Tiziana
lebt als Barfüßerin in Norditalien
(Forumbeiträge seit Spätsommer 2001)
Mein Name ist Tiziana, ich bin 39 Jahre alt, ich wohne in
Norditalien und habe mit 16 mit dem Barfußlaufen angefangen. Früher tat ich es
nur zu Hause und im Ausland (vorwiegend in Österreich und Deutschland), seit
einigen Jahren auch in meiner Heimatstadt. Am Anfang war das schwer, aber jetzt
geht's. In Verlegenheit wegen meiner nackten Füße bin ich noch kein einziges
Mal geraten. Schließlich laufe ich barfuß, weil's mir gefällt, und _nicht_
weil ich irgendwie auffallen oder anpöbeln will.
Meine diesjährige Saison auf nackten Sohlen geht immer noch weiter, obwohl
es hier nicht mehr so warm ist. Ich bin so gut wie immer die einzige "weiße
Fliege" rund herum, aber große Akzeptanzprobleme habe ich nicht - oder
vielleicht übersehe ich sie einfach.
Leider gelte ich auch nicht als Vorbild. Alle meine Mitmenschen laufen nach
wie vor beschuht, aber ich glaube kaum, dass es wirklich keine Barfußlustigen
gibt. Schade, sie verpassen was, oder? ...
Als leidenschaftliche - und deshalb massive - Barfußläuferin lasse ich mich
von Temperatursenkungen, Regenwetter und dgl. nicht so schnell abschrecken.
Meine Barfußsaison beginnt i.d.R. um die Mitte Februar und endet gegen Anfang
November.
Letzte Woche war ich noch in Süddeutschland und habe die sommerliche Wärme
unter meinen nackten Sohlen recht genossen. Bei meiner Rückkehr nach
Norditalien hat mich ein anhaltend kühler Untergrund empfangen. Das Bedürfnis
an Schuhwerk ist trotzdem noch nicht da. Schließlich laufen die meisten Leute
hierzulande immer noch ohne Strümpfe rum. Manche beschweren sich aber schon
wegen kalter Füße und wundern sich, dass ich immer noch komplett barfuß
laufe, was in Italien übrigens eine Seltenheit ist.
Liebe Grüße, Tiziana
Du kannst ausgezeichnet Deutsch! Hast Du eine besondere Beziehung zu
Deutschland oder Österreich und vielleicht sogar dort das Barfußlaufen
entdeckt?
Ich bin ein wenig neugierig, wie Du Dich so ganz alleine zur
Barfußläuferin entwickelt hast. Mich hat immer wieder das Vorbild anderer zum
"Leben auf freiem Fuß" ermutigt.
[gelte nicht als Vorbild. Alle Mitmenschen laufen nach
wie vor beschuht, aber glaube kaum, dass es wirklich keine Barfußlustigen
gibt. Schade, sie verpassen was, oder?]
Es ist in Italien wohl nicht anders als bei uns. In der Öffentlichkeit traut
sich fast niemand, die Schuhe auszuziehen und damit aus dem Rahmen zu fallen.
Aber den Barfußpark Dornstetten besuchen 140.000 Leute im Jahr.
In Deutschland
kommt es auch sonst gelegentlich vor, dass andere aus den Schuhen schlüpfen,
wenn sie einen Barfüßigen sehen. Viele Leute sagen auch, dass sie in Haus und
Garten sehr gerne barfuß gehen, aber auf keinen Fall in der Stadt.
Das
Barfußlaufen in der Natur finden dagegen viele Leute reizvoll, nur sind die
meisten Wanderwege befestigt und unangenehm zu gehen. Gute Wald- und Wiesenwege muss
man erst finden.
Liebe Grüße, Lorenz
[Hast Du besondere Beziehung zu
Deutschland oder Österreich?]
Bingo! Deutschland halte ich für meine Wahlheimat neben Italien, und in Österreich
fühle ich mich auch gut aufgenommen.
Ich bin übrigens Germanistin und verwende die deutsche Sprache auch
beruflich.
[bin neugierig, wie Du Dich so ganz alleine zur
Barfußläuferin entwickelt hast. Mich hat immer wieder Vorbild anderer zum
"Leben auf freiem Fuß" ermutigt]
Nee, nicht ganz alleine. Ein Vorbild habe ich auch gehabt.
Als Kind habe ich zu Hause immer barfuß gespielt, ich glaube wie jedes Kind
der Welt.
Ich laufe zu Hause schon immer mit nackten Füssen rum, aber ich konnte mir
das Barfußlaufen als Lebensstil lange nicht vorstellen, weil hierzulande
wirklich kein Schwein barfuß läuft. (Oder besser: Schweine schon, Menschen
nicht! :-)
Als ich 16 Jahre alt war, wurde mir hier in Italien ein deutscher Junge
vorgestellt, der unbefangen und hemmungslos barfuß lief. Er behauptete, dass er
das nicht nur in fremden Städten und Ländern machte, wo man ihn nicht kannte,
sondern auch in seiner Heimatstadt (Augsburg). Da wusste ich, dass ich auch Barfußläuferin werden wollte.
Die ersten
Versuche habe ich in Deutschland unternommen, wo auch andere Barfußläufer zu
sehen waren. Meine Begeisterung stieg immer mehr, so dass ich meine deutschen
Aufenthalte komplett ohne Schuhe verbrachte und immer noch verbringe.
Seit einigen Jahren laufe ich auch hier in Italien barfuß, durchschnittlich
von März bis Ende Oktober.
Beschimpft wurde ich bisher noch nicht, manchmal guckt mich jemand komisch
an, aber das lässt mich kalt.
Meine Freunde und Bekannten akzeptieren das. Schließlich haben sie mich zu Hause immer barfuß gesehen, im Sommer wie im
Winter.
Übrigens, wir teilen auch die Leidenschaft für klassische Musik! ...
In Italien können leider nur Sporttrainer und -lehrer und wenige andere
Berufstätige ungestört barfuß arbeiten.
Zu den letzten gehöre ich. Ich arbeite als selbständige Übersetzerin für
Firmen, die in Italien, Deutschland und der Schweiz verstreut sind. Ich habe
mein Büro zu Hause, deshalb kann ich problemlos barfuß und ungeschminkt
arbeiten.
Wenn ich aber als Dolmetscherin bestellt bin, dann muss ich mich schminken
und gute Kleider und Schuhe anziehen. Diese haben aber als erste Feierabend:
Sobald ich mich von den Auftraggebern verabschiedet habe, fliegen sie zuerst in
die Luft und dann landen sie im Auto oder in der Plastiktüte, die ich extra für
sie in meiner Tasche schleppe.
Ich nehme auch Gesangunterricht und singe in einem Chor. Hier habe ich mir
das "Privileg" errungen, in der hinteren Reihe zu singen, um die
Schuhe während der Konzertaufführungen ausziehen zu können!
Tiziana
Da du in Italien lebst und problemlos eine 7 km lange Asphaltstrecke barfuß
bewältigen kannst, warum nimmst du nicht an dem Friedensmarsch Perugia-Assisi
teil?
Dieses Jahr hat der Marsch eine besondere Bedeutung, wenn man die internationale
Lage betrachtet.
In diesem großem Treffen auch in Italien werden die sozialen Konventionen
beiseitegelegt und viele Leute entscheiden, ihre Füße zu befreien und barfuß
mehr als 25 km zu laufen. Auch wenn der Marsch am 14. Oktober stattfinden wird
(es könnte es schon zu kalt sein, während heute in manchen Gegenden Italiens
noch Sommer ist. Vor einigen Jahren fand der Marsch normalerweise gegen Ende
September statt), ich glaube, dass du kein Problem haben solltest, um mit 15-20
Grad (vermutlich) barfuß zu laufen.
Jedenfalls, ich lade alle ein, an den Marsch teilzunehmen.
Für allgemeine Information über den Friedensmarsch (wie Perugia zu erreichen,
usw.), ihr könnt in die Internetseite von dem Marsch gucken (in
italienischer und englischer Fassung).
Temistocle
[in Italien lebst und 7 km lange Asphaltstrecke barfuß bewältigen
kannst, warum nimmst du nicht am Friedensmarsch Perugia-Assisi teil?]
Weil ich berufstätig bin, und Perugia nicht gleich vor meiner Haustür liegt.
(Ich wohne nämlich im Piemont.)
[könnte schon zu kalt sein, während heute in manchen Gegenden Italiens noch
Sommer ist]
In Turin sicher nicht. Hier sind alle Leute in warmen Sachen verpackt, nur ich
trage nach wie vor ein T-Shirt, darüber einen langärmeligen
Baumwollenpullover, Hose oder Rock (meistens eine Hose) und natürlich keine
Schuhe.
[glaube, dass du kein Problem haben solltest, um mit 15-20 Grad barfuß zu
laufen]
Das ist richtig. Bis 10 Grad würde ich es sicher schaffen. Wie du siehst, sind
da nicht die Füße das Problem. Die sind klein aber fit.
Die Initiative finde ich auch sehr verlockend, zum einen weil ich eine
überzeugte Pazifistin bin, zum anderen weil ich dort andere italienische Barfußläufer treffen könnte.
Mit den Gedanken werde ich natürlich dabei sein, wie vermutlich jeder Mitleser
bzw. Mitschreiber von diesem Forum. Ich würde mich deshalb sehr darüber
freuen, wenn du hier dann über den Marsch berichten möchtest.
Tschüs. Tiziana
Ich wohne in Rom, und heute hier war die Temperatur gegen Mittag 27 Grad! Ich
weiß nicht wie lange es dauern wird.
Übrigens vor einer Woche war ich in Norditalien, aber südlich von Piemont, in
Emilia, und die Temperatur war 10 Grad niedriger, mit Regen zudem. Die Leute
waren alle verpackt mit geschlossenen Schuhen und von Barfußlaufen war
eigentlich absolut kein Thema! Ich erinnere mich auch an einen Anfang Oktober in
Turin und war wie Anfang November in Rom. Ich vermute, dass manchmal das Klima
Norditaliens ähnlich dem Deutschlands ist.
Darüber hätte ich eine Neugier: im Forum des italienischen Clubs "Natiscalzi"
haben manche Leute geschrieben, die in Turin und Piemonte (Asti usw.) leben.
Hast du jemals irgendjemanden von ihnen getroffen? Bist du die einzige
Barfüßlerin dort? Kennst du andere Barfüßler/rinnen in Italien überhaupt?
[Bis 10 Grad würde ich schaffen. Initiative finde ich verlockend, weil ich
Pazifistin bin, zum anderen weil ich dort andere italienische Barfußläufer
treffen könnte]
Denn könntest du dir Mühe geben, um zu kommen. Jedenfalls, ich bin nicht
absolut sicher, dass dort viele echten italienischen Barfußläufer zu treffen
sind. In der Tat waren die Leute, die in den vorherigen Märschen barfuß liefen
Hunderte, aber wenige hatten den Marsch barfuß begonnen. Die meisten haben die
Schuhe nach 8/9 km ausgezogen und fast alle hatten jedenfalls die Schuhe in dem
Rücksack (das heißt, niemand oder fast niemand war in Perugia komplett ohne
Schuhe angekommen, sofern ich bemerken könnte). Aber nach der Erfahrung des
Marsches vielleicht haben sich viele Personen in (gelegentliche) Barfußläufer
umgewandelt. Wenn du da wärest, könntest du viele Leute zum häufigen
Barfußlaufen "bekehren" (damit die soziale Akzeptanz vom
Barfußlaufen in Italien sich bessern könnte).
Ich hoffe, dass auch mit Temperaturen, die niedriger als im September sind, noch
eine beträchtliche Anzahl von Pazifisten barfuß laufen wird, und zweifellos
gerade diejenige, die mehr barfußbegeisterte sind.
Natürlich werde ich einen kurzen Bericht schreiben, wenn die Leute mir mein
nicht tadelloses Deutsch verzeihen. Ich werde einen längeren Bericht auf der italienischen
Seite des Clubs "Nati Scalzi" schreiben.
Temistocle
[Bist du einzige Barfüßlerin dort? Kennst du andere Barfüßler/rinnen
in Italien überhaupt?]
Keine Barfußläufer in Sicht. Aber ich glaube, dass es sie tatsächlich gibt.
Für den Begriff "Barfußläufer" gibt es eigentlich keine eindeutige
Definition: Es gibt nämlich solche, die nur in der Natur barfuß laufen,
solche, die ihre Barfußtätigkeit auf einen täglichen einstündigen
Spaziergang beschränken, und solche, die das Barfußlaufen als Lebensstil
verstehen.
Alle sind m.E. Barfußläufer, aber die ersten beiden trifft man seltener in den
Städten, und für die letzten ist das Barfußlaufen auch nicht immer möglich,
aus welchem Grund auch immer.
[Friedensmarsch]
Ich muss darauf verzichten, weil ich berufstätig bin! Ich bin sonst überhaupt
kein Stubenhocker! :-)))
Es ist OK, dass die Marschteilnehmer ein Paar Schuhe trotzdem mitnehmen. Weißt du, für alle Fälle. Alles ist gut, solange es
Spaß macht, wenn das nicht mehr
der Fall ist, dann soll man aufhören. Das gilt auch fürs Barfußlaufen. Leute,
die nie barfuß gelaufen sind, sind sehr anfällig gegen Barfußblasen, die sehr
schmerzlich sind. Viele "Anfänger" werfen die Flinte ins Korn, weil
sie gleich extrem lange laufen und ihre untrainierten Fußsohlen wundscheuern.
[Wenn du da wärest, könntest du viele Leute zum häufigen Barfußlaufen
"bekehren"]
Nee, das würde ich nicht machen. Ich meine, man wirkt umso überzeugender, wenn
man nicht versucht, die Leute zu überreden.
"Ich-tue-es-weil" bringt m.E. mehr als "Du-sollst-auch-so-machen".
Schließlich fühlen wir Barfußläufer uns am meisten irritiert, wenn die
Schuhträger mit dem Plädoyer für Schuhe anfangen, oder? Ich glaube, die
"Zauberformel" heißt: Gegenseitige Toleranz!
Tschüs. Tiziana
Es ist ganz wahr: das Deutsch von Tiziana ist perfekt, während ich immerhin
ein bisschen außer Übung bin. Ich versuche, ziemlich schnell zu schreiben,
aber ich muss vielmals zum Wörterbuch greifen.
Jedenfalls habe ich die deutsche Sprache gut gelernt, als ich vor zehn Jahren
mit einem Erasmus in Tübingen studierte.
Dort habe ich auch bemerkt, dass für viele Studenten das Barfußlaufen ganz
normal war (während in Italien war - und bleibt - eine närrische Sache):
deshalb habe ich begonnen, das Vergnügen und die Vorteile des Barfußlaufens zu
erfahren.
Übrigens bin ich kein ständiger Barfüßler: in Italien kann ich mir nicht
leisten, als eine normale Sache in den Städten barfuß zu laufen: es gibt kein
Verbot, sondern eine verspottende soziale Zensur. Deswegen laufe ich barfuß nur
in einigen Gelegenheiten (Urlaub, Seestädte, archäologische Wanderungen,
Märsche usw.).
Apropos: ich würde sehr neugierig sein, wenn einige von euch eure Erfahrungen
als Barfußläufer in Italien beschrieben.
Viele Grüße.
Liebe Gleichgesinnte,
mir ist gestern Abend etwas Witziges passiert, was andere passionierte Barfußläufer
wohl auch mal erlebt haben.
Meine beste Freundin hat gestern um 18,00 Uhr geheiratet. Da ich Trauzeugin war,
hielt ich für angebracht, in der Kirche mit eleganten Schuhen zu erscheinen.
Das fiel mir überhaupt nicht leicht, denn ich war den ganzen Tag wie gewöhnlich
barfuß gelaufen (auch zum Friseur.)
Sobald ich im Restaurant Platz nahm, gönnte ich meinen Füssen die gewöhnte
Freiheit wieder und verbrachte den Rest des Abends barfuß am Tisch, auf der
Tanzfläche, auf der Terrasse, im Garten des Lokals, usw. Logischerweise blieb
das nicht unbemerkt, aber es gab keine Probleme. Das Fest war richtig Klasse!
Das Witzige daran ist, dass ich dann zu Hause feststellen musste, dass meine
Schuhe unter dem Tisch im Restaurant geblieben waren!
Ich habe sie eben abgeholt. Ein Glück, dass ich für heute Morgen nichts
vorhatte! ...
Ich bin immer noch barfuß, zumal wir hier seit einem paar Tagen wieder
Sonnenschein haben, zwar einen herbstlichen, aber doch immer Sonnenschein.
In den vorigen Tagen hatten wir Regen, und ich bin auch dann barfuß gelaufen,
denn
a) ich finde den nassen Untergrund unter den nackten Sohlen sehr angenehm,
b) mich stört die Kälte, die in geschlossenen Räumen das von dem lange nass
bzw. feucht bleibende Schuhleder den nicht leicht beweglichen Zehen abgibt.
Die Haut wird dagegen gleich trocken, und man kann die Zehen frei bewegen und
somit deren Frieren vermeiden.
Deshalb verzichte ich an Regentagen auf Schuhe, natürlich wenn es mir nicht zu
kalt ist. Wenn es aber so weiter geht, werde ich irgendwann zur Ganzjahresbarfußläuferin.
:-))
Gestern habe ich u.a. eine 7 km lange Asphaltstrecke barfuß bewältigt.
Anschließend war ich die einzige ohne Blasen und Rückenschmerzen.
Logischerweise waren alle anderen mit Sportschuhen "bester Qualität"
versehen!
Liebe Grüße aus Italien. Tiziana
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