[Artikel über amerikanische Barfüßer in 2000] [Artikel über amerikanische Barfüßer in 1998]

Auf nackten Sohlen: Die Rückkehr der Barfüßler
Ein Artikel über amerikanische Barfüßer im Sommer 2000
(Forumbeiträge im Sommer 2000)

SAD New York - «Von den Knöcheln aufwärts», meint Gordon Hlavenka, «bin ich eigentlich ganz gewöhnlich.» Logisch, denn von den Knöcheln aufwärts ist der Mann aus Lombard (Illinois) ja auch angezogen.
Schuhe oder Socken sind dem 42- Jährigen verhasst, er trägt sie nur eine Stunde pro Woche.
Hlavenka ist ein echter Barfüßler. Wenn Gordon Hlavenka einkaufen geht, seine Kontoauszüge von der Bank holt oder in einem Restaurant zu Abend isst, wird er meist angepöbelt: «Sie können hier nicht ohne Schuhe rumlaufen. Das ist gegen das Gesetz!», muss er sich immer wieder sagen lassen.
Aber Hlavenka, Besitzer eines Elektronik - Geschäftes, weiß es besser: Barfuß-Gehen ist legal - und noch dazu schwer im Kommen. Rund 600 erklärte Gesinnungsgenossen folgen täglich seinem Beispiel und verzichten auf Schuhwerk und Socken.
Marnen Laibow - Koser, ein 25- jähriger Profimusiker aus Peekskill (New York), geht seit dem 5. Mai ohne Schuhe durchs Leben. Seine Konzerte in Manhattan spielt der Geiger mit Anzug - aber ohne Schuhe.
Alicia Poe, 28, und ihre beiden Töchter legen ebenfalls alle Fußmärsche auf nackten Sohlen zurück. Von der 5th Avenue bis zum Zoo in der Bronx.
Und Reverend David Vallelunga, Seelsorger der Methodisten in Saratoga Springs (New York), zieht weder für Gottesdienste noch für Hochzeiten Schuhe an: «Das ist mein Leidensweg.»
«Man braucht eine dicke Haut - nicht nur auf den Sohlen», erzählt Robert Neinast, ein 45- jähriger Software - Techniker. Sein Chef hat den Barfüßler zum Psychologen geschickt. Seither zieht Neinast seine Schuhe nur dann aus, wenn er am Schreibtisch sitzt.
Auf der Homepage der Barefooter wird die Vermutung, dass Gesetze beim Autofahren oder in Restaurants Schuhe vorschreiben, mit Zeitungsartikeln entkräftigt. Während die Gegner der Barfuß - Gemeinde behaupten, Schuhe seien Schutz und orthopädische Stütze für den Bewegungsapparat, sagen die Anhänger nackter Sohlen genau das Gegenteil: Barfüßler neigen seltener zu Schweißfüßen und sind bei weitem nicht so anfällig für die Bildung von sogenannten Hammer - Zehen.
Was gefährliche Glassplitter oder unliebsamen Schmutz auf der Straße anbelangt, haben die Barfuß - Fanatiker einen einfachen Ratschlag parat: «Man muss eben darauf achten, wo man hintritt.»
Gordon Hlavenka ist in die Barfuß - Bewegung quasi «hineingeschlittert». Schweißfüße haben ihn dazu gezwungen, regelmäßig sein Schuhwerk zu lüften. Damit ihn keiner sehen konnte, ist er nachts barfuß eine Runde um den Häuserblock gelaufen. Irgendwann probierte er es ein paar Stunden tagsüber. Aus den Stunden wurden Tage, der Rest ist Gründergeschichte. Heute zieht der 42 - Jährige nicht einmal mehr beim Schneeschippen Schuhe an.
Vereinzelt passen sich die Mitglieder der Barefoot-Community auch gegen ihren Willen an das beschuhte Umfeld an. Paul Lucas, geistiger Vater der «Dirty Sole Society», trägt beispielsweise in gewissen Restaurants Schuhe ohne Sohle. Gordon Hlavenka kennt solche Situationen allzu gut. Die Leute lassen ihn spüren, dass sie ihn für verrückt halten. «In Wahrheit sind diese Ignoranten aber diejenigen, deren Zehen in die falsche Richtung zeigen. Und sie haben entzündete Fußballen.»
[Berliner Morgenpost, 18. 07. 2000]

Mit der Abkürzung SAD kann ich auf Anhieb nichts anfangen (Bildungslücke !?), wird aber eine Presseagentur sein, so dass andere Zeitungen den Artikel gleichlautend oder ähnlich vielleicht auch bringen werden.
Übrigens "schreit" der Artikel nach einem Leserbief über die deutschen Barfüßer, oder ?
Georg

Und wie verträgt sich das mit dem amerikanischen Standardsatz "No shirt, no shoes, no service"? oder der Aufforderung in Disneyland World, Schuhe anzuziehen oder den Park zu verlassen (auch Kinder sind hiervon nicht ausgenommen) Lothar

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Barfuß wandern liegt im Trend - Nackte Füße auf dem Vormarsch
Ein Artikel über amerikanische Barfüßer im Sommer 1998
(Forumbeiträge im Sommer 1998)

Immer mehr Amerikaner gehen barfuß wandern. Zehn Klubs gibt es schon, deren Mitglieder auf nackten Sohlen die Natur erobern. Das früher eher versteckte Hobby findet auch in anderen Ländern Nachahmer.
Der 42jährige Computerfachmann Mike Berrow aus Concord in Kalifornien, der seine Schuhe jetzt ganz ungeniert zu Hause lässt, berichtet von zwei weiteren Vereinen in Kanada und von ersten informellen Zusammenschlüssen in Großbritannien und Deutschland. "Es ist ein sehr befreiendes Gefühl. Ich spüre gerne die Luft und den Boden an meinen Füßen", erklärt Berrow seine Vorliebe für "unten ohne". Gefahren angeschlagener Zehen, giftigen Efeus und Zeckenbissen schrecken ihn nicht.
Richard Frazine, der ein Buch über schuhloses Wandern schrieb, dem er sich schon seit 20 Jahren widmet, schwärmt: "Im Wald barfuß zu gehen, ist eine sehr sinnliche und angenehme Erfahrung." Frazine berichtet, dass die ausdauerndsten der neuen Trend- Hiker sogar die über 3000 Kilometer des berühmten Appalachian- Trails vom Neuenglandstaat Maine bis Georgia im Süden der USA ohne Schuhe schafften. Das sei gar nichts besonderes, findet Frazine.
Die Griechen und Ägypter der Antike hätten schließlich fast ausschließlich barfuß Hochkulturen, Pyramiden und Weltreiche aufgebaut. "Aber aus irgendeinem Grund glauben die Menschen heutzutage, dass sie Schuhe brauchen, nur weil sie ein Mensch sind. Dabei benötige ich Schuhe nicht dringender als mein Hund." "Die Leute haben komische Vorstellungen", sagt der 50jährige. "Sie befürchten, dass sie sich irgend etwas ganz Furchtbares holen, sobald sie ihre Schuhe ausziehen, wie Krankheiten oder schreckliche Blessuren. Aber der Fuß ist weniger verletzlich als die meisten Körperteile." Barfüßler entwickelten zudem schnell eine widerstandsfähige Hornhaut und achteten vor allem genau darauf, wohin sie träten. Hohe Absätze und schlecht sitzende Schuhe seien viel gefährlicher für den Fuß. Auch, dass nackte Füße gegen Hygienevorschriften verstoßen würden, stimme nicht.
Aber Vorsicht: Barfuß gehen macht offenbar süchtig. Frazine trägt höchstens vier Stunden täglich Schuhe, selbst im Winter: "Schmelzender Schnee an einem nicht zu kalten Tag ist eines der perfektesten Vergnügen." Berrow in Kalifornien geht sogar barfuß zur Arbeit: "Ich bin Teilhaber der Firma, deshalb geht das." Aber auch andere Anhänger der Frei- Fuß- Kultur berichten im Internet davon, wie sie sich immer weiter in Gelände vortasten, in das sich zuvor kein nackter Zeh wagte. Wie etwa zum Büro - Kopierer.
Die Nacktfüßler aus Leidenschaft haben im Internet ein Verzeichnis von barfußfreundlichen Geschäften eröffnet. Sie veranstalten auch Wanderungen für Anfänger. Ein jeder könne es, sagt Frazine: "Nie die Füße schleifen lassen, schlurfen oder treten. Das vervielfacht das Verletzungsrisiko.". Für Schüchterne, die sich keine Blöße geben wollen, gibt's übrigens sohlenlose "Barfuß - Sandalen".

Ute Eberle, dpa"
[RZ, 07. 08. 1998]

Ein pensioniertes Arztehepaar aus dem Haus begegnete mir und die Frau sagte zu mir: "Ach schön, dass ich Sie treffe. Ich habe für Sie etwas aus der Zeitung ausgeschnitten" Sie ging in Ihre Wohnung zurück und gab mir dann einen Zeitungsausschnitt mit der Überschrift: "Immer mehr Amerikaner sind "unten ohne" - Barfußlaufen als Weltanschauung". ...
Der Artikel war echt interessant. Es wird von verschiedenen Clubs berichtet, die "mit nackten Sohlen die Welt erobern", d.h. barfuß Wandern gehen. Es soll dabei auch einen Club in Deutschland geben.
Mehrere Barfuß - Freaks berichten über die tollen Erfahrungen, die sie barfüßig auf Waldboden, feuchten Wiesen etc. gemacht haben. Besonders nett fand ich den Schlussabsatz: "Aber Vorsicht: Barfuß gehen macht offenbar süchtig. Richard Frazine trägt höchstens vier Stunden täglich Schuhe, selbst im Winter: "Schmelzender Schnee an einem nicht zu kalten Tag ist eines der perfektesten Vergnügen.". Mike Berrow aus Kalifornien geht sogar barfuß zur Arbeit und der Redakteur dieses Artikels hat gerade auch seine Schuhe unter dem Schreibtisch ausgezogen."
Katja

Nun, in der DSS wurde ein solcher Zeitungsartikel auch mal besprochen, der in der FAZ (Frankfurter All-Gemeine) am 7. August erschien, unter der Schlagzeile 'Nackte Füße auf dem Vormarsch' - und, ja, dort wurde auch eine Unterschlagzeile mit 'Mehr und mehr US-Amerikaner wandern barfuß!' gesetzt...
Als Interviewpartner standen dort Mike Berrow und Richard K. Frazine zur Verfügung (Letzterer hat ja auch 'The Barefoot Hiker', jenes Sachbuch über Barfußwandern geschrieben, das zwar vergriffen ist, aber über WWW noch immer komplett gelesen werden kann. :)).
Da wurde auch angesprochen, dass auch in Europa 'informelle Treffen' von Barfußwanderern stattfinden würden. Aber en detail wurde das nicht weiter erläutert. ...
Ja, in der Tat, nachdem ich den RZ-Artikel gesehen habe, ist es tatsächlich der gleiche, den ich auch nach Unterrichtung durch Mike Berrow in der FAZ gefunden hatte... (vielleicht war es Mike halt wichtig anzumerken, dass auch *die* große, ernstzunehmende, mit fettem Feuilleton und Wirtschaftsteil ausgestattete Tageszeitung auch noch Platz für Barfüßer hat. :)))
Ein freundlichen Zehenwinken (toe- wave... :)) zurück.
Andreas BarefootAndy

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