Gesammelte Erfahrungen von Martin (Giessen)
(Forumbeiträge ab Winter 2004/2005)

Ich gehöre nun seit 2 Jahren zu den ziemlich regelmäßigen Lesern und gelegentlichen Schreibern. Wie ich in einem früheren Erfahrungsbericht schon mal erwähnte, hat mich die Lektüre im Forum in der Summe immer gestärkt, meiner Lust am leben auf Freiem Fuß gegen alle Bedenkenträger immer weiter nachzugehen, wofür ich allen Schreibern dankbar bin.  
Um wieder einmal etwas zurückzugeben möchte ich Euch von meinen Erfahrungen im letzten Jahr berichten.  
Nachdem mein Zuhause einschließlich der Nachbarschaft schon längst zur barfuß  Zone geworden ist (für mich natürlich, die Nachbarn tragen immer noch Schuhe, nur ich nicht mehr bei ihnen ;-) )habe ich mich auch im Alltag immer mehr vom Tragen von Schuhen befreit. Dabei kam es mir so vor, dass die Situationen, in denen ich damit auffallen würde deutlich weniger waren, als im ersten Jahr. Das bestätigt aber auch wieder die Erkenntnis, dass es unser eigenes Selbstverständnis ist, das eine Selbstverständlichkeit auch bei anderen erzeugt.
Dermaßen gestärkt haben meine Frau und ich zusammen mit einem befreundeten Paar einen kleinen Winterurlaub in Kössen (Österr.) in einem schönen, edlen Hotel verbracht (so mit Wellness und vielem guten Essen). Ich war nur am Anreisetag noch "vorsichtig" in Schuhen im Hotel unterwegs, bereits beim Abendessen sagte ich mir: "schließlich bist Du zum wohlfühlen hier" und stellte meine Schuhe unter den Tisch. Es gab keine Reaktion, weder vom Service, noch von den anderen Hotelgästen. Damit war es für mich besiegelt, und der Rest des Urlaubs schuhfrei.  
Am ersten Abend begann es zu schneien und so hatten wir am nächsten Morgen eine Postkarten-Kulisse mit Sonne-Schnee und Bergen...  
Natürlich MUSSTE ich bei diesen Bedingungen bereits bei unserer ersten Wanderung durch den frischgefallenen Schnee meinen Wohlfühlvorsatz konsequenter Weise umsetzten. Gestartet bin ich noch in Wanderschuhen (ohne Socken) und habe dann nachdem ich die Wegverhältnisse kannte (endlich) die Schuhe ausgezogen. Mal ein paar Schritte im eigenen Garten bei Schnee - o.k. das kannte ich, aber jetzt so richtig wandern? - Es war phantastisch, was sicher auch an dem perfekten Schnee lag: pulverweich, 30 cm hoch, auf Waldboden... ein unvergleichliches Laufgefühl.
Bei der nächsten Wanderung und zum vom Hotel organisierten Nordic-Walking Ausflug bin ich dann bereits ohne Schuhe angetreten. letzterer ging immerhin eine ganze Stunde lang und war dennoch einfach super! DANACH gab es übrigens Reaktionen von anderen Hotelgästen, die mich beim Abendessen wieder trafen und ansprachen: "Wir haben Sie heute beim Wandern gesehen - Sie waren ja auch dort Barfuss!" Beschwert hat sich niemand, und manchmal glaubte ich ein unausgesprochenes "würde ich vielleicht auch gerne..." zu hören.  
Bereits vor diesem Urlaub habe ich allerdings die für mich bisher größte Herausforderung angenommen und habe mich an meinem Arbeitsplatz ganz von Schuhen befreit. In meiner Arztpraxis hatte ich die Menge Leder an den Füßen in den letzten beiden Jahren bereits deutlich reduziert. Von Moccasins über weiße Tevas bis zu Birkenstock Mod. Gizeh (die mit dem Zehensteg). Und ab und zu habe ich bei mir gut bekannten Patienten während der Akupunktur oder der Chirotherapie oder auch der Besprechung am Schreibtisch die Schuhe ausgelassen.  
Schließlich kam aber auch hier der Punkt, wo mir mein eigenes Versteckspiel (vor dem Rest der Patienten) ziemlich blöde vorkam und ich "Nägel mit Köpfen" machte. Seit September habe ich meine Schuhe in der Praxis in den Schrank verbannt, und begrüße auch neue Patienten immer auf freiem Fuß.  
Es gab seit dem viele verwunderte Blicke, die aber stets in ein freundliches Lächeln übergingen, einige ungläubige Reaktionen "Das könnte ich nie" ("Doch sicher, wenn Sie gesund leben wollen..;-) )aber keine einzige wirklich ablehnende Bemerkung.  
Es hat mich seit dem oft amüsiert, wenn mich Patienten fragen, ob sie jetzt auch Ihre Schuhe ausziehen sollten (die dachten wohl immer ans Parkett). Ich stelle es ihnen dann frei: "Nun, ich fühle mich so am wohlsten, wenn Sie sich ohne Schuhe auch besser fühlen, bitte sehr!"  
Ihr merkt, auch im vergangenen Jahr hat das Leben auf freiem Fuß für mich ganz viel mit Freiheit und Befreiung zu tun. Neben all den medizinischen Aspekten von Fußmuskeln, Wahrnehmung, Rückengesundheit, Fußpilz... ist auch dieser Aspekt ein sehr gesunder: Am Barfußlaufen kann ich mich in meiner Selbstbehauptung und Selbstverwirklichung üben (ohne irgendjemandem damit weh zu tun).  
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein befreiendes Jahr 2005 mit vielen vielen persönlichen Entdeckungen.  
Es grüßt barfuss
Martin (Gi)

Barfuß bei Ärzten in Gießen...  
...war für mich eigentlich nie ein Problem. Ich kann von drei Ärzten berichten, die ich in der Zeit von 1999 - 2003 aufsuchte, und alle sagten sie: "Eigentlich haben Sie Recht, wozu braucht man im Sommer Schuhe..."  
Einer dieser Ärzte hatte selber keine Schuhe an, aber "Martin" war nicht sein Name. Ansonsten hätte ich jetzt meinen
ehemaligen "Leibdoktor" im Forum wiedergetroffen...  
Für meine Begriffe stellt Gießen das optimale Barfußpflaster dar! Ich habe dort jahrelang gelebt ...  
Ich denke mit Wehmut an das herrliche Naturschutzgebiet um den Launsbacher See... Die Studienzeit in Gießen, das war mitunter die schönste Zeit in meinem Leben, und die Zeit im Mittelhessischen solltest Du wirklich nutzen! [...]
Einerseits schätze ich mich glücklich, sagen zu können, dass ich seit langer Zeit dank guter Gesundheit keine ärztlichen Dienste in Anspruch nehmen musste, andererseits konnte ich, wie bereits erwähnt, bei den wenigen Medizinern, die ich konsultierte, eine absolute Aufgeschlossenheit gegenüber meiner Vorliebe fürs Barfußlaufen feststellen! Den von Dir genannten Arzt in der Löwengasse habe ich wahrscheinlich nicht mehr kennen lernen können. Als Arzt in der (eigenen) Praxis barfuß laufen, das finde ich klasse, wenngleich auch gewagt, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und es gibt keinen Grund, von vorn herein aufgrund etwaiger Ressentiments der Kunden bzw. Patienten seine Füße in Schuhe zu zwängen! Gerade als Arzt hast Du eine Vorbildfunktion, finde ich.
Ich war übrigens zweimal beim Arzt wegen Barfußverletzungen. Einmal im Sommer 99 wegen Brandblasen, 2001 schließlich wegen eines Schlangenbisses mit sehr schmerzhaften Folgen (etwas Vorsicht ist geboten im Naturschutzgebiet Launsbach!!). Gut fand ich, dass der Doc nicht versucht hat, mir das Barfußlaufen auszureden, sondern mich zum einen gut behandelt und mir zum anderen ein paar Tipps mit auf den Weg gegeben hat, um noch möglichst viel vom Sommer zu haben - barfuß.
Meine bislang schmerzhafteste Fußverletzung jedoch war eine riesengroße Blase an der Fußsohle, verursacht durch das Tragen von Lederschuhen ohne Strümpfe. Die Stelle wurde zu einer richtigen Wunde, mit der ich ein halbes Jahr lang meinen Spaß hatte, abgesehen von etlichen Nagelverletzungen aufgrund modischer, viel zu enger Schuhe und Flip-Flops.
Mein Arzt hat mich dann auch darauf aufmerksam gemacht, dass gerade unsere hoch zivilisierte Gesellschaft nicht merkt, welche Geißel sie sich mit solchen Folterwerkzeugen auferlegt, und im Nachhinein riskiere ich lieber eine Scherbe im Zeh als degenerierte Käsefüße bei 30 Grad im Schatten.
Mein Arzt war übrigens Michael M. aus der Friedrichstraße.
Gruß
Bernd (früher Giessen, jetzt Wiesbaden)

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