit, so dass ich vormittags unser Auto
ans Ziel brachte und mit dem einzigen Rückbus am frühen Mittag zunächst zurückfuhr.
Einige tuschelnde und bedeutungsvoll auf meine nackten Füße blickende Jugendliche am
Busbahnhof und im Bus verschönten mir die Fahrt. Die geplante Wanderung habe ich
natürlich auch barfuß gemacht und war trotz mäßigen Wetters in Gesellschaft unseres
neunjährigen Jüngsten, der sich lustigerweise bereits zum Barfußlaufen entschlossen
hatte als sich herausstellte, dass es gar keine Alternative gab, weil seine komplette
Schuhtasche im vorgefahrenen Auto stand ... Jedenfalls sind wir beiden sehr schön barfuß
gewandert und anschließend durch die Stadt gebummelt.
Am folgenden Tag haben wir einen Ausflug des Vorjahres ins Stubaital (auf der österreichischen
Seite) wiederholt. Man kann dort von der Talstation der Gletscherbahn aus
auf der rechten Talseite wunderbar und sehr abwechslungsreich barfuß wandern und später
mit dem Linienbus zurück zum Parkplatz fahren. Etwas unwohl war mir allerdings, als wir
hinter einer Kurve von einer Tierherde erwartet wurden, aus etwa 30 Ziegen, 1 Steinbock
und 2 Schafen bestehend, die auf uns nur gewartet hatten : sie begleiteten uns für eine
halbe Stunde - zu ihrer Alm, wie sich dann herausstellte. Ehrlicherweise habe ich mir da
doch etwas Sorgen um meine Füße gemacht, zumal an einigen steinigen Stellen des Weges
die Tiere doch deutlich schneller waren als ich und sich an mir vorbeidrängten; getreten
worden bin ich allerdings nicht. Lustige Begebenheit am Rande : auf einem sehr steinigen
Stück hatte ich (und mit mir meine Frau und unsere beiden älteren Kinder, die
respektvollen Abstand von den Tieren hielten) etwas den Anschluss verloren. Daraufhin kam
eines der beiden Schafe zurückgelaufen und schaute uns s e h r strafend an, wo wir denn
bloß blieben ... Dieser Ausflug hat den Kindern so gut gefallen, dass sie ihn gegen Ende
der Ferien noch einmal wiederholen wollten - diesmal barfuß wie Vater ...
Zwei Tage später ein Ausflug in die andere Richtung, an den Kalterer See. Die von den
Kindern reklamierte Tretbootfahrt haben wir natürlich barfuß gemacht, aber die guten
Vorsätze für den Rundwanderweg um den See (übrigens ohnehin eine Pleite, weil man fast
nirgends den See sehen konnte) hat der massiv gesplittete Bodenbelag auf weiten Strecken
zunichte gemacht. Immerhin gab es am See und in einem Supermarkt in Nähe eines
Campingplatzes die ersten Barfüßer des Urlaubs zu sehen ...
Am siebten Urlaubstag (ein Samstag) haben wir den Wochenendbetrieb der Gondelbahn auf den
Roßkopf bei Sterzing genutzt. Über den Weg mit der Nummer 19 ging es für Barfüße sehr
schön über Almböden und einen angenehmen Naturpfad über 90 Minuten lag Richtung
Gossensäß, bis der Weg sich leider in einem Gebiet, in dem massiv abgeholzt wurde,
verlor, so dass ein Abstieg über Geröll, durch einen leidlich steilen Waldhang und über
einen Forstweg nötig wurde - alles leider nur partiell barfußfreundlich. Zumindest der
Cappuccino im Zielort und die Rückfahrt mit dem Linienbus ließen sich ungestört wieder
barfuß genießen.
Der Aufstieg zur Ondrattalm im Jaufental am zehnten Tag war auch eine schon bekannte
Strecke. Das erste Stück ließ sich gut barfuß gehen, aber der recht steile Anstieg
über die geschotterte Zufahrtsstrecke wäre allzu fakirhaft verlaufen. Dafür konnte man
auf dem ausgedehnten Almboden prächtig über Almwiesen laufen, durch den Gebirgsbach
waten, an gletschergeschliffenen Felsen herumklettern - was so einladend war, dass
auch die
Schuhe aller Kinder schnell von den Füßen verschwanden. Der etwa 15jährige Hirtenjunge
der Alm trug übrigens Wanderstiefel (im vergangenen Jahr waren es zwei turnbeschuhte
Mädchen mit Gameboy) - man sieht : auch Heidi und der Geißenpeter sind nicht mehr das,
was sie mal waren !
Abends trat in Sterzing ein amerikanischer High - School - Chor auf, etliche der jungen
Leute trugen Sandalen an ihren nackten Füßen, und zumindest eines der Mädels sah ich
anschließend barfuß Eis essen. Am folgenden Tag war es bei einer Talwanderung im mit
Ridnaun - Tal ähnlich barfußfreundlich wie auf dem Almboden. Ein Fußweg auf der linken
Talseite von der Knappenkapelle St. Magdalena zum Bergwerk im Talschluss verläuft teils
über Asphalt, viel über Wiesen, und war nach einem Regen am Vormittag eine wahre Wonne.
Unser Jüngster hatte sich nach der Erfahrung des Vortags auch sofort zum Barfußgehen
entschlossen und strahlte in dem idealen Umfeld derart ansteckende Lebensfreude aus
(durchs hohe Gras hüpfen, durch jeden kleinen Bach waten ...), dass seine Geschwister es
ihm schnell gleichtaten : barfuß ist eben am schönsten, wenn das Gelände es nur ein
wenig fördert!
Einige Tage später sind wir an einem sehr warmen Tag über das Timmelsjoch in das
österreichische Ötztal gefahren, wo - anders als in Südtirol - relativ viele
barfüßige Kinder und auch eine erwachsene Barfüßerin mir auffielen. Der
augenscheinliche Unterschied ergibt sich vermutlich aus der sehr unterschiedlichen
"Aufbereitung" des Umfeldes : in Österreich gepflegte Straßen, Fußwege,
Rasenflächen, in Südtirol Split, grobe Straßenbeläge ...
Am folgenden Tag waren dann aber auf einem Almfest bei sonnigem Wetter und einem feuchten
Almboden nicht nur unsere Kinder, sondern auch einige andere und auch einige Erwachsene
barfuß unterwegs ... Auf dem geschotterten Zufahrtsweg zurück haben dann die Kinder mal
mich ausgestochen : während sie tapfer barfuß liefen, war die Sache mir zu schmerzhaft.
Da bemerkt man dann doch, dass bei ihnen nicht mal die Hälfte meines Körpergewichts auf
einer nicht viel kleineren Sohlenfläche lastet !
Zwischen den geschilderten liegen noch eine Reihe mehr von überwiegend oder ausschließlich
barfüßigen Tagen, an denen es ebenfalls keinerlei bemerkenswerten Stress,
Ärger o. ä. wegen nackter Füße gab. Insofern komme ich zu einem ähnlichen Fazit wie
Bernd am Gardasee : wenn man es möchte, kann man in
Südtirol (auf geeignetem Gelände) einen schönen Barfußurlaub verbringen ! ...
[Ich lese gerne, dass es Dir gelingt, die Familie mit der eigenen barfuß - Begeisterung
anzustecken! Auch ich mache die Erfahrung, dass mein Selbstbewusstsein beim öffentlichen
Barfußlaufen jetzt nicht nur auf meine Kinder, sondern auch auf meine Frau abfärbt.
Lorenz]
Das Anstecken während des Urlaubs erwies sich als ziemlich einfach : vormachen,
zeigen, dass es 1) überhaupt kein Problem, 2) sehr schön und 3) Mitmachen willkommen ist
- fertig !
(Allerdings habe ich in der Konsequenz dann auch vier Paar Schuhe im bzw. am Rucksack mit
mir herumgeschleppt - kleine Opfer also inklusive)
Meine Frau wird kaum zu begeistern sein, weil sie aufgrund einer Hautkrankheit einige sehr
berührungsempfindliche Zehen hat und (verständlicherweise) nichts riskieren will; aber
sie trägt im Sommer regelmäßig Zehenstegsandalen an ihren nackten Füßen, und das
passt schon ganz gut zu Barfußläufern.
Herzliche Füße an alle Georg
| zurück zur Übersichtsseite
des "Best of" im Hobby? Barfuß! Forum |
zum Kopf der vorliegenden Seite |