Pinguine und Menschen barfuß im Schnee - ein Filmprojekt
(Forumbeiträge seit Winter 1999/2000)

Hallo liebe Barfüßer ! Ich suche für eine Semesterarbeit der Abteilung Wissenschaftskommunikation an der Filmakademie Baden - Württemberg (Ludwigsburg bei Stuttgart) dringend jemanden, der für unseren 4Minuten - Beitrag zum Thema - warum Pinguine barfuß auf Eis stehen können - im Tierpark Hellabrunn in München ein wenig barfuß im Schnee herumspaziert und sich neben einen Königspinguin stellt, um zu vergleichen wer`s von beiden länger aushält...
Ja - ich gebe zu, es hört sich etwas außergewöhnlich an, aber die wissenschaftliche Aussage - die da nämlich ist, dass Pinguine ein sehr effektives Gegenstrom - Wärmeaustauschprinzip im Gefäßsystem ihrer Füße haben und diese damit auf sehr niedrige Temperaturen abkühlen können, um den Wärmeverlust an das Eis so gering wie möglich zu halten - soll durch einen Vergleich "Mensch- Pinguinfuß" spannend "verpackt" werden.
Ich selbst habe mich im Eigenversuch noch vor Weihnachten mal mit der Stoppuhr in den Schnee gestellt und habe es exakt 15 Sekunden ausgehalten (mein Mitbewohner immerhin 25 ) - Tja - und das ist für unsere Filmarbeit EINDEUTIG zu kurz. Hätte denn von Euch jemand Lust und Zeit ?!
Drehtermin im Tierpark Hellabrunn in München ist am 17. Januar 2000 - am 11. Januar drehen wir in der Wilhelma in Stuttgart eine Einstellung mit einer Wärmebildkamera - da wäre eine/r von Euch auch eine große Hilfe für uns - aber am allerwichtigsten ist der Drehtermin in München !
Ich nehme an, das ganze wird 2-3 Stunden dauern (natürlich mit Aufwärmgelegenheit) und bestimmt lustig werden (die Königspinguine laufen dann tatsächlich frei auf den Wegen im Zoo umher) und selbstverständlich springt für Euch dabei eine Kopie des "Filmwerks" heraus...
Also, wer Lust und Zeit hat, oder wen weiß, der Lust und Zeit hat...
BITTE MELDEN !!! viele liebe Füße! Susanne

Da ich zur zeit im tiefsten Österreich einem Fulltimejob nachgehe, kann ich mich leider nicht barfuß mit Münchner Pinguinen im Neuschnee filmen lassen (ich hoffe doch sehr, dass es genug aus der Region gibt, die sich das nicht entgehen lassen!)
Schon im November habe ich auf die Anfrage folgende Privatantwort geschickt, die mich Georg jetzt bat, hier zu veröffentlichen:
Hallo zusammen, zunächst Glückwunsch, dass ihr uns gefunden habt :)
tja, so wie ich das sehe .... kommt es ja vor allem darauf an, sich keine Erfrierungen zu holen, also die Körpertemperatur auch an exponierten Stellen (Fingern, Zehen) über dem Gefrierpunkt zu halten. Da hat die natur zwei Methoden parat: Isolieren oder Dagegenheizen.
Manchen Arten wachsen dichte Fellpolster an den Pfoten (die aber schon aus gründen des Kraftschlusses die Sohlenballen meist nicht bedecken). Der Mensch als Tropenbewohner und angeborenes Weichei schafft sich meist seine künstliche Isolierschicht mit warmen Handschuhen und Stiefeln.
Die andere Methode ist die Eigenheizung - der Blutkreislauf in den Beinen und Armen wirkt ja als Gegenstrom - wärmeüberträger, wobei das runterfließende blut das zurückfließende wieder aufwärmt, dabei nimmt die Temperatur zu den Extremitäten hin immer mehr ab. Dass auch die Zehen dabei noch genug Wärme abkriegen, hängt von einem ausreichenden Nachschub an Wärme ab - das ist ein komplexer Prozess, der vom willen her nur schwer zu beeinflussen ist. Es gibt es Geschichten aus dem fernen Osten, die anderes berichten - von Mönchen, die bei minusgraden unbekleidet draußen übernachtet haben, ohne jeglichen schaden davonzutragen ...
Autogenes Training ist ein versuch, diese direkte Einflussnahme auf den Körper zu nutzen. Aber der Blutkreislauf kann vom Kältereiz stimuliert werden, und wer sich in Bewegung hält, produziert genug Abwärme, dass auch die Zehen noch ausreichend davon abkriegen, um sich trotz Minusgraden warmzuhalten. Wie viel Wärme über die Haut an die Luft (über Konvektion) bzw. an den Boden (über Wärmeübergang) abgegeben wird, hängt neben Oberfläche und Temperaturunterschied wesentlich vom Wärmeübergangskoeffizienten ab - und der ist wiederum von Windgeschwindigkeit und Beschaffenheit des Untergrundes abhängig.
Pulverschnee enthält viel Luft und isoliert daher relativ gut, Nassschnee hingegen entzieht die Wärme stärker. Ist der Schnee festgetreten und entspricht etwa einer gut befahrenen Skipiste, dann sinken die Füße kaum ein, die Kontaktfläche ist verringert und die Oberseite kommt nicht mit Schnee in Berührung - damit wird recht wenig Wärme verloren. Wenn die Sonne scheint, wird neben dem Wärmeverlust auch Wärme über die Einstrahlung aufgenommen. Nun kann die "Eigenheizung" zu einem gewissen maß trainiert werden - der Körper scheint zu "lernen", dass es das beste ist, sich bei starker Abkühlung selbst warmzuhalten. Nur übertrieben werden sollte es halt nicht - wenn das Gefühl weggeht, die Nerven absterben und die Haut an den Zehen zuerst wassergefüllte Blasen bildet, sich dann in Fetzen ablöst, ist das eher unangenehm.
Dann merken wir, dass wir doch keine Pinguine sind. Aber ein paar Minuten barfuß im Schnee reichen oft schon für ein paar stunden warme Füße danach :)
Zurück zum Film: hier wäre es, wenn die Problematik angeschnitten wird, natürlich sehr effektvoll, ein paar Barfußwanderer im Schnee zu zeigen - sicherlich werdet ihr dafür Freiwillige finden, und die richtige Jahreszeit dafür ist ja gerade :)
Erzählt ihr uns, wann der Film im Fernsehen kommt oder wie er sonst zu kriegen ist, wenn er dann mal fertig wird? Unci

So was sollte man sich echt nicht entgehen lassen.
Heute ist ein Teil diese Filmes entstanden. Mir hat das Ganze super viel Spaß gemacht und dem Team scheinbar auch. Auch wenn Ihnen die Kälte auf der Wiese bei Drehen (es war Abend) scheinbar mehr zugesetzt hat als meinen Füssen ;-) Die Bilder, die dabei entstanden sind, waren echt witzig. Also auf zu den Pinguinen nach München. Mal sehen was die so machen.
Gruß Matthias (WN)
Ok, da es mehr mit meinen Namen gibt habe ich das WN angehängt. Wen es interessiert wer ich bin kann ja bei den Personalien rein schauen.

Toll, dass sich doch jemand aus dem Forum gefunden hat um das Filmteam zu unterstützen. Das sind ja schon mal die besten Voraussetzungen für die Überlegungen zu einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit fürs Barfußlaufen "Barfuß 2000" im Frühjahr / Sommer.
[Bilder echt witzig ... auf zu Pinguinen nach München]
Weißt Du schon wann der Beitrag gesendet werden soll oder bekommst Du dann eine Nachricht? Wäre doch mal ganz interessant zu sehen. Bist Du nur jetzt für den Beitrag barfuß draußen unterwegs gewesen oder gehörst Du zu den "Hardcore - Barfüßern" die auch unter 10 Grad noch keine Kälteprobleme kennen?
Grüße Kai

[wann Beitrag gesendet werden soll]
Das Ganze ist eine Semesterarbeit an der Filmakademie in Ludwigsburg.
[nur für Beitrag barfuß draußen oder zu "Hardcore - Barfüßern", die auch unter 10 Grad keine Kälteprobleme kennen]
Keines von beiden. Ich bin zwar nicht nur für diese Sache im Winter barfuß draußen, es hält sich aber doch in Grenzen. Es ist halt doch auch schon manch mal kalt, und dann sollte man vorsichtig sein. Es ist ja auch nichts gegen Schuhe einzuwenden. Wie bei so vielem sollte halt das Maß stimmen ;-) Man kann ja auch je nach Lust und Laune eine passende "Schuh"wahl treffen.
Gruß Matthias (WN)

Hi! Den Wettbewerb gegen die Pingus werde ich in jedem Fall mitmachen. Wohne auch nur ca. 15 Min. vom Münchner Tierpark entfernt. Termin ist definitiv der 27.1. ab 9 Uhr 15. Und: Zur Zeit liegt in München höllisch viel Schnee. Julius

Hoffentlich ist es nicht ganz so eise kalt. Die Pingus habe ja einen "Konstruktionsvorteil" den man nicht unterschätzen sollte. Und mit Erfrierungen ist keinem gedient. Also bis Donnerstag. Matthias (WN)

Barfuin. Zu Besuch bei den Königspinguinen im Münchner Tierpark
Pinguine sind doch die besseren Barfüßer! Gelassen stehen sie da, ihre schwarzen Füße fast verwachsen mit dem schneebedeckten Wegen im Münchner Tierpark. Eiskalte Typen! Wir drei menschlichen Barfüßer mit unseren rosigen, später von der Kälte roten, Füßen nehmen sie kaum zur Kenntnis. Sie wissen, dass sie uns haushoch überlegen sind.
Susanne Decker und ihr Team wissen es auch. Der ganze Film, den sie da drehen, ist darauf ausgelegt. Wir werden die Verlierer sein. Das Drehbuch, oder besser Expose, schreibt es so vor. Aber wir wollen den schönen Vögeln aus der Antarktis ja auch nicht Paroli bieten. Es macht nur Spaß, an diesem eiskalten, strahlend blauen Morgen mit nackten Füßen über den gefrorenen Boden zu gehen, kurze Zeit an einer Stelle zu stehen, die Kälte zu spüren und dabei mit den Pinguinen gefilmt zu werden.
Ich bin oft im Münchner Tierpark, kann zu Fuß von meiner Wohnung dorthin gehen. Schuhe oder Strümpfe trage ich in der warmen Jahreszeit dabei nie. Barfuß zum Zoo, barfuß durch den Zoo, barfuß nach Hause. An einem glühendheißen Tag im nächsten Sommer werde ich mich revanchieren. Werde mit nackten Füßen über die Zoowege gehen, bei den Pinguinen vorbeischauen, die dann in ihrem künstlich kalt gehaltenen Haus stehen, und ich werde wissen, diesmal habe ich sie geschlagen. Denn ihnen ist es dann viel zu heiß. Julius

Hallo, ich glaube an diesem Tag hat es keine Verlierer oder Gewinner gegeben.
Wie hatten super tolles Wetter und alle einen Menge Spaß bei dem Ganzen. Matthias (WN)

Hallo miteinander, [ Wir drei menschlichen Barfüßer ...] Weil ich ja nicht weit von München weg wohne, habe ich die Chance für ein winterliches Barfüßer - Meeting auch wahrgenommen. Bevor ich früh das Haus verlies und am Thermometer -16° ablas, hatte ich allerdings erhebliche Zweifel, ob die Zusage zu diesem Event wirklich richtig war. Doch bis die Szene mit den Pinguinen gedreht wurde, war es nicht mehr ganz so kalt und wir konnten vorher zum Aufwärmen ein wenig in der Sonne stehen.
Unser Einsatz als Schneefüßler war dann auch gar nicht so schlimm und hat eigentlich die mitleidigen Blicke unserer netten Regisseurin nicht verdient. Als sich dann einer der Pinguine bäuchlings in den Schnee legte, war ich doch ganz froh, dass wir es ihm nicht gleichtun mussten....
So war es ein gelungenes Kennenlernen dreier menschlicher und sieben gefiederter Barfüßer mit einem frierenden Film - Team. Serfuß, Lorenz

Hallo zusammen, im vergangenen Winter wurde ein Film über Pinguine gedreht, bei dem auch 3 Teilnehmer dieses Forums mitwirkten.
Dieser Film wird heute 08. 02. 2001 um 18:30 Uhr auf 3SAT bei NANO gesendet.
Viel Spaß Matthias (WN)

Ja, war nett und mit gewissem Wiedererkennungseffekt!
Der Beitrag steht auch im WWW:  Barfuß bei minus fünfzehn Grad
Barfuß bei minus fünfzehn Grad
Warum lässt den Pinguin die Eisscholle kalt?
Stellen sich einmal vor, bei tollen äußeren Bedingungen, Sonnenschein und angenehmen minus fünfzehn Grad, barfuß im Freien zu gehen.
Unangenehm, wenn man nur schon an eine Erkältung und kalte, gar vereiste, Füße denken muss. Pinguine sind es gewohnt, Tag aus, Tag ein, auf ihren nackten Füßen zu laufen.
Da stellt sich ja doch die Frage: Wie machen die das?
Ein Pinguin ist im Grunde genommen eine Thermoskanne. Im Zentrum isoliert, um die Körperwärme für die wichtigen Organe, wie Herz und Verdauungssysteme zu konservieren, ist dieses Polartier an den Füßen wenig isoliert. Und da der Fuß nicht mit einem Gefieder umgeben ist, muss er den Fuß, um großen Wärmeverlust zu vermeiden, in seiner Durchblutung regeln. In der Antarktis bedeutet Wärmeverlust ja etwas kostbares an Energie zu verlieren, und aus diesem Grunde muss er die Wärme konservieren.
Ein raffinierter Regulationsmechanismus im Bein des Pinguins macht das Barfußstehen auf Eis erst möglich. Die Arterie im Bein ist muskulös und kann zusammengezogen werden. Der Blutfluss vom Körper in den Fuß wird verringert und so geht weniger Wärme verloren. Vom eisgekühlten Fuß fließt das Blut in den Körper zurück. Über ein Netz von Venen kommt es zum gegenseitigen Wärmeaustausch. Aufsteigendes Blut erwärmt sich, gegenströmendes wird abgekühlt. Dieses Gegenstromprinzip macht den antarktischen Bodenbelag für den Pinguin zum Wohnzimmerteppich.
Wenn der Pinguin warme Füße hätte ohne Gegenstromprinzip, würde er einen erheblichen Wärmeverlust haben: Er müsste vielmehr Energie aufwenden, um am Leben zu bleiben. Zum anderen wäre es letzten Endes so, dass die Füße zu heiß würden und sie würden das Eis unter sich zum Schmelzen bringen. So würde er Pinguin irgendwann im Eis verschwinden, weil er es durchgeschmolzen hat.

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