Barfuß - Pressespiegel von April 2005

Barfuß quer durch die Kurstadt
Zustimmung bei allen Parteien für Wiesbadener Wellness-Projekt / Schlammtreten auf dem Bowling-Green
Vom 01.04.2005
WIESBADEN Noch müssen Magistrat und Stadtverordnetenversammlung grünes Licht geben, doch wie eine Kurier-Nachfrage ergab, gilt schon als sicher: Wiesbaden will den größten Barfußpfad Deutschlands anlegen. Bis auf wenige Zauderer ziehen diesmal alle Parteien an einem Strang […]
Es gleicht einer kleinen Sensation: Die Hessische Landeshauptstadt soll einen Barfußpfad bekommen und alle sind dafür. Genauer gesagt: fast alle, doch dazu später. Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) jedenfalls spricht von einem "großen Wurf". Die Grünanlagen im Herzen Wiesbadens sollen durch eine so genannte "Entspannungsstrecke" miteinander verbunden werden und das Image der Kurstadt in puncto Wellness aufpolieren. Das Beste an der Sache: Vorhandene Anlagen und Wasserbecken können genutzt werden, so dass die Investitionskosten relativ gering bleiben.
Im Groben sehen die Pläne so aus: Als Ausgangspunkt des Barfußpfades sind die Reisinger Anlagen angedacht. Dort wird, ausgehend von einem Pavillon-ähnlichen Kassenhäuschen in "organisch weichen Kurven" ein Trampelpfad abgesteckt - der Großteil der Rasenfläche wird somit geschont. Gras bietet sich zugleich als "Einstiegs-Untergrund" an, um die Füße der Städter allmählich ans Laufen "ohne" zu gewöhnen. Zur ersten Abkühlung bieten sich die flachen Becken am Geschwister-Stock-Platz an. Weiter geht es über einen gemulchten Weg bis zu den Rhein-Main-Hallen, dort kommt der erste Härtetest: über diverse Steinplatten, abwechselnd mit Asphaltuntergrund, wird in Höhe des Museums erst die Friedrich-Ebert-Allee, dann die Rheinstraße überquert. Auf den Abschnitten zwischen Rheinstraße, Bierstadter und Frankfurter Straße wird ein etwa 1,20 Meter breiter, leicht erhöhter Holz-Erlebnispfad angelegt. Auf gehobelten Baumstämmen - natürlich aus dem zertifizierten Stadtwald - werden die Fußsohlen kräftig abgerollt. Zur Auflockerung gibt es zwischendurch ein paar Bohlen in unterschiedlicher Höhe, hier ist Treppensteigen angesagt.
Kies, Gras- und Sandwege durchziehen den Warmen Damm, wo eine erste Attraktion wartet: Über den Weiher führt eine Hängebrücke, ganz im Stil von Indiana Jones. "Sie wird länger sein als die Hängebrücke in Bad Sobernheim", frohlockt Oberbürgermeister Hildebrand Diehl (CDU) und will dem Ort an der Nahe die "längste Hängebrücke Deutschlands" streitig machen. Weiter geht`s, an der Rückseite des Staatstheaters vorbei zum absoluten Clou der Strecke: Über 30 Meter Schlammwaten bis zu den Knien kann man auf dem Bowling Green. CDU-Fraktionschef Bernhard Lorenz zeigte sich begeistert und bot sich - quasi als oberster Schlammtreter - spontan an, die Schirmherrschaft für den Barfußpfad zu übernehmen.
"Wir sind dabei, aber nur unter der Bedingung, dass der Eintritt familienverträglich sein wird", erklärte Wolfgang Stasche, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Stadtverordnetenfraktion. Und Kurdezernent Detlev Bendel baut schon mal vor: "Freikarten für verdiente Bürger wird es jedenfalls nicht geben." Starke Bedenken meldete Spielbank-Chef Klaus Gülker an: "Hochgekrempelte Hosenbeine stören das Ambiente auf dem Bowling Green und wirken abschreckend auf unsere Klientel", wetterte er und drohte, das Projekt "mit einem Eilantrag zu kippen". Und SPD-Stadtrat Wolli Herber schloss Stadtführungen über den Barfußpfad aus: "Wenn ihr glaubt, dass ich durch den Schlamm spaziere, dann seid ihr schief gewickelt."
Zurück zum Barfußpfad: Reinigen und Relaxen ist nach dem Schlammbad auf dem Kaiser-Friedrich-Platz angesagt: Im großzügigen Brunnenbassin gegenüber den "Vierjahreszeiten". Bei schönem Wetter kann man hier am Stand von Käfer´S - einem der ersten Sponsoren des Pfades - mit einem Gläschen Sekt den Kreislauf anregen.
Wie lang der zweite Teil des Barfußpfades ausgestaltet wird, ist derzeit noch völlig offen. Durch den Kurpark und das Aukammtal könnte er theoretisch bis ins Goldsteintal verlängert werden […]
Ihre Einschätzung des Projektes spricht allerdings für sich und könnte geradezu aus einem künftigen Werbeprospekt für die Landeshauptstadt stammen: "Wiesbaden hautnah erleben, neue, ungeahnte Eindrücke bekommen und ein überaus angenehmes Fußgefühl" […] Ähnlich wie Fußmassagen wirke er entspannend und positiv auf die Seele. "Aber nur, wenn man es richtig macht: langsam gehen, nicht schlurfen, richtig abrollen und immer den Weg im Auge behalten."
[Wiesbadener Kurier, 01.04.05]

Tolles Projekt, wenn da das Veröffentlichungsdatum nicht wäre - was übrigens auch für den nächsten Beitrag gelten dürfte:

Filme: Tirol wird zur indischen Filmkulisse […]
Blühende Almwiesen, schneebedeckte Berge, Wälder in sattem Grün: Das sind die Kulissen, von denen indische Filmproduzenten träumen. "Kaschmir und das Stubaital sind sich ziemlich ähnlich", sagt Cine-Tirol Chef Johannes Köck. Mit dem Unterschied, dass Kaschmir ein politisches Unruhegebiet ist, Tirol hingegen friedlich.
Großer Konkurrent als Ersatzdrehort ist allerdings die Schweiz, die bereits seit 15 Jahren von indischen Filmteams überschwemmt wird. "Da gibt es Spitzenorte, in denen pro Jahr bis zu 60 indische Filme gedreht werden", weiß Köck. Das freilich könnte sich bald ändern. Denn die Schweiz ist nicht nur friedlich, sie ist auch teuer […]
Das nächste Filmteam hat sich für Anfang April angekündigt. Bergkulissen sind für das Genre des indisch-romantischen Films nämlich ein Muss. Sie sind Sitz der Liebesgötter, haben eine hohe mythologische Bedeutung und vermitteln ein Gefühl von Exotik und Luxus. "Ungefähr das, was für uns der Anblick eines Palmenstrands bedeutet."
Das sieht dann so aus: Das Pärchen, gespielt von Ajay Devgan und Manisha Koraila, zwei große Stars der indischen Filmindustrie ("bei uns völlig unbekannt"), träumen von der Liebe, der ganz großen Liebe. Schnitt. Jetzt kommt die Sehnsuchtlandschaft. Das Pärchen, das gerade noch im südindischen Dorf spazierte, findet sich plötzlich an den Gestaden des Achensees, in Seefeld oder im Gschnitztal wieder, umrahmt von einer imposanten Bergkulisse.
Dann eine nur angedeutete, weil verpönte Kuss-Szene, die Kamera schwenkt ab, hin zu einer Gruppe tanzender Inder. Heile Welt, unberührte Natur. Die Tanzszenen im Sari, mitten im Tiroler Almgrün, können bis zu zehn Minuten dauern. Im Schnitt ziehen sich die Filme, die für europäischen Geschmack kitschig wirken, drei bis vier Stunden und schließen mit obligatem Happy-End. […]
Als ein indischer Kameramann im Tiroler Nobelhotel barfuß herumlief, erregte das den Unmut der Gäste. Doch daran war trotz Mediationsversuchs nichts zu ändern. Wie Köck erfuhr, hatte der Inder ein Gelübde abgelegt, ein Jahr lang barfuß zu gehen. "Als er im Schnee filmen musste, haben sie ihm Styroporplatten unter die Füße gelegt."
[Die Presse, 01. 04. 2005]


Aladin El Kholy dreht sich
Sankt Augustin - Aladin El Kholy dreht sich und dreht sich und dreht sich. Sein Rock fliegt durch die Luft, einen zweiten hält er mit ausgestreckten Armen über sich in die Höhe. Der Schweiß fließt - der Tanura erfordert alle Kraft. Bis zu zehn Minuten dreht sich der Ägypter bei dem mystischen Tanz auf einer Stelle um die eigene Achse. Der 42-Jährige, der mit seiner Frau Marion und zwei Kindern in Menden lebt, bildet Tänzerinnen in ägyptischer Folklore aus und entwickelt Choreografien für Shows seines Ensembles. Das trat bereits in Belgien und Griechenland auf und geht im Frühjahr auf Tournee nach Frankreich.
„Der Tanura hat eine komplizierte Technik", sagt El Kholy. Ein Hauptproblem bei dem „Derwisch-Tanz": Wie bekämpft der Tänzer Schwindelgefühle? „Ich nehme die Augen mit und fixiere sie nicht auf einen Punkt, wie das beim Ballett geschieht", nennt der Augustiner sein Rezept, um die zehn Minuten im wahrsten Sinne des Wortes ohne Zwischenfall zu überstehen.
Zehn Jahre war er alt, als Aladin El Kholy seine Liebe zum Tanz entdeckte […] 1988 ging El Kholy nach Deutschland. In Köln absolvierte er ein weiteres Studium zum Diplomsportpädagogen. „Dadurch habe ich gelernt, wie Bewegung in den Tanz kommt und wie der Raum genutzt werden kann." Nachdem er ein Buch über „Tanz in Ägypten" verfasst hatte, machte er vor drei Jahren ein Tanzstudio in Menden auf.
Regelmäßig zu Gast sind dort die zwölf Tänzerinnen des „Ensemble Aladin" […] „Ich habe eine Vorliebe für den traditionellen Tanz, einfach, weil es die Originale sind." Diese variiert er und öffnet sie für moderne Einflüsse.
So beim „Balady", dem traditionellen ägyptischen Solotanz der Frau, die in der klassischen Form stets an der gleichen Stelle verbleibt. Er wird barfuß getanzt, Bewegungen der Hüfte sind das wichtigste Ausdrucksmittel. „Aber es ist kein Bauchtanz", betont El Kholy. Diesen Begriff darf keine seiner Tänzerinnen verwenden. „Es ist orientalischer Tanz, schließlich tanzt der Bauch nicht allein." […]
[Kölner Stadt-Anzeiger, 01. 04. 2005]

Palmenrauschen in der Finsternis
Das Dunkelrestaurant bekommt im Mai noch eine Cocktailbar […]
Der Name Unsicht-Bar ist nicht ganz korrekt. Zwar isst und trinkt man im Dunkel-Restaurant an der Gormannstraße in völliger Finsternis, aber es ist nun mal keine Bar. Das soll sich ändern. Mitte Mai will Besitzer Sebastian Wacker noch eine Cocktailbar eröffnen. "Natürlich wird sie auch völlig abgedunkelt sein", sagt Wacker.
Die Besucher werden den Raum durch eine Lichtschleuse betreten. Doch anders als im Restaurant, wo sie von einem blinden Kellner zu ihren Plätzen geführt werden, können sie in der Cocktailbar die ersten Meter allein zurücklegen. Der Weg führt über einen Holzsteg mit Geländer. Erst am Ende des Ganges werden die Gäste von einem Kellner in Empfang genommen und zu den Barhockern am Tresen geführt. Damit nichts umfällt, werde alles im Boden verankert, sagt Wacker.
In der Bar sollen die Besucher neuartige sinnliche Erlebnisse und das Gefühl haben, am Strand zu sitzen. Wacker will deshalb eine 20 Zentimeter dicke Sandschicht aufschütten lassen. Darüber kann jeder gehen wie er mag, ob barfuß oder mit Schuhen. Und es werden Strandkörbe und Liegestühle aufgestellt. Außerdem sollen die Gäste in der Finsternis über ein spezielles Klangsystem Meeresrauschen hören. "Die Sinne der Besucher werden so getäuscht, dass sie die Palmenblätter im Wind rauschen hören", sagt Wacker. […]
[Berliner Zeitung , 01. 04. 2005]

Der Eiertanz des Zentralnervensystems
Exakt 25 Jahre nach ihrem ersten Auftritt gastierten die Einstürzenden Neubauten in Wien […]
Christian Emmerich alias Blixa Bargeld und bei Auftritten meist ein "Blixa Barfuß", stand am 25. Jahrestag des ersten öffentlichen Auftritts der Einstürzenden Neubauten als in mehrfacher Hinsicht gesetzter Künstler auf der Bühne des Wiener Gasometers.
Die Berliner, die rund um ihr Jubiläum eine Europatournee unternehmen, gelten neben den Technopionieren Kraftwerk und den Avantgarde-Rockern Can als wichtigste deutsche Band. Anders als das Model Punk nur eins zu eins ins Deutsche zu übertragen und als stinknormale Rockband eine ebensolche Laufband einzuschlagen - siehe: Die Ärzte oder Die Toten Hosen -, gingen die Neubauten ab 1980 weiter Richtung formale Radikalität.
Herkömmliche Instrumentierung wurde zugunsten selbst gebauter "Instrumente" aus Industrie- und Sperrmüll aufgegeben. "Sei schlau, klau beim Bau", hieß das damals. Live schloss man die zweckentfremdeten Stahlfedern und Kanister dann ans Stromnetz an und bearbeitete sie mit Rohren, Trennschneider oder übergab sie kurzerhand dem Feuer. […]
[Der Standard, 04. 04. 2005]

Joss Stone
Barfuß über den Laufsteg
Bald lächelt sie uns auf Werbeplakaten entgegen. Doch nicht für Joss Stones Musik wird geworben. "Gap" hat die Soul-Sängerin für sich entdeckt: Mode mit Seele - scheint die Verkaufsstrategie zu sein.
Aufregung im Hause Joss Stone. Die britische Soul-Sängerin hat einen Vertrag mit der amerikanischen Modefirma "Gap" in der Tasche. Denn ob barfuß, mit Schlabberpulli oder im Hippie-Outfit: Joss Stone sieht immer toll aus. Die 17-Jährige verkörpert das Mädchen von nebenan, gilt als hip und wirkt herrlich ungezwungen - das krasse Gegenteil ihrer kapriziösen "Gap-Girl"-Vorgängerin Sarah Jessica Parker. Diese steht als Stilikone für den modänen New Yorker Chic. In der TV-Serie "Sex and the City" hat sie Kleidung zu einer Art Religion hochstilisiert. Nun ist die Serie beendet […]
Joss Stone freut sich und bekennt laut NDR2-Shownews: "Ich bin schon ganz aufgeregt".
"Ein gottgegebenes Geschenk"
Doch eigentlich muss Joss Stone gar nicht nervös werden. Schließlich steht sie schon seit einigen Jahren im Rampenlicht. Bereits mit 14 singt sie in der britischen Talentshow "Star for a Night". Dabei gewinnt sie nicht nur den Wettbewerb, sondern auch die Aufmerksamkeit der britischen Talentspäher. Joss Stones Stimme sei "ein gottgegebenes Geschenk", so Gesangsarrangeurin Betty Wright auf der Homepage von Joss Stones Musik-Label. Und noch bevor 2003 ihr Debüt-Album "The Soul Sessions" auf den Markt kommt, vergleicht die Musikpresse sie mit Soul-Legenden wie Aretha Franklin oder Janis Joplin. Über zwei Millionen Exemplare des hoch gelobten Werks gehen über die Ladentheke. Gold, Platin und ein "Brit-Award" lassen nicht auf sich warten.
Wer könnte angesichts solcher Ehrungen schon auf dem Teppich bleiben? Joss Stone kann: "Ich verdiene diese Aufmerksamkeit nicht. Ich fühle mich unwohl dabei. Ich bin doch keine Berühmtheit. Ich halte mir doch nur ein Mikrofon vor den Mund und singe", gab sie ganz bescheiden im "Evening Standard" bekannt. Sie ist eben das Mädchen von nebenan geblieben. Dass sie so authentisch wirkt, kommt neuen Trends entgegen, entspricht dem Zeitgeist und gilt inzwischen als Garant für eine lang anhaltende Erfolgs-Story. Ein Pfund, mit dem nun auch geschäftstüchtige Marketing-Strategen aus der Mode-Branche wuchern wollen.
[ARD, 06. 04. 2005]

Der Parkplatz wird zum Überseer Dorfplatz
Übersee. Der Winter ist vorüber – jetzt wird es ernst für den Arbeitskreis »Dorfmitte«. In knapp vier Wochen, so informierte Arbeitskreisleiter Wolf Steinert seine 20 engagierten Mitstreiter bei der jüngsten Zusammenkunft, wird die Umgestaltung der Beste-Wiese in Angriff genommen […]
Ausdrücklich hob der Arbeitskreisleiter noch einmal hervor, dass die Grünanlage selbst nur geringfügig verändert werden soll. »Wir wollen auf der Beste-Wiese keinen Wellness- oder Erlebnispark errichten. Uns geht es in erster Linie darum, eine größere Wertigkeit für die Dinge herzustellen, die auf dem Gelände bereits vorhanden sind, beispielsweise das Wassertretbecken«, erklärte Wolf Steinert. In diesen Tenor stimmten auch Fred Bandtlow und Franz Holzner ein. Während es der Physiotherapeut für wichtig hielt, junge Eltern mit entsprechenden Hinweisen darauf aufmerksam zu machen, wie sinnvoll die Geräte auf dem Spielplatz für die körperliche und geistige Entwicklung ihrer Kinder sind, erinnerte der Vorsitzende des Schulfördervereins daran, dass es sich bei dem Gelände nicht nur um eine optische, sondern insbesondere um die einzig nutzbare Grünanlage in der näheren Umgebung handelt. »Das Betreten des Rasens, ob zum Ball spielen, ausruhen und Natur genießen, für meditative Übungen oder um barfuß darauf spazieren zu gehen, ist ausdrücklich erlaubt und gewünscht«, betonte Holzner […]
Wir hören uns gerne die verschiedenen Meinungen an, diskutieren darüber und werden daraus das bestmögliche Ergebnis für unseren Ort erzielen«, bekräftigte Steinert. Das gelte auch für alle künftigen Maßnahmen, die das Gelände betreffen: »Die Beste-Wiese wird nur die beste Wiese, wenn wir uns und unsere Ideen ständig weiterentwickeln.«
[Traunsteiner Tagblatt, 06. 04. 2005]

Barfuß durch halb Nippes
Lauf Roger, lauf: Rund 15 Minuten lang jagte Roger Fontes (63) einen Raddieb.
Gute Kondition hatte Roger Fontes (63) schon immer. Die Zehn-Kilometer-Strecke läuft er noch heute in 41 Minuten und leitet in seiner Freizeit die Leichtathletikabteilung der TFG 1878 Nippes. Selten wird er sich nach einem Lauf so wohl gefühlt haben wie am vergangenen Montag. Barfuß hetzte er einem Fahrraddieb durch halb Nippes hinterher. Dann gab der Täter auf und war mächtig von den Socken […]
Der Dieb gehorchte und schlich davon. Wirklich überrascht ist Fontes über seinen Erfolg nicht. „Die Leute sind immer erstaunt, wenn da so ein alter Knacker ankommt. Um mich abzuhängen, hätte der schon mehr als 10 000 Meter flüchten müssen."
[Kölner Stadt-Anzeiger, 07. 04. 2005]

Frei-Zeitreise - Sport
Was Sie schon immer über unsere Sport-Idole wissen wollten.
* Wussten Sie, dass die nunmehrige Frau Innenminister Liese Prokop barfuß Hochsprung-Staatsmeisterin wurde […] Die Leistungen waren nicht besser. Sie waren nur anders. Und großteils bewundernswert angesichts der Umstände. […] Einstige Stabhochspringer benötigen heute fast schon einen Kran, um morgens aus dem Bett zu kommen. Kein Wunder, musste doch selbst Österreichs erster Fünf-Meter-Springer, Ingo Peyker, in eine Sandgrube fallen. Auch Ilona Gusenbauer, die 1971 mit einem Weltrekordsprung 60.000 Fußball-Fans von den Sitzen im Prater-Stadion riss, war anfänglich keine sanfte Landung auf Kunststoffmatten vergönnt. Gusenbauer gelangen ihre 1.90-Meter-Sprünge noch mit dem alten Wälzer-Stil, obwohl Dick Fosbury mit seinem Flop, der voreilig auch für einen gehalten worden war, die Hochsprung-Szene revolutionierte. Bei Olympia in Mexiko hechtete sich Fosbury mit dem Rücken zur Latte zum Triumph. Das war 1968 – bei denselben Spielen, bei denen Liese Prokop Silber im Leichtathletik-Mehrkampf eroberte. Später erzielte sie Weltrekord. Liese Prokop war in Sprung, Lauf und Kugelstoßen vielseitig begabt wie keine andere. Dieselbe Prokop, die heute Frau Innenminister ist […]
[Kurier, 08. 04. 2005]

Wie es gewesen ist
Von Kindheit, Jugend und Musikerkollegen: Ulla Meinecke stellte ihr autobiografisches Buch "Im Augenblick" vor
Über zehn Alben hat Ulla Meinecke seit 1979 veröffentlicht, da wurde es natürlich höchste Zeit für das erste Buch. "Im Augenblick" ist nun beim Berliner Verlag Schwartzkopf und Schwartzkopf erschienen. "Texte, Fotografien, Bühnengeschichten", heißt es im Untertitel, und am Mittwochnachmittag gab es die Buchpräsentation […]
Dann kommt Ulla Meinecke im schwarzen Damenanzug mit Goldstickerei am Ärmel barfuß auf die kleine Bühne. Ihr Gitarrist trägt Jeans, Hemd, Lederkappe und John-Lennon-Brille: die Berufsuniform der vor 1960 geborenen Gitarristen.
"Wenn zwei zueinander passen", singen sie. Dann nimmt sie am Tisch Platz, leitet durch ihr Buch, liest vor und erklärt. Die Erzählung beginnt in der frühen Jugend. Das junge Mädchen Ulla M. spielt zuerst Gitarre, weil Musikerjungs aber schon damals lieber unter sich waren, findet sie keinen Anschluss an die Schülerband. Musikalisch sozialisiert durch die Rolling Stones und Jimi Hendrix, lässt sie die Zuhörer an der großen Faszination angloamerikanischer Musik teilhaben, und anders als bei vielen jüngeren Kollegen kommen bei ihr keine Plattitüden über "deutsche Texte" und Musik, die man "verstehen soll".
Ulla Meinecke erzählt von Kindheit und Jugend in den 50ern und 60ern, als Nazilehrer noch das Sagen hatten, sie erzählt von der Auseinandersetzung mit Faschismus und Holocaust, dem unbeirrt störrischen Nachfragen dieser Generation. Dankenswerterweise hat sie alles zu Intime, die Irrungen und Wirrungen der Liebe aus dem Buch herausgehalten […]
Die Glocken der zertümmerten Gedächtniskirche läuten um sechs, Ulla Meinecke singt noch "In Berlin", dann wird Sekt ausgeschenkt und signiert. Es war keine glamouröse Veranstaltung, aber die Person "Ulla Meinecke" ist doch ein bisschen näher gekommen, und sie ist sympathischer, als man dachte […]
[taz Berlin, 08. 04. 2005]

Hier noch ein Nachtrag zum Film „Barfuss", ein Interview mit der Hauptdarstellerin:

Gut zu Fuß von Bühne bis Film […]
OÖN: In "Barfuss" spielen Sie das Mädchen Leila, das immer bloßfüßig geht. Leilas Füße würden sich sonst eingesperrt fühlen, und eingesperrt war sie genug. 19 Jahre von ihrer Mutter. Einen ganzen Film lang ohne Schuhe: Hat man Ihnen wenigstens einen Fußpfleger zur Verfügung gestellt?
Wokalek: Das war in diesem Fall der Makeup-Mann. In den Drehpausen hat er sich vorwiegend meinen Füßen gewidmet. Wir drehten zwar im Juni/Juli, es war aber ein kalter Sommer, zudem hatten wir viele Nachtaufnahmen. Für mich war's wie eine Kneipp-Kur.
OÖN: Sind Sie als Kind viel barfuß gelaufen?
Wokalek: Ja, und mit Freundinnen und Freunden gab's oft Mutproben, wer es länger auf Kiesstrecken aushält. Max Reinhardt hat einmal gesagt: "Man hat sich als Schauspieler die Kindheit in die Tasche gesteckt, um damit ein Leben lang weiter zu ziehen. Das hat sich auch hier bewahrheitet"...
OÖN: Leila soll Unschuld ausstrahlen. Wie findet man dafür die schauspielerischen Mittel?
Wokalek: Es hat mich gereizt, sie nicht ganz so unschuldig zu gestalten. Aber gut: Sie war immer eingesperrt, das heißt, dass sie in dem Moment, wo sie aus der Psychiatrie rauskommt, Alltagssituationen völlig neu erleben muss. Ich habe dafür kleine Kinder beobachtet, denn es ist mir schon früher aufgefallen, dass sich auch Clowns vieles von Kindern abschauen. […]
[OÖNachrichten, 11. 04. 2005]


Viel Neues im Museum
Lindlar. Die Hühner im Eingangsbereich des Bergischen Freilichtmuseums scharren vergnügt unter den Sträuchern in ihrem Gehege, während der zugehörige Hahn hoch erhobenen Kammes über die Wiese stolziert.
Der Lärm des Baggers, der sich gleich nebenan durch das Erdreich frisst, scheint das Federvieh in keiner Weise zu stören. Am Standort des früheren Kassenhäuschens klafft bereits ein Riesenloch:
Der Bauplatz für ein neues Eingangsgebäude ist fast fertig vorbereitet. "Das Haus wird zur Hälfte in den Hang gebaut, damit es die Museumsatmosphäre nicht stört", schilderten Museumsleiter Michael Kamp und Pressesprecher Thomas Trappe beim Rundgang durch das Freilichtmuseum. Dort hat sich allerhand getan und die Besucher können sich auf viele Neuerungen freuen. Aber noch mal zurück zum Neubauprojekt im Eingangsbereich […] Wie den Bauplänen zu entnehmen ist, wird das Haus in Form einer Bergischen Durchgangsscheune errichtet. Stolz sind Kamp und Trappe auch auf den Rundweg, der am Lingenbachtal bis zum Hof Peters entstanden ist. Dort werden die Besucher mit Informationen zur Wasserwirtschaft, sprich dem Leben am Bach und auch im Wald, informiert. Im Mai startet der Bau eines neuen Spielplatzes, der dem Naturerlebnis der Kinder dienen soll. "Die Spiel- und Klettergeräte werden aus heimischen Hölzern gefertigt. Sie sollen die Sinne der Kinder anregen, ebenso wie der Barfuß-Erlebnis-Pfad und die Riechstation mit Dufthölzern", sagte Michael Kamp […] Rund 60 Mitarbeiter, inklusive Honorarkräften, sorgen im Freilichtmuseum für den reibungslosen Ablauf. Ostern war Saisonstart und die Besucher strömten in Scharen aus dem ganzen Rheinland nach Lindlar.
[Anzeigen-Echo, 13. 04. 2005]

Kleinste in Bewegung bringen
Erzieherinnen informieren sich über ganzheitliche Methode
Perleberg • Mit nackten Füßen auf Kippelhölzern balancierend sollten sich gestern Prignitzer Kindererzieherinnen in die Perspektive ihrer Schützlinge versetzen. Was zunächst eigenartig klingt, hat Methode und zwar die der Berliner Gymnastiklehrerin Elfriede Hengstenberg (1892-1992), Erfinderin eines Spiel-Bewegungskonzeptes, das die kindliche Koordination und Kondition schult.
Organisiert vom Jugendamt des Landkreises und der Unfallkasse Brandenburg sollte ein Workshop rund 60 Kita-Erzieherinnen gestern in die Hengstenbergsche Methode einführen. Indem die Kindergärtnerinnen für das Thema Bewegung sensibilisiert würden, könne gegen die fortschreitende Bewegungsarmut angegangen werden. […]
[Prignitzer, 11. 04. 2005]

Der letzte Satz des folgenden, ohnehin sehr lesenswerten Beitrags ist so gelungen, dass man ihn sich wörtlich merken sollte:

"Die Wahrheit über den nackten Fuß"
Die meisten Menschen schenken ihren Füßen wenig Aufmerksamkeit - allenfalls vielleicht, wenn sie beim barfuß gehen erstaunt wieder den Boden unter den Füßen spüren. Auch in Medizin und Forschung war der Fuß bislang ein eher vernachlässigter und häufig unterschätzter Teil des Körpers. Das Interesse der Chirurgen und Orthopäden galt bevorzugt der Wirbelsäule, den Schultern und Knien.
Inzwischen machen allerdings Patienten mit Fußbeschwerden rund die Hälfte aller Orthopädiepatienten aus: Hallux Valgus, Hammerzehen oder Fersensporn führen hierzulande jährlich rund 10 Millionen Menschen zum Arzt.
Zu schmerzhaften Fußleiden muss es nicht kommen, wenn den Füßen einmal in der Woche eine intensive Fußpflege gegönnt wird, raten Spezialisten. Sie empfehlen außerdem Fußgymnastik, barfuß laufen und Kneippanwendungen, die nicht nur vorbeugend wirken, sondern ein vollständigeres und ganzheitliches Bewusstsein für den Körper vermitteln.
Zu wenig Beachtung findet häufig auch der diabetische Fuß […]
Barfußparks
Unsere Füße sind ein Kunstwerk. Sie bestehen aus 26 Knochen, 27 Gelenken, zahlreichen Bändern, Sehnen, Nerven und Gefäßen. Sie sind nicht nur die Basis unseres Körpers, sondern auch in der Lage, sensibel zu empfinden. Deutlich wird das, wenn wir barfuß laufen. Was früher selbstverständlich war und für Kinder noch heute ein natürliches Vergnügen ist, wird heute zum Familienausflug in dafür vorgesehenen Derivaten: In der Bundesrepublik gibt es rund 25 Barfußpfade von 1- 4 km Länge, in denen der nackte Fuß Dreh- und Angelpunkt einer besonderen Erlebnis-Reise ist.
Der Besucher hat die Möglichkeit auf Fühlpfaden einmal andere Bodenbeläge als Asphalt kennenzulernen. Über das Ertasten von Sand, Rindenmulch oder Holz kann so eine intensive Naturverbundenheit neu entdeckt werden. Neben dem speziellen sensorischen Erleben unseres Untergrunds bieten diese Parks aber auch die Möglichkeit, Fußmuskulatur aufzubauen und zu trainieren. Ohne Schuhe zu laufen ist gesund: Der Abrollvorgang der Füße und die Körperhaltung werden natürlich reguliert und die Belastung der Bandscheiben wird so vermindert.
Kneipp- Anwendungen
Die Bedeutung der Füße für den ganzen Körper zeigt sich auch bei Kneipp-Anwendungen. Pfarrer Kneipp postulierte schon Anfang des 19. Jahrhunderts die heilende Wirkung von regelmäßigen Kalt- und Warmwasserreizen auf das Herz-Kreislauf- und Abwehrsystem.
Einige Kneipp-Methoden, wie zum Beispiel Wechselbäder der Füße, Kniegüsse mit kaltem Wasser und Bäder mit Kräuterzusatz, sind für jedermann leicht zu Hause durchführbar […]
Der Fuß des Zuckerkranken
Gewissenhafte Fußpflege sollte für Jedermann ein Muss sein. Ganz besonders wichtig wird das Beachten der Füße, sobald eine Zuckerkrankheit vorliegt. In Deutschland ist das bei 4 Millionen Menschen der Fall. Jeder zweite Betroffene läuft Gefahr, ein Diabetisches Fußsyndrom zu entwickeln. Das Beachten der Veränderungen ist sehr wichtig, denn sie können nicht nur Spätfolge der Zuckerkrankheit sein, sondern auch deren erste Anzeichen.
Diabetisches Fußsyndrom
Hohe Blutzuckerwerte führen bei Diabetes durch häufiges Wasserlassen zu Wassermangel, was wiederum eine starke Austrocknung der Haut zur Folge hat. Dadurch wird die Haut spröde, weich und leicht verwundbar. Erschwerend kommt bei der Zuckerkrankheit häufig eine Neuropathie, eine Erkrankung der Nerven, hinzu. Der Diabetiker empfindet dadurch ein Kribbeln in Füßen und Beinen. Es kann sogar dazu kommen, dass die Schmerzempfindlichkeit der Extremitäten, besonders die der Füße, ausfällt. Kommt es dann zum Beispiel bei der Fußpflege zu Verletzungen, nimmt der Erkrankte sie nicht mehr richtig wahr.
Weil auch die Durchblutung der Füße durch verschlossene Gefäße vermindert sein kann, und damit deren Sauerstoffversorgung herabgesetzt ist, heilen Wunden langsamer.
Spätfolgen
Bei unsachgemäßer Behandlung von Hautdefekten kann es im schlimmsten Fall notwendig sein, einen Teil des Fußes abzunehmen. In Deutschland werden rund 30.000 Amputationen jährlich infolge eines diabetischen Fußes vorgenommen - mit steigender Tendenz […]
Tipps & Trends […]
Neuerdings finden wir auch immer mehr Gesundheitsschuhe auf dem Markt. Die allseits bekannten Korksandalen werden immer moderner und erfreuen sich besonderer Beliebtheit. Auch die Sportschuhindustrie beschäftigt sich mit der Entwicklung fußentlastenden Schuhwerks.
Die Frage, ob diese Schuh-Neuerungen wirklich das halten, was sie versprechen, bleibt jedoch offen. In einer Studie, in der Dämpfungssysteme von Sportschuhen getestet wurden, fand man heraus, dass es vor allem das körpereigene Dämpfungssystem ist, das Stoßkräfte abfängt. Der nackte Fuß weiß vielleicht wirklich am besten, was gut für uns ist: Ein gesunder und funktionsfähiger Fuß gehört zu den Grundlage eines aktiven Lebens.
[Bayerischer Rundfunk, 16. 04. 2005]


Der nachgiebige Kletterfels
RHEIN-SIEG-KREIS. Ein weicher Fels ist ein Widerspruch in sich. Kletterfelsen ist denn auch eine nicht ganz richtige Bezeichnung für den luftgefüllten Kunststoff-Kegel, der nach dem Hüpfburg-Prinzip funktioniert. Egal, wie man das Kissen in Zuckerhutform nun auch bezeichnen mag, fest steht, dass das neue Gerät der Sportjugend Rhein-Sieg von vielen der 580 angeschlossenen Sportvereine dringend erwartet wird. Denn Klettern, sagt Jugendwart Wolfgang Müller, liegt im Trend.
Kraft, Balance und Geschicklichkeit können 6- bis 16-Jährige an dem grün-weißen Kegel mit den stabilen Hartplastikgriffen trainieren. Am besten barfuß. Wer vom nachgiebigen Fels abrutscht, fällt auf jeden Fall weich auf den quadratischen, 6,5 mal 6,5 Meter großen, blau-roten Untergrund. Vier Vereine haben das nagelneue, mobile Klettergerät bereits gebucht, andere schon nachgefragt […]
[Kölnische Rundschau, 18. 04. 2005]

Auf hoher See
"Platz für den König" als Kindertheaterproduktion im JES
Stuttgart - Eigentlich ist er ja ganz schön schräg, dieser König mit seinem Rauschebart und Wallehaar. Meistens ist er barfüßig und erzählt Geschichten, die er angeblich selbst erlebt hat. Zwischendurch baut er an irgend etwas herum. Oder er macht Musik mit seinem alten Grammophon und hopst dazu über immer die gleiche Stelle in der Bühnenmitte. Außerdem hat er ein Boot, das erstmal nicht schaukelt, dann aber doch. Manchmal trägt er Pantoffeln, die überall Löcher haben. Und einen total schmutzigen Königsmantel. Ob das wirklich ein König ist? So könnte man fragen, wenn man fünf Jahre alt wäre und genau so neugierig, schlau und kritisch wie eben diese Zielgruppe, für die im Jungen Ensemble Stuttgart "Platz für den König" als Koproduktion mit dem Züricher "Theater en gros et en détail" gegeben wird
[Esslinger Zeitung, 18. 04. 2005]

Ein Abenteuer für nackte Füße
Bauarbeiten für Barfußpfad in Mölsheim laufen auf Hochtouren / Einweihung am 22. Mai
MÖLSHEIM Die Idee gibt es seit rund eineinhalb Jahren, nun wird aus den Gedanken auch Realität. Mölsheim arbeitet sich vor für den neuen Barfußpfad. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren; der Arbeitskreis "Spiel und Freizeit" sowie die "Baumfreunde" legen zurzeit das steinerne Grundgerüst in den Boden, nachdem sie zuvor die Erde ausgehoben hatten. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, wird die Jugend bei den einzelnen Füllungen helfen.
Auf der 16 Meter langen Strecke werden am Ende sieben verschiedene Fußerlebnisstationen entstanden sein. Es werden die unterschiedlichsten Materialien sein, die die Füße zu spüren bekommen. Da werden Sinne wie Hören, Sehen und Riechen geschärft, während die Durchblutung und auch die Wahrnehmung der Füße durch die unterschiedlichen Oberflächen des Weges angeregt werden. An den Seiten des Weges befindet sich ein Kräutergarten, der bereits angelegt wurde. Dieser wirkt sich durch wohltuende Gerüche positiv aufs Körperempfinden der Nutzer des Pfades aus.
"Der Grünstreifen `Im Heckel` ist einfach ideal für dieses Vorhaben", sagt Bürgermeister Helge Wilding (SPD). Der Rasenplatz ist Eigentum der Gemeinde. Entstanden ist die Idee aus dem Arbeitskreistreffen "Tourismus, Infrastruktur, Marketing". "Verschiedene Ideen wurden angedacht, um besonders im Tourismus Punkte zu sammeln", teilte Sprecherin Beate Rauch-Goschke mit. Der Gedanke mit dem Barfußpfad stellte sich als realisierbar heraus […]
[Wormser Zeitung, 19. 04. 2005]

16 Meter sind für Lorenz’ Zusammenstellung auf www.barfusspark.info zwar etwas kurz, für den Ort aber sicherlich eine Bereicherung!


Mehr Moor am Wiehen […]
Lübbecke/Gehlenbeck. "Ein Kleinod im Naturschutz" nannte Bärbel Höhn, Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen, das "Große Torfmoor" zwischen Wiehengebirge und Mittellandkanal gestern bei einem Rundgang in dem Naturschutzgebiet. Damit das auch so bleibt, wird das Moor zur Zeit in einem "Life-Natur"-Projekt regeneriert.
Das Projekt läuft seit 2003 und soll 2007 abgeschlossen sein. Initiiert vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Kreisverband Minden, wird innerhalb dieser vier Jahre in erster Linie dafür gesorgt, dass das durch früheren Torfabbau stark vertrocknete Gebiet wieder bewässert wird. Flora und Fauna sollen erhalten und weiterentwickelt werden.
"Dies ist das größte Hochmoor in Nordrhein-Westfalen", sagte die Ministerin. "Es ist wichtig, so etwas zu erhalten, damit auch unsere Kinder lernen können, die Natur zu begreifen und später die richtigen Entscheidungen zu treffen."
Gerade für die Kleinen soll in dem Life-Projekt viel getan werden. Geplant ist zum Beispiel ein rund zwei Kilometer langer Naturerlebnispfad. Hier sollen die Sinne für das Moor etwa durch eine Matschkuhle, die mit nackten Füßen durchwandert werden kann, geschärft werden. "Auch die neuen Aussichtstürme bieten einen völlig neuen Einblick in die Natur", so Höhn. Von einem der Türme aus könne ein Blick in ein Vogelnest erhascht werden.
Obwohl mit diesen Plänen das Hochmoor unter anderem für Besucher attraktiver gemacht werden soll, ermahnte die Ministerin zum pfleglichen Umgang mit der Natur. "Eine hohe Besucherzahl ist einerseits ein Grund zur Freude, bringt andererseits auch Gefahren mit sich." Es müsse verstärkt auf Umweltschutz und Sauberkeit geachtet werden: "Die Wege dürfen nicht verlassen werden, wie auch andernorts sollte hier kein Müll in die Natur geworfen werden." […]
[Mindener Tageblatt, 20. 04. 2005]
Barfuß aus der Unterwelt
»Rhythm is it!«, Teil 3 – In einem Tanzprojekt mit Kiezkindern wollen die Berliner Philharmoniker beweisen, dass Kunst für alle da ist […]
Jeder Orthopäde würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: so viele Problemfüße auf einmal! Plattfüße, Senk- und Spreizfüße, Schweißfüße, Hühneraugen, Hammerzehen. Fußsohlen, die in ihrem jungen Leben nie eine Wiese geschmeckt haben, nie das Pieksen kleiner spitzer Kieselsteine. Und Ballen, Fersen, andererseits, die sich hart gemacht haben gegen die Last des Lebens, unter der Last des Alterns. Wir pflegen, so lehrt dieser flüchtige Blick, kein sonderlich entspanntes Verhältnis zu unseren Füßen. Weder als Kinder noch als Erwachsene. Und wir zeigen sie nicht gern her. Vielleicht sieht es in der Arena in Berlin-Treptow an diesem Nachmittag deshalb so aus, als würden die 200 Paar Schuhe und Socken am Rande des Tanzteppichs ihr ganz eigenes Ballett aufführen: verlassen, jäh erschrocken, sich ängstlich aneinander schmiegend. Strawinsky jedenfalls hat mit seinem Feuervogel die richtige Musik dazu geschrieben. Im Märchen vom standhaften Zarewitsch und der schönen Zarewna nämlich gewinnen am Ende die Guten, kommt der Zarewitsch mit Hilfe des Feuervogels schließlich über den bösen Zauberer Kaschtschej.
Das Barfußtanzen, sagt Henrike Grohs, koste die meisten große Überwindung: »Mit den Schuhen legen die Jugendlichen ein Stück ihrer Identität ab.« Dass diese Identität geborgt ist, weil in erster Linie an Nike und Puma orientiert, versteht sich von selbst. Aber muss das Nackte, Ungeschützte zwangsläufig auch das Authentische, Wahre sein? Grohs ist die Projektleiterin des Feuervogels und als solche, wie alle hier im Team, von einem mächtigen pädagogisch-messianischen Eifer beseelt […]
Für fünf Wochen im Jahr, sechs Stunden pro Woche. So lange hat sie gedauert, die Probenphase für das dritte große Tanzprojekt der Berliner Philharmoniker im Rahmen ihres Education-Programms. Die beiden Aufführungen am 22. und 23. April sind seit Monaten hoffnungslos ausverkauft. Die kleinen Rotzlöffel von der Straße sind Sendboten aus einer gesellschaftlichen Unterwelt, mit der Simon Rattle, die Philharmoniker und deren Abonnenten normalerweise keine Berührung haben. Und umgekehrt. Wenn die Menschen nicht zum Orchester kommen, sagt Sir Simon, dann kommt das Orchester eben zu den Menschen. Und dann stanzt er mindestens einen jener Sätze in die Luft, die von »Schönheit« handeln und von »Saat ausbringen« und die in ihrer britischen Idiomatik gewiss unschlagbar sind. Und moralisch astrein. […]
Überhaupt sei es diesmal um die Disziplin wesentlich besser bestellt. Kein Wunder, lacht Henrike Grohs. Etliche Schüler sind bereits zum dritten Mal dabei, ein Drittel der Gruppe besteht ohnehin aus so genannten Profis (nämlich aus Mitgliedern zweier Berliner Tanzschulen), und außerdem beteiligt sich erstmals auch eine Seniorentanzgruppe an dem Projekt. Ältere Herrschaften zwischen 60 und 77 Jahren, für die als Aufnahmebedingung galt, dass sie sich mit der Hand über die Schulter an den Rücken fassen und selbstständig vom Boden aufstehen können. Ihre schlohweißen Kostüme, verspricht Susannah Broughton, werden sie in der Aufführung »schön und stark« aussehen lassen. Wie Felsen in einer Brandung aus sich buchstäblich überschlagenden Kinderkörpern. Ansonsten kennt man das Bewegungsrepertoire, spätestens aus dem Film Rhythm is it!. Es ist schmal und notgedrungen esoterisch. Noch kümmert das keinen. Der Ehrgeiz aber wächst, spürbar und auf allen Seiten. Wer etwas will, will eben mehr. […]
Ist das eigene Selbstbewusstsein nach fünf Wochen stark genug, um in ein besseres, schöneres, sinnvolleres Leben aufzubrechen? Martin, der Gymnasiast aus Rhythm is it!, der sich von niemandem anfassen lassen wollte, studiert heute Bioinformatik; Olayinka, der Vollwaise aus Nigeria, spricht inzwischen gut Deutsch und will später ebenfalls Informatiker werden – oder Schauspieler; und Marie, die Hauptschülerin, das freche Biest, hat ein Kind gekriegt und die Schule abgebrochen. Drei Leben, an denen die Begegnung mit den Berliner Philharmonikern viel oder wenig geändert haben mag. Den Staat entlassen Projekte wie diese hierzulande noch lange nicht aus der Pflicht. Ganz so einfach wie im Märchen verhält es sich mit den Bösen und den Guten im richtigen Leben nämlich nicht. Das wissen in Berlin schon die ganz Kleinen.
[Die Zeit, 21. 04. 2005]
Wildes Hüftschwingen
Tanztheater aus Israel: Suzanne Dellal Centre zu Gast im Stuttgarter Theaterhaus […]
Sozialkritischer Einschlag
Ob in den fünf kurzen Stücken des ersten Abends oder im einstündigen Abendfüller der Choreografin Yasmeen Godder: das kraftvolle, erdverbundene Tanztheater der Israelis scheint seine Inspiration eher vom Kampfsport als vom Ballett zu beziehen. Getanzt wurde durchweg barfuß und oft mit einem sozialkritischen Einschlag, den man aus dem verinnerlichten deutschen Tanztheater schon gar nicht mehr kennt. Da wird das endlose Palavern, das wilde Aufeinander-Einreden der Landsleute zum Thema, ein anderes Stück untersucht, wie sich das israelische Selbstbewusstsein durch unverrückbare Traditionen nährt und parodiert die Liebe des modernen Staats Israel zum Volkstanz und zum gemeinsamen Gesang. […]
[Reutlinger General-Anzeiger, 22. 04. 2005]
REGENSDORF / «Schnellster Furttaler» mit aussergewöhnlich hoher Beteiligung
Mit komischem Gefühl im Bauch […]
Auf eure Plätze, bereit, los!» Der Startschuss fällt und fünf
Mädchen schnellen los. Mit von der Partie in diesem zweiten Vorlauf des Jahrgangs 1996 ist Flavia […] Nach einigen Metern gelingt es ihr, sich leicht von den Konkurrentinnen abzusetzen. Vor der Ziellinie wird es dann noch einmal eng, aber die Zweitklässlerin setzt sich durch und entscheidet das Rennen für sich. […]
Gleich nachdem die ersten Ranglisten angepinnt werden, herrscht vor der Informationstafel ein grosses Gedränge, was sich bis zu den Finalläufen nicht mehr ändern wird. Aufgeregt versuchen die Kinder und ihre Eltern, einen Blick auf den Zettel zu erhaschen und herauszufinden ob es für die Zwischenläufe gereicht hat. Wie es im Sport ist, liegen Freude und Enttäuschung nahe beisammen. Die einen jubeln, die andern kämpfen gegen die Tränen an. Als die Zwischenläufe beginnen, hat sich das Zuschauerfeld bereits etwas gelichtet.
Ausgesprochen viele, bereits ausgeschiedene Kinder sind jedoch geblieben, um ihre Freunde anzufeuern, was die tolle Wettkampfstimmung unterstreicht.
Unterdessen führt Flavia an der Querstange eines Geländers einen Felgenaufzug vor. «Ich gehe seit anderthalb Jahren ins Geräteturnen», erklärt sie. Am «Schnellsten Furttaler» habe sie im letzten Jahr aus «Gwunder» teilgenommen und den guten 6. Schlussrang erreicht.
Je näher die Zwischenläufe rücken, desto nervöser wird Flavia. «Jetzt habe ich wieder dieses komische Gefühl im Bauch», meint sie, während sie die Schuhe auszieht, um barfuss zu laufen. Beim ihrem Zwischenlauf erreicht sie den zweiten Rang. Obwohl sie mit dieser Leistung die Finalqualifikation der besten Sechs fast sicher erreicht hat, gehört sie dieses Mal auch zu den Kindern, die ungeduldig auf die Rangliste warten.
Endlich ist es so weit, die Finalläufe beginnen. Auch Flavia ist unter den Finalistinnen. Nach einem spannenden Rennen belegt sie den ausgezeichneten vierten Schlussrang. Nur knapp hat sie damit die Qualifikation für die kantonalen Ausscheidungen verpasst, die den ersten drei jeder Kategorie vorbehalten ist. […] Wie beliebt der Wettkampf ist, beweist die mit 319 Teilnehmerinnen und Teilnehmern rekordverdächtige Beteiligung.
[Furttaler, 22. 04. 2005]
Benedikt, Schönwetterdieb?
Alf: Servus, Hans! Kaum hat's geheißen: "Habemus papam!", habemus wir Wetterschauer schon den Regenschirm auspacken müssen. Ich hab den Eindruck, dass der neue Benedikt kein Schönwetterpapst wird, sondern ein Schönwetterdieb.
Hans: Das hängt zusammen mit dem alten Benedikt, dem von Nursia. Der war schon als Kind ein Wunderknabe und hat angeblich mit einem frommen Spruch ein verhextes, verstopftes Sieb wieder zum Rinnen gebracht. Und seither heißt's vom Benedikt, dass er oft heimlich Regen schickt. […]
Alf: Aha! Ora et labora und's Wetter dazu, so macht man die Menschen katholisch. Und was hat denn der, der morgen Namenstag hat, da für Methoden?
Hans: Du meinst den Georg? Das ist, wie der Name schon sagt, der Schutzpatron der Bauern: Geos heißt auf Griechisch "Erde", und orge heißt (an)bauen. Deswegen war er immer zuständig fürs aktuelle Wachs- und Erntewetter. Früher hat man gesagt: Auf Georgi zua wird grün die Flua.
Alf: Und ich erinnere mich, dass ich mich auf den Tag immer g'freut hab, weil man wieder barfuß hat gehen dürfen. Aber ist der Georg nicht auch ein Drachentöter?
Hans: Ja, er hat einmal einen tyrannischen Drachen gebändigt und hat dem vom Untier bedrohten Volk angeboten, dass er das Vieh nur dann umbringt, wenn sich alle taufen lassen. […]
[OÖNachrichten, 22. 04. 2005]

Die fliederfarbene Angst
Ein guter Start des Donaufestivals […]
Krems – Mit ihrer sanften Form von Subversion haben sich die Mitglieder des deutschen Performance-Kollektivs Nico and the Navigators den rührenden Titel "Ehrenschweizer der Kunst" (Renate Klett) zugezogen. Ihr großformatiges Tableau-vivant-Theater wird denn von als eidgenössisch verschriener Bedächtigkeit, Genauigkeit und Langsamkeit in Schuss gehalten. Und man macht, auch das eine nämliche Attitüde, abseits von modischen Verrenkungen zeitgenössischen Performance-Theaters sein eigenes Ding. […]
Umso schlüssiger, klarer, behauptungsvoller gelingt hier eine Wiederverzauberung der Welt, wie sie so schön schon lange nicht mehr sein durfte. Dem schmalen Abend (eine Stunde, zehn Minuten) steht das geradezu lachhaft weite Thema "Angst" vor. Er handelt freilich von weniger und mehr, auch von der Angst beim Anblick eines Kindes ohne Sturzhelm am Fahrrad. […]
Off-Theater? Nico and the Navigators sind die Edel- Truppe unter den Freien. Die (markanten) Frisuren sind mindestens so teuer wie die traumhafte Couture, und weil man erfolgreiche Designer in der Mannschaft hat, ist die Schönheit aller vorkommen den Dinge raumgreifend. Desgleichen die sechs Darsteller, drei Frauen, drei Männer, ihre Namen (zum Beispiel Annedore Kleist) so extravagant wie die dazugehörigen Gesichter.
Und wenn an ihren sauberen nackten Füßen einmal ein Plastiksackerl picken bleibt, dann ist der darauf folgende Befreiungsakt immer schon mindestens ein Ballett […]
[Der Standard, 23. 04. 2005]


GESUNDHEIT / Am Ulmkolleg am Oberberghof kann ein neuer Medizinfachberuf erlernt werden
Podologen fassen Fuß in Ulm
Podologen sind mehr als nur Fußpfleger: Unter ärztlicher Anleitung können sie auch krankhafte Veränderungen am Fuß behandeln. Da dieser Medizinfachberuf gefragt ist, weil es immer mehr Diabetiker gibt, bietet das Ulmkolleg am Oberberghof diese Ausbildung ab Juli an […]
Bei vielen afrikanischen Völkern wären die Podologen arbeitslos, weil die Menschen überwiegend barfuß gehen. In Frankreich und Spanien gibt es den Facharzt für Podologie bereits. Er kann nicht nur eingewachsene Fußnägel behandeln wie der allgemein bekannte Fußpfleger, sondern er hilft auch bei Hauterkrankungen am Nagel und bei deformierten Füßen, hervorgerufen durch enges Schuhwerk oder gar durch Diabetes.
Weil auch in Deutschland die Menschen zunehmend über Schäden an den Füßen klagen, da sie sich zu wenig bewegen und übergewichtig sind, seien auch hier die staatlich geprüften Podologen inzwischen sehr gefragt, sagte Dr. Yvonne Ruelius, leitende Ärztin der Podologie in Ulm. Sie stellte kürzlich an einem Infotag des Ulmkollegs, das sind die Lehr- und Weiterbildungsinstitute für Physiotherapie und Massage am Oberberghof (Eselsberg), den neuen Medizinfachberuf Podologie vor.
Bisher habe es nur die nicht geregelte Ausbildung zum Fußpfleger gegeben. Dieser musste den Patienten bei schwerwiegenderen Diagnosen dann aber zum Hautarzt oder gar zum Chirurgen schicken. Aber auch angesichts der zunehmenden Altersdiabetes brauche man dringend den Experten, der Risikopatienten hilft, bevor es zu schweren Schäden an den Füßen kommt. "Die Zahl der Amputationen muss gesenkt werden", sagte die Ärztin. "Die Podologen können helfen." […]
Tätigkeitsfelder - "die Berufsaussichten sind gut" (Ivanovas) - sind Altenpflegeheime, Orthopädie-Fachgeschäfte, Rehabilitationszentren, Sozialstationen, internistisch-diabetologische und dermatologische Praxen. In Kliniken arbeiten Podologen eng mit Gefäßspezialisten, Chirurgen und sogar Ernährungsberatern zusammen. Oder sie eröffnen eine eigene Praxis. […]
[Südwest Presse, 26. 04. 2005]
Da kann man mal sehen: Kassandra lebendig wie nie
Ein Monolog ist es eben nicht. Da spricht niemand für sich, vor sich hin, singulär und ohne Widerpart, ohne ein Du. Trotzdem kündigt die Schauspielerin Anne Bennent ihr Gastspiel "Kassandra" in den Kammerspielen als Monolog an, oder es wird als solcher angekündigt. Nur weil jemand allein auf der Bühne spricht, ist ein dramatischer Text noch lange kein Monolog. Die Frage ist überhaupt, ob es im Theater Monologe geben kann […]
Anne Bennent steht vor allem auch im Zwiegespräch mit dem wunderbaren Akkordeonspieler Otto Lechner, der den Ohren nicht schmeichelt, sondern die Leiden von Kassandra hörbar macht. Er bebildert mit seinen Tönen die Erinnerungen nicht, untermalt die weibliche Ich-Findung nicht, sondern verschärft das Unglaubliche; manchmal bewegt er seine Hände und Finger auf seinem Instrument, ohne daß ein Ton zu hören ist - auch das ist eine Reaktion auf das Gesprochene. Außerdem befindet sich Anne Bennent in einer Auseinandersetzung mit der mythischen Figur und mit dem Publikum, das mit einer selten erlebten konzentrierten Aufmerksamkeit zuhörte. Mehr zuhörte als zusah, weil Anne Bennent barfüßig in schwarzen Kleidern auf einer geweißelten Bühne steht […]
So strömen Kassandras Erinnerungen über eine Stunde mit einer reißenden Kraft, der man sich kaum zu entziehen vermag. "Mit dieser Erzählung gehe ich in den Tod", sagt Kassandra zu Beginn, aber was folgt, ist kein Trauermarsch, sondern eine selbstbewußte, selbstkritische Abrechnung einer geschändeten Frau am Tag ihres Todes, die feststellt: "Nie war ich lebendiger als in der Stunde meines Todes!" Und selten war Kassandra auf der Bühne lebendiger an diesem Abend
[Die Welt, 26. 04. 2005]
Glückwunsch von Ratzinger
Helga und Adolf Bialas aus Vechelde sprachen mit heutigem Papst: "Faszinierend" […]
Ein Brief von Joseph Ratzinger: "Ich wünsche Ihnen noch viele gesegnete Jahre in treuem Miteinander, Freude an Ihren Kindern und alles erdenklich Gute", schreibt der Geistliche dem "sehr geehrten Ehepaar Bialas" aus Vechelde zur Silberhochzeit. Das war 1994 – aus dem Kardinal ist Papst Benedikt XVI. geworden.
"Unglaublich" – Helga und Adolf Bialas schütteln mit dem Kopf. Eine Audienz beim Papst, für die meisten Menschen ist das unerfüllter Traum. Das Ehepaar aus Vechelde hingegen hat Joseph Ratzinger mehrmals die Hand geschüttelt, sich mit dem jetzigen Pontifex unterhalten. "Über Gott und die Welt", sprudelt es aus Adolf Bialas heraus. Ja, die Formulierung ist gut, denn: "Joseph Ratzinger hat ein besonderes Charisma, aber er ist Mensch geblieben."
Mitte der 80er war es, als Familie Bialas an der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Passionistenklosters in Schwarzenfeld (Bayern) teilgenommen hat: Martin Bialas gehört dem Orden der Passionisten an, lud Bruder Adolf mit Familie ein – und Ratzinger, seinerzeit Kardinal. In Regensburg hat Martin Bialas (64) einst Theologie studiert und Vorlesungen von Professor Ratzinger genossen; später wurde der Kardinal Martin Bialas’ Doktorvater.
Zurück nach Schwarzenfeld: "Eine faszinierende Persönlichkeit", sagt Helga Bialas über Ratzinger, ihre Kinder Alexander und Juliana überreichen ihm Blumen. Im Klosterpark diese Begebenheit: Juliana und Alexander – inzwischen 30 und 27 Jahre alt – ziehen die Schuhe aus, laufen barfuß, der heutige Pontifex seufzt: "Das möchte ich mal machen." Ein menschliches Bedürfnis des Stellvertreters Christi auf Erden. […]
[Wolfsburger Nachrichten, 28. 04. 2005]
Ratzinger stammt halt aus Bayern!
Schachtdeckel ausgehoben […]
2. Mehrere aufmerksame Passanten meldeten der Polizei gestern (26.04.05, kurz nach 21.00 Uhr) einen Mann mit Hund, der im Haart nicht nur barfuß unterwegs war, sondern auch nicht davon Abstand nahm, mehrere Gullydeckel auszuheben, um sich daraus vermutlich einen Spaß zu machen. Das Herausnehmen von Schachtdeckeln birgt allerdings eine ganz erhebliche Unfallgefahr und stellt einen Straftatbestand dar. Nur wenige Minuten nach dem Hinweis konnte eine Funkstreife des 1. Polizeireviers den Mann nebst Hund festnehmen. Nachdem die Schachtdeckel wieder eingesetzt worden waren, wurde der 30-Jährige, der eine Atemalkoholkonzentration von 2,7 Promille hatte, zwecks Blutprobe und Ausnüchterung zur Wache verbracht. Es folgt ein Strafverfahren.
Wichtiger Hinweis: Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Original-Pressemitteilung der Polizei. Sie wurde automatisch in unseren Dienst übernommen und von uns redaktionell nicht bearbeitet.
[Presseportal (Pressemitteilung), 28. 04. 2005]
Zum Start Musikanten aus Felkes Stadt am Barfußpfad
Am 1. Mai beginnt beidseits der Nahe die Saison für nackte Füße […]
BAD SOBERNHEIM Am 1. Mai haben nicht nur die Maihexen ihren ersten nächtlichen Ausritt hinter sich, an diesem Tag geht es auch bei Maitouren auf Schusters Rappen in die erblühende Natur. Wer allerdings an diesem Tag den Start der Barfußpfadsaison mit erleben will, darf sogar Schusters Rappen zur Seite stellen und mal völlig von den Socken sein: Am Naheufer ist um 11 Uhr Saisonauftakt für den 3500 Meter langen, größten und ersten deutschen Barfußpfad. Die Tourismusattraktion auf beiden Seiten der Nahe hatte im vergangenen Jahr weit über 100000 Menschen angelockt, barfuß über Steine, Mulch und Gras zu gehen, die Hängebrücke zu besteigen oder sich durch die Furt der Nahe zu wagen.
Zum Saisonstart reist sogar ein Posaunenchor vom Niederrhein ins Nahetal. Er kommt aus Moers-Repelen - jener Gemeinde, in der der naturheilkundige Theologe Pastor Emanuel Felke erstmals mit seiner Felkekur und seiner für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Heilweisen wie dem Einsatz von Lehm die Menschen geheilt hat. Später hat Felke die nach ihm benannte Kur in Bad Sobernheim gegründet. Dorthin zog er 1915 und praktizierte dreizehn Jahre bis zu seinem Tode. […]
Die Felkekur wird seit über acht Jahrzehnten in Sobernheim praktiziert, bei ihr war und ist das Singen ein wichtiger Bestandteil. Felke, der "Lehmpastor", bezeichnete das Singen sogar als "Lungendusche". Diese Tradition pflegen die Blechbläser des Posaunenchores seit 1996 im Jungbornpark Repelen […]
Beim Besuch in Bad Sobernheim informieren sich die Musiker über die weitere Kurentwicklung mit Pastor Felke. Der Einsatz der vier Elemente Licht, Luft, Wasser und Erde und die spezielle Ernährungsweise wurden von Felke als "Repelener Methode" entwickelt und auch in Sobernheim praktiziert. Daher besteht seit je eine enge Bindung zwischen beiden Wirkstätten des Emanuel Felke.
[AZ-Bad Kreuznach, 29. 04. 2005]
Festgewand für die große Feier
Heiligenhafen - 700 Jahre Stadtrecht: Heiligenhafen feiert Geburtstag. Morgen läutet ein Festakt im Kursaal das Jubiläumsjahr ein.
Die Stadt hat ihr Festtagskleid angelegt. Seit Wochen wird überall gewienert, gepinselt, ausgebessert, umgegraben und bepflanzt. Eine kaum dagewesene Betriebsamkeit hat sich entfaltet. Heiligenhafen ist im Jubiläums-Fieber […] Eine umfangreiche Festschrift kündet von dem Jubiläum: 750 Jahre Kirche und 700 Jahre Stadtrecht in Heiligenhafen. Hinzu kommt das 125-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr, das vom 24. bis 26. Juni groß gefeiert wird. In diesem Jahr werden die Warderstädter und ihre Gäste aus dem Feiern nicht mehr heraus kommen. […]
Bei den Jubiläumsvorbereitungen ist die Lenkungsgruppe auf zwei historische Figuren gestoßen, die im ganzen Jubiläumsjahr 2005 immer wieder im Stadtbild bei den verschiedenen Anlässen auftauchen werden: Klaus und Renate Nehring stellen in mittelalterlichen Kostümen das Ehepaar Henrik und Mette von Hamme dar, das in der Zeit um 1318 von Heiligenhafen nach Lübeck ausgewandert ist. Dabei gingen sie zu Fuß und Henrik soll dabei seine Holzpantoffeln so arg ramponiert haben, dass er sie bereits in Höhe von Crempe wegwarf und barfuß weiterging. […]
[Kieler Nachrichten, 29. 04. 2005]
Ultraschall an nackten Füßen kann Krankheit aufspüren […]
Elster/MZ.  "Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh." Beinahe täglich könnte es das Lied derzeit singen, das Team der Anker-Apotheke in Elster. Denn nicht wenige Leute steuern dieser Tage das Geschäft an, um zuerst den Schuh und dann wirklich die blanken Füße zu zeigen. Das hat aber einen speziellen Hintergrund.
In dem "Medizinhaus" können Kunden bis Ende kommender Woche eine Knochendichtemessung durchführen lassen. Eine Prozedur, die nicht wehtut und die nur einige Minuten dauert. Die aber im Fall der Fälle eine Früherkennung eventueller Schädigungen der Knochen ermöglicht.
Selbstverständlich ersetzt diese Dichtemessung, bei der mit Hilfe von Ultraschallwellen der Bereich des Fersenknochens abgetastet wird, nicht den Gang zum Arzt. Sie kann aber einen Beitrag dazu leisten, Osteoporose rechtzeitig zu erkennen. Allein 70 000 Oberschenkelhalsbrüche sind im Laufe eines jeden Jahres auf diese Erkrankung der Knochen zurückzuführen. In Deutschland leiden nach Schätzungen von medizinischen Experten circa sieben Millionen Menschen an Osteoporose. Eine Krankheit, die fast immer unbemerkt beginnt und die entgegen dem gängigen Klischee keineswegs eine Erscheinung im hohen Alter ist. Auch junge Menschen können massiv an Knochenschwund leiden.
Das Elsteraner Apothekenteam möchte die Menschen für dieses Thema noch mehr sensibilisieren […]
[Mitteldeutsche Zeitung, 29. 04. 2005]
Barfuß im Palast
Wie die Prinzessin Lalla Salma in Marokko zum Gegenstand des öffentlichen Interesses wurde […]
ROM, 29. April. Sie ist populär, 27 Jahre jung, Informatikerin aus bürgerlichem Haus. Lalla Salma, seit drei Jahren Gemahlin von Marokkos König Mohammed VI., entzückt mit ihrer Frohnatur, ihrem telegenen Lächeln, dem roten Haarschopf und ihren gewitzten Augen. Die Prinzessin ist eine Hoffnungsträgerin im Volk, auch politisch. […]
Nun erfahren die Marokkaner noch mehr über ihre Prinzessin. Eine junge Wochenzeitung "Al-Jarida al-Oukhra" hat in einer ihrer ersten Ausgaben hinter die Kulissen geschaut und ein privates Porträt von Lalla Salma gezeichnet, bebildert mit offiziellen Fotos. Das Blatt hatte durchschlagenden Erfolg, musste wacker nachdrucken. Die "Perle" scheint da genauso durch, wie sie sich die Marokkaner wohl wünschen. Sie soll sich barfüßig im Palast bewegen, soll an einem Tisch mit den Bediensteten der Majestät tafeln […]
Der Protokollführer am Hof, Minister Abdelhak El Mrini, sieht das etwas anders und hat der Zeitung einen bösen Brief geschrieben, als habe sie Majestätsbeleidigung begangen. Details aus der Intimsphäre Ihrer Hoheit gehörten nicht an die Öffentlichkeit, schreibt er, wenn das noch einmal vorkomme, drohten unerfreuliche Folgen. Marokkos kleine unabhängige Presse hat einen schweren Stand. Lobeshymnen aufs Königshaus sind genehm. Tabubrüche jedoch führen oft zu Verhaftungen von Journalisten oder zur Schließung der Zeitung.
Wahrheitskommission
Und um einen Tabubruch handelte es sich auch in diesem Fall: Nie davor bekam das Volk Privates mit von der Konsorte des Königs […]
[Berliner Zeitung, 30. 04. 2005]
Diese Jogger tragen Badeanzüge und mehr nicht
Schauer? Finden manche Läufer schaurig. Andere dagegen laufen ohne Wassermassen gar nicht erst los. Das nennt sich Aquajogging. Es soll sehr gelenkschonend sein - sagt eine, die sich damit auskennt: Simone Pröschold, Sportwissenschaftlerin […].
An diesem Abend leitet sie wieder eine der vielen Aquajogging-Stunden, die das Come back, das bekannte Rehazentrum, hier anbietet. Sie muss gar nicht viel sagen. Kaum steht die Tür zum Bad auf, klettern die elf Kursteilnehmer ins Becken und drehen fröhlich ihre Runden. Immer an der Wand lang, immer im Kreis. Ein paar Minütchen aufwärmen. In dieser Phase sieht der Sport noch eher nach Aquawalking als nach Aquajogging aus.
Simone Pröschold schaltet den CD-Spieler an. Glasklares Wasser, gut gelaunte Menschen, tropische Temperaturen, an der Decke hängt ein Surfbrett - Südseestimmung in Buer. Fehlt nur der Strand. "Das Training im Wasser entlastet ungemein. Zum Beispiel bei Knie- oder Hüftproblemen", sagt die Trainerin. Weil das gefühlte Gewicht im Becken viel geringer sei, seien viele Übungen möglich. "Das Bein geht höher, man hat weniger Schmerzen."
Genug aufgewärmt, jetzt sind die neun Frauen und zwei Männer bereit für größere Aufgaben. "Versucht den Takt der Musik aufzunehmen", ruft die Trainerin. Die Wasserschar erhöht ihr Tempo. Manche tragen spezielle Aquajoggingschuhe, die für bessere Bodenhaftung beim nassen Joggen sorgen sollen. Andere laufen lieber barfuß […]
"Hier kann jeder einsteigen", sagt Simone Pröschold. Weil auch die Kassen dieses Training toll finden, bezuschussen sie es. Zumindest viele. Dieser Sport trägt den Beinamen präventiv - und bei dem Wort geraten Krankenkassenmenschen in Verzückung […]
[WAZ, 30. 04. 2005]
Wat et nich all gibt … sogar Aquajoggingschuhe! Nix für mich …
Barfuß durch Berlin
Wannsee oder Ostsee - das waren bislang die beiden wichtigsten Alternativen für Berliner auf der Suche nach dem Strand. In diesem Sommer ist die Anreise zu Liegestühlen und Strandkörben in der Hauptstadt deutlich kürzer. Zwischen Reichstag, Museumsinsel und der East-Side-Gallery reihen sich an der Spree Strände und Strandbars. Politiker und Journalisten sonnen sich im Sand des «Bundespressestrandes» im Regierungsviertel, Studenten strömen unweit der Hackeschen Höfe in die «Strandbar Mitte» und Familien mit Kindern besichtigen am Wochenende die Sandskulpturen an den Resten der Berliner Mauer in Friedrichshain. […]
Klassik statt House
Etwas gesetzter geht es am Bundespressestrand zu. Schräg gegenüber vom Reichstag und unterhalb der Bundespressekonferenz achtet man auch beim Strandleben auf Etikette. Die meisten Männer behalten bei 27 Grad und feinem Ostseesand unter den Füßen noch die Schuhe an, einige auch die Krawatte. Weißwein und Prosecco verkauft sich genau so gut wie Bier, statt House-Musik gibt es Klassik-Abende […]
[Stern, 30. 04. 2005]
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