Barfuß - Pressespiegel : Barfuß in anderen Kulturen

Gott muss ein Ire sein
Seelen- und andere Wanderungen im grünen Nordwesten Irlands
Von Michael Tetzlaff [...] Da ist er: Croagh Patrick, einer der heiligen Berge Irlands, an der Clew Bay nahe Westport. Der 762 Meter hohe Kegel verdankt seinen Namen Irlands Schutzpatron St. Patrick. Der Heilige hatte im fünften Jahrhundert auf dem Gipfel 40 Tage fastend zugebracht. Da hoch? Bis zu 60 000 Pilger schaffen jährlich den Aufstieg. Hauptverkehrstag ist der letzte Sonntag im Juli. Das untere Drittel des Croagh ist gnädig. Ein paar Steine liegen im Weg, auch die Steigung ist noch erträglich. Pause. Nein, das kann nicht unser Weg sein. Er ist es doch. Nach einer Strecke, die an die Substanz geht, fast flaches Land. Doch jetzt: Das Stück vor dem Gipfel besteht nur noch aus willkürlich hingeworfenen Steinen. Douglas ist ein gutes Vorbild, mancher Meter geht nur auf allen Vieren.
Oh Gott! Jawohl. Einige Pilger besteigen den Croagh barfuß, heute jedoch nicht. [...] der Gipfel ist erreicht, nach etwas mehr als zwei Stunden. Die kleine, weiße Kapelle ist keine schwächebedingte Halluzination sondern Wirklichkeit. Wie mag wohl das ganze Baumaterial hier hoch gekommen sein? Der Blick über die Clew Bay macht klein. Croagh Patrick sagt: "Na du Wurm, noch irgendwelche Fragen ans Leben?" [...]
[Frankfurter Rundschau, 05. 11. 1999]


Weisheit und Sanftmut der Lehre Buddhas
Sri Lanka wie eine Perle im schwimmenden Ozean
Von unserer Mitarbeiterin Felicitas Martin
Colombo. Sri Lanka nannten schon die Ureinwohner ihre vor der Südspitze Indiens liegende Insel, die auf dem Globus einer im Ozean schwimmenden Perle gleicht. In verschwenderischer Laune hat die Natur ihre ganze Schönheit auf diesem Eiland ausgeschüttet. Noch heute gibt es lauschige Buchten mit unberührten Palmenstränden, undurchdringlichen Urwald, der vom Meer bis ins bergige Hochland im Innern der Insel reicht. [...] Unser Ziel war der heiligste Berg des Landes, der Adam's Peak, dessen kegelförmiger Gipfel den grünen Urwald überragt. Hunderte von Pilgern und Touristen bewältigen Tag und Nacht den mehrere Stunden dauernden Aufstieg zum Gipfel, auf dem in 2400 Meter Höhe eine Vertiefung im Felsen von Gläubigen als Heilige Fußspur verehrt wird. Von Mythen und Legenden, die sich je nach Konfessionszugehörigkeit um die Fußspur Buddhas, Shivas oder Adams ranken, geht eine seltsame Faszination aus und selbst Touristen aus dem Westen verfolgen gebannt das Ritual sich ehrfurchtsvoll verbeugender Mönche und Pilger, die bei leisem Glockenklang betend und singend die "Sri Pada", die Heilige Fußspur, umkreisen. [...] 80 Prozent der 16 Millionen Einwohner Sri Lankas bekennen sich zum Buddhismus, der Harmonie, Weisheit und Sanftmut ausstrahlt, die sich oft im Wesen der Menschen widerspiegeln. Noch immer werden Tempel und Klöster mit großem Respekt und nur barfuß betreten. Spuren tief religiöser Verehrung Buddhas reichen in Sri Lanka, wo der friedvolle Weg des Buddhismus über ganz Ostasien begann, 2500 Jahre zurück. [...] Am letzten Abend unseres Besuchs beobachteten wir ergriffen den unbeschreiblichen Zauber eines tropischen Sonnenuntergangs. Wenn dann das Land für eine kurze Spanne Zeit von goldenem Licht überstrahlt wird, versteht jeder, warum Sri Lanka in seiner poetischen Bedeutung das "Strahlend schöne Land" heißt.
[Nordkurier, 13. 09. 1999]


Soneva Fushi - die Insel für die Liebe
"Maruhabaa." Bei der Begrüßung am Resort schmettert das Besitzer-Ehepaar Sono und Eva den Gästen diesen Gruß in der Inselsprache entgegen: Willkommen auf den Malediven, auf der Trauminsel Soneva Fushi. "Soneva" setzt sich aus den Namen Sono und Eva zusammen. "Fushi" bedeutet in der Landessprache Insel. In dem Resort können sich Urlauber eine von 60 Villen zum Wohnen aussuchen. Romantisch wie die Anlage ist auch deren Entstehungsgeschichte. Eva, ein ehemaliges schwedisches Fotomodell, verliebte sich nicht nur in die Malediven-Insel Kunfunadhoo, sondern auch in Sono. Der Sohn aus einer reichen Kaufmannsfamilie legte seiner Angebeteten die Insel zu Füßen. Beide heirateten und erbauten 1995 zusammen die Villenanlage. So können auch Urlauber teilhaben an dem Inselparadies. Man geht barfuß. Beim Abendessen im romantischen "Me Dhuniye"-Restaurant graben sich die Füße in den feinen Sand. ... Viele Urlauber reisen zum Tauchen und Schnorcheln auf die Malediven. Sie sind fasziniert von den exotischen Fischen und farbenprächtigen Korallenlandschaften. Bereits am Ufer tummeln sich schillernd bunte und schwarz-weiß-gestreifte Meeresbewohner. Neugierig schwimmen sie um die Schnorchler herum, lassen sich gutmütig beäugen. ... Land&Leute Die Malediven bestehen aus 1200 Inseln, wovon 200 bewohnt sind. Sie liegen über 700 Kilometer südwestlich des indischen Subkontinents. Einwohnerzahl: 260 000, in der Hauptstadt Male leben 70 000. Klima: ganzjährig zwischen 26 und 32 Grad. Der Islam ist die vorherrschende Religion. Alkohol und FKK sind verboten. ...
[Berliner Kurier, 0 7. 07. 1999]


O - Ton [...] "Als Präsident werde ich nun Schuhe tragen müssen."
Abdurrahman Wahid, der neue Staatschef Indonesiens, zu seiner Vorliebe, barfuß auf dem Boden zu sitzen.
[Salzburger Nachrichten, 8. 11. 1999]


Nur einer kam gut durch die Hölle - barfuß!
Ein Aborigine, ein Globetrotter und ein Marathonläufer in den Outbacks Australiens: Sie kämpften gegen Hunger, Durst, Hitze, Giftschlangen und Krokodile. Aßen Wurzeln, Spinnen, Fliegen, Mäuse - 25 Tage Leiden ! [...]
Am Ende der mörderischen Tour nahm Rüdiger Nehberg ein heißes Bad. "Genüsse wie im Paradies. Ich soff viereinhalb Liter kalten Kakao und wusch mir den ganzen Dreck ab." 25 Tage Überlebenskampf in der westaustralischen Einöde, 600 Kilometer Hunger, Durst und Entbehrungen lagen hinter ihm. Sengende Hitze, Giftschlangen und Krokodile machten den Marsch zu einer gefährlichen Tortur: "Ich hatte elf Kilo abgenommen und nur noch rohes Fleisch unter den Füßen", sagt Deutschlands berühmtester Abenteurer. [...]
Mit ihrem "Human Race" wollten der Hamburger Aktionist Rüdiger Nehberg und seine beiden ungleichen Konkurrenten auf das Schicksal der Ur-Einwohner in aller Welt hinweisen. "Wie die Indianer Amerikas, sind auch die Aborigines 200 Jahre lang ihrer Seele beraubt worden", sagt Nehberg. "Ihnen wurden zwar die Staatsbürgerrechte gegeben, aber der Rassismus grassiert nach wie vor. Sie finden nur schwer Anschluss an unsere Welt."
Der Marsch vom Wolf - Krater in der Kimberley - Region zum verträumten Hafen- und Goldgräberstädtchen Wyndham wurde zum dramatischen Wettrennen zwischen den Vertretern dreier unterschiedlicher Überlebensstrategien: Rüdiger Nehberg (61) repräsentierte die Gegenwart und ging mit Zwille, Messer, Angel, Kompass und Karte an den Start.
Der amerikanische Ultra - Marathon - Mann Dave Covey (34) verkörperte die Zukunft und quälte sich mit kompletter High - Tech - Ausrüstung durch die Outbacks: mit Satelliten - Navigation, Astronauten - Futter, Teleskop - Wanderstöcken und einer Rettungsdecke aus Silberfolie gegen die Hitze.
Der australische Ur - Einwohner Jack Jugari (75) als Vertreter der Vergangenheit verließ sich allein auf Speer, Bumerang und die Sterne.
Schon kurz nach dem Start sahen Nehberg und sein amerikanischer Mitstreiter aus der High - Tech - Welt ziemlich alt aus. Nach neun Tagen meldeten Nehbergs Begleiter im Helikopter, Covey sei kollabiert und "praktisch am Ende". Der Modell - Athlet, der zuvor schon 440 Rennen über 160 Kilometer ohne Probleme bewältigt hatte, bekam vor Durst Halluzinationen. "Dave", sagt Nehberg, "sah schon Gespenster. Er war kurz davor aufzugeben."
Den Hamburger Konditormeister im weißen Baumwoll - Overall machten neben dem ständigen Durst vor allem "die Füße fertig": "Sie waren total durchgelatscht. Alles war entzündet." Zunächst humpelte Nehberg auf Krücken aus dicken Ästen weiter. Dann badete er seine Füße im eigenen Urin: "Nach vier Tagen hatte ich wieder eine tolle Haut." Die Strapazen blieben. Bereits beim Training vor Ort im Januar 1996 hatte Nehberg "Muffensausen" bekommen: "Bei 44 Grad im Schatten benötigte ich mindestens zehn Liter Wasser am Tag. Und fortbewegen konnte ich mich in dieser bizarren Landschaft nur am Tage." So musste er neben seinen eineinhalb Kilogramm schweren Schienbeinschonern gegen das Stechgras auch noch den täglichen Wasservorrat mitschleppen.
Der Aborigine, der sich mit einem Liter Wasser täglich begnügte, kam barfuß "spielend voran". Vielleicht, weil er die Lederstiefel, die ihm seine Konkurrenten geschenkt hatten, gleich nach dem Start wieder auszog. Zu essen gab's wenig. [...]
Empfang im australischen Zielort Wyndham: Über Kuriere hatte der Aborigine Jack Jugari von den Strapazen seiner Konkurrenten gehört: "Ich kann doch gegen solche Leute nicht gewinnen. Das ist doch kein Sieg!" sagte der alte Mann, dem die Strapazen äußerlich überhaupt nicht anzusehen waren.
"Kurz vorm Ziel setzte Jack sich auf seinen Hintern und wartete auf uns", sagt Nehberg. Gemeinsam gingen sie durchs Ziel. "Viel wichtiger als der Sieg waren die Ideale dieses Rennens", resümiert Nehberg. "Es hat bewiesen, wie weit wir uns von Urfähigkeiten entfernt haben." [...] Auch Aborigine Jack Jugari machte eine ganz neue Erfahrung: "Er hat gemerkt, dass er noch sehr fit ist", sagt Nehberg.
[Berliner Morgenpost, 19. 12. 1997]


Ein Leben zwischen Cadillac und Alphorn [...]
Berne. Die Szene erinnert an einen Gotthelf - Roman: In einer Ecke des dunklen Raumes sitzen sieben Mädchen um einen mächtigen Holztisch, still und «gattlig,» den Kopf in die Hände gestützt, den Blick schüchtern zu Boden gerichtet, alle gleich gekleidet: langer blauer Rock, schwarze Kopfhaube, barfuß.
Die Abendsonne scheint auf die sauber gewischten Bohlen, es riecht nach Rauch und würzigem Holz. Niemand sagt ein Wort; wie sollten sie auch wagen, die Stimme zu erheben, wenn ein Fremder im Zimmer ist. Daneben kauern zwei Buben, ein dritter steht im Türrahmen, die Hände um die Hosenträger geklammert, den Strohhut in den Nacken geschoben. «Ds Mareili» bringt Rhabarberkuchen, und John Graber lehnt sich in seinem Schaukelstuhl aus knorrigen Weidenästen zurück. «Jitz singet mau vo de schwarzwiisse Chüe», befiehlt der Patriarch durch seinen dichten Bart. Die Mädchen tuscheln, dann heben sie an und lassen ein wunderschön trauriges Lied erklingen, eine siebenstimmig zusammengewobene Mischung aus Jodel und gregorianischem Choral. [...]
Nur: John Graber und seine Familie leben nicht etwa im Emmental, sondern auf einem Bauernhof im Nordosten des US- Bundesstaates Indiana. Sie sind Amische, Angehörige einer aus der Schweiz ausgewanderten Religionsgemeinschaft, die sich allen Entwicklungen der Moderne zu entziehen versuchen und in ländlichen Gemeinden im Osten und Mittleren Westen der USA ein einfaches, «gottgefälliges» Leben führen. Dazu gehört auch eine große Familie: John hat 20 Kinder, und bei der Frage nach den Enkeln gerät er in Verlegenheit: «Öppe füfzgi sis, gloubeni, scho.» [...]
«Berne: A Swiss Community Welcomes You», prangt in gothisch geschwungenen Lettern auf einer Holztafel am Stadtrand, und gleich dahinter, neben Clausers Möbelladen, steht ein Zeitglockenturm in Miniaturformat. [...] Der Holzgiebel des Berne Hardware Store ist mit Wappen aller Schweizer Kantone verziert, und auch die Erste Bank von Bern weist mit Bär und Kreuz an der weiß verputzten Wand auf die Wurzeln des Städtchens hin. [...]
Selbst gewählte Isolation «Wir legen eben großen Wert auf unsere Traditionen», begründet Claren Neuenschwander, pensionierter Rektor der High School, die fast aufdringliche Vermarktung der Schweizer Lebensart.
Berne wurde 1852 von 70 Siedlern aus Münsterberg im Berner Jura gegründet, die zuvor wegen ihres Glaubens aus dem Emmental fliehen mussten; sie waren Mennoniten, Angehörige der Wiedertäuferbewegung, zu der auch die Amischen zählen. Die Schweizer Immigranten ließen sich in einem damals schwer zugänglichen Gebiet nieder, das auf drei Seiten von Flüssen und Sümpfen begrenzt war. Dies habe den Kontakt zu den englischen Siedlern im Süden und den Deutschen im Norden erschwert, erläutert Neuenschwander - und allzu erwünscht seien die Beziehungen zu «den andern» ohnehin nicht gewesen. «Die Siedler wollten unter sich sein, ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Sprache ohne Einfluss von außen bewahren.» Fremden seien sie stets skeptisch begegnet - eine Einstellung, die sich bis heute erhalten habe. [...]
Wer hier «zur Gesellschaft» gehören will, muss Mennonit sein und Schweizer Vorfahren haben - und das tun noch 75 Prozent der inzwischen 3800 Einwohner. So gehört es auf Bernes Strassen zum guten Ton, sich nicht mit «How're you doing» zu begrüßen, sondern mit einem währschaften «Wie geits», auch wenn sich damit die Deutschkenntnissse der meisten Indiana-Berner bereits erschöpft haben.
Alphorn und Cadillac Inmitten von Bern - Nostalgie leben auch Irene und Delbert Sprunger, ein rüstiges Ehepaar in den frühen Siebzigern. Ihr Haus an der Lehmann Street hätte gute Chancen, den «Bern in Blumen» - Wettbewerb zu gewinnen. Delbert Sprunger lässt es sich nicht nehmen, das Alphorn hinaus vor die Garage zu nehmen. Nur will die melancholische Weise, die er dem langen Rohr entlockt, irgendwie nicht zur Umgebung passen, zu den breiten, ruhigen Wohnstrassen, den Basketball-Körben in großzügigen Auffahrten zu Doppelgaragen, den Schaukelstühlen auf säulengesäumten Veranden, zu diesem Bild des ländlichen Amerika in reinster Form. Und: In der sprungerschen Garage steht ein prächtiger weißer Cadillac. «Ja, wir leben irgendwie zwischen zwei Welten», bestätigt Irene Sprunger. Irene wurde in den USA geboren, spricht aber perfektes Berndeutsch, leicht verzerrt nur vom nasalen amerikanischen Akzent. [...]
Viele Junge müssen deshalb auswärts nach einem attraktiven Arbeitsplatz suchen, und die Gemeinde beginnt zu überaltern. Bereits ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Trotzdem geht die Zeit auch an Berne nicht ganz spurlos vorüber: Das Footballteam der «Berne Bears» heißt heute «Starfires», bereits tauchen 125 Touristenbusse pro Jahr im Städtchen auf, und vor ein paar Jahren hielt gar die Ikone des «American Way of Life» Einzug: McDonald's. «Alles wird englisch», klagt die 95-jährige Lehrerin Helen Macklin, «und in 20 Jahren wird hier kein Mensch mehr sprechen.» [...]
Immerhin bilden die Amischen ein stabiles Schweizer Bollwerk, obschon auch sie amerikanischen Genüssen nicht abgeneigt sind. Am Sonntag sitzen mehrere schwarz Gewandete im McDonald's und lassen sich Hamburger schmecken. Das sei aber auch das einzig Moderne, das er sich gönne, sagt der 23-jährige Melvin Schwartz, und er vermisse nichts von all den «verbotenen weltlichen Dingen». Doch, etwas schon: Ein Dach über seiner Pferdekutsche zu haben wäre nicht schlecht. Dann setzt er den schwarzen Filzhut auf und steigt auf den «Buggy». «Machs guet!», ruft er und lenkt das Gespann durch den «Drive Through» hinaus auf die Strasse.
[Schaffhauser Nachrichten, 22. 08. 2000]


Reise in der Sardinenbüchse
Wer nicht pauschalgebucht in einem Landrover durch die Insel Madagaskar reisen will, ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Eine der beeindruckendsten Touren führt durch spektakuläre Landschaften von der Hauptstadt Antananarivo bis zum Hafen Tulear. [...]
Die Reise in den Süden begann mit sieben Reissäcken auf dem Dach und zwölf Personen in einem dieser Kleinbusse, die als landestypisches Fortbewegungsmittel gelten. Gastfreundlich hatte man uns den Platz in der Fahrerkabine zugewiesen, in der es neben einem geschmeidigen Fahrer sogar noch recht geräumig gewesen wäre, hätte der wackere Mann nicht schon an der ersten Kreuzung seine stattliche Ehefrau mit in die Fahrerkabine gebeten. [...]
Vier bis fünf Stunden dauerte die Fahrt nach Antsirabe, einem relativ wohlhabenden Hochlandort in etwa 1500 Metern Höhe, den norwegische Missionare mit der Erlaubnis der einheimischen Könige im frühen 19. Jahrhundert [...] gründeten. Tee-, Reis- und Weinanbau, Steinschleiferei und Baumwollverarbeitung bescheren den Einheimischen bis auf den heutigen Tag einen bescheidenen Wohlstand, wenn auch von den bunten Hotelfassaden und dem Bahnhofsportal der Putz unübersehbar von den Wänden bröckelte.
Die Attraktion Antsirabes sind jedoch weder seine Lage noch sein melancholisches Straßenbild, sondern seine Rikschafahrer. "Pousse-Pousse" nennt man in Madagaskar jene menschengezogenen hölzernen Einsitzer auf Rädern, die eine Laune der Kulturgeschichte von Ostasien nach Madagaskar verpflanzte. [...]
Gottlob ist die Stadt topfeben und gut asphaltiert, so dass der Transport für unsere Rikschamänner ohne sonderliches Schweißtreiben vonstatten ging. Dick verpackt mit Mützen, Schals, Pullovern oder Jackets, aber merkwürdigerweise barfuß, zogen die Rikschaführer ihre Gefährte flott und gutgelaunt über die "Avenue de l'Independence", zeigten hierhin und dorthin, kommentierten dieses und jenes, ohne dass wir auch nur das Geringste begriffen hätten, und lachten in kurzen Abständen laut auf, als freuten sie sich schon jetzt darauf, von den Gästen aus dem Westen gleich den doppelten Fahrpreis abkassieren zu können. [...]
[Frankfurter Rundschau, 05.01.2002]
Die Rikschafahrer wissen offensichtlich das "merkwürdige" Barfußlaufen als zuverlässige und gleichzeitig preisgünstige Lösung zu schätzen ...

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