Jörg (Hanna)s Barfuß - Philosophie : "Weil der Mensch ein Herdentier ist"
(Forumbeitrag im Winter 1998 / 99)

Hallo Ihr Barfußhobbyisten, lässt sich die Mehrheit der Bevölkerung überhaupt aus rein gesundheitlichen Gründen zum Barfußlaufen "missionieren"?
Nein, genauso wie die Mehrheit über das Portemonnaie zur regelmäßigen Zahnuntersuchung "gezwungen" werden muss.
Der Mensch lässt sich in manchen Dingen nicht über die reine Vernunft lenken.
So gibt es z.B. jede Menge Raucher, obwohl Rauchen
1. der Gesundheit massiv schadet,
2. teuer ist,
3. abhängig machen kann,
4. die Luft (Tapeten, Gardinen, Möbel, Kleidung, etc.) in Räumen verpestet und
5. bei Nichtrauchern vielmehr Unmut auslösen kann, als ein Barfußläufer bei einem Beschuhten.
Trotzdem wird geraucht, vor allem weil's den meisten Rauchern Spaß macht.
Barfußlaufen macht i.d.R. auch Spaß *und* ist gesund, warum gibt es also nicht viel mehr Barfußläufer als Raucher - zumindest an warmen Tagen? Weil der Mensch ein Herdentier ist!
Beispiel Badesee: Da laufen quasi alle barfuß und manche quälen sich mangels Trainings mit schmerzverzerrten Gesichtern über 100 m vom Liegeplatz zum Seeufer über spitze Steine und stacheliges Gras oder gar Schilf. Dabei könnten sie ja auch mit Schlappen zum See laufen um ihnen erst unmittelbar vor'm Wasser zu entschlüpfen (solche Zeitgenossen gibt es übrigens wirklich, die sind dann immerhin konsequent).
Wenn sich also selbst die empfindlichen Sohlen solche "Qualen" antun, nur weil es situationsbedingt gerade üblich ist, um wie viel mehr würden auch im "normalen" Alltag barfuß laufen, wenn es nicht nur üblich wäre, sondern sie auch noch Spaß daran hätten?
Und da liegt das Problem: Es gibt zu wenig "Vorbilder". Und die, die es gibt, sind sich selbst verstärkende Gruppen und damit sogar noch kontraproduktiv. Wie ihr alle bestätigen könnt, sind im Sommer vor allem junge Frauen barfuß in der Stadt zu sehen, womit andere junge Frauen ermutigt werden, das gleiche zu tun (Selbstverstärkung) während sich in Männern und älteren Frauen fälschlicherweise das Bild zementiert, Barfußlaufen sei nur was für junge Frauen.
Nicht Vernunft oder Vergnügen, sondern in gewissen Mindestmengen vorhandene Vorbilder bestimmen das Verhalten. So entwickeln sich Trends und ganze Mentalitäten und Kulturen.
Ich teile die deutsche Bevölkerung jetzt einfach mal aus barfüßerischer Sicht in vier verschiedene Gruppen ein (Übergänge fließend):
1. Barfußläufer: Dazu zählen fast alle "Aktiven" hier im Forum. Wir laufen in der Öffentlichkeit barfuß rum, wenn uns der Sinn danach steht und haben nur eine geringe Scheu vor den Blicken und Reaktionen anderer (auch wenn es innerhalb dieser Gruppe natürlich auch extrem große Unterschiede angeht, was das Wann, Wo, Wie und Warum angeht).
2. "verklemmte" Barfüßer: Eine wahrscheinlich recht große Gruppe, die gerne genauso wie wir in der Öffentlichkeit barfuß unterwegs wäre, sich aber aus versch. Gründen nicht traut. Die Übergänge zwischen den Gruppen sind natürlich fließend. Schaut uns z.T. neidisch auf die nackten Füße und kann dabei fälschlicherweise als "blöder Gaffer" von uns missverstanden werden. Aus dieser Gruppe lesen wahrscheinlich viele in unserem Forum mit ("Willkommen allerseits!") und posten auch ab und zu mal was ("Barfußlaufen ist mir peinlich"). Die Wahrscheinlichkeit,
dass noch viele von Ihnen auf dieser Seite landen, ist groß. Wenn die Reichweite des Forums groß genug wäre und wir ihnen die Scheu nehmen könnten, wäre Barfußlaufen im Alltag bald so normal wie Rauchen. Die meisten von uns haben wohl früher einmal dieser Gruppe angehört.
3. Ottonormalverbraucher: Der überwiegende Anteil in der Bevölkerung, macht sich keine großen Gedanken über's Barfußlaufen, auch nicht, wenn ihnen nackte Füße an "ungewöhnlichen" Orten begegnet, überlegt höchstens, ob barfuß unter 20° nicht zu kalt ist. Würde aber u.U. im Hochsommer auch barfuß im Supermarkt einkaufen, wenn's üblich wäre. Läuft am Strand und am See barfuß, versucht's auch als Urlauber auf Samoa (weil da ja alle barfuß laufen), stellt aber nach einer halben Stunde fest,
dass seine Füße nicht aufs Dauerbarfußlaufen vorbereitet sind und zieht daher seine Schuhe wieder an. Läuft im Sommer zuhause oft barfuß. Und ist Schuld daran, dass wir immer wieder erstaunt feststellen: "Meine Barfüßigkeit ist kaum einem aufgefallen!" Naturgemäß sehr heterogene Gruppe.
4. Barfußhasser: Wahrscheinlich eine genauso kleine Gruppe wie wir, die nie und nimmer barfuß laufen würde (außer am Strand), die Gründe können verschieden sein: überempfindliche Füße, ästhetische Vorbehalte, Angst vor Killerglasscherben. Sie setzen wilde Gerüchte in Gang ("Barfußlaufen ist unhygienisch") und gaffen doof. Ein Teil von ihnen ist intolerant, will nackte Füße z.B. in Geschäften am liebsten verbieten und macht blöde Bemerkungen. Laut DSS gibt es offensichtlich in den USA von dieser Sorte mehrere Leute. Die Größe dieser Gruppe wird in Deutschland vermutlich überschätzt, was zum Stau beim Übergang von Gruppe 2 zu Gruppe 1 führt.
So, wer bis hierher mitgelesen hat,
muss sehr tapfer und masochistisch sein und darf zur Belohnung demnächst wieder normale Postings von mir lesen, die sich mit meinen eigenen Barfußerlebnissen beschäftigen.
Tolerante und möglichst barfüßige Mitmenschen wünscht Euch Euer Jörg

Hallo miteinander,
an Jörg ein Dankeschön für die ausführliche und sicher richtige Analyse.
Welcher Trend sich da zu welcher Zeit durchsetzen wird, ist kaum vorhersehbar. Als sollten wir zunächst Otto Normalverbraucher dankbar sein,
dass er uns unbehelligt mit unseren Füßen machen lässt, was wir wollen. Dieser nette Typ erlaubt uns jederzeit unbeschwerten Spaß!
Ich habe jetzt einmal meine Meinung zu den baren Füßen in die öffentliche Diskussion auf dem Internet geworfen, um Legenden über Gesundheitsgefahren beim Barfußlaufen zu entkräften. Mir ist klar,
dass in der industrialisierten Welt der Körper gern wie eine Maschine behandelt wird, der man alles bedenkenlos zumutet, denn man kann sie ja im Falle von Funktionsstörungen auf allgemeine Kosten zum Kundendienst im Großklinikum bringen.
Vorbeugemaßnahmen haben in diesem Umfeld einen geringen Stellenwert.
Es ist eher ein zufällig sich verstärkender Trend des Spaß- Barfußlaufens vorstellbar, ob und wann er eintritt, ist völlig offen.
Mit unseren Internet-Aktivitäten vergrößern wir wenigstens seine Chancen.
Serfuß, Lorenz

Hallo Jörg,
soweit kommt's wohl noch,
dass man sich im Forum für gescheite und ausführliche Stellungnahmen entschuldigen muss !
Auf Deine Barfußerlebnisse sind wir aber auch gespannt !
[ Barfußlaufen macht i.d.R. auch Spaß *und* ist gesund, warum gibt es also nicht viel mehr Barfußläufer als Raucher - zumindest an warmen Tagen? Weil der Mensch ein Herdentier ist!]
Ich denke,
dass - neben vielem anderem, z. B. dem Einfluss der (Sport- Schuhindustrie und der in einer werbungsbetonten Gesellschaft bedeutungsvollen Tatsache, dass mit Barfußlaufen niemand Geld verdienen kann (gesunde Zähne brauchen wenigstens Zahnpasta, -bürsten usw.) - die klimatischen Bedingungen bei uns eine wichtige Rolle spielen.
Auffallenderweise sind schließlich nicht Alaska und Sibirien Barfüßerparadiese, sondern Hawaii und die Malediven. Das Herdentier, das an kalten Tagen Schuhe braucht, behält sie auch an warmen an - und zieht sie, wenn überhaupt, erst aus, wenn der Boden unangenehm heiß ist (macht die Sache dann auch nicht attraktiver).
Das ist übrigens mit anderen Kleidungsstücken auch nicht viel anders - besonders bei Männern ...
Rauchen kann man immer und überall, wenn man sich nur über die eigenen und die Bedenken anderer hinwegsetzt.
[um wie viel mehr würden auch im "normalen" Alltag barfuß laufen, wenn es nicht nur üblich wäre, sondern sie auch noch Spaß daran hätten? Und da liegt das Problem: Es gibt zu wenig "Vorbilder".]
Alle Kinder haben Spaß am Barfußlaufen ! Der wird ihnen leider von den Eltern und anderen Bezugspersonen ausgetrieben ("Kind, Du wirst Dich erkälten ... das ist barfuß viel zu gefährlich, Du wirst Dich verletzen ... Du machst Dich ganz dreckig ...").
Silvia, Peter und Rudi haben sehr anschaulich beschrieben, wie sie als Kinder gelernt haben,
dass Barfußlaufen Spaß macht - und also laufen sie - wann möglich - barfuß. Was nicht heißt, dass man es nicht auch später be-"greifen" könnte - aber nicht, wenn man nur über spitze Steine und heißen Asphalt eiert.
Schade
dass wir im Regelfall nicht erfahren, ob unser eigenes Vorbild bei Fremden etwas bewirkt. Wenn mir schon eher beim Wandern Barfußgeher entgegengekommen wären, hätte ich es bestimmt auch viel eher probiert !
[ Ich teile die deutsche Bevölkerung jetzt einfach mal aus barfüßerischer Sicht in vier verschiedene Gruppen ein ... 2. "verklemmte" Barfüßer: Eine wahrscheinlich recht große Gruppe, die gerne genauso wie wir in der Öffentlichkeit barfuß unterwegs wäre, sich aber aus versch. Gründen nicht traut.]
Ich kann vom Gedanken der "virtuellen Selbsthilfegruppe Hobby? Barfuß! Forum" nicht lassen und finde mich in mancher hier gelesener Schilderung darin bestätigt - funktioniert gut ! Nur leider erreichen nicht allzu viele ganz zufällig dieses Forum !
Umso wichtiger Aktivitäten, wie Lorenz sie in den letzten Tagen angeregt hat !
Wer das "Best of" gelesen hat, sollte doch nicht mehr "widerstehen" können !
[ 4. Barfußhasser ... die nie und nimmer barfuß laufen würde ...  Sie setzen wilde Gerüchte in Gang ...  und gaffen doof. Ein Teil von ihnen ist intolerant, will nackte Füße ... am liebsten verbieten und macht blöde Bemerkungen.]
Deiner These folgend können wir unser Verhältnis zu Doofgaffern und ähnlichen Typen dahingehend schärfen,
dass wir sie unsere Verachtung spüren lassen - eine andere Reaktion kann ein solcher Typus ja kaum verdient haben !
[ Tolerante und möglichst barfüßige Mitmenschen wünscht Euch Euer Jörg ]
Wünschen wir uns alle und sollten wir gemeinsam mit guten Argumenten (und die gesundheitsbezogenen gehören für mich allemal zu den besseren !!) und Vorbildverhalten fördern !

Schöne Grüße an alle Barfußlaufen- am- besten- eine- Selbstverständlichkeit- Freaks Georg

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