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[Schuhe engen ein wie Fäustlinge] |
[Barfüßer: Sekte übernimmt Macht] |
"Schuhe engen ein wie
Fäustlinge an den Händen"
(Forumbeitrag im Spätherbst 2002)
Barfußläufer: "Schuhe engen ein wie Fäustlinge an den Händen"
Für den Waiblinger Kai Dörfner ist das Laufen auf nackten Sohlen das ganze Jahr über ein reines Vergnügen / Der Orthopäde sieht das etwas differenzierter
Von unserem Redaktionsmitglied Tina Bauer
Waiblingen. Gras kitzelt an den Fußsohlen,
Matsch quillt zwischen den Zehen durch, nasser, rauer Asphalt massiert die
Füße - "Barfußlaufen ist eine tolle Erfahrung", meint Kai Dörfner.
Deshalb zwingt der Waiblinger, da wo es geht, seine Füße seit drei Jahren
nicht mehr in "das Gefängnis Schuh".
"Man beraubt sich ein Stückchen seiner
körperlichen Fähigkeiten, wenn man Schuhe trägt", meint Kai Dörfner.
"Das Potenzial der Zehen wird durch Schuhe ruhig gestellt, wie wenn man
ständig Fäustlinge an den Händen tragen würde." Deshalb läuft Kai
Dörfner so oft es geht barfuß. So kommt er auch
"selbstverständlich" ohne Schuhe zum Gespräch in die Redaktion,
obwohl es draußen Bindfäden regnet und nicht wirklich warm ist.
So konsequent ist Kai Dörfner nicht immer. Er
rät: "Auf den Körper achten und nicht aus Prinzip barfuß laufen. Es
lohnt sich nicht, zu übertreiben." Schließlich wusste schon seine
Großmutter, dass "Barfußmonate die ohne R sind, also Mai bis
August." Zu Hause zieht Dörfner das ganze Jahr über kaum Hausschuhe oder
Socken an - eine Fußbodenheizung hat er aber nicht. Und diesen Winter will er
sogar mit Gleichgesinnten unten ohne auf den Weihnachtsmarkt.
Angst vor Erkältung hat der Barfußläufer
nicht. Denn "eine Erkältung braucht einen Anlass, Viren sind die Auslöser
und die greifen das Immunsystem nur an, wenn's eh schon geschwächt ist",
ist Dörfner informiert. Klar müsse man sich ordentlich und dem Wetter
angemessen anziehen. Dass dicke Wollsocken und Hausschuhe aber immer einem
Schnupfen vorbeugen, sei "ein bequemes Alibi, das sich von Generation zu
Generation fortsetzt, ohne dass was dahinter wäre".
Und es gibt noch mehr Vorurteile, die dem
Nacktfüßer begegnen. "Es gehört sich einfach nicht, das ist nur was für
Kinder und Arme", sei in den Köpfen vieler drin. Doch heutzutage habe
jeder Schuhe, auch ärmere Menschen, hat Dörfner beobachtet. "So wird
Barfußlaufen zum Wohlstandsphänomen. Man kann es sich leisten, auf Schuhe zu
verzichten."
Viele würden es gerne tun, trauen sich aber
nicht. "Oft sagen mir, wenn ich barfuß Einkaufen gehe, die Verkäuferinnen,
die acht Stunden und mehr in Schuhe gepresst stehen müssen: Sie machen's
richtig, das würde ich jetzt auch gerne tun."
Und auch ältere Menschen,
die häufig Gesundheitsblätter lesen, würden positiv auf sein Barfußlaufen
reagieren, hat Kai Dörfner erfahren. "Die wissen, dass Barfußlaufen
gesund ist."
Denn mit nackten Füßen trete man nicht wie mit Schuhen mit
der Ferse, sondern mit dem Ballen oder dem ganzen Fuß auf. Das verursacht
weniger Rückenschmerzen. Und Barfußlaufen fördert auch die Durchblutung.
Schon Sebastian Kneipp hat vor 100 Jahren erkannt, dass ein vernünftig
dosierter Kältereiz die Wärmeproduktion des Köpers anregt und dadurch der
Kreislauf stabilisiert wird. Und wenn Kai Dörfner doch mal Schuhe trägt,
achtet er nicht nur darauf, dass sie lang genug sind, sondern auch breit genug.
Vor allem die heutigen Damenschuhmode mit spitz zulaufenden Formen und
Plateauabsätzen sind zwar "artistisch spannend, aber ich bin froh, dass
ich damit nicht laufen muss", meint Dörfner.
Ein weiteres, häufig angebrachtes Argument
gegens Barfußlaufen sei die Angst vor Fußpilz, so Dörfner. "Viele Leute
ziehen im Hallenbad deshalb extra Latschen an. Dabei fördert gerade das den
Pilz. Denn in Schuhen schwitzen die Füße, es ist warm und feucht - genau der
richtige Nährboden für Pilze", erklärt Dörfner. "Nackte Füße
dagegen sind immer an der frischen Luft, sind trocken, stinken weniger und
werden deshalb weniger von Fußpilz befallen."
Da her er recht, denkt sich jetzt bestimmt der
ein oder andere - hat doch schon manch' Käsemauke den Stärksten umgehauen.
Doch lieber versteckt der Stinker seine Füße in Schuhen und argumentiert mit
Erkältungs- oder Verletzungsgefahr. Doch auch dieses Argument weiß Dörfner zu
entkräften: "Klar muss ich vorsichtiger sein, wo ich hintrete. Man muss
immer einen Blick nach unten haben, aber nicht starr wie ein Roboter. Im Laufe
der Zeit bekommt man eine Art siebten Sinn", erklärt Kai Dörfner und
erzählt, dass er eine Woche lang barfuß in London unterwegs war und nirgends
reingetreten sei.
Und für den Notfall hat Dörfner immer
Pflaster und eine Pinzette dabei, um Dornen oder Glassplitter zu entfernen. Und
wenn's barfuß gar nicht mehr geht, zieht Kai Dörfner seine Sandalen aus dem
Rucksack - auch die hat er immer in der Tasche. "Außerdem muss man einige
Plätze einfach meiden, wie Grillplätze, an denen oft Scherben liegen,
Obstwiesen, auf denen es im Sommer von Bienen und Wespen wimmelt oder
beispielsweise den Waiblinger Marktplatz, so sich zwischen dem Kopfsteinpflaster
einiges ansammelt."
Es spricht einiges für Barfußlaufen.
Außerdem erspart es Faulen unter uns auch einen Arbeitsgang. Denn wer Schuhe
trägt, hat nicht selten stinkige Füße und dreckige Schuhe, die er waschen und
putzen muss. "Der Barfußläufer hat's einfacher, er muss nur die schwarzen
Sohlen waschen", erklärt der Barfußläufer. Ihm bleibt sogar das erspart,
wenn er beim Wandern mit seinen eventuell schlammigen Füßen einfach durch eine
Wiese laufe. Deshalb hat Dörfner, der bis vor kurzem noch Geschäftsführer der
Deutschen Wanderjugend war, jetzt bei der Evangelischen Gesellschaft in
Stuttgart für Marketing und Fundraising zuständig ist, auch schon mehrere
Wanderungen für Barfußläufer veranstaltet.
Der Experte rät: "Öfters barfuß laufen,
aber nur auf unebener Fläche."
"Barfußlaufen ist primär gesünder als
in unseren Schuhen zu laufen", sagt Dr. Werner Koch, Orthopäde in
Waiblingen-Hohenacker. "Aber es hat nur einen Effekt auf unebenen Flächen
wie Sand oder Gras. Auf Beton und Asphalt gehen unsere Füße kaputt."
Der
Experte erklärt: "Die Muskulatur kann sich auf flachem Boden nicht
ausbilden, wir bekommen Senk- oder Spreizfüße, weil die Quer- und
Längswölbungen unseres Fußes zu sehr belastet werden." In Westeuropa sei
eine hohe Anfälligkeit da, rund 70 Prozent haben Spreizfüße, über 50 Prozent
Senkfüße. Der Orthopäde rät vor allem Kindern, öfters barfuß zu laufen,
aber nur auf unebenen Flächen.
[Waiblinger Kreiszeitung, Dienstag, 3.
Dezember 2002, Rems-Murr-Rundschau]
Hallo zusammen,
vor ca. zwei Monaten hatte ich ein
ausführliches Interview mit einer Volontärin der Waiblinger Kreiszeitung. Und
heute, kurz vor dem ersten Schnee, kam dann tatsächlich ein ausführlicher,
fast halbseitiger Beitrag. Im Sommer
wäre die Werbung sicher schöner gewesen
...
Grüße
Kai
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Barfüßer: eine Sekte übernimmt die Macht in der taz
Eine
nachtaktive Sekte treibt seit neuestem ihr Unwesen in den Räumen der Berliner
Tageszeitung taz.
Mit den steigenden Temperaturen lassen immer mehr Durchshausgeher die Leder
fallen. Bloßfüßig schleicht der gemeine Mitarbeiter über die Flure. Die
Barfußjournalisten erkennen einander schon von weitem und grüßen sich durch
das Anheben des großen Onkel. Selbstbewusst schlendern sie aufeinander zu und
flüstern sich etwas ins Ohr: wie sie dem Fußpilz den Weg bis ins Büro der
Wahrheit bahnen können.
Selbst bis in die Teppichbodenetage der taz sind die Sektenmitglieder bereits
auf leisen Sohlen vorgedrungen. Eine Übernahme der taz durch die Barfüßer
scheint kurz bevorzustehen.
Der Gründer des ominösen Ordens, Auslandsredakteur Dominik Johnson, hatte die
seltsam verschrobene Sitte seinerzeit aus Afrika
importiert.
Liebe Wahrheit - Leser, dies ist ein Notruf: Bitte schicken Sie Fußbekleidungen.
Oder besser noch: Stoßgebete gen Himmel. Auf dass es endlich wieder kälter
werde.
Glosse *[taz, 17. 05. 2000]
Barfüßer: eine Sekte
gewinnt wieder an boden [...]
Schließlich verfertigte eine Wahrheit - Leserin kunstvolle Fußbedeckungen, um
sie endgültig in ihre Schranken zu weisen. Gerade dachten wir also, die
Angelegenheit sei ausgestanden, da landen die Barfüßer einen spektakulären
Coup und tauchen aus der Versenkung auf - im Nordschwarzwald.
Der Weg in Dornstetten gleicht
vielen anderen: Er führt über Gras und Kies, über Sand und Pflastersteine und
auch mal kurz durch flaches Wasser. Seinen Schrecken bekommt der 2,5 Kilometer
lange Pfad erst durch die Menschen, die auf ihm gehen. Sie alle tragen weder
Schuhe noch Strümpfe, sondern laufen auf nackten Füßen. Sie sind im
"Barfußpark" unterwegs, dem einzigen in Deutschland.
Bis zu 800 Sektenmitglieder pilgern täglich ins Ordenszentrum, das skandalöserweise
vom Land Baden - Württemberg mit 500.000 Mark bezuschusst wurde. Die Wahrheit
ist entsetzt!
Glosse *[taz, 31. 05. 2000]
Barfüßer: eine Sekte
gibt und gibt keine Ruhe
Es will und will kein Ende nehmen. Die grausame Sekte der Barfüßer scheint ihr
unappetitliches Treiben jetzt über den baden - württembergischen "Barfußpark"
bei Dornstetten (die Wahrheit berichtete) hinaus ausgeweitet zu haben. Wie unser
Wahrheit - Agent unter dem Decknamen Klaus Schneider mitteilt, seien Anhänger
des Nacktordens in die deutsche Lebensmittelindustrie eingedrungen, um wertvolle
Delikatessen zu zersetzen:
"Schon immer ahnte ich", schreibt S., "dass für die Herstellung
von Leberwürsten so ziemlich alle Zutaten erlaubt sind, die der Schlachthof
hergibt. Aber Barfußmetzger, die in großen Bottichen mit ihren nackten Füßen
die Leberwurst zerstampfen, davon war mir nichts bekannt." [abgebildet ist
ein Produkt der Ruhrgebietsgroßmetzgerei Barfuss]
Hier ist die Politik gefordert. Die Wahrheit verlangt deshalb von der
Innenministerkonferenz, endlich Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu
ergreifen. Keinen Fußbreit Boden den Barfüßern!
Glosse *[taz, 03. 06. 2000]
[2001]Und wieder ist es in der Redaktion der taz soweit:
hilfe! barfüßer sind wieder da!
Hatten wir nicht im vergangenen Sommer einen aufopferungsreichen Kampf gegen
den ominosen Orden geführt? Und seine Anhänger erbarmungslos in die Flucht
geschlagen?
Doch es hat nichts genützt. Die Barfüßer sind wiederda! Die
nacktaktive Sekte treibt erneut ihr Unwesen in den Räumen der taz. Mit den
steigenden Temperaturen lassen immer mehr Durchshausgeher die Leder fallen. Wie
im vergangenen Jahr schleichen die Barfußjournalisten bloßfüßig über die
Flure und grüßen sich durch das Anheben der großen Onkel. Glitschige
Fußabdrücke pflastern ihren Weg. Auf leisen Sohlen sind sie wieder bis in die
Teppichbodenetage der taz vorgedrungen. Senk und Spreiz-, Platt- und Knick-,
Hohl- und Spitz-, Klump- und Pferdefüße tappeln auf und ab. Es ist zum
Gruseln.
Gibt es denn gar keine Rettung vor den Sektierern? Hilfe, liebe Wahrheit-Leser, dies ist ein verzweifelter Notruf: Bitte schicken Sie auch in
diesem Jahr Stoßgebete gen Himmel. Auf dass es endlich kälter werde und wir
wenigstens einen Fußbreit Boden zurückgewinnen.
[taz, 28./29.7.2001, die wahrheit]
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