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Jens
G. stellt barfuß das Mittelalter nach
(Forumbeiträge seit Winter 2002 / 2003)
Ich kann Euch ja mal eine persönliche Anekdote zum Thema
"Barfußlaufen" erzählen.
Eines meiner Hobbies ist Mittelalternachstellung - also, in mittelalterlichen
Klamotten auf Mittelaltermärkten eine gute Figur machen. Da es gerade damals
absolut nichts ungewöhnliches war, barfuß durch die Weltgeschichte zu laufen,
ist es für mich und andere Darsteller eigentlich keine Frage, dass man die
teuren Repliken für die Füße einfach zu Hause oder (für den Fall der Fälle)
im Rucksack lässt. Nun habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht in der
Gewandung, in der ich auch auf dem Markt herumlaufen werden, bereits
hinzufahren.
Vor zwei Jahren, es war ein heißer Junitag, meine Hornhaut an den Füssen war
gut entwickelt, also habe ich mich zu Hause in Gewandung geworfen, die Schuhe
nur mitgenommen und bin barfuß zur U-Bahnstation gestiefelt (nettes Wortspiel,
oder?). Ich stand da also nun und sah aus wie ein Mann aus dem 11. Jahrhundert.
Auf dem Bahnsteig wartete auch eine Mutter mit ihrem Kind. Wer ein solches Hobby
hat, macht sich oft einen Spaß daraus, die Reaktionen der Leute, die natürlich
oft etwas verstört sind, weil sie nicht unbedingt einen Wikinger oder einen
Chatten in der U-Bahn erwarten, zu beobachten. Und so stellte ich mich in der
Nähe der beiden auf und wartete.
Die Mutter war fleißig dabei mich aktiv zu ignorieren. Ihr Kind nicht. Das
kleine Mädchen starrte mich sehr intensiv und sehr fragend an. Irgendwann
blickte es an seiner Mutter hoch und fragte: "Du
Mama? Warum hat denn der
Mann da keine Schuhe an?"
Die Mutter, die genau so eine Frage befürchtet hatte, entgegnete so kurz
angebunden wie nur irgends möglich: "Weiß ich nicht, mein Schatz,
vielleicht ist ihm einfach nur heiß!"
Liebe Grüße,
Jens G. aus HH :)
Hallo Jens,
[Mutter war dabei mich aktiv zu ignorieren. Kind nicht. "Du Mama? Warum
hat denn der Mann da keine Schuhe an?" Mutter entgegnete "Weiß nicht,
vielleicht ist ihm heiß!"]
Ich bin da inzwischen so frech und spreche die Leute an, erkläre kurz, warum
ich sehr viel barfuß gehe -- und frage dann die Kinder ganz direkt, ob sie auch
gerne barfuß gehen. Die bejahen das meistens freudig und dann kann man fragen,
ob sie im Kindergarten auch schon mal einen Fußfühlpfad gehabt haben oder
ihnen von Barfußparks und Fußgymnastik
erzählen. Sollten sich bei diesen Themen Schweißperlen auf den Stirnen der
Mütter bilden, so ignoriere ich das großzügig ;-)
Meist geben sich jedoch nette Gespräche, weil ich das Thema in keiner Weise
provokant oder dogmatisch angehe und auch zu ängstlichen Mutterherzen den
Zugang finde.
Man muss den Leuten einen Rahmen aufzeigen, in dem sie Barfußaktivitäten gut
finden können, ohne sie zum Sprung über den eigenen Schatten zwingen zu
wollen!
Mach's gut und unbeschuht, Lorenz
[muss Leuten Rahmen aufzeigen, in dem sie Barfußaktivitäten gut finden
können, ohne Sprung eigenen Schatten zwingen zu wollen]
Ich habe einen beraten, der Liverollenspiel machen wollte und eines der
größten Probleme, gerade für Anfänger, sind die Schuhe. Bundeswehrstiefel
eignen sich für Mittelalter/Fantasy-Spiele eigentlich ganz gut, aber die hat ja
nun nicht jeder. Und über "Turnschuhritter" lachen alle.
Mein Tipp war: lauf barfuß, ist schließlich Sommer. Als er mich entsetzt
ansah, habe ich ihn den Tipp gegeben, mal 2 Tage hintereinander barfuß über
Rollsplitt oder steinige Wege zu laufen. Danach tut's etwa eine Woche weh und
danach nicht mehr und man ist stolzer Besitzer einer widerstandsfähigen
Hornhaut. Er sah mich an, als würden seine Füße jetzt schon wehtun.
Soweit ich weiß, hat er zwar die Rollsplittübung nicht gemacht, ist aber
dennoch barfuß auf dem Spiel herumgelaufen. Kommentar: "Nach einem halben
Tag war's gar nicht mehr so schlimm..."
Jens
[barfuß auf Spiel. Kommentar: "Nach halben Tag war's nicht mehr
schlimm ..." ]
Normale Menschen sind lernfähig und passen sich ohne Schwierigkeiten der
Situation an. Barfußlaufen ist gar nicht so sehr eine Frage der Hornhaut,
sondern des Bewegungsgefühls. Wer Schuhe gewohnt ist, tritt barfuß im ersten
Moment so ungeschickt auf, dass es wehtut. Aber wenn man bereit ist, die neue
Situation zu akzeptieren, klappt schon nach 20 min das richtige Laufen mit
sachtem Abrollen und aktiverem Einsatz des Vorderfußes hervorragend und man
lebt problemlos auf freiem Fuß, wie es uns angeboren ist.
Schöne Füße, Lorenz
[Liverollenspiel, eines der größten Probleme, gerade für Anfänger,
sind Schuhe]
Interessant. Vor einigen Jahren, noch bevor ich dieses Forum kennen lernte, hatte
ich einzig und allein um barfuß laufen zu können die Idee, mich an LARPs zu
beteiligen. Außerdem erhoffte ich mir Einblicke in diverse Burgen, aber das war
ein sehr untergeordneter Aspekt.
Ich hatte mit 13, 14 Jahren recht regelmäßig, aber ohne große Ambitionen, mit
Freunden und Bekannten Stift-und-Papier- Rollenspiele wie MERS oder AD&D
gespielt und meinte daher, mich mit der Materie anfreunden zu können.
Mein erster Mailkontakt mit einem Liverollenspieler war jedoch eher
ernüchternd, weil mein Gegenüber ob meines Ansinnens doch etwas befremdet war.
Nun ja. Vermutlich hätte ich das ohnehin nicht lange gemacht, denn es wäre nur
Mittel zum Zweck gewesen, und das "weil es geht" als Begründung
gefällt mir viel besser. Hält Kopf und Füße frei...
Schöne Grüße aus der Hellwegstadt in die Hansestadt,
Michael (wat)
Beim Nachdenken ist mir wieder ein Vorfall eingefallen, den ich hatte, als
ich noch im Studentenwohnheim wohnte.
Im Haus bin ich eine Zeit lang grundsätzlich barfuß rumgelaufen. Die anderen
(wir Studenten haben ja schließlich alle eine Klatsche) haben sich relativ
schnell dran gewöhnt. Nur eine nicht. Sie hat sich aufgeregt bis sie puderrot
war, dass ich barfuß in deren Gemeinschaftsküche gegangen bin um mit Leuten zu
quatschen. Begründung: "Das ist unhygienisch!"
Ich habe versucht ihr klarzumachen, dass ich in der Regel nicht mit meinen
Füßen sondern mit meinen Händen esse und dass das bei dieser
schweinedreckigen Küche höchstens mein Problem sei. Das war alles nicht
überzeugend für sie. Was machst Du da?
Jens
[barfuß in Gemeinschaftsküche. "Das ist unhygienisch!" Ich
habe versucht klarzumachen, dass ich nicht mit Füßen sondern mit Händen esse
und dass das bei schweinedreckigen Küche mein Problem sei. Das war nicht
überzeugend]
Wenn jemand mit solchem verbissenen Elan für seine Vorurteile kämpft, kann man
es glatt vergessen.
Mir ist die Hygienediskussion in dieser Weise noch nicht aufgehängt worden. Ich
würde sagen, dass meine Füße kaum dreckiger sind als meine Hände, aber
sicher nicht so dreckig wie Schuhe, mit denen so mancher durch Hundehäufen
gestiefelt ist und es nicht gemerkt hat. Und ich würde fragen, wer denn hier
für die Desinfektion der Türklinken sorgt, die seuchenhygienisch mit
Sicherheit mehr bringt als das Tragen von Schuhen ;-)
Schöne Füße, Lorenz
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Ich hatte das Glück, diesen Winter nach Südspanien fahren zu dürfen, um im
Ferienhaus meines Onkels wohnen zu können. Natürlich mit Onkel, Tante, auch
meiner Oma und 2 Cousins (22 u 7 Jahre). Für alle, die mich noch nicht kennen,
ich bin auch 22.
Nun als anfangender Barfußläufer dachte ich mir, das wird eine super
Gelegenheit bei den dortigen Temperaturen soviel wie möglich ohne Schuhe zu
laufen. Natürlich nahm ich alle meine Schuhe, die ich sonst in den Urlaub
mitnehme, auch mit.
Dort angekommen freute ich mich über Tagestemperaturen im Schatten im Mittel
zwischen 18-25 Grad. In der Sonne natürlich entsprechend um einiges wärmer und
davon hatten wir auch reichlich. Also habe ich eigentlich gleich an meinem
ersten Urlaubstag angefangen die Schuhe so weit es geht wegzulassen.
Das begann schon beim Frühstück. Jeder hatte Schuhe oder Pantoffeln oder so
an. Na ja, keiner sagte was, obwohl die Fliesen im Haus nicht gerade warm waren.
Später dann draußen so um die Mittagszeit im Garten und auf der Terrasse auch
barfuß gewesen. Wo dann schon meine Oma sagte, oh mir wär' das zu kalt auf dem
Boden hier, da hätt' ich ruck zuck ne Erkältung. Meine Tante stimmte dem zu,
ich erwiderte erst mal nix, außer dass ich sagte, mir sei nicht kalt.
Später spielte ich auf dem Rasen mit meinem kleinen Cousin 'ne Runde Fußball.
Ist auch ein sehr angenehmes Gefühl! Trotzdem nicht ungefährlich, wenn im
Eifer des Gefechts etwas härter zugetreten wird, aber so etwas zum 'rumkickern
auf jeden Fall empfehlenswert.
Na ja, bei dem Anblick sagte auch niemand was. So ging das über den Tag über
weiter und weiter. Abends wurde es natürlich auch da recht frisch, vor allen Dingen
sobald die Sonne untergegangen war. Es verzogen sich alle ins haus,
einschließlich mir. Dort dachte ich aber auch nicht daran mir irgendwelche
Schuhe anzuziehen und blieb so.
Abends vorm Fernseher saß meine Tante da mit dicken Wollsocken und noch einem
paar Socken oben drüber. Sie meinte: "Du holst Dir noch den Tod, 3 von
uns sind schon erkältet und du läufst den ganzen Tag leichtsinnig barfuß.
Morgen liegst Du flach."
Da wurde mir es dann etwas zu bunt und ich erwiderte: "Ich mache das
öfter, ich bin das gewöhnt und deshalb werde ich net so schnell krank wie Du
und friere auch nicht ständig." Auch mein Onkel schaltete sich dann ein
und meinte, ja ja mir was von Abhärtung erzählen wollen, das kommt dann alles
im Alter raus mit Rheuma und so...
Die weiteren Tage verliefen ähnlich, obwohl nie böse Worte fielen. Sondern nur
diese ständigen skeptischen Bemerkungen.
Ich habe natürlich immer Schuhe angezogen, wenn wir essen gegangen sind oder
Bekannte dort besucht haben. (Onkel und Tante sind sehr reich, da gebührt es sich
auch meiner Meinung nach nicht, barfuß in teuere Restaurants zu gehen)
Die Krönung war dann irgendwann als ich mit meinem kleinen Cousin ( 7 Jahre)
zusammen die Strasse gekehrt habe, ich natürlich barfuß, es war ja warm und
der Asphalt von der Sonne auch angenehm warm. Mit einem viel zu kurzen Besen
für meine Größe hab ich da 35m Straße gekehrt, die Folge waren starke
Rückenschmerzen danach, weil ich sowieso schon seit einigen Jahren sehr
verkrümmte Lendenwirbel habe.
Später dann auf der Terrasse, sagte ich:" Boah mir tut der Rücken vom
Kehren tierisch weh, ich muss mich erst mal setzen." Antwort meines
Onkels:" Eija, wenn ich den ganzen Tag barfuß rumrennen würde, ist doch
klar, dass die Kälte in den Körper zieht, wenn Du keine Erkältung davon
bekommst, dann zieht sich das ganze in die Nieren bei Dir..."
"seufz... , ich habe schon so oft schmerzen in den Lendenwirbeln gehabt,
ich weiß wenn mir die Wirbelsäule wehtut und ich weiß wann die Nieren mir weh
tun, und das kommt bestimmt nicht vom barfuß laufen," war meine Antwort
darauf.
O-Ton meines Onkels, Tante und Oma: " komm ma' in unser Alter, dann weißt
Du was du jetzt falsch gemacht hast..." So langsam lief mir Blut aus dem
Ohr, aber ich hab mich nicht unterkriegen lassen. Ich konterte immer wieder
damit, dass ich seitdem ich viel mehr barfuß laufe einfach weniger
Erkältungsanfällig bin, ganz im Gegensatz zu meiner Verwandtschaft, die bei
der Anreise vor 3 Wochen schon krank ankam und bei Abreise wieder verschnupft
war. Alle waren mindestens einmal krank in den 3 Wochen, nur ich nicht. Ok, ich
habe auch viel mehr Obst gegessen und Vitamin C in Reinform zu mir genommen,
aber trotzdem.
Ich sagte nur irgendwann zu meiner Tante:" Ich härte mich damit ab und bin
nicht so verweichlicht wie Du, Dir ist ständig kalt und hast ständig
schnupfen."
Das schlimmste fand ich, dass meine Tante ständig hinterher war, dass mein
Cousin, ihr Sohn, Strümpfe und Schuhe überall hatte, er hätte genauso barfuß
Fußballspielen können oder mal im Haus barfuß rumlaufen, aber nein:
"Zieh Dir dicke Socken und die Pantoffeln an aber schnell, oder Du wirst
krank!" Mir tat er leid, weil er mehrmals seine Mama fragte, ob er nicht
auch ohne Schuhe draußen spielen könnte. Sie verneinte natürlich.
Ich wollte mich da natürlich nicht in die Erziehung einmischen, aber dieser
Urlaub war in mehrerlei Hinsicht lehrreich für mich.
1. Lass ich mich nicht von meiner Umwelt bezüglich des Barfußlaufens
unterkriegen.
2. Fängt ein komplett beschuhtes Leben schon bei der falschen Erziehung an
aufgrund von irgendwelchen Ammenmärchen aus Omas Zeit.
3. Eine gute Erfahrung fürs Erste, wenn ich, wenn es wieder wärmer in
Deutschland wird, vermehrt barfuß laufen will und zudem gelernt habe etwas zu
kontern auf blöde Sprüche.
Gruß Jens
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