[Barfuß in der Kirche] Pfarrer leitet zur Selbsterfahrung barfuß an

Barfuß in der Kirche
(Forumbeiträge seit Sommer 1999)

Hallo Leute, ich bin 19 Jahre alt und hatte vor einigen Tagen ein schönes Barfuß - Erlebnis.
Nachdem ich gegen meine beste Freundin eine Wette verloren hatte, musste ich als Wett - Einsatz vergangen Sonntag barfuß in die Kirche zum Gottesdienst gehen! Normalerweise gehe ich zwar dort schon regelmäßig hin, dann aber nur mit Schuhen. Aber es hat schon etwas für sich, so als einzige barfuß unter den Leuten in einer gutbesuchten Kirche!
Lustig dabei war, dass ich neben einigen betagteren Personen (ca. 70-80 Jahre) saß, die, vor allem die Frau neben mir, ständig auf meine Füße sahen. Bei der heiligen Kommunion, als ich die Hostie abholen konnte, war es ebenfalls sehr lustig, als der Pfarrer mich plötzlich ein wenig komisch betrachtete, dann aber doch lächelte. Vor allem die Erwachsenen mit Kindern schauten aber ein wenig verduzt.
Nach dem Gottesdienst traf ich die alte Dame noch mal, die neben mir gesessen hatte und erzählte mir, dass sie es toll findet, wenn es heutzutage noch Leute gibt, die barfuß "durch die Welt schlendern", früher habe sie das mit ihren Geschwistern täglich gemacht. Alles in allem hat diese neue Gottesdienst - Erfahrung wirklich Spaß gemacht.
Ich kann nur jedem raten, dies ebenfalls mal zu tun, zumal man so Gott noch näher sein kann *smile*, zumindest mit den Füßen. Hatte vielleicht hier auch schon mal so eine Erfahrung?
Füßlich Grüß ich, Bia (Bianca Becker)

Hallo Bianca, also dein Erlebnis finde ich ja wirklich super cool ! Kann ich mir so richtig vorstellen wie man sich fühlt, als einzige barfuß und dann auch noch in der Kirche.
Aber auch gerade mit den Älteren (aber nicht alle)  - könnte ich mir vorstellen - ist es manchmal alles andere als leicht, wenn sie jemand barfuß in der Kirche sehen und dann ist das auch noch ein Jugendlicher... umso besser finde ich es von dir, dass du es gemacht hast - ich hätte es mich glaub ich nicht getraut (aber  so oft würde ich eh nicht dazu kommen, weil ich nicht gerade häufig in die Kirche komme).
Mit dem barfuß laufen als Wetteinsatz hast du mich auf eine gute Idee gebracht ! Vielleicht sollte ich das auch mal so machen bei der nächsten Wette. tschüss, Petra

Hallo Bianca, alle Achtung! Das hätte ich mich nie getraut!
Wegen einer Wette bin ich zwar schon bei -10 Grad über einen zugefrorenen See gewandert, aber da waren wir wenigstens mehrere Leute. Aber völlig allein barfuß in der Kirche?
Ich hoffe, Du läufst jedoch nicht nur nach verlorenen Wetten barfuß, sondern auch sonst so oft es geht!
Grüße Bernd

Früher eher weniger, doch habe ich bereits Geschmack daran gefunden. Vielleicht gehe ich demnächst auch mal barfüßig zur Schule. Die Berichte darüber im "Best of" - Archiv fand ich sehr interessant. Bianca

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es so schwer ist, barfuß in die Kirche zu gehen, wo doch Jesus seine Jünger beauftragt hat, ohne Schuhe missionieren zu gehen (Matthäus 10,10). Und die anderen biblischen Religionen Judentum und Islam verbieten das beschuhte Betreten der Gotteshäuser grundsätzlich!
Deshalb trage ich mich schon lange mit dem Gedanken, barfuß in die Kirche zu gehen, aber gerade das habe ich noch nicht geschafft, obwohl mich alle Leute aus der Pfarrei als Barfußläufer kennen. Zu sehr habe ich Bedenken, die braven Leutchen in ihren Sonntagsanzügen vor den Kopf zu stoßen.
Außerhalb des Gottesdienstes bin ich allerdings schon einige Male barfuß zu kirchlichen Veranstaltungen gegangen (Pfarrfest, Fastenessen, Brasilien - Arbeitskreis). Ich will aber die demnächst anstehende Aktionswoche für unsere brasilianische Partnergemeinde als Anlass zu einigen barfüßigen Kirchgängen nutzen.
Ich denke, freiwilliger Verzicht auf ein für fast jedermann unverzichtbares Wohlstandsgut passt hervorragend zur Dritte - Welt - Thematik. Und im Oktober ist der Verzicht angesichts der fußkalten Kirche auch glaubwürdig ... Serfuß, Lorenz

Ich bin zwar kein Kirchgänger aber ich habe trotz meiner relativ kurzen Barfußzeit inzwischen mehrfach die Erfahrung gemacht, dass gerade ältere Leute das Barfußgehen nachvollziehen können, da sie in frühester Jugend aus Mangel an Finanzen regelmäßig barfuß gegangen sind. Schuhe gab's nur sonntags und zu Feierlichkeiten .... und natürlich in der Kirche ;-) (Jetzt verstehe ich natürlich die Reaktion der älteren Dame ;-) )
Gruß Dirk

Hallo Bia, den Zusammenhang Deines Kirchenerlebnisses finde ich urig. Vor etwa 8 Jahren fand ich einer katholischen Kirche ein Gottesdienst statt, bei dem afrikanische Stammesangehörige mitwirkten. Die Gemeinde hatte einen älteren Pastor und galt bei manchen Leuten als recht konservativ.
Im Gottesdienst (Thema "Eine Welt") wurde dann auch in Stammstracht getanzt, und zwar Frauen und Männer fast ganz nackt, natürlich barfuß (auf dem Marmorboden) und mit Trommelmusik. Die Sache wurde von den Gläubigen völlig "cool" gehandhabt - als wäre es ein Bach auf der Orgel gewesen ... Vor einer Woche fand in einer mir bekannten Kirche (ev.) ein Sondergottesdienst statt, bei dem auch Kirchenobere und viel auswärtige Gäste waren. Die Hütte war zum Brechen voll. Vor allem Kinder kamen im Sommerdress, ein Junge mit nacktem Oberkörper und ein Mädchen barfuß. Dort kommt der Organist auch oft barfuß mit Birkenstocklatschen, und der Pfarrer im schwarzen Motorradanzug und mit BMW-Maschine.
Hier noch ein Literaturtipp zum Thema: "Mein Liederbuch für heute und morgen" (Hrsg. Arbeitskreis kulturelle Bildung, Medienarbeit Ev. Kirche im Rheinland u.a.) Seite D15 (Barfuß - Demonstranten), Lied D23:
"Kaum bemerkt und unerkannt,
zog er damals durch das Land,
einem Bettler gut
genug war, was er am Leibe trug.
Barfuß lief er obendrein.
Nein, wer konnte das schon sein?!"
(Text und Melodie: Georges Moustaki.)
P. S. Vermutlich würde dieser Jemand heute aus den meisten Gotteshäusern rausgeschmissen werden.
Jörg (2)

Soweit ich weiß muss man bei fast allen Weltreligionen die "heiligen Stätten" barfuß oder zumindest ohne Schuhe betreten; beim Christentum wird man da aber dann sehr schief angesehen, obwohl die in den Kirchen ausgestellten Bilder meist barfüßige Menschen zeigen.
Ich habe es bisher nur gewagt außerhalb meines Wohnradiusses den Frauendom in München und den Dom und zwei andere Kirchen in Fulda barfuß zu betreten. Angesprochen wurde ich nicht aber die Gedanken diverser Leute hätte ich schon gerne gelesen. Es hat mich aber auch viel Überwindung gekostet diese Häuser barfuß zu betreten.
Lothar

Hi BarfußkollegInnen, ich muss sagen, dass es in der Bibel meines Wissens nach nicht verboten wird, heilige Stätten barfuß zu betreten. Genauso wenig werden auch die Ehe für Priester oder die Priesterweihe für Frauen verboten.
So sind viele Vorschriften der heutigen Zeit nicht aus der Bibel abzuleiten, sondern Gesetze der Kirche. So ist es in katholischen Gotteshäusern Männern nicht erlaubt, Kopfbedeckung zu tragen, Frauen dagegen schon. Wenn ein Mann mit Kopfbedeckung den Kölner Dom betritt, wird er von den Schweizern aufgefordert, diese abzunehmen. In einem jüdischen Gotteshaus dagegen ist Kopfbedeckung für alle Vorschrift.
Ich war mal im Winter in einer Synagoge in Prag. Die meisten von uns haben ihren Schal um den Kopf gebunden. Wer nichts dabei hatte, der musste sich so was wie einen Pappdeckel aufsetzen. Erinnerte irgendwie an ein Pommesschälchen, aber der Kopf war bedeckt.
In Deutschland ist es kein Problem, in kurzen Hosen eine katholische Kirche zu betreten, in Italien dagegen müssen zumindest die Knie bedeckt sein. Auch Spagetthi - Träger sind dort nicht geduldet.
So gibt es also auch innerhalb der Kirche nicht immer einheitlich Kleidungsvorschriften. Ich bin schon an vielen Orten barfuß gewesen, aber noch nie in einer Kirche, weil ich einfach davon ausging, dass es nicht erlaubt ist. Nachdem ich durch das Forum erfahren habe, dass es schon einige Teilnehmer getan haben, bin ich natürlich nachdenklich geworden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man im Kölner Dom als Barfüßer rausgeschickt wird. Im Bonner Münster, wo es keine Aufpasser gibt, wäre es vielleicht mal einen Versuch wert. Vielleicht berichten ja mal ja einige Leute, was für Barfußerfahrungen sie in der Kirche gemacht haben. Würde mich mal sehr interessieren.
Barfüßigste Grüße ANDREA

Hallo Andrea interessantes Thema das Du aufwirfst. Aufgrund zweier Bibelstellen habe ich dazu bereits im WWW etwas recherchiert. Es gibt viele barfüßige Beispiele von Gläubigen in und um die Kirche. Besonders in Wallfahrtsorten. (Medjugore, St. Patrick...).
Hier die Bibelstellen:
Jessaia 5,13 - 15
Und es begab sich, als Josua bei Jericho war, dass er seine Augen aufhob und gewahr wurde, dass (a) ein Mann ihm gegenüberstand und ein bloßes Schwert in seiner Hand hatte. Und Josua ging zu ihm und sprach zu ihm: Gehörst du zu uns oder zu unsern Feinden? [5,14] Er sprach: Nein, sondern ich bin der Fürst über das Heer des HERRN und bin jetzt gekommen. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach zu ihm: Was sagt mein Herr seinem Knecht? [5,15] Und der Fürst über das Heer des HERRN sprach zu Josua: (a) Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig. Und so tat Josua.
Moses . 3,5
Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn (a) (b) der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!
Ich gehe sooft wie möglich barfuß in die Kirche und hatte noch nie Probleme. Im Gegenteil, barfußlaufen in einer Kirche ist ein besonderes Erlebnis, wenn man etwas feinfühlig ist.
Liebe Grüße aus der Schweiz (Wabern) Marc

Ich habe noch eine witzige Idee: Einen Gottesdienst zum Thema "Gottes Erdboden" mit Fühlpfad in der Kirche auszuarbeiten. Dabei ginge es um den Boden als Lebensgrundlage der Menschheit, drohende Folgen durch kurzfristige Ausbeutung intensiv genutzter Ackerflächen, nachhaltiges Wirtschaften im Respekt vor Gottes Schöpfung.
Am liebsten würde ich die Leute über den Fühlpfad barfuß zur Kommunion gehen lassen ...
Herzliche Füße, Lorenz

Ich bin nicht mehr absolut sicher, aber ich glaube, ich war schon mal barfuß im Kölner Dom.
Ganz sicher war ich barfuß in vielen Kirchen in Malta, sowie zweimal in der Kirche von Appenzell. Probleme hatte ich jedenfalls nirgends!
In Florenz müsste es vorgeschrieben sein, barfuß zu laufen, denn da läuft man über unzählige uralte Gräber, deren Inschriften man kaum noch entziffern kann, weil so viele mit Schuhen darüber gelaufen sind! Für mich absolut unverständlich, so was!
In Japan besuchten wir sogenannte "Schreine", also Tempel, und da sind Schuhe wirklich verboten. Auf der Strasse läuft man so gut wie niemals ohne Schuhe, aber die zieht man aus, sobald man ein Haus betritt, nicht nur in den Kirchen. In Bangkok war das Ausziehen der Schuhe vor dem Betreten eines Tempels für die meisten sehr überraschend! Draußen passte ein Junge auf die ausgezogenen und teilweise fürchterlich stinkenden Schuhe auf. Am folgenden Tag hatten alle die Füße gewaschen, es stank also nicht mehr.
Roland Schorno

Hallo, bei meinem letztjährigen (vorwiegend barfüßigem) mehrtägigem Londonaufenthalt habe ich mehrere Kirchen barfuß besucht - ein wahrer Genuss bei ansonsten sehr heißen Gehwegen. Angesprochen hat mich aber niemand und trotz einiger Einlasskontrollen (z.B. St. Pauls Cathedral) gab es keinerlei Probleme mit unten - ohne. Grüße Kai

Eine "klassische" Hochzeit beinhaltet ja einen Gottesdienst, und da gehören Barfüße einfach nicht hin (ganz zu schweigen von der Verwandtschaft! Was sollen denn die sagen?!). Nee, echt nicht.
Ansonsten aber können Brautleute durchaus barfuß gehen, schließlich ist so ein Fest ja in der Regel was Fröhliches! Und wenn Barfußlaufen der Persönlichkeit des Paares entspricht, dann sollten sie es erst recht tun!!
Ich selbst habe nicht vor, bald zu heiraten, echt nicht. Aber als Hochzeitsgast (ich komme jetzt in das Alter, wo sich solche Anlässe plötzlich häufen) habe ich schon oft die Schuhe nach der Kirche ausgezogen. V.a. zum Tanzen ist das natürlich klasse!
Liebe Grüße Lotsi

Ich werde bei Kommunion und Firmung meiner Töchter (beides im Mai dieses Jahres) wohl auch mit Schuhen auftreten. Wegen der vielen Freundinnen und deren Familien.
Ich muss es nur irgendwie hinkriegen, dass ich im idealen Barfußmonat Mai nicht zwei ganze Tage mit Schuhen durchhalten muss :-((
Ich sehe allerdings nicht ein, warum Barfüße nicht in einen Gottesdienst gehören! In der Basilika Benediktbeuern prangen Dutzende von Barockengeln von den Bildern und den Stuckaturen -- alle barfuß!
Nach der Bibel tritt man nicht mit Schuhen vor Gott; er sprach ja zu Moses: "zieh deine Schuhe aus, denn du stehst auf heiligen Boden!"
Im Islam wird das heute noch ernst genommen.
In vergangenen Jahrhunderten standen barfüßige Bettelmönche in hohem Ansehen -- Franz von Assisi war der berühmteste.
Ich verstehe nicht, warum das Christentum diese Kehrtwendung gemacht und einen noblen Dresscode für den Gottesdienst eingeführt hat. Mit Demut vor Gott hat das sicher nichts zu tun.
Im letzten Sommer bin ich auch einige Male barfuß in den normalen Sonntagsgottesdienst gegangen. Es war gar nicht einfach, mich dazu durchzuringen. In unserer Gemeinde werde ich auch richtig verstanden, mein Barfußgehen kommt ganz und gar nicht als provokanter Tabubruch rüber. Und bei Festgottesdiensten mache ich den Dresscode ja auch mit.
Bei der Verabschiedungsfeier für unseren bisherigen Pfarrer im vergangenen September hatte ich auch Schuhe an. Danach stand er an der Kirchentür, um sich von jedem persönlich zu verabschieden. Fragt er mich doch: "Warum hast Du denn Schuhe an?"
In unserer Gemeinde werde ich jedenfalls richtig verstanden: als ein Mensch, der nichts vorgaukeln möchte, was er nicht ernst meint. Mein Barfußgehen stößt niemanden vor den Kopf.
Herzliche Füße, Lorenz

Lieber Lorenz! Deine Argumentation ist - wie gewohnt - sehr überzeugend und treffend. Wir beide sind gar nicht weit voneinander entfernt, deshalb möchte ich meinen Standpunkt genauer erläutern:
Am weitesten sind wir wohl nur in der Frage der Konfession entfernt: Als echte Mittelfränkin bin ich natürlich lutherisch bis ins Mark; Du als Unterfranke bist wohl eher katholisch (ach ja, Du sprachst ja gerade von Kommunion/ Firmung Deiner Töchter) - aber dies ist hier natürlich völlig unerheblich.
Die biblische Überlieferung ist sicher - um es so banal zu sagen - nicht barfußfeindlich. Gut, dass darin so viele Barfüße vorkommen ist - ebenfalls banal festgestellt - auch eine Frage des Raums und der Zeit (Naher Osten vor 2000 Jahren).
Wir aber haben uns - auch - mit der kirchlichen Realität in Mitteleuropa 2000 Jahre später auseinander zu setzen. Du nennst den Schlüsselbegriff ja selbst: "Dresscode". Das ist es. Den hat die Kirche (oder haben die Gläubigen) entwickelt; dieser bildet eine gesellschaftliche Norm (na ja, eher ein Dogma).
Es ist schlicht provokant, barfuß in Kirchen zu laufen. Ich möchte dies einfach nicht. Auch wenn - wie Du richtig sagst, Lorenz - die Argumente sozusagen durch Gottes Wort gesprochen auf Seiten der Barfüßer sind - so ist es doch eine Provokation der meisten anderen Gläubigen, eine Unhöflichkeit, derer ich mich irgendwie schämen würde.
Auch wenn Du, Lorenz, so gute Erfahrungen gemacht hast: wie lange musstest Du quasi "missionieren", bis Dein Lebensstil so weit beachtet wurde? Diese Energie (und für Deinen missionarischen, nein, eher aufklärerischen Enthusiasmus verdienst Du auch höchste Anerkennung!!) bringt nicht jede(r) auf! Ich z.B. kneife da, ich will nicht derart die Speerspitze der Aufklärung sein, und deshalb gehe ich mit Schuhen in die Kirche.
Weiß Gott, ich laufe so viel barfuß; die paar Stunden überstehe ich schon.
Nochmals: Prinzipiell hast Du völlig Recht! Aber es gibt "Codes", "Normen", "Dogmen", wasweißich, die zu befolgen leichter (und ratsamer) ist, ohne an Lebensqualität einbüßen zu müssen.
Dieser "Dresscode" ist ja schon seit Jahrhunderten eingeübt. Ein Freund von mir, der Geschichte studiert hat, erzählte mal (weiß nicht, wie er mir gegenüber da drauf kam ...), dass es schon im Mittelalter (das ja keine Freiheitsstrafen kannte) eine schlimme gerichtlich auferlegte Strafe war, barfuß vor der Kirche herumlaufen zu müssen und zu kehren. Barfuß ist gleich Büßer; in jeder Beziehung.
Noch bis ins vergangene (also das 20.) Jahrhundert hinein haben die Leute in (ländlichen) Regionen, wo sonst alle fast das ganze Jahr barfuß liefen, Sonntags die Schuhe bis vor die Kirche getragen und (um sie zu schonen) und erst dann angezogen (und nachher gleich wieder aus; noch meine Oma hat das so gemacht). Schuhe in der Kirche zu tragen ist also nicht erst eine Degeneration in Zeiten der Moderne, es war wohl schon immer so.
Also: Wir dürfen uns nicht nur auf die biblische Überlieferung berufen, sondern müssen auch die kirchliche Tradition im Alltag in Betracht ziehen, wenn wir über "Normen" des Kirchenbesuchs reden.
Wer es aber sich traut, selbstbewusst barfuß in die Kirche zu gehen, der hat meine Anerkennung, nicht meine Geringschätzung! Ich persönlich mache es nicht, aber ich bin keinesfalls beleidigt, wenn es einer tut; im Gegenteil.
Ich war mal barfuß auf einem Kirchentag, aber da ist das wiederum fast ganz normal. Nur im Kirchengebäude eben nicht. Sicher, Lorenz: Das ist eigentlich nicht in Ordnung.
Soviel (wieder viel zuviel) dazu Liebe Grüße Lotsi

[Am weitesten in Frage der Konfession entfernt ... bin lutherisch bis ins Mark; Du bist katholisch - aber dies ist hier unerheblich]
Für mich zählt die Trennung der Kirchen nicht, und habe auch viele Jahre im evangelischen Posaunenchor mitgewirkt. Dabei bin ich auch einige Male barfuß aufgetreten, aber nur bei Gottesdiensten, die unter freiem Himmel stattfanden!
[schlicht provokant, barfuß in Kirchen zu laufen ... wie lange musstest Du "missionieren", bis Dein Lebensstil beachtet wurde?]
Es ist tatsächlich so, dass ich mich da ganz behutsam herangetastet habe. Zuerst ging ich barfuß zu einem Fastenessen, bei dem brasilianischer Bohneneintopf zugunsten unserer dortigen Partnergemeinde verkauft wurde. Dann auch zu Treffen des Arbeitskreises, der diese Partnergemeinde unterstützt und sonstigen Veranstaltungen außerhalb des Gottesdienstes.
Für das Pfarrfest war mein Barfußparcours eingeplant, das fiel dann leider wegen Dauerregen aus. Und schließlich war niemand mehr "von den Socken", als ich auch einige Male unbeschuht beim normalen Gottesdienst auftauchte.
[schon im Mittelalter schlimme gerichtlich auferlegte Strafe, barfuß vor Kirche herumlaufen zu müssen und zu kehren. Barfuß gleich Büßer; in jeder Beziehung]
Das war eine Strafe von Leuten höheren Standes (von der normalen Bevölkerung sagt die Geschichtsschreibung ja sehr wenig). Es war für die oberen Zehntausend schrecklich, sich auf die Stufe der einfachen Leute begeben zu müssen.
Ich verstehe Christentum anders: Millionen von Menschen, die sich keine Schuhe leisten können, sind meine Brüder. Und es schändet mich nicht, mit meinen bloßen Füßen zu ihnen zu stehen.
Den Geldbetrag, den ich schätzungsweise an Schuhen spare, spende ich seit einigen Jahren an unsere brasilianische Partnergemeinde.
[Noch bis ins vergangene (also das 20.) Jahrhundert hinein haben Leute in (ländlichen) Regionen, wo sonst alle fast das ganze Jahr barfuß liefen, Sonntags Schuhe bis vor Kirche getragen und erst dann angezogen (und nachher gleich wieder aus). Schuhe in Kirche zu tragen ist also nicht Degeneration in Zeiten der Moderne, war wohl schon immer so]
Der Wurzel dieser bekannten ländlichen Tradition müssen wir mal nachspüren, wenn ich nicht so wie jetzt schon auf dem Sprung zur Arbeit bin :-(( Schöne Füße, Lorenz

["klassische" Hochzeit beinhaltet Gottesdienst, da gehören Barfüße nicht hin ...]
Hallo, ja sag mal, wie kommst du denn darauf?????
Die Kirche ist doch der Ort Gottes und der Ort wo man an Jesus denkt. Und ich habe noch keine Darstellung Jesus gesehen, auf der er Schuhe trägt. Er wird immer barfuß dargestellt, oder eben ohne Socken in den für ihn so typischen berühmten JESUSLATSCHEN. Jesus und Barfuß- in- Sandalen, das gehört einfach zusammen. Also wäre man barfuß in solchen "Latschen" in der Kirche eigentlich genau am richtigen Ort. Hinderungsgrund ist nur die "liebe" Verwandtschaft und nicht die Tatsache, dass man in der Kirche ist.
Nichts desto trotz habe auch ich, stilwidrig, mit Schuhen geheiratet. Man will ja nicht gerade auf der Hochzeit für einen (Familien-) "Skandal" sorgen.
Gruß, Bernd A.

[schlicht provokant, barfuß in Kirchen zu laufen. Ich möchte dies einfach nicht]
Na ja, kommt auf die Kirche an. Wenn ich mal eine fremde Kirche besichtige, ziehe ich dafür (meistens das einzige Mal am Tag) Schuhe an.
Aber in der Gemeinde, die ich neuerdings regelmäßig aufsuche, wird es nach meiner Einschätzung nicht so empfunden werden. Michel

Liebe Lotsi, ob Du barfuß in Kirchen gehst oder nicht, ist einzig und allein D E I N E Sache.
Allerdings scheint mir Deine Argumentation schon etwas zu 'banal'.
Leider ist es heute wohl so, dass man und frau zur Kirche gehen, um zu sehen, wer sonst noch kommt und in welchem 'outfit'. Schließlich gibt's ja einen Dresscode und über was wollte man denn nach der Kirch auch diskutieren, wenn nicht über Frau Meiers neue Robe oder Herr Müllers abgelatschte Schuhe? Sicher nicht über die Predigt, das wär ja viel zu 'banal' ...
Verständlich, dass man sich in einer solchen Umgebung nicht den Hunden zum Fraß vorwirft. Doch, ist das noch eine christliche Glaubensgemeinschaft, die aus inniger Überzeugung zusammenkommt um gemeinsam vor dem Herrn ihren Glauben kund zu tun oder ein religiöses Fest zu feiern?
Oder handelt es sich, gerade bei einem Fest wie der Hochzeit, vielmehr um einen social event, wo Dresscode, Erscheinungsbild etc. viel mehr zählen?
Bei uns war es zu 90% so und ich hab mich dafür am nächsten Tag in der gleichen Kirche, barfuß und in einfachen Kleidern, vor meinem Gott entschuldigt ...
Seit damals geh ich nur noch barfuß in die Kirche und im Winter zieh ich mir vor der Tür die Schuhe aus. Wieso? Weil ich nach unserer Hochzeit dem Thema barfuß und christlicher Glaube etwas nachgegangen bin. Im Internet findet man recht viel dazu. Hier ein recht interessanter Artikel der DSS
Nun aber zu Deiner Argumentation.
[biblische Überlieferung ist sicher nicht barfußfeindlich]
Die Bibel ist weder noch. 
[darin so viele Barfüße vorkommen ist auch Frage des Raums und Zeit (Naher Osten vor 2000 Jahren)]
Nein, im Sommer in Jerusalem die Via Dolorosa am Mittag barfuß zu begehen, war mir wegen der Hitze unmöglich!
Fact ist, dass Barfüßigkeit in der Bibel mehrere Synonyme widerspiegelt.
Zum einen ist es ein Ausdruck des sich öffnen, den Harnisch, der einen umgibt, ablegen. Empfänglich sein, also auch im Geist offen für Gottes Wort.
[Moses 3.5] Deutet dies an, beinhaltet aber auch, dass ich mit meinen baren Füssen symbolisiere, meinem Gegenüber Respekt zu zollen (in dem Fall Gott).
Eine etwas abgewandelte Steigerung davon ist der christliche Brauch der Fußwaschung. Diese hat ja auch Jesus praktiziert, heute müsste der Pfarrer analog nicht die Füße waschen seiner Gemeinde sondern mit dem Schuhputzzeug durch die Bankreihen gehen ...
Und schlussendlich kann es ein Zeichen von Solidarität und Nächstenliebe sein. Insbesondere auch zu den Armen. Als Ausdruck ihrer asketischen Lebensweise liefen, die bereits von Lorenz erwähnten, Bettelmönche und NachfolgerInnen von Franz von Assisi, einfach gewandet und barfuß.
Dies war um 1200 in Mitteleuropa, in der Schweiz finden sich Kloster von barfüßigen Orden auf über 1000 müM. Also an der Geografie scheint's wohl kaum zu liegen ...
[schlicht provokant, barfuß in Kirchen zu laufen]
Entschieden dagegen. Umkehrung: Es ist provokant gegenüber Gott sein heiliges Haus mit schmutzigen Straßenschuhen zu treten ... In einem moslemischen Gotteshaus (so viel anders ist Allah auch nicht ...) müsste man bei selbigem Verhalten mit einer hohen Strafe rechnen, übrigens auch in asiatischen Tempelanlagen ...
Aber die einzigen, die ja wirklich wissen, wie's gemacht werden soll, sind wir mitteleuropäischen, materialistisch geprägten Christen, oder?
[Auch wenn Argumente sozusagen durch Gottes Wort auf Seiten der Barfüßer sind - so ist es doch Provokation der anderen Gläubigen, Unhöflichkeit]
wem schuldest Du mehr Respekt? Dem Herrn dem das Haus geweiht ist oder den andern?
[gibt "Codes", "Normen", "Dogmen", wasweißich, die zu befolgen leichter (und ratsamer) ist, ohne an Lebensqualität einbüßen zu müssen. Dieser "Dresscode" ist schon seit Jahrhunderten eingeübt]
Noch heute haben über 2/3 der Menschen keine Schuhe und vor Einhundert Jahren gab's auch in Mitteleuropa noch recht viele ... Die Entwicklung dürfte eher so gehen: von der mit barfüßigen Armen vollen Kirche hin zur reichen Mittelstandsgesellschaft mit heute doch oft eher leeren Kirchen ...
[Wer sich traut, selbstbewusst barfuß in Kirche zu gehen, hat meine Anerkennung]
Das ist schön von Dir! Eine solche Einstellung wäre wünschenswert bei jedermann/-frau.
Gruß aus Bern Marc
P. S. Irgendwie hab ich das Gefühl als würdest Du trotzdem gerne barfuß in eine Kirche gehen. Sie fühlen sich übrigens unter den Füssen ganz anders an als 'normale' Gebäude. Das ist aber ein spezielles Thema für sich.
Auf Websites von Wallfahrtsorten sieht man oft barfüßige Pilger um und in Kirchen.
Den Aspekt des 'Buße tun' habe ich oben vergessen, sorry!

Hi Lotsi, da ich mir insgeheim schon seit einiger Zeit Gedanken über das Thema "Barfuß in der Kirche" mache, finde ich es gut, dass es hier mal aufs Tapet kommt.
[Am weitesten in Frage der Konfession entfernt]
Ich bin russisch-orthodox - somit sind jetzt alle drei großen Konfessionen vertreten.
[biblische Überlieferung nicht barfußfeindlich ... auch Frage des Raums und der Zeit ... kirchlichen Realität in Mitteleuropa 2000 Jahre später ... Schlüsselbegriff "Dresscode" hat Kirche (oder Gläubigen) entwickelt; bildet gesellschaftliche Norm (eher Dogma)]
Bezüglich der gesellschaftlichen Norm stimme ich Dir zu; um ein Dogma im kirchlichen Sinne einer verbindlichen Glaubenslehre handelt es sich auf keinen Fall! Auch das Kirchenrecht gibt zu diesem Thema nichts her.
[Auch wenn Argumente sozusagen durch Gottes Wort gesprochen auf Seiten der Barfüßer sind - doch Provokation der meisten anderen Gläubigen]
Da hast Du leider recht!
Die orthodoxe Kirche kommt mir leider besonders barfußfeindlich vor. Ich würde mich einfach nicht trauen, barfuß zur Liturgie zu gehen, weil dies als provokant aufgefasst würde. Ich trage zwar so gut wie nie Socken in der Kirche, aber bereits das wirkt, obwohl es zumeist toleriert wird, sogar im Sommer exotisch. Zumeist bin ich der einzige sockenlose Gottesdienstbesucher.
Seit einiger Zeit wirke ich gelegentlich als Altardiener. Bis zum Dezember trug ich zum Altardienst Sandalen ohne Socken, bis mir der Priester eines Tages sagte, dass einige Gottesdienstbesucher Anstoß genommen hätten. Als Kompromiss einigten wir uns schließlich darauf, dass ich geschlossene Schuhe oder Slipper zum Altardienst trage, obgleich ich angesichts des Herrn Jesus und seiner Aposteln nicht nachvollziehen kann, inwiefern der Anblick nackter Zehen anstößig sein könnte.
[ bis ins 20. Jahrhundert hinein haben Leute in (ländlichen) Regionen, wo alle fast ganze Jahr barfuß liefen, Sonntags Schuhe bis vor Kirche getragen und dann angezogen. Schuhe in Kirche tragen ist also nicht Degeneration in Zeiten der Moderne, war wohl schon immer so. Also: auch kirchliche Tradition im Alltag in Betracht ziehen, wenn wir über "Normen" des Kirchenbesuchs reden]
Der Norm, in der Kirche Schuhe zu tragen liegt vermutlich der Gedanke zugrunde, dass wir Gott unser Bestes anbieten sollten (und da barfuß traditionell als armselig und lumpig gilt, gehören auch Schuhe und Strümpfe zu einer im beschriebenen Sinne "guten", nämlich vollständigen Ausstattung.
[ Wer aber sich traut, selbstbewusst barfuß in Kirche zu gehen, hat meine Anerkennung, nicht Geringschätzung]
In diesem Punkte bin ich derselben Meinung!
Herzliche Barfußgrüße, Markus U.

fussohli.jpg (920 Byte) zurück zur Übersichtsseite des "Best of"
im Hobby? Barfuß! Forum
zum Kopf der vorliegenden Seite

Pfarrer Michael leitet zur Selbsterfahrung barfuß an
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumbeiträgen im Herbst 1998)

Jetzt will ich auch einmal etwas schreiben, es hat lange gedauert, bis ich mich getraut habe. Ich heiße Michael und bin 41 Jahre alt, also auch schon einer von den älteren Lesern der Page. ... Eigentlich bin ich schon von Kind an gerne barfuß gelaufen, mehr allerdings ohne Strümpfe in Sandalen. So richtig barfuß nur zu Hause. Da tue ich es auch heute noch sehr gern.
In der Öffentlichkeit kann ich es fast nicht, denn von Beruf bin ich Pastor, und da haben die Leute eben andere Erwartungen. Darum habe ich auch so lange gezögert, Euch zu schreiben. Denn ich hatte ein bisschen Sorge, dass jemand mitliest, der mich nicht versteht. Es gucken sowieso schon immer wieder Leute, wenn ich im Sommer barfuß in Sandalen laufe, aber darüber setze ich mich inzwischen hinweg. Auch wenn ich zu Hause mal ganz barfuß an die Türe gehe, müssen die Leute eben damit leben. Meine Familie kann mit meiner Barfußlauferei ganz gut leben.
Dass es so viele Menschen gibt, die gern barfuß sind, habe ich sowieso erst im Internet gemerkt. Im Alltag ahnt man es schon mal, aber ich frage andere auch nicht: Läufst du auch gern barfuß? ...
Ganz so einfach ist die Sache mit den Gelegenheiten zum barfuß laufen nicht, aber vielleicht traue ich mich demnächst ja öfter. Der Großraum, in dem ich wohne, ist übrigens der Niederrhein, genauer der rechtsrheinische Niederrhein. Und da sind die Orte kleiner und die Leute würden schon etwas seltsam gucken, wenn der Pastor so ganz barfuß liefe.
Manchmal laufe ich ja auch in der Gemeinde barfuß: etwa, wenn ich mit Jugendlichen oder Erwachsenen mit Meditation oder Elementen von Selbsterfahrung arbeite. Dann lade ich die anderen auch ein, es einmal zu probieren. Aber ich mache da oft ähnliche Erfahrungen wie Jutta im Sportunterricht: In einem bestimmten Alter finden Jugendliche es einfach "igitt", wenn sie barfuß laufen sollen. Aber ich gebe nicht auf, und lade immer wieder dazu ein. Und manchmal gelingt es, und dann macht es allen großen Spaß. ...
Im Sommer hatte ich am Strand ein ähnliches Erlebnis. Bei nicht ganz so warmen Wetter spielten wir alle 4 vorn am Wasser. Eine andere Familie kam, die Tochter von etwa 9 Jahren rannte immer wieder mit Schuhen und Strümpfen an bis an Wasser. Ich hörte, wie sie ihre Eltern anbettelte, auch barfuß laufen zu dürfen. Irgendwann hab ich mich dann eingemischt und so etwas gesagt wie: Nun erfüllen sie dem Kind doch den Wunsch. Endlich waren die Eltern einverstanden, das Kind zog Schuhe und Strümpfe aus und war total glücklich. Aber auch ich hab hinterher natürlich gedacht: Und was ist, wenn die jetzt wirklich krank wird?

Aber manchmal macht es eben Riesenspaß, Leute dazu zu überreden, barfuß zu laufen.
Michael

fussohli.jpg (920 Byte) zurück zur Übersichtsseite des "Best of"
im Hobby? Barfuß! Forum
zum Kopf der vorliegenden Seite