In Georgs Kindheit war "barfuß überhaupt nicht angesagt"
(zusammengefasst aus verschiedenen Forumbeiträgen im Sommer
1998)
Ich bin, wie ich schon einmal zu erkennen gegeben habe,
schon etwas älter als die meisten anderen (43), dementsprechend liegt meine eigene Schulzeit schon recht lange zurück (Abitur 1974). In der
Grundschule ist unser Sport fast immer ausgefallen, da sie umgebaut wurde und wir in ein
anderes Gebäude ausgelagert waren, wo es wohl keine Sportanlagen gab.
Danach habe ich ein reines Jungengumminasium besucht, da war barfuß auch überhaupt nicht
üblich und angesagt. Wir hatten die drei ersten Jahre einen Lauffanatiker als Sportlehrer, der uns ständig auf der Aschenbahn um den Platz
jagte und selbst mitlief (auch eine Art der Selbstertüchtigung). Ansonsten wurde geturnt,
Fuß- und Handball gespielt, wobei letzteres, wenn Jungenmannschaften spielen, einem
Einzelbarfüßer auch nicht gut bekommt. Beim Turnen habe ich, wie ich mich entsinne, hin
und wieder barfuß geturnt und auch versucht, Mitschüler zu überreden, leider nur selten
mit Erfolg....
Am Anfang meiner Schulzeit war noch die Farbe der Turnhose vorgeschrieben und auf dem
"Turnhemd" (T-Shirts gab es noch nicht) sollte sich ein bestimmter Aufnäher
befinden. Aber das bröckelte stark ab, und im Zuge der "68er Revolution" - da
war ich in der 7. Klasse - wurden diese Regeln überhaupt nicht mehr beachtet. Ob
Turnschuhe irgendwie Vorschrift waren, weiß ich nicht mehr, jedenfalls trugen alle
welche. Übrigens deckt sich meine Erfahrung in Sachen Sportunterricht ziemlich genau mit
der, die Fritz vor einiger Zeit beschrieben hat.
Wir hatten danach eine Form von Differenzierung, wo man sich eine Sportart aussuchen
konnte; ich hatte mich für Rudern entschieden und, wenn das Wetter und die Konstruktion
des Bootes es zuließen (das "Stemmbrett", in das die Füße kommen, darf keine
scharfen Kanten haben), viel, fast immer barfuß gerudert.
Nach der Schule bin ich bei Ausdauersportarten geblieben, Ballspiele sind mein Ding nicht
so (ich habe einen Sehfehler, der dafür sorgt, dass
ich Abstände schlecht schätzen
kann). Joggen ist organisatorisch wunderbar einfach, weshalb ich
dies bevorzuge, und ich jogge möglichst lange und leidenschaftlich barfuß. Im Winter mit
Schuhen macht es mir nicht mal halb so viel Spaß. Die Bewegung meiner befreiten Füße
ist mir ein echter Genuss, besonders - wie ich schon dargelegt habe - auf feuchter Wiese,
weil meine Nervenbahnen mir dann besonders viele und intensive Eindrücke übermitteln.
Ich kann dann auch wunderbar nachdenken und Probleme, die mich beruflich oder privat
bewegen, reflektieren. Bei der Dirty Sole Society
habe ich gelesen : free your feet - free your mind - stimmt für mich hundertprozentig !
...
Meine Eltern haben leider ein, wie ich glaube, typisches Großstadtelternverhalten gezeigt
: ich sollte als Kind immer Schuhe (auch Hausschuhe) tragen. Als ich älter (Jugendlicher)
wurde, haben sie zumindest akzeptiert, dass ich mir Gymnastiksandalen (diese mit Holzsohle und
Riemchen, ich hatte immer welche von Berkemann in Hamburg) wünschte und im Sommer barfuß
trug, in der Schule aber auch nicht, weil man da, wie ich feststellen musste, schikaniert
wurde (anrempeln, Sandale klauen, anderen zuwerfen ...). ... Die Gymnastiksandalen trage
ich übrigens in letzter Zeit wieder ganz gerne, wenn ich nicht ganz barfuß gehen kann
oder will. Die warme Holzsohle und das ständige Greifen der Zehen (hat übrigens nur
barfuß Sinn, funktioniert mit Strümpfen im Winter einfach nicht) hat auch einiges an
angenehmen Empfindungen zu bieten. ...
Ich war wohl - was die Barfuß - Frage angeht - echt auf der falschen Schule (ansonsten bin
ich im Nachhinein recht zufrieden), aber ich befürchte, dass
ohne Umzug meiner Eltern
sich nicht viel geändert hätte; an einer Nachbarschule wäre es (ich) wohl auch nicht
besser gelaufen. Übrigens gab es damals bei uns nur geschlechtergetrennten Unterricht,
vielleicht wären Mädchen an der Schule auch (nicht nur) in Hinblick darauf ganz
hilfreich gewesen ...
Georg
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