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Projekt »Unten ohne - barfuß gegen Gewalt«
: Der Vorlauf
(Forumberichte im Sommer 2001)
1) Die Idee
Auf Vorschlag der Schülervertretung und der Schulleitung sollen Projekttage
zum Thema Gewalt in unserem Gymnasium stattfinden. Als Mitglied der
Vorbereitungsgruppe habe ich an der Konzeptentwicklung mitgewirkt; von Belang
ist im Zusammenhang, dass zu diesem Zweck Doppeljahrgangsstufen definiert
wurden, für die altersangepasste Angebote für drei Projekttage plus einem
sogen. "Präsentationstag" für Mitschüler und Eltern entwickelt
wurden.
Alle Klassen konnten Vorschläge unterbreiten, bei Interesse auch Lehrer(innen).
Ich habe darauf für die jüngste Doppeljahrgangsstufe - künftige Klassen 6 und 7 -
folgenden Vorschlag formuliert : »Unten ohne - barfuß gegen Gewalt«
Mal etwas zu tun, was wir bisher für kaum möglich hielten, wie z. B.
barfuß durch den Wald oder durch das Gebirge zu laufen, zeigt uns, dass mehr in
uns steckt, als wir glauben.
Und Spaß machen kann es auch noch !
(Gewaltprävention)
Der für die Koordination der Vorschläge zuständige Kollege schaute zwar
zunächst etwas kariert, ließ sich aber leicht überzeugen, wobei ich als
Mitglied der Vorbereitungsgruppe diesbezüglich natürlich auch eine günstige
Ausgangsposition hatte.
2) Das Wahlverfahren
Der jüngsten Doppeljahrgangsstufe (insgesamt 10 Klassen mit rund 270
Schüler(inne)n) wurden elf Vorschläge unterbreitet; jede(r) sollte daraus drei
auswählen und eine Präferenz angeben mit Erst-, Zweit- und Drittwunsch.
Am Montag der abgelaufenen Woche gingen Paare aus einem Schüler und einem
Lehrer (ich lasse die weiblichen Formen mal weg) durch die Klassen; ich hatte,
nicht ganz uneigennützig, den jüngsten Doppeljahrgang übernommen.
Bei der Vorstellung der Projekte haben sich der Schüler und ich klassenweise
abgewechselt; ich habe das vom Redakteur der Wahlblätter auf die Formulierung
"Barfuß im Wald" verkürzte Konzept immer etwas erläutert, der
16jährige Schüler - der nicht wusste, dass der Vorschlag von mir stammte -
immer mit einem gewissen Lächeln vorgelesen.
Meine Beobachtung: das einzige der elf Projekte, nach dem in jeder Klasse eine
Nachfrage gestellt wurde, war dieses.
3) Das Wahlergebnis
Die Schüler waren informiert, dass ihre Präferenzen wichtig sind, die
Organisierbarkeit aber ebenso - das betrifft besonders beschränkte Ressourcen
personeller oder materieller Art.
Deshalb sollte auch die Drittwahl noch ein
echter Wunsch sein (immerhin konnte man sich durch Nichtwählen ja gegen acht
Projekte entscheiden).
Mit Erstpräferenz wurden Projekte wie "Selbstverteidigung" oder
"Gewalt gegen Tiere", auch "Spuren von Gewalt in unserer
Schule" oder "Zeichen gegen Gewalt" (mit künstlerischem Inhalt)
stark gewählt, für das Barfußprojekt entschieden sich in Erstpräferenz knapp
zehn Mädchen bzw. Jungen.
Mit der Zweit- und Drittwahl waren es aber schon deutlich über vierzig! Und
da durch das zuständige Tierheim z. B. nicht mehrere Projektgruppen geschleust
werden und für Selbstverteidigungsprojekte nur in beschränkter Zahl Fachleute
gewonnen werden können, musste auf Zweit- und Drittwahlen ohnehin zugegriffen
werden.
Am Ende entstand eine Projektgruppe mit 27 Schülerinnen und Schülern aus
sieben Klassen der künftigen Jahrgangsstufen 6 und 7.
Nächster Schritt : Zuordnung von Lehrern zu den Projektgruppen.
Zu diesem
Zweck hing im Lehrerzimmer eine Übersicht der stattfindenden Projekte. Ich habe
mich flugs für "Barfuß im Wald" eingetragen und war äußerst
überrascht, dass sich drei weitere Kolleginnen eintrugen, wovon sich eine aber
durch eine befreundete Kollegin schnell zu deren Projekt abwerben ließ.
Einige Kolleg(inn)en begannen auch mir gegenüber ein leichtes Frotzeln,
ließen sich aber mit dem Argument "Sonst heißt das Managerseminar und
kostet mindest 1500 Mark pro Person" sehr schnell ruhigstellen.
Machen durfte ich die Vorbereitung dann aber doch alleine, weil der
Chefkoordinator - auch er hatte schon mal mit Barfuß im Wald geliebäugelt, als
Mittfünfziger wegen des Termins in der zweiten Septemberhälfte aber
gesundheitliche Bedenken bekommen - diese in ein verwaistes anderes Projekt
setzte. Ich habe kräftig reklamiert, hat aber erst einmal nichts geholfen.
4) Das Vortreffen
Viele der Projektideen waren noch sehr vage, und weil bestimmte Ideen ja auch
Vorlauf benötigen (Referenten oder Material besorgen etc.), gab es am Freitag
ein 90minütiges Vortreffen.
Die Idee, mir mit 27 Kindern, von denen ich übrigens kein einziges aus dem
Unterricht kenne, da ich derzeit nur in den oberen Klassen eingesetzt bin, an einem
warmen Morgen zwei Schulstunden lang über das Barfußlaufen nachzudenken, fand
ich nicht sehr prickelnd, und da sich unsere Schule zum Glück in Ortsrandlage
befindet, habe ich am Tag davor noch schnell einige barfußgeeignete Wege rund
um das Schulgelände ausgekundschaftet.
Wir begannen im Klassenraum im "Stuhlkreis" mit einer
Vorstellungsrunde und einer kurzen Diskussion über die Motive der einzelnen,
dieses Projekt zu wählen. Geäußert wurde die Hoffnung, ungewohnte Erfahrungen
zu machen und ein bisschen mutig sein zu können. Aber auch die Aussage
"ich gehe gern barfuß" kam, ein Junge erzählte vom Sommerurlaub beim
Zelten in Italien in Strandnähe, den er fast komplett barfuß verbringt, und
ein Mädchen war bei ihrer Oma auch schon wiederholt barfuß im Wald.
Sie
erzählte von Schnecken, auf die mit nackten Füßen besser nicht treten sollte,
und ich lenkte die Diskussion auf den Aspekt "Gewalt durch Schuhe" in
dem Sinne, dass man barfuß schon im eigenen Interesse auf den Boden sieht und
der Schnecke aus dem Wege geht, dies aber mit Schuhen im Zweifel nicht tut und
dadurch Tiere und Pflanzen Schaden nehmen (können).
Der Denkanstoß schien
viele erheblich nachdenklich zu machen (jemand witzelte, barfuß gehen wäre
dann auch so eine Art Tierschutz).
Nach diesem Teil stellte ich fest, dass wir rund um die Schule zwar keinen
Wald, aber interessante Wege hätten, und forderte alle auf, Schuhe und
Strümpfe auszuziehen, unter den Stühlen stehen zu lassen und mit mir Richtung
Schulhof zu gehen. Ein kurzer Einwurf, ob da nicht Fußpilzgefahr bestehe, ließ
sich mit einem kurzen "Wodurch denn ?" zerstreuen (jemand machte die
Anregung, unter diesen Umständen die Fenster des Klassenraums besser offen zu
lassen).
Und sofort ging ein beträchtlicher und deutlich geäußerter Aha - Effekt
los : wie interessant die wechselnden Bodenbeläge eines Schulgebäudes (wir
haben Bereiche mit Teppich, Parkett, Kunststoffnoppen etc.) und erst einmal der
warme Schulhof doch sein können, wenn man sich diese Eindrücke nicht durch
Schuhe vorenthält !
Über einen begrasten Bolzplatz führte uns die Wegführung auf einen Feldweg
mit Fahrspuren und hohen Gräsern in der Mitte, etliche fanden die Fahrspur
langweilig und das Gehen durch die Gräser viel spannender. Dieser Weg führte
auf eine im Bau befindliche Straße, im Einmündungsbereich lagen auf einer
Seite dicke Steine, auf der anderen feiner Kies.
Vorne gehend ging ich über den
Kies und äußerte, dass ganz Mutige ja über die Steine laufen könnten - mit
dem Effekt, dass nicht nur knapp die Hälfte über die Steine turnte, sondern
auch auf der Baustellenstraße nicht den schon fertigen Bürgersteig, sondern
die steinige Fahrspur wählte.
Eine asphaltierte Seitenstraße wurde als angenehm, aber eher langweilig
eingestuft, auf dem nächsten Feldweg konnten - im Interesse des Landwirts und
der Pflanzen - etliche nur mit Mühe davon abgehalten werden, das Getreidefeld
mal barfuß zu durchqueren.
Der Rückweg führte wieder auf den Feldweg vom Hinweg, weil die Füße den
aber schon kannten, erkundeten viele das Stoppelfeld nebenan und auch die
Heuschichten.
Und am Ende machten fast alle einen reichlich glücklichen Eindruck - und
waren verwundert, dass ihre Füße kaum schmutzig waren - ein Problem, an das
ich aber gedacht hatte und dafür ein Paket "feuchte Tücher" zum
Füßesäubern im Klassenraum mitgenommen hatte.
Ein Junge hatte allerdings mit dem Zeh eine Scherbe erwischt (ausgerechnet an
einer Stelle, wo ich ausdrücklich davor gewarnt und um genaues Hinsehen gebeten
hatte) und eine kleine Schnittwunde, und einige waren auch eher über die Wege
geeiert als gegangen (hoffentlich trainieren die bis September etwas).
Rund 20 Minuten Besprechungszeit blieben noch, und schnell einigten wir uns
auf einen Tag im Wald, einen im Gebirge und einen Dokumentations- und
Vorbereitungstag für die Präsentation, für die ein Mädchen den Aufbau eines
Fühlpfads mit zuvor gesammelten Materialien vorschlug.
Sie kannte dies auch als
Variante mit verbundenen Augen; mein Vorschlag, auch den Wald mal blind und
barfuß zu durchstreifen, stieß allerdings auf Skepsis.
Zum Schluss wurde von einer starken Mehrheit versichert, sie seien sehr froh,
in diesem Projekt gelandet zu sein. Ich ließ noch jeden ein Blatt ausfüllen
mit positiven und negativen Assoziationen zum Thema "Barfußgehen" mit
der Absicht, am Ende des Projekts zu überprüfen, ob die Meinungen sich evtl.
geändert haben.
Alles in allem war ich hochzufrieden und konnte gutgelaunt verkünden, mein
Projekt sei in doppeltem Wortsinn "bestens gelaufen".
5) Perspektiven
Wenn das Wetter im September mir keinen Strich durch die Rechnung macht,
hoffe ich auf ein sehr gelungenes Projekt.
Je nach Stimmung der Gruppe habe ich auch schon einmal überlegt, für Eltern
und Geschwister - und sonstige Interessierte, wie die Kolleginnen - eine
Barfußwanderung am Wochenende anzubieten.
Und ein Paket "Feuchte Tücher" schließe ich mal in der Schule ein
- für plötzliche Vertretungsstunden bei schönem Wetter in jüngeren Klassen.
Projektleiter
Hier noch die Äußerungen der Teilnehmer am "Barfuß im Wald gegen
Gewalt" - Projekt:
Ich hatte, wie ich schon schrieb, einen Bogen mit zwei Fußabdrücken
vorbereitet, wobei im großen Zeh des linken ein freundliches, im großen Zeh
des rechten Fußes ein unfreundliches Gesicht eingezeichnet war.
Je zwei Mädchen und Jungen gaben das Blatt ohne Antworten zurück.
Zwei
weitere Jungen antworteten inhaltlich fast aussagelos - bleiben noch 21.
Auf der negativen Seite finden sich gehäuft Verweise auf Scherben, spitze
Steine, Hundekot, Brennesseln, Disteln, Nägel und weitere Verletzungsgefahren -
aber auch, dass man sich die Füße waschen muss (wie lästig !)
Drei Mal wurde erwähnt, dass das Stoppelfeld gepickst habe (sicher eine
neugemachte Erfahrung) und einmal, dass es manchmal wehgetan habe - und ein
Mädchen fand, es habe zulange gedauert - wir waren gut dreißig Minuten barfuß
unterwegs - und wäre langweilig geworden.
Erfreulicherweise sind die positiven Äußerungen vielfältiger angelegt und
gehen mehr auf die aktuell gemachte Erfahrung ein.
Dass das Gehen auf Gras schön, ja aufregend gewesen sei, und
"Mann" (der Autor ist ca. 11, dürfte am ehesten noch nicht ganz
perfekt in Rechtschreibung sein) alles gemerkt habe, lese ich da, auch dass es
"etwas anderes", ja interessant und sogar lustig gewesen sei.
"Es ist ein anderes Gefühl als mit Schuhen", merkt ein Mädchen
positiv an, und ein anderes beschreibt als positiv, "dass man mal gespürt
hat, wie sich so unterschiedliche Dinge anfühlen", und ein drittes, dass
es Spaß mache, was zu machen, was man noch nie gemacht habe .
Ein Mädchen verweist auf die "Entspannung für die Füße", und
vier Jungen sind sich einig, dass "man der Natur gehört und einfach mal
ganz ohne Schuhe läuft, frei ist", von der Natur mehr sehe und lerne,
keine Tiere platt zutreten.
Zwei Mädchen schließlich legten noch eine Expertise vor, welche Böden sie
positiv einstufen : Moos, Gras, Steine, Kies, Stroh, heu, Holz, Erde, Sand,
Wasser, Styropor.
Soviel zum derzeitigen Stand der Befragung.
Projektleiter
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Projekt »Unten ohne - barfuß gegen Gewalt«
: Der Ablauf
(Forumberichte im Spätsommer 2001)
Voller Freude und sehr zufrieden denke ich an
das "Barfuß gegen Gewalt" - Projekt.
In den vergangenen vier Tagen (Dienstag bis Freitag) hat es nun stattgefunden
und war erfolgreicher, als vorher zu vermuten ich gewagt hätte.
Hier erst einmal ein Ablaufbericht:
Zur Erinnerung : unter dem Oberthema "Gewalt" hatte ich für die jüngste
Gruppe (6. und 7. Jahrgangsstufe) ein Körpererfahrungsprojekt "Barfuß
gegen Gewalt" initiiert. Aus den insgesamt immerhin 80 Interessierten, die
dieses Projekt als Erst-, Zweit- oder Drittwahl von elf angebotenen Themen
ausgewählt hatten (das entspricht einem Drittel der Schüler(innen) dieser
Stufe), wurden 27 diesem Projekt zugeordnet.
Unsere Schule befindet sich in Nordrhein - Westfalen nahe Bonn.
Dienstag, der erste der vier Tage, war zugleich der erste Praxistag. Er
sollte dem barfüßigen "Einlaufen" dienen, deshalb hatten wir (meine
barfußungeübte Kollegin und ich) eine angenehme Wegführung ausgewählt.
Beginnend in Bonn - Beuel auf den Rheinwiesen - nahe der Doppelkirche von
Schwarzrheindorf - führte der Weg barfuß über Wiese, Kiesel und Matsch (den
alle Teilnehmer gleich genussvoll auskosteten - zum alten jüdischen Friedhof.
Ihn hatten wir zwar wegen des Gewalt - Kontextes angesteuert (und entsprechend
thematisiert), aber es war auch ein sehr würdiger Platz, um die Geschichte vom
brennenden Dornbusch zu erzählen, an dem Moses seine Schuhe ausziehen sollte,
weil dies ein Heiliger Ort sei (meine Kollegin ist Religionslehrerin).
Von dort ist es nicht weit zur Siegfähre. Wegen des vielen Regens führte der
Fluss reichlich Wasser und hatte viel Strömung; die Idee, den Fluss zu
durchwaten, mussten wir - sehr zum Kummer einiger Kinder -fallen lassen.
Das Wetterglück dieses Tages blieb uns treu. Weiterhin war es trocken und die
Sonne schien; so konnte es ein Picknick gegen und anschließend eine barfüßige
Spielrunde auf einem Wiesenstück.
Weiter ging es quer über eine Wiese, erste Erfahrungen mit Brennnesseln wurden
gemacht - und dann war der einige Wochen zuvor erkundete Durchgang völlig
zugewachsen. Eine Schleife bot leider erst wieder in Sichtweite des Rastplatzes
die Möglichkeit, die Pflanzen und ein kleines Waldstück zu durchsteigen, so
dass - trotz wiederholter Erklärung - der Eindruck blieb, wir hätten uns
verlaufen.
Ein längeres Wegstück parallel der Sieg in Richtung ihrer Mündung führt über
einen Lehmweg.
Schließlich gelangt man zu einem Waldstück, in dem die letzte Station des
Dienstags beheimatet war : das Gehen mit verbundenen Augen durch den Wald unter
Partneranleitung.
Da es vorher einigen Widerspruch gegeben hatte ("das mache ich nie !")
haben wir das erst einmal auf dem Weg und einer Wiese geübt, danach trauten
sich alle und hatten - wie auf der gesamten Strecke - eine ungeheure Freude.
Einige hätten das offensichtlich gerne Stunden lang gemacht, aber der Zeitdruck
ließ das nicht zu.
An der Siegmündung fand sich schließlich eine wunderbare Stelle zum Füßewaschen.
Vorher geäußerte Bedenken, die Füße bekäme man ja nie wieder sauber, hatten
sich bereits zerstreut : die feuchten Wiesen hatten die von mir versprochene
Tauglichkeit als "große Füßewaschmaschine" bewiesen.
Am Ende waren einige sichtbar müde, aber nahezu alle machten einen sehr
zufriedenen Eindruck.
An beiden Tagen haben uns übrigens Elternteile begleitet; ich hatte vorher
gefragt, ob jemand für uns photographieren könnte und sogar ggflls. das
Anbehalten der Schuhe angeboten. Die beiden Väter und die Mutter gingen aber
wie wir barfuß mit und waren nicht nur selbst begeistert ("sollte man
wirklich viel öfter machen"), sondern haben auch sehr schöne und
ausdrucksvolle Photos gemacht, die diese Freude und Stimmung dokumentieren.
Auf dem letzten Stück zur Bushaltestelle hat meine Kollegin noch schnell bei
einem Gärtnereibetrieb die in einem Vorgarten ausgestochene Grasnabe für
unseren Tastpfad an Land gezogen, und dann ging es nach Hause (und zwei Schüler
wollten auch den Heimweg unbedingt barfuß bestreiten).
Weiter geht es mit Tag 2, Mittwoch: Im Bestreben, möglichst preiswert mit Öffentlichen
Verkehrsmitteln zu fahren, hatten wir einen etwas komplizierten Anfahrtsmodus
gewählt, aber kurz vor 10 Uhr stehen alle an der Wandertafel nahe der
"Villa Schaffhausen" in Bad Honnef.
Der Mittwoch ist recht kühl, aber wenigstens regnet es nicht (bis
Dienstag Mittag hatte der Wetterbericht noch Dauerregen verheißen).
Jetzt verschwinden die Schuhe in den Rucksäcken, eine Runde Melkfett für die
Fußsohlen wird spendiert und im Gänsemarsch setzt sich die Gruppe in Bewegung.
Schon bald geht es auf einem leicht steinigen Weg kräftig bergan und der
Unterschied zum Vortag wird über die Fußsohlen deutlich fühlbar. Doch
wirklich unangenehm wird es erst auf einem recht kurzen Stück eines der
typischen Wirtschaftswege im Siebengebirge, ehe es dann auf einem Naturpfad
rechts hoch Richtung Breiberg geht.
der Breiberg ist unser Ziel, denn wir führen die "Barfußerstbesteigung"
dieses Berges durch. Es geht eine knappe Viertelstunde über eine schöne stille
und nur mäßig steinige Wegpassage, dann kommt an einer Hütte der Abzweig mit
dem wieder steileren und über manch kleinere Hindernisse führenden Anstieg.
(Dem vorweggeschickten Vater gelingen hier schöne Photos von der wandernden
Gruppe und wandernden Füßen in voller Aktion).
Oben angekommen zieht es leider "wie Hechtsuppe", und bei dem kühlen
Wetter muss die Rast samt Gipfelfeier etwas kürzer ausfallen.
Das in drei Teilen mitgeführte Gipfelkreuz wird zusammengeschraubt und alle
Barfußwanderer dürfen sich auf dessen Querbalken und im mitgebrachten
"Gipfelbuch" verewigen. Und von allen werden Beweisphotos gemacht.
Weil die ersten aber bereits über kalte Füße klagen (bei dem kühlen Wetter
und kräftigem Wind wahrlich kein Wunder) wird schnell wieder aufgebrochen und
weitergewandert, das Kreuz des Zeitgewinns halber zusammengebaut mitgenommen (für
den Präsentationstag).
Noch einmal kommt eine sehr steinige Passage mit erheblichem Geklage, dann ist
der fortgesetzte Aufstieg beendet und wir beginnen den Abstieg durch das
Tretschbachtal.
Die Technik des barfüßigen Bergabsteigens wird kurz erklärt und unter großer
erwartungsfroher Zustimmung Matsch in Aussicht gestellt.
Den Abstieg genießen alle, viele lassen mit großer Freude keine matschige
Stelle aus, gehen sogar extra zurück, um sie noch einmal passieren zu können.
Der Pfad ist landschaftlich ebenfalls sehr schön und dass vor einer
Wegekreuzung auch durch den Bach gewatet werden kann, lässt sich über die Hälfte
kein zweites Mal sagen.
An der Wegekreuzung steht ein Auto der Forstverwaltung, sein freundlicher
Insasse empfiehlt den Weg rechts des Baches, er sei weniger matschig. Ich wollte
ohnehin links gehen, aber da es da Matsch geben soll ... wollten alle links.
Noch weiter unten war Gelegenheit zum Durchqueren des Flusses und barfüßigen
Querfeldeinklettern an einem belaubten Abhang. Das ließ auch nur aus, wer
bereits stehend k.o. war.
Ein schöner Rastplatz mit einem Teich schließt sich an, wo das Tretschbachtal
endet. Da jetzt auch etwas die Sonne herausgekommen war, fand kurz vor Schluss
endlich die Rast statt.
Vorbei am Ausgangspunkt ging es zu einem Brunnen und von dort mit sauberen und
wieder in Schuhen verpackten Füßen zum Zug zurück.
Und wie schon am Vortag musste ich zigmal erklären, dass das ungewohnte
Kribbeln in den Füßen von der fortgesetzten guten Durchblutung kommt und ein
sicheres Zeichen dafür ist, dass die Füße jetzt gar keine Schuhe fühlen
wollen.
(Am Freitag haben uns zahlreiche Mütter erzählt, dass ihre Kinder sich zuhause
noch die Füße eingecremet haben und dann ins Bett verschwunden sind. Und diese
Feststellung wurde in sehr positivem Sinne geschildert.)
Am Donnerstag, dem dritten Tag, fand die Auswertung in der Schule statt,
ihre Ergebnisse stelle ich noch gesondert zusammen.
Eine ganz wichtige und sehr erfreuliche Feststellung war, dass nicht ein
einziges Pflaster verbraucht wurde und trotz des bescheidenen Wetters niemand
Schnupfen oder Husten bekommen hatte !
Eine kleine Dokumentation unserer beiden Wanderungen entstand, dank der schönen
Photos sehr anschaulich bebildert.
Und dann die Präsentation am Freitag. Das Wetter war immer noch mau, der
Tastpfad konnte nur unter der überdachten Pausenhalle aufgebaut werden. Ein
Vater, von Beruf Architekt, hatte Sand, Kies und Rindenmulch spendiert, die
Grasnabe war angeliefert und Korken, Kiefernadeln, Stroh, Sägespäne und Laub
in Plastiksäcken herbeigeschafft worden. Aus alledem ergab sich ein gut fünfzehn
Meter langer und ein Meter breiter Pfad. (Regel : mit verbundenen Augen gehen
und auf dem Rückweg sagen, welches Material es jeweils ist.)
Daneben die Stellwände mit den Beschreibungen, mit Gipfelkreuz und -buch.
Ergebnis : der Tastpfad war nicht immer ganz so frequentiert wie es wünschenswert
gewesen wäre - aber wohl hundert Leute, Geschwister, Mitschüler, viele Elter,
auch einige Lehrer und der Hausmeister machten davon Gebrauch.
Und die Stellwände fanden viel Beachtung, längst nicht nur bei den Eltern der
beteiligten Schüler.
Rückmeldungen gab es reichlichst, fast ausschließlich sehr positiv. Es ergaben
sich etliche Gespräche, in denen Eltern von ihrer positiven Verwunderung
sprachen, dass wirklich niemand verletzt oder krank ist - eine gute Gelegenheit,
manchen Irrglauben richtig zu stellen.
Dass wir gleich mehrfach gesagt bekamen, unser Projekt sei das mit Abstand
kreativste und reizvollste überhaupt gewesen, betrachten wir durchaus als Ehre.
Und eine Mutter, deren kleiner Sohn mehrfach über den Tastpfad gelaufen war,
hofft schon inständig, dass es in sechs Jahren wieder angeboten wird, wenn der
Knabe in diesem Alter ist.
Dass ich mehr als zufrieden bin, muss da wohl nicht mehr betont werden. Zur
Nachahmung sehr empfohlen !
Projektleiter
Hallo zusammen,
hier kommt die Übersicht über die schriftlichen
Teilnehmeräußerungen.
Sie wurden am 3. Tag (Donnerstag) zu Beginn der Projektarbeit als sogenannte Schreibmeditation gemacht, d. h. man saß in zwei Teilgruppen vor je einem Tapetenstück und sollte sich ca. 15 min lang schweigend schriftlich äußern - auch aufeinander Bezug nehmend.
(Kurz zur Erinnerung : der Dienstag war der Eingewöhntag, eben und mit angenehmem Grund,
Mittwoch der Tag mit der Bergbesteigung).
Vorgabe : Ich fand das Barfußlaufen ...
| Allgemein | Dienstag | Mittwoch | |
| Positiv
| Toll, weil wir nicht über gepflasterte Wege gegangen sind, sondern über Matsch und Steine Mir hat das Barfußlaufen Spaß gemacht, weil es anders war als mit Schuhen Es hat mir SPAß gemacht (2x) Die beiden Tage, die wir gewandert sind, waren sehr schön, weil sie spannend waren, weil es Spaß gemacht hat, durch den Matsch und durch den Bach zu gehen An beiden Tagen gut, weil wir auch über Stämme geklettert sind Schön, weil es schönen Matsch gab am Dienstag besser, weil der Weg nicht so steinig war wie am Mittwoch Ich fand beide Ausflüge gut, weil man immer etwas zu tun hatte, z. B. irgendetwas ausweichen oder auf den Schritt achten | am Dienstag schön, weil man in Gebiete gekommen ist, die man noch nicht kannte Ich fand es am Dienstag gut, weil wir im Wald mit verbundenen Augen gelaufen sind Ich fand Dienstag besser, weil wir dort immer auf einer geraden Ebene gelaufen sind. Außerdem haben ir einen jüdischen Friedhof besucht Ich fand es am Dienstag super, weil wir fast nur über Gräser gelaufen sind Am Dienstag war es bequemer, auf den Wegen zu gehen, weil wir über Wiesen und durch Schlamm gelaufen sind ... Hast recht, es war viel bequemer Dienstag war es witzig, weil dort mehr Schlamm war Am Dienstag war es schön matschig, weil es geregnet hatte | Ich fand am Mittwoch fast alles super Am Mittwoch war es sehr schön Am Mittwoch ganz toll, weil der Weg zum Teil ganz matschig war, aber es war manchmal auch nicht so toll, weil man häufig über kleine Steine gehen musste Am Mittwoch war es schön. Als wir durch den Bach gelaufen sind Ich fand es gut am Mittwoch, weil wir viel durch den Schlamm gelaufen sind Mittwoch war es am schönsten, weil wir durch den Wald gelaufen sind Am Mittwoch fand ich den Bach schön Am Mittwoch war es besser als am Dienstag, weil es dort steiniger war Am Mittwoch fand ich es gut, weil die Umgebung schön war ... find ich auch |
| teils - teils | Gut, aber nicht so gut fand ich, dass es immer bis in den Nachmittag ging war klasse, die wehen Füße, weil es kribbelt wie eine Fußmassage | teilweise angenehm, teilweise qualvoll, weil es mal matschig, mal steinig war Der Mittwoch war sehr anspruchsvoll, weil wir da über viel mehr Steine gelaufen sind als am Dienstag | |
| negativ | Meine Füße tuen voll weh
| Ich fand Dienstag war es nicht so gut Am Dienstag nicht so schön, weil ich das Gefühl hatte, dass wir uns verlaufen hätten | Am Mittwoch nicht so schön, weil wir viel über Wege mit kleinen Steinen gegangen sind (2 x) Der Mittwoch war anstrengend, weil zuviel Steine lagen auf dem Weg nach oben Am Mittwoch schwieriger als am Dienstag, weil es am Mittwoch mehr weh getan hat |
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Ich hatte ja versprochen, nach der Schilderung der Abläufe des
Barfußerfahrungen - gegen - Gewalt - Projektes noch einige weitere
Informationen zu geben. Ich greife dazu auf verschiedene Unterlagen zurück und hoffe, dass sie auch
für andere hilfreich sein können.
Vielleicht hat ja auch noch jemand eine gute Idee zu ergänzen ?
1) Zur Organisation :
a) Meine Kollegin und ich sind beide Strecken vorher abgegangen und haben uns
eine Wegebeschreibung verschriftet. Ich glaube, dass es gerade bei einem solchen
Vorhaben wichtig ist, dass zwei Begleiter leidlich ortskundig sind - man weiß
ja bei aller Zuversicht, Vorsicht und guter Vorbereitung doch nie, was sein
wird.
b) Eine gute Information von Teilnehmern und Eltern ist wichtig, da immer mit
den bekannten Falschinformationen und Vorurteilen zu rechnen ist. Wir haben deshalb
Elterninformationsbriefe
geschrieben.
2) Das theoretische Gerüst
ist ja schon angefragt worden - im Forum, aber immer wieder auch von
Kolleg(innen und anderen Schüler(inne)n.
Zur Erinnerung : das Projekt war für die 6. / 7. Jahrgangsstufe (also 11 und
12jährige Schüler(innen) angelegt. Die Hauptargumentationsline - auch wegen der leicht einsichtigen
Vermittelbarkeit - beruht auf dem Ansatz als
"Körpererfahrungsprojekt": ausgehend von der sicher richtigen
Annahme, dass in unserem Raum die meisten Schüler Barfußerfahrungen vorwiegend
zwischen Bett und Badezimmer und im übrigen noch im Freibad sammeln, wird das
Barfußwandern als (kleine) Herausforderung dargestellt, die es ermöglicht,
eine zunächst als unwahrscheinlich oder sogar unmöglich eingestufte Leistung
zu vollbringen : etwa barfuß einen Berg zu ersteigen (selbst wenn er nur 313 m
hoch ist).
So kann jeder sich selbst beweisen, dass mehr in ihr oder ihm steckt,
als sie oder er sich zugetraut hätte - und Selbstvertrauen bzw.
Selbstsicherheit sind ganz wesentliche Faktoren bei der Abwehr und der Abkehr
von Gewalt (auf diesen Ansatz setzen z. B. auch Kletterprojekte u.a.m.).
Unsere weiteren Überlegungen sind in folgendes Schema gefasst : (Achtung,
Tabelle, evtl. scrollen !)
| Barfuß | Sinneserfahrung / Umgang mit dem eigenen Körper | Umgang mit anderen | Umgang mit der Natur |
Gewalt |
| der
Fuß und sein Aufbau (etwas Biologie); Fußreflexzonen; die Lehren von Kneipp etwas barfüßige Menschheits - Geschichte ein Auszug aus dem Buch von Browne, Mein linker Fuß, oder eine Schilderung von Contergangeschädigten, die mit Hilfe der Füße statt der Hände vieles erledigen können bzw. müssen | die Fußsohlen und ihr Tastsinn; Empfindsamkeit = Verwundbarkeit ? Rücksichtnahme im ureigensten Interesse;
spielerische "Fußgymnastik" unterwegs : Bar-Fußaktivitäten wie Balancieren und Klettern, Ergänzung: Kimspiele zur Sinneswahrnehmung | sich verlassen können auf andere - z. B. dem Vordermann folgend (Steigerung : mit verbundenen Augen); Gedanke der Solidarität und Rücksichtsnahme (in zunächst ungewohnter Situation, die man mit anderen teilt) Thematisierung von seelischer Gewalt gegenüber denen, die z. B. "die falschen Schuhe" tragen (In-/ Outgroup - Problematik bei Jugendlichen); Ergänzung : gewaltfreie und kooperative Spiele ( New Games) | Barfuß unterwegs - als ein Teil der Natur
Barfuß = "schutzlos" denn Schuhe ermöglichen ein Abstumpfen und unbeabsichtigtes, auch beabsichtigtes Zerstören von Pflanze, Tieren, Biotopen - Natur |
ist dann das, was als konträres Verhaltensmodell dasteht Die römische Legionärssandale als Beispiel für den "technischen Fortschritt" und als Grundlage des Römischen Imperiums Die Springerstiefel des Rechtsradikalen heute als äußeres Zeichen einer gewaltbereiten Einstellung |
3) Für den bei Projekttagen notwendigen und sinnvollen Präsentationstag
hatten wir angedacht :
a) den Bau eines Tastpfades;
b) eine Dokumentation des Projektablaufs in Wort und Bild;
c) eine Reflektion und
d) ein bildhafter Dialog zwischen unterschiedlich beschuhten
(Springerstiefel, Damentanzschuh, In-Turnschuh ...) und Bar- Füßen über
Schutz, Gefühl, Verkleidung, Prestige, Gewalt ...
(3d) haben wir - auch aus Zeitgründen - nicht realisiert; die reich
bebilderte Darstellung zu 3b) erwies sich als sehr lohnend !)
Nun noch der Wortlaut unserer Informationsbriefe :
Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Eltern,
die Projekttage rücken näher, und da wir die Zeit gut ausnutzen wollen, muss
schon im Vorfeld einiges organisiert werden.
Auf der ersten Besprechung vor den Ferien hatten wir uns innerhalb der Gruppe
schon auf einen groben Ablauf geeinigt.
Inzwischen haben wir Lehrer noch etwas weitergeplant und können diesen Ablauf
konkretisieren :
Am ersten Projekttag, also am Dienstag, 18. 09., wollen wir im Bereich der Siegmündung
einige Barfußerfahrungen sammeln - in ebenem Gelände und vorwiegend auf barfußfreundlichen
Gras-, Lehm- und Waldböden sowie im Wasser.
Dazu treffen wir uns [...] und fahren mit dem Linienbus 550 nach
Schwarzrheindorf. Von dort geht es am Rheinufer entlang zur Sieg und dann durch
die Siegaue nach Mondorf. Von dort fahren wir gegen 14.00 Uhr mit dem Bus zurück.
(Diese Zeitangabe kann natürlich nur ungefähr sein)
Am zweiten Projekttag, Mittwoch, wollen wir uns dann einer echten
Herausforderung stellen und uns die "Barfußerstbesteigung" des
Breibergs im Siebengebirge vornehmen. Der Startpunkt dazu liegt in Rhöndorf,
die Anreise erfolgt mit der Bahn. Wir ersteigen barfuß auf schmalen Naturpfaden
den Breiberg und kehren auf ähnlichen Wegen durch das Tretschbachtal zurück.
Am Mittwoch rechnen wir mit einer Rückfahrt gegen 14.30 Uhr ab Rhöndorf.
Der Donnerstag dient der Vorbereitung der Präsentation am Freitag: wir wollen
einen Barfuß - Tastpfad bauen und benötigen dazu geeignete Materialien.
Gedacht haben wir schon einmal an : Sand, Laub, Kies, Matsche, Mais, Rindenmulch,
Stron, ein Fell ...
Außerdem bräuchten wir : Dreiecktücher o. ä. zum Augen - Verbinden;
Materialien für seitliche Begrenzung; Eimer.
Wer hat solche Materialien übrig und kann sie für diesen Zweck zur Verfügung
stellen ? (Ideen zu anderen geeigneten Materialien sind ebenfalls herzlich
willkommen !)
Am Freitag kann vormittags der Tastpfad aufgebaut werden; nachmittags ist dann
die Präsentation für alle Schüler(innen) der Schule, deren Eltern,
Geschwister usw. (Bitte halten Sie sich diesen Nachmittag frei !)
Nun noch eine Reihe organisatorischer Einzelheiten :
Die Benutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel ist auch an den Projekttagen
nicht umsonst; da wir aber nach 9.00 Uhr mit Minigruppenkarten fahren, werden
wir mit 13,00 DM wohl auskommen (bitte am Dienstag mitbringen).
An den beiden ersten Tagen wollen wir auch jeweils ein Picknick machen. Schön wäre
es , wenn in der natürlichen Umgebung auch das Picknick naturnah ausfallen würde,
also z. B. mit Obst und Körnerbrot sowie Apfelschorle statt mit Chipstüten und
Cola.
Das Picknick ist am besten in einem Rucksack aufgehoben, in dem auch Schuhe während
der Barfußwanderungen verschwinden können. Eine zusätzliche Plastiktüte im
Rucksack kann das Sitzen auf feuchtem Untergrund ermöglichen, deshalb bitte
mitnehmen.
Ganz wichtig ist außerdem Regenzeug, denn wir hoffen zwar sehr auf sonniges
Wetter, können aber Regen leider nicht ausschließen und wollen uns davon nicht
abhalten lassen!
(Hier ist vielleicht auch eine günstige Gelegenheit, um auf denkbare Befürchtungen
einiger Eltern einzugehen : "Erkältungen " tragen einen irreführenden
Namen, sie werden nicht durch Kälte, sondern durch Ansteckung verursacht, eine
Auskühlung des Körpers kann dies bestenfalls erleichtern.
Während des Barfußgehens werden die Füße kräftig durchblutet und vom Körper
erwärmt, so dass das Erkältungsrisiko auch dann gering bleibt, wenn die Außentemperaturen
frisch sind.
Auch für kleine Verletzungen muss man unachtsam sein und z. B. in Dornen treten
oder sehr viel Pech haben; Verbandsmaterial nehmen wir für den
unwahrscheinlichen Fall der Fälle natürlich mit (ein eigenes Pflaster im
Rucksack kann aber auch nichts schaden).
Falls wir, was wir sehr hoffen, schönes und warmes Wetter haben, kann an der
Sieg auch eine Flußdurchquerung von Interessierten probiert werden, dafür wären
allerdings eine kurze (Bade-)Hose und ein Handtuch zum Abtrocknen notwendig.
Schließlich : wenn ein Elternteil uns photographierend oder filmend an einem
oder beiden Tage begleiten würde, wäre das eine tolle Sache für unsere
Dokumentation / Präsentation. Falls jemand das möglich machen kann und will,
melden Sie sich bitte bei uns (auch wenn Sie Ihre Schuhe anbehalten möchten
...).
Mit freundlichen F(Gr)üßen
Das Wetter entwickelte sich leider nicht positiv, und so kam es, wie es wohl
kommen musste : die erste um die Gesundheit ihrer Tochter zutiefst besorgte
Mutter rief an.
Dies gab den Ausschlag zu folgendem zweiten Brief :
Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Eltern,
inzwischen konnten wir noch einige weitere Sachverhalte im Vorfeld der
Projekttage klären.
a) Am Dienstag fährt unser Bus [...] nach Schwarzrheindorf.
b) Auch das Anfahrtproblem am Mittwoch ist schon in Gesprächen vorgeklärt.
[...] Auch hierzu brauchen wir Angaben, am Dienstag sagt uns bitte jeder bezüglich
des Anfahrtswegs Bescheid.
c) Mehrere Eltern haben uns Hilfe angeboten - als Fotografen oder bezüglich der
Materialbeschaffung für den Tastpfad. Wir möchten uns schon einmal herzlich
bedanken und melden uns in den nächsten Tagen bei Ihnen.
d) Das Wetter scheint sich, so ist es jedenfalls aus heutiger Sicht zu vermuten,
nicht ganz so vorteilhaft zu entwickeln, wie wir alle es uns für die
Projekttage gewünscht haben.
Nachdem nun schon von Elternseite erste Bedenken geäußert wurden, die
Witterungsbedingungen könnten sich beim Barfußgehen unvorteilhaft auf die
Gesundheit der Teilnehmer auswirken, möchten wir gerne noch folgende
Informationen nachreichen:
1) Selbstverständlich werden wir uns den Wettergegebenheiten anpassen, das heißt
bei ausgesprochen schlechtem Wetter die Wegstrecken insgesamt und / oder die
barfuß zu begehenden Wegstücke verkürzen. Wir wollen schließlich niemandes
Gesundheit - auch unsere eigene nicht - aufs Spiel setzen.
2) Die "Gefahren" werden allerdings allenthalben kräftig überschätzt;
darauf hatten wir schon im ersten Anschreiben hingewiesen.
Entscheidend ist der wirkungsvolle Schutz des gesamten Körpers vor Feuchtigkeit
(das muss das Regenzeug leisten) und Auskühlung (bei kühlem Wetter also warm
anziehen ). Über nackte Füße wird vom Körper nicht entscheidend mehr Wärme
"verloren" als über Gesicht, Hände, die Arme bei zu dünnem Pullover
usw. usf.
Wenn also an anderen Stellen des Körpers keine Wärme verloren geht, ist auch
bei kühleren Temperaturen das Barfußgehen ohne Risiko. Die Betonung liegt hier
auch und gerade auf Gehen, denn die Bewegung der Füße fördert ihre
Durchblutung und Erwärmung in ganz entscheidender Weise.
Aus diesem Grund werden wir geplante Pausen und Unterbrechungen - so sehr das zu
bedauern wäre - wenn nötig streichen oder verkürzen.
Sollten die Füße dennoch allzu kalt geworden sein, hilft ein raues Handtuch
(zum äußeren Reiben und damit Durchbluten) und zur Not die "Flucht"
in die Schuhe.
3) Einen weiteren wichtigen Sachverhalt möchten wir noch anfügen :
Wenn während der Barfußstrecken das Immunsystem des Körpers in Maßen
herausgefordert wird, kann das der Gesundheit insgesamt nur gut tun.
Im Internet finden sich (z. B. unter http://www.pfaffenwinkel.de/marktplatz/natur/glff.htm)
Erfahrungsberichte von Menschen, die häufig barfuß gehen und übereinstimmend
erklären, dass ihre Anfälligkeit für "Erkältungskrankheiten" stark
nachgelassen hat und sie fast immer ohne eine solche Erkrankung durch den Winter
kommen.
Dieser unter dem Begriff "Abhärtung" bekannte Effekt ist schon vor über
einhundert Jahren von Pfarrer Sebastian Kneipp populär gemacht worden.
4) Einige der Schüler(-innen) haben uns gesagt, sie würden sich im Gegenteil
auf etwas schwierigere Bedingungen schon freuen und diese als Herausforderung
betrachten.
Diese Sichtweise ist ganz im Sinne des Projektansatzes, denn wir wollen an
diesem Beispiel erfahren, dass mehr in jedem steckt, als sie oder er sich auf
Anhieb zugetraut hätte. Insofern wäre es auch ganz und gar widersinnig, jetzt
aufgrund nicht ganz idealer Witterungsbedingungen große Rückzieher zu machen.
Wir hoffen, mit diesen Ausführungen Sie und Euch noch einmal gut informiert zu
haben, und freuen uns auf die Projekttage.
Dieser Brief erfüllte insofern seinen Zweck, als uns keine weiteren
besorgten Anrufe erreichten ...
Für den dann später durchgeführten Wandertag mit der 6a habe ich einen
Zusammenschnitt beider Briefe hergestellt.
Gruß vom Projektleiter
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