Welche ist die barfußfreundlichste Stadt?
(Forumbeiträge im Herbst 2003)

Hallo alle zusammen,
nach diesem genialen Barfußsommer würde ich gerne von euch wissen, welche Stadt die barfußfreundlichste ist und wo man die meisten Barfüßler trifft.
Ich glaube in den Städten Münster, Göttingen, Marburg/Giessen, Wiesbaden, Heidelberg, Würzburg, Stuttgart und Freiburg sieht man die meisten Barfußläufer, da in den Städten doch sehr viele Studenten und somit junge Leute wohnen.
Besonders gefallen hat es mir diesen Sommer in Freiburg, wo das Barfußlaufen schon wirklich wie ich finde als ganz normal angesehen wird. Und das finde ich echt super!!
Was meint Ihr und welche ist für euch die beste Barfußstadt ??
Ciao, Michael

In Würzburg bin ich aufgewachsen und schon in meiner Jugend viel barfuß gelaufen. Dem kommen auch die Ringparkanlagen, der Hofgarten und die Areale am Main entgegen. Dieses Jahr war ich im Juni zweimal dort, bin keinen einzigen Schritt mit Schuhen gelaufen und habe auch andere Barfüßige gesehen, z.B. am Pfingstsonntag Abend vier innerhalb weniger Minuten auf der Alten Mainbrücke. Außerdem gibt's jetzt ganz in der Nähe den Barfußpfad Hausen
Lorenz

[Ich glaube in ... sieht man die meisten Barfußläufer, da sehr viele Studenten und somit junge Leute wohnen]
Ich bin weder ein Backfisch noch eine Studentin mehr, aber außer Würzburg haben mich all die oben genannten Städte barfuß gesehen. So viele Barfüßer gab's dort aber auch nicht.
Freundlich waren die Leute überall, auch in den Städten, die Du nicht erwähnt hast.
[Besonders gefallen hat es mir in Freiburg, wo das Barfußlaufen als ganz normal angesehen wird.]
So normal ist es dort auch nicht. Ich war 2001 für vier Wochen in Freiburg und war meistens die einzige, die in der Ka-Jo barfuß flanierte. Ein paar Mal habe ich Didier aus Frankreich getroffen, und da waren wir zu zweit, aber mehr Gleichgesinnte gab's auch nicht so oft.
[Was meint Ihr und welche ist für euch die beste Barfußstadt ??]
Grundsätzlich alle! Tiziana

Im Sommer ist's wohl im allgemeinen eher so, das nur wenige Leute Anstoß oder Kenntnis davon nehmen, so jemand unbeschuht seiner Wege streift, die Reaktionen hängen denn immer von den Menschen ab denen man begegnet, den einen Tag fällt's vielleicht in einer Stadt keinem auf, oder keiner zeigt Interesse bzw. Reaktion, den anderen Tag sieht's in gleicher Stadt vielleicht auch schon wieder ganz anders aus.
Wie dem auch sei.^_^
Gut Nacht
der Rilastan

So eine richtige barfußfreundliche Stadt kann ich nicht nennen. In Stuttgart bin ich in der wärmeren Jahreszeit recht oft barfuß unterwegs und auch andere Städte (z.B. Berlin, Quedlinburg, London, ...) habe ich schon heimgesucht.
Ich fand es eher entscheidend, wie die Gehwegqualität hinsichtlich Scherben ist. Stuttgart als Hauptstadt der Kehrwoche sieht hier schon ganz gut aus ... (außer dem U-Bahn-Aufgang zur Stadtbibliothek am Rotlichtviertel).
Quedlinburg z.B. mit seinem tollen Kopfsteinpflaster ist auch eine echte Reise wert. Nachteil ist wieder mal der hohe Scherbenanteil zwischen den Steinen. So abgehärtet sind meine Sohlen leider nicht, dass ich da ohne Probleme gehen könnte.
Barfüßer sah ich dieses Jahr extrem wenig in der Öffentlichkeit. Demnach wäre Stuttgart barfußunfreundlich - oder?
Ich hatte sogar den Eindruck, dass auf dem Rasen vor dem neuen Schloss in der Innenstadt, weniger Leute als früher die Schuhe ausgezogen hatten. Dafür waren ja alle mit Flip-Flops bewaffnet gewesen ...
Aber es wäre ja mal was, analog zum ADFC-Ranking der fahrradfreundlichsten Stadt, ein Ranking zur barfußfreundlichsten Stadt durchzuführen. Hat jemand gute Ideen für Kriterien, die möglichst allen Barfüßer/innen entgegen kommen?
Grüße
Kai (WN)

Für mich sind Stuttgart und München die besten Barfußstädte, zumal ich dort noch keine unfreundlichen Reaktionen erlebt habe.
In München sieht man im Sommer immer wieder mal jemanden barfuß laufen, und in Stuttgart und Umgebung kenne ich ein paar nette Barfußläufer, mit denen ich mich immer wieder gern treffe.
Im Winter habe ich in den genannten Städten allerdings auch noch nie jemanden "zufällig" barfuß laufen sehen.
Barfüßige Herbstgrüße, Markus U.

Eine interessante Frage! Kriterien wären wirklich hilfreich, denn ich glaube, dass die Beurteilung bei uns allen auf rein subjektiven Erfahrungen beruht - das geht ja gar nicht anders.
Meiner Meinung nach steht und fällt alles mit dem Reiz einer Stadt, der ganz unabhängig davon zu sehen ist, ob man diesen mit oder ohne Schuhe empfindet.
In einer schönen Stadt geht man nun mal lieber spazieren als etwa in Bochum oder Berlin, was weiß Gott keine schöne Stadt ist, aber eine interessante. Das ist auch ein wichtiger Punkt. Lauschige Gässchen, Fachwerkhäuser oder ein imposantes Flussensemble (wie in Regensburg mit seiner majestätischen Donau nebst netter Altwasser) gelten ja gemeinhin als schön. Doch auch das Ruhrgebiet (nix gegen Bochum!) hat seinen Reiz - halt einen ganz anderen. Ebenso Berlin. (na ja, okay, den wahren Reiz Berlins suche ich noch ...)
Natürlich ist es netter, barfuß durch erhabene Straßenzüge zu wandeln. Aber ein Spaziergang durch eine Stadt, zu der nackte Füße - klischeehaft gesehen - nicht recht passen wollen (Beispiel wieder Bochum, wo ich vorigen Sommer eine ehemalige Kommilitonin besucht habe) ist ebenso eine tolle Erfahrung. Es hat so was Hartes, Unwirtliches, kein Hauch von Heimeligkeit. Auch nicht schlecht.
Alles basiert eben auf persönlichen Erfahrungen.
Regensburg ist eine wunderbare Stadt voller Studenten, obgleich die dort nicht wirklich das Stadtbild prägen, wie ich finde.
München mag ein nobliges Image haben, doch dafür sieht man da dennoch sehr viele Barfüßer jeden Typs und ich bemerkte hier überdies viel Toleranz gegenüber nackten Füßen. Ich bin da schon abends barfuß in Kneipen gegangen. Zwar fiel ich sehr auf (was mir nicht recht war), aber in München zählt ja Auffallen viel, insofern waren die Reaktionen tendenziell freundlich (die dachten wohl: ey, mal ne coole Art aufzufallen...)
Zu Berlin passen Barfüße ohnehin, weil die Stadt auch sonst sehr dreckig ist. Vielleicht ist Berlin deshalb so angenehm zum Barfußlaufen, weil die wenigsten groß Notiz von einem nehmen. Es fällt eben nicht weiter auf.
Mein Lieblings-Barfußstadt ist natürlich meine Heimatstadt Nürnberg. Nicht nur aus nostalgischen Gründen. Sondern auch, weil da sehr viele junge Leute barfuß laufen - wobei ein gewisser Look von Alternativkultur bei der Jugend populär ist. Mag auch eine Art Reaktion sein, denn ansonsten ist Nürnberg voll von stillosen alten Spießern. Wie schon der begnadete Frank Markus Barwasser sagte: Nürnberg is a sehr sportliche Stadt: Da Laufen alle im Jogginganzug rum.
Würzburg: Habe ich eher schlechte Erfahrungen gemacht. Da wurde ich mal von der Polizei kontrolliert! Einfach so! Als Fußgängerin. Meine nackten Füße haben mich offenbar verdächtig gemacht. Für was auch immer. Überhaupt scheint Würzburg die höchste Polizeidichte Bayerns zu haben: alle drei Minuten ein Streifenwagen. Außerdem sind das da alles Unterfranken. Und ich als Mittelfränkin habe da ohnehin Vorbehalte...
Ich könnte diese Reihe weiter fortsetzen. Und je nach Entwicklung dieser interessanten Diskussion werde ich das auch tun.
Derweil liebe Grüße, Lotsi

[Würzburg: eher schlechte Erfahrungen ...  wurde von Polizei kontrolliert! Als Fußgängerin. nackten Füße haben offenbar verdächtig gemacht]
Das kann Dir auch in anderen Städten passieren: Mir ist es letztes Jahr in Stuttgart so ergangen. Das macht die Stadt für mich auch nicht unsympathisch.
[Außerdem sind das da alles Unterfranken. Und ich als Mittelfränkin habe da ohnehin Vorbehalte]
Würzburg ist die schönste und liebenswürdigste Stadt, die ich bislang gesehen bzw. erlebt habe. Barfuß-technisch kann ich freilich nichts dazu sagen, denn meine Würzburg-Besuche fanden - abgesehen von unserem legendären Barfußtreffen - alle vor meiner Barfußzeit statt.
Am barfuß-freundlichsten sind immer noch die Dörfer, abgesehen von Nickenich und so Käffern in Rheinland-Pfalz. ...
In Nickenich fuhren Jugendliche mit ihren Roller haarscharf an uns vorbei und das immer wieder. - Es gibt noch mehr Barfüßer, die in Rheinland-Pfälzischen Dörfern schlechte Erfahrungen gemacht haben.
Mit freundlichen Füßen
Eva

[Meine Lieblings-Barfußstadt ist natürlich meine Heimatstadt Nürnberg, weil da sehr viele junge Leute barfuß laufen]
Also ich weiß nicht, wo in Nürnberg du da schaust, aber ich hab diesen Sommer in Nürnberg noch nie jemanden barfuß laufen sehen. Toleranz ist groß, ja, aber andere hab ich niemand anders gesehen. :(
Aber vielleicht bin ich ja an den falschen Orten... ;)
Andi

Hi Lotsi, als ehemaligem Münchner fällt mir zu ...
[Außerdem sind das da alles Unterfranken. Und ich als Mittelfränkin habe da ohnehin Vorbehalte] ...
nur folgender Reim ein:
"Man muss Gott für alles danken,
auch für barfüßige Ober-, Unter-, Mittelfranken."
Grüße aus meinem schwäbischen Exil, Kai

Ich bin in Köln ganz glücklich mit den Barfuß-Bedingungen und führe das auf drei Umstände zurück:
- Köln hat ein sehr junges Publikum. Uni, Fachhochschule, Sporthochschule und Musikhochschule haben fast 90.000 eingeschriebene Studenten, die zwar oft nur von auswärts hinein pendeln, der Stadt aber ihren Stempel aufdrücken.
- Köln ist ein gutes Pflaster zum Barfußlaufen. Speziell der Bereich am Rhein, um den Dom und in den Fußgängerzonen ist ganz überwiegend glatt gepflastert, kein Kopfstein oder so. Das macht das Laufen angenehm und verführt eher auch mal andere dazu, die Schuhe in die Hand zu nehmen und ohne zu flanieren.
- Die Stimmung in der Stadt ist traditionell offen und liberal. Das zieht auch besonders freiheitliebende Menschen an, die von auswärts bewusst zum Barfuß-Shoppen nach Köln kommen, weil sie das dort im Gegensatz zu Ihrer Heimatstadt ungestört tun können.
Deshalb meine Nominierung: Kölle am Rhing.
Außerdem ist dort eine Mundart-Band beheimatet, die unser Hobby als Namen führt: Bläck Fööss heißt auf hochdeutsch nämlich nichts anderes als Blanke Füße, also Barfuß.
Gruß, Carsten

Köln, Frankfurt und Friedrichshafen sind die drei Deutschen Städte, wo ich als Schweizer mehrmals Messen ausschließlich barfuß besucht habe. In Köln habe ich meistens auch andere barfuß laufen gesehen, zum Beispiel im Oktober bei etwa 5° ein junges Mädchen von etwa 16 Jahren. Hat mich enorm aufgestellt.
Roland Schorno

Ich kann Dir da nur zustimmen: unter den deutschen Großstädten ist Köln mit einigem Abstand das barfuß-freundlichste Pflaster - sowohl im Hinblick auf die Bodenverhältnisse als auch auf das soziale Klima und die Mentalität der Leute.
Sehr gute Erfahrungen hab ich aber auch in Hannover, Münster und Trier gemacht, und wer's noch ´ne Nummer kleiner mag, sollte unbedingt mal Gütersloh besuchen: ganz im Ernst!
Schöne Grüße, Joachim (BI)

Hallo Carsten,
ich hatte ein Weilchen überlegt, ob ich Köln nominieren sollte, das hast Du mir ja jetzt abgenommen (und Joachim hat sich bereits angeschlossen).
Ich habe geschwankt, weil ich die wichtige von Kai gestellte Frage nicht wirklich beantworten kann: was macht eine Stadt denn barfußfreundlich?
Du hast oben Aspekte genannt, denen ich gerne zustimme. Allerdings habe ich - ähnlich wie Tiziana - in den anderen Städten, in denen ich bisher barfuß unterwegs war, auch keinen wirklich schlechteren oder besseren Eindruck gewonnen.
Dass die Kölner Stadtverwaltung - das könnte ja z. B. ein Aspekt sein - sich in irgendeiner Hinsicht nennenswert barfußfreundlich verhalten würde - z. B. bei der Gestaltung von Bodenbelägen in Grünanlagen oder auf Kinderspielplätzen - kann ich nicht feststellen: so ist auch für alle städtischen Turnhallen den Schulen (und eigentlich auch den Vereinen) die Benutzung barfuß untersagt.
Umgekehrt kann ich aber aus eigener Erfahrung bestätigen: ein schlechtes Barfußpflaster ist Köln ganz und gar nicht!
[Mundart-Band beheimatet, die unser Hobby als Namen führt: Bläck Fööss heißt nichts anderes als Blanke Füße, also Barfuß]
Stimmt, allerdings treten die schon seit dreißig Jahren nur noch in Schuhen auf!
Georg

Hallo Zusammen, ich bin ja schon überrascht, dass Köln mehrmals als BF-freundliche Stadt genannt worden ist.
Vor mehr als 10 Jahren war ich für eine Woche in Wien im Urlaub. Dort fielen mir erstmals Barfußläufer in einer Stadt auf - ja ich kann sagen, ich habe dort erst "gelernt", dass man ja auch in der Stadt barfuß laufen kann und nicht nur am Strand. Die meisten Barfußläufer waren abends am Donaukanal unterwegs.
Allgemein habe ich immer noch die angenehme und offene Atmosphäre dieser Stadt in Erinnerung.
Viele Grüße, Andreas (Köln)

Hallo,
ich habe recht gute Erfahrungen im Norden gemacht. In Hamburg ist die Gegend um die Mönkebergstraße gut fürs Barfußlaufen geeignet. Sehr sauber, keine nennenswerten negativen Reaktionen und es sind auch andere Barfüßer unterwegs. Aber auch die anderen Stadtteile eignen sich gut zum Barfußlaufen.
Berlin ist da schon schwieriger. Das Problem dort ist weniger der Schmutz als die vielen Scherben, die einen zwingen, ständig darauf zu achten, wo man hintritt.
In Hannover hatte ich im vorigen Sommer einen einstündigen Aufenthalt und konnte mich nicht allzu weit vom Bahnhof weg bewegen, habe in dieser Zeit aber vier Barfüßer gesehen. Rechnet man das hoch, gibt es die meisten Barfüßer demnach in Hannover?
In der Gegend um die Müritz, wo ich derzeit arbeite, sieht man in den Städten im Sommer häufig Leute, meist Touristen, die barfuß unterwegs sind und auch ich bin dort gern barfuß unterwegs.
Barfüßige Grüße
Reinhard

[In Hannover hatte ich einstündigen Aufenthalt und habe in dieser Zeit vier Barfüßer gesehen. Rechnet man das hoch, gibt es die meisten Barfüßer in Hannover?]
Das war bestimmt eine Ausnahme, habe bisher äußerst selten mal jemand in der Nähe des Bahnhofs barfuß gesehen. Wenn ich in Hannover barfuß laufe, bin ich meist der Einzige. Bin allerdings selten in der City.
RainerL

Hei- also ich kann Darmstadt und Heidelberg empfehlen. Nur freundliche Leute. Als ich im September frühmorgens mit dem Rucksack zum Bahnhof lief rief mir schon auf dem Marktplatz wo eine Frau ihren Obststand aufbaute zu "Vorsicht - die Frau mit de ´nackte Fies ... Scherben" .Das fand ich wirklich nett. Auch im Park dort wo ich den Tag zuvor verbrachte viele Barfüßer, auch Leute die ganz ohne Schuhe kamen. Heidelberg ist von jeher ne dollte Barfußstadt. Da ich dort viele Studienkollegen/innen, habe besuche ich besonders am Wochenende die Stadt häufig. Im Winter ziehe ich es allerdings vor Sandalen zu tragen, wenn ich außerhäusig bin, aber in Kneipen oder der Disco sind die bloßen Füße ein Muss.
Sanna

Hi Leute,
einige Kriterien für die Beurteilung der Barfuß-Tauglichkeit von Städten wären für meine Begriffe u.a.:
I. Toleranz
1. Verhalten der Nicht-Barfüßer gegenüber Barfüßern
1.1 Passanten
1.2 Berufsleben
a) Schule oder Universität
b) Beruflicher Alltag in gewerbl. oder kfm. Bereich
1.3 Freizeit, wie z.B. Bars, Discos, Restaurants, Shopping
II. Sauberkeit
1. Straßen
2. Öffentliche Plätze und Einrichtungen (Parks, Bäder etc.)
III. Barfußmöglichkeiten generell
1. Verschiedene Bodenbeläge vs. urbane Katastrophe
...dies nur mal zur Anregung ... Bernd

Krönen wir jetzt neben der Kulturhauptstadt Europas auch die Barfußhauptstadt Europas? Wechselt das auch jährlich, wobei es mehrere geben kann?
Gruß aus der Kulturhauptstadt (Grenztemperatur für Barfüßler außer mir: 15 °C)
unci

Hallo, gibt es eine "beste Barfußstadt"? Ich glaube, es sind doch eher die Erlebnisse, die man dort gehabt hat, die einen dieses Prädikat verleihen lassen.
Ich persönlich mag historische Städte mit Flair, die eine Geschichte erzählen, auch der in Jahrhunderten abgeriebene Bodenbelag. Leider gibt es das in Deutschland nicht oft, da entweder Kriegs-Bombardements oder Nachkriegs-Politiker das alles plattgemacht haben.
Mir fällt da in Deutschland leider gar nicht viel ein, vielleicht kenne ich zu wenig.
In Ulm z. B. ist das Fischer- und Gerberviertel übriggeblieben. In Nürnberg, das ja schon erwähnt wurde, gibt es einige Ecken. Im Ausland fällt mir da viel mehr ein, Avignon zum Beispiel, Dubrovnik, sicher auch Venedig ...
Viele Grüße, Ralf (RSK)

Mich nach langem wieder einmal hier zu Wort meldend möchte ich als Österreicher dieser Frage ganz gerne ein wenig mehr mitteleuropäischen Horizont geben: Meine ganz persönliche Lieblings-Barfußstadt ist Prag.
Die Entscheidung funktioniert da eher ohne systematische Kriterien (dazu noch später), also "aus dem Bauch raus", halt einfach, weil ich dort ganz besonders gerne barfuß unterwegs bin.
Und wenn ich dann doch nach Gründen suche: Es ist so schön, durch diese verträumten verwinkelten Gassen der Altstadt zu schlendern, irgendwie kommt man dann immer zur Karlsbrücke, rüber auf die Kleinseite, rauf zum Hradschin, dann durch diese tollen Gärten wieder herunter. So schön, dieses uralte Pflaster unter den Füssen zu spüren, fast wie ein Stück hautnah erlebtes Mittelalter. Natürlich ist's auch schön, mit nackten Füssen in einem Prager Bierlokal zu sitzen, abends in ein Studentenlokal zu gehen (z.B. ins Roxy). Im Sommer könnte man dann draußen in Braník im Campingplatz an der Moldau übernachten, am Weg von der Straßenbahn dorthin gibt es auch noch Abwechslungsreiches mit den Sohlen zu spüren.
Ganz wichtig: Man fällt nicht ungut auf als Barfüßler in dieser Stadt. Man ist nicht immer der einzige. So viele Barfüßler wie im Sommer nach der "samtenen Revolution" in Prag hab ich überhaupt noch in keiner Stadt gesehen.
Beruht halt alles einfach auf meinen persönlichen Erfahrungen. Wer hat sonst noch schöne barfüßige Erfahrungen in der tschechischen Hauptstadt gemacht?
Wenn ich mich für eine zweite Barfuß-Lieblingsstadt in Österreichs Nachbarländern entscheiden soll, sag ich spontan einmal Venedig.
Und noch etwas zu diesem Thema: Dass da einer auf die Frage nach der angenehmsten Stadt für Barfüßler Kategorien in drei Paragraphen mit ein paar Unterüberschriften gliedert (z.B. 3.2b) gliedert, ist echt witzig und typisch deutsch. Kein Österreicher oder Tscheche käme jemals auf diese Idee. Echt nicht. Glaubt's mir!
("Typisch deutsch" meine ich in diesem Zusammenhang keineswegs böse. Ich find's witzig, so ähnlich wie Franzosen, die 2 1/2 Stunden lang über's Essen plaudern.)
Euer Harald

Im vergangenen Sommer war ich auch barfuß in Prag unterwegs und kann nur bestätigen, dass Prag zu den Städten gehört, in denen Barfußlaufen echt Spaß macht. Leider war ich nur einen Tag dort, das war natürlich viel zu kurz, um die Stadt richtig kennen zu lernen. Ich bin dann noch weiter durch Tschechien gefahren, u.a. zum Czesky Raj, einem Naturschutzgebiet nordöstlich von Prag mit grandiosen Sandsteinformationen und überwiegend barfußfreundlichen Wanderwegen.
Anschließend bin ich übrigens noch nach Österreich (in die Gegend hinter Salzburg) gefahren. Auch dort habe ich mich sehr wohlgefühlt.
Viele Grüße, besonders nach Österreich
Kai (3)

Hallo Harald, alle - auch -schon - mal - in - Prag - Barfüßer(innen), 
ich kann mich nicht recht erinnern, ob ich schon mal von meinem Prag - Besuch im Sommer 2001 erzählt habe (und zum Nachschauen im Archiv bin ich zu faul).
Jedenfalls waren meine Frau und ich vorher in der Sächsischen Schweiz unterwegs gewesen und sind von dort nach Prag gefahren.
Von dieser beabsichtigten Reise hatte meine Mutter "Wind bekommen" und aus ihrer Sammlung ausgeschnittener Zeitungsschnipsel einen hervorgezaubert, in dem eine in Köln studierende Tschechin eine Ferienwohnung in Prag offerierte. Sie bedrängte uns, dort anzurufen, was ich denn auch gemacht habe.
So begann unser Prag - Besuch mit dem Suchen einer Straße in irgendeinem grauen Vorort von Prag, der den zweifelhaften Charme in die Jahre gekommener Großstädte verbreitete. Die Wohnung befand sich im Erdgeschoss eines großen Mehrfamilienhauses, in das man nachträglich und über Putz Wasserleitungen eingezogen und der Wohnung von der Küche eine eigene Toilette "abgezwackt" hatte.
Ich erzähle das keineswegs, um mich über Prag lustig zu machen, sondern weil es zum einen eine amüsante Erinnerung ist und zum zweiten Gelegenheit bot, die Stadt (Achtung, jetzt wird's on topic) auch außerhalb der City barfuß zu erkunden, denn ich musste ja auch im nahegelegenen Supermarkt einkaufen gehen, mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum fahren etc.
Ich habe die barfüßigen Tage in Prag tatsächlich genossen - die Stadt hat mir ungemein gut gefallen und wir konnten nach Belieben einen steten Wechsel aus Kulturprogramm und Freizeitgestaltung praktizieren. Für meine nackten Füße hat sich niemand interessiert (das ist mir in aller Regel das Liebste), nicht im Jüdischen Viertel und bei Besichtigung der dortigen Stätten und auch nicht der freundliche Student, der exklusiv für uns eine zweistündige Stadtrundfahrt und -rundgang gestaltete (nein, wir sind nicht reich - es hatte sich zu dieser Uhrzeit (Mittagszeit) nur kein anderer deutschsprachiger Tourist eingefunden).
Es sind mir auch einige wenige (nach meiner Erinnerung eine Handvoll) Barfüßer(innen) begegnet - wobei das gemessen an den zahlreichen Passanten, die mir begegnet sind, nicht mal in glatten Promillewerten auszudrücken wäre (in Köln ist das übrigens ganz ähnlich).
Mein Fazit: Prag ist eine Reise wert - ob ohne oder mit Schuhen.
Serfuß
Georg
PS: In exklusiveren Restaurants, Bars o. ä. sind wir nicht gewesen - da fühle ich mich weder ohne, noch mit Schuhen sonderlich wohl.

Wien ist zum barfüßigen Leben eigentlich schwer ok. Aus dem obigen "negative choice"-System würde ich Graz irgendwie zu den 3 liebsten Barfußstädten dazuwählen. V.a. wegen der vielen Studenten, der gemütlichen Gassen ... und wegen des Stadtparks. Wenn ich doch noch Kleinstädte dazunehme, dann nenne ich noch Krems. Nicht nur wegen des guten Weines...
Harald

warum ist Wien zum Barfuß-Leben schwer ? Sind dort so viele Spießer die einem das Leben schwer machen wollen?
(ich komme ursprünglich auch aus Österreich, wohne aber schon seit langem in Berlin)
Alyosha

[warum ist Wien zum Barfuß-Leben schwer? Sind dort so viele Spießer?]
Tut mir leid wegen der mangelnden Verständlichkeit meiner ostösterreichischen Umgangssprache. "Schwer okay" ist eine Betonung. Deshalb kam Wien auch an die Spitze meiner 3 Lieblings-Barfuß-Städte in Ö.
Die Wiener Spießer gibt's, aber sie machen einem das Leben nicht besonders schwer. Sie wollen "a Ruah ha'm". Verstehst? Und im Kern ist Wien keine Spießerstadt, sondern eine sozialdemokratisch geprägte Arbeiterstadt. Auch heute noch sind die Mehrheitsverhältnisse im "roten Wien" (und im Burgenland) ein manchmal wohltuender Gegenpol zu denen im Rest des Landes.
Ansonsten ist alles in Wien leicht und schwer zugleich. Das Lebensgefühl dieser Stadt liegt irgendwo zwischen Deutschland und Italien. Mit ganz starken tschechischen Wurzeln, einer traditionellen Konkurrenz mit Budapest und aktueller Zuwanderung aus Bosnien, Serbien und der Türkei. Eine vielfältige, spannende und oft widersprüchliche Stadt. Gerade richtig für mich ;-) Harald

Hallo Harald, für ein kleines Land wie Österreich ist Wien einfach "zu groß", ähnliches gilt für Budapest in Ungarn. Die Schweiz ist nur unbedeutend kleiner, aber Zürich ist wesentlich kleiner als Wien.
Als grobe Faustregel gilt, dass eine Schweizer Stadt ungefähr soviel Kultur hat wie eine deutsche, die fünfmal so groß ist. Und die entsprechende Stadt in den USA ist ebenfalls ca. fünfmal so groß. Natürlich gibt es Ausnahmen, z. B. San Francisco.
Für mich bedeutet "Stadt" nicht einfach "Ansammlung von vielen Leuten auf engem Raum". Es gibt auch historische Städte, die bis heute klein geblieben sind, und gerade das macht ihren Reiz aus. Ich wohne in Zofingen, einer mittelalterlichen Kleinstadt mit fast 10000 Einwohnern im Kanton Aargau. Wenn einer diese Stadt aufgrund der Kleinheit als "Dorf" bezeichnen, dann weise ich ihn höflich darauf hin, dass Zofingen bereits gut 900 Jahre Stadtrecht besitzt.
Schweizer Kleinstädte eignen sich im Prinzip auch gut zum Barfußlaufen, da die Straßenreinigung gut funktioniert (wegen der Scherben). Nachteile: Leute, die lieber barfuß laufen, wenn man von vielen gesehen wird, sind in Kleinstädten weniger gut aufgehoben als in Großstädten. Zum anderen stößt man schnell auf die Altstadtgrenze, man befindet sich in Wohnquartieren oder gleich in der Natur, was in der Schweiz nicht selten gleich bedeutend ist mit geschotterten Wegen.
Was die Akzeptanz von Barfußläufern innerhalb einer Schweizer Kleinstadt ausmacht, da gibt es wohl keine generelle Regel. Meine Behauptung: Je SVP-lastiger und katholischer die Bevölkerung ist, desto mehr Widerstand wächst gegen Barfußläufer, kurz behoste Männer und Frauen in kurzen Röcken. Zofingen ist eine liberale Stadt, die Bevölkerung überwiegend evangelisch-reformiert.
Mit freundlichen Grüßen
Michael aus Zofingen

Mir ist aufgefallen, dass ihr oft schreibt, dass in der Stadt das barfuß laufen weniger auffällt als auf dem Land und es weniger Vorurteile gibt.
Ich persönlich erlebe das eher umgekehrt. Ich habe das Gefühl, dass hier auf dem Land die Barfuß-Akzeptanz größer ist und auch mehr Leute barfußlaufen. Liegt der Unterschied vielleicht darin, dass dies ein Gegensatz zwischen der Schweiz und Deutschland ist (obwohl ich das bezweifle)?
Viele Grüße
Mike S

Kann schon sein, dass es hier einen Unterschied zwischen Deutschland und der Schweiz gibt, da die Schweiz, abgesehen von Zürich, Basel, Bern, Lausanne und Genf keine größeren Städte hat und somit im ganzen eher ländlich strukturiert ist. In der Schweiz ist halt vieles besser und ursprünglicher als bei uns in Deutschland, was sicherlich auch mit der überwältigenden Natur in den Bergen zu tun hat. Der Anblick der gewaltigen Berge flößt Ehrfurcht ein und bewirkt daher eine gewisse Gelassenheit bezüglich anderer Dinge. Kann auch sein, dass in der Schweiz Barfußlaufen mit einem "Naturburschen- Image" behaftet ist und daher besser aufs Land passt.
Barfüßige Herbstgrüße, Markus U.

... und natürlich Winterthur, die reizend gelegene (ehem.) Industriestadt (Fa. Sulzer), etwa eine halbe S-Bahnstunde von Zürich entfernt mit rund 100.000 Einwohner/innen. Auch barfuß schön zu erkunden mit einigen sehr schönen Wanderwegen im Umland.
Kai (als Kind ziemlich oft in Winterthur bei den Großeltern gewesen)

fussohli.jpg (920 Byte) zurück zur Übersichtsseite des "Best of"
im Hobby? Barfuß! Forum
zum Kopf der vorliegenden Seite