[Barfuß - Literatur - Ecke : Der Papalagi] [Barfuß - Literatur - Ecke : Über die Erden]

Barfuß - Literatur - Ecke : Der Papalagi
(Forumbeitrag im Winter 1998/99)

Hallo barfüßiger Web-Wolf und alle Mitleser,
[ Ich freu mich immer wieder, wenn ich in etwelchen Büchern was über barfüßige Leute lese.]
Ich freue mich zwar noch mehr, wenn ich barfüßige Leute treffe, aber zugegeben : in Büchern ist es auch ganz erfreulich ! Deshalb komme ich Dir hier mit einem - nicht nur literarisch interessanten - Tipp, der aber das Thema etwas angeht :
Erich Scheurmann, Der Papalagi - Die Reden des Südsee Häuptlings Tuiavii aus Tiavea an seine Stammesmitglieder.
Da das Werk im Internet erreichbar ist, kann ich auf weitere bibliographische Angaben sicher verzichten !?
Dieser und andere zivilisationskritische Texte sind (angeblich) Reden eines Südseehäuptlings, der Europa zu Beginn des Jahrhunderts bereist hatte. Die uns interessierende Stelle zitiere ich :

"Der Papalagi ist dauernd bemüht, sein Fleisch gut zu bedecken.
"Der Leib und seine Glieder sind Fleisch, nur was oberhalb des Halses ist, das ist der wirkliche Mensch" also sagte mir ein Weißer, der großes Ansehen genoss und als sehr klug galt. Er meinte, nur das sei des Betrachtens wert, wo der Geist und alle guten und schlechten Gedanken ihren Aufenthalt haben. Der Kopf. Ihn, zur Not auch noch die Hände, lässt der Weiße gerne unbedeckt. ...
Ein Mädchen, es mag noch so schön gewachsen sein, wie die schönste Taopou von Samoa, bedeckt seinen Leib, damit niemand ihn sehen kann oder Freude an seinem Anblick nimmt. ... Wer das Fleisch nur anschaut, saugt Gift ein, ist verwundet, ist ebenso schlecht und verworfen als derjenige, welcher es zur Schau gibt. - Also verkündigen die heiligen Sittengesetze des weißen Mannes.
Darum auch ist der Körper des Papalagi von Kopf bis zu Füßen mit Lendentüchern, Matten und Häuten umhüllt, so fest und so dicht, dass kein Menschenauge, kein Sonnenstrahl hindurchdringt; so fest, dass sein Leib bleich, weiß und müde wird, wie die Blumen, die im tiefen Urwald wachsen. ...
Die Füße endlich bekommen noch eine weiche und eine ganz feste Haut. Die weiche ist zumeist dehnbar und passt sich dem Fuße schön an, um so weniger die feste. Sie ist aus dem Felle eines starken Tieres, welches solange in Wasser getaucht, mit Messern geschabt, geschlagen und an die Sonne gehalten wird, bis es ganz hart ist. Hieraus baut der Papalagi dann eine Art hochrandiges Canoe, gerade groß genug, um einen Fuß aufzunehmen. Ein Canoe für den linken und eines für den rechten Fuß. Diese Fußschiffe werden mit Stricken und Widerhaken fest am Fußgelenk verschnürt und verknotet, so dass die Füße in einem festen Gehäuse liegen wie der Leib einer Seeschnecke.
Diese Fußhäute trägt der Papalagi von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang, er geht darin auf Malaga und tanzt darin, er trägt sie und ob es auch heiß sei wie nach einem Tropenregen. Weil dies sehr unnatürlich ist, wie der Weiße wohl merkt, und weil es die Füße macht, als seien sie tot und begännen bereits zu stinken, und weil tatsächlich die meisten europäischen Füße nicht mehr greifen oder an einer Palme emporklettern können - deshalb sucht der Papalagi seine Torheit zu verbergen, indem er die Haut dieses Tieres, die an sich rot ist, mit viel Schmutz bedeckt, welchem er durch viel Reiben Glanz verleiht, so dass die Augen die Blendung nicht mehr vertragen können und sich abwenden müssen.
Es lebte einmal ein Papalagi in Europa, der berühmt wurde, zu dem viele Menschen kamen, weil er ihnen sagte: "Es ist nicht gut, dass ihr so enge und schwere Häute an den Füßen tragt, geht barfuß unter dem Himmel, solange der Tau der Nacht den Rasen bedeckt, und alle Krankheit wird von euch weichen." Dieser Mann war sehr gesund und klug; aber man hat über ihn gelächelt und ihn bald vergessen."

Ich kenne den Text (diesen Ausschnitt) schon länger, weil ich ihn einmal in einem Aufsatz zitiert fand.
Und ich kann mich dunkel erinnern, auch einmal gelesen zu haben, dass die Reden gar nicht wirklich gehalten worden, sondern eine Erfindung des Autors seien. Der vielfach berechtigten Zivilisationskritik tut das aber ohnehin keinen Abbruch.
Belesene Füße allüberall ! Georg
PS : Das Durchsuchen des Internet mit MetaGer oder anderen Suchmaschinen auf Papalagi ergibt eine Reihe von Links !

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Barfuß - Literatur - Ecke : Über die Erden
(Forumbeitrag im Winter 1998/99)

Hallo Freunde, damit unsere Barfuß - Literatur - Ecke nicht schon wieder in Vergessenheit gerät :
hier ein weiteres Fundstück, ein Gedicht des österreichischen Autors Martin Auer (* 1951), das mir sehr gut gefällt.
Er sagt, es habe ganz von selbst in ihm gesungen, in der Sprache, in der die Volkslieder gesungen werden. Ich zitiere die drei ersten Strophen, die sich mit dem Barfußlaufen befassen :

Über die Erden

Über die Erden muaßt barfuß gehn.
Ziag d' Schuach aus, die machen di blind!
Dann kannst den Weg mit die Zechn sehn,
des Wasser, den Wind...

Sollst mit di Sohln auf d' Staner steign,
mit der nackerten Haut.
Wird dir die Erden a bald zeign,
daß s' dir vertraut.

Gspür des nasse Gras auf die Füaß,
gspür, wie trocken is der Staub.
Gspür, wie dich streichelt das Moos so süaß,
gspür, wie's knistert im Laub. ...

Über die Erde

Über die Erde sollst du barfuß gehen.
Zieh die Schuhe aus, Schuhe machen dich blind.
Du kannst doch den Weg mit deinen Zehen sehen.
Auch das Wasser und den Wind.

Sollst mit deinen Sohlen die Steine berühren,
mit ganz nackter Haut.
Dann wirst du bald spüren,
dass dir die Erde vertraut.

Spür das nasse Gras unter deinen Füssen
und den trockenen Staub.
Lass dir vom Moos die Sohlen streicheln und küssen
und fühl das Knistern im Laub.

nach : Gelberg, H. J.(Hrsg.), Überall und neben Dir, Weinheim 1989, S. 286/87

Wer die beiden fehlenden Strophen  nachlesen möchte, sollte sich das Buch besorgen !
Wem die hochdeutsche Fassung genügt, kann auch diesem Link folgen !

Georg

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