Uncis
2001er Barfußberichte
(zusammengefasst aus Forumberichten in 2001)
Wenn, wie jetzt in weiten Teilen
Mitteleuropas, auf eine kurze schneereiche Phase Temperaturen über
10 °C folgen, versinkt alles im Schneematsch. Eine sehr nasse Mischung
aus Tauwasser und Schnee mit großen Pfützen ist allerorten und
macht es unmöglich, trockenen Fußes voranzukommen. Schuhträger
haben hier das Nachsehen: ihre Schuhe sind im Nu nass - wenn sie nicht
gerade mit Gummistiefeln herumlaufen, dringt immer etwas ein, außerdem
sind Schuhe oben offen und unten geschlossen, so dass Wasser leicht hereinkommt,
aber nicht wieder hinaus.
Was liegt näher, als bei solchen Bedingungen ohne Federlesens die
Barfußsaison zu eröffnen? Die Temperaturen sind auch längerfristig
erträglich, nasse Füße machen nichts, der schmelzende Schnee
fühlt sich wirklich gut an, und erstaunte/beeindruckte Blicke der
"Normalbevölkerung" gehören einfach dazu. Nur der auf den Straßen
gestreute Splitt macht das Gehen manchmal etwas unangenehm (da weiche ich
schon lieber auf Schneeflecken aus). Dafür entschädigt aber das
himmlische Gefühl angenehm-warmer Füße beim Nachhausekommen!
Also, bis es wieder friert, stehen die Schuhe erst mal gut aufgeräumt
im Schrank. ...
Heute habe ich mich zur ersten längeren Barfußwanderung des
Jahres aufraffen können. Insgesamt werde ich wohl um die 10 km zurückgelegt
haben, größtenteils auf Gehwegen und in der Wiese, teilweise
an der Straße. Als die Sonne wegging, wurde es doch etwas kalt, aber
es war auszuhalten, indem ich in Bewegung blieb - die Hände wurden
allerdings gegen Ende doch ziemlich kalt.
Unterwegs kamen nur wenige Kommentare; am stärksten im Gedächtnis
geblieben ist der Ausruf eines etwa siebenjährigen Kindes: "Mama,
der geht ohne Schuhe! Der darf das nicht!" Wo haben die das nur in dem
Alter schon her?
Zufriedene Feststellung: die "Winterpause" ist der Geländetauglichkeit
der Füße kaum abträglich; die "Wiedergewöhnungsphase"
ist vernachlässigbar. Schwierig war nur ein kurzer geschotterter Weg
ohne Umgehungsmöglichkeit (zwischen Mauer und Abgrund). Aber auch
das war zu meistern. ...
Jetzt ist es ja schön warm, wenn auch von den Niederschlägen
her zu instabil, um wirklich lange "Bergtouren" anzugehen.
Es ist nett, wie die Öffentlichkeit darauf reagiert, wenn jemand trotz
der Jahreszeit (und passend zur Temperatur - ab 10 °C ist Barfußwetter)
schon auf Schuhe verzichtet. Überrascht, erstaunt, aber nicht feindlich.
Manchen über 60 fällt ihre Kindheit ein, aber so detailliert
sind die Erinnerungen auf Nachfrage dann auch wieder nicht. Nun wäre
es noch gut, wenn die letzten Streusplittreste weggefegt werden. Glatteisgefahr
Mitte März ist wohl sehr unwahrscheinlich. Barfuß gehen hält
jung! [12. 03. 0201] ...
Es ist jedes Jahr wieder ein interessanter
Augenblick, nicht mehr der einzige zu sein, der barfuß geht. Heute
habe ich eine Vier-Personen-Wandergruppe (Familie?) mit dem Fahrrad überholt,
einschließlich einer Dame grob um 20, die barfuß ging. Nun
bin ich leider nicht der Typ, der sein Rad spontan von 25 km/h auf null
abbremst und spontan ein Gespräch anfängt .... andere sind da
vielleicht schlagfertiger. Trotzdem ein gutes Gefühl. [am 01. 04.
2001] ...
Unci
Heute habe ich mal wieder eine längere Wanderung gemacht.
Auf dem Bergabweg ließ ich mir Zeit und machte auch mal eine Pause, um auf der
Karte nachzusehen, wie es am besten weitergeht. Das erwies sich als Fehler, denn
auf die Weise konnten mich zwei Wanderer im Sturmschritt einholen, die so etwas
sagten wie "Geht's noch? Wir haben auch noch ein Paar Schuhe!" Meine
Erwiderung, dass es ohne doppelt so viel Spaß macht, haben sie wohl angesichts
ihres Tempos nicht mehr mitgekriegt.
Egal, ich ging sowieso an der nächsten Einmündung einen anderen Weg :)
Ich denke auch, dass ich allein mit dem Wald und meinen Gedanken, barfuß und
mit kleinen Pausen dort so es schön ist die Landschaft viel intensiver genießen
kann als zu zweit im Eilschritt und ins Gespräch vertieft.
Unci
Glückliches Paar ....
Gestern im Bahnhof Dresden-Neustadt verabschiedete ein Pärchen barfuß in
Schlabberhosen eine weitere Barfüßerin in den Regionalexpress nach Zittau. Müsste
ich sie einklassifizieren, so würde ich sie in die Schublade
"Alternative" stecken ..... Ein schönes Bild, wie sie anschließend
Hand in Hand auf bloßen Sohlen nach hause schlenderten. Und wie immer das schöne
Gefühl, nicht allein zu sein.
Jedenfalls, wenn die Temperaturen deutlich über 20 °C liegen. Jetzt ist es 18
°C und Nieselregen; wenn ich jetzt in die Stadt gehe, werde ich garantiert
wieder der einzige sein. ...
Nach einem heißen Sommer gibt es jetzt die ersten kalten Herbstnächte. Das
feuchtkalte Wetter ist eine Belastung für den Organismus. Aber ich bin
weiterhin barfuß; interessanterweise sind Bodentemperaturen von 10 °C (gegenüber
30 °C vor ein paar Tagen) gar kein Problem. Mal sehen, wie lange ich es diesmal
beibehalten kann.
Unci [10. 09. 2001]
Unci hat auch 1999 und 2000 verschiedene Berichte gepostet.
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