Barfuß - Pressespiegel : von Barfußsportarten und -sportlern

EXTRA: Beach Soccer
30 Minuten Action pur auf 500 Tonnen Sand
Des Deutschen liebste Sportart, der Fußball, hat jetzt auch auf Sand eine Plattform gefunden. Beach - Soccer heißt der Freiluftspaß, der ursprünglich aus Brasilien stammt. In den frühen 20er Jahren trafen sich Kinder an den Stränden zu gelegentlichen Kicks. Seit den 60er Jahren erfreut sich der Sport auch in den USA, besonders in Kalifornien und Miami, größter Beliebtheit. Doch Beach - Soccer ist mehr als ein von Taktik bestimmtes Bundesliga - Spiel. Da geht richtig die Post ab. Pro Match fallen im Schnitt 10 Tore, alle 30 Sekunden kommt es zu einem Torschuss. Wegen der kleinen Fläche ist Beach - Soccer actionreicher und schneller als ein herkömmliches Fußballspiel. Entscheidend sind vor allem eine gute Technik, Kondition und gut durchdachte Spielvarianten. Für das 35 mal 25 Meter große Spielfeld wurden 500 Tonnen Sand herangeschafft. Die Regeln sind ganz einfach. Jedes Team besteht aus acht Spielern (ein Torwart, vier Feldspieler, drei Auswechselspieler). Turnschuhe sind nicht erlaubt. Gespielt wird barfuß oder mit Socken. Gelbe und Rote Karten gibt es auch. Gelb bedeutet zwei Minuten Strafzeit, Rot heißt Spielausschluss. Der Spieler ist im nächsten Spiel aber wieder spielberechtigt. Der Torwart darf im Feld mitspielen. Die Spielzeit beträgt 2 mal 15 Minuten. Bei Gleichstand nach Ablauf der Spielzeit folgt ein Neun - Meter - Schießen. Das Spielfeld ist ausschließlich den Soccern vorbehalten. Wer denkt, er müsse Sandhaufen bauen, kann das gleich wieder vergessen. Auch wenn diese zur besseren Lagerung des Balls dienen. Das ist verboten.
[Berliner Kurier, 25.8.1999]


Barfuß in die Bundesliga
Sommer, Sonne, Beachvolleyball: das Ferienprogramm der Stuttgarter Zeitung beim TSV Schmiden machte allen Spaß - egal ob Anfängern oder Fortgeschrittenen. [...]
Niklas hat keine Ahnung, was ihn erwartet. Es ist kurz vor 10 Uhr, der zwölfjährige Rotschopf sitzt ein wenig schüchtern auf einer der Bänke neben der Beachvolleyball-Anlage des TSV Schmiden. "Ich habe noch nie in meinem Leben Volleyball gespielt'', sagt Niklas. Er weiß aber, was zunächst angesagt ist: mit Sonnenmilch eincremen und die Schuhe ausziehen.
Inzwischen sind auch die anderen 19 Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen elf und 15 Jahren startklar - der Ferienspaß kann beginnen. [...]
Der Jugendtrainer des TSV Schmiden stellt seine Crew vor, die den Tag über mitpritscht, baggert, blockt und hechtet [...] Sommerliche Musik schallt über den Beach. Als Erstes werden Grundkenntnisse vermittelt: hin und her über das Netz pritschen.
Anfänger wie Niklas dürfen den Ball fangen und ihn dann zurückpritschen. Pit dagegen beherrscht das Spiel schon ziemlich gut. [...] Die Jungs und Mädchen tauschen regelmäßig ihr Gegenüber, später spielen sie in Zweier-, dann auch in Dreierteams. Bei Wechseln sagen sie sich gegenseitig ihre Namen und klatschen ab - keine Spur mehr von Zurückhaltung.
Auch Niklas ist voll dabei. Gerhard Hanke wundert das nicht: "In kaum einer anderen Sportart wird Kindern soziales Verhalten so gut vermittelt wie im Volleyball.'' Nicht nur, weil es ein Mannschaftssport ist. "Es ist ein Rückschlagspiel. Das heißt, dass man die Wut nicht am Gegner auslassen kann'', sagt Hanke. Einzelkämpfer haben keine Chance, "die Kinder lernen schnell, dass sie die anderen in ihrer Mannschaft vor allem im mentalen Bereich unterstützen müssen'', sagt der Trainer [...]
Nach einem ausgiebigen Mittagessen spritzen die jungen Beacher den Sand mit Wasser ab. "Das ist so heiß, dass man gar nicht mehr stehen kann'', sagt Claudia. [...]
Am Ende ist Niklas total begeistert und erkundigt sich auch sofort bei Gerhard Hanke, wie oft in Schmiden trainiert wird. "Ich will jetzt öfters Volleyball spielen'', sagt Niklas, "vor allem am Beach.''
Für alle, denen es wie Niklas geht, sagt Gerhard Hanke, worauf es ankommt: "Volleyball ist für Kinder von zehn Jahren an geeignet. Die Körpergröße spielt in diesem Alter noch keine Rolle, viel wichtiger ist das Ballgefühl. Als Ausrüstung benötigt ihr nur normale Sportklamotten.'' [Stuttgarter Zeitung, 03. 08. 2001]


Becker-Hecht im Buddelkasten
Strandgefühl ohne Meer: Beachsport boomt in Berlin und Brandenburg
Beachvolleyball in der Großstadt: in «BeachMitte» an der Chausseestraße wirbeln an Wochenenden mehr als 320 Menschen durch den Stadtsand [...]
Es duftet nach Sonnencreme, der Himmel leuchtet azurblau, weißer Sand rieselt durch die Fußzehen, und wer die Augen schließt, kann gar ein Rauschen wie am Meer vernehmen.
Was da rhythmisch klatscht, sind allerdings nicht salzige Wellen, sondern die Intervalle des Feierabendverkehrs auf der Chausseestraße. Der Strand, «BeachMitte», liegt mitten in der Großstadt, zehn Minuten vom Brandenburger Tor entfernt. Weit und breit weder Meer noch anderes Geplätscher. Das mindert allerdings nicht den Spaß am Sandgefühl.
In «BeachMitte» wird auf der wohl größten deutschen Beachanlage mit 5000 Quadratmetern märkischem Quarzsand seit fast fünf Jahren Beach-Sport betrieben. Und das mit allergrößtem Vergnügen. Jedes Jahr wächst die Anlage mit den 19 Volleyballfeldern um ein paar Meter. Im Sommer wühlen sich an Wochenenden bis zu 160 Teams aus Berlin und Brandenburg durch den Sand.
Beachvolleyball ist Sandsport Nummer eins, ein Sport, der es vom trendigen Sandspaß bis zur olympischen Disziplin geschafft hat. Auf 8 mal 8 Metern jagen Teams mit je zwei Spielern im knöcheltiefen Sand dem leichten Mikrofaser-Beachvolleyball hinterher. [...] Beachvolleyball hat nicht nur die Regeln, sondern auch die Sprache aus Kalifornien importiert. 1930 wurde das erste Spiel zwei gegen zwei am Strand von Santa Monica gespielt. Von Spaziergängern, die abends am Strand entlangschlenderten und offenbar eine ganze Mannschaft nicht organisieren konnten. 1989 fanden die ersten Beach-Volleyballturniere auf deutschem Boden statt. Der Sport boomt seither. [...]
Vorteil am Spaßsport: Ein Team lässt sich schnell zusammenstellen, werden doch nur zwei Spieler benötigt. Doch auch andere Barfuß-Sportarten haben Konjunktur. So wird auch Handball, Fußball, Badminton, Tennis und sogar Sumo im Sommer lieber unter freiem Himmel und im Sand gespielt. Bei Wind und Wetter, von Mai bis September. Für Hartgesottene hängt am Berliner «BeachMitte» selbst im Winter ein Netz.
Beim Beachsoccer, der Sommer-Fußballvariante, gilt: Ball so oft wie möglich in der Luft behalten - das Kurzpassspiel im Sand ist oft fruchtlos, besser sind bei dem temporeichen Spiel der Nacktfüßer Volley-Schüsse und Kopfbälle.
Beim Beachhandball gilt eine eigene Zählweise. Das Team besteht aus vier Spielern, der Torwart darf aus dem Kasten laufen und selbst punkten. Es wird nicht gedribbelt, dafür schneller gepasst. Nach jedem Angriff wird das Team durch Auswechseln aufgefrischt, wenn der Sprint durch den Sand ermüdet hat. Für spektakuläre Szenen gibt es extra Punkte.
Sportler lieben es, den Sommer im Sand zu verbringen. Der weiche Untergrund erlaubt akrobatische Sprünge, Flugeinlagen und halsbrecherische Übungen wie den «Becker-Hechtsprung» beim Beachtennis. Zudem fördert der stete Lauf durch tiefen Sand die Kondition und schont die Gelenke.
So mancher Fußballtrainer schickt seine Spieler in der Sommerpause an den Strand. «Beachsport ist gesund», sagt auch Dirk Bormann von Playa de Cologne, einem Kölner Verein, der auch Nationalspieler betreut. «Verstauchungen, Knochenbrüche und Bänderdehnungen, die in der Halle immer wieder auftreten, gibt es im Sand kaum. Das Körpergewicht wird nicht nur von Muskeln und Bändern, sondern von tausenden kleiner Sandkörnchen abgefangen.»
Während Beachvolleyball inzwischen über eigene Ligen und wohlorganisierte Strukturen verfügt, bewegt sich der Tambeacher noch im Schatten des Unbekannten. Tambeach - das ist eine Art Tennisspiel mit einem Tambourin. Es stammt aus Italien und wird rund ums Mittelmeer gern gespielt. In Berlin gibt es einen ambitionierten Tambeachverein, der den Sport als feste Größe im Sommerkalender und als Unterhaltungsprogramm von Reiseveranstaltern ebtablieren will. Zum Tambeachen braucht man zwei oder vier Spieler, ein Tamborello, einen alten Tennisball, ein Netz (2,10 Meter Höhe) und natürlich ein paar Quadratmeter Sand.
Funsport wäre nicht wirklich spaßig, gäbe es nicht nach einem anstrengenden Wettkampf auch Möglichkeiten zum Feiern. Im städtischen Sandhaufen in «BeachMitte» wird der Strand für Geburtstagsfeiern zur Tanzfläche umfunktioniert.
[Berliner Morgenpost, 01. 08. 2001 ]


Körperbeherrschung in blauem Tuch [...]
Minden (nin). Ein großes Banner mit der Aufschrift "Vovinam Viet Vo Dao - Die starke Hand und das gütige Herz" prangt vor dem TV-Jahn- Sportplatz. Campingzelte stehen auf dem vom Gewitter durchnässten Rasen. Und viele Menschen in blauen Anzügen marschieren die Straße hoch zur Turnhalle.
Wie jedes Jahr haben sich zahlreiche Sportbegeisterte der Kampfsportart Vovinam Viet Vo Dao aus ganz Deutschland zum Pfingstcamping zusammengefunden. [...]
Nach einigen Aufwärmübungen setzten sich alle in ihrem blauen Outfit mit nackten Füßen auf den Boden. Einige tragen weiße Gürtel, andere rote. "Weiße bekommen Kinder, blaue Jugendliche und Erwachsene, gelb die Trainer, rot für die Meister, und der weiß-gestreifte mit allen Farben ist der Präsidentengürtel" [...]
Jede Altersgruppe präsentiert in den nächsten Minuten ihre bereits erlernten Kampfarten. Die Kinder starten mit den Grundübungen und machen alles ohne jegliche Matten vor. Angst zu fallen und sich auf dem Boden zu rollen scheinen sie nicht zu haben. [...] "Da wir hier alle gleich sind und uns alle gleich respektieren, tragen wir auch alle die gleichen blauen Anzüge." Weiter zu dem Hintergrund weiß er zu berichten: "Es ist eine sehr alte Sportart, die ihre Wurzeln in allen anderen Selbstverteidigungsarten hat. Die Ursprünge gibt es jedoch schon seit 4000 Jahren. Die offizielle Form wurde 1938 von Großmeister Nguyen Loc eingeführt." [...]
Auf einmal wird es totenstill in der Sporthalle, Atem ist zu hören. Stephan, ebenfalls aus Hannover, demonstriert verschiedene Atemübungen. Auch dies ist ein Teil, der mit dazugehört. Weiter geht es mit der Trainerstufe. Hier wird der Umgang mit traditionellen Waffen wie Bambusstock und Schwert geübt. Die Waffen dienen dabei als Trainingsgeräte zur Erlangung einer optimalen Körperbeherrschung. [...]
[Mindener Tageblatt, 10. 06. 2003]


Kämpfen mit Stöcken
22 Jugendliche probierten Kobudo, eine japanische Kampfkunst aus [...]
Gespannt warteten die 22 Jugendlichen, von denendie Mädchen deutlich in der Überzahl waren, was sie im Ferienprogramm unter dem Titel "Kobudo: Selbstverteidigung und Kampfkunst mit alten japanischen Waffen" so alles erwarten würde. Barfuß, wie es in den asiatischen Kampfsportarten üblich ist, machten sich die neun- bis 17-Jährigen daran, mit einem einfachen, etwa 90 Zentimeter langen Stock, den Hambo, die ersten Schläge zu erlernen. Gar nicht so einfach, einen Stock zu drehen, wenn man nicht die richtigen Kniffe kennt. [...]
Katharina Anneser zeigt zusammen mit vier jungen Co-Trainern, die in der Mannschaft des ETSV trainieren, die Feinheiten der Technik, die sich schnell erlernt lässt. "Selbst unser Bundestrainer sagte immer: Kinder finden es geil, mit Stöcken zu schlagen" [...]
Einen Stock kann man nicht nur zum Schlagen oder Abwehren gebrauchen, er kann auch sehr gut als Hebel eingesetzt werden. Ein kleiner Hieb mit dem Stab zwischen Knie und Kniehöhle des Gegners und schon ist es möglich, auch große Angreifer auf die Matte zu schicken. Zuvor müssen die Kids natürlich das richtige Abrollen nach vorne oder nach hinten erlernen. Seitwärts über die Schultern rollt sich ein guter Kobudo-Schüler ab, und nicht, wie im frühen Kinderalter, vorwärts mit eingezogenem Kopf. [...]
Das Wort Kobudo bedeutet alte Kampfkünste. Es stammt von Bauern aus Okinawa, die zu Zeiten japanischer Besatzung keine Waffen tragen durften. So verwendeten sie Alltagsgegenstände, um sich damit verteidigen zu können. Waffen, die für Kobudo verwendet werden, sind: "Hambo" und "Bo", der kurze und lange Stock, der ursprünglich als Wanderstab diente. "Tonfa" war ursprünglich der Griff einer Getreidemühle und findet heute bei der Polizei Verwendung. "Kama", eine Reissichel, die einzige Waffe, die eine scharfe Klinge hatt und "Sai", ein kleiner Dreizack aus Eisen.
Traditionell ist Kobudo eine Selbstverteidigungstechnik. Die erste Aktion ist stets eine Abwehr des Gegners, auf die ein Angriff folgt, um diesen unschädlich zu machen. [...]
[Straubinger Tagblatt, 18. 08. 2003]


Vorbereitung beginnt mit dem Auslaufen
Fulda (iri) Um optimale Leistungen auf dem Sportplatz zu bringen, ist nicht nur die Grundfitness und eine ausgewogene Ernährung wichtig. "Erst die Regeneration schafft die Basis für die nächste Trainingseinheit", meint Physiotherapeut Lutz Meissner. Die Regeneration, so der Fuldaer, gehöre ebenso zum Training wie die Aufwärmphase.
"Die Vorbereitung für das nächste Training muss mit dem Auslaufen und Ausdehnen beginnen." Egal, ob Fußballer oder Leichtathlet – zehn bis zwölf Minuten sollte der Athlet auslaufen. "Ideal wäre es barfuß oder mit Socken – damit die Füße entlastet werden."
Das Tempo sollte dabei ein ganz ruhiges sein. Ausgedehnt wird am besten liegend. Meissner: "Im Liegen wird der Druck von den Gelenken genommen. Das ist nach einem Wettkampf am schonendsten." [...]
[Fuldaer Zeitung 20.8.1999]

Joggen langsam angehen
Joggen und Walken im Sand ist besonders gesund.
Barfuß ist es eine gute Fußmassage, im Wasser fördert es die Durchblutung. "Das Joggen auf Sand ist aber anstrengender als ein Lauf auf hartem Untergrund", sagt Sportmediziner Carsten Becker. Also langsam laufen und sich an den ungewohnten Untergrund gewöhnen.
Richtig für Anfänger ist Walken, das zügige Spazieren gehen mit aktiven Armbewegungen. Abwechselnd walken und joggen macht gute Laune und trainiert Ungeübte.
[Berliner Kurier, 02. 08. 2000]

Jeder muss selbst herausfinden, was gut für ihn ist
Wim Luijpers beantwortete im Internet - Chat der Kleinen Zeitung fleißig Fragen von Läufern und solchen, die es noch werden wollen. Wim, was hältst du vom Barfußlaufen?
Wim: Barfuß ist genial, ist sehr befreiend.
Glaubst du, dass alle Menschen laufen mögen, oder dass es doch unterschiedliche Sporttypen gibt?
Wim: Jeder Mensch ist anders, jeder soll das suchen, was ihm gut tut - es geht ums Wohlfühlen.
Wie hast du zu laufen angefangen?
Wim: Wie alle als Kind, nur habe ich nicht aufgehört. [...]
Hast du eine eigene Homepage?
Wim: www.wim-running.com [...]
Wie soll ich richtig laufen?
Wim: Das Wichtigste ist: Sich groß machen, und langsam nach vor fallen lassen! [...] Wim, welchen Fehler soll man beim Laufen absolut nicht begehen?
Wim: Länger zu laufen als angenehm ist. [...]
Wie lange sollte man mindestens in der Woche laufen?
Wim: Es gibt kein mindestens. Du musst herausfinden, was dir gut tut. Es ist ganz verschieden, manchmal geht es ganz leicht und beschwingt, und manchmal fühle ich mich, wie wenn ich Klötze an den Beinen hätte.
Warum ist das so?
Wim: Jeder Tag ist anders. Oft ist es so, dass man einfach nicht will.
[Kleine Zeitung, 04. 04. 2001]
Sehr vernünftige Einstellungen, wie ich finde. Auf der Homepage erfährt man, dass er in Neuseeland aufgewachsen ist und heute Wellness - Laufseminare durchführt, auch ein Buch geschrieben hat, dessen Umschlag eine Barfußläuferin ziert


Kobold auf der Ultra - Strecke
Kerschdorf (syl) - Vom Baggersee über die Kiesel zurück zum Handtuch eiern, auf heißem Sand die Flucht antreten, beim kleinsten Stein unter der Schuhsohle aufjaulen - das kann Dietmar Mücke nicht passieren. 122 Kilometer rannte er beim Wörschacher Benefizlauf barfuß, eine Leistung, die ihn ins Guinnessbuch der Rekorde bringen könnte.
Auch wenn das gar nicht sein Ziel war, er wollte einfach nur gute Laune verbreiten. Laufen allein ist für den 38- jährigen Eiselfinger längst keine Herausforderung mehr, gleich bei seinem ersten 24- Stunden- Lauf rannte er über 200 Kilometer.
Mittlerweile geht es Mücke vielmehr darum, den Spaß am Laufen zu vermitteln und nebenbei nach Möglichkeit noch Gutes damit zu tun. Deswegen der Start beim Benefizlauf.
Aus den ehrgeizig verbissenen Gesichtern vieler Läufer könne man nicht mehr ablesen, dass Laufen Spaß macht, findet Mücke. Angestiftet von seinen Kindern und einem Freund, der als verrücktester Marathonläufer der Welt gilt, startet Mücke gern verkleidet bei Rennen. In Wörschach war der Eiselfinger als respektlos - unbekümmerter Pumuckl unterwegs, zur Begeisterung der Zuschauer.
Um 14 Uhr trat der Pumuckl mit den nackten Füßen zum 24- Stunden- Lauf auf dem Rundkurs durch Wörschach an - in der Gewissheit, dass er jederzeit Schuhe anziehen könnte. Schnell war klar, dass das überhaupt nicht in Frage käme: Zu groß war die Begeisterung der etwa 18000 Gäste an der Strecke, die den Eiselfinger förmlich über den weich werdenden Asphalt trug.
Der heiße und teilweise sehr rauhe Teer zwang Mücke im Laufe der Zeit zu Pausen. Und prompt prasselten Fragen auf ihn ein: «Tut das nicht weh? Hast Du noch keine Blasen? Dazu brauchst Du bestimmt dicke Hornhaut? Darf ich mal Deine Füße sehen?»
Wunden oder Blasen hatte Mücke bis zum Schluss nicht zu beklagen. Wozu die Zuschauer einen Beitrag leisteten: Einer bewaffnete sich mit einem Besen, lief eine Runde Arm in Arm mit Pumuckl und fegte vor ihm die Straße. Vier Jugendliche legten auf dem Teil der Strecke, auf dem der Teer besonders brüchig und damit schmerzhaft war, Alu- Folie für den Kobold aus.
Als Schmerzen im Mittelfuß Mücke zum Gehen statt Laufen zwangen, wurde er dennoch von dem Jubel des Publikums getragen, bekam von einem Zuschauer einen Stoff- Pumuckl in die Hand gedrückt und ähnelte bald dem Rattenfänger von Hameln - nicht nur die eigenen beiden Kinder im Schlepp, sondern gleich eine ganze Horde, die den erschöpften Kobold auf den letzten Metern begleiteten.
Von allen Fragen, die Mücke im Laufe der 24 Stunden gestellt worden waren, bereitete ihm zum Schluss angesichts seiner Fußsohlen nur eine Kopfschmerzen: «Kriegst Du die wieder sauber?» [Oberbayerisches Volksblatt, 23. 08. 2000]

Grenzgänger mit leidenschaftlicher Lust am Laufen
Meisterschaft im Ultramarathon
Ultraläufer sind hart im Nehmen. Bei den deutschen Meisterschaften im 24-Stundenlauf in Schmiden trotzen die Individualisten widrigsten Bedingungen.
Am härtesten sind sie gegen sich selbst. Unter ihnen gibt es keine Verlierer, dafür umso mehr Typen. [...]
Die halb volle Flasche mit dem Malzbier steht auf der Brauereigarnitur. Daneben die weißen Trauben. [...] Daneben sieben Paar Turnschuhe aufgehäuft zu einem Hügel, unten die nassen Treter, oben die trockenen. In einem älteren Schuh, einem rechten, hängt noch eine Spinnwebe. Zeltatmosphäre.
Das geordnete Chaos hat seine ganz eigene Gemütlichkeit. Die registriert Gert Heinrich, der Mann für den sie all das hier liebevoll hergerichtet haben, nicht. [...] Gert Heinrich kam vor rund fünf Jahren zum Langstreckenlaufen. Sein altes Hobby, Bumerangwerfen, war ihm zu zeitaufwendig geworden. Seit Stunden aber hat der Diplom-Mathematiker nurmehr eines im Kopf. Seinen Titel bei den deutschen Meisterschaften im Ultramarathon zu verteidigen. Bei den 24-Stunden-Läufern [...]
Nach 200,8005 Kilometern und Rang acht in der Gesamtwertung, nachdem er sein Ziel - den Titel - erreicht hat. Nach einer kalten Nacht [...] Tiefe Falten, fast Furchen, und Augenringe, dazu die Erschöpfung, die ihn noch blasser und älter wirken lässt.
Das Härteste war der Regen. "Ständig hatte ich nasse Schuhe, dann habe ich eine Plastiktüte zwischen Schuhe und Strümpfe gestopft. Das war gar nicht schlecht, das hielt fast eine Dreiviertelstunde'', sagt Heinrich. [...]
"Es sind schon glatte Typen darunter'', sagt Susanne Heinrich und wirft einen Blick aus dem Zelt. Dort läuft Ingrid Kupke vorbei. Die hat keine Sorgen mit dem Schuhwerk, sie rennt barfuß. Die Dreckspritzer zwischen den Zehen stören die 62-Jährige nicht, einzig die rosa lackierten Nägel passen nicht zu dem geschwollenen Spann. Am Ende wird sie Achte bei den Frauen. "Aber nur, weil ich nach 15 Stunden Schuhe anziehen musste. Schuhe sind eine Qual für mich'', sagt sie.
[Stuttgarter Zeitung, 10. 09. 2001 ]


Eine Leidenschaft
Die außergewöhnliche Beziehung von Ludwin Klein und seinen Jungs aus Kenia
Ludwin Klein nennt sie "feine Jungs" und "Gazellen". Insbesondere zu 800-Meter-Läufer Japhet Kimutai aus Kenia hat Rehlingens Macher eine besondere Beziehung [...]
Rehlingen. Pfingstmontag 1999: Die letzten Meter begleiten den Läufer mit wahren Beifalls-Ovationen - die Uhren bleiben bei 1:44,12 Minuten stehen. Der kleine kenianische Läufer Japhet Kimutai siegt im Bungertstadion in neuer Weltjahresbestzeit. So etwas hat man in den letzten dreißig Jahren in Rehlingen nicht mehr gesehen!
Nur kurze Zeit später klettert die "schwarze Gazelle" ganz oben auf die Weltrangliste.
Ein schwergewichtiger Mann tanzt auf der Kunststoffbahn herum, als hätte er selbst gerade in diesem Augenblick die Weltmeisterschaft gewonnen - Meeting-Direktor Ludwin Klein. Er umarmt den Sportler, drückt ihn, lässt ihn nicht mehr los. Als der Kenianer nach seinem grandiosen Sieg im Stadionrund gerade auslaufen will, folgt ihm Ludwin Klein immer noch. Man merkt doch, dass er vor langen Jahren einmal selbst Saarlandmeister der Mittelstreckler war. Gekonnt ist eben gekonnt! [...]
Nur eine seiner vielen Schützlinge auf der Bahn mag er ganz besonders - die Laufwunder aus Kenia, die manchmal barfuß die Welt erobern.
Ludwin Klein und die Kenianer - eine Leidenschaft. Da steigt der Präsident entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten für ein Foto auch mal mit seinen "schwarzen Freunden" aufs Siegerpodest. Sie drücken sich - da sind im Laufe der langen jahre echte Freundschaften entstanden.
Und warum gerade diese Kenianer? Klein hat sofort eine entsprechende Antwort parat: "Diese gazellenhafte Laufart - einfach klasse und ästhetisch! [...] Sie sind unkompliziert und auch feine Jungs!"
1998 erfüllte sich Klein mit seiner Ehefrau Olga einen Traum - für fünfzehn Tage reiste er an die ostafrikanische Küste in den tiefsten Busch, um das Training "seiner Idole" kennenzulernen. Und er wurde nicht enttäuscht. Die Gefühle beschreibt er heute aber als "gemischt". Auf der einen Seite der Glanz der Sieger, auf der anderen Seite die unbeschreibliche Armut eines Volkes.
Der europäische Besucher erlebt die Schönheiten dieses Landes zwar als eine Wohltat für das Auge, nicht verborgen bleiben Klein aber die große Not und das Elend. Wieviele träumen hier von einer besseren Zukunft?
Der Faktor "sozialer Aufstieg" wird nie vergessen, wenn von schwindelerregenden Zeiten der kenianischen Wunderläufer die Rede ist. Klein erkannte auch einen entscheidenden Unterschied an Sieges- und Durchhaltewillen der Läufer. "Sie simulieren nichts anderes als den einstigen Überlebenskampf im Busch und der Savanne gegenüber wilden Tieren und gegnerischen Völkern!"
Und noch eines überaschte ihn: Barfuß laufen macht hart! Die kenianischen Talente laufen stets barfuß über Grasland. Die Füße werden dabei so stark und strapazierfähig, dass die Schuhe sich nach der Form richten. "Da kommen einem schon Gedanken über unsere manchmal verhätschelten Kinder, die morgens keinen Meter zu Fuß in die Schule gehen wollen", sinniert der Chef des Meetings [...]
[Saarbrücker Zeitung, 28. 05. 2001]
Starke und strapazierfähige Füße dank Barfußlaufen kann man auch in Deutschland bekommen ... und zum Thema passt auch gleich der nächste Pressebericht :

Ein Stück Afrika belebt das deutsche Symbol
Stürmer Gerald Asamoah gibt gegen die Slowakei sein Debüt für Rudi Völlers Nationalteam [...]
Für die Reise, die den Deutschen die Tabellenführung bewahren und Punkte zur Teilnahme an der WM 2002 sichern soll, hat Völler, nur halbwegs notgedrungen, einen stattlichen Umbau der Mannschaft vorgesehen. Mit den Schalkern Asamoah, 22, und [...] hat er vier Neulinge nominiert [...] aber längst nicht so erstaunlich wie der Weg seines Mitspielers Gerald Asamoah in die DFB-Elf.
Wenn Völler seine Andeutungen in die Tat umsetzt, wird er in Asamoah heute erstmals einen deutschen Nationalspieler aufstellen, der in Afrika geboren wurde (in Mampong, Ghana, um genau zu sein). Hätte dessen Mutter vor acht Jahren davon geahnt, hätte sie ihm bestimmt nicht das Fußballspielen zu verbieten versucht, weil er daheim in der Hauptstadt Accra – in der Obhut der Großmutter – vom barfüßigen Kicken ständig neue Narben davontrug. Die Eltern lebten damals in Hannover, Vater William kaufte dem Sohn Fußballschuhe, aber Gerald mochte sie nicht tragen. "Alle spielten barfuß", hat er dem Fanzine Schalke Unser erzählt, "und du kannst doch nicht als Einziger mit Fußballschuhen spielen."
Die Schuhe hat er dann zwar mitgenommen zum Platz, aber vorher ausgezogen und schließlich dort vergessen. Zur Strafe ließ ihn die Oma barfuß in die Schule gehen, und seine Mutter entschied, ihn nach Hannover zu holen, damit er nicht mehr Fußball spielt. Das ging schief: "Hier wurd's dann noch schlimmer. Zwar mit Schuhen, aber ich habe noch viel mehr gespielt." [...]
[Süddeutsche Zeitung, 28. 05. 2001]


Senegal siegt - Afrika ist glücklich
Afrika Die Fußball-WM steigert das Wir-Gefühl auf dem ganzen Kontinent
Was Politiker nicht geschafft haben, gelingt dem Fußball. Den Afrikanern wird ein Gefühl von Einheit vermittelt [...]
Fußball sei der ideale Hoffnungsträger für Afrika, meint der Direktor des Instituts für Afrikakunde in Hamburg, Andreas Mehler. Er könne barfuß gespielt werden und sei ein Spiel für die Massen [...]
drei afrikanische Staatspräsidenten stellten ein Programm der «Neuen Partnerschaft zur Entwicklung Afrikas» vor - ohne das Volk zu fragen. Keiner dieser «von oben» verordneten Anstöße hat auch nur einen einzigen Menschen auf die Strasse gelockt. Bei Fußball ist das anders, er löst in Afrika Begeisterung für Afrika aus.
[Aargauer Zeitung, 19. 06. 2002]


Den Kick durch Kicks bekommen
Thai Boxing gilt als neuester Schrei bei Trendsportarten. Verwandt mit Tae Bo fördert es Ausdauer, Kraft und Gelenkigkeit. [...]
Es hängt an der Wand, zeigt Speck mir und Schand: das Spieglein. Im Thai-Boxing-Anfängerkurs des Greifswalder Gesundheitssportzentrums Sinus ist das Spieglein allerdings ein wandbreiter Reflektor. Mein Körper ist viel zu gut zu sehen – fet(t)zig ohne Ende. Dabei hab ich meiner Freundin morgens nicht einmal die Butter vom Brot geklaut, sondern nur ab und an die Lätta. Ich Schuft.
Jetzt muss ich schuften. Mich der Schönheit, pardon, der Schlankheit wegen quälen. Mit Thai Boxing geht das gut, hab ich gehört. Soll die Muskeln straffen dieser Sport, jung erhalten und die Gelenke dabei schonen. Ein Wunder gegen Fett sagen Trainer – besser als Fairy ultra.
Aber: Schon das Warmmachen – eine Qual. Schläge. In die Luft. Links, rechts und dabei die Deckung nicht vergessen. Mit den Beinen hüpfe ich vor und zurück. Warum? Hat der Basti gesagt. [...] Er hat's in die Nationalmannschaft geschafft. [...]
Allerdings: Thai Boxing ist klassenlos. Ein Trendsport fürs Gemeinwohl. Eine Mischung aus Thaiboxen und Boxen und eng verwandt mit Tae Bo. Es geht nicht darum, jemanden zu verprügeln, sondern um "Gruppendynamik".
Basti steht frontal vor den Männern und Frauen, als er das sagt. Er mimt den Vorturner. Alle anderen turnen nach. Nicht irgendwie. Nach Rhythmus. Coole Musik hat Basti da aufgelegt. Bissel basslastig, aber gut zum Bewegen. Eins, zwo, vor und zurück. "Joooaah, das ist Ganzkörpersport", ruft Basti. Der hat gut rufen. [...]
Die Schaummatten unter meinen nackten Füßen fangen mich sanft auf. Immer wieder. Ist ja doch ganz lustig hier.
Aber aah! Was ist das? Basti reißt sein Bein vor. Er nennt das Front-Kick. Aha, denke ich: Wo eine Front ist, muss auch eine Flanke sein. Und richtig. Der nächste Tritt: ein Side-Kick. Heißt: Hüfte raus und zack. Oberkörper und Bein müssen eine Linie bilden. Die Frauen neben mir schaffen's locker. "Sehr schön sieht das aus", lobt Basti. Mich lobt er nicht. Kein Wunder: Ich hab die Gelenkigkeit eines Küchenstuhls [...]
Basti erzählt mir später, das müsse so sein. Weil Thai Boxing neben Spaß auch Muckis bringen soll. Und Gleichgewicht, Rhythmusgefühl, vor allem aber Gelenkigkeit. Für mich also genau das Richtige. Damit aus dem Küchen- wenigstens ein Klappstuhl wird.
[Ostsee Zeitung, 28. 03. 2003]


Balsam für Körper und Seele
Nia, der neue Fitnesstrend, macht schön von außen und stark von innen
[...] Aus der Stereoanlage rauscht sphärische Musik. «Spürt euer Blut pulsieren! Lauscht eurem Herzschlag! Lasst die negativen Energien aus euch herausströmen», sagt Fitness - Lehrerin Miriam Wessels mit sonorer Stimme und schwingt ihre Arme in weichen, großen Bewegungen hin und her. Ihre Augen sind geschlossen, der Kopf hängt locker. Hinter ihr atmet eine Gruppe Teilnehmerinnen laut ein und aus, Hände werden herumgewirbelt, überall entspannte Gesichter.
Was wie eine Meditationsübung anmutet, entpuppt sich als fröhlicher Yoga- und Power- Mix: Nia steht für «Non Impact Aerobic», für Aerobic ohne Gelenkbelastung, und umfasst eine bunte Ost - West - Mischung aus Aerobic, Jazztanz, Yoga, Tai Chi und Kampfsportelementen. Wie fast alle neuen Fitnesstrends kommt auch Nia aus den USA. Vor 15 Jahren entwickelten Ex - Tennis - Profi Carlos Rosas und seine Frau Debbie ein sanftes Aerobic-Programm, indem sie scheinbar gegensätzliche Elemente aus den verschiedenen Fitnessbereichen mischten. Das daraus entstandene ganzheitliche Programm ist nicht nur Training für den Körper, sondern auch Medizin für Geist und Seele.
Nia beginnt ganz sanft: Durch zeitlupenartige Tai - Chi - Bewegungen sollen der Alltagsstress abgeschüttelt, die Muskeln gelockert und die Energiezentren des Körpers geöffnet werden. Barfuß, tief ein- und ausatmend, schreitet die Gruppe durch den Raum und lässt dabei langsam Arme und Schultern durch imaginäres Wasser gleiten.
Turnschuhe sind tabu, denn «nur so könnt ihr den Boden unter euren Füßen spüren, damit die Energien ungehindert fließen», erklärt Miriam Wessels. Und schon beginnt die diplomierte Sportwissenschaftlerin und Gestalttherapeutin loszutanzen. Die Musik bewegt sich jetzt zwischen Afro - Rhythmen, Cha- Cha- Cha- Klängen und Pop - Hits. Die Nia - Begeisterten wechseln zwischen schnellen Tanzschritten und heftigen Taek- Won- Do- Kicks, begleitet von aggressionslösenden Schreien. In der Improvisationsphase werden Herz und Kreislauf trainiert und Fett abgebaut. [...]
Jeder darf den Rhythmus und die Intensität der Übungen selbst bestimmen», sagt Miriam Wessels die Philosophie des Body- and- Mind- Programms. Sich nicht mit anderen vergleichen, seinen Körper so akzeptieren wie er ist - bei Nia muss man sich nicht dogmatisch auspowern, sondern führt nur Bewegungen aus, die dem eigenen Körper auch wirklich gut tun. Jeder kann mitmachen: Alter und Grad der Sportlichkeit spielen keine Rolle. «Nia fühlt sich einfach gut an, und ich fühle mich in meinem Körperbewusstsein bestätigt», schwärmt eine Teilnehmerin. [...] Nia ist wunderbar entspannend, erfrischend und macht stark.
[Berliner Morgenpost, 06. 12. 1998]

Mit "Nia" leicht wie eine Feder
Neues Fitnesskonzept verbindet Körper, Geist, Seele / "Schnuppern" in Fitness-Factory
[...] Den rechten Fuß vor. Wieder zurück. Nun einen Schritt zur Seite. Jetzt die Arme kreisen lassen. Wie bitte?
Inmitten einer Gruppe von zehn Frauen – altersmäßig bunt gemischt – versuche ich die Schritte so nachzumachen, wie Trainerin Milissa sie gerade gezeigt hat. Doch immer wieder komme ich aus dem Takt, fühle mich wie bei meiner ersten Aerobic-Stunde – steif und unbeholfen.
"Denk nicht über die Schritte nach, beweg dich einfach wie es dir Spaß macht. Dann kommt alles von selbst." Milissa macht mir Mut. Eins, zwei, drei – und siehe da, es klappt. Ich übernehme die Tanzschritte so gut es geht, bewege mich plötzlich wie eine Feder zur Musik und beginne mich richtig wohl zu fühlen.
Genau das soll "Nia" bewirken: Das Fitnesskonzept, in Deutschland brandneu, kommt aus den USA und steht für "Neuromuscular integrative action".
"Nia will Körper, Geist und Seele in Einklang bringen", erklärt Milissa Kern [...] "Immer wieder bin ich auf angespannte und verspannte Menschen getroffen und dachte, denen und auch mir muss ich etwas Sanfteres bieten." So kam die 32-Jährige auf "Nia", absolvierte eine zehntägige Ausbildung und bietet nun den Wohlfühlsport seit September zweimal in der Woche in der Fitness-Factory an.
"Lasst euren Körper eins mit eurer Seele und eurem Geist werden, konzentriert euch nur auf euch", Milissas warme Stimme wirkt beruhigend. Mit geschlossenen Augen sitzen wir im Kreis, entspannt, aber aufrecht im Schneidersitz, lauschen der leisen Musik und verbannen die Alltagsgedanken aus unseren Köpfen. Drei Minuten lang. Dann beginnt Milissa mit dem Aufwärmtraining. Unsere nackten Füße wippen auf und ab, wir lassen die Hüften kreisen. Zwischendurch recken wir die Arme in die Höhe, atmen tief ein und lautstark wieder aus. "Das Atmen ist wichtig", erklärt die Trainerin, "unser einziges Bauchmuskeltraining."
In "Nia" vermischen sich östliche und westliche Tanzformen, Kampfkünste und ganzheitliche Körpertherapien wie Modern Dance, Jazz-Dance, Tai Chi, Aikido, Taek Won Do und Yoga zu einem Bewegungskonzept. Das amerikanische Paar Debbie und Carlos Rosas, sie Aerobic-Trainerin, er Tennisprofi, haben "Nia" im Jahr 1983 entwickelt.
Die Trainierenden lernen ihren Körper kennen. "Jeder entscheidet letztendlich selber, wie er sich bewegen möchte", sagt Milissa Kern.
Alle tanzen barfuß: "Das ist für die Fußreflexzonen und um sein Gleichgewicht zu spüren." Rücken-, Gelenkproblemen oder Verspannungen soll "Nia" auf die sanfte Tour und durch das Lernen, sich auch im Alltag körperbewusst zu bewegen, den Garaus machen. [...]
Evelyn (34), Ulrike (40), Tina (43) und Beate (37) sind seit dem ersten "Nia"-Training dabei. "Ich bewege mich seitdem viel bewusster", sagt Evelyn. Ulrike nutzt "Nia" mittlerweile im Alltag, um Stress abzubauen. Außerdem hat sie mit dem Training Hemmungen vermindert: "Ich habe vorher keinen Spaß daran gehabt so zu tanzen, wie es mir in den Sinn kam." Sandra (25) ist zum ersten Mal dort. Sie hat wegen Gelenkproblemen eine Alternative zum Tae Bo gesucht und ist begeistert: "Da kann man sich richtig fallen lassen." [...]
Mehr Infos über das neue Fitnesskonzept gibt es auch im Internet unter www.nia-online.de.
[Harke (Nienburg), 24. 01. 2002 ]


In Zeitlupe auf dem Weg zur Harmonie
Kurs Tai Chi an der Volkshochschule sehr gut besucht [...]
Barfuß stehen sie im Gras vor dem Merseburger Schlossgartensalon. Wie in Zeitlupe heben sie anmutig die Arme, schieben etwas Unsichtbares von sich. Entrückt bewegen sie die Körper. Was ist bloß los mit denen, denkt so mancher Passant. Die sind doch nicht von dieser Welt.
Die Männer und Frauen sind Bürger wie du und ich [...] Die ersten Zipperlein im Genick, auch der Rücken meldet Verschleiß an. Jetzt sind sie auf dem Weg, zu vollkommener Harmonie zu gelangen [...] Die Kreisvolkshochschule hilft dabei, ruhiger zu werden. Nun bereits zum zweiten Mal bietet sie einen Kurs in Tai Chi an, einer Methode der traditionellen chinesischen Medizin zur Gesunderhaltung, Kräftigung, Stabilität und eben Harmonie.
Die Ausbildungseinrichtung kann sich kaum retten. Offenbar ist der Bedarf, Entspannung, Gelassenheit und Ruhe ohne große Anstrengung zu finden, enorm. Die Leute aus dem ersten Semester machen weiter und mehr als 30 Neuankömmlinge üben sich in sanften, fließenden, wirklich schönen Bewegungen.
An denen auch Männer Freude haben [...] "Das Schöne dabei ist, dass die Frauen und Männer nach einiger Zeit bewusster auf ihren Körper achten und in sich ruhiger werden", ist die Erfahrung der 42-Jährigen. Die alten Chinesen wussten bereits: "Durch Tai Chi wird man geschmeidig wie ein Kind, gesund wie ein Holzfäller und gelassen wie ein Weiser."
[Mitteldeutsche Zeitung, 05. 09. 2002]


GYMNASTIK: Beim "Kranichschnabel" ganz tief einatmen [...]
SPEYER. Gestern 9.30 Uhr, Auftakt beim Qi-Gong-Training des Karate-Dojo Speyer. In zehn Trainingseinheiten werden "die großen Bewegungskünste des alten China in Speyer vermittelt", so die Kursinformation.
Zwei der vier teilnehmenden Frauen fegen noch schnell den Boden, damit sich später keiner schmutzige Füße holt - Schuhe sind bei dieser Sportart tabu. "Das Kehren ist ein Ritual, das gehört dazu," erklärt Dorothee Herbert, die nicht zum ersten Mal dabei ist: "Das Training ist gut zum Energie Tanken."
Die Füße, entweder barfuß oder in rutschfeste Socken gehüllt, frieren auf dem kühlen PVC. Eine Wand zieren Vereinswimpel, die andere ist verspiegelt - an Asien erinnert hier leider gar nichts. Bevor es los geht, werden noch blaue Judomatten an jeden verteilt. Elke Delzer, die Leiterin des Kurses, erklärt die Grundhaltung: "Knie leicht gebeut, Becken vorschieben und das Kinn leicht zurücknehmen, so dass die Energien richtig von oben nach unten fließen können." Nun fehlt nur noch die richtige Atmung. "Tief die Luft in den Bauch ein- und wieder ausatmen." Dabei werden die Hände über den Kopf geführt und beim Ausatmen schnell an die Oberschenkel geschlagen. "Das kann man ruhig richtig kräftig machen, damit die Spannungen aus dem Körper weichen," [...]
Geschick, Balance und ein Sich-Einlassen auf die asiatischen Gymnastikübungen - sie machen die körperlichen und energetischen Verbindungen im Körper bewusst - sowie auch Geduld sind nötig. "Am Anfang gibt es sehr viel, auf das man sich gleichzeitig konzentrieren muss und das einem fremd ist, aber wir wiederholen die Ausführungen immer wieder," macht die Kursleiterin Mut [...]
[RON - RHEINPFALZ ONLINE, 27. 03. 2003]

Mit Dampfstrahler und Bratpfanne
Steffi Kirsch und Christian Kurz bei den Deutschen Barfuß- Wasserski Meisterschaften erfolgreich [...]
SCHLEICH. Die beiden heimischen Starter Christian Kurz und Steffi Kirsch vom SC Mosel Römer belegten bei den Deutschen Meisterschaften im Barfuß-Wasserski insgesamt fünf erste Plätze.
Tumble down, Back to the front oder Toehold ­ auf der Startrampe gehen die Barfuß-Wasserski- Läufer in Gedanken noch einmal ihren Lauf durch. Dann der Sprung ins Wasser, kurz die letzten Vorbereitungen, und los geht's.
Innerhalb von wenigen Sekunden beschleunigt das Zugboot auf Geschwindigkeiten zwischen 60 und 70 Stundenkilometern, das Wasser spritzt neben den Läufern, die an einer zirka 20 Meter langen Leine gezogen werden, mehrere Meter hoch.
Zwei Wertungsläufe werden bei den Deutschen Meisterschaften im Trick-Lauf hintereinander absolviert. In 15 Sekunden müssen die Wasser-Akrobaten so viele Kombinationen wie möglich zeigen. Für diese 15 Sekunden müssen die Läufer jedoch ein vielfaches Mehr an Zeit auf nackten Füßen auf dem Wasser stehen.
"Bei jedem Lauf bist du ungefähr zwei Minuten unterwegs", erzählt Stefan Wösting. "In dieser Zeit benötig man unheimlich viel Kraft. Es ist schon vorgekommen, dass sich Läufer nach den Wertungen ins Boot ziehen wollten, keine Kraft mehr in den Händen hatten und wieder abrutschten."
Nervenkitzel statt Kribbeln unter den Füßen
"Du brauchst ungefähr so viel Kraft, als würdest du eine Minute lang mit voller Belastung an der Zugmaschine stehen", fügt Christian Kurz vom Ausrichter SC Mosel Römer hinzu.
Beim Barfuß- Wasserski ist die Körperhaltung wichtig: "Es kommt bei uns unheimlich auf die Haltung an. Die Knie dürfen nicht vor den Fußgelenken sein, die Schultern nicht vor der Hüfte", erklärt Wösting. Bei der Demonstration der Idealhaltung sieht es aus, als würde der Treiser auf einem bequemen Stuhl sitzen ­ nur die Unterlage fehlt.
Im Gegensatz zum herkömmlichen Wasserski spürt man beim Laufen auf den blanken Fußsohlen einen größeren Druck unter den Füßen ­ aber nicht, wie oft vermutet, ein Kitzeln und Kribbeln.
"Es kitzelt eher an den Nerven, als an den Füßen", beschreibt Christian Kurz. "Wer einmal das Gefühl von Barfuß-Wasserski erleben möchte, hält sich am besten einen Dampfstrahler von vorne unter die Füße und haut hinten mit der Bratpfanne auf die Schultern", vergleicht der Hermeskeiler, der zurzeit in Berlin studiert. "Gerade beim Springen, für das man erst einige Prüfungen absolvieren muss, um die Lizenz zu erhalten, ist der Druck enorm hoch" [...]
[Trierischer Volksfreund, 16. 07. 2002]

Auf dem Wasser ist alles anders
Frank Renelt aus Lockhausen vor einer spannenden Saison [...]
Mit beiden Händen greift er nach einer Hantel. Die befindet sich an einer Leine, 24 Meter hinter einem Boot. Der gesamte Körper ist in der Waagerechten und liegt flach auf dem Wasser. Nur kurz danach richtet er seinen Oberkörper auf und setzt dann seine Füße ein bis zum Stand. Das Boot fährt rund 70 Kilometer pro Stunde. Die Füße sind nackt.
Frank Renelt (17) bei einer Trainingseinheit auf der Weser. Seit seinem elften Lebensjahr ist ein Sport seine Leidenschaft: Barfußwasserski. [...] Inzwischen ist er Europameister der Junioren im "Trick" (2002). [...]
Heiße Füße oder eine Hornhaut habe er nicht unter seinen Füßen, so Renelt. "Um diesen Sport zu betreiben, braucht man nur eine gewisse Sportlichkeit. Der Rest ist learning by doing", sagt Renelt und ergänzt: "Es macht kaum Sinn, auf dem Land zu trainieren, denn auf dem Wasser ist eh alles anders." [...]
In Deutschland laufen nur rund 35 Athleten bei Wettkämpfen Barfußwasserski. Und wie ist der junge Lipper zu diesem Sport gekommen? Renelt: "Mit vier Jahren habe ich während eines Urlaubs mit Wasserski laufen begonnen. Bis zum elften Lebensjahr habe ich dies gemacht. Dann sah ich Senioren-Europameister Dirk Niemeyer beim Barfuß laufen. Er hat mich inspiriert und mir den Sport beigebracht." [...]
[Lippische Landes-Zeitung, 29. 03. 2003]


Gelenkigkeit von Jüngsten lernen
Neues Bewegungskonzept wird im Kindergarten erprobt - Beweglichkeit fördern
Aldein (dp) - Mit einem neuen Konzept will der Aldeiner Kindergarten bessere Entwicklungshilfen für die jüngsten Kinder des Dorfes bieten. "Bewegung fördert den Kreislauf und die grauen Zellen", ist sich der Klausner Gymnastikpädagoge Reinhard Tutzer sicher. Er vermittelt den Verantwortlichen des Kindergartens, den Eltern und Kindern, wie Gymnastik richtig und sinnvoll gemacht wird. Das Schwerpunktthema der Kindergartendirektion Neumarkt ist heuer "Kreative Bewegung im Kindergarten" [...] Kindergartenpersonal, Eltern und Kinder werden mittels praktischer Übungen und theoretischer Einführungen mit den Materien Gymnastik und Bewegung vertraut gemacht, "damit das die Eltern zu Hause fortführen können, was wir im Kindergarten beginnen", sagt Tutzer.
"Kinder sind viel gelenkiger als wir Erwachsene, obwohl wir es auch noch sein könnten", sagt er. "Wir sollten uns von den Kindern sogar noch Bewegungen abschauen und nachmachen, denn das sind die natürlichsten Abläufe." Unbeweglichkeit schafft oft Schmerzen, die durch gezielte und konsequente Bewegungsgymnastik wieder gelindert oder gar geheilt werden können. Bewegungsabläufe bewusst gemacht, fördern auch die geistige Entwicklung, weshalb bereits früh damit begonnen werden sollte, sagt Tutzer.
Den 38 Kindern im Aldeiner Kindergarten scheint die Methode Spaß zu machen. Auch von den Kindergärtnerinnen erfordert es ein Umdenken, "doch sehen wir die Erfolge bereits jetzt", sagt Edeltraud Kalser. Konkret geht es dabei laut Tutzer um folgende Punkte: die Kinder sooft als möglich barfuß laufen lassen, sie alle Aktivitäten, wenn möglich, am Boden erledigen lassen sowie die Kinder in ihren Bewegungsabläufen nicht einschränken. Platz dafür wurde im Aldeiner Kindergarten bereits geschaffen [...]
[Dolomiten, 25. 01. 2000]

Neue Ideen beim Tageslehrgang der Sportjugend
Barfüßig und blind [...]
Gut besucht war der Tageslehrgang der Bayerischen Sportjugend zum Thema Kinderturnen [...]
Vor dem Mittagessen in der Schulküche, das vom FSV Schnabelwaid organisiert wurde, wurden verschiedene Großgeräte aufgebaut, die von der Referentin geschickt zu einem "Fühlparcours" durch die gesamte Turnhalle gestaltet wurden. Barfüßig und mit verbundenen Augen tasteten sich die Teilnehmer einzeln an einem Seil entlang über die Hindernisse, krochen durch enge Tunnels und schnupperten verschiedene Duftstoffe. In einer Gesprächsrunde konnte jeder seine eigenen Gefühle und Empfindungen beim Durchlaufen des Parcours schildern. Außerdem zeigte die Referentin Möglichkeiten, die einzelnen Bausteine entsprechend den Gegebenheiten in der eigenen Turnhalle oder auch im Freien zu verändern. Einstimmige Meinung der Teilnehmer: "Das war toll, so was müssen wir bei uns auch mal machen!" [...]
[Nordbayrische Nachrichten, 12. 07. 2002]


Heiße Füße für die Schnellsten
Neu organisiert ist «Dä schnellscht St. Galler» noch attraktiver
Für die Kinder der Stadt St. Gallen ist der Wettkampf um die schnellsten Schülerinnen und Schüler ein Sportfest. Für die Sportartikel - Hersteller muss er ein Graus sein. Da investieren sie Millionen ins Schuh - Design, und dann das: Der Grossteil der Kinder verzichtet darauf, teure Markenschuhe zu schnüren und läuft barfuß.
Im Gegensatz zu den Sportartikel - Herstellern bleibt die Begeisterung nicht auf der Strecke. Die Zehen werden millimetergenau an die Startlinie gestellt, um beim Startschuss nicht frühzeitig in Rückstand zu geraten. Ein Knall, und los geht es unter den Anfeuerungsrufen der Mitschüler, Lehrer und Eltern. Wer als Erster ins Ziel kommt, dem wird die Ehre zuteil, sich auf einem Podest feiern zu lassen.
Dabei tanzen die Kinder dann ganz nervös umher, weniger wegen des Sieges, als vielmehr, weil die Sonne das lackierte Holz auf Bratpfannen - Temperatur aufgeheizt hat. Schuhe wären jetzt nicht schlecht [...]
Insgesamt starteten 130 Staffeln, im vergangenen Jahr waren es noch 62. Unter dem Strich starteten in diesem Jahr demnach 148 Kinder mehr in den Staffeln
[St. Galler Tagblatt, 15. 06. 2000]

Schweissperlen und läuferische Rohdiamanten
«De schnällscht Zürihegel» bei sommerlichen Temperaturen
urs. Schweisstreibend ist dieser Samstagnachmittag auch für Zeitgenossen ohne sportliche Ambitionen. Manchem glänzt die Stirn, ohne dass er einen Fuss vor den anderen gesetzt hätte. Im Zürcher Freibad Letzigraben drehen und wenden sich faul herumliegende Sonnenanbeter [...] Um jeden Zentimeter wird auch in den Finalläufen auf dem angrenzenden Sportplatz Utogrund gekämpft. Auf dessen Wiese sind über ein Dutzend Bahnen abgesteckt. Es gehört zur Tradition des seit 1951 bestehenden Wettkampfs «De schnällscht Zürihegel», dass nicht auf der Tartanbahn, sondern auf dem Rasen gesprintet wird.
3500 Stadtzürcher Primarschulkinder haben zuvor in Quartierausscheidungen und Zwischenläufen um die 144 Finalplätze im Einzellauf gewetteifert. Nach Alter sowie Geschlecht unterteilt, machen die Schnellsten nun in zwölf Endläufen die Allerschnellsten unter sich aus. Eltern mit Videokameras und stolz geschwellter Brust spornen Söhne und Töchter an, während kleine Schwestern sich die Münder mit rosaroter Zuckerwatte verkleistern [...]
Während die Finalisten von der blechernen Megaphonstimme namentlich vorgestellt werden, spiegelt sich eine Mischung aus Stolz und Verlegenheit in ihren Augen. Manche winken wie Teletubbies - die pummeligen Helden aus der gleichnamigen Fernsehserie - von der grünen Wiese, andere üben sich bereits in Siegerposen. Als sie kurz darauf in mehr oder weniger ausgereiftem Laufstil und fast ausnahmslos barfuss vorbeiflitzen, treten die unterschiedlichen körperlichen Entwicklungsstände innerhalb der Jahrgänge eindrücklich zutage. Winzige Gazellen messen sich auf der 80-Meter-Strecke mit bulligeren, um mehrere Köpfe grösseren Gleichaltrigen, wobei Erstere keineswegs immer die letzten Plätze belegen [...]
Ramona Mannino kontert als Sprintstärkste des Jahrgangs 1994 im bis zu den Knien reichenden Siegerinnen-T-Shirt die selten doofe Frage des Berichterstatters, weshalb sie gewonnen habe, mit einer konzisen Analyse: «Weil ich die Schnellste war.» [...]
[Neue Zürcher Zeitung, 26. 05. 2003]


«Feuerstock» am Uluru entzündet - Fackel auf dem Weg nach Sydney
Ayers Rock (dpa) - Der olympische «Feuerstock» ist auf dem Weg nach Sydney. Nach einer schlichten Zeremonie vor der traumhaft schönen Kulisse des Ayers Rock im Roten Herz Australiens ist die olympische Fackel am Donnerstag von den ersten der 11 000 Läufer getragen worden. In Sydney wird sie am 15. September vor 110 000 Zuschauern die Flamme für die Sommerspiele entzünden.
In bitterer Kälte bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt warteten die Stammesältesten der Anangu seit kurz nach Sonnenaufgang auf die olympische Flamme. [...] Nova Peris - Kneebone durfte als erste mit der Fackel laufen. Die 29 - jährige Aborigine hatte 1996 als erste Ureinwohnerin Gold für Australien gewonnen. Sie siegte mit der Hockey - Mannschaft und wird in Sydney wahrscheinlich im Sprint an den Start gehen.
In strahlendes Weiß gekleidet, strahlte die dunkelhäutige Sportlerin in die über zwei Dutzend Fernsehkameras und sagte nach ihrem Lauf, den sie trotz Kälte aus Respekt für ihre Herkunft barfuß absolvierte: «Das war etwas ganz Besonderes. Wir konnten der ganzen Welt unsere Kultur zeigen.» Eine der nächsten Läuferinnen war Evonne Goolagong - Cawley, die zweimalige Wimbledon-Siegerin. Auch sie ist Aborigine und wurde auf ihrem Lauf von zahlreichen Ureinwohnerkindern begleitet, von denen einige Hunderte von Kilometern angereist waren. «Dies war wie eine Segnung der Olympischen Spiele», sagte die ehemalige Tennisspielerin. [...]
[Schwäbische Zeitung und viele andere, 08. 06. 2000]


Mit dem Laubrechen bewaffnet
Auf dem Fitnessparcours Norenberg ob Bazenheid hat Josef Knill wieder das Zepter
Der Fitness - Parcours Norenberg wurde im vergangenen Herbst total erneuert. Dann schlug Sturm «Lothar» zu. Die Anlage mit Finnenbahn ist wieder offen; dass sie im Schuss bleibt, dafür sorgt vor allem ein Mann. [...]
Nächstes Jahr wird der Fitness-Parcours Norenberg zwischen Kirchberg und Bazenheid ein Vierteljahrhundert alt. In die Jahre gekommen, wurde er im vergangenen Herbst einer Gesamtrenovation unterzogen. In Fronarbeit - wie schon bei der Erstellung des Parcours - sorgten alle Sportvereine der Gemeinde dafür [...] Und auch die Finnenbahn wurde vollständig saniert. [...] Der Mann, der seit Bestehen der Anlage nach dem Rechten schaut, ist Josef Knill. [...] So ist er vorderhand jeweils nur mit dem Laubrechen unterwegs, wischt da und dort ein Ästchen oder einen Föhrenzapfen aus der 400-Meter-Finnenbahn. Gefüllt ist sie mit Sägemehl, darunter liegt eine Schicht Holzschnitzel. [...]
«Viele Läuferinnen und Läufer drehen ihre Runden barfuß, und da ist solches Material nicht gerade angenehm», meint er und hebt die Fremdkörper über die seitlich angebrachten Eichenbalken. [...] [St. Galler Tagblatt, 10. 06. 2000]


"Schalke 04, Seele vom Revier" [...]
"Schalke 04 ist die Seele vom Revier", sang Ährwin Weiss, als "Mäusken - Sänger" in den 70-er Jahren bekannt gewordene Ruhrpott - Barde und traf damit voll in die Herzen seines Publikums: Der erste Seniorenstammtisch des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) war ein toller Erfolg und für (ältere) Schalke - Fans unbedingt ein Muss. [...]
Die 70-er Jahre sind Klaus Fischer, dem erfolgreichsten Spieler und Stürmer aus dieser Zeit bestens in Erinnerung [...] Als einen Höhepunkt nennt er die Vizemeisterschaft 1972 gegen die Münchner Bayern. [...]
Gemeinsam mit Mannschaftsarzt Dr. Thorsten Rarreck durchleuchtete er das Thema "Verletzungen". "Wir haben früher barfuß gespielt, hatten kräftige Bänder und Sehnen", weiß er. Und der Arzt bestätigt: "Heute stecken die Spieler von Kindesbeinen an in Fußballschuhen, haben deshalb erhöhtes Verletzungsrisiko!"
[Ruhr Nachrichten, 07. 11. 2000]


Mit Ball am Fuß die Venen stärken
Katholisches Bildungswerk organisiert Kurs in Turnhalle an der Schützenstraße Lünen
"Auch da unten muss man elastisch bleiben", sagt Theo Dewenter und zeigt auf seine blanken Füße. Seit zwei Jahren macht der 63-Jährige mit beim Kurs "Venentraining und Fußgymnastik" des Katholischen Bildungswerkes.
An diesem Freitagvormittag sind außer ihm noch acht Frauen in die Turnhalle an der Schützenstraße gekommen. Jetzt liegen alle zusammen wie hilflose Insekten, die Arme und Beine nach links und rechts gestreckt, auf dem Rücken und versuchen einen großen grünen Gymnastikball mit den Füßen von einem zum nächsten zu geben. "Diese und andere Übungen dienen der Koordination und der Konzentration. Wir machen aber auch Ausdauertraining und Entspannungsübungen", erklärt Kursleiterin Ute Gössing.
Eben, als die Gruppe noch das sogenannte Thera - Band kunstvoll um die Füße gewickelt hatten, hat sie noch Kommandos gegeben: "Bein beugen, Bein strecken, Fuß beugen, Fuß strecken". Übungsleiterin Ute Gössing: "Das stärkt die Fußmuskulatur und den venösen Rückfluss zum Herzen." Und das ist, so Gössing, ganz besonders wichtig: "Bewegungsmangel führt zur Passivität der Fußmuskulatur. Schlecht trainierte und erschlaffte Fußmuskulaturen, Verformungen im Fußskelett wirken nicht selten auch auf Kniegelenke, Hüftgelenke und Wirbelsäule."
Edith Nitsche (64) hat, bevor sie zur Fußgymnastik gestoßen ist, in einer Gruppe geturnt. Sie ist überzeugt davon, dass die freitägliche Übungsstunde schon Wirkung zeigt: "Meine Gelenke werden nicht mehr so schnell müde." Die wöchentlichen Übungen machen der agilen Frau immer Spaß, reichen tun sie ihr aber nicht: "Ich mache jeden Abend zu Hause mit der Fußgymnastik weiter. Denn ich will auch noch im Alter noch lange laufen können". [...]
[Ruhr Nachrichten, 09. 02. 2001]


Tanzabende - nicht nur zum Tanzen
Vor sechs Jahren haben Matthias Gerber und Karin Beck aus Winterthur das "Dance Free" ins Leben gerufen - mit dem Ziel, Freundschaften zu knüpfen. [...]
Nicht ein einziges Visitenkärtchen, sondern gleich vier verschiedene geben Karin Beck und Matthias Gerber denen, die sich für ihre Arbeit interessieren. Auf einem einzigen Kärtchen hätten ihre vielen Berufe und Aktivitäten auch keinen Platz: Sie spielen Volksmusik an Festen aller Art, leiten Männer- und Stimmgruppen, führen Selbsterfahrungswillige in die Natur hinaus und leiten sie zu Ritualen an. Weiter arbeiten sie in der Elternbildung, organisieren Musikfestivals, begleiten Einzelne durch Krisen, gestalten Seminare und geben Musikstunden. [...]
Als das Paar vor sechs Jahren mit der zehnjährigen Tochter einen gemeinsamen Wohnort suchte, geriet es zufällig ins Zelt der Musikfestwochen Winterthur auf dem Kirchplatz. Die Gespräche, die sich mit den Leuten da ergaben, führten zum Entscheid, nach Winterthur zu ziehen. "Wahrscheinlich wäre es normal gewesen, Treffpunkte und Kurse zu besuchen, um hier neue Beziehungen zu knüpfen, doch wir wählten den umgekehrten Weg und stellten selber einen Anlass auf die Beine", erzählt Gerber.
Als er erstmals mit der "Dance Free" - Idee im städtischen Kulturzentrum Alte Kaserne vorsprach, habe man ihn zwar freundlich empfangen, jedoch bezweifelt, dass es funktionieren würde. Mittlerweile steht jedoch etwa zum achtzigsten Mal unter den Veranstaltungshinweisen: "Tanzen, bewegen, Visionen teilen."
Immer mehr Menschen folgen der Einladung. Zu Beginn konnte die Raummiete nur dank viel Rabatt beglichen werden, heute kommen oft fünfzig, sechzig Tanzende, deren Beitrag von je fünfzehn Franken ausreicht, um die Unkosten zu decken.
Mehr wachsen soll die Veranstaltung laut Gerber jedoch nicht: "Sie war von Beginn an darauf angelegt, klein und persönlich zu bleiben."
Ohne Schuhe, Rauch und Alkohol
Die Straßenschuhe bleiben im Obergeschoss der Alten Kaserne draußen vor der Tür. Alkohol und Nikotin sind drinnen tabu, doch im Vorraum stehen kostenlose Softdrinks bereit. [...] Der Tanzraum selbst ist liebevoll-festlich dekoriert mit bunten Lämpchen, Tüchern und Kerzen. Es schweißelt leicht, und aus den Boxen klingen in angenehmer Lautstärke Folk und Oldies, dazwischen mal was Experimentelles.
[...] Fast alle bewegen sich, die meisten allein, ein Paar auffällig aufeinander bezogen, die einen introvertiert-verzückt, die anderen wild und expressiv.
Barfuß ist alles besser
Wer was vom Abend haben will, muss auch gleich loslegen, denn der Anlass endet um halb zwölf. Mehr Frauen als Männer sind gekommen, die meisten im Alter von 25 bis 50.
Schon in Bern hatte Gerber, der sich vor zehn Jahren als Männerarbeiter einen Namen gemacht hat, ähnliche Anlässe organisiert. Während es in Winterthur nichts Vergleichbares gegeben habe, existiere dort eine richtige Barfuß- Disco- Szene. Die Bewegung jener, die glauben, dass "barfuß alles besser ist", stamme aus den USA, sagt Gerber und lacht.
Er positioniert sich zwar in der Selbsterfahrungsecke mit seiner Ausdrucksweise, bricht sie jedoch immer wieder mit leiser Selbstironie. Nur der Mittelteil des Winterthurer "Dance Free" ist einzigartig, da von Beck und Gerber selbst erfunden: Sie rufen die Tanzenden zusammen und lassen einen Gegenstand im Kreis herumgehen. Wer möchte, kann etwas sagen: Ein Wunsch, ein Anliegen, ein Tipp, eine Mitteilung. Von "ich möchte ein Gedicht mit euch teilen" bis "wer kennt eine gute Kinderärztin in Winterthur?" hat alles Platz.
Danach geht die Musik weiter, und ganz nebenbei wird koordiniert, vermittelt, geplant. Gerber und Beck kriegen nur am Rand mit, was dabei alles entsteht. "Das soll auch so sein", sagt Beck, "wir geben nur den Raum, die Leute müssen selbst die Initiative ergreifen." [...] Längst haben Karin Beck und Matthias Gerber den Gedanken weitergesponnen, auf diese Weise Ideen und Gemeinschaften entstehen zu lassen. [...] Beide träumen davon, eine Gemeinschaft zu bilden, die von Tauschhandel und gemeinsamen Vorhaben lebt. Letztes Jahr luden sie Interessierte zum Brainstorming bei "Sippensuppen" ein. Mittlerweile ist eine ganze Gruppe daran, ein Leitbild zu erarbeiten, um eine Art Dorf in der Stadt zu gründen. Dieses soll nicht wie ein konventioneller Verein von einzelnen, sondern von mehreren Hundert Mitgliedern getragen werden. "Dance Free" könnte darin Teil eines großen Ganzen werden. [...]
[Tages Anzeiger, 14. 03. 2001]

Bei Workshops Afrika hautnah erleben [...]
"Zählt mal mit den Füßen und habt Geduld, man muss die Schritte verstehen, dann kommen sie von alleine."
Mit viel Einfühlungsvermögen erklärte Nago Koitc den sieben Tänzern vor ihm, worauf es ihm ankam. "Lasst euch einfach reinfallen" riet er ihnen und nach einem "Fertig?" begannen die sechs Trommler erneut mit dem anschwellenden, mitreißenden, kurz typisch afrikanischem Rhythmus, den sie ihren "Djembcs" entlocken.
Die Tanzgruppe begann sich daraufhin anmutig zu bewegen: Beginn mit dem rechten Fuß, Wechsel zum linken Fuß, Arme nach vorne, Oberkörper fallen lassen. Dann wieder vorn und immer schneller werdend.
Erwachsene und Kids erlebten am Wochenende in Workshops Afrika live. Tanz, Trommeln und Geschichten standen auf dem Programmplan [...]
"Für mich ist der afrikanische Tanz nicht ganz neu, was mir daran gefällt, ist die Erdverbundenheit", erzählte sie und lächelte: "Man muss allerdings loslassen können, das ist ja nicht immer die Sache der Europäer." Das Erlernen der Tanzschritte selbst sei nicht schwer. "Wenn es einmal sitzt, tanzt man fast wie im Trance." [...]
Kursleiter Nago Koitc formulierte die Ziele seines Tanzkurses ähnlich. "Ich möchte den Leuten helfen, Stress abzubauen und die Seele zu reinigen." Sein Angebot empfindet er als einen besonderen Kulturaustausch. Er und seine Gruppe wollen in Workshops Europäern "einen afrikanischen Weg der Entspannung" vermitteln. "Wir holen uns im Tanz positive Energie."
Wie das zu verstehen ist? "Der erste Schritt ist der Kontakt zum Boden, sozusagen als Basis, daher tanzen wir auch barfuß." Der zweite Schritt: "Die Einheit mit dem Rhythmus der Trommeln und der Schritte wird angestrebt." [...]
[Remscheider GA, 17. 09. 2002]

Ein Mädchen, das austeilt
Derya Torun aus Hamburg ist Weltmeisterin im Kickboxen, ein Kampfsport, in dem fast alles erlaubt ist. Die Deutsche türkischer Herkunft hält die schwarz-rot-goldene Fahne hoch. Integration ist für sie kein Thema. [...]
Derya, seit ein paar Minuten Weltmeisterin im Kickboxen, steht auf dem Siegerpodest zwischen der Irländerin und der Kanadierin und schwenkt ein schwarz-rot-goldenes Papierfähnlein, wie beim Kindergeburtstag. Die richtige Flagge haben die Leute vom Verband zu Hause vergessen. [...]
Einssechzig, 49 Kilo, immer ein Lachen auf den Lippen. Am liebsten, sagt Derya, hat sie es, wenn ihre Gegnerinnen sich fragen: Was ist das denn für eine? Sie betritt die Kampffläche, der schwarze Pferdeschwanz, der aus ihrem Kopfschutz ragt, fängt an zu hüpfen, und die Herausforderin denkt: dieses zierliche türkische Mädchen.
Aber das ist schon der erste Fehler, denn Derya ist Deutsche, und von diesem Moment an kann die Gegnerin ausgiebig die Hornhaut an Deryas Sohlen betrachten, die von den Kicks aus vorherigen Kämpfen stammt. Die Oberseite der Füße ist verdeckt von einem schützenden Polster; die Unterseite hat die Gegnerin für den Rest des Kampfes vor dem Gesicht, wenn sie nicht gerade einen Tritt auf den Kopf bekommt, auf den Arm, die Brust, in den Bauch.
Derya aus Hamburg-Winterhude, 20 Jahre alt, in Deutschland geborenes und aufgewachsenes Kind türkischer Eltern, angehende Bürokauffrau, trägt Kleidergröße 34, Levi's 25, und wer sich mit ihr anlegt, kriegt ein paar aufs Maul.
Kickboxen hat in Deutschland kein besonders gutes Image, die meisten halten es schlicht für Prügelei, mehr noch als Boxen. Wer sich die Ranglisten der Kickboxer anguckt, stellt fest, dass eine Menge türkischer Namen darunter sind, auch einige türkische Frauennamen. [...]
Das Repertoire der Füße: Frontkicks in die Magengrube, Axe- Kicks, die wie eine Axt auf den Kopf niedergehen, Backkicks, die Pferdetritten ähneln; das Repertoire der Fäuste: Seitwärtshaken, Aufwärtshaken, Milzhaken, Leberhaken, die sind sehr gut, sagt sie, "weil da geht der Gegner sofort zu Boden" [...]
Woher die Aggression, woher das Selbstbewusstsein? Kickboxen ist ein Sport der Underdogs, es gibt Sportschulen, da trainieren fast ausschließlich Ausländer und immer mehr Frauen. Derya kennt eine Türkin, die kämpft immer mit Kopftuch unter dem Kopfschutz.
Verteidigen diese Kämpferinnen sich mit Fäusten gegen eine Gesellschaft, in der sie sich mit Worten nicht zur Wehr setzen können? Oder gegen ein kulturelles Erbe, das ihnen lästig geworden ist? Ist es die innere Zerrissenheit, deutsch zu sein und auch wieder nicht, die sie kämpfen lässt, auch gegen sich selbst?
"Viele ausländische Frauen wollen beim Kickboxen einen auf hart machen", sagt Derya, "die können hier den Mann rauslassen." Wie das mit der Gleichberechtigung bei denen zu Hause aussehe, sei eine ganz andere Sache. [...]
[Tagesspiegel, 02. 07. 2001]


Lieber barfuß auf der Insel, als mit Schuhen in gesellschaftlichen Zwängen [...]
Über sich mag Robert Hamm eigentlich gar nicht reden. Wie wär's mit dem Besuch der jungen Iren in Langen, denen er auf der Insel Handball beibringt? "Das ist okay", sagt Hamm. "Wir schauen mal, wie weit wir in einem Jahr mit dem Handball gekommen sind."
Hamm sitzt in T-Shirt, Jeans und barfuß auf einer Holzbank hinter der Georg-Sehring-Halle und schaut seinen 14 Schützlingen beim Ballsport zu. Die Jungs kommen aus der kleinen Stadt Sligo, wohnen bei Familien in Langen und spielen gegen Mannschaften aus der Region. Zu Trainingszwecken, denn in Irland ist Handball ein exotisches Vergnügen.
Noch verlieren die jungen Iren ständig gegen ihre Gegner. In einem Jahr aber – da will Hamm in Irland zu einem Turnier laden, mit Jugendmannschaften aus Island, Schweden und Deutschland. Bis dahin werden die Jungs bestimmt besser sein. In einem Jahr kann sich viel ändern.
Robert Hamm, den man rund um die Sporthalle als "Robbie" kennt, wohnte bis vor einem Jahr noch in Langen, war Erzieher. Nun lebt er in Irland [...]
Auch die Geschichte Irlands interessiert ihn offensichtlich: Fragt man den Langener, warum auf der Insel kein Handball gespielt wird, gibt's eine kleine kulturhistorische Abhandlung, denn schließlich ist der "Sport ein Teil der Kultur". Irland, so Hamm, hat eine 800 Jahre alte Kolonialgeschichte. "Das Land ist besiegt und erobert, besiegt und erobert worden – und wurde kulturell immer wieder neu besiedelt." Von mehreren Einwanderungswellen schwappten die Briten als letzte auf die Insel – und brachten ihre "nationalen Zwangssportarten" Golf, Rugby und Fußball mit. [...] Und die irischste aller Sportarten sei Gaelic Football, eine Mischung aus Fußball und Rugby. Außerdem beliebt: "Eine Art Squash ohne Schläger", erzählt Hamm und schmunzelt. [...]
Hamm ist kein Fan von gesellschaftlichen Zwängen [...]
Er schaut sinnierend seine Füße an. "Warum ich keine Schuhe anhabe? Das ist die falsche Frage", sagt er und erzählt die Geschichte von dem kleinen Jungen, der mit seinem Vater durch Langen lief und in einer Straße Robert Hamm begegnete. "Der Bub fragte seinen Vater: "Papa, warum haben wir Schuhe an'?"
[Offenbach Post, 15. 08. 2001]


Auf den Spuren von Federer [...]
Mini-Tennis entspricht nicht der Tradition. Gespielt wird unkonventionell - barfuss und auf Rasen. 90 Teilnehmer erlebten die attraktive Spielform in der Reider Badi - aktiv in Badehosen und fernab von Sandplätzen und Hallen [...]
Alles ist bereit. Der Schiedsrichter hat es sich auf seinem Sitz, der komfortabel mit einem Sonnenschirm ausgestattet ist, in luftiger Höhe gemütlich gemacht. Die Partie verfolgt er aus einer Position, welche es ihm ermöglicht, intensive Ballwechsel mit wachsamen Augen zu verfolgen und knifflige Entscheidungen - landet der Ball im Feld oder knapp ausserhalb - aus der Vogelperspektive zu treffen. Auf dem Spielfeld stehen sich die beiden Kontrahenten barfuss und in Badehosen gegenüber - Kleidervorschriften gibt es nur in Wimbledon. Dafür wird wie in Wimbledon auf Rasen gespielt. Dass dieser nicht ganz so kurz geschnitten ist, fördert die Attraktivität des Spiels - Unebenheiten des Terrains verleiten den Ball zu unvorhersehbaren Sprüngen, welche die Akteure zu artistischen Einlagen zwingt.
Darum bevorzugen einige gewiefte Spieler die Taktik, den Ball - vor dem Aufprall auf dem Grün - direkt aus der Luft ins gegnerische Feld zurückzuspedieren [...]
Zum dritten Mal bietet der Schweizerische Tennisverband (Swiss Tennis) in Zusammenarbeit mit den Tennisclubs aus Reiden und Zofingen interessierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Gelegenheit, in der Badi an einem Mini-Tennis-Turnier teilzunehmen - fernab von Sandplätzen und Hallen. Das Spielobjekt ist keine harte Filzkugel, sondern ein weicher Softball, das Racket kürzer und leichter als ein üblicher Tennisschläger und das Spielfeld (10 mal 5 Meter) sehr klein. Gefragt sind also nicht in erster Linie Schlagkraft und Ausdauervermögen, sondern Präzision und Reaktionsvermögen [...]
[Zofinger Tagblatt, 05. 08. 2003]

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