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"Unten ohne": das nackte Vergnügen
(Forumbeiträge im Sommer 2000)
"Unten ohne": das nackte Vergnügen -
Eine ganze Dimension von Eindrücken
Barfuß durch den Sommer
Sie können weder
Turnschuhe noch Sandalen leiden. Stiefel sind ebenfalls nicht ihr Ding. Und
Plateau - Schuhe würden sie sich garantiert nie anziehen. Ob Wiese, Waldweg oder
Asphaltstraße - Barfußläufer lieben es grundsätzlich "unten ohne".
Was lange Zeit nur am Strand als korrekt und ansonsten als Hippie-Gehabe
angesehen wurde, erobert jetzt die Städte. Barfuß zu gehen ist vom
schmuddeligen Schocker zum schicken Hingucker geworden.
"Das macht
Spaß", sagt Kai Hiltmann aus Villingen - Schwenningen nur, wenn man ihn
fragt, warum er so gerne barfuß läuft. Seit mehr als 15 Jahren verzichtet er
auf seine Schuhe, wo immer es geht - auf dem Weg zur Arbeit, im Büro oder in
der Freizeit. "Es ist eine ganze Dimension von Eindrücken, auf die man
verzichtet, wenn man in Schuhen läuft", beschreibt Hiltmann seine
Erfahrungen auf nackten Sohlen.
Ähnlich sieht es Kai Buhmann, Geschäftsführer
der Deutschen Wanderjugend in Winnenden. "Es wird sehr oft vergessen, dass
wir auch an den Fußsohlen Sinneszellen haben. Plötzlich merkt man dann, wie
unterschiedlich sich Untergründe anfühlen können", so Buhmann über die
direkte Art der Bodenhaftung. Barfußlaufen ist für Buhmann "die
natürlichste Art der Fortbewegung".
Um noch mehr Menschen Mut zu machen,
die Schuhe mal stehen zu lassen, veranstalten inzwischen mehrere Gruppen der
Wanderjugend regelmäßig Barfuß - Wanderungen. Geteerte Wege werden dabei links
liegen gelassen. Stattdessen führen die Routen über naturbelassene Waldwege,
durch Matsch und kleine Bäche. "Barfuß macht das ja nichts. Den Matsch
kann man wieder abwaschen und die Füße trocknen viel schneller als jeder
Schuh", sagt Buhmann.
Wer erst vorsichtig testen will, ob ihm das
Barfußlaufen überhaupt liegt, kann inzwischen in einer ganzen Reihe
sogenannter Barfußparks seine Standfestigkeit auf verschiedenen Untergründen
testen.
Standfest auf Sand und Rindenmulch "Sand, Kies, Rindenmulch,
zwischendurch ein Stück Wiese und auch mal durchs Wasser", schildert Karin
Gothieu von der Kur- und Tourismusinformation in Bad Sobernheim den Weg über
den örtlichen Barfußpfad. Bereits seit 1992 existiert dieser von Mai bis
Oktober geöffnete Parcours im Hunsrück, der jedes Jahr von rund 40 000
Menschen besucht wird.
Auch der Barfuß - Park Dornstetten - Hallwang im Schwarzwald
könne sich nicht über mangelnden Zulauf beklagen, sagt Martin Zorin vom
dortigen Tourismusbüro. Sie selber gehört mittlerweile ebenfalls zu den
Stammgästen auf dem Barfuß - Pfad: "Ich konnte mir früher nie vorstellen,
barfuß zu laufen. Aber je öfter man das macht, desto abgehärteter wird die
Sohle. " Schon nach ein paar Übungsrunden werde das Pieksen kleiner
Steinchen oder das Kitzeln des Grases nicht mehr als Schmerz, sondern eher als
eine Art Massage empfunden.
Jörg R [., Musikpädagoge im Hunsrück], sieht im Barfußlaufen sogar ein wichtiges therapeutisches
Instrument. "Immer mehr Kinder haben Bewegungs-, Haltungs- und
Koordinationsstörungen. Das fängt schon bei den Füßen an", erklärt er.
Sich barfuß zu bewegen, helfe, ein Gefühl für seinen eigenen Körper zu
entwickeln und bringe so das Gleichgewichtsgefühl wieder ins Lot.
Die Szene der
Barfußläufer in Deutschland sei bunt gemischt, sagt [er]. Viele
Barfußläufer hätten allerdings Probleme damit, sich offen zu ihrer
Leidenschaft zu bekennen, denn zu lange galten nackte Füße in der westlichen
Gesellschaft als ein Zeichen für Armut. Anderen dagegen macht es absolut nichts
aus, gelegentlich etwas schräg angesehen zu werden oder auch angesprochen zu
werden. Hauptsache, sie müssen ihre Füße nicht in Schuhen verschnüren.
Auf
Websites lassen sich zum Beispiel die Mitglieder der
"Dirty Sole Society" nicht nur über Frust und Lust des Barfußlaufens
aus. Wer will, bekommt hier auch Tipps für die schönsten Barfuß - Trips -
inklusive Knigge für das Barfußlaufen in anderen Kulturen. Denn ein
überzeugter Anhänger der Freifuß - Kultur will selbst auf Wüsten -
Wanderungen
den unmittelbaren Kontakt zum Boden nicht missen. Solche Extrem - Touren sollten
aber tatsächlich nur Trainierte wagen.
Die Füße seien zwar "erstaunlich
widerstandsfähig" und hielten "viel mehr aus, als man denkt",
sagt Kai Buhmann. Um eine strapazierfähige Hornhautschicht zu bekommen, sollte
man als Einsteiger aber erst mal einige kleinere Übungseinheiten absolvieren.
Stadtbummel auf schwarzen Sohlen
Wer weiche Wiesen und Waldwege hinter sich
gelassen hat, kann dann ganz entspannt zum Beispiel zum Einkaufsbummel in der
Stadt ohne Schuhe erscheinen. "Nur die Sohlen werden dabei halt etwas
schwärzer", so Buhmann. Außerdem sollte man besonders an heißen Tagen
einen Bogen um Gullydeckel oder Straßenbahnschienen machen, weil man sich dort
ernsthaft die Füße verbrennen kann. Und statt nur in die Schaufenster zu
sehen, sei es ratsam, zumindest ein Auge immer am Boden zu haben - denn barfuß
in Hundehaufen oder Glasscherben zu treten, ist dann doch nicht das nackte
Vergnügen.
[Westfälische Rundschau
Nr. 165, Mittwoch 19. Juli 2000]
Hallo zusammen, diese Tage bekam ich diesen Zeitungsartikel aus der Westfälischen Rundschau von einem Aktiven
der Wandervereine.
Der Artikel basiert aus einer Agenturmeldung, über welche
ich vor einigen Wochen berichtete.
Was haltet ihr von dem Beitrag?
Schönen
Abend, Kai
Hallo Kai, "nicht übel", würde ich
da in der mir eigenen Form von Begeisterung den Artikel kommentieren. Wenn man
von dem Bild mal absieht (sieht eher schuhgequält und gerade befreit aus -
passt aber so inhaltlich auch wieder ;-) kann man, glaub' ich, momentan nicht
mehr Promotion erwarten, als in dem Artikel geliefert wurde.
Solche Artikel
werden zumindest die Akzeptanz in großen Teilen der Bevölkerung erhöhen,
denke ich. Vorurteile werden abgebaut und der/die ein oder andere wird sich auch
mal zum Barfußgehen verleiten lassen. Der beschriebene (und m. E. nicht reale)
Trend wird somit vielleicht ausgelöst (dazu müsste die positive
Berichterstattung allerdings in den nächsten Jahren weiter gehen bzw.
intensiviert werden, sonst ebbt das schnell ab).
Es ist schon erstaunlich, dass
man Trends so auslösen kann/könnte, oder? Eine Agenturmeldung und schon zieht
sich ein angeblicher Trend quer durch die Presse (es ist aber auch manchmal
etwas befremdlich). Das Internet hat dabei sicherlich eine Schlüsselrolle
übernommen: hier sammeln sich Gleichgesinnte zum Austausch und strahlen
Informationen ab, die auch von Journalisten wieder aufgenommen werden (die haben
ja das Medium als Quelle stark genutzt, früher wäre das schon schwieriger
gewesen).
Man muss sich bei all den besonders aktiven Barfüßern im Netz (auch
und gerade hier im Forum) wirklich bedanken für die außerordentlich gute
Promotionarbeit. So müsste es weiter gehen. Herzlichen Dank (auch an Dich) Lupu
Hallo Kai, der Artikel zeigt erst einmal, dass
Paperball doch nicht immer alles findet; jedenfalls war ich bei der
Pressespiegelrecherche dem Beitrag nicht begegnet.
[Was haltet ihr von dem Beitrag?]
Viel, mehr jedenfalls als von dem neulich zitierten mit den
amerikanischen DSS - Barfüßern. Was in den USA "so läuft",
interessiert hier zwar, aber was im eigenen Land passiert, kann immer noch mehr
Einfluss entfalten - glaube ich jedenfalls.
[erstaunlich, dass man
Trends auslösen kann ... Internet hat Schlüsselrolle: Gleichgesinnte strahlen
Informationen ab ... bei aktiven Barfüßern im Netz bedanken für
Promotionarbeit]
Hallo Lupu, an der Darstellung im
Netz müssen wir gewiss noch etwas arbeiten - aber im Winter, wenn die
Gelegenheiten zum aktiven Barfußlaufen für die meisten doch rückläufig sind
...
Herzliche Füße Georg
[Paperball nicht immer alles findet]
Der Beitrag kam in der
Rubrik 'Gesundheit'. Eventuell werden solche Spezialrubriken nicht ins Netz
gestellt, dann ist man auf die konventionelle Art der Zeitungsauswertung
angewiesen. Grüße Kai
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Auf
wunden Sohlen über heißen Teer
(Forumbeiträge im Sommer 2000)
Auf wunden Sohlen über
heißen Teer
Dies ist die Geschichte von einem, der auszog, um barfuß zu gehen.
Fazit: Im Gras macht's Spaß, doch auf dem Teer ist's schwer.
Für Barfußläufer ist Schaffhausen ein hartes, dreckiges Pflaster. Unser
Testlauf durch die Altstadt hat dies zweifelsfrei ergeben. Schuhe - so das Fazit
des Autors - sind ein Geschenk Gottes, das wir viel zu wenig schätzen.
Doch nicht alle denken so. Corsin Gaudenz aus Hallau ist begeisterter Barfußläufer.
An der Maturfeier der Kantonsschule im St. Johann fiel er dadurch auf, dass er
als einziger Absolvent sein Zeugnis barfuß in Empfang nahm. «Barfußlaufen ist
einfach angenehmer», sagt er. «Außerdem ist es mühsam, die ganze Zeit Schuhe
und Socken an- und auszuziehen.»
Der Auftritt im St. Johann ist ihm allerdings etwas peinlich: «Das war ein
Versehen», erklärt er. «Ich wollte mir eigentlich Schuhe anziehen, aber dann
war es plötzlich zu spät, um noch nach Hause zu kommen. Wenigstens einen
Pullover konnte ich noch auftreiben.» Ein zweites Mal würde er das nicht mehr
machen, sagt er, «es ist ja auch eine Frage des Anstands.»
Ein Barfußfundamentalist ist Gaudenz nicht. Im Winter oder wenn es längere
Zeit regnet, trägt auch er Schuhe: «Aber wenn ich dann nach Hause komme, ziehe
ich als erstes Schuhe und Socken aus.» Naturfreunde oder Fetischisten?
Genau das tun wir nun: Auf zum Testlauf! Die ersten Schritte tun den frisch
befreiten Füssen gut. Auf den warmen Pflastersteinen der Vordergasse lässt
sich angenehm gehen. Doch dann treten wir uns - autsch! - den ersten Kieselstein
in die Ferse. Den Blick etwas verkrampft auf den Boden geheftet, tappen wir
Richtung Unterstadt.
Hartgesottene Barfußläufern treffen sich im Internet auf der Seite
www.barfuss.ch. Im Diskussionsforum bestätigen sich die Schreibenden
gegenseitig, wie schön und wichtig das Barfußlaufen doch sei. Dem Aufruf des
Autors, es möge sich ein Barfußläufer aus der Region melden, mag allerdings
niemand folgen.
In der Fotogalerie der Barfüßer wird klar, dass dieses Hobby auch andere
Dimensionen haben kann. Ein Herr namens «Matthias» hat zum Beispiel Dutzende
von Schnappschüssen barfüßiger junger Damen ins Netz gespeist. Und ein
Tscheche namens «Dan» schreibt in brockigem Deutsch: «Hellou, ich suche barfuß
Mädchen am Briefwechsel. Ich gern barfuß laufen und alles barfuß machen.»
Die Barfußläufer - ein Haufen von Fetischisten?
Aufruf mit Schattenseiten
«Nein», antwortet «Fritz, der Barfußläufer aus Bümpliz» per E-Mail. Fritz
ist einer der Gründer von www. barfuss.ch. «Wir sind kein Forum für Fußfetischisten,
und die Diskussionen gehen absolut nicht in diese Richtung. Im Gegenteil,
schreibt jemand so was rein, gibt es ein riesen negatives Echo, er solle sich
wegscheren. Wir wollen das ganz normale Barfußgehen wieder attraktiv machen und
fördern. Lass die Schuhe zuhause, der Sommer 2000 gehört den Barfußläufern.»
Die Schattenseiten von Fritz' Aufruf beginnen wir spätestens am Freien Platz zu
erahnen. Die Pflastersteine der schattigen Altstadtgassen weichen heißem Teer.
Das Warten am Fußgängerstreifen wird zur leidvollen Erfahrung. Die Sohlen
brennen wie Feuer. Auch am Rheinquai bleibt das Pflaster heiß. Der Teer ist
grobkörnig und lässt die Füße wund laufen. Die Sohlen werden schwarz und
schwärzer.
Corsin Gaudenz teilt diese Einschätzungen: «Heißer Teer ist echt blöd, vor
allem wenn er grobkörnig ist. Aber auf Pflastersteinen ist das Barfußlaufen
super. Die Steine sind leicht gerundet und ganz glatt. Im Vergleich zu Teer sind
sie fast weich.»
Und wie hält es Gaudenz mit der Hygiene? «Ich würde nie mit dreckigen Füssen
zu Bett gehen», meint er dezidiert. «Das Füßewaschen gehört bei mir dazu
wie das Zähneputzen.»
Als wir endlich den weichen Rasen am Lindli erreichen, sind wir überzeugt, nur
noch Blasen an den Füssen zu haben. Ganz so schlimm ist es nicht: Die Sohlen
sind zwar schwarz, aber einigermaßen intakt. Wir versenken die brennenden Füße
im kühlen Rhein. Viel nützen tut's nicht: Die Fußsohlen werden sich erst zwei
Tage später wieder halbwegs gesund anfühlen.
Immer mehr Fußprobleme
Anfrage bei einem Fachmann: Ist Barfußlaufen überhaupt gesund? «Das hängt
von der Unterlage und dem Gesundheitszustand der Füße ab», erklärt Hans
Terwiel, Lehrer an der Physiotherapieschule Schaffhausen. «Bei Kindern ist
Barfußlaufen im Normalfall unproblematisch. Erwachsene mit Problemfüßen müssen
eher aufpassen. Was die Unterlage angeht, so ist Teer- oder Steinboden sicher
weniger empfehlenswert als Sand oder Wiese.»
Fußprobleme hätten in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen, sagt Terwiel.
«Es gibt in dieser Beziehung riesige Differenzen zwischen uns und den
Entwicklungsländern, wo die Menschen noch eher barfuß laufen.» Als Ursachen für
die Fußprobleme nennt der diplomierte Physiotherapeut und Sportlehrer mangelnde
Bewegung, zu enge Schuhe und - überraschenderweise - auch zu bequeme Schuhe, in
denen die Füße zu weich gebettet sind: «Die Muskeln werden heute eindeutig zu
wenig gebraucht. Der Fuß muss nicht mehr viel selber machen.»
Erwachsene: Vorsicht
Ein Rezept dagegen ist laut Terwiel das Barfußlaufen: «Gerade Kinder und
Jugendliche sollten im Sommer öfter barfuß gehen, und zwar nicht nur in der
Badi, sondern zum Beispiel auch beim Turnunterricht im Freien.»
Für platt- oder senkfüßige Erwachsene ist allerdings Vorsicht angebracht: «Mit
Problemfüßen ist es nicht empfehlenswert, stundenlang barfuß zu laufen.»
Wir werden das künftig bestimmt beherzigen. Vorerst aber sitzen wir noch am
Lindli und leiden. Wenn doch das Trottoir aus Rasen wäre... So aber gibt es nur
eine Lösung: Wir humpeln über die Strasse und fahren mit dem Bus zurück zum
Bahnhof. (Me.)
[Schaffhauser Nachrichten, 17. 08. 2000]
Ich habe dazu folgendes per Email geantwortet :
Liebe Schaffhauser Nachrichten,
wie schade, dass Ihr Beitrag zum Thema Barfußlaufen so negativ beginnt !
Dass sich Ihr Redakteur barfuß "Wunde Sohlen auf heißem Teer"
gelaufen hat, so dass er zu dem Fazit kommt : "Schuhe sind ein Geschenk
Gottes, das wir viel zu wenig schätzen." liegt daran, dass er einem
verbreiteten Vorurteil aufgesessen ist : wenn es draußen heiß sei, sei - wenn
überhaupt - die Zeit zum Barfußlaufen (mit einem Hintergrundgedankenbild von
Urlaub am Strand).
Die Menschen, die sich viel und gerne barfuß bewegen, wissen, dass das so eben
gerade nicht stimmt und nehmen bei hochsommerlichen Temperaturen ihre Sandalen
zumindest vorsichtshalber mit - denn die künstlichen Bodenbeläge, die zwar
autofreundlich aber fuß- und auch gelenkfeindlich sind, heizen sich extrem auf,
wie es natürliche Böden normalerweise nicht tun (bezeichnenderweise wurden ja
auch das Natursteinpflaster und noch mehr die Wiese als angenehm zu begehen
empfunden).
Stattdessen geht es sich bei kühlen Temperaturen ab 15 Grad aufwärts barfuß
so angenehm, dass der etwas Geübte jeden Schritt bedauert, den sie oder er in
Schuhen tun muss. Denn der Körper sorgt durch die Bewegung für Durchblutung,
die die Füße erwärmt - und die vielfältigen gesundheitlichen Vorzüge des
Barfußgehens hat ihr Autor ja auch recherchiert.
Vielleicht probiert es ihr Redakteur ja noch einmal bei etwas niedrigeren
Temperaturen und berichtet darüber ... und ihre Leser jedweden Alters erst
recht !
Mein Leserbrief ist in der Samstagsausgabe fast unverändert abgedruckt worden : Samstag 19. August 2000, Diverses. Serfuß Georg
Hallo Georg, dies ist eine gute Nachricht! Den Leserbrief halte ich für sehr
gut, er "trifft den Nagel auf den Kopf".
Was ich irgendwie nicht
verstehen kann: ich kann mich nicht erinnern, jemals Probleme mit zu heißem
Asphalt gehabt zu haben. Und mit einem Weltreisenden wie Bernd A bin ich nun
wirklich nicht vergleichbar.
Aber da das Thema immer wieder im Forum auftaucht,
scheint es von Relevanz zu sein; und der geneigte Leserbrief - Leser wird prima in
die richtige Richtung geleitet! Es grüßt Dich MarkusII
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Folgender Artikel stand heute bei uns in der Zeitung. Gero
Hey, Sie sind barfuß!"
Ach. Wäre mir jetzt glatt entgangen.
Von Franziska Feinäugle
Ohne Schuhe durch Heilbronn: Ein Selbstversuch - Von unnötigen Bemerkungen,
neuen Fühl - Erlebnissen und schmeichelhaftem Zebrastreifenweiß
Es gibt Dinge, die fordern Unbeteiligte geradezu heraus, ungefragt Kommentare
abzugeben. Barfußlaufen beispielsweise.
Barfußlaufen scheint etwas ähnlich Anrüchiges zu sein wie barköpfig, also
kahlrasiert durch die Gegend zu gehen: nackte Haut an gesellschaftlich nicht
anerkannter Stelle.
Kommentare also. Einfach so, in der Mittagspause in der Heilbronner Innenstadt.
Es fängt schon im Treppenhaus an. "Hey" , ruft ein Mann, der auf den
Aufzug wartet und offenbar zeigen muss, wie gut er hingeguckt hat, "hey,
Sie sind barfuß!"
Ach. Danke für den Hinweis. Wäre mir glatt entgangen.
Dann zur Post, Briefmarken kaufen. Der Mann hinterm Schalter guckt zwar, sagt
aber nichts. Brav. Nach dem Tauschgeschäft Geld gegen Briefmarken spricht er
dann aber vorsichtig doch aus, was ihn bewegt: "Ist das nicht gefährlich,
barfuß? Bei den vielen Baustellen?" Danke der Nachfrage, nein. Im
Gegenteil. Der baustellenbedingte Holzboden am Außenrand der Ex- Allee- Unterführung
ist besonders angenehm unter der Fußsohle. Warm und glatt.
Aber schön, dass es auch Kommentare der netten Art gibt.
Ganz anders als die Frau mittleren Alters, die im Vorbeigehen despektierlich,
als würde das genau in ihr offensichtlich nicht gerade schmeichelhaftes
Heilbronn - Bild passen, zu ihrem Begleiter sagt: "Läuft man jetzt hier
schon barfuß, oder was?"
Ja, läuft man. Und lernt die Stadt auf diese Weise ganz neu kennen.
Welcher Dauerschuhträger weiß schon, dass zwischen Kiliansplatz und Kaiserstraße
nahe der Kirchenmauer ein ziemlich langes Gitter ins Pflaster eingelassen ist?
Wer barfuß unterwegs ist, übersieht und -geht es nicht so unaufmerksam. Hat nämlich
einen angenehm leichten Fußsohlenmassageeffekt.
Überhaupt: Barfußlaufen, die ständige Stimulierung der Nervenenden auf den Fußunterseiten,
erweitert das Spektrum der alltägliches Sinneseindrücke ganz erstaunlich. Das
hat vielleicht auch der alte Mann gemeint, der kürzlich in einer Zeitschrift
sagte, wenn er sein Leben noch mal vor sich hätte, würde er sich weniger
Sorgen machen, mehr Risiken eingehen - und außerdem "vom frühen Frühjahr
bis zum späten Herbst nur barfuß gehen ".
Bevor wir im Alter was bereuen, lassen wir die Schuhe also lieber gleich weg.
Auch wenn einige das unhygienisch finden.
Klar werden die Fußsohlen bei Spaziergängen durch die City schwarz (auf Wohn-
und Nebenstraßen kann man übrigens ziemlich lang ohne Schuhe unterwegs sein,
ohne schwarze Füße zu kriegen, nur ein bisschen staubig werden sie da) - und
klar läuft man mit diesen schwarzen Sohlen nachher wieder durchs Büro. Aber
weder sind die Schuhsohlen der Kollegen sauberer, noch kommen Barfußläufer
ihren schwarzen Fußsohlen unangenehm nah.
Und zuhause in der Wohnung gilt der allererste Gang sowieso der Badewanne, wo
die Füße mit Wasser und Seife überraschend schnell wieder von schwarz zu rosa
werden.
Mit dem heimischen Teppichboden sind die Barfüße gewissermaßen auf du und du.
Umso spannender, ganz bewusst die unterschiedlichsten Bodenbeläge zu testen.
Ein Einkauf im Supermarkt etwa kann schnell eine Erkältung nach sich ziehen, so
kalt ist der Boden oft.
Die Füße verbrennen kann man sich an den Stadtbahnschienen auf der Heilbronner
Kaiserstraße nicht, dazu bleibt das Metall selbst an heißen Tagen zu kühl.
Dafür macht's Spaß, mit dem großen Zeh Dellen ins weiche Gummi neben dem
Gleis zu drücken.
Das glatte Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz und das Weiße beim
Zebrastreifen sind absoluter Fühl - Luxus für die Sohlen. Und ganz nebenbei
merken Barfüßler, was Ordnungsbürgermeister Kübler freuen wird: Es ist
wesentlich sauberer auf dem Boden, als man denkt.
[Heilbronner Stimme, 30. 08. 2000]
DER Artikel ist nach meinem Geschmack! Schön, dass SO etwas einmal in der Zeitung steht! MarkusII
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