Ralf
(BN) schildert einen barfüßigen Familienausflug
(Forumbericht im Herbst 2003)
Mein schönstes Barfußsommererlebnis war - neben den zahlreichen, von Georg
organisierten Wandertreffen - eine recht spontane Barfußwanderung mit
Familienangehörigen, denen ich so etwas nie zugetraut hätte.
Ein gewisses Interesse hatten meine Frau und ich schon in der Vergangenheit
durch Schilderung unsrer eigenen Erlebnisse wecken können, aber noch traute
sich niemand so recht.
Irgendwann im September, es war eines der letzten heißen Wochenenden hier im
Rheinland, trafen sich 4 Frauen, 2 Männer, 5 Kinder und ein Hund zu einem eher
gemütlichen Barfußtag in den Aggerauen und der südlichen Wahner
Heide.
(Altersbandbreite: 3-11 und 32-46)
11 Uhr - die schattigen Graswege waren noch kühl und feucht vom Tau, und nach
wenigen hundert Metern mussten sich die ersten Paar "halberfrorener" *ggg*
Füße auf einem sonnenbeschienenen Fleckchen aufwärmen. (Meine Prophezeiung,
man würde sich den kühlenden Tau noch zurückwünschen, traf dann auch später
in den Sanddünen der sonnendurchglühten Fliegenbergheide voll ein.)
Wir kamen recht langsam voran, da unsere Kinderhorde hinter praktisch jedem
Busch eine Attraktion fand, auf der Agger gerade ein Kanu-Rennen für Kinder
veranstaltet wurde, und unsere Gruppe mit anderen Eltern und Hundebesitzern ins
Gespräch kam. Nicht wegen unserer Barfüßigkeit, nein, nur so. Die wurde,
falls überhaupt wahrgenommen, mit keinem Wort erwähnt; vielleicht lag das ja
auch an der Nähe zum Fluss mit seinen Badestellen. Allerdings lief außer uns
niemand unbeschuht auf den äußerst barfußfreundlichen Wegen.
Weiter ging es in die Wahner Heide, Richtung Fliegenberg. Auf einem weichen
Sandweg wurden wir von einer Gruppe älterer Frauen gefragt, "ob das denn
nicht weh täte". "Ganz im Gegenteil", kam unsere Antwort, die
teils orthopädisch geformten Schnürstiefel der Oma-Truppe spöttisch beäugend
...
Jetzt kam der Aufstieg zum Fliegen"berg". Die teils recht steilen,
zerfurchten Wege aus tonigem Sand waren steinhart und mit Rundkies durchsetzt,
was aber eine angenehm prickelnde Fußmassage, auch für unsere Ungeübten,
ausmachte. Weiter bergauf wieder weicher Sand, der allerdings recht heiß war
(siehe Prophezeiung ;-) ), jedoch von erfrischenden Rinnsalen unterbrochen
wurde. Außerdem gibt es in den Mulden Temporärgewässer (sprich: Pfützen), in
die sich aber nur Kinder und Hund trauten. Barfüßige Erwachsene haben mitunter
ein distanziertes Verhältnis zu "kleinen Krabbeltieren"!
"Wann rasten wir endlich ???". Was soll ich dazu sagen ? Jetzt gleich
oder in 2 Minuten ? Na gut, also Butterbrotpause....
Eigentlich hatte ich vor, zügig dem Parcours des projektierten Barfußwanderpfades
folgen, für den Georg u.a. sich sehr einsetzt. Unser nächstes Ziel -der
Moltkeberg- wäre rund zwei Sandwegkilometer entfernt gewesen. Meine
BegleiteterInnen , mit Ausnahme meiner Frau extrem selten bis gelegentlich
barfußend,
hatten bis jetzt alles klaglos mitgemacht; doch jetzt kam erstes Murren auf.
Nicht etwa wegen Fußproblemen, nein, die 32 Grad Lufttemperatur bei Windstille
und die Anstrengung machten ausgerechnet unseren jüngeren Erwachsenen zu
schaffen. Darauf muss man halt Rücksicht nehmen, so als ob jemand wunde Füße
hätte; kein Problem!
So ging es nach einem ausgiebigen Picknick im Schatten einer Baumgruppe runter
auf die Waldwege, wo erträglichere Temperaturen herrschten. Die Wege sind bis
auf ein kurzes Stück Schotterstrecke sehr weich bis mittelmäßig kiesig, ganz
selten zog jemand seine Notlatschen an. Im Gegenteil, "tapfer
durchhalten" war die Devise, was mich echt erstaunte ! Diese
Sonst-eher-nicht-Barfüßler ...
Bei einer Abkürzung quer durch den Wald kamen dann aber doch die Latschen zum
Einsatz, außer bei mir und dem Gelegenheitsbarfüßler, der "aus
Prinzip" keine mitgenommen hatte. Man staune ! Ich selber hatte "aus
Prinzip" Latschen dabei, man weiß ja nie ... so wie ich auch
Erste-Hilfe-Zeug dabeihabe.
Schuhwerk wäre auch hier "mitten-im-dunklen-Wald" nicht nötig
gewesen, denn der Boden bestand nur aus Laub und Reisig; aber, egal, wie
vehement ich "barfuß-über-Stock-und-Stein" proklamierte, bei den
Latschenträgern war die "Angst vor dem, was man nicht sieht" stärker.
Später dann, auf einem glatten Spazierweg, trat meine nun wieder barfüßige
Schwägerin in eine meterweit sichtbare Brombeerranke, fluchte kräftig und
anhaltend (trotz irritierter Kinderblicke), aber ging unbeirrt barfuß weiter
...
Am Leyenweiher, einem beliebten Ausflugsziel, und nur zwei Gehminuten vom
Parkplatz Aggerstadion entfernt, kam dann die Härteprüfung: Offenbar hatte
jemand eine ganze Busladung beschwipster barfußfeindlicher Ausflügler
von-wo-auch-immer hierhingekarrt, die sich gegenseitig im Kuchenkrümelweitwurf
auf die Enten und den den ohnehin stark belasteten Teich zu übertreffen
versuchten.
Einige guckten nur erstaunt, andere gaben irgendwelche Kommentare in uns fremden
Dialekten ab, andere lachten, offenbar über uns, denn sie zeigten dabei auf
unsere Füße . Was soll's, wir schritten tapfer vorbei, ich konnte mir den
Spruch "Den Narren erkennt man an seinem Lachen" nicht verkneifen. Dafür
erntete ich ein "hier riecht's plötzlich so nach Käse". Nach meinem
"Macht bloß kein Streichholz an, Alkohol kann explodieren", und der
rausgestreckten Zunge unserer Jüngsten (3 J.), war auch die innerdeutsche Völkerverständigung
wieder hergestellt. Ein älteres Pärchen meinte jedenfalls, dass wir uns nicht
beirren lassen sollten, es wäre "richtig gesund"! Wissen wir doch
schon ...
Von Leyenweiher ging es dann über gemütliche Waldwege zurück zum Parkplatz.
Alle waren auf meine Frage von dieser Tour begeistert, total angetan, und würden
jederzeit wieder mitmachen. Dort stand ich, und im Bewusstsein, Leuten, die
sonst für die drei Meter vom Sofa bis zur Küche Schuhe brauchen, endlich mal
die Freiheit des unbeschuhten Lebens gezeigt zu haben. Ich hatte sie überzeugt
... und ... sah, wie sie sich und Ihren Kindern wieder festes Schuhwerk anzogen,
bevor sie in ihre Autos stiegen ... Frust ... Alles umsonst ? Was soll man davon
halten ?
Nein, schön war es trotzdem, sehr schön sogar! Es war ein tolles und
besinnliches Treffen. Spaß für jeden von uns.
Meine Frau und ich haben jeden barfüssigen Meter genossen. Die Anderen auch.
Am nächsten Tag haben wir uns wiedergetroffen, bei einer Gartenparty; meine
Frau und ich barfuß, der Rest beschuht. Spaß hatten wir alle, und auch die
Barfußwanderung wurde hochgelobt. Ganz toll, wir haben all unsere Erlebnisse
gemeinsam noch einmal aufgewärmt, die Begeisterung kannte kaum Grenzen. Dennoch
hat sich die Meinung zu barfuß polarisiert: Im angesagten Rahmen ganz prima
(offizielle Barfußwanderung, Strand usw. superschön, aber außerhalb der häuslichen
Umfriedung normalerweise unpassend).
Grrrr.... ;-)
Was sagt Ihr dazu ?
Ralf (BN)
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