[Ist Rudi ein "alter Spinner" ?] [In Rudis Kindheit waren alle barfuß unterwegs]

Ist Rudi ein "alter Spinner" ?
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumbeiträgen im Herbst 1998)

Hallo Barfuß - Freunde ! Seit einigen Wochen stöbere ich nun schon in euerem Forum rum und freue mich, dass es noch mehr Gleichgesinnte gibt wie ich, doch wie mir scheint sind die meisten von euch so zwischen 15 und 30 Jahre alt.
Nun, mit 54 bin ich leider schon ein älteres Modell, was mich nicht davon abhält, soviel wie möglich barfuß unterwegs zu sein, im Sommer mehr draußen und im Winter halt im Haus, und dies seit Kindesbeinen (-füßen?!), mit einigen Unterbrüchen.
Hier am Zürichsee gingen wir alle damals von Mai bis August ohne Schuhe, auch in die Schule, das war einfach so üblich, heute sieht man das hier eher selten, und ich frag mich oft, wieso so wenige die heißen Tage ausnützen und barfuß laufen, wäre doch viel angenehmer.
Nach der Schulzeit war dann erst mal etwas Pause mit Barfußlaufen, wir wollten ja unbedingt erwachsen sein und es war einfach nicht Mode. Erst ab etwa 1966, als ich für 4 Jahre in Kanada lebte kamen mit der Flower-Power-Zeit auch nackte Füße wieder sehr "In", und so wurde ich eben auch ein sog. Freizeit-Hippie, lebte so ziemlich schuhlos durch die Sommerzeit, es war einfach herrlich.
Seit dieser Zeit, nun wieder zurück in der Schweiz hat mich das barfüßige Dasein nicht mehr losgelassen, und ich genieße es, ob nun im Garten, beim Einkaufen oder bei Ausflügen und Spaziergängen, auch wenn ich mich manchmal überwinden muss, wegen der Leute, die komisch gucken und vielleicht denken, dass ich doch ein bisschen zu alt wäre um mit bloßen Füssen und schwarzen Sohlen unterwegs zu sein. Was meint ihr dazu, bin ich nun ein "alter Spinner" ?
Leider ist der Sommer nun auch vorüber, trotzdem werde ich noch ab und zu kurz barfuß nach draußen gehen, es ist übrigens auch ein wonniges Gefühl, auf gefrorenem Boden oder im Schnee rumzulaufen, wenn man anschließend die Füße gut trocknet und an der Wärme ist kriegt man davon auch keine Erkältung, im Gegenteil, man wird eher noch resistenter gegen Schnupfen, Husten und so.
Ich hoffe, dass die Diskussionen in diesem Forum noch lange weitergehen, ich finde es echt cool übers Barfußfeeling zu plaudern und zu lesen! ...
Hab' endlich mal wieder meine PC-Tastatur reinigen müssen, ich konnte kaum mehr die Buchstaben unter dem Dreck sehen - und dies alles von meinen Fingern, obwohl die Hände mehrmals am Tag gewaschen werden! Wenn ich so dran denke, dass ich mit denen manchmal Schokolade in den Mund schiebe, an der Stirn kratze oder in der Nase bohre ;-) ... Da sind mir meine schwarzen Sohlen vom Barfußlaufen schon lieber, mit den Füssen führe ich ja keine der vorher erwähnten Tätigkeiten aus.
Und da es heute so schönes Wetter ist, werde ich mal kurz zum See runter spazieren, barfuß durchs feuchte Gras und dem Ufer entlang, wer weiß, vielleicht das letzte mal dieses Jahr.
Barfuß - Grüße an alle
Rudi

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In Rudis Kindheit waren alle von Ende April bis September barfuß unterwegs
(Forumbeitrag im Herbst 1998)

Wir hatten hier am Zürichsee wirklich eine herrliche Jugendzeit, Ende der 40er und anfangs 50er Jahre war die Region hier doch noch ziemlich ländlich, und es war selbstverständlich, dass wir Kinder den ganzen Sommer hindurch keine Strümpfe und Schuhe anzuziehen brauchten. Wir freuten uns im Frühling auf die ersten warmen Tage an denen wir erstmals wieder barfuß draußen rumtollen konnten und es war ein echter Wettbewerb, wer denn zuerst mit nackten Füssen zur Schule kam, und wenn die Mutter erwiderte, dass es noch etwas zu früh sei barfuß zu gehen, wurde gejammert und reklamiert, bis sie schließlich nachgeben musste.
So waren wir meistens von Ende April bis September barfuß unterwegs, bei unseren Pirschen im nahen Wald, auf den Feldern, am See und in der Schule. Oft spielten wir Verstecken auf den Bauerhöfen oder tummelten uns im Heustock, spielten auf den Wiesen und im Wald, hin und wieder schnitt uns das Gras dabei die Fußsohlen auf, und irgend einer zeigte dann stolz ein eingewachsenes Feldblümchen in seiner Fußsohle. Am schönsten war es jedoch im Bach, der gerade neben unserem Haus vorbei fließt, wir konnten im Bachbett spielen und auf Entdeckungsreisen gehen, Forellen unter den Steinen von Hand herausholen und Krebse fangen, welche öfters mit ihren Scheren in unsere Zehen kniffen. Übrigens wurden die Krebse dann von meiner Tante, die in der Nähe wohnte für uns gekocht, das war eine wahre Delikatesse (kann ich allerdings heute nicht mehr ganz begreifen ).
An einigen Stellen am Bachufer hatte es weiche, lehmige Flächen, es war ein Genuss mit den Füssen darin rumzulaufen und den Lehm zu fühlen, der wie breite Nudeln zwischen den Zehen hervorquoll. Da ich auch heute noch (oder wieder) im gleichen Haus wohne, mache ich im Sommer manchmal meine barfüßigen Streifzüge im Bach. Es ist alles noch da... nur die Fische sind sehr spärlich geworden, und Krebse hat es überhabt keine mehr (Wahrscheinlich haben wir alle aufgefressen!). Im Bach spielende Kinder habe ich auch selten mehr gesehen, obwohl sich die Einwohnerzahl seit damals mindestens verzehnfacht hat.
Leider war ja dann im Herbst wieder der Zwang da, die dicken gestrickten Strümpfe anzuziehen, aber wir freuten ja auch auf den Winter, auf die Schneeballschlachten und aufs Rodeln.
Etwa im 6. Schuljahr wurde das Barfußlaufen nicht mehr so oft praktiziert, wir wollten ja "erwachsen" aussehen, und Erwachsene laufen nun mal nicht mit nackten Füssen rum (! + ;-).
Ende der 60er (Hippie-Zeit) war Barfußlaufen wieder etwas opportuner, und seit diesen Jahren hat mich dies eigentlich nicht mehr losgelassen. In den Kinderjahren gehörte es sowieso zum normalen Outfit, keiner hat sich darum gekümmert oder irgendwelche Diskussionen ausgelöst. Das ist halt jetzt etwas anders, aber ich bleibe bei meinen barfüßigen Streifzügen, vielleicht ist es ansteckend, ich hoffe es.
Barfuß - Gruß Rudi
PS. Entschuldigt bitte allfällige orthographische und grammatikalische Fehler sowie Stilbrüche - leider bin ich auch kein Schriftsteller.

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