Im Winter barfuß zur
Schule als Bestrafung
(aus verschiedenen Forumbeiträgen im Februar 1999)
Hallo liebe Barfuß - Gemeinde, als ich letztes Wochenende
bei meinen Eltern zu Hause war, habe ich nachfolgenden Zeitungsartikel gelesen. Da ich zur
Zeit noch unter Scannermangel leide, habe ich diesen Artikel abgetippt (schwitz) um ihn so
im Forum präsent zu machen.
Barfußlaufen im Winter schön und gut (macht man ja selber auch
bei Gelegenheit), aber was veranlasst Eltern dazu ihre Kinder zu zwingen, bei diesem doch
recht ungemütlichem Wetter barfuß zur Schule zu gehen? Was meint Ihr dazu?
Mit besten, in der Wohnung immer, barfüßigen Grüßen aus Berlin Thomas
Hier nun der Zeitungsbericht
:
Westfalenblatt- Nr. 35 von Donnerstag, den 11. Februar 1999
Weil sie ihre Schuhe nicht geputzt hatten
Kinder mussten
barfuß zur Schule
Von Christian Althoff Petershagen (WB).
Was geht nur in solchen Menschen vor? In der kleine Ortschaft Quetzen bei Petershagen
(Kreis Minden-Lübbecke) haben Eltern gestern morgen ihre Kinder bei Eiseskälte
barfuß
zur Schule geschickt. Damit sollten die drei Jungen dafür bestraft werden, dass
sie ihre
Schuhe nicht geputzt hatten. Es war gegen 7.40 Uhr, als einer Lehrerin auf dem Weg zur
Arbeit einer ihrer Schüler auffiel. Der 14-jährige Junge war bei minus einem Grad
barfuß auf dem feuchten Bürgersteig unterwegs. Die Lehrerin stoppte ihren Wagen und
winkte den frierenden Schüler zu sich ins Auto. Dann fuhr sie mit dem Jungen zu seinem
Elternhaus, dass
etwas zwei Kilometer entfernt liegt, um Schuhe und Stümpfe zu holen. Als
sie dort eintraf, standen die beiden neun und zwölf Jahre alten Brüder des Schülers
fröstelnd vor dem Haus- ebenfalls barfuß! Die Lehrerin klingelte, aber die Mutter
verweigerte die Herausgabe von Strümpfen und Schuhen. "Die Kinder haben heute ihre
Schuhe nicht geputzt. Also müssen sie barfuß zur Schule gehen!", rief sie und
schloss
die Haustür. Daraufhin alarmierte die Lehrerin die Polizei. Als zwei
Streifenbeamte die Mutter zur Rede stellten, verteidigte sie sich mit dem Hinweis auf die
ungeputzten Schuhe. Sie weigerte sich weiterhin, den Jungen Schuhe zu geben. Allerdings
erlaubte sie ihren Kindern jetzt ins Haus zu kommen. Ein Nachbar: "Die Kinder tun uns
wirklich leid. Als wir die beiden Jungen draußen barfuß stehen sahen, wollten wir sie zu
uns herein holen. Aber sie schüttelten nur verängstigt mit dem Kopf:" Nachbarn
wollen außerdem beobachtet haben, dass
das Ehepaar in der Vergangenheit mehrmals sein ein
Jahre altes Töchterchen ins Auto gesperrt hat, wenn es schrie. Die Polizei ermittelt
jetzt wegen Körperverletzung und Misshandlung
von Schutzbefohlenen gegen die Eltern.
Außerdem ist das Jugendamt informiert worden.
Barfuß als strafe ist ganz schlecht. Diese Kinder
werden
nie ein gesundes Verhältnis dazu kriegen, weil sie immer ein traumatisches Erlebnis
damit
verbinden.
Eltern sollten ihren kindfern die vorteile des Barfußlaufens
zeigen, sie dazu ermutigen
und mit gutem Beispiel vorangehen, aber sie nicht gegen ihren willen dazu zwingen, schon
gar nicht als Bestrafung für eine solche Lappalie.
Bei solchen Eltern denke ich manchmal, es müsste ein Elternschein
eingeführt werden --
eine der verantwortungsvollsten Tätigkeiten überhaupt, die Erziehung
von kindfern, darf
ohne jede Prüfung der persönlichen Eignung ausgeübt werden ...... (aber solche Gedanken
gehen für dieses Forum sicherlich zu weit)
Unci
Hallo Thomas, hallo Barfüßer, diesen Bericht, allerdings
nicht wörtlich übereinstimmend, habe ich in unserer Kölner Tageszeitung auch gelesen
(an Weiberfastnacht, wenn ich mich richtig erinnere). Natürlich hatte ich mir auch
überlegt, ob ich hier etwas dazu schreibe, fand das Thema aber ziemlich problematisch und
habe es danach schlicht aus den Augen verloren (kann ja mal passieren).
Im Grunde zeigt der Bericht für mich nur, dass Barfußlaufen so normal ist,
dass es sich
- wie alle anderen Lebensbereiche auch - zum vernünftigen Umgang ebenso eignet wie zum
Missbrauch - und letzterer liegt hier ziemlich eindeutig vor. Mit der gleichen Logik
könnten nicht ausgeschaltete Zimmerlampen abmontiert werden oder schmatzende Kinder
nichts mehr zu essen bekommen.
Ich bin durchaus der Meinung, dass Konsequenz bei der Erziehung von Kindern angebracht ist
und dass es verhältnismäßig wirkungsvoll ist, sie bei passender Gelegenheit auch mal
"auflaufen" zu lassen. Insofern war Barfußlaufen als Reaktion auf nichtgeputzte
Schuhe als Idee möglicherweise ganz akzeptabel - aber nur im Sommer und nicht bei
äußeren Bedingungen, die die Kinder gesundheitlichen Gefahren aussetzen (s. o.
"passende Gelegenheit").
Was übrig bleibt, sind in diesem Falle also mit großer Sicherheit bedauernswerte Kinder
verquerer Eltern - und eine tendenziell schlechte Barfußpresse. Tun wir was gegen
letzteres - den Kindern hilft hoffentlich das Jugendamt.
Herzliche Füße an alle Georg
[was veranlasst
Eltern dazu ihre Kinder zu zwingen bei
diesem doch recht ungemütlichem Wetter barfuß zur Schule zu gehen?]
Weiß ich nicht. Mein Opa musste auch immer barfuß zu Schule, allerdings, weil er in für
heutige Zeiten unvorstellbarer Armut lebte. Er hat übrigens alle Zehen behalten, auch
wenn sie mehr als einmal schwarzgefroren waren. Nur bei ganz tiefen Schnee (weil sich die
Schuhe dann nicht abnutzten) durften die Kinder Holzschuhe und Wollsocken tragen. Rainer
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