Lorenz Barfußerfahrungen im Beruf
(Forumbeiträge seit Herbst 1998)

Hallo, ihr Freiheitskämpfer für die Füße,
Leider ist barfüßiger
Naturgenuss in dieser Jahreszeit nur noch minutenweise möglich. Um so mehr profitiere ich nun davon, dass ich mir das Gewohnheitsrecht erworben habe, barfuß in meinem Büro zu sein. Das ist für einen Chemiker bei einem großen Pharmakonzern sicher ungewöhnlich, denn in der Wirtschaftswelt sind doch mehr oder weniger strenge Kleiderordnungen üblich, nach denen bloße Füße als unpassend gelten. Da ich in Forschung und Entwicklung beschäftigt bin, wo es keinen Kundenkontakt gibt, ist die Kleidungsordnung jedoch kein so heißes Thema.
Solange ich im Labor arbeitete, waren Laborkittel und Sicherheitsschuhe vorgeschrieben - barfuß kam natürlich nicht in Frage. Vor einigen Jahren kamen dann meine Bosse auf die Idee,
dass ich künftig am Computer arbeiten und den Datensalat meiner Kollegen sortieren sollte.
Ich bekam dann mein Büro in einem alten Zweifamilienhaus (mit verwildertem Garten) neben dem Werksgelände, in dem auch die anderen EDV-Leute hausten. Als es Sommer wurde, sah ich,
dass der Netzwerkadministrator seinen Job barfuß tat. Auch aus dem Nachbargebäude kam ein Kollege des öfteren barfuß auf den Hof. Nach anfänglichem Zögern (würden mich meine Chefs noch ernst nehmen??) ließ ich mich dann doch bereitwillig anstecken - und bei heißem Wetter machten es gelegentlich noch einige Damen nach.
Offensichtlich werden Barfüße bei Angestellten im EDV-Dienstleistungsbereich akzeptiert. Auch im Forum der
Dirty- Sole- Society berichten etliche Leute aus diesem Sektor, dass sie beim Job barfuß sein können.
Vor einem Jahr wurde mein Arbeitsplatz wieder in das Werk verlegt. Angeregt durch die DSS war ich frecher als je zuvor, und im Sommer radelte ich barfuß zur Arbeit - durch das Werkstor und über das ganze Firmengelände (inzwischen ist mir's zu kalt dazu). Beim Absteigen vom Fahrrad schlüpfte ich dann in Sandalen, denn auf dem Werksgelände ist mir zuviel chemischer und biotechnologischer Unrat und jede Menge Glasbruch und Metallsplitter verstreut. Auch wurde ich von einem Kollegen ermahnt,
dass die Sicherheits- und Hygienevorschriften im Gebäude Schuhe erfordern.
Aber wenn ich unbeschuht in meinem Büro bin oder in die Nachbarbüros zu meinen Kollegen gehe, wird das eigentlich überhaupt nicht beachtet. Natürlich komme ich auf Dienstreisen und Konferenzen nicht um Schuhe herum, und wenn ich größeren Publikumsverkehr in meinem Büro hätte, gäbe es vielleicht über kurz oder lang eine Rüge. Aber zu mir kommen hauptsächlich Leute, die Hilfe brauchen, und die haben ganz andere Sorgen, als sich um meine Füße zu kümmern. ...

Ja, es ist meist unerwartet einfach, den Füßen die nötige Freiheit zu gönnen - und man macht einfacher Fortschritte, als man denkt! Und viele Menschen sympathisieren damit, auch wenn sie sich meist selbst nicht trauen. Ich habe allerdings gerade einen Rückschlag erlitten: nachdem ich seit einem Jahr (mit Unterbrechung im Winter) barfuß durchs Werkstor zur Arbeit geradelt bin, fiel es dem Pförtner jetzt ein, mich darauf hinzuweisen, dass barfuß fahren auf dem Werksgelände verboten sei. Muss wohl daher kommen, dass ich kurz vorher einem Personalmenschen, der schon früher etwas gegen mich hatte, barfuß über den Weg geradelt bin. Dieser Typ ist schnell dabei, Leute, die er nicht mag, als Fall für den Psychiater abzustempeln. Also mucke ich lieber nicht auf, weil ich meinen Job noch ein paar Jahre behalten will und ziehe ich an der Pforte brav die Birks an, um sie im Büro wieder in die Ecke zu schleudern. Aber ein Jahr lang barfuß in die Firma zu radeln, war schon mal nicht schlecht ...
Zeigt her Eure Füße und tragt keine Schuh´ -- rät euch
Lorenz

Hallo Barfußläufer, heute hatte ich eine ganztägige Besprechung, einen "Entscheidungsworkshop" im Terminkalender. Das hat mich bei dem schönen Wetter ganz schön geärgert und ich beschloss, mir die Sache dadurch angenehmer zu machen, dass ich barfuß hinging.
Da das in einem Kommunikationszentrum an einem anderen Standort der Firma stattfand, musste ich also nicht an der Pforte vorbei, wo ich barfuß nicht durchradeln darf. Obwohl da auch einige Abteilungsleiter und noch höhere Häuptlinge dabei waren, zog ich also diesen Sitzungstag barfuß durch. Und niemand reagierte irgendwie darauf, weder meine Chefs noch andere Teilnehmer - die sind das inzwischen gewohnt (haben das anfänglich Aha - Erlebnis längst hinter sich).
Eine Kollegin, die ich auf dem Weg zum Sitzungsraum traf, sagte nur: "Sie sehen ja heute richtig sommerlich aus!" worauf ich einfach antwortete: "das muss einfach sein, wenn ich bei dem tollen Wetter den ganzen Tag auf Sitzung bin."
Durch die Pfingstferien bedingt waren mittags nur wenige Leute in der Kantine, so dass auch beim Mittagessen keine Gefahr bestand, dass ich dort mit meinen Füßen irgendwelches Aufsehen erregte. Wo sind also die Befürchtungen von wegen Chefs und Kollegen, die in diesem Forum immer wieder geäußert werden ?????
Sicherlich trägt ein sicheres Auftreten dazu bei, dass man als Barfüßer akzeptiert wird - und einige gute Argumente, mit denen man seinen Lebensstil vertritt, wenn man darauf angesprochen wird (was heute nicht der Fall war). Und wenn man im gepflegten Freizeit-Outfit gekleidet ist, sehen braungebrannte Füße auch gut aus - meine ich jedenfalls - wenn sie dazu noch zu dem schönen Wetter passen. Ciao, Lorenz

Ich will deinen Optimismus nicht in Frage stellen, aber deine positiven Erfahrungen lassen sich meiner Meinung nach nur mit erheblichen regionalen Unterschieden in der Barfuß - Toleranz erklären.
Ich bin mir jedenfalls sicher, wenn ich das in meinem Betrieb machen würde, wären mir nicht nur harmlose bis entsetzte Kommentare von Kollegen, sondern wahrscheinlich eine Abmahnung meines Chefs sicher.
Es ist leider einfach so - barfuß laufen ist hier im Großstadt - Einzugsbereich so was von ungewöhnlich und "abnormal", dass es mit Sicherheit nicht ohne weiteres einfach hingenommen würde. Tja, kann man wohl nicht viel machen - höchstens einen Umzug nach Oberbayern ins Auge fassen ....oder hoffen, dass sich entgegen meiner sonstigen Beobachtungen doch mal eine andere Entwicklung ergibt ... Gruß Moritz

[will Optimismus nicht in Frage stellen, aber Erfahrungen lassen sich nur mit erheblichen regionalen Unterschieden in Barfuß - Toleranz erklären]
Und mit individuellen Faktoren, nämlich dass meine Chefs eine naturverbundene Lebensauffassung haben. Mein direkter Vorgesetzter fährt z.B. ein Fahrrad mit "Atomkraft nein danke" - Aufkleber.
[nicht nur Kommentare, sondern wahrscheinlich Abmahnung sicher ]
Ein offizielle Abmahnung ist nur aufgrund eines Verstoßes gegen eine gültige Regel (z.B. Sicherheitsvorschrift) möglich. Dass ein auf Dress Codes uns Formalismen fixierter Chef wegen eines barfüßigen Mitarbeiters ausflippt, ist natürlich gut vorstellbar, dies würde sich aber weitgehend auf Theaterdonner reduzieren.
[leider so - barfuß laufen ist im Großstadt - Einzugsbereich ungewöhnlich und "abnormal", dass es nicht einfach hingenommen würde ]
Diese sichere Ablehnung habe ich auch lange Jahre vermutet! Aber nun findet diese Vermutung keine Bestätigung (noch weiß ich natürlich nicht, was ich vielleicht die nächsten Arbeitstage zu hören bekomme).
[hoffen, dass sich doch mal andere Entwicklung ergibt]
Das kann dadurch zustande kommen, dass man sich auch im Business - Umfeld ganz allmählich an das "Leben auf freiem Fuß" herantastet. Z.B. dass man mal auf einem Betriebsausflug ein geeignetes Stück Weg barfuß zurücklegt und den staunenden Kollegen dabei erzählt, wie toll barfuß Wandern ist -- oder dass man einen Barfußparcours anbietet, wenn mal ein Firmenfest mit Kinderbelustigung für die Angehörigen stattfindet ...
Mach's gut und möglich oft unbeschuht, Lorenz

Zu meinem heutigen runden Geburtstag haben sich meine Kollegen etwas sehr Nettes einfallen lassen. Bevor ich das Gemeinschaftsgeschenk in Empfang nehmen durfte, musste ich erst eine Prüfung bestehen. Auf dem Tisch lagen die Fotos von neun Paar Füßen, und ich musste die dazugehörigen Personen erraten.
Das war alles andere als leicht! So versuchte ich erst einmal die Füße der vier Frauen zuzuordnen - da ich diese schon öfters in luftigen Sandalen gesehen hatte, schien mir das noch am ehesten erfolgversprechend. Doch den Nagellack vom Sommer hatte leider keine der Damen mehr dran, so galt es also erst mal die Frauenfüße zu erkennen. Schon dabei lag ich nicht ganz richtig, da ich den schlanken und feingliedrigen Fuß eines männlichen Kollegen ins weibliche Kollektiv einordnete.
Nachdem das unter großem Gelächter richtiggestellt wurde, gelang es mir dann, die vier Damen und drei der Herren richtig zuzuordnen. Eine Verwechslung wurde mir gnädig nachgesehen, und ich bekam endlich mein Geschenk (es waren keine Schuhe....)
Mich hat es sehr gefreut, wie nett und humorvoll meine Kollegen mit meinem Drang zum "Leben auf freiem Fuß" umgehen. Sogar unser Hauptabteilungsleiter (immerhin im Rang eines Prokuristen) hat dafür seine bloßen Füße fotografieren lassen.
Für "barfuß im Büro" muss man nur die richtigen Kollegen und Chefs haben! Ciao, Lorenz

Hallo Barfußläufer,
Eine Hauptabteilung unserer Firma hat ein Betriebsfest genau am Ausgangspunkt des Penzberger Barfußpfades veranstaltet, und an mich wurde der Wunsch gerichtet, hierzu eine Barfußführung anzubieten.
Natürlich habe ich das gerne gemacht, zumal sich das Wetter wieder zu milden 18 Grad aufgeschwungen hatte. Und so gingen bei zwei Runden insgesamt 15 Leute von den schätzungsweise 100 Teilnehmern der Veranstaltung mit. Zunächst hatten wir 10 min lang Spaß mit Greif- und Geschicklichkeitsspielen für die Füße, dann ging es über den Pfad.
Wie ich es jedes Mal bei solchen Aktionen erlebe, hatten die Leute beste Stimmung. Obwohl so manche(r) zugab, jahrelang nicht barfuß gelaufen zu sein, hat keiner schlappgemacht und die von einigen mitgetragene Schuhe kamen nicht zum Einsatz.
Ein jüngerer Mann fiel mir dadurch auf, dass er voll Freude über die Wiesen rannte, wie ich es sonst nur bei Kindern kenne. Er sagte mir später, dass er sehr viel barfuß läuft, weil seine Freundin ein Barfußfan ist. Und um bei ihr dranzubleiben, hat er von Anfang an eisern mitgemacht, auch wenn zunächst noch so mancher Stein gepiekst hat. Jetzt ist es für ihn auch selbstverständlich, auf Wald- und Wiesenwegen barfuß unterwegs zu sein.
Auch beruflich wird mir diese Aktion sicherlich nützen, da ich damit unbeschwerten Kontakt zu Leuten bekommen habe, mit denen ich demnächst zu dem schwierigen Thema Dokumentenmanagement zusammenarbeiten muss.
Während andere ihre Barfußleidenschaft vor den Kollegen verstecken, fahre ich sehr gut damit, sie aktiv rüberzubringen!
Macht's gut und unbeschuht,
Lorenz

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