Lorenz
berichtet von verschiedenen Barfußunternehmungen
(Forumbeiträge seit Winter 1998 / 99)
Barfuß zur Bundestagswahl.
[pass bloß auf, dass dir wegen Barfuß nicht der bayerische Verfassungsschutz auf die
Sohlen rückt. Tipp: schwarze Sohlen können schon mal nicht kommunistisch (=rot) sein. Und
Jesus lief auch barfuß. dass dir wegen Barfuß nicht der bayerische Verfassungsschutz auf die
Sohlen rückt. Tipp: schwarze Sohlen können schon mal nicht kommunistisch (=rot) sein. Und
Jesus lief auch barfuß. dass dir wegen Barfuß nicht der bayerische Verfassungsschutz auf die
Sohlen rückt. Tipp: schwarze Sohlen können schon mal nicht kommunistisch (=rot) sein. Und
Jesus lief auch barfuß.]
Also ich bin barfuß zur Bundestagswahl gegangen und vorher über Wiesen gelaufen.
An die Wahlurne bin ich mit rotgrünen Sohlen gegangen, und so ist die Wahl ja auch
ausgegangen. Da aber Penzberg eine der wenigen roten Kleinstädte in Bayern ist, hat der
Verfassungsschutz keine Notiz von der Farbe meiner Sohlen genommen. ...
Barfüßiges
4 - Sterne - Hotelfrühstück.
Hallo miteinander, soeben habe ich zwei lange Tage
Dienstreise hinter mich gebracht. Auf den Sitzungen schien es mir ja nicht ratsam zu sein,
mit der Kleiderordnung zu brechen, aber zum Frühstück im Hotel habe ich mir wenigstens
eine entspannende barfüßige Stunde gegönnt.
Bis ich mich dazu durchgerungen habe, war ich allerdings schon ein einigermaßen
angespannt, immerhin hatte das Hotel 4 Sterne und war mit Business-Leuten voll belegt! So
habe ich mich auch ganz unauffällig um die Ecke zum Frühstücksraum gedrückt und war
zunächst ein wenig irritiert, den Chef persönlich hinter dem Tresen zu sehen.
Nur keine Verlegenheit zeigen, die die Aufmerksamkeit auf mich lenken könnte! Das sagte
ich mir, lud mir eine Ladung Schinken und Ei auf den Teller und steuerte einen Tisch an.
Die freundliche Serviererin fragte mich, ob ich Tee oder Kaffee wollte und hatte
wichtigeres zu tun, als meine Füße in Augenschein zu nehmen. Am nächsten Tisch saß
ein Kollege, der mich allerdings nicht zum ersten Mal barfuß sah -- so war das auch kein
Thema. Ich setzte mich zu ihm und erlebte doch glatt eine der seltenen Sternstunden, in
denen meine Arbeit gelobt wird.
Inzwischen füllte sich der Raum mit beschlipsten Herren und eleganten Damen. Ich ging
noch einige Male -- jetzt ganz entspannt -- zum Büffet und holte mir Nachschub. Aber
niemand nahm von meinen Füßen Notiz. Wirkt barfuß bei mir vielleicht so normal,
dass sowieso niemand etwas anderes erwarten würde???
Bei um die null Grad verließ ich das Hotel dann doch mit Schuhen ...
[Und Lorenz: Dein barfüßiges Hotelfrühstück finde ich sehr couragiert!]
Das war auch für meine relativ unbefangene Art meinen Füßen gegenüber gehobener
Schwierigkeitsgrad beim Durchringen -- und lief dann völlig glatt ab. Die nötige
Abgebrühtheit habe ich mir vor einigen Jahren auf einem Persönlichkeitsbildungs-
- Seminar zugelegt, wo wir mit einem Tanzpädagogen viel Körperarbeit gemacht habe. Da habe ich
sehr bald die Schuhe weggelassen, kurz danach auch andere Teilnehmer und manchmal auch
unser Trainer. Das Ganze fand in einem sehr luxuriösen Hotel in Leogang statt, das
allerdings als Familienbetrieb historisch aus einem Bauernhof gewachsen war -- und in
dieser Gegend hatten die Leute sicher alle eine barfüßige Kindheit und Jugend verbracht.
So hat keiner etwas dagegen gehabt, dass ich auch außerhalb des Seminarraums meist baren
Fußes einherging. ...
Barfüße stahlen Affen die Schau.
Am Alpenrand hängt ja schon seit Tagen ein grässliches
Wetter, aber heute wurde es allmählich besser und meine Familie wollte am Nachmittag in
den Münchner Tierpark. Als wir ankamen, schaute schon die Sonne heraus, und so blieben
meine Schuhe gleich im Auto. Den Kindern wollte ich nicht zum Barfußgehen zureden, da es
im Schatten noch ganz schön kalt war.
Die baren Füße erwiesen sich als geeignetes Mittel, den Affen die Schau zu stehlen.
Natürlich waren viele Kinder im Zoo und dauernd hörte ich von irgendwo her: "Schau,
der Mann läuft barfuß!" Es ist wohl typisch für kühles und durchmischtes Wetter,
dass die Kinder so reagieren; wenn es schön ist, dürfen sie ja
teilweise selbst barfuß laufen und finden es dann völlig normal. Meist beachtete ich die
kindlichen Kommentare nicht, zweimal ergab sich ein nettes Gespräch mit der Oma bzw.
Mutti.
Da sich die Sonnenwärme mehr und mehr durchsetzte, verloren meine Füße auch ihren
Sensationscharakter. Am Schluss zog auch meine größere Tochter (aus eigenem Antrieb) die
Schuhe aus, uns so war ich nicht mehr der einzige Barfüßige unter dem ansonsten völlig
beschuhten Zoo - Publikum. Eigentlich war ich ja nur ganz nebenbei barfuß, in der
Hauptsache habe ich Tiere angeschaut und das herrliche frische Frühlingsgrün genossen.
Es war ein ganz normales Nachmittagvergnügen -- ganz entspannt ...
Zur Nachahmung empfohlen! ...
Barfußtreffen
mit Indianern.
Gestern früh las ich in der Zeitung, dass gerade ein
Verein ein mehrtägiges Treffen mit einigen für die Pflege ihrer Kultur engagierten
Indianern aus Nord-, Mittel- und Südamerika durchführt.
Da mich diese nachhaltig mit der Natur wirtschaftenden Kulturen sehr interessieren, ging
ich gestern Nachmittag für einige Stunden hin. Auch hatte ich in der Zeitung gelesen,
dass einer der Gäste, ein Indio aus Peru, barfuß läuft - und ich dachte, er sollte
wenigstens auch mal einen Deutschen barfuß sehen. Auch interessiert mich sehr der Schutz
des Regenwaldes, zu über den er reden wollte.
Ich fuhr also zu dem Gelände des Ferienlagers, wo das Ganze ablief und fand etliche Zelte
vor, darunter zwei große Indianer - Tipis. Und - obwohl es bewölkt war, nur etwa 18 Grad
hatte und vom vorhergegangenen Regen sehr feucht war, war etwa ein Viertel der Anwesenden
barfuß, Erwachsene wie Kinder!
Die einen lauschten gerade einer Rede von Silver Fox von den Cree, andere saßen an
Feuerstellen, standen an der Essenausgabe oder liefen herum - alle mit schön dreckigen
Füßen. Als die Präsentation zum Schutz des Regenwalds begann, musste jeder barfuß ins
Tipi eintreten. Der Peruaner begründete das damit, dass das Zelt nun so etwas wie ein
Tempel sei. So wurde das Thema ganz selbstverständlich in einer Runde Barfüßiger
besprochen ...
Die Parallelveranstaltung war die Reinigungszeremonie nach Art der Lakota in einer
Schwitzhütte - natürlich auch barfuß zu absolvieren. Und wer die Schuhe mal aus hatte,
der zog sie so schnell nicht wieder an!
Aber auch unabhängig vom Barfußaspekt war die Begegnung mit der indianischen Kultur
(ohne jede alberne Show vorgestellt) sehr bereichernd. Vielleicht erlebt Barfußgehen
durch das derzeit weit verbreitete Interesse an den Indianern eine Renaissance?
...
Mein liebster Barfußspazierweg.
Mein liebster Barfußspazierweg geht durch
morastige Streuwiesen, die im Frühsommer mit wunderschönen Orchideen bestanden sind.
Nicht dass ich Schlamm besonders lieben würde, aber an manchen Stellen muss man eben
einfach durch.
Die meisten Leute mögen keine schmutzigen Schuhe bekommen - und weil sie Hobby?
Barfuß!
nicht kennen, haben sie da keine Lösung parat. Deshalb begegnet man kaum jemandem.
Aber man sieht Fußspuren, manchmal sind es auch Barfüße, und manchmal sind es nicht
einmal meine eigenen! Mit anderen Barfußwanderern ist es so wie mit den Yetis: wenn man
ihnen schon nicht begegnet, freut man sich, ihre Spuren zu sehen.
Umgekehrt hinterlässt dieses Biotop nicht weniger deutliche Spuren an den Füßen - aber
ich stelle mein Fahrrad immer an einem kleinen Fluss
ab, wo ich mir am Schluss den Schlamm
wieder abwasche.
Beim Heimradeln komme ich nämlich an einer Eisdiele vorbei, und dort möchten meine
Füße viel Haut, aber wenig Schlamm zeigen.
Barfuß zum Klassentreffen.
Dass unser Abitur nun 30 Jahre zurückliegt, war Anlass für unser
Klassentreffen am vergangenen Samstag. Für mich war es selbstverständlich, dass ich aus diesem
Anlass nach Würzburg fuhr - und dass ich den ganzen Trip
barfuß machte!
Zu der kleinen Rundwanderung im Außenbereich von Würzburg mit
zwei ausgiebigen Einkehrstationen in den Gaststätten Volksgarten uns
Schützenhof passte dies auch ganz gut. Natürlich stand das Gesprächsthema
gleich fest, als ich (nachdem mein Zug Verspätung hatte) auf die schon in
Bewegung befindliche Karawane stieß. Es fiel mir nicht schwer, meinen
barfüßigen Lebensstil überzeugend zu präsentieren, zumal einer meiner
Klassenkameraden meine Fußgesundheits-HP schon entdeckt hatte und ins Gespräch
brachte.
Irgendwann meinte einer ganz freundschaftlich: "Jetzt entwickeln
wir allmählich unsere Altersschrullen". Womit er nicht nur mich meinte,
sondern z.B. auch einen Kameraden, der sich beim Sturz von seiner riesigen
Modelleisenbahnanlage den Meniskus ruiniert hatte.
Natürlich hatten wir auch
andere Gesprächsthemen - es war ein ganz normales Klassentreffen. Und ich war
ganz normal barfuß, auch wenn das Wetter nicht so toll war.
Ich hängte an das
Klassentreffen noch einen Trip nach Bad Sobernheim an, wo ich den Barfußpfad
und das Freilichtmuseum ausführlich besichtigte und mit Jörg vom B-Treff-Team
wanderte und klönte.
München barfuß mit Museumsbesuch.
Heute fuhr ich mit Zug und S-Bahn nach
München, um ein (barfuß-)Interview zu geben, das demnächst von Radio Oberland
gesendet werden soll. Als ich kurz vor 9 Uhr das Haus verließ, hatte es 10 Grad
- dass die Schuhe im Schrank blieben, war natürlich Ehrensache. Das Interview
war nach einer halben Stunde vorbei und ich startete zu einem Stadtbummel.
Die
Sonne kann sogar noch ein wenig durch, und der Boden war stellenweise gar nicht
so kalt, wie ich erwartet hätte. Ich machte ein paar Besorgungen und stellte
fest, dass im Gedränge der Fußgängerzone die bloßen Füße wesentlich
weniger wahrgenommen wurden als z.B. auf einer Bergtour.
Schließlich steuerte
ich die Gemäldesammlungen der Alten Pinakothek an. Ich hatte in der Zeitung
gelesen, dass dort eine Venusausstellung gezeigt wird, die sehr viel Publikum
anzieht. Natürlich fand ich es auch spannend, ob ich da barfuß hineinkommen
würde. Also stellte ich mich (ohne durch Zögern aufzufallen) in die Schlange
an der Kasse. Da ich ordentlich angezogen war, gab es keinerlei Probleme - und
ich konnte mich baren Fußes dem Kunstgenuss hingeben.
Interessant fand ich
unter anderem, wie die Maler verschiedener Epochen die Ästhetik der Füße
interpretierten. Die Renaissancemaler schwärmten offenbar für lange Zehen, im
18. Jahrhundert bevorzugte man sehr junge Modelle mit noch nicht fertig
entwickelten Proportionen und kindlichen Füßen (heute müsste man derartige
Bilder von seiner Webseite nehmen wegen des schrillen Aufschreis diverser
Sittenwächter). Das 19. Jahrhundert stellte gerne Naturkinder dar, wie sie auch
den heutigen Geschmack treffen.
Auch in den anderen Ausstellungsräumen des
Museums werden die Leinwände hauptsächlich von barfüßigen Gestalten
ausgefüllt - die Künstler steigerten die Ausdrucksstärke ihrer Gestalten
schon immer gerne durch die Darstellung der bloßen Füße.
Insgesamt wurde ich
heute viermal auf die bloßen Füße angesprochen, davon nur einmal im Museum.
Aber jedes Mal waren es freundliche, interessierte Fragen und es war ganz
deutlich spürbar, dass die Leute Sympathie für meinen barfüßigen Lebensstil
empfanden.
Einmal ergriff ich selbst die Initiative: als einige Frauen
feststellten, dass die Venus auf einem Bild Hallux valgus und Hammerzehen hatte
(es gab also schon vor 300 Jahren ungesunde Schuhe), meinte ich, dass sie wohl
leider meine Fußgesundheitshomepage noch nicht kannte. Da wurden meine Füße
erst bemerkt und es gab wieder eine kurzes nettes Gespräch.
Fazit: es spricht
einiges dafür, auch die Tempel der hohen Kunst baren Fußes zu besuchen. Leider
regnete es sich während des Museumsbesuchs ein, so dass der Rest des Tages
nicht mehr das ganz große Barfüßerglück brachte. Aber ein Unglück war's
auch nicht, dass ich keine Schuhe dabei hatte! ...
Vom Chef persönlich bedient [am 11.
März 2001]
Da sich die Temperatur an diesem Wochenende über 10 Grad hielt, kam ich ganz
ohne Schuhe aus. Am schönsten war es am Samstag Vormittag, da radelte ich in
die Stadt, um mir beim Sport Conrad einen Tourenrucksack zu kaufen. Ohne zu zögern,
trat ich barfuß ein und wurde gleich ganz freundlich gefragt, ob ich etwas
Bestimmtes suche. Ich sagte, was ich wollte, und kurz darauf kam ein
freundlicher älterer Herr und zeigte mir das Sortiment.
Es war tatsächlich ein Modell dabei, das genau meinen Vorstellungen entsprach,
er hatte u.a. ein Fach, das gerade die richtige Größe für ein Paar
Bergstiefel hatte. Ohne dass ich das angesprochen hatte, sagte er: "da kann
man gut ein Paar Schuhe hineintun." Meine Antwort: "das ist ideal,
weil ich nach Möglichkeit barfuß aufsteige, aber oftmals die Bergschuhe für
den Abstieg oder für sonstige heikle Stellen brauche!"
So kam ich mit meinem Betreuer ins Gespräch, und es stellte sich heraus, dass
er der Chef persönlich war - Besitzer von vier Sportgeschäften im Oberland!
Ich meinte, dass der Rucksack auch für Dienstreisen sehr praktisch sei, weil
man die Träger verschwinden lassen und ihn so in eine Reisetasche umwandeln
kann. Wir unterhielten uns dann ein wenig über meinem Job, dann zeigte er mir
seinen Computerterminal, an dem er alle Preise, Bestände etc. in den
verschiedenen Filialen nachsehen konnte. Auch von den Schwierigkeiten, gutes
Personal zu bekommen, sprach er. Anders als in den Großunternehmen ist ihm die
Zuverlässigkeit der älteren Mitarbeiter sehr viel wert!
Da ich so gut bedient wurde, kaufte ich auch noch einen City-Rucksack -
wichtiges Utensil für bevorstehende Barfüßertreffs! Und ich versprach, mit
meinen Töchtern zu kommen, um für sie gute Tevas zu kaufen, sobald diese demnächst
wieder im Sortiment sind. (Den Dickschädel, ganz barfuß in die Schule zu
gehen, haben meine Kids (noch?) nicht entwickelt.)
Fazit: ich bin schon lange nicht mehr so gut bedient worden!
Herzliche Füße, Lorenz
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