Barfußtreffen
in Berlin, September 2001
(Forumbeiträge im Spätsommer 2001)
Da es an Markus U. ist, den Bericht zu schreiben, mache ich hier nur ein paar
Vorbemerkungen zu Markus' Bericht, nicht, dass sich jemand Sorgen macht, ob wir
denn in Berlin versumpft seien ;-) oder es uns absolut nicht gefallen hat.
Das barfuß-Treffen nämlich war wundervoll! Es haben insgesamt acht
Barfüßler (+ mein Mann) teilgenommen. Der Frauenanteil war zu meiner Freude
größer als eins.
Neben dem Besuch des Kanzleramtes (für alle Zweifler: wir kamen problemlos
hinein) stand der Besuch der Ausstellung Körperwelten auf dem samstäglichen
Programm. Da dort selbst in tiefster Nacht der Andrang ziemlich groß war, kamen
wir erst am Sonntag um vier Uhr morgens ins Bett und um achte mussten wir dann
wieder auf die Beine: Wir suchten die Pfaueninsel heim.
Diese ist übrigens
äußerst barfuß- freundlich: Für einen barfuß-Anfänger ein toller
barfuß-Pfad! Am Nachmittag traf dann - zur Freude aller - noch Georg, der
Straßenbahner auf uns.
Und jetzt überreiche ich das fiktive Mikrophon an Markus U. und bin
gespannt, wie seine Ausführungen sind!
Einen herzlichen barfüßigen Gruß an alle Barfuß-Läufer!
Eva H.
Hier ist der Bericht über unsere Fahrt nach Berlin.
Am Samstag stand ich morgens bereits um vier Uhr auf (Eva H. hatte mich
dankenswerterweise per Telefon geweckt), und ging um viertel vor fünf zur
S-Bahnstation. Dort war bereits eine Horde grölender Jugendlicher, die aber
keine Notiz von mir nahm. Zum Glück stiegen sie auch in die S-Bahn Richtung
Düsseldorf und nicht in die gleichzeitig eintreffende S-Bahn Richtung Essen,
welche ich nahm.
Ich hatte diesmal nur leichtes Gepäck (einen Leinenbeutel)
dabei, in dem sich ebenso wenig wie an meinen Füßen Schuhe befanden. Ich war
mindestens fünf Jahre lang nicht mehr nach Berlin gekommen, aber der Gedanke,
ohne Schuhe hinzufahren, war mir bei meinen früheren Reisen nach Berlin nie
gekommen.
Als ich am Essener Hauptbahnhof durch die Passage zum ICE- Bahnsteig ging,
bemerkte ich dort zwei junge Männer in ziemlich schriller Aufmachung, welche
ganz entsetzte Gesichter machten, als ich in weißem Hemd, schwarzer Hose und
eben barfuß vorüberging. Kurze Zeit später kamen Eva H. und Hansjörg, und
als der Zug auch eingetroffen war, stiegen wir ein.
Am Berliner Ostbahnhof sahen wir zunächst keine anderen Barfüßer, obwohl
Eva entsprechende Vereinbarungen getroffen hatte, aber wir postierten uns in der
Nähe des Infostandes und beschlossen, erst einmal abzuwarten. Nach einiger Zeit
kam Thomas, ein Berliner Barfüßer, und etwas später auch
Unci, der mit dem
Zug aus Dresden eintraf.
Nun waren wir fürs erste vollzählig und
beratschlagten, wohin wir zuerst gehen wollten. Wir einigten uns, über den
Alexanderplatz, Unter den Linden und durch das Brandenburger Tor zum
Bundeskanzleramt zu gehen, das an diesem Wochenende gerade "Tag der offenen
Tür" hatte, und zogen los. Am Alexanderplatz fuhren wir den Fernsehturm
hinauf und genossen das Berliner Panorama.
Ich staunte: wie viel hatte sich in
den letzten fünf Jahren verändert! Etliche Bauten waren neu entstanden, einige
ältere auch verschwunden. Dann gingen wir weiter. Am Bundeskanzleramt, einem
ziemlich protzigen Neubau, stieß Thomas' Freundin Marion, die ebenfalls barfuß
läuft, zu uns. Eva war sehr glücklich, endlich nicht mehr die einzige Frau auf
einem Barfüßertreffen zu sein.
Danach mussten wir, um ins Bundeskanzleramt eingelassen zu werden, zuerst unsere Taschen abgeben und uns dann in eine
ziemlich lange, gewundene Schlange stellen, deren Verlauf durch Stangen mit
Bändern vorgegeben war. Zum Zeitvertreib gab es Musik sowie eine
Geschichtsstunde per Videoleinwand, während die Schlange sich allmählich
vorwärts schob.
Im Bundeskanzleramt gab es nicht viel zu sehen. Wir wurden die Treppe hinauf in den ersten Stock an in jeweils in einer bestimmten Farbe
bemalten Wänden und durch einen mit Augen bemalten großen Raum und dann einen
langen Gang entlang geleitet, von welchem aus wir die aus mehreren gestalteten
Innenhöfen bestehenden "Kanzlergärten" bestaunen konnten. Ich musste
unwillkürlich daran denken, dass sich die in schönen Farben angelegten
Schotterflächen in diesen Gärten gewiss hervorragend zum Sohlentraining
eigenen, aber da der Kanzler wohl keinen Sinn dafür hat, sind solche Anlagen an
jenem Orte eigentlich vergebliche Liebesmüh. Zum Schluss gingen wir durch den
"Kanzlerpark", wo auch die beiden Hubschrauber des Bundeskanzlers zu
besichtigen waren.
Der Besuch des Bundeskanzleramtes bestätigte mich ziemlich
in meiner grundsätzlichen Systemkritik an unserer "Parteiendemokratur",
wie ich unser Staatswesen zu nennen pflege.
Aber zurück zum Thema! Barfuß im Bundeskanzleramt gewesen zu sein, ist in
jedem Falle gut fürs barfüßige Selbstbewusstsein. Nachdem wir wieder draußen
waren und auch unsere Taschen zurückerhalten hatten, trafen Markus aus Berlin
und Torsten aus Aachen auf uns (dank Mobiltelefon sind derlei Ortungen relativ
problemlos). Wir zogen gemeinsam zum Kollwitzplatz am Prenzlauer Berg, wo wir in
einer der vielen tollen Kneipen, die es dort gibt, den Abend verbrachten.
Dann trennten wir uns, nachdem wir verabredet hatten, uns Sonntagmorgen an
der Pfaueninsel zu treffen. Thomas und Marion sowie Markus mit Thorsten fuhren
jeweils zu sich nach Hause, während Eva, Hansjörg, Unci und ich zum Hotel
Transit Loft gingen, das Eva vorab auskundschaftet hatte.
Es war in der
Dunkelheit gar nicht so leicht zu finden. Zuerst mussten wir in einen Hinterhof
mit einer Baustelle gehen, wo wir zunächst vergeblich den Eingang suchten. Es
stellte sich schließlich heraus, dass der Eingang ein unmittelbar von draußen
zu betretender Fahrstuhl war, mit dem man zum dritten Stock fahren musste, wo
sich die Rezeption befand. Dort hing ein Schild mit dem passenden Spruch:
"Das Leben ist eine Baustelle."
Wie sollte es jetzt weitergehen? Nur
Eva und Hansjörg hatten gebucht, aber nach kurzem Disput stellte sich heraus, dass
es ein Vierbettzimmer gab, in dem wir alle vier unterkommen konnten. Das
war famos, denn so konnten wir auch während der nacht zusammenbleiben, so dass auf jeden Fall gewährleistet war,
dass am andern Morgen keiner von uns (oder
wir alle) verschlafen würde.
Aber noch war es nicht soweit, denn wir wollten
zumindest versuchen, noch in die Ausstellung "Körperwelten" zu
gelangen. Während des Tages hatten wir nämlich gehört, dass die Wartezeit
wegen des unerhört großen Andranges bis zu zehn Stunden betragen solle. Als
wir (zu Fuß) um 23.15 Uhr den Ausstellungsort in der Nähe des Ostbahnhofes
erreichten, sahen wir eine lange Schlange, die bis hinter die Bahnunterführung
reichte. Also beschlossen wir, die Wartezeit für uns abzukürzen, indem wir uns
mitten hinein stellten. Die Schlange kam nur sehr langsam vorwärts, da die
Leute nur stoßweise eingelassen wurden, und sie hatte im Innenhofe des
Ausstellungsgebäudes einen noch gewundeneren und verschlungeneren Weg als jene
vor dem Bundeskanzleramt. Nach mehr als zwei Stunden gelangten wir endlich ins
Gebäude - und sahen ein Schild mit der Aufschrift: "ab hier noch eine
Stunde Wartezeit". So geschah es auch.
Die Ausstellung war sehr interessant
(es gab übrigens auch Füße und sogar ein ganzes Pferd zu sehen), vor allem,
weil sie sehr eindrucksvoll die gesundheitsschädigenden Folgen des Rauchens
zeigte. Besonders interessant fand ich auch die Darstellungen schwangerer Frauen mit
Kind. Ich finde es allerdings etwas makaber, dass es ganz offensichtlich
Menschen gibt, die sich bereit finden, sich nach ihrem Tode für eine solche
Ausstellung präparieren und in Scheiben schneiden zu lassen. Ich bin nicht dazu
bereit!
Als wir endlich in unseren Betten lagen, war es vier Uhr morgens. Am
Sonntagmorgen standen wir um acht Uhr auf, genossen in Ruhe ein leckeres Frühstück und fuhren dann vom Prenzlauer Berg mit Straßenbahn (Linie 4),
S-Bahn und Bus zur Pfaueninsel. Dort trafen wir wie vereinbart wieder auf Thomas
und Marion, während Markus und Thorsten anscheinend in der Nacht irgendwo
versackt waren ... Schade.
Auf der Pfaueninsel war es sehr schön; es gibt dort künstliche Ruinen und
sandige, barfußfreundliche Wege mit ganz wenig Feinschotter. Auch zwei Pfauen
waren zu sehen und in Volieren Kakadus, Graupapageien sowie etliche andere
Vögel.
Als wir wieder auf dem "Festland" waren, setzten wir uns zum
Mittagessen in ein dort gelegenes sehr schönes Ausflugslokal mit Garten. Dort
stieß schließlich noch Georg der Straßenbahner zu uns. Nach dem Mittagessen
verabschiedeten wir uns von Thomas und Marion, denn wir mussten an unsere
Heimreise denken. Als wir in der S-Bahn zum Bahnhof Zoo saßen, machten wir uns
Gedanken: Würden wir den Zug nach Essen erreichen? Wir hatten am Bahnhof Zoo
höchstens eine Minute Zeit zum Umsteigen! Wir beschlossen, unser Bestes zu
versuchen, und legten am Bahnhof Zoo, wo wir unseren Zug schon von der S-Bahn
aus abfahrbereit stehen sahen, den totalen Barfußsprint hin, doch als wir den
Bahnsteig erreichten, setzte sich der Zug just in Bewegung. Also verbrachten wir
noch eine halbe Stunde mit Unci und Georg dem Straßenbahner auf dem Bahnhof
Zoo, bis der nächste Zug in Richtung Essen fuhr.
Am Essener Hauptbahnhof
verabschiedete ich mich dann auch von Eva H. und Hansjörg, und um 22 Uhr war
ich wieder zu Hause. Das Barfußtreffen in Berlin war alles in allem recht
gelungen, und ich hoffe, dass es auch dort weitere Barfußtreffen geben wird.
Herzliche Barfußgrüße, Markus U.
Einigen Passanten ist es natürlich aufgefallen, dass wir barfüßig
unterwegs waren: Bspw. hatte ich in der Warteschlange der Ausstellung
Körperwelten ein kurzes Gespräch mit einer Dame, die Stöckelschuhe trug. Im
Kanzleramt selbst hörte ich den Spruch "Die Fraktion der barfuß-Läufer".
Auf der Pfaueninsel machte ein Kind auf uns aufmerksam. Es gab aber keine
negative Reaktion.
Eva H.
Am Sonntag hatte ich das Glück, wenigstens für ein paar Stunden zum
Treffen hinzustoßen zu können! Es war mir eine große Freude, endlich ein paar
Leute aus diesem Forum persönlich kennen lernen zu können (wer alles da war,
haben ja schon Eva H. und Markus U. ausführlich berichtet).
In der Gruppe waren
alle Ängste vor dem öffentlichen Barfußgehen wie weggeblasen! Ich muss
gestehen, dass ich dann, bevor ich den ICE Richtung Süden bestieg, meine Schuhe
wieder anzog, wohl aus Respekt vor dem "hohen" ICE. Ich bin
barfußmäßig erst auf S-Bahn-Niveau. Dabei hätte ich mir die Schuhe durchaus
auch im ICE sparen können: Im ICE war ein barfüßiges Mädchen, das sein
Barfuß-Sein so selbstverständlich ausstrahlte, dass niemand im obwohl
überfüllten Zug irgendein Wort darüber verlor.
Der Rückhalt der Gruppe wirkt bei mir noch nach: Heute war in München noch
herrliches Barfußwetter, sodass ich rund zwei Stunden spazieren ging, wobei ich
auch in der Volkshochschule und im Baumarkt war. Dabei fühlte ich mich schon
fast so sicher wie gestern in Berlin! Auch in meinem Haus begegneten mir einige
Leute, was mir überhaupt nichts mehr ausmachte.
Die positive Atmosphäre des Berlin-Treffens hat also bei mir einiges
bewirkt!
Schöne Füße, diesmal an erster Stelle an jene, die in Berlin waren
Georg, der Straßenbahner
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