Barfuß
zum Rudern
(Forumbeiträge seit Winter 2000 / 2001)
Nachdem der ewige Dauerregen nun endlich
mal unterbrochen ist und die Sonne vom wolkenlosen Himmel lacht, konnte ich am
Sonntag zum ersten mal in diesem Jahr wieder rudern gehen. Gestern lies ich
gleich die zweite Runde folgen und war auch wieder barfuß im Boot.
Da beim
Rudern die Füße fest am Stemmbrett fixiert sind, kann man sie kaum bewegen, so
war es doch noch ein kühles Vergnügen, zumal das Wasser doch noch recht kalt
ist.
Als ich das Boot ans Wasser brachte, kamen gerade zwei Paddler vom
benachbarten Kanuclub an und sie waren ebenfalls barfuß. Das war gestern morgen
um 10 Uhr und es hatte etwa 3°C Lufttemperatur, das Wasser dürfte ähnlich
kalt sein.
Wassersport und barfuß passen einfach zusammen, und ein begeisterter
Wassersportler verzichtet auch mitten im Winter nicht auf sein Hobby. Die
meisten Ruderer sind allerdings nicht barfuß im Boot, viele Boote haben sogar
fest am Stemmbrett installierte Sportschuhe. Da steckt dann jeder seine
Schweißfüße hinein. Eine schreckliche Vorstellung. Ein Kamerad, der diese
Dinger benutzt, meinte dazu, man wisse wenigstens, welchen Fußpilz man bekommt,
weil alle den gleichen haben ...
Ich selbst benutze lieber ein uraltes Boot, bei
dem man Angst haben muss, dass es unterwegs auseinander bricht. Aber es hat ein
einfaches Holzstemmbrett mit Lederriemen. Da kann man wunderbar barfuß rudern.
Die Paddler, die ja kein solcher Stemmbrett im Kanu haben, sind fast immer
barfuß im Boot.
Der gestern sehr böige Wind sorgte für reichlich Wellen und so
hielt sich das Ruder-Vergnügen noch in Grenzen. Deshalb ruderte ich mit
äußerster Vorsicht, zumal außer mir niemand unterwegs war. Ein Kentern bei
diesen Temperaturen hätte fatale Folgen.
Bernd A [am
15. Februar 2001]
Hallo Bernd, ich bin zwar kein Wassersportler, aber bei den letzten
olympischen Spielen Down under, bei denen die Ruderwettbewerbe zu einer halbwegs
akzeptablen (europäischen) Zeit im Fernsehen liefen, ist mir aufgefallen, dass die meisten Männer in weißen Tennissocken, die Frauen doch eher barfuß im
Boot saßen.
Ein Spiegelbild dessen, was wir manchmal auch auf unseren Straßen
festzustellen glauben? Der Hintergedanke, nackte Frauenfüße seien im Fernsehen
fotogener? Oder einfach Zufall?
Ich hab schon zu meinen Kölner Zeiten, wo ich
oft am Fühlinger See war, nicht verstanden, dass die ganzen Ruderer mit Socken
im Boot saßen ...
Serfuß, Jörg (Hanna)
Erstaunlich, dass so viele Barfüßer aus unserem Forum Ruderer sind!
Die
Socken sind meist notwendig, weil man sich in den oft recht unpassenden (mehr
oder weniger sandalenähnlichen) "Fußfesseln" am Stemmbrett arge
Blasen scheuern kann!
Ich habe früher mein Boot immer barfuß zu Wasser
getragen, dabei steckten die dicken Wollsocken in meinem Hosenbund. Die habe ich
dann zum Einsteigen angezogen.
In manchen Booten ging es nach etwas Gewöhnung
auch barfuß ...
Serfuß, Lorenz
So, so, lieber Lorenz, du bist oder warst also auch Ruderer! Tja, die guten
alten Stemmbretter mit den Sandalenriemen gibt's nur noch ganz selten, an
älteren Booten, bzw. auch noch an Gigbooten (also die guten alten schweren
"Trümmer" für Wanderfahrten etc.)
Kennst du noch andere
Ruderer hier im Forum? Obwohl ich fast immer barfuß rudere, bekomme ich so gut
wie nie Blasen. Ich kann mich nur an ein einziges Mal erinnern, als ich vor 2
Jahren nach 23 Jahren Pause wieder mit dem Rudern anfing: Als ich da zum ersten
Mal wieder im Boot saß, ein Gig-Einer, bekam ich Blasen an den Füßen.
Mehr
Probleme habe ich mit den Händen. Wenn ich im Sommer "einen richtigen
Schlag reinhaue" und 20-30 Trainingskilometer rudere, bekomme ich an den
Händen oft Blasen.
Gruß Bernd A
Hallo Bernd, ich habe, wenn auch mit längerer Pausen dazwischen, seit den
siebziger Jahren öfters gerudert, habe es aber vor einigen Jahren aufgegeben,
weil ich abends meist nicht mehr früh genug aus dem Büro gekommen bin, um noch
mit anderen Leuten aufs Wasser gehen zu können - nur im Einer zu fahren, hat
für mich wenig Reiz.
Ich habe das Rudern allerdings nie als Leistungssport
betrieben, so dass ich selten in einem Rennboot gesessen habe (Die lebendigste
Erinnerung ist die an einen alten Riemenvierer, in dem in den dreißiger Jahren
einmal eine deutsche Meisterschaft gewonnen worden war).
Die Erfahrung mit den
fest montierten Schuhen ist mir also erspart geblieben. Ich erinnere mich, ein paar Mal
barfuß gerudert zu haben, ohne Blasen oder andere Nebenwirkungen,
außer natürlich, dass man sich die Füße mit der allgegenwärtigen
Bootsschmiere dreckig gemacht hat - man konnte Ruderer immer daran erkennen, dass
ihre Turnschuhe hinten einen grau-schwarzen Belag hatten. Und ich weiß
noch genau, dass ich die drei Mal, als ich unfreiwillig ins Wasser musste,
leider nicht barfuß gewesen bin ...
Herzlichen Gruß beka (= noch ein Bernd)
Hallo Beka, das Problem mit der Arbeitszeit kenne ich, mir bleibt in der
Regel auch nur das Wochenende, wenn da nicht gerade wieder was anderes auf dem (Familien-) Terminkalender
steht.
Auch ich betreibe den Sport nicht leistungsbezogen. In den 70gern, als
Jugendlicher, bin ich ein paar Regatten mitgefahren, mit eher mäßigem Erfolg.
Heute betreibe ich es nur noch "just for fun" und es ist einfach
entspannender, im Sportboot an einem lauen Frühlingstag ruhig über das glatte
Wasser zu gleiten, als sich in so einem schweren Gigboot abzumühen, davon
abgesehen, dass man immer einen Helfer braucht, um das Boot ins Wasser zu
bringen und später wieder zurück.
Ein unfreiwilliges Bad ist mir bisher
erspart geblieben, aber das will ja nicht heißen, dass es mich nicht doch mal
erwischt.
Die Erfahrungen mit solchen alten Vierern sind immer ein tolles
Erlebnis. Wir haben natürlich auch noch einige solcher "Kolosse"
("Riemen" und "Doppel"), die wir vor allem für
Wanderfahrten auf dem Rhein benutzen. Es ist schon ein tolles Erlebnis, im Team
mit vereinter Kraft Boot und Strömung zu beherrschen. Diese Boote haben
natürlich noch die guten alten Stemmbretter ohne fest montierte Schuhe.
Ich
habe deinen Namen übrigens zum ersten Mal hier im Barfußforum gelesen. Wie
bist du zu uns gestoßen? Gruß, Bernd A
[Namen zum ersten Mal im Barfußforum
gelesen. Wie zu uns gestoßen?]
Ich habe das Forum im Herbst
1998 über eine Suchmaschine entdeckt und schaue regelmäßig rein, gehöre aber
eindeutig zu den Lesern, nicht zu den Schreibern.
Das hat einen einfachen Grund:
meine Erfahrungen als "gemäßigter" Barfüßer sind einfach zu
trivial. Dass ich zu Hause oder im Auto meistens barfuß bin und, wenn der Boden
dazu reizt, auf Wanderungen manchmal die Schuhe ausziehe, liefert kaum Stoff
für Beiträge.
Rudern war einmal ein etwas abseitigeres Thema. Grüße beka
Wieder mal musste ich die Erfahrung machen, dass man barfuß in der
Gesellschaft meistens als Außenseiter dasteht. Wie viele ja schon wissen, bin
ich, wie einige andere im Forum, dem Rudersport sehr verbunden. Eigentlich eine
Sportart, die sich - auf dem Wasser - für barfuß geradezu ideal anbietet. Dem
ist aber leider nicht so, zumindest in meinem Club nicht. (brauchbare
Alternativen gibt es hier in KA leider nicht)
Neulich sprach mich der 1.Vorsitzende an, ich solle doch nicht barfuß in Boote
mit Schuhen gehen, das sei für die anderen nicht so angenehm.
(Zur Erklärung für Nichtruderer: In jedem Ruderboot gibt es ein sogenanntes
"Stemmbrett", an dem man sich mit den Füßen abstößt, bzw wieder
nach vorne zieht. In älteren Booten hat dieses Stemmbrett meistens Riemen zur
Befestigung der Füße, heute werden meistens nur noch Stemmbretter mit festen
Sportschuhen eingebaut.)
Für mich sind diese Dinger ohnehin nicht das allerschönste, deshalb
verzichtete ich auf eine Diskussion und suchte mir ein Boot mit Riemenstemmbrett
aus.
Als ich vor einer Woche mit einem Kameraden über die Zusammenstellung eines
"Vierer"- Teams redete (ich rudere sonst fast immer im
"Einer"), sagte er mir gleich "wir rudern aber nicht barfuß!"
Gestern musste ich nun feststellen, dass man das Stemmbrett in
"meinem" Boot nun ebenfalls ausgetauscht hat, gegen eines mit Schuhen!
Nun bleibt nur noch ein einziges Boot mit Riemen übrig, ein uralter schwerer
Kahn, bei dem das Rudern (und noch mehr das Zuwassertragen!) eine Plagerei ist.
Und der wird wahrscheinlich auch bald auf dem Schuttplatz landen.
Vielleicht kann mir aber jemand aus dem Forum einen Tip geben, ein eigenes Boot
kann ich mir jedenfalls nicht leisten.
Mit barfüßigen Grüßen, Bernd A
Du musst große Füße haben, wenn du ohne Schuhe rudern kannst... Ich kann
froh sein, wenn ich in Schuhen, die mir passen (und nicht ein paar Nummern zu
groß sind) keinen Krampf davon kriege, aus den elenden Riemen zu rutschen.
[Stemmbrett in
"meinem" Boot ausgetauscht gegen eines mit Schuhen]
Für Tollkühne: Stell bei den nächsten Vereinsversammlung den Antrag, ein
Barfuß-geeignetes Boot herzurichten. Biete an, das Boot im Anschluss zu
desinfizieren (und mache es auch, wenn man sich darauf einlässt! Hygienische
Aspekte sind ja nicht ganz von der Hand zu weisen.).
Tut man es nicht, weißt du
jedenfalls, wo Du mit deinen Einstellungen und Überzeugungen nicht willkommen
bist. Kompromittiere Deine Überzeugungen, oder suche einen anderen Sport(verein),
in dem man etwas toleranter ist.
Sonst, kannst du dir nicht vielleicht ein gebrauchtes Boot leisten, oder
wenigstens ein eigenes Stemmbrett? Was die können (Stemmbretter austauschen),
kannst du schließlich schon lange... *g*
Klingt vielleicht gehässig, aber ich sage immer, jeder soll nach seiner
Facon glücklich werden, und dass man über alles reden kann. Prinzipienreiterei
kann ich nicht ab. Und danach sieht es verdammt aus.
Viele Grüße, lass Dich nicht unterkriegen!
Ricky
PS Ich rudere nicht barfuß, weil meine Füße dazu, sogar im Skiff (=Einer)
viel zu klein wären.
Ob man Barfußläufer ist oder nicht - die Vorstellung, in diese (wenn ich es
richtig verstanden habe) fest eingebauten Schuhe (=Bakterienbrutstätten) schlüpfen
zu müssen, in denen X Leute ihre Schweißfüße hatten, ist irgendwie
unappetitlich.
Oder handelt es sich um 'Überschuhe', bei denen man die normalen Schuhe
anlassen kann? Wie funkioniert das mit verschiedenen Schuhgrößen? Schließlich
wird ein Boot ja von mehreren Leuten genutzt, oder?
Ich habe in meiner Schulzeit auch mal ein halbes Jahr gerudert, kann mich aber
nicht mehr an die Art der Fixierung der Füße erinnern. Aber ich glaube, es
waren Riemen.
Fritz
Hallo Fritz, du hast das genau richtig gesagt: Bakterienbrutstätten. Die
Dinger sind halt groß genug, dass jeder Quatratlatschen hineinpasst, und zwar
ohne Schuhe! Absolut ekelig, die Dinger. Aber sie bieten den Leistungsruderern
den optimalen Halt, allerdings auch dann, wenn sie mal kentern sollten ...
Neulich hat mal einer unserer erfahrensten Ruderern vergessen, sie zuzuschnüren.
Folge war dass er beim schwungvollen Durchziehen in seinem Boot die Rolle Rückwärts
und anschließend direkt ins erfrischende Nass gemacht hat, und das direkt am
Steg vor den Augen aller Kameraden. Was für ein Gelächter!
Aber gut damit für heute, es passt ja sowieso nur am Rande ins Forumsthema.
Ich jedenfalls werde mich nie mit festen Schuhen anfreunden können, nicht auf
der Straße und schon gar nicht im Ruderboot.
Gruß, Bernd A
Hallo Bernd A,
ich finde das ja absolut "stark", dass man Dir im Ruderverein derart
kommt. Unglaublich!
Ich selbst habe in unserem Verein keine Probleme mit dem Barfußlaufen und
-rudern - außer auf Wanderfahrten, wo auch ältere Herrschaften mit dabei sind,
von denen einige wenige nervend kommentarfreudig sind. Diese Komentare beziehen
sich aber nicht auf das Rudern ohne Schuhe, sondern auf das Barfußlaufen außerhalb
des Bootes, z.B. in einer Stadt.
Nur für das Steuern muß ich im "Vierer ohne" und im "Fünfer"
Schuhe und Socken anziehen, damit die Kraftübertragung für die Bewegung des
Steuers gut genug ist.
Bei Verhältnissen wie bei Euch hilft wohl nur ein Vereinswechsel?!
Alles Gute wünscht Dir
MarkusII
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