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Dieter studiert barfuß Musik
(zusammengefasst aus verschiedenen
Forumbeiträgen im Herbst 1999)
Hallo zusammen, ich bin der Dieter und
studiere Musik auf Lehramt an Gymnasien und Rhythmik. ...
Unsere Musikhochschule ist eher zufällig barfußfreundlich, insofern als dass sie aus
Design - Gründen größtenteils mit Parkettboden ausgestattet ist, aber auch mit
Naturstein. Barfüßige KommilitonInnen sind selten zu sehen;
wenn, dann wenn das Quecksilber draußen sich den 30C° nähert. Zwei Kommilitoninnen habe ich ein paar Mal barfuß im Sommer gesehen, habe aber keinen Kontakt zu ihnen, da sie
in anderen Studiengängen (Sprecherziehung und Orchestermusiker) sind. Man kennt sich halt
vom Sehen ... Aber zu denen passt's echt gut: die eine näht sich ihre Klamotten selbst,
die andere trägt Uralt - Klamotten (als ob sie einen Altkleidersack geklaut hätte...) -
find ich aber echt cool, weil es bei uns ziemlich spießig zugeht. Vor allem die Sänger
und Pianisten sind 'ne echte Qual ...
Zu meinen eigenen Barfuß - Erlebnissen: das schönste war dieses Jahr auf dem Kirchentag in Stuttgart: in Stuttgart - Feuerbach wurde eine
schmucke alte Turnhalle gemietet (mit Parkettboden und Holzdecke) die zum
"Kommunikativen Treffpunkt: Tanz" wurde. Weil mich die theologischen
Diskussionen auf dem Kirchentag nicht interessierten, dafür aber alles, was mit Bewegung/
Tanz und Kirche zu tun hat, war ich fast permanent dort zu Gast (hatte eine Dauerkarte).
Überraschenderweise waren in dieser Halle von Teenies bis zu Senioren fast alle
Generationen vertreten, obwohl die Art von Tänzen, die angeboten wurden, nicht gerade
"modern" waren (was sie aus meiner Sicht auch nicht sein mussten), eher
volkstanzhaft (Kreistänze) aber auch in Richtung Rhythmik gehend, sprich
Bewegungsimprovisation und -gestaltung. Auch die ReferentInnen waren oft barfuß, so
dass die "Barfußquote" aller Anwesenden insbesondere zur Mittagszeit (wenn Halle und
Boden am wärmsten) bis auf schätzungsweise 80 - 90% stieg.
Aber auch zu anderen Tageszeiten waren stets mindestens ein Drittel aller Anwesenden
barfuß, jung wie alt, Männer wie Frauen. Übrigens: keiner der Barfüßigen schien
irgendwelche Bedenken wegen Fußpilz oder dgl. zu haben, obwohl bisweilen die Halle
gerammelt voll war und einmal sogar wegen Überfüllung geschlossen werden musste.
Natürlich waren die Füße abends etwas dunkler als am Morgen, doch was soll's: bei
Handwäsche waschbar bis 40C° ...
Es war einfach ein tolles Erlebnis sich von Früh bis Spät zu (teilweise sogar live)
Musik zu bewegen mit so vielen netten, barfüßigen Menschen ... Dieter
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Rhythmikstudium barfuß
(Forumbeitrag im Herbst 1999)
Als ich mit dem Studium begann,
war Rhythmik Pflichtfach für zwei Semester, was bei den meisten eher auf negative
Reaktionen hervorrief, da es für die meisten MusikerInnen eher ungewohnt ist, sich zur
Musik zu bewegen. Rhythmik ist eigentlich ein pädagogisches Prinzip, das zu Anfang dieses
Jahrhunderts von dem Schweizer Emille Jacques Dalcroze entwickelt wurde. Er stellte beim
Gehörbildungsunterricht am Konservatorium fest, dass seine Schüler/ Studenten
musikalische Zusammenhänge wie z.B. Tondauer (Rhythmus) oder Tonhöhe wesentlich besser
lernen konnten, indem sie hierzu bestimmte, von Dalcroze entwickelte Bewegungen
ausführten. Im Laufe der Zeit entwickelte er daraus seine Rhythmik, die auf eher
verhaltenes Echo stieß: viele zweifelten an der Effizienz seiner Methode.
Vor allem die Kleidung seiner Schüler/ Studenten stieß auf großes Befremden: alle in
schwarzen Gymnastikanzügen und - barfuß! Das war damals fast ein Skandal, weil bloße
Füße als etwas Erotisches und somit Ungebührliches galten.
Rhythmik heißt, ganz einfach ausgedrückt, Musik (das kann alles sein: vom
"klassischen" Musikstück bis zum Pop/Rock, Crossover, Ethno; freie,
improvisierte Klänge...) in Bewegung auszudrücken. Das tendiert zwar in Richtung Tanz,
soll es aber eigentlich nicht sein. Jedenfalls hat sich das "Barfuß - Prinzip"
weitgehend bis heute in der Rhythmik erhalten, und durch diesen Pflichtunterricht, der
(leider nur) teilweise barfuß stattfand, kam ich zum Barfußlaufen, obgleich ich es immer
irgendwie interessant fand, wenn Menschen in der Öffentlichkeit barfuß auftraten. Dieser
Unterricht gefiel mir so sehr, das ich schließlich Rhythmik als Zweitstudium belegte.
Ich besuche seit ca. drei Monaten halbwegs regelmäßig euer Forum (wenn mein
Uralt-Computer nicht gerade mal wieder kaputt ist...) und lese von Leuten, die beim Tanz (im Schulsport oder in ihrer Freizeit) Zweifel daran haben, ob sie aufgrund des nicht idealen
Bodenbelags oder anderer Umstände barfuß sein sollen.
Liebe Leute, in eurem eigenen Interesse: seid ausschließlich barfuß.
Mir ist im Rhythmikunterricht (ein Semester vor der Abschlussprüfung) folgendes passiert:
Wir waren in einem Kloster auf Arbeitstage, das über einen großzügigen Mehrzweckraum
mit Parkettboden (!) im Gewölbekeller verfügt.
Weil der Boden wirklich lausig kalt war, zogen wir alle wider der Gewohnheit Socken an
bzw. einige hatten auch Gymnastikschuhe dabei. Das war ein fataler Fehler. Kaum haben wir
unserer Bewegungsimprovisation begonnen, rutschte ich bei einem Ausfallschritt zur
Seite aus (quasi ein unbeabsichtigter, misslungener Spagat), spürte ein Krachen in meinem Knie
und fand mich mit herausgesprungener Kniescheibe am Boden wieder. Wem so etwas schon mal
geschehen ist, weiß wie "angenehm" das ist. Konsequenz: vier Wochen Gipsschiene
und ein gutes halbes Jahr Humpeln (trotz Krankengymnastik). Und das nur, weil einem der
Boden zu kalt war ...
Sandra_B's Beitrag, dass Leggins bare Füße wärmen, kann ich aus dem Rhythmikunterricht
bestätigen. Gerade weil sie eng anliegen, sind sie sozusagen wie eine "zweite
Haut". Wer trotz Leggings dann immer noch unter kalten Füßen leidet, dem empfehle
ich, sich "Jambiers" zu kaufen oder zu basteln. Wir haben sie im Unterricht
besonders in den Wintermonaten getragen, wenn der Rhythmikraum (und besonders der Boden)
dank eines auf niedrige Heizkosten bedachten Hausmeisters morgens "schön" kalt
war. Jambiers sind eigentlich Wollsocken ohne Zehen und Ferse: Fußknöchel und -rücken
werden gewärmt, Zehen, Ballen und Ferse bleiben frei (Bodenkontakt!).
Man kann sie im Tanzfachladen kaufen (ca. 15 - 20 DM; div. Farben) oder auch aus alten
Wollsocken selber machen, wenn man die Schnittstellen anschließend umhäkelt (bzw.
umhäkeln lässt - Oma fragen!). So kann eigentlich jeder zumindest in der eigenen Wohnung
den Winter barfüßig überstehen. Dieter
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