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Kerstin
begeistert sich jetzt für Barfuß - Schulsport
(Forumbeiträge seit Herbst 2000)
Gleich zu Anfang muss ich sagen: Bis jetzt bin
ich (17) noch nie viel barfuß gelaufen. Zu Hause manchmal, aber meistens auch
in Strümpfen, und auch in der warmen Jahreszeit hat man mich in der
Öffentlichkeit so gut wie gar nicht aus den Schuhen herausbekommen (höchstens
um die Füße mal kurz ins Wasser zu hängen).
Dass ich jetzt (noch dazu vor
aller Augen) damit angefangen habe, hat sich eher durch Zufall ergeben. Bis vor
kurzem habe ich auch am Sportunterricht in der Schule nur in Sportschuhen
teilgenommen. Auf die Idee, die Schuhe wegzulassen, bin ich gar nicht gekommen,
vor allem deshalb, weil das bei uns an der Schule überhaupt nicht üblich ist.
Noch nie habe ich jemanden im Sportunterricht barfuß laufen sehen.
Dass ich
trotzdem damit angefangen habe, liegt an meiner eigenen Vergesslichkeit: Als ich
letzte Woche Sport hatte, habe ich meine Schuhe zu Hause liegen lassen. Nun ist
es bei uns so, dass man in so einem Fall auch ohne Schuhe (also auf Strümpfen)
mitmachen muss, um sich vor einem Minuspunkt zu retten. Das kommt selten, aber
nicht besonders oft vor.
Also gut, sagte ich mir, auch wenn ich mir sehr komisch
vorkam mit meinen bestrumpften Füßen. Ich versuchte, in der Sportstunde
mitzumachen, merkte aber bald, dass ich auf den Strümpfen immer wieder
ausgerutscht bin. Schließlich hab ich die Strümpfe einfach ausgezogen und bin
barfuß gelaufen. Zuerst war der Hallenboden klebrig und kalt unter meinen
Füßen, aber nach ein paar Minuten ging es und fühlte sich auch gut an. Die
anderen haben mich erst komisch angeschaut, aber das hat sich auch bald gelegt.
Als die Sportstunde zu Ende war, hätte ich die Schuhe am liebsten gar nicht
wieder angezogen. Na ja, das hat mich dann auf die Idee gebracht, mal öfters
barfuß zu laufen. Für die nächste Sportstunde habe ich mir es schon fest
vorgenommen. Kerstin
Hi Kerstin, finde ich toll, dass Du jetzt auch
zu den Barfüßern gehörst, trotzdem es eigentlich aus einer Notsituation
entstanden ist.
Ich hoffe, dass sich in Deiner Schule noch mehrere Mitschüler
anschließen, nachdem Du ja jetzt vorhast, im Sportunterricht öfter Barfuß zu
laufen. Ciao Christian (BY)
Hi! Es gibt eigentlich keine bessere
Gelegenheit, mit dem Barfußgehen anzufangen, als den Sportunterricht. Es gibt
nur sehr wenige Sportarten, bei denen Du mir bloßen Füßen Probleme haben
wirst, aber für die kannst Du ja sicherheitshalber ein Paar Turnschuhe im
Gepäck haben.
Wenn Du Dich einmal daran gewöhnt hast, wird es Dir auch nichts mehr ausmachen, bei etwas kühleren Temperaturen ein Paar Runden auf
bloßen Sohlen um den Sportplatz zu laufen.
Sollten Dir Deine Mitschüler(innen)
oder gar Dein(e) Sportlehrer(in) die Barfüßigkeit eines Tages zu vermiesen
suchen, gibt es immer noch eine Fluchtmöglichkeit für den Freizeitsport: Bei
fast allen fernöstlichen Kampfsportarten ist Barfüßigkeit ganz
selbstverständlich, bei uns beim traditionellen Karate sogar obligatorisch.
Ich
habe auch in jedem Karate - Anfängerkurs zunächst ein paar Experten, die
zunächst mit Schuhen, und dann "aber wenigstens" mit Socken
mittrainieren wollen, aber alle fühlen sich nach wenigen Minuten wohl auf ihren
bloßen Füßen ... Fuß zum Gruß, SchnaXeL
Auch diese Woche bin ich vor dem
Sportunterricht wieder aus den Schuhen geschlüpft. Das letzte Mal geschah das
noch unfreiwillig, weil ich meine Schuhe vergessen hatte.
Ich hatte mir aber
auch gestern fest vorgenommen, barfuß Sport zu machen, obwohl ich
vorsichtshalber ein Paar Sportschuhe dabei hatte. Ich habe mich dann aber doch
entschieden, sie wegzulassen, denn ich hatte das Barfußlaufen vom letzten Mal
als sehr angenehm in Erinnerung.
Als ich also im Umkleideraum Schuhe und
Strümpfe auszog, haben die anderen zwar zunächst komisch geguckt
(Barfußlaufen im Sport ist bei uns nicht üblich), aber weder dumme Sprüche
gemacht noch meine nackten Füße übertrieben angestarrt.
Das Laufen selbst war
nach einiger Zeit sehr angenehm, nachdem ich ein paar Runden gedreht hatte.
Anfangs war der Hallenboden noch ziemlich kalt gewesen. Da wir nur gelaufen sind
und Gymnastik gemacht haben, hatte ich keine Angst, dass mir jemand auf die
Füße trat.
Meine Sportlehrerin hat übrigens nichts dazu gesagt, ein paar
Mitschülerinnen haben nach der Stunde gefragt, ob der Boden sehr kalt gewesen
sei und wie meine Füße nun aussähen (schmutzig, aber ich konnte sie leicht
wieder sauberwaschen).
Diese eigentlich recht guten Erfahrungen bestärken mich
in meiner Absicht, zumindest im Sportunterricht weiterhin barfuß anzutreten.
Kerstin
Hi Kerstin! Na, da hast Du doch definitiv etwas
positives zu berichten.
Schulturnhallen sind bekanntermaßen chronisch dreckig,
nicht nur, weil einige Pappnasen mit den selben Turnschuhen in die Halle gehen,
die sie schon draußen anhatten, auch weil gerade an den Reinigungskosten in
Deutschen Schulen gründlich gekürzt wird.
Bei unserer Uni-Turnhalle haben wir
uns inzwischen angewöhnt, sie vor dem Training auszufegen.
Für den Schulsport
würde ich Dir trotzdem - bei aller Barfuß - Euphorie - raten, immer für alle
Fälle ein Paar Turnschuhe in der Tasche zu haben, immerhin könnte es mal
passieren, dass ihr irgendwelche Ballspiele oder so macht, und das kann sehr
schmerzhaft werden, wenn die Schuhträger unter Euch dabei etwas unachtsam sind.
Wenn alle barfuß wären, wäre das kein Problem, wir spielen eigentlich immer
mit der kompletten Horde barfuß Basketball, aber bis Du Deinen ganzen
Sportkurse bekehrt hast, dauert wohl noch ein bisschen ... In diesem Sinne -
Fuß zum Gruß, SchnaXeL
Hallo, Kerstin! Ich habe heute auch barfuß
Schulsport mitgemacht (allerdings eher unfreiwillig, weil ich in der
morgendlichen Eile meine Sportsachen vergessen habe).
Da unsere Lehrerin uns
natürlich nicht mit Straßenschuhen in die Halle lässt, habe ich einfach
Schuhe und Strümpfe ausgezogen und in meiner Cordhose mitgemacht (die ist so
weit, dass man das fast gar nicht bemerkt hat, dass ich barfuß bin; nur die
Zehen guckten noch ein Stück hervor). Es war aber irgendwie ein angenehmes
Gefühl, auf dem Hallenboden zu laufen (blöde Sprüche gab es keine, weil es
bei uns öfter mal passiert, dass jemand ohne Zeug da ist und barfuß in
Straßenklamotten mitmachen muss).
Vielleicht vergesse ich jetzt öfter mal mein Zeug ... Bye, Sonja (15)
Auch wenn mir aufgefallen ist, dass in diesem
Forum ein großer Teil der Beiträge von Jungen/ Männern kommt, so will ich doch
auch aus meinen eigenen (zugegeben sehr geringen) Erfahrungen erzählen.
Seit
einem knappen Monat bin ich beim Sportunterricht jetzt barfuß dabei und kann
das jedem anderen nur empfehlen, wirklich schlechte Erfahrungen habe ich noch
nicht machen müssen. Anfangs war ich einigen komischen Blicken ausgesetzt, aber
das lag wohl hauptsächlich daran, dass Barfußsport an unserer Schule nicht
üblich ist (in die Halle darf man zwar offiziell nicht mit Schuhen, aber viele
halten sich nicht daran, was ich vor allem an meinen schmutzigen Fußsohlen
sehen konnte).
Meine Mitschülerinnen haben meine nackten Füße bald nicht mehr
beachtet, und ein paar haben mich heute gefragt, was für ein Gefühl das sei.
Nach meinem positiven Bericht haben dann zwei meiner Freundinnen beschlossen, es
auch einmal zu versuchen, und sie waren angenehm überrascht und erklärten,
auch nächstes Mal wieder barfuß zu laufen.
Die männlichen Kollegen dagegen
haben nur auf meine Füße gestiert, aber keine Fragen gestellt oder sich sonst
irgendwie dafür interessiert.
Ich freue mich aber darauf, in der nächsten
Sportstunde nicht mehr die einzige mit nackten Füßen zu sein, denn trotz allem
kostet es mich immer noch Überwindung, gegen den "Gruppenzwang" des
Schuhetragens zu verstoßen (Ich habe nach wie vor ein Paar Schuhe im Gepäck).
Ich habe übrigens auch angefangen, zu Hause barfuß zu laufen, obwohl ich
darauf achte, mir keine kalten Füße zu holen. Vielleicht überwinde ich mich
nächsten Sommer mal dazu, auch barfuß auf die Straße zu spazieren ... Kerstin
Hi Kerstin, klasse, dass du konsequent
geblieben bist.
[beim Sportunterricht
barfuß dabei und kann das nur empfehlen, wirklich schlechte
Erfahrungen habe ich noch nicht machen müssen ]
Noch nicht mal eine Blase ?
Das ist's nämlich nach meiner Erfahrung, was viele nach einem Versuch abhält
weiter barfuß Sport zu machen.
Deshalb ist es wohl nicht so günstig, wenn
jemand bei Badminton oder so mit barfuß anfangen will. Was macht ihr denn gerade
im Sport?
[schmutzige Fußsohlen]
Eigentlich finde ich etwas Schmutz an den Sohlen auch nicht tragisch, aber wenn
der Boden zu dreckig ist, wird es halt zu rutschig und dann ist es schon ein
Problem.
Hast du das mal deinem Lehrer gesagt ? Denn die Sportlehrer sollten ja
drauf achten dass die Leute keinen Dreck in die Halle schleppen.
[Nach
positiven Bericht haben zwei Freundinnen beschlossen, es auch einmal
zu versuchen, und waren angenehm überrascht und erklärten, auch nächstes
Mal wieder barfuß zu laufen]
Da sieht man es mal wieder: wenn eine(r)
anfängt, werden andere auch neugierig und ziehen nach. Darf man gespannt sein,
ob deine Freundinnen bei ihrer Ankündigung bleiben und ob ihr dann noch mehr
Barfüßer(innen) werdet.
Wenn andere
jetzt mitmachen, willst du die Turnschuhe dann nicht gleich zuhause lassen? Ich
hatte eine ganze Zeit lang gar keine mehr, da stellte sich die Frage dann
natürlich nicht mehr.
[Vielleicht
überwinde ich mich nächsten Sommer dazu, auch barfuß auf Straße zu spazieren]
kann ich dir nur empfehlen. Ich bin die letzten beiden Sommer oft
barfuß unterwegs gewesen, auch zur Schule. Da waren auch dieses Jahr deutlich
mehr Leute barfuß als sonst.
Aber weil es bis zum nächsten Sommer noch lange
dauert, ist es doch toll, eine beheizte Turnhalle zum Barfußlaufen zu haben,
oder? ciao, Sandra
Hallo Sandra, nein, eine Blase habe ich mir noch nicht gelaufen, obwohl ich
kaum Hornhaut habe. Das hätte meine Begeisterung dann wahrscheinlich doch ein
wenig ins Wanken gebracht, gebe ich ehrlich zu.
Bei uns im Sportunterricht
machen wir zur Zeit Gymnastik und Bodenturnen, manchmal auch etwas Lauftraining,
aber nichts, was meine Fußsohlen zu stark beanspruchen würde. Das mit dem
schmutzigen Hallenboden wird sich kaum ändern lassen, fürchte ich, solange wir
Barfußläuferinnen (bis jetzt sind wir nur Mädchen) keine größere Gruppe
sind, denn ansonsten fühlt sich niemand betroffen und folglich auch niemand
verantwortlich (leider ist das so an unserer Schule).
Viele Grüße Kerstin
Überwinde Dich ruhig, Kerstin. Auch außerhalb
des Sportunterrichts. Es ist super! Und wenn es in Deutschland zu viel des Mutes
braucht, dann mach einfach mal Urlaub im Südpazifik (z.B. Neuseeland oder
Australien).
Hier wärst Du in bester Barfuß - Gesellschaft, und bräuchtest überhaupt keinen Mut dazu, auch barfuß einkaufen zu gehen... oder zu einer
Behörde... oder in die Schule. Marc (AUS)
Da bist Du ja schon als Trendsetterin erfolgreich gewesen! Es ist eben gar nicht so schwierig und auch erfolgversprechend, eine gewisse Standfestigkeit gegen einen Gruppenzwang zu entwickeln, der sich mehr in unseren Köpfen als in der Realität abspielt. Lorenz
Hallo zusammen, ich bin jetzt seit einem Monat
im Sportunterricht barfuß dabei und habe, wie sich heute und letzte Woche
herausgestellt hat, schon zwei Freundinnen überzeugt, es mir gleichzutun.
Obwohl das Barfußlaufen im Sport anfangs ziemlich ungewohnt war, finde ich es
mittlerweile richtig angenehm, einmal in der Woche für 90 Minuten aus den
Schuhen zu kommen. Aber das habe ich ja schon erzählt.
Seit wir aber von Anfang an zu dritt barfuß Sport machen, ist auch unsere
Lehrerin auf uns aufmerksam geworden. Sie meinte zu uns, wir hätten ja bereits
eine kleine "Barfuß - Fraktion" gegründet. Sie schien nichts dagegen
zu haben, dass wir barfuß Sport machen.
Da sie sich aber dafür zu interessieren schien, sprachen wir sie darauf an,
dass unsere Sporthalle immer so schmutzig ist. Mir persönlich macht das nicht
soviel aus, solange ich die Füße hinterher waschen kann, aber meine Freundin
Natascha findet den Dreck an ihren Füßen ziemlich eklig (um so toller finde
ich es, dass sie trotzdem mitmacht). Aber unsere Lehrerin meinte, es sei kaum zu
erwarten, dass man wegen drei Leuten die Halle putzt. Sie meinte es nicht böse,
aber wir waren trotzdem ziemlich sauer. Wenn "Gefahr" bestünde, dass
die anderen schmutzige Schuhe bekämen, würde sicher sofort etwas unternommen.
Kerstin
Hoi Kerstin Deine Beiträge veranlassen auch
mich wieder mal nach langer Zeit, wieder einen Beitrag hier im Forum zu posten !
[Mir macht das nicht soviel aus, solange die Füße hinterher
waschen kann, aber Freundin findet Dreck an Füßen eklig]
Es ist ja mehr als logisch, dass man als BarfußläuferInnen
die Fußsohlen äußeren Einflüsse aussetzt (eben wie Schmutz, Dreck, aber auch
Hitze, Kälte und allen möglichen arten von Böden). Gerade etwas schmutzige Füße
gehören doch einfach zum Barfußlaufen, Hauptsache, man kann sie wie erwähnt,
wieder waschen.
Würde man das Barfußlaufen nur auch jene Böden beschränken,
wo die Füße sauber bleiben, ist der Radius doch sehr eingeschränkt. Spency
Hi Kerstin! Also erst einmal zu den dreckigen Turnhallen: Ich finde es auch
nicht toll, barfuß in einer knietiefen Staubschicht zu trainieren, aber leider
spart unser Staat am Bildungssystem und deswegen werden Schulen und Unis sowie
deren Turnhallen nur noch einmal im Monat geputzt. Ich kann mich dunkel daran
erinnern, dass so was einstmals selbstverständlicherweise täglich geschah, aber
die Zeiten sind wohl vorbei.
Ich weiß inzwischen, wo bei uns in der Turnhalle
die Putzutensilien versteckt sind und fege die Halle meistens vor dem Training
durch, richtig putzen ist mir dann doch etwas zu aufwendig. Übrigens geht der
Dreck ganz prächtig von den Füßen wieder runter, wenn man nach dem Sport
duscht.
Aber noch eine kleine Kuriosität am Rande: neulich hat mir doch tatsächlich
die Ballett - Übungsleiterin, die die selbe Halle nutzt wie wir, weismachen
wollen, dass wir Kampfsportler an dem Dreck in der Halle schuld seine, da wir ja
barfuß trainieren und deswegen unseren ganzen Schweiß in der Halle verteilen. Na ja, ich nehme die gute Frau ohnehin nicht ernst (aus anderen Gründen), aber
ich habe sie dann doch mal gefragt, wie wir Barfüßer eigentlich Dreck in die
Halle bringen könnten, da wir ja normalerweise nicht barfüßig anreisen und
uns im Zweifel vorm Training die Füße waschen, aber was soll's, das war eh zu
hoch für sie.
SchnaXeL
Kürzlich habe ich gelesen, dass die Kinder zu steril aufwachsen und deshalb als Erwachsene häufiger als früher unter Hautkrankheiten und Allergien leiden und es sinnvoller sei die Kinder im Dreck aufwachsen zu lassen. Somit hat doch die Sparsamkeit des Staates und der damit verbundene Dreck in den Schulen noch einen positiven Effekt. Lothar
Hi Lothar! Ich kann mir kaum vorstellen, dass ausgerechnet dies der Grund für die übertriebene Sparsamkeit bei der Sauberkeit ist, zumal das Argument eigentlich nur für Kindergärten und Grundschulen anzuwenden ist. Wenn Kinder, die mit der Sagrotanflasche großgezogen wurden, es einmal bis auf eine Weiterführende Schule geschafft haben, ist es zu spät, sie an die ganz normalen Keime des ganz normalen Lebens heranzuführen. SchnaXeL
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Für
Kerstins Mutter ist Barfußlaufen ein Zeichen von Armut geblieben
(Forumbeiträge seit Herbst 2000)
Wie ich vor einiger
Zeit schon geschrieben habe, bin ich vor meiner eher zufälligen
Barfußerfahrung fast nur mit Schuhen und Strümpfen herumgelaufen, auch zu
Hause.
In den letzten Wochen habe ich angefangen, auch zu Hause barfuß zu
laufen (bei uns ist gut geheizt). Das ist meiner Mutter natürlich nicht
entgangen.
Als sie mich darauf ansprach und ich ihr daraufhin erzählte, dass
ich neuerdings auch barfuß Sport mache, schien sie doch ziemlich geschockt. Wir
hätten doch mehr als genug Geld für Sportschuhe, und auch fürs Haus könne
ich mir was Nettes kaufen.
Es fiel mir schwer, ihr klarzumachen, dass ich
barfuß laufe, weil ich mich so freier fühle, und als ich mit ihr darüber
sprach, erfuhr ich auch warum: Meine Mutter hat als Kind bis ins Alter von 14
Jahren barfuß laufen müssen, wann immer das Wetter es erlaubte, um ihre Schuhe
zu schonen, weil kein Geld für neue da war (meine Mutter stammt aus einer sehr
ländlichen Gegend in Südbayern, wo nach dem Krieg große Armut herrschte).
Für sie ist Barfußlaufen ein Zeichen von Notstand und
Armut, und darum kann
sie nicht verstehen, dass man es tun kann, weil man sich dabei wohl fühlt.
Es
wird wohl noch einige Zeit dauern, bis ich sie überzeugt habe, falls ich das
überhaupt schaffe. Schließlich sind meine eigenen Barfußerfahrungen noch
nicht besonders groß.
Aber ich glaube, dass auch sie der ganzen Sache positiver
gegenüberstehen würde, wenn sie erst einmal sieht, dass ich mich dabei gut
fühle. Vielleicht probiert sie es dann selbst einmal aus (wie ihr sicher
erraten habt, ist meine Mutter niemals barfuß unterwegs, weder draußen noch im
Haus; ich habe das wohl von ihr übernommen), aber sie mit Gewalt dahin zu
drängen erscheint mir nicht die richtige Lösung.
Was denkt ihr darüber? Viele
Grüße Kerstin
[vor eher zufälligen Barfußerfahrung fast nur mit Schuhen
und Strümpfen herumgelaufen, auch zu Hause ]
Ein typisches Beispiel, wenn die
Eltern die Kinder von klein an dazu erziehen, immer mit Socken und Hausschuhe
herumzulaufen, braucht es einfach früher oder später den "Klick", um
von dieser "Unsitte" abzukommen
[ Für sie ist Barfußlaufen
Zeichen von Notstand und Armut, und darum kann sie nicht verstehen, dass man es
tun kann, weil man sich dabei wohl fühlt ]
Da spielt die Psychologie eben
stark mit. Barfußlaufen war ein Zeichen der Armut, was sich im Kopf und Denken
deiner Mutter festgesetzt hat. Sie empfand ihre Barfußzeit (weil eben
auferzwungen und nicht freiwillig) als negatives Erlebnis, so dass es auch heute
gar nicht mehr möglich sein wird, wieder einen positiven Aspekt zu finden, sie
kann und will sich barfuß nie mehr "wohl fühlen".
Ich glaube, es ist
wesentlich einfacher, Deine Barfußfraktion in der Schule zu vergrößern, als
deiner Mutter ein paar Meter im Haus barfuß zuzumuten.
Versuche nicht, Deiner
Mutter "mit Gewalt" das Barfußlaufen beizubringen, denn sonst geht
ihr auf Konfrontation und sie wird versuchen, dir das Barfußlaufen "zu
verbieten".
Dir weiterhin viel Spaß beim Schulsport, und wer weiß,
vielleicht im nächsten Sommer auch anderswo Spency
[ Mutter hat als Kind bis ins Alter von 14 Jahren
barfuß laufen müssen, wann immer Wetter es erlaubte, um Schuhe zu
schonen, weil kein Geld für neue da war]
Für Deine Mutter ist Barfußlaufen sehr stark mit der in der Kindheit
erlittenen Armut verknüpft. Jahrelang wird sie es wohl als demütigend erlebt
haben, dass andere Kinder bereits ausreichend Schuhe bekommen konnten. Und
vielleicht wurde sie von denen auch noch verspottet ...
[ Für sie ist
Barfußlaufen Zeichen von Notstand und Armut, und darum kann sie nicht
verstehen, dass man es tun kann, weil man sich dabei wohl fühlt. Es wird einige Zeit dauern, bis ich sie überzeugt habe, falls ich das überhaupt
schaffe ]
Man hat heute dank des Wohlstands die Wahlfreiheit zwischen barfuß
und Schuhen -- kein vernünftiger Mensch wird noch annehmen, dass Du aufgrund
von Armut barfuß läufst.
[Schließlich sind eigenen Barfußerfahrungen
noch nicht groß. Aber ich glaube, dass sie Sache
positiver gegenüberstehen würde, wenn sie sieht, dass ich mich
dabei gut fühle. Vielleicht probiert sie es dann selbst aus, aber sie mit Gewalt
zu drängen erscheint mir nicht richtige Lösung]
Ganz sicher sollte niemand
gedrängt werden! Weder zu baren Füßen, noch zu Schuhen!
Für Deine Mutter
wäre ein Barfußpark wie in Dornstetten oder Bad Sobernheim genau das Richtige
-- vielleicht kommt ihr da mal auf der Durchreise vorbei. Dann kann sie erleben,
wie viele Leute mit größtem Vergnügen diese Freizeitvariante der
Wohlstandsgesellschaft erleben.
Für
regelmäßige Barfußgeher bedarf es dieser Einrichtungen natürlich nicht, denn
die ganze Welt ist ein Barfußpark ...
Viele Grüße, Lorenz
Ich denke, der Versuch, Deine Mutter
vom Barfußgehen zu überzeugen, ist relativ aussichtslos. Bei ihr weckt das
Gefühl des Bodens unter den bloßen Fußsohlen eben unangenehme Erinnerungen an
eine harte Zeit.
Solange sie trotzdem verstehen kann, dass es für Dich etwas
wahnsinnig angenehmes ist, solltest Du Dich da nicht weiter dran stören.
SchnaXeL
Mal ein anderer Vergleich
Hallo Kerstin, hallo zusammen, das barfuß = arm -
Motiv wird immer wieder mal bemüht, auch von den Medien, die zum Beweis eher
karger Lebensverhältnisse gern darauf hinweisen, dass die Kinder barfuß gehen.
Im Falle Deiner Mutter ist die Empfindung leicht nachvollziehbar. Ohne Euch zu
kennen wäre es auch schlechte Kaffeesatzleserei prognostizieren zu wollen, ob
und wenn ja mit Argumenten etwas aufzubrechen ist.
Tatsächlich aber wird kein
vernünftiger Mensch in Mitteleuropa glauben, jemand könne sich keine Schuhe
leisten - schon deshalb, weil sie im Grunde ja spottbillig (geworden !) sind -
für 29 DM bekommt man schließlich schon recht manierlich aussehende.
Wenn es
dennoch behauptet wird, ist derjenige ein Idiot (auf dessen Meinung man eh
nichts geben sollte) oder (wahrscheinlicher) ein Provokateur.
In beiden Fällen
empfiehlt sich übrigens m. E. souveränes Schweigen und Ignorieren.
Man kann
den Sachverhalt übrigens - wie hier mehrfach dargestellt wurde - auch dadurch
recht leicht klarstellen, dass man ansonsten ganz normal gekleidet ist (muss
meiner Meinung gar nicht betont gepflegt sein), da weiß auch gleich jeder, dass
der Klamottenetat für Schuhe durchaus auch noch reicht.
Unabhängig also von
der Frage, ob es Dir in der Diskussion mit Deiner Mutter nützen würde, möchte
ich aber noch einen anderen Vergleich anbringen:
Fleisch zu essen, war in der
Vergangenheit auch ein Zeichen von Wohlstand, zumal Tierbestände oder
Pökelsalz abgabenpflichtig waren. Umgekehrt war also die ausschließliche
Ernährung aus pflanzlichen Produkten ein Zeichen von Armut.
Und wer
verdächtigt heutzutage Vegetarier, zu arm zu sein, um sich Fleisch kaufen zu
können ? Auch nur Idioten oder Provokateure.
Wer mit dem Fahrrad fährt statt
mit dem Auto, könnte sich dem Verdacht aussetzen, zu arm zum Tanken zu sein; wer
mit der Hand schreibt statt mit dem Computer wäre zu arm für moderne
Kommunikationstechnologie - und meine Familie ist ohnehin zu arm für
ordentliches Kommunizieren (meine Frau verteidigt energisch unser
Wählscheibentelefon gegen alle Neuerungen).
Ach ja : Und wer selbst denkt, ist
übrigens zu arm, um denken zu lassen.
Spaß beiseite : es kommt darauf an klar
zu machen, dass die Gleichsetzung barfuß = arm in bestimmten Kontexten
zutreffend sein mag.
In einem Land, in dem jeder Anspruch auf Sozialhilfe mit
Kleiderzuschuss hat, der über kein eigenes Einkommen verfügt, und in dem
Schuhe kaum teurer sind als ein warmes Mittagessen im Gasthaus, ist die
Gleichsetzung einfach nur Quatsch.
Serfuß Georg
Hallo Kerstin, ich glaube, das Gewöhnen der Mutter an das Barfußlaufen der
Tochter ist ein allmählicher Prozess und kann gar nicht von heute auf morgen
geleistet werden.
Wenn Deine Mutter "nur" vom dabei aufsteigenden Armut - Gefühl beeinträchtigt wird, ist dies
m. E. noch positiv zu werten.
Ich
selbst habe das Pech, dass meine Eltern das Barfußlaufen seltsam finden und
überdies außerhalb der Natur als sehr stark imageschädigend einstufen. Und
dies wird mir weiterhin überdeutlich und mit starken Emotionen klar gemacht,
und es besteht schlicht keine Chance, das zu ändern.
Daher wünsche ich Dir
sehr, dass die "Image - Komponente" bei Deiner Mutter möglichst wenig
mit hereinspielt und sie im Grunde genommen ein natürliches Verhältnis zum
Barfußlaufen hat. Dann dürfte es mittelfristig kein Problem sein, ein
tolerantes Verhalten ihrerseits zu "erarbeiten".
In diesem
Zusammenhang wünsche ich Dir im Umgang mit Deiner Mutter eine behutsame Hand
und sozusagen "geduldiges Vorleben", dass "es" gut geht und
- vor allem - Dir guttut.
Wenn allerdings ähnliches der Fall ist wie bei meinen
Eltern, wirst Du umso stärkere Nerven brauchen, je weiter Du Deinen "Barfuß
- Aktionsradius"
ziehst. Ich habe mich selbst für über ein Jahr weitgehend "befreien"
(= praktisch nur noch barfuß sein) können, bin in diesem Spätsommer/ Herbst
aber wieder "eingeknickt".
Ich wünsche Dir schließlich, dass Dir
letzteres erspart bleibt!
Aber vielleicht gehen Deine Barfuß - Bedürfnisse ja
auch gar nicht so weit wie die meinen!
Viele Grüße, MarkusII
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