Eines von MarkusII Hobbies ist Barfußwandern
(aus verschiedenen Forumbeiträgen seit Vorfrühling 1999)

Hallo Ihr alle ! Seit wenigen Tagen bin ich online. ...
Ich bin Mitte dreißig, habe Geographie studiert; zur Zeit mache ich (nach den verschiedensten Jobs) eine einjährige Fortbildung. Obwohl ich sehr gerne fahrradfahre, sind die finanziellen Folgen nicht gerade angenehm fürs Barfußlaufen: gerne würde ich spontan mal per Auto rausfahren und in ländlichen Gebieten und Wäldern lange Wanderungen unternehmen. Viel Natur, kaum Menschen, die wenig Beziehung zu ihr haben!
Ich wohne im südlichen NRW. ... Neben vielen anderen Interessen, z.B.: - Klavier spielen (ich bin überglücklich, vor kurzem ein altes Instrument bekommen zu haben, was zwar überholungsbedürftig ist, aber einen tollen, weichen, vollen Klang hat - mit einer unvergleichlich kraftvollen Basswiedergabe) - Rudern - Musik (v.a. Jazz) - amerikanische Hochleistungsdampfloks (die bis über 800 l Wasser pro Minute verbrauchen können und beeindruckende Erscheinungen sind (optisch und akustisch) gehe ich ausgesprochen gerne barfuß.
Natürlich habe ich die gleichen Probleme wie viele hier (man fällt auf - die Skala reicht von spontanen Sympathiekundgebungen bis hin zu blöden Kommentaren - letztere allerdings selten) - dabei ist es doch die natürlichste Sache der Welt.
Ich finde es schlimm, vom Boden "abgeschnitten" zu sein - und bin es meist doch, weil ich das barfuß laufen nur in der Freizeit verwirklichen kann. Ich bin überrascht über die Vielfalt der Empfindungen und Einstellungen zum Thema Barfußlaufen, die ich hier vorfinde - ich selbst bin sozusagen ein "Waldläufer" (meist auf den kleinen Wegen), der gerne 20 - 30 km am Stück unterwegs ist. Toll finde ich, wie leistungsfähig die Füße werden und wie wohl man sich fühlt, wenn dies öfter (zweimal die Woche) möglich ist.
Ich meine, wir sollten uns auf keinen Fall darum bringen, barfuß in der Natur (und natürlich auch in der Stadt, wenngleich ich da meist Probleme mit der "Traute" habe) zu laufen - das gehört zu uns.
Zu den üblen Empfindungen, die man zunächst hat (igitt!!) (das mit den Schnecken habe ich allerdings von vornherein als normal empfunden): dies ist meines Erachtens nur Ausdruck der mangelnden Vertrautheit mit der Natur. ...
Das Barfußlaufen war bei mir von Anfang an "fest eingebaut", schon als Vierjähriger habe ich mir im Winter die Schuhe ausgezogen (und mir mangels Abhärtung und Erfahrung eine ordentliche Blasenentzündung geholt...). Im Sommer lief ich dann möglichst viel barfuß - für mich war es bereits in diesem zarten Alter ungeheuer wichtig, dass die Sohlen möglichst schwarz und dreckig waren - ich habe möglichst oft nachgeschaut.
Leider mir wurde das Barfußlaufen sehr nachhaltig aberzogen - ich kann Miguela nur zutiefst beneiden, dass das in ihr Vorhandene von Anfang an von den Eltern unterstützt wurde und nicht "abgeknickt" und völlig in Frage gestellt wurde.
Von meinem natürlichen Empfinden her würde ich - bei jedem Wetter - ab spätestens 10 Grad (wenn gut in Form, ab 5 Grad) niemals irgend etwas an den Füßen befestigen - es ist eine Beleidigung für sie und den gesamten Körper! Und eine Qual dazu! Deswegen habe ich auch in Büchern nachgeforscht (nach dem Motto "Bin ich denn bekloppt?!").
Nun, in den Original(!)ausgaben von KNEIPP ("Meine Wasserkur" und "So sollt ihr leben") und in einem Buch von FEICHTENSCHLAGER (oder so ähnlich; ich habe es gerade verliehen) zur Fußreflexzonenmassage steht das Gegenteil. Die Autoren gehen soweit, dass es Menschen krank macht, wenn sie nicht wenigstens des öfteren barfuß auf natürlichem Boden laufen können. Am besten ist ständiges Barfußlaufen auf unbefestigten Wegen und auf Naturboden, sagen sie - und ich stimme dem VOLL zu (wobei ich persönlich einige Kilometer Kies- und auch Asphaltweg zwischendurch als eine schöne Abwechslung empfinde).
Natürlich sind die Menschen verschieden, nicht alle werden diese Grundbedürfnisse gleich stark spüren. Wie gesagt; ich hätte gern das Rückrat einer Miguela. Nur können nicht alle das gleiche Glück haben wie sie - den durchgehend festen Rückhalt von den Eltern her in dieser Frage, um einfach natürlich in einer in diesem Punkt völlig unnatürlichen Kultur und Umwelt sein zu können. Darüber hinaus sind die Nachteile im Berufsleben einfach zu groß - nicht jeder kann in einem Laden mit verständnisvollem Chef arbeiten (und diesen zu finden, war ja offensichtlich bereits nicht ganz einfach).
Am schönsten wäre es wirklich, täglich viel barfuß unterwegs zu sein, ohne etwas "Besonderes" zu sein. Und wenn es alle als schön ansehen würden, wenn Füße durchtrainiert sind und genau so aussehen, wie sie dann auch eingesetzt werden können - täglich viele tausend Schritte in direktem Kontakt mit dem Untergrund.
Es gibt in diesem Forum noch viele Beiträge, auf die ich gerne antworten würde - nur wäre ich dann noch viele Stunden beschäftigt. Im nächsten Beitrag werde ich mich dann mit dem lieben Schwarzwild (den Wildschweinen) beschäftigen, welches teilweise erst in wenigen Metern Entfernung flüchtet, einmal auch knapp rechts und links an einem vorbei (wenn man es nicht vorzieht, frühzeitig umzukehren...). Eure Erfahrungen würden mich interessieren. ...
Es gibt Waldwegstücke, auf denen unter Umständen alle 10 m eine Schnecke unterwegs ist. Wenn man parallel zu solchen Wegen geht, werden es manchmal noch mehr. Dazu die Flußauen, Schrebergartenkolonien, Wege an Wiesen und Weiden, Bürgersteige in jedem Stadtviertel mit größeren Gärten... Wer will, kann ja immer umkehren.
Nein, ich ziehe mich nicht in die Innenstadt zurück!!! Der Mensch war ja im größten Teil seiner Geschichte täglich lange Strecken barfuß in freier Natur unterwegs (und ich wäre es nur zu gerne auch), und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts lief man auf dem Lande fast nur barfuß (Quelle: KNEIPP).
In einem Heft des DJH konnte ich darüber hinaus von den Xavante - Indianern im Mato Grosso Brasiliens lesen (eine Jugendgruppe hatte sie besucht, die meisten liefen von ihnen dann auch schnell barfuß), die am Tag problemlos 100 km laufen, dabei über weite Strecken auch noch mit Lasten. Wenn die alle sich jedes Mal aufregen würden, dann würden sie sich denn Alltag aber ganz schön vergällen.
So, nun habe ich aber genug Zeit für diese Dinge verwendet, man sollte vor allem die überwältigend viel öfter vorkommenden schönen Empfindungen und Situationen beim Barfußwandern genießen! ...
Ich habe früher sogar selbst eine zweitägige Barfußtour organisiert - die DJH-Zeitschrift bot auf ihrer Leserbriefseite die Möglichkeit, Briefe hierzu zu veröffentlichen. Sie wollte sogar darüber berichten (wovon wir aber nicht so angetan waren - eigentlich ist Barfußlaufen eben das Normalste der Welt und sollte nicht als etwas Exotisches oder gar als besondere Leistung herausgestellt werden). So schön die Tour auch war (wir haben uns noch länger danach geschrieben) - letztenendes ist doch am schönsten, mit Freunden unterwegs zu sein (auch wenn diese - in dann möglichst festen - Schuhen unterwegs sind).
Das gemeinsame Interesse "Barfußlaufen" führt eben die unterschiedlichsten Menschen zusammen; die Bereiche der "gleichen Wellenlänge" sind im Rahmen von echten Freundschaften nun einmal erheblich größer. Andererseits gibt es dort niemand, der gerne sechs bis zehn Stunden am Stück die "dollsten" Wege entlang marschiert - vom sanftem Gras und Laub über Kies bis hin zum mehr als knöcheltiefen Matsch. Allerdings habe ich schon so einige dazu gebracht, wenigstens zeitweise die Schuhe fortzulassen - am natürlichsten und ausdauerndsten (drei bis vier Stunden) sind hier einmal wieder die Frauen. ...
War am Wochenende zum ersten Mal auf längerer Tour (im Winter nur max. 2-3 Stunden bei mildem Wetter und im Dunkeln, da mir zu starkes Auffallen weniger angenehm ist).
Schade, dass hier die Männer bei weitem überwiegen - beim wirklichen Barfußlaufen ist es doch genau umgekehrt ! ...
Wegen heranziehender Sinusitis und Kopfschmerzen musste ich heute die Teilnahme an einem Einstellungstest absagen (und statt dessen zum Arzt marschieren). Einen Ersatztermin für den Test gibt es nicht - außerordentlich frustrierend! Also habe ich mir einen möglichst erholsamen Tag bereitet (Blumen für den Balkon gekauft, aber noch nicht gepflanzt - nur alles immer schön langsam...).
Ebenfalls frustrierend war, dass ich mich bei dem schönen warmen Wetter nicht traute, barfuß zum Blumenkauf zu gehen (bin ja stattdessen abends und nachts manchmal viele Stunden unterwegs, wenn ich morgens ausschlafen kann - und das ist leider zu selten der Fall). Bestimmte Medikamente konnte ich erst heute Nachmittag abholen. "Lieber Gott, gönne mir heute doch wenigstens EIN Erfolgserlebnis...!" dachte ich mir, habe mich zusammengenommen und bin barfuß losgezogen - in dem Wissen, dass ich mich NOCH schlechter fühlen würde, wenn ich NICHT die nötige Traute aufbringen würde. Nun, es klappte prima - kein einziger unangenehmer Blick, freundliche Atmosphäre in der Apotheke und die Begegnung mit zwei flotten jungen Mädels, von denen eine gleich nach dem Vorbeigehen sagte: "Guck' mal, der läuft auch barfuß!" ... auch!!
Nun, trotz Kopfschmerzen fühlte ich mich dann so gut, dass ich innerhalb kürzester Zeit alle Blumen gepflanzt habe, mir Proviant und Pullover eingepackt habe und jetzt gleich losziehen werde - hoffentlich für viele Stunden (Medikamente natürlich dabei). Die Sohlen sind schon schwarz, die Füße wunderbar warm - bin mal gespannt, was die Herren der Schöpfung heute Abend im Wald so alles anstellen (im Rheinland werden in dieser Nacht die Maibäume besorgt und gesetzt). ...
Um mich von meinem "Kollegen" aus Hamburg zu unterscheiden, füge ich die "II" an. "II" kann man übrigens auch positiv interpretieren; der Neuling sieht auf einen Blick: Es nehmen so viele an diesem Forum teil, dass man mit den Vornamen allein nicht mehr auskommt! ...
Wenn das Barfußlaufen nicht ein in mir seit Kindheitstagen verankertes Grundbedürfnis wäre, hätte ich schon längst aufgegeben und hätte mich nahtlos angepasst (was mir im Grunde viel lieber wäre, denn wer möchte schon aus hundert Metern Entfernung auffallen, und wer möchte beim Barfußlaufen schon immer der Einzige sein!).
Heute habe ich Freunde besucht und bin mit der Bahn anreist; das Umsteigen war in Köln Hbf. "Angst - Sandalen" im Rucksack habe ich keine mehr mitgenommen. Es war manchmal nicht ganz einfach, aber insgesamt hat es sich SEHR gelohnt; ich habe vom Gefühl her wirklich JEDEN der vielen Schritte genossen - und die Kontraste waren zahlreich: Weicher Teppich und kiesige Wege, blitzblanker Marmor und matschige Waldpfade, regenfrische Wiesen und der nahezu überfüllte Kölner Hauptbahnhof (dessen Bahnsteige heute so dreckig waren, dass man es bei jedem Schritt spürte), nasse Alleestraßen und die Fußgängerzone in der City, der Holzboden eines Restaurants und mit vom gestrigen Gewittersturm abgerissenen Zweigen übersäte Wege.
Der Vorteil des Alltagsbarfüßers ist ja zudem, dass man einfach nur ein paar Meter über feuchte Wiese oder über einige feuchte Bauminseln gehen muss - und schon ist selbst das am Kölner Hauptbahnhof "angelaufene" Tiefschwarz restlos verschwunden (dies weiß natürlich sonst auch keiner...).
Wenn man doch die Vorurteile der Menschen einfach "wegzaubern" könnte ...
Mit einem etwas melancholischen Gruß aus Bonn MarkusII

[2001]Hallo zusammen, ich wollte kurz meine Freude über ein gelungenes Wochenende mitteilen.
Ich hatte ja in diesem Jahr so spät mit dem Barfußlaufen draußen angefangen wie noch nie, weil ich mit dem "sozialen Druck" einfach nicht klarkam. Nun bin ich aber in einen anderen Stadtteil umgezogen, in dem die Menschen so richtig schön "normal" sind und wo barfußlaufen zwar ab und zu mal kommentiert wird, aber meist gar nicht groß beachtet wird. Dies gilt bei sommerlichem Wetter; bei schlechterem Wetter habe ich dies noch nicht ausprobiert (der nächste Schritt...).
Was mir sehr geholfen hat, war die gemeinsame Wanderung in der Wahner Heide, wo ich sehen konnte, dass völlig "normale" Menschen die gleiche Passion haben wie ich - man braucht sich also nicht in eine komische Ecke stellen zu lassen. So war ich denn ab Freitag Abend bis jetzt immer unbeschuht - von einem kubanisches Konzert auf dem Bonner Marktplatz (im Rahmen des "Bonner Sommers") über eine vierstündigen Wanderung über das Einkaufengehen bis hin zu allen sonstigen Schritten, die ich in diesen Tagen gemacht habe! Mich freut's!
Viele Grüße an alle aus Bonn, MarkusII

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