"David im Wunderland" -
  "ist barfuß, bei der Feldarbeit, barfuß auf der Straße, zuhause etc."
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumbeiträgen im Winter 1998/99 und im Sommer 2001)

Hallo, liebe Barfüßer, aufmerksam machen wollte ich auf einen Film, der vor wenigen Monaten zweimal im Fernsehen zu sehen war und wo das Thema Barfußlaufen sowohl bildlich als auch in den Dialogen eine Rolle spielte (hat offenbar keiner aus dem Forum gesehen...).
Die Story drehte sich um zwei fünfzehnjährige Jungs, die sich in der Nähe von Stuttgart kennenlernten und aus völlig verschiedenen Milieus stammen: Michael, der etwas verwöhnte Sohn einer alleinerziehenden Ärztin lernt den gleichaltrigen David kennen, der zur Gemeinschaft der fiktiven "Jakobianer" gehört (enger Bezug zu den
vorwiegend in USA und Kanada lebenden urchristlichen Gemeinden der Hutterer, Amischen und Mennoniten). David trägt wie diese schwarze Hosen , weißes Hemd und ist barfuß, barfuß bei der Feldarbeit, barfuß auf der Straße, zuhause etc..
David und Michael lernen interessiert die Welt des jeweils anderen kennen, wobei Michael David irgendwann fragt: "sag mal, läufst du eigentlich immer barfuß?" Davids freimütige Antwort: "ja, Schuhe sind mir zu hart!" Kurz darauf lässt Michael sich von David inspirieren und beide laufen durch das Heimatdorf von Michael auf nackten Sohlen, wobei sie prompt Michaels Klicke begegnen, deren "Sprecher" die provokative Frage stellt: "Sagt mal, warum lauft ihr eigentlich ohne Schuhe herum?" Michael springt dem etwas schüchternen David zur Seite und sagt schlicht und ergreifend: "na, weil ´s uns Spaß macht!"
Die Story spitzt sich zu und Michael beschließt abzuhauen. Da David keine Schuhe hat und er doch irgendwann lernen "
muss", dass Schuhe nicht zu hart sind, kauft Michael ihm von der Kreditkarte seiner Mutter ein Paar Sneakers für sage und schreibe 329 Mark, was der an Bescheidenheit gewöhnte David nur mit den Worten quittiert : "so viel Geld..."
Irgendwie bleibt David aber bei seiner Gewohnheit, lässt Michaels Geschenk beiseite liegen und läuft weiter barfuß. Als beide in einem Stuttgarter Lokal sitzen, sieht sich der Kellner ebenfalls genötigt mitzuteilen,
dass "Barfußlaufen hier aber nicht erlaubt ist".
Kurz zum Ende: David kehrt zu seiner Familie auf den Bauernhof zurück, und bald beschließen die Jakobianer die Rückkehr nach Kanada. Für ihr
Gemeinschaftsleben ist Deutschland halt zu klein und hat zu viele Vorschriften - das betrifft wohl auch die negativen Ansichten zum Barfußlaufen. Die letzte Einstellung ist jedenfalls, wie David ein Pferdefuhrwerk besteigt - barfuß natürlich, das ihn und die Seinen zu Bahnhof oder Flughafen bringt. Ob er auch den Flieger barfuß bestiegen hat, wurde leider nicht mehr thematisiert.
Fazit: Schade,
dass die Jakobinaer nicht in Deutschland bleiben konnten und wollten - hoffen wir, dass die "Repressionen" gegen das Barfußlaufen hier nicht so überhand nehmen, dass auch wir Barfüßer nach Kanada oder andere klimatisch und atmosphärisch lockerere Länder (Neuseeland!) auswandern müssen.
Herzliche Füße Georg II (Schorsch)

Hallo GeorgII, hallo ihr Barfuß - Fans, das find ich ja super, hier was über diesen Film zu erfahren.
Ich habe leider nur die letzten 15 Minuten des Films gesehen, war aber auch begeistert über die vielen Barfuß - Szenen und habe es sehr bedauert, das meiste
verpasst zu haben. Dass allerdings das Barfußlaufen so stark im Blickpunkt des ganzen Films stand, hatte ich nicht gewusst. Also, Georg, vielen Dank für deinen heißen Tipp. ...
Der Film heißt wie die fette Überschrift des Beitrags, nämlich "David im Wunderland". Aber vielleicht warst du ja so fasziniert von der Beschreibung des Films, dass du vor lauter Barfüßen den Titel nicht mehr gesehen hast.
Ich finde es jedenfalls sehr interessant, dass mal ein Film das Thema Barfußlaufen thematisiert und nicht nur irgendwelche Darsteller mehr oder weniger zufällig barfuß rumlaufen.
Noch mal die Frage an die Experten: Weiß jemand, wo man den Film bekommen kann, ohne auf die nächste TV-Ausstrahlung warten zu müssen?
Gibt es so neue Filme schon als Video in Videotheken usw.? Gruß Moritz

Dein Beitrag ist wirklich besonders interessant, weil es ja offenbar nicht um eine erfundene Geschichte, sondern um die Filmerzählung eines wahren Ereignisses geht. Oder habe ich das falsch verstanden?
Es gab in Nordhessen Region Marburg und irgendwo im Westerwald ein paar Familien der Hutterer. Die sind aber wohl auch an der deutschen Beschränktheit gescheitert und in ihr Herkunftsland (USA?) zurückgekehrt.
Es waren Großfamilien, die Aussiedlerhöfe bei kleinen Ortschaften erwarben. Die Einheimischen haben sie bekämpft, weil sich dadurch u.a. die Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat plötzlich sehr verschoben hatten. Jedenfalls waren besagte Hutterer auch mit Computer gut ausgerüstet und stellen Holzspielzeug für Kinder her.
Meine Idee: wir sollten versuchen, solche Gruppen zu finden. In der "Redaktion" der
BTreff - Seiten wurde nämlich diskutiert, einen Hersteller für eine neue Art von Barfuß - Spielgeräten zu suchen. Für Hinweise wäre ich sehr dankbar und werde eigene Informationen hier gern zur Verfügung stellen.
Den "
David" - Film sollten wir bekommen. Tipp: wenn der Filmverleih (oder Produktionsfirma) bekannt ist, lässt sich dort direkt erfragen, auf welchem Weg der Film vermarktet wurde (Videotheken, Landesfilmstellen o.ä.).
Nach Deiner Schilderung könnte ist es eine ehrgeizige Kleinproduktion eines "Newcomers" sein. Die besten Informationen könnten wir beim Filmautor selbst bekommen und ihn bitten, dese hier zur Verfügung zu stellen. ...
Die Bezugsmöglichkeiten des Film haben wir in Kürze geklärt. Mit dem Autor habe ich gestern telefoniert, war ganz interessant. Demnächst gern mehr zu dem Thema. Schöne Füße Jörg (2)

Hallo, wir waren flott und haben uns gleich auf die Suche nach dem Barfuß - Film w.o. gemacht. Näheres auf unseren Seiten, die damit um ein Stück aktueller geworden sind ... Euer BTreff - Team

[Und dort findet man eine Beschreibung des Films, aus der ich folgende Teile ausgewählt habe :]

David im Wunderland
Barfuß kontra Wohlstand: Einfühlsames Portrait zweier Jugendlicher jenseits gängiger Konventionen. Deutschland 1998.
mit: David Winter, Scott Larcher, Katharina Schütz. Regie/Buch: Moritz Seibert.

Der 15-jährige David lebt wächst barfuß auf einem einsam gelegenen Hof bei den Jacobianern, einer ultrachristlichen Sekte, auf.
Die Glaubensgemeinschaft lebt im "sündigen Baden-Württemberg" des 20. Jahrhunderts, ohne Elektrizität und fließendes Wasser und verzichtet gänzlich auf moderne Technik. Den Mitgliedern ist jeder unnötige Kontakt zur Außenwelt untersagt. Sie sind zwar gottesfürchtig, aber auch Ausgestoßene in einer postmodernen Gesellschaft. Als David sich eines Tages unerlaubt vom Hof entfernt, lernt er den gleichaltrigen Michael, einen Jungen aus dem benachbarten Ort, kennen. Bald entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen den beiden.
David ist fasziniert von der modernen Zivilisation, mit der er durch Michael zum ersten Mal in Berührung kommt. Aber als die Jakobianer von Davids Abwegen erfahren, zwingen sie ihn, sich zu entscheiden: Entweder er fügt sich ihr strenges Reglement, oder er
muss ihre Gemeinschaft für immer verlassen ...
Michael wiederum ist ein Produkt unserer Konsum-Gesellschaft: Ein "Scheidungswaise", der seinen Vater zurücksehnt und sich mit seinen Problemen in die vielbeklagte "Kleinkriminalität" flüchtet. Bei einem illegalen Ausflug Michas mit "Muttis BMW" lernen sich die beiden 15jährigen kennen: Ein Pferdefuhrwerk von Davids Glaubensbrüdern blockiert Michas Fluchtweg - der Beginn einer tiefen Freundschaft. [...].
Zur Entstehung des Films: "David im Wunderland" entstand als Abschlussarbeit an der Filmakademie des Landes Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Der Film verfolgt entsprechend "akademische" Ansätze - um eventuellen Enttäuschungen vorzubeugen: Besonders viel Action wird nicht geboten.
Die Idee zu diesem Film kam dem Autor und Regisseur Moritz Seibert, als er 1992 verschiedene Presseberichte über eine Hutterer-Gemeinde las, die sich in der Nähe seines Wohnorts im Westerwald niedergelassen hatte. Die Hutterer, eine heute hauptsächlich in Nordamerika verbreitete Glaubensgemeinschaft, leben abgeschieden von der Welt in Armut und Gütergemeinschaft auf ihren Brüderhöfen. Zusammen mit einer anderen Religionsgemeinschaft, den Amish aus Pennsylvania, dienten sie Seibert als Vorbild für die Jacobianer in »David im Wunderland«. Noch konsequenter als die Hutterer lehnen die Amish alle technischen Errungenschaften ab und leben ein einfaches, bäuerliches Leben wie vor hundert Jahren.
"David im Wunderland" ist eine Gratwanderung: Was empfinden die beiden Protagonisten wirklich füreinander? [...]
Dass das Thema "Homosexualität" durchaus eine Rolle spielt, zeigt wieder mal das Internet: Die meisten Verweise auf den Film finden sich auf schwulen Sites [...]
Moritz Seibert wurde 1967 geboren und studierte Jura. Seit 1989 auch freiberuflich als Journalist tätig. Ab 1990 Dramaturg am Theater der Jugend in Bonn. [...] Nach mehreren Kurzfilmen ist "David im Wunderland" sein erster Langfilm. Der Hauptdarsteller: David Winter spielt den David. Geboren 1979. [...]
Sonstiges: Farbfilm 104 min. 35 mm.
Kontakt: Moritz Seibert, Hausdorffstr.240, 53129 Bonn, Tel. (0228) 239855

Hallo, liebe Barfüßergemeinde, über die zahlreichen Reaktionen auf meinen Film - Tipp zu "David im Wunderland" habe ich mich gefreut. Schön, dass mittlerweile auch genauere Details zu Regisseur, Darsteller dazugekommen sind; die hatte ich nicht mehr präsent. Sollte mir wieder ein Movie begegnen, der einen Hinweis lohnt, werde ich mich (aber auch sonst sicher wieder) melden. Herr(z)liche Füße Schorsch

Ich habe mir den Film aufgenommen und gestern angesehen. Ich muss sagen, ein sehr schöner und gut gemachter Film.
Allerdings ist die Hauptthematik nicht das Barfußlaufen. Was die Barfüßigkeit angeht, so beschränkt sich das auf zwei Dialoge. Es geht halt darum, dass der Hauptdarsteller sein Leben barfüßig verbringt und keine Schuhe besitzt, aber er wird auch in der modernen Gesellschaft sehr außenseitermäßig behandelt. Als sein Freund es ihm nachmacht und sie gemeinsam auf eine Gruppe jugendlicher treffen, ist der einzige Kommentar: "Ey, sieht voll Scheiße aus!!!" Dann verletzt er sich noch an einer Glasscherbe und bekommt zu allem Elend eine Blutvergiftung.
Fazit: Ein inhaltlich sehr toller Film, aber beileibe keine Barfußpropaganda...
Liebe Grüße... Andi von der Saar

Neulich sagte jemand zu mir anlässlich der Barfuß - Aktivitäten: "Die Deutschen neigen dazu, aus allem eine Ideologie zu machen!"
Steht nicht der Protagonist "David" steht in dem Film für ein alternatives naturnahes Lebenskonzept?
Barfußlaufen ist darin selbstverständlicher Lebensbestandteil. Das gefällt mir gerade. Und in David relativieren sich ja die kompromisslosen Ideologien der anderen religiösen Eiferer. Eigentlich gibt ihm seine Jugend den Blick fürs Wahre. David schafft sich Raum, um gerade jenseits der Ideologie menschliche Nähe und Freiheit zu erfahren. Nachdem der Dritte ihnen vorwirft ":Barfuß sieht echt Scheiße aus! Warum macht ihr das?" dann die Antwort: "Weil's uns Spaß macht!"
Das isses doch, und es ist auch eine Absage an die Ideologie. Außerdem zeigt Seibert, dass Festgefahrenheit keine Sache des Lebensalters ist ...
Ich hatte vor einem Jahr mal mit Seibert Kontakt, aber ohne damals den Film zu kennen. Ich habe ihm jetzt mal geschrieben und will den Kontakt wieder aufnehmen.
Gruß, Jörg (2)

[ Hauptthematik nicht Barfußlaufen. Barfüßigkeit beschränkt sich auf zwei Dialoge]
Und dann gibt es noch die Szene, wo David Michael zum ersten mal zuhause besucht hat und danach beide gemeinsam die Wohnung verlassen. David ist zuerst aus der Tür; Michael holt sich die Sportschuhe raus, überlegt es sich dann aber doch anders, lässt sie zuhause und geht barfuß.
Nachdem er wieder nach hause kommt, fragt ihn seine Mutter "Was hast du mit deinen Füßen gemacht, die sind ja schwarz!" "Ich war barfuß draußen."
Später im Film testen beide dann noch, ob sie kitzlig sind.
In einem Eiscafé merkt der Kellner an "Barfußlaufen ist hier leider nicht erlaubt", woraufhin Michael die von seiner Mutter geklaute Kreditkarte zückt und der Kellner damit abzischt .....
New York spielt die ganze Zeit nur als Traumziel eine Rolle (der Film spielt komplett in Baden - Württemberg: "Teufel kommt").
"Du kannst nicht barfuß nach New York" ..... ich habe die Stadt barfuß kennengelernt: es geht!
Unci

Hab ihn auch gesehen und war ganz happy - endlich läuft mal wieder einer barfuß in Stuttgart rum ;-))
Okay, ansonsten? Einige Szenen muteten zwar etwas seltsam unrealistisch an, war zumindest mein Empfinden, vor allem einige der Szenen bei den Jakobianern, aber auch der "Überfall" von David durch Michaels Clique im Wald.
Unter Barfuß - Aspekten fand ich den Film aber schon sehr interessant, und ich bin schon der Meinung, dass der Film zwar nicht gerade "Barfuß - Propaganda" bietet - dann wollte ihn (fast) auch keiner sehen :-( - aber schon durchweg das Barfußlaufen als "lifestyle" gut rüberbringt.
Die Stellen, wo das Barfußlaufen thematisiert wird, kommen überwiegend sehr realistisch rüber.
Sehr sympathisch ist natürlich, dass Michael überhaupt keine Probleme hat, dass sein Freund David immer barfuß rumläuft, sondern sich sogar zwischendurch von ihm inspirieren lässt und seine Schuhe auch zu Hause lässt.
Die einzige Barfuß - Szene, die ich nicht sehr gelungen fand, war als David sich verletzte. Das ist einfach unglaubwürdig, wenn einer wie David, der immer und überall barfuß läuft, bei der Feldarbeit, im Wald, in der City, und der nur ein einziges Mal kurz im Stall in Stiefeln zu sehen war, der nach Begutachtung von Michael "ganz schön viel Hornhaut" hat, wenn dieser "Hardcore - Barfüßer" sich auf einem harmlosen Schotterweg eine klaffende blutende Wunde an den Fußsohlen zulegt. Und dann noch die enttäuschende Reaktion Michaels, "hab dir doch schon immer gesagt, barfuß ist zu gefährlich". Aber vielleicht musste diese Szene auch sein, damit das volle Repertoire an möglichen Barfuß - Erfahrungen und -reaktionen abgerundet ist??
Fuß zum Gruß
Moritz

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