Rainer und Wolfgang sind Barfußkletterer
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumsbeiträgen seit Winter 1998/ 99)

Barfußklettern bietet einige Vorteile:
1. An das anfänglich schmerzhafte Stehen auf spitzen Steinen gewöhnt man sich, an die immer drückenden Kletterschuhe (und die absterbenden Zehen) nie.
2. Für Nicht-Profis (da zähle ich auch dazu): Man lernt "ganz von selbst", sich immer "anständige" Tritte zu suchen und hängt dann auch beim Klettern mit Schuhen nicht nur an den Armen.
3. Schuhe sind die einzigen "Verschleißteile" beim Klettern und außerdem recht teuer, was für Schüler, deren Kletterei von den Eltern nicht unterstützt wird, so gut wie das Kletter-Aus bedeutet.
Nachteil: Man büßt gegenüber optimalen (2 Nummern zu kleinen, also perverslich engen) Kletterschuhen etwa einen Schwierigkeitsgrad ein.
Das nächste Frühjahr kommt ganz bestimmt schneller als Ihr es glauben wollt.
Kletterpartner gesucht ! Noch was: Der Kletterpartner darf selbstverständlich auch eine Frau sein!
Bevorzugte Gebiete: Schwäbische Alb, Donautal, Allgäu, Alpstein.  Traut Euch, mailt mich an.
Ich mache das seit 1992, wo ich im schönen Sachsenlande weilte. ... Meine damaligen Schlappen hatten eine für das dortige Gestein viel zu harte Sohle und rutschten nur herum. Es dauerte recht lange, bis ich geeignetere Schlappen hatte Das war dann der Anfang. ... Dort machten das viele, allerdings deshalb, weil sie es nicht anders kannten oder weil sie wegen ihres zarten Alters (unter 12 Jahre) ein strenges ärztlichen Verbot hatten, Kletterschuhe (= spanische Stiefel) zu tragen. Soviel Verantwortungsbewusstsein findet man unter westlichen Sportärzten scheinbar nicht. ...
Da ich noch ein sächsisches Rest-Umfeld habe, bin ich nicht der einzige. Hierzulande kenne ich nur einen, der es auch tut, hauptsächlich, um seine Schlappen zu schonen.
Sehen tut man's noch ab und zu im Gebirge, wo jemand gemeint hat, mit Bergstiefeln klettern zu müssen, und plötzlich merkte, dass das eigentlich nicht geht. ...
Hier will ich mal meine "Kontaktanzeige" vom letzten November wiederholen. Trotz mittlerweile zweier Wochenenden mit schönem Wetter hat sich immer noch kein Kletterpartner (natürlich ohne spanische (bzw. italienische) Stiefel) gefunden.
Langsam wirz Zeit! Bevorzugtes Gebiet: Schwarzwald, Schwäbische Alb ...
Wer kommt noch aus dem Raum Stuttgart? Der könnte mit mir doch mal ohne Flurschadentreter die Schwäbische Alb "niedertrampeln", jetzt wo dort kein Schnee mehr liegt. Der Skilanglauf ließ sich so schlecht barfuß ausüben. Auf ein neues Frühjahr ...
[Wenn Du mit Rucksack nicht mehr klettern kannst ist die Tour halt eine Nummer zu groß für dich. Bernhard]
Das Problem wird übrigens auf vielerlei, i. d. R. aufwendige Weise gelöst:
1. Bolzer - Variante:
Normalweg hoch - Schuhe oben deponieren - Normalweg runter und dann klettern. Dafür reicht meine Kondition nicht
2. Pascha - Variante:
Freundin mit Schuhen über den Normalweg nach oben schicken. Den Gefallen würde mir wohl niemand tun
3. Masochisten - Variante:
Mit Kletterschuhen absteigen. Einmal und nie wieder. Außerdem schützen die Teile kaum.
4. Kamikaze - Variante:
Turnschuhe hochtragen und damit absteigen. Ich will noch leben
5. Altherren - Variante:
Mit Bergschuhen klettern. Die auf diese Weise möglichen Wege habe ich alle schon gemacht.
6. Rücksichtslose Variante:
Trotz vieler anderer Kletterer und eines direkt am Wandfuß vorbeiführenden Wanderwegs abseilen. Das gibt Steinschlag ohne Ende. Sieht man aber leider immer öfter.
Ich bin nicht der einzige, der dort barfuß absteigt. Und außer dem komischen Hornhautstück hindert mich nichts daran. Drittens laufe ich auch sonst manchmal barfuß. Und da muss ich auch ständig aufpassen, so geht der ganze Spaß verloren.
Rainer

Ich schicke voraus, dass ich selbst jeglichen Sport seit +/- 25 Jahren allermeist barfuß mache. Oder eigentlich ... besser andersherum, mich nur für den Sport begeistere, den man auch barfuß betreiben kann.
So auch Klettern. In der Halle (sofern erlaubt... das ist ein anderer diskussionswürdiger Punkt) und im Klettergarten. Eine feine Sache. Etwas delikater ist das natürlich im etwas anspruchvolleren alpinen Bereich.
So waren also wir zu zweit, vor kurzem (als es noch schön warm war) in den Oberammergauer Bergen. Wir haben uns eine nette kurze Route mit einer 8-minus-Stelle herausgesucht. Und diesmal tatsächlich klassisch: Kletterschuhe vergessen! Ich denk mir, was soll's. Das riskier ich jetzt auch mal.
Vorstieg über griffigen Kalk auf Reibung. Also... klappt pfenniggut, ca. 25 m, bis zu einer flachen Verschneidung (leicht gewinkelte, vertikale Rinne), die nur mit Klemmen und Spreizen zur rampfen ist. Ich acker mich so 2 m über den letzten Bolt (Sicherungshaken) und es fehlen noch 2 m, dann wird's leicht mulmig, und mir bricht ganz dezent der Schweiß aus. Und eben auch an den Füßen, wie das halt in solchen Situation ist... es reicht ja allein die Vorstellung. Dieses langsame Abrutschen ist ein unvergessliches Gefühl. Ich: "Seil zu!"... noch zwei hastige Schritte zurück und Absprung... Und dann... 'plaff!', die Landung am Fels mit zwei, drei schnellen Schritten seitwärts um ins Gleichgewicht zu kommen.
'Uff'... zunächst finde ich mich nur ein paar Meter weiter unten. Aber, bei der Aktion, musste ich feststellen, hatte ich mir den linken Fuß ziemlich angeschlagen, so dass die große Zehe und der Knöchel nicht schlecht bluteten. Ich überleg mir ob ich's noch mal versuchen soll, oder lieber - vernünftigerweise - aufgeben. Weder noch, ich bin die Stelle großzügig umgangen. So war's dann wohl ein glücklicher, knapper 7er. Auch ok.
Dem aber nicht genug. Ich wollt's nicht glauben und ließ mich nun wieder ab. Jetzt das gleiche im Nachstieg. Und: ohne die lästigen Schweißausbrüche (dazu: man kann im Nachstieg nicht stürzen, das Seil kommt ja straff von oben) der reinste Felsgenuss. Ein tolles Gefühl, glatte Bewegungen. Die Verschneidung war nun herrlich leicht mit weiten Griffen zu nehmen.
Wie ich an einer solchen Stelle scheitern konnte? "Ja... die Psyche!" werden kletternde hardcorer sagen, und "eh nur eine 8-" usw., aber 1. sollen die das auch mal versuchen und 2. ist es mir Wurst, was die sagen.
Es war alles in allem eine tolle Erfahrung, eine schöne Wahrnehmung und Erinnerung an den Fels, und hat auch schlicht die Grenzen gezeigt. Es hätte ja auch dümmer ausgehen können.
Nun, ich stehe auf dem Standpunkt, lieber Abstriche bei der Leistung zu machen, die sich nur in Zahlen ausdrücken lässt - man muss sich ja nicht immer an kleinsten Strukturen hochhangeln - dafür aber um einiges mehr an sinnlicher Erfahrung mitzunehmen.
Und da gibt es natürlich noch die vielen anderen Argumente, die fürs barfuß sporteln sprechen.
Jedenfalls: In den Hallen, in denen das barfuß-Klettern verboten(!) ist, verspreche ich mein diplomatisch-renitentes Vorgehen.
Also descalzo!
Wolfgang

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