Michaels erste mehrstündige
Barfußwanderung - im Großraum Basel
(Forumbeitrag im Herbst 2003)
Mein beflipflopter
Besuch im Verkehrshaus Luzern und die barfüßige An- und
Abreise per Velo lag erst einen Tag zurück, aber mich drängte es am Sonntag schon wieder nach draußen. Ich wollte endlich einmal etliche
Stunden am Stück barfuß wandern und nicht nur analog Rad fahren oder gar nur
"rumsitzen" im Freien.
Als Wandergegend hatte ich den Großraum Basel vorgesehen, da es dort an ruhigen
Herbstagen meist sonnig ist, während das Schweizer Mittelland vom Nebel
"verwöhnt" wird. Nur: Nach Basel musste ich erst einmal kommen. Kein
Problem mit dem Fahrrad. Es war 6°C am Morgen und Bodennebel in Zofingen.
Sollte ich wirklich bei diesem Wetter ohne Jacke und ohne Schuhe über die
Runden bringen. Was tun, wenn jenseits des Hauensteinpasses die Temperatur noch
tiefer ist? Können mir bei der Passabfahrt die Zehen abfrieren? Mein Entscheid:
Windjacke und Flipflops (obwohl diese vor kaltem Fahrtwind auch keinen Schutz
bieten) in die Packtasche und barfuß, im kurzärmeligen T-Shirt und (wen
überrascht das noch?) kurzen Hosen radelte ich gegen 8 Uhr morgens los. Oben
auf dem Hauensteinpass stand eine "Bullenschleuder", aber die
Polizeischergen registrierten mich nicht. Während der Abfahrt bekam ich
tatsächlich kalte Füße und vor allem Hände. Später, als die Strecke wieder
eben war, hatte ich eher ein brennendes Gefühl. In der Altstadt von Liestal
sahen mich einige Leute, ich glaube, sie wollten zur Kirche, ungläubig an.
Ich radelte noch bis zum "Joggeli-Stadion", dann fuhr ich noch wenige
hundert Meter am Ufer der Birs entlang, dort, nahe beim Dinosaurierdenkmal
kettete ich mein Velo an einen Baum. Schuhe blieben in der ans Velo angeketteten
Packtasche. Wozu brauche ich während der Wanderung Schuhe? Schließlich gibt es
im Raum Basel einen zuverlässigen "Schuhersatz": das Tram. Falls
meine Füße den Dienst versagen, bräuchte ich nur bis zur nächsten
Haltestelle humpeln.
Leider waren auch hier die Uferwege überreichlich geschottert, so dass ich
schnell auf Trampelpfade ausweichen musste, was ein angenehmes Gefühl war.
Manchmal schritt ich auch über nasse Grasflächen oder auf asphaltierte Wege,
teils Feldwege, teils Quartierstraßen. Ein Weg führte parallel zur
BLT-Tramlinie 11. Ich beobachtete, wie Fahrgäste mich anstarrten, ein Passgier
stand sogar auf und kam näher ans Fenster. Ein Mann, dessen Tochter einen
Tretroller fuhr, fragte mich, ob es nicht zu kalt wäre und ob ich keine Schuhe
hätte. Als ich diese Frage mit: "Doch, auf dem Velo", beantwortete,
meinte er: "Da liegen sie gut!"
Im "Dorf" Reinach (heute längst eine Satellitenstadt Basels) bog ich
in weniger befahrene Wege ab, vorbei am Bruderholzdenkmal, Predigerhof Richtung
"Batterie". Dort war ein geschotterter Fußweg neben der kaum
befahrenen asphaltierten Straße. Ich ging den Weg des geringsten Widerstandes.
Ein Rollerbladefahrer überholte mich und meinte grinsend: "Der Fußweg ist
doch links!" Worauf ich antwortete: "Entweder wir benutzen beide den
Fußweg oder beide die Straße!" Von der "Batterie" führte es
hinunter durch die Wolfsschlucht, hier verkehrt auch eine Straßenbahn, die hier
eher wie eine Bergbahn anmutet. Ein Mädchen fragte den Vater: "Wieso
läuft der Mann barfuß?" Die Antwort: "Weil er kurze Hosen
anhat!" Soll das etwa heißen, dass Leute in kurzen Hosen, und nur diese
barfuß laufen dürfen? Oder gar müssen?
Schnell wurde die Bebauung großstädtisch, ich benutzte die Passaarelle vom
Bahnhof SBB (Hauptbahnhof), wo meine Barfüßigkeit nicht sonderlich registriert
wurde, auch nicht beim Überschreiten der Traminseln vor dem Bahnhof. Allerdings
musste ich nun mehr auf Scherben acht geben. Vorbei an Elisabethenkirche kam ich
an einen Platz, an dem meine Barfüßigkeit doch eigentlich nicht die Ausnahme,
sondern die Regel sein sollte. Immerhin wurde dieser Platz nach dem benachbarten
Kloster benannt, die Klosterkirche ist heute Museum. Aber auf dem
Barfüßerplatz war ich der einzige ohne Schuhe (auch anderswo sah ich nirgendwo
schuhlose Gesellen). Und ausgerechnet auf diesem Platz gab es die meisten
lästernden Bemerkungen! Beim Spalentor sah ich einen Mann in Flipflops,
ansonsten aber recht bedeckt bekleidet. Seine Füße waren blau gefroren. Durch
schöne Altstadtgassen schritt ich zum Münster, sogar durch den Kreuzgang und
auf die Münsterplattform. Ich blickte hinunter zur Rheinfähre. Der "Ferima"
trug auch Schuhe, vermutlich war es ein anderer. Letztes Jahr hatte ein
Fährmann am ersten Adventssonntag (!) barfuß sein Boot bedient, während viel
Fahrgäste Handschuhe und Mütze trugen. Eine weitere Person, die ich am 1.
Advent 2002 gesehen habe, traf ich auch wieder, der Mann trug auch die gleiche
Kleidung, kurze Hose und Hut! Außer diesem Mann und mir begegnete ich am
letzten Sonntag nur einen jungen Mann im Basler Zentrum in kurzen Hosen, das
andere waren Radfahrer, Jogger und andere Sportler, überwiegend Männer, selten
Kinder.
Zurück führte mein Weg über die "Mittlere Brücke" auf das
Kleinbasler Ufer. Ein Kind rief entsetzt: "Blutte Beine!" Ein anderes
fragte die Mutter: "Will der baden?" Den Rhein überquerte ich
abermals, diesmal über die Wettsteinbrücke. In der Nähe befindet sich ein
Kneipp-Becken direkt am Ufer. Ich musste feststellen, dass meine vermohrten
Füße sofort wieder sauber wurden, nur der Schmutz, der von der Fahrradkette
stammt, ging nicht ab. Auf einer Bank saß frierend ein junges Paar, beide dick
vermummt. Etwas "unpassend" wirkte, dass die junge Frau ihre nackten
Füße in Sandalen gesteckt hatte. Die Farbe der Füße unterschied sich kaum
von der ihrer Jeans. Ich begleitete den Rhein noch bis zur Birsmündung, dann
folgte ich der Birs, meist über nasses Gras. An einigen Stellen musste ich
jedoch auf die Straße ausweichen, weil diese das kleinere Übel gegenüber
Baustellenschotter ist. Das letzte Ende war naturbelassener Waldweg, dann war
ich wieder am Velo angelangt. Bevor ich jedoch losradelte, machte ich noch eine
Pause und beobachtete die vielen Kinder, die beim "Dinosaurier"
spielten. Einige versuchten sogar, auf den "Riesensiech" zu klettern.
Meine erste mehrstündige barfüßige Wanderung war zu Ende. Etwas mehr als 6
Stunden war ich auf den Füßen. Im Prinzip hat mir diese gefallen, nur habe ich
wegen dieses dämlichen Schotters die Route etwas abändern müssen. Meine
frühere Meinung, dass der Raum Basel eine ideale Wandergegend ist, muss ich
modifizieren: Der Raum Basel ist ideal für beschuhte Wanderungen, speziell für
solche, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind. Die Wege sind gut
beschildert, und überall findet man ein Wanderwegschild, das auf den Weg zur
nächsten Tramhaltestelle oder zum nächsten Bahnhof hinweist. Vom vielen Laufen
auf Asphalt schmerzten meine Füße, aber ich hatte keine Probleme, auch noch
die Heimfahrt barfuß anzutreten. Probleme mit der Temperatur hatte ich auch
nicht. In Basel war es tagsüber etwa 15°C warm gewesen bei meist bewölktem
Himmel. Als ich abends in Zofingen ankam, war es noch 11°C.
Mit freundlichen Grüßen
Michael aus Zofingen
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