Barfußwanderung um Unkel samt Mittelaltermarkt im Mai 2005
(Forumberichte im Frühling 2005)

Die Einladung:
Der 21. Mai rückt näher, deshalb möchte ich noch einmal zu einer Barfußtour am kommenden Samstag einladen.
Losgehen wird es kurz vor Mittag in Bad Honnef. Unser Weg führt uns dann zunächst am Rhein entlang, später ein Stückchen in den Westerwald hinein zu einem kleinen Wallfahrtsort und dann nach Unkel – Scheuren, wo das „Domfest“ stattfindet.
Nach dem Besuch des Festchens im mittelalterlichen Gewand kann man entweder mit dem Zug von Unkel nach Bad Honnef zurückfahren oder auch am Rhein entlang zurückgehen.
Der Weg kann übrigens streckenweise das Rheinische Schiefergebirge nicht ganz verleugnen (Natursteinstückchen), Schotterstrecken oder ähnlich missliche Untergründe gibt es aber nicht.
Georg

Der Bericht:
Ich werde Euch nun von der Wanderung und dem Besuch auf dem Mittelaltermarkt in Unkel-Scheuren mit Georg berichten.
Mit dabei waren: natürlich Georg, Andreas (SU), Jan (NRW), Lothar, Michael (BN), Moltke, Rainer (DO), Ralf (BN) und seine Ehefrau Elisabeth, Ralf (RSK) und ich.
Wir trafen uns an der Straßenbahnendstation in Bad Honnef und während wir auf das Eintreffen von Vereinzelten warteten, kam eine Frau auf uns zu und ich dachte, sie spräche uns auf unsere Barfüßigkeit an, da wir ja ein schönes Trüppchen und inzwischen auch alle vollzählig waren. :-) Doch weit gefehlt: sie fragte uns, ob wir ihr und ihren Leuten helfen könnten, einen Eichenstamm zu einem Platz zu tragen, der etwa 10-15 Meter von dem Punkt entfernt ist, wo der Stamm zu dieser Zeit noch lag.
Sie bearbeiteten den Stamm und hatten die Rinde bereits entfernt, es soll ein kleines Kunstwerk werden, ein Aal, sie hatten sogar zwei Stämme dort liegen, die sie bearbeiteten.
Wir packten ohne Unfallschuhe fast alle mit an und schleppten das "Ungetüm", auch den kleineren, zweiten Stamm zu einem Baumstumpf, auf dem wir sie dann in Position legten.
Die Frau bedankte sich und ich "stichelte" im Spaß ein wenig und sagte: "Das kostet sie aber ein paar Freibier für jeden von uns!" :-D
Sie meinte, leider sei noch geschlossen, denn dort schien eine kleine Gaststätte oder eine Bude gewesen zu sein.
Sie bat dann aber um eine Telefonnummer von einem von uns und wir verwiesen sie an Georg, denn sie will uns einladen, wenn das Kunstwerk fertig ist, ein kleines Helferfest! :-))
Dann konnte unsere Wanderung losgehen und wir gingen an der Haltestelle über die Brücke bei der kleinen Rheininsel "Grafenwerth".
Wir wanderten über den Leinpfad am Rhein entlang und Andreas (SU) zeigte mir auf der gegenüber liegenden Uferseite das kleine Schloss "Marienfels", worin seit nicht allzu langer Zeit Thomas Gottschalk wohnt, der dieses gekauft hat.
Der Leinpfad war zum Teil durch den Regen noch leicht matschig und es war ein herrliches Gefühl! 0:-)
Wir gingen dann ein Stück durch Rheinbreitbach und legten eine kurze Pause ein. Georg spendierte uns einen Becher von seinem "Hauskaffee" und Jan hatte die Kekse dazu! :-D
Danach gingen wir weiter und überquerten einen Friedhof und kurz bevor wir diesen verließen und dann gleich links auf einen Weg am Waldrand abbogen, zeigte uns Georg eine Strecke, die er mal gegangen war und dort mit Maronenschalen schlechte Erfahrungen gemacht hat.
Wir gingen dann weiter auf einem Waldpfad und es kamen uns ca. 6 bis 8 Frauen zwischen 40 und 50 Jahren entgegen, die "Nordic-Walking" machten.
Sie lachten erstaunt, als sie uns sahen und ich ließ meinen dann üblichen Spruch los: "Ach, da kommen die "Trockenskifahrer!" :-D Sie lachten und meinten "ja", worauf ich dann noch scherzend sagte: "Die Einen gehen barfuß, die Anderen gehen am Stock"! :-DD
Einige unserer Leute hatten zwischen Rheinbreitbach und Bruchhausen irgendwie den Anschluss zu uns verloren, doch wir glaubten, die Letzten von uns hinten in der Truppe gesehen zu haben.
Einer von ihnen rief ein paar Mal über's Handy Georg an und Georg erklärte ihnen, welche Route wir gegangen waren und wir warteten schließlich am Anfang von Bruchhausen ca. 20 Minuten an einer Stelle auf sie, an der zwei Bänke standen.
Nach dem letzten Anruf waren sie auf dem richtigen Weg und Georg beschloss, ihnen ein Stück entgegen zu gehen und nach wenigen Metern tauchten sie dann schon hinter einem Haus auf.
Ich musste lachen, als Andreas (SU) sagte: "Die standen die ganze Zeit hinter diesem Haus!" :-DD
Wir wanderten dann durch Bruchhausen und gingen wieder über einen herrlich matschigen Waldpfad bergab und kamen dann in Unkel-Scheuren an, wo auch gleich schon der Mittelaltermarkt zu sehen war.
Wir stellten uns vor der dortigen Kapelle an und es gab eine kleine Besichtigung mit einer kurzen geschichtlichen Erläuterung über diese Kapelle.
Als wir diese wieder verlassen hatten, gingen wir gemütlich über den Mittelaltermarkt und ich sah zwei Frauen, die erstaunt und eine von ihnen ein wenig beneidend schaute.
Die Andere sagte: "Die sind arm." Sie schien es aber ernst zu meinen und ich zückte darauf mein Handy und sagte: "Nichts da mit arm, hier, Neuzeit, alles zur Hand!"
Darauf meinte sie: "Ja, aber für Schuhe reicht es nicht!" Ich grinste und sagte: "Oh doch, die hat selbst der ärmste Tropf, wir machen das, weil es uns Spaß macht!" Sie meinte verächtlich: "Ja, ja."
Ich gab mich dann nicht weiter mit diesen Leuten ab und wir gingen weiter zu einer Gruppe, die mittelalterliche Trommelmusik machte.
Wir kamen schließlich zu einer hölzernen Badewanne und kaum erwähnte ich, dass es doch immer heißt, man sähe auf solchen Märkten viele Barfüßige, sah ich auch schon zwei Mädchen: Eine ca. 8 bis 10 Jahre, die Andere etwa 13 oder 14 Jahre alt.
Jan meinte, das seien keine echten Barfüßer, denn sicher seien die Schuhe in Reichweite und bei der Älteren war es auch so.
Sie stand kurz darauf allerdings auf und ging ebenfalls barfuß auf dem Mittelaltermarkt herum und ich sagte zu Jan, das sei aber dennoch ein Fortschritt in die richtige Richtung, ob sie durch uns noch mehr dazu bewegt und ermutigt wurde?
Wir gingen dann wieder zurück und standen noch eine Weile bei den Trommlern und Ralf (RSK) begann schon zu der Trommelmusik die Hüften zu schwingen, das sah echt lustig aus! :-D
Andreas (SU) hörte auf dem Markt, wie ein kleiner Junge seinen Vater fragte: "Papa, warum hat denn der Mann so schmutzige Füße?" Der Vater: "Frag´ ihn doch selbst."
Der Junge kam zu Andreas und fragte ihn: "Wieso haben sie so schmutzige Füße?"
Andreas sagte: "Weil ich durch den Wald gegangen bin."
Darauf lief der Junge wieder zurück zu seinem Vater und flüsterte geheimnisvoll mit vorgehaltener Hand: "Papa, der Mann ist durch den Wald gegangen!" :-)
Später wurde Andreas dann von einem älteren Mann gefragt, ob die Steine (war Kopfsteinpflaster) nicht zu kalt seien und Andreas meinte, sie seien nicht kalt.
Darauf meinte der Mann, die Pflastersteine seien aber doch uneben und Andreas sagte etwas lachend: "Vorher, als ich durch den Wald ging, da war es viel unebener!"
Wir verließen nach einem weiteren Rundgang dann allmählich den Mittelaltermarkt und kamen an einem zeitgemäßen Wächterhäuschen vorbei, vor dem junge Mädchen und auch Jungs saßen und als wir vorbei gingen, machte ein gerade mal Jugendlicher verächtlich: "Bähhhh!" Das ist mal wieder ein trauriger Beweis dafür, wie man Kindern wohl meist anerzieht, dass Füße etwas unhygienisches und ekliges sind, oder sollten sie wirklich von selbst zu dieser Meinung gekommen sein? :-/ Wie auch immer: sehr traurig ist das!
Wir überquerten die Straße, nachdem wir den Markt verlassen hatten und kamen an der Firma "Rabenhorst" vorbei, wo der bekannte "Rotbäckchen"-Saft herkommt.
Das Gebäude wirkte eher, wie eine alte Villa und Georg meinte, sie würden dort vielleicht auch gar nicht mehr produzieren, denn es sah auch nicht danach aus.
Wir gingen dann zum Bahnhof Unkel und Ralf (RSK) und Lothar verabschiedeten sich, Lothar ging wieder zurück zu dem Mittelaltermarkt, denn in dem Zelt traten später abends Gruppen auf, die Lieder der 70er spielten, was eigentlich nicht in das Mittelalterprogramm passt, obwohl ich auch sehr vieles aus dieser Zeit gut finde.
Der Rest von uns ging wieder zurück über den Leinpfad und als wir dort an einem Biergarten vorbei kamen, nahmen wir ein Bierchen zu uns und rasteten eine Zeit lang.
Anschließend gingen wir weiter, wieder zurück zur Endhaltestelle der Straßenbahn in Bad Honnef, wo wir uns dann verabschiedeten.
Es war ein sehr schöner Nachmittag und darum ein Dank an Georg für seine Bemühungen zu solchen Aktivitäten!
Viele Grüße von Andi

[bearbeiteten Stamm und hatten Rinde entfernt, soll ein Kunstwerk werden, ein Aal]
Dazu sollte man für Nicht-Rheinländer vielleicht ergänzen, dass auf dem Rhein früher eifrig Aalfischerei betrieben wurde mit kleinen Booten, sogenannten Aalschockern. Ein solcher liegt (renoviert) auf dem Altrheinarm vor der Insel Grafenwerth in Sichtweite dieser Kunstaktion. Jedenfalls haben die Aalschnitzer versprochen, uns ein paar Fotos zu schicken. Ich fand das übrigens eine witzige Aktion und ein gutes Beispiel, wie man gemeinsam auch große Dinge (sic!) bewegen kann.
[Kapelle ... es gab kleine Besichtigung mit kurzen geschichtlichen Erläuterung]
Nach dem Rausgehen suchte ich zusammen mit einem älteren Paar noch nach einem besonderen Stein, der nach der Erzählung des Führers in der Umfassungsmauer eingelassen sein soll. Dabei kam ich mit den beiden ins Gespräch. Ob ich öfters barfuß wandern würde (wenn möglich, immer) usw. Vor allem die Frau fand das ganz prima, sagte aber, sie könne sich nicht vorstellen, das zu können. Ich habe ihr Mut gemacht, es mal zu versuchen ...
[gab mich nicht weiter mit diesen Leuten ab und wir gingen weiter]
Ehrlich gesagt hab' ich kein einziges negatives Wort gehört, aber manche witzige Bemerkung, vor allem auch von den Schaustellern.
[Sie stand auf und ging barfuß auf Mittelaltermarkt herum ... ob sie durch uns bewegt und ermutigt wurde?]
Ich glaube, im Gegenteil, wir alten Knacker haben die überhaupt nicht interessiert. Das Mädchen lief auch mit solcher Natürlichkeit und Leichtigkeit da umher und war später noch lange beim Bogenschießen, ich denke, die ist das einfach gewöhnt und denkt sich da auch gar nicht viel bei.
[Ralf (RSK) begann zu Trommelmusik Hüften zu schwingen, das sah lustig aus! :-D]
soso, lustig ...
Viele Grüße, Ralf (RSK)

[an Andi Dank, dass er sich Mühe gemacht hat, alles detailliert aufzuschreiben. Und Georg natürlich für's Austüfteln der Strecke und für's Probevorwandern]
Dem kann ich mich nur vorbehaltlos anschließen!
Es ist schon wirklich bemerkenswert, mit welchem Engagement Georg die Organisation und perfekte Planung der Wanderungen betreibt. Man kann sich immer darauf verlassen: es erwartet einen ein komplett durchgetesteter Parcours, sehr abwechslungsreich und gut zu begehen. Fürs Auge gibt es auch immer was zu sehen und kleine kulturelle Leckerbissen sind meistens auch mit eingeschlossen. Man könnte fast glauben, bei den Vorab-Touren räume er noch die spitzesten Steinchen aus dem Weg. Zudem scheint er mittlerweile einen guten Draht zu Petrus zu besitzen – trotz mancherlei angekündigter Wetter-Turbulenzen (habe ich auf An- und Abreise selbst erlebt) herrschten ideale Witterungsbedingungen. Blindes Vertrauen ist also locker möglich!
Alles in allem war es wieder mal eine Aktion, bei der die Teilnahme sich wirklich lohnte.
Festzustellen bleibt eigentlich nur, dass solche Touren leicht süchtig machen können, und hiervon geht allerdings eine große Gefahr aus!
Und der Bericht von Andi hat mich natürlich auch amüsiert!
Schöne Grüße, Moltke

Ich hatte übrigens auch noch zwei nette Begegnungen als ich in Unkel zurückgeblieben bin. Nachdem ich mir die Abfahrtszeiten der Züge im Bahnhof nach Koblenz aufgeschrieben hatte, folgte ich Georgs Empfehlung und wollte mir die Ortsmitte anschauen.
Dabei begegnete ich einem alten Ehepaar; beide höchst elegant gekleidet. Die Frau rief von der anderen Straßenseite herüber: Sie machen Kneipp; das ist sehr gesund; aber passen Sie auf, dass Sie nirgends reintreten; hier liegen überall Scherben.
Und dann sprach mich ein Mann etwa in meinem Alter an.
Er hatte sein Auto im Ort geparkt und war auf dem Weg zum Mittelaltermarkt. Er zeigt auf meine Füße und sagte: "Das habe ich heute eigentlich auch vorgehabt." Dann fragte ich ihn, was ihn davon abgehalten hätte und erklärte, dass es ihm zu kalt sei worauf ich ihn ziemlich fragend anschaute. Und dann sagte er, dass er so was nur mache, wenn die Temperatur über 20 Grad liegen würde und zumindest für den Abend sei das nicht zu erwarten. Und dann erzählt er mir, wie er unfreiwillig zum Barfüßer geworden ist:
Er wollte mit dem Zug nach Würzburg fahren zum Afrikafestival.
Er stellte sein Auto am Bahnhof ab (nicht in Unkel; er war auch von woanders her, aber das habe ich vergessen) und hatte geschlossene Schuhe ohne Socken an; die haben an den Fersen gescheuert. Dann zog er die Schuhe aus und dachte, die paar Meter zum Zug würde er barfuss schaffen; außerdem hatte er es eilig, weil der Zug bereits abfahrbereit dastand. Er schnappte seinen Rucksack und war im sicheren Glauben, dass darin ein paar Birkis verstaut wären.
Als er die dann im Zug anziehen wollte, stellte er fest, dass die nicht im Rucksack sondern im Auto waren und so musste er dann die Zeit auf dem Afrikafestival barfuss verbringen, was er dann aber als sehr angenehm empfand.
Dummerweise vergaß ich, ihn auf das Forum aufmerksam zu machen.
Lothar

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