Lorenz und die
Frühlingsfüßler im Osterseengebiet
(Forumbeiträge im Vorfrühling 1999)
Hallo Frühlingsfüßler, heute Mittag habe ich festgestellt, dass die Sonne den Boden schon behaglich warm macht -- und für das Wochenende wird noch wärmeres Wetter angesagt! Ich habe schon mal mit Oli Hofmann aus München vorschattiert, dass wir uns auf jeden Fall treffen, und zwar am Samstag, den 13.03.99 am Bahnhof Staltach, nahe den Osterseen, um 12:45 Uhr. Von da aus geht es dann in dieses wunderschöne Fleckchen Natur. Ich freue mich auf jeden Fuß, der bei dieser Gelegenheit dem Winterschlaf entsteigt! Ein kurzes Mail, das mir ankündigt, mit wem zu rechnen ist, wäre hilfreich. Herzliche Füße, Lorenz
Hallo Lorenz und ihr anderen Südoberbayern, bin am Wochenende leider in Köln auf einer Hochzeit und kann nicht kommen. Aber es ist sowieso noch nicht so ganz meine Zeit/Temperatur und meine Füße sind auch noch zu empfindlich dank mangelndem Training im Winter. Trotzdem viel Spaß, ich freue mich auf den Bericht. Serfuß, Jörg
Heute war Bilderbuchwetter, uns ich habe mich mit Oliver
und Herbert zu der angekündigten Wanderung getroffen. Dem Zug, der um 12.45 Uhr den
Bahnhof Iffeldorf/Staltach erreichte, entstieg ansonsten kein Barfüßiger - Pech für
alle Nichtbeteiligten! Denn wolkenloser Himmel und ein von der Märzsonne behaglich
erwärmter Boden boten die besten Voraussetzungen für unser Vorhaben.
So liefen wir los über die teilweise noch schlammigen Wiesen auf die schneeglänzenden
Berge zu. An einigen sumpfigen Stellen zahlte es sich aus, dass ich Bermuda-Shorts
anhatte, da spritzte das Wasser so richtig zwischen den Zehen durch und machte den
Kameraden die Hosenbeine nass. An einem Abhang war dann knietiefer Altschnee zu
überwinden - so wurden die Füße wenigstens wieder sauber. Ein Bauer, der mit seiner
Odelfuhre ankam, gestikulierte wild - wir dachten schon, er sei wütend, weil wir auf
seiner Wiese herumlatschten. Aber er wollte uns nur ganz freundlich zeigen, wo wir laufen
sollten, um den frisch ausgebrachten Mist zu umgehen. Aber wir lösten das einfacher: Nase
zu und durch! Wir hofften einfach auf das nächste Altschneefeld, um den Dung wieder
loszuwerden.
Nach zwei Stunden unbeschwerten Voranschreitens verspürten wir Durst und steuerten den
Gasthof Petermichel in Antdorf an. Wir hatten inzwischen ganz schön schlammige Füße,
aber ein Schneehaufen am Straßenrand gab uns die Chance, noch etwas Kosmetik zu treiben.
So wurde uns das stärkende Bier denn auch in keiner Weise verwehrt. Nach dieser Pause
nahmen wir wieder Richtung zum Ausgangspunkt auf. Wir wollten ja noch etwas von der
einmaligen Naturschönheit des Osterseegebiets haben.
Nun kamen wir in den Bereich, in dem viele Spaziergänger unterwegs waren. Als erstes
stieß ich gleich auf eine Gruppe von Leuten aus meiner Firma, die ich vom Sehen kannte.
Die staunten schon etwas, als wir dann vorneweg ganz locker über den Altschnee liefen,
der da an Waldrand lag. Aber wir waren deutlich besser zu Fuß als die mit ihren eleganten
Schuhen. Dann kam eine Stelle, wo das Wasser über den Weg lief. Ein junges Paar
versuchte, auf den Absätzen laufend einigermaßen trockenen Fußes durchzukommen - da
waren wir diejenigen, die sich schier totlachten. Die Frage, ob es nicht zu kalt sei,
wurde uns auf diesem Weg natürlich auch gestellt - und ehrlich verneint.
Kurz vor dem Ausgangspunkt lag noch einmal ein Wirtsgarten -- gerade richtig zum
Durstlöschen. Der Wirt (ein Grieche) kam zu uns und schwärmte in den höchsten Thema von
dem schönen Wetter. Herbert sagte ganz trocken: "Es ist höchste Zeit, die
Sommerreifen aufzuziehen!" Damit meint er wahrscheinlich Euch alle !!!!! ...
Auch für Wärmefreunde gibt es die ersten Barfußchancen schon im März, man muss
nur mal
fühlen, wie warm der Boden schon ist und nicht von vorneherein annehmen, dass es nicht
geht. Warum soll man den Saisonstart künstlich hinauszögern, bloß weil das
Ammenmärchen besagt, dass nur in Monaten ohne "R" barfuß gelaufen werden
soll?? ...
Hallo miteinander, Das oberbayerische Wetter ist noch nicht so, dass einem die
Barfüßigen scharenweise entgegenkommen, aber ich weiß auch von alleine, wann die Zeit
reif ist für eine Frühlingswanderung ohne Schuhe.
Während die Familie nach einer Radfahrt zum Mittagessen im Biergarten vor herannahenden
Wolken schnellstens nach Hause fliehen wollte, fand ich, dass der Boden für eine
Wanderung rund um die Osterseen gerade die richtige Temperatur und Beschaffenheit hatte.
So fuhr ich am frühen Nachmittag alleine zu diesem wunderschönen Naturschutzgebiet
südlich des Starnberger Sees. Wegen des Naturschutzes muss man allerdings auf den mit
Schotter befestigten Wegen bleiben, und die hatte ich vom letzten Jahr als ganz schön
hornhautzermürbend in Erinnerung. So war ich keinesfalls sicher, dass ich den ganzen 8 km
langen Rundweg machen würde. Ich wollte den Frühling genießen, und keinesfalls
Extremsport treiben. Doch zu letzterem kam es nicht, denn es hatte sich über den Winter
viel Laub und Erde zwischen den Schottersteinen angesammelt -- und meine Füße sind
inzwischen so beweglich, dass sie sich schmerzfrei an kleinere Unebenheiten anpassen
können. So war ich also leichtfüßig unterwegs und ein bisschen schneller als die
übrige in Wanderstiefeln steckende Menschheit. Trotzdem wurde ich natürlich bestaunt,
und die Bemerkung "dem Herrn haben sie die Schuhe geklaut" musste auch mal
fallen. Mich konnte das nicht verdrießen, zu sehr genoss ich die wunderschöne
Seenlandschaft und das frische Grün der ersten Buchenblätter.
Als ich gut die Hälfte der Runde gelaufen war, ereilte mich schließlich doch der
befürchtete Aprilschauer. Ich konnte mich unter einen Baum retten, den auch schon ein
jüngeres Paar aufgesucht hatte. Das Mädel war sehr erstaunt, dass ich imstande war,
diesen Weg barfuß zu gehen -- dabei war es an dieser Stelle nicht einmal besonders
steinig. So ergab sich ein kleines Gespräch, wobei ich auch den Hinweis auf die
barfüßigen Internetseiten loswurde. Ärgerlicherweise hatte ich allerdings mein Propagandafaltblatt nicht zur Hand ... So schnell er kam, ging
der Aprilschauer auch wieder. Der Weg war jetzt stellenweise ganz schön schlammig, aber
ansonsten kam ich wieder einigermaßen trocken am Ausgangspunkt an. "Zur
Erholung" radelte ich zu einem angenehmen Wiesenweg und lief noch eine halbe Stunde
auf idealem Untergrund. Ich hoffe, dass es in nächster Zeit auch gemeinsame
Unternehmungen mit Mitwanderern aus diesem Kreis geben wird! ...
Herzliche Füße, Lorenz
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