Barfuß! Ein Problem für den Partner/die Partnerin? (1)
(Forumbeiträge im Winter 2000 / 2001)

Hallo! Normalerweise hat meine Frau ja nichts dagegen, wenn ich fast überall und zu jeder Jahreszeit barfuß laufe. Doch wenn sich alle Leute umdrehen, dann wird es ihr doch langsam unangenehm.
Ich möchte dazu eine Situation schildern, die bereits einige Jahre zurückliegt. Es war an einem frostig kalten Wintertag im Februar. Wir haben einen Ausflug in die Stuttgarter Wilhelma gemacht. Zunächst lief ich nur in den Gewächshäusern barfuß, doch bald auch draußen, im Freien. Es war ein bitterkalter Tag und es gab etwas Schnee, allerdings nur auf den Wiesen. Der Zoo war an diesem Tag gut besucht und fast alle Leute drehten sich natürlich nach mir um. Ein Mann war so abgelenkt, dass er seinen Kinderwagen geradewegs gegen das Gitter eines Tierkäfigs schob. Eigentlich war ich an diesem Tag die größte Attraktion in diesem weltberühmten Zoo! Meine Frau trottet mit hochrotem Kopf ein gutes Stück hinter mir her, dass niemand auf die Idee kommen kann, dass sie dazu gehört. Es war ihr sehr peinlich, sagte sie mir hinterher.
Sie kann auch überhaupt nicht nachempfinden, wenn ich zu Familienfeiern (Geburtstag, Weihnachten, Ostern etc) barfuß in Sandalen gehe und der Familienstreit damit vorprogrammiert ist. Ich bin jedoch der Ansicht, dass ich gerade in der Familie so sein darf, wie ich möchte und auf äußerliches Etikette verzichten kann. ...

Gerade dieses Angequatscht- werden und diese ständigen Blicke sind es ja gerade, die meine Frau so stören (mich selbst lässt es auch nicht immer ganz kalt), weniger das Barfußsein an sich.
Als wir uns kennen lernten, vor 12 Jahren, lief sie selbst im Sommer viel barfuß. Ja das war sogar eigentlich damals der Grund, warum wir uns näher kennen lernten.
Barfußlaufen war für sie einfach was normales, das man ohne lange darüber nach zu denken macht, wenn man Lust dazu hat. Aber die Tatsache, dass ich immer und überall von wildfremden Leuten oberdämlich angequatscht werde, dass alle gaffen, als ob ich ein seltenes wildes Tier wäre und dass sich die Gesprächsthemen oft ausschließlich um meine Füße drehen, haben ihr das Barfußlaufen gründlich vermiest!
Aber wie gesagt, nicht das barfuß laufen an sich ist es, was meine Frau stört, ganz und gar nicht. Sondern eben nur die Tatsache, dass das für viele Leute so ungeheuer wichtig ist und man nicht einfach ganz ungezwungen unterwegs sein kann.
Barfußlaufen kann man eigentlich nur noch ganz versteckt im tiefen dunklen Wald, wenn man dabei seine Ruhe habe will. Und das ist schade! ...
Wie ist das bei Euch? Tolerieren euere Partner/innen euere Angewohnheit, meistens barfuß zu laufen. Macht ihr euere Barfußaktivitäten alleine, ohne Partner? Oder macht euer Partner sogar mit und läuft selbst auch barfuß?
Und wie sieht es aus der Sicht der Partner/innen aus? Wie seht ihr die Angewohnheit Eueres Partners?
Gruß, Bernd A.

tja, die Erfahrung habe ich früher auch machen müssen ... die Hippie - und 68er-zeiten sind halt nun vorbei und selbst tolerante Frauen finden smarte Ehemänner in und nicht so eine Kopie vom homo erectus ... bitter aber wahr ... W.G.

Hallo Bernd, Jeder Mensch möchte vor den anderen damit glänzen, dass er mit seinem Partner/in eine gute Wahl getroffen hat. Also wird man gerade von nahestehenden Menschen unter Druck gesetzt, nach der allgemein geltenden Meinung leben zu müssen.
Ich bin mit den barfüßigen Freiräumen zufrieden, die mir meine Frau lässt. Sie beruhen zum Teil auch darauf, dass es oftmals recht gut ankommt, wenn ich barfuß gehe. Negative Kommentare oder gar Schwierigkeiten treten eigentlich nie auf, wenn ich mit Familie unterwegs bin.
Was ich allerdings noch nicht durchsetzen konnte, sind barfüßige Opern- und Konzertbesuche. Da ist spießiges Ausgeh - Outfit angesagt.
Immerhin habe ich es nach anfänglichen Protesten geschafft, dass ich barfuß in die Gaststätte gehen darf -- und in letzter Zeit hat es mir meine Frau sogar einige Male gleichgetan!
Den Freibrief für das öffentliche Barfußgehen habe ich mir auch dadurch verdient, dass meine Pro- barfuß- Aktivitäten gut ankommen. Der Bürgermeister, der mein Barfußpfadprojekt unterstützt, grüßt meine Frau beim Tennis freudig über alle Plätze weg. Und als ich beim letzten Schulfest einen Barfußparcours mit Fußgymnastik präsentierte, sagte ein Kollege zu meiner Frau: "Ich wusste gar nicht, dass dieser sportliche Typ Dein Mann ist!"
T-Shirt, Bermudajeans, braungebrannte Füße, ansteckende Begeisterung und viel Power in den Zehen, das kam wohl gut rüber :-)
Ansonsten sehe ich eher zu, dass ich möglichst unauffällig barfuß laufe -- indem ich mich völlig normal bewege und nicht durch eigene Unsicherheit die Aufmerksamkeit auf meine bloßen Füße lenke. Und wenn wirklich jemand etwas sagt, habe ich immer ein paar meiner Pro- barfuß- Flyer dabei -- da sind die Leute gleich wieder sprachlos.
Und meine Frau ist dann, glaube ich, schon ein wenig stolz auf mich.
Für jeden zu empfehlen: der Barfuß-Flyer zum Ausdrucken
Lorenz

Ich laufe zwar nur im Sommer unterwegs fast immer barfuß in Sandalen und in der Wohnung generell nur barfuß, deshalb habe ich die von Dir beschriebenen "Probleme" nicht.
Ich möchte Dir aber hier etwas ganz anderes sagen: Nicht Dein Barfußlaufen in der Öffentlichkeit oder bei Familientreffen ist das eigentliche Problem, sonders weil Du etwas tust, was die meisten halt nicht machen!
Es ist nun mal in unserer heutigen Gesellschaft so: Wenn jemand - egal was immer er auch tut - sich aus der Masse hervorhebt, muss er sich rechtfertigen und sich Sticheleien, die bis zu bösen Beleidigungen reichen, anhören.
Was meinst Du, was Menschen in dieser Gesellschaft ertragen und sich anhören müssen, die aus Überzeugung keinen Fernseher besitzen, kein Auto fahren oder keine Marken- Designerklamotten tragen (in spätestens 2 Jahren werden auch diejenigen Menschen in Rechtfertigungszwang geraten, die kein Handy besitzen)?
Es ist traurige und bittere Realität: Wer irgendeinen Trend nicht mitmacht, wird von unserer intoleranten Gesellschaft nicht anerkannt.
Gleichzeitig möchte ich meinen Respekt Dir gegenüber aussprechen, dass Du Dich offenbar nicht unterkriegen lässt. Laufe weiterhin barfuß, wo es Dir möglich erscheint und kümmere Dich nicht um das Geschwätz oder Blicke anderer Leute.
Ich finde es ganz große Klasse, dass Du den Mut hast (und das gilt auch für die vielen anderen Teilnehmer dieses Forums), Deinen eigenen Lebensstil auszuleben. Mache weiter so!
Ich persönlich leide sehr darunter, dass Menschen in unserer Gesellschaft offenbar auszusterben scheinen, die eine eigene Meinung oder einen eigenen Lebensstil vertreten, also Menschen, die nicht blind und kritiklos mit der Herde laufen. Und wenn wieder mal jemand Dich wegen des Barfußlaufens kritisiert, dann sage zu ihm: "Okay, Dir gefällt mein Barfußlaufen nicht, aber mir gefällt auch vieles an meinen Mitmenschen nicht, aber ich mache diese auch nicht dumm an, da ich ein intelligenter und toleranter Mensch bin."
Und hüte Dich davor, wenn die Kritiken wegen des Barfußlaufens irgendwann immer mehr zunehmen sollten, es aufzugeben. Denn dann hättest D u verloren. Du lebst zwar dann so, wie es andere wollen, dann aber haben d i e gewonnen. Aber wo bleiben Deine Wünsche und Bedürfnisse?
Und außerdem: Andere Menschen ändern sich ja auch nicht, wenn Dir an denen etwas nicht passt, oder? Also, mache Dich nicht zum Hampelmann der Herde, sondern lebe Deinen Lebensstil und Deine innere Überzeugung weiter.
Das war es, was ich Dir sagen wollte und hoffe, dass ich ein wenig Deine offenbar beginnenden Selbstzweifel genommen habe.
Mit lieben Grüssen Jerry

Geschichtlich betrachtet gab es vermutlich noch nie eine Gesellschaft auf diesem Planeten, in der der/die Einzelne soviel individuelle Freiheitsrechte bezüglich der persönlichen Lebensgestaltung hatte, wie die unsrige.
Man sollte nicht den Fehler begehen, alles was nicht bedingungslose Zustimmung zum eigenen Lebensstil ist, als Ablehnung oder Ausgrenzung ansehen. Da hatten die andersdenkenden Menschen früher viel mehr Probleme: Folter, Verbrennungen, Verhungern durch Ausschluss aus der Gesellschaft, Kontaktsperren, etc.
Kai

Ich vertrete weitgehendst die Auffassung von Kai, dass wir wirklich in einer Gesellschaft leben, die größtmögliche Entfaltungsmöglichkeiten bietet.
Ich bin schon in verschiedene Länder gereist (u.a. war ich auch im Iran und in China), so dass ich mir einbilde, ein Urteil über Freiheiten und Toleranz bilden zu können.
Es ist mit Sicherheit nicht so, dass wir grundsätzlich in einer intoleranten Gesellschaft leben. Es ist aber nun einmal so, dass Leuten, die irgendwelchen gesetzten Normen nicht entsprechen, zunächst einmal Verwunderung, Neugier und evtl. auch Sticheleien entgegengebracht werden. Ich weiß, dass es oft nicht einfach ist, "außerhalb der Norm" zu stehen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder bin ich stark genug, mich diesen Angriffen zu stellen oder aber ich lasse es.
Wenn ich es lasse, was ich auch verstehen kann, dann darf ich aber nicht auf die Gesellschaft insgesamt schimpfen. Gerade im heutigen Europa gibt es so viele Möglichkeiten und auch Toleranz, wie sie es in der Geschichte Europas noch nie gegeben hat.
Im übrigen ist jede Gesellschaft auch lernfähig, wie sich an vielen Beispielen gezeigt hat (z.B. Männer mit Ohrringen, freizügige Filme im TV und Kino, nichteheliche Lebensgemeinschaften etc.).
Ich las letztlich in einem Bus folgenden Spruch, der mir hier passend erscheint: "Wer immer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigenen Spuren".
Marja E.

Also ich glaube, ich bin in diesem Forum irgendwo ein wenig missverstanden worden.
1. War es nicht meine Absicht, in diesem Barfuß - Forum eine Grundsatzdiskussion über Toleranz oder Intoleranz dieser Gesellschaft auszulösen. Ich wollte lediglich Bernd Mut machen, weiterhin in der Öffentlichkeit barfuß zu laufen.
Ich habe lediglich seine Bemerkungen, dass "Männer mit Kinderwagen beim Anblick seiner nackten Füße riesige Augen machten und gegen eine Mauer fuhren, bzw. seine Frau einige Meter Abstand zu ihm hält, damit die Leute nicht denken, sie gehöre zu ihm, mit typischen intoleranten Aspekten, die ich halt auch täglich - halt auch in anderen Lebensbereichen - beobachte, bestätigt.
2. I c h h a b e Gott sei Dank ein gesundes Selbstbewusstsein. Schließlich stehe ich zu meinem persönlichen Lebensstil obwohl meine Argumente verpuffen, wie ein Tropfen Wasser auf einen heißen Stein und denke auch nicht daran, diesen zu ändern und damit mich anderen zu unterwerfen.
I c h habe kein Problem damit, dass ich kein Auto fahre. Wohl aber die anderen, weil sie mich immer und immer wieder darauf ansprechen und sich darüber lustig machen. Aber auf diejenigen pfeife ich auch. Also, nix für ungut. Jerry

Nachdem hier mal wieder eine schöne Diskussion zu den Themen "Rechtfertigung des Anderssein", "Ökologie" etc. entbrannt ist, an der ich keine Lust habe, versuche ich zur Abwechslung mal auf Deine Fragen zu antworten:
[Wintertag im Februar ... Ausflug in Stuttgarter Wilhelma  ... lief barfuß ... Zoo gut besucht und fast alle drehten sich nach mir um. Ein Mann war so abgelenkt, dass er Kinderwagen gegen Gitter eines Tierkäfigs schob]
Da ich eigentlich nur im Sommer (bzw. bei entsprechenden Temperaturen) draußen barfuß laufe (von der 5 minütigen Schneeerfrischung mal abgesehen), habe ich noch nicht solche heftigen Reaktionen herbeigerufen :-)
[Eigentlich war ich an diesem Tag die größte Attraktion in diesem weltberühmten Zoo!]
Da fragt sich doch, wer die echten Affen sind: Die vor oder hinter dem Käfig? ;-) (Um Missverständnissen vorzubeugen: Damit bist natürlich nicht Du, sondern die anderen Zoobesucher gemeint)
[Meine Frau trottet mit hochrotem Kopf gutes Stück hinter mir her ... war ihr sehr peinlich]
Nun ja, so ähnlich, wenn auch nicht ganz so heftig, kenne ich die Reaktionen meiner Freundin auch. Aber sie hat sich damit abgefunden, so wie ich mich mit ihren Macken (z.B. ihrem Schuhkaufwahn!!) abgefunden habe.
[kann nicht nachempfinden, wenn ich zu Familienfeiern barfuß in Sandalen gehe und Familienstreit vorprogrammiert ist ... bin jedoch der Ansicht, dass ich in Familie sein darf, wie ich möchte, und auf äußerliches Etikette verzichten kann]
Da bin ich dann durchaus zu Kompromissen fähig. Das Barfußlaufen ist kein Dogma, auch nicht in der Freizeit.
Eine gute Partnerschaft funktioniert ohnehin nur mit Kompromissbereitschaft, da schließe ich auch das Barfußlaufen bzw. Schuheanziehen nicht aus. Wenngleich ich manche Kompromisse besser nicht eingegangen wäre, wie im August in Dänemark  ...
[Wie ist das bei Euch? Tolerieren euere Partner/innen Angewohnheit, barfuß zu laufen]
Tolerieren ja, begeistern nein.
[Macht ihr euere Barfußaktivitäten alleine, ohne Partner?]
Ja, bzw. mit beschuhtem Partner
[macht Partner mit und läuft selbst barfuß?]
Nie (außer am Strand ;-)
[wie aus Sicht der Partner/innen? Wie seht ihr Angewohnheit Eueres Partners?]
Immerhin ist ihr das Thema dann doch so unwichtig, dass sie nicht bereit ist, ein Statement für das Forum abzugeben. So habe ich auch weiterhin mein barfüßige Ruhe. Allerdings klagt sie hin und wieder ihren Freundinnen bzw. unseren Verwandten und Bekannten ihr Leid.
Ich glaube, sie könnte sich gut mit Deiner Frau unterhalten. Vielleicht sollten Sie ein eigenes Forum gründen :-p
Viele Grüße an alle "LeidensgenossInnen" und Pärchen auf vier nackten Füßen,
Jörg (Hanna)

In die wirklich interessante Diskussion über barfüßige Beziehungsspannungen muss ich mich jetzt auch mal einschalten.
Die Kernpunkte der Diskussion sind ja weitgehend die selben:
Nicht unbedingt komplette Intoleranz der jeweiligen Partner(innen), aber doch ein ausgeprägtes Schamempfinden bezüglich nackter Füße in - und entsprechende Blicke der Öffentlichkeit.
Daran angeschlossen hat sich dann eine ebenso interessante Diskussion über Vorurteile, Spontaneität, Freizügigkeit und (Non)Konformität im Allgemeinen.
Diesen Beiträgen möchte ich auf einfacherem Niveau schlicht ein paar banale Erfahrungen meinerseits anfügen, denn ich kann Euch sagen:
Allen "Fetisch" - Geredes zum Trotz: Männer sind nicht selten ebenso schamvoll bezüglich der nackten Füße ihrer Partnerin!
Ohne hier allzu intime Details preisgeben zu wollen folgende Szenen:
Ein Ex - Freund von mir, der an und für sich echt nicht spießig ist und meine Leidenschaft, sehr viel barfuß zu laufen, im Prinzip immer akzeptiert (vielleicht gar beneidet) hatte, wurde stets recht verklemmt, wenn es darum ging, mit mir, aber ohne meine Schuhe in einen, sagen wir, gediegeneren Teil der Öffentlichkeit zu gehen. Dass ich beim Einkaufen/Spazieren gehen, auch beim Weggehen am Abend meistens barfuß war, hatte er schon geschluckt. Die Pein, mit mir in ein richtiges Restaurant zu müssen, wenn ich barfuß lief, habe ich ihm eh immer erspart. Aber in Kneipen und natürlich Biergärten kenne ich sowieso keine Hemmung. Aber ein gequältes "Muss das sein?!" presste er gerne heraus.
Barfuß ins Theater oder Konzert - das muss auch nicht unbedingt sein (ich will ja nicht um jeden Preis auffallen), aber als wir im Sommer`99 ein Freiluftkonzert auf dem Haidplatz in Regensburg besuchten und ich die Schuhe daheim lassen wollte, gab es fast Ärger. Es war zwar ein Open air, aber schon irgendwie in typischer Konzert-Atmosphäre (also etwas steif). Dabei war ich ansonsten echt edel angezogen! So mit langem Kleid etc! Meine Füße waren fast gar nicht zu sehen.
Aber ER schämte sich. Je höher der gesellschaftliche "Anspruch" (der ja eigentlich unausgesprochen ist), desto niedriger die Schamgrenze mancher Herren. Er schämte sich wohl einfach, mit einer bloßfüßigen Freundin gesehen zu werden. Schlicht und einfach.
Ähnliches wiederholte sich bei einem Ausflug nach Passau, wo ich ebenfalls darauf bestand, die Schuhe daheim zu lassen. Er sagte doch tatsächlich: "Aber heute ist doch Sonntag! Muss das sein?!" Man stelle sich das vor! Wegen Sonntag! Aber sonst war er echt nett.
Na ja, und wirklich Ärger gab`s, als wir zu einer Gartenparty bei seinen Bekannten mussten. Alles Leute, die mich nicht kannten. Er war offenbar sehr versessen darauf, einen guten Eindruck zu machen, glaubte wohl auch, er würde von denen ebenso über mich definiert. Es war ein warmer Sommerabend, ich machte mich extra ganz fein (ahnte nämlich Schlimmes) - auch die Füße: mit Fußkette sogar! Nur ohne Schuhe. Das war echt zuviel. Nach kurzem Streit sagte ich: jetzt erst recht! Und hätte es besser lassen sollen: Das Fest war nämlich dermaßen fad - lauter spießige fast - Juristen und ähnliches Volk, alles im edlen Zwirn, die Damen hochhackig im Cocktailkleid, alle super langweilig und ätzend.
Und weil alles so langweilig war (wie das bei so Cocktailparties offenbar immer sein muss), drehte sich halt das meiste tatsächlich um meine nackten Füße: gesprächstechnisch und optisch. Ich bin selten so doof angeglotzt (und angeredet) worden und mir auch fast noch nie barfuß so nackt und bloß vorgekommen. Fast ausgeliefert.
Gesellschaftliche Konventionen können schon was Ärgerliches sein! Ich hätte eben doch auf meinen Freund hören sollen.
So, jetzt habe ich meiner Verärgerung Luft gemacht!! Entschuldigt die Länge dieser kleinen Empörung
Liebe Grüße Lotsi

Hi Lotsi da gibt's gar nichts zu entschuldigen! Ich finde Deinen Beitrag echt gut und mit einer sehr persönlichen Note.
Ich kann mir die Situation sehr gut vorstellen. Hab das in ähnlicher Form als junger Wirtschaftsinformatiker in akademischen Kreisen und der sogenannt 'besseren Gesellschaft' auch erlebt. Da gilt irgendwie immer noch der Spruch: "Kleider machen Leute"! Aber eben Leute und nicht Menschen. Ein großer Unterschied m. E.!
Von all den hoffnungsvollen Mitgliedern der zukünftigen geistigen Elite, die so schön brav in der Masse der allgemeinen Meinung und Werthaltung mitschwimmen, schaffen es eh die meisten nicht, wirklich nach oben zu kommen. Denn nur wer wirklich selbstbewusst ist, neue Ideen umsetzt und sich von der Masse absetzt, erreicht auch etwas im Leben.
Mit Deinem barfüßigen Outfit hast Du Deine Individualität klar und ersichtlich gezeigt. Find ich toll! Als Partner an Deiner Seite wär ich stolz auf meine Begleiterin gewesen.
Ein kleines Beispiel aus dem öffentlichen Bereich. Der Schweizer Botschafter Bohrer wurde kürzlich wegen dem Outfit seiner Frau durch die Presse gezogen. Für ihn kein Grund sich zu entschuldigen oder dergleichen. Konsequenz, Gottschalk lud ihn mit Frau in seine Sendung ...
Und auch wenn Du das Gefühl hattest von allen beglotzt zu werden und irgendwie allein im Regen zu stehen, akzeptier es einfach. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen es ist nun mal so und je höher man steigt und sich von der großen Masse abhebt, desto einsamer wird es.
Für mich jedenfalls ist Barfußgehen in der Öffentlichkeit nach wie vor ein gutes Gefühl aber vor allem auch ein gutes Training für das Selbstbewusstsein.
Herzliche Grüße zum Fuß aus Bern Marc

Lieber Marc! Vielen Dank für Deine nette und ermutigende Antwort! Besonders gut hat mir Dein Satz gefallen, dass - in manchen Kreisen - immer noch "Kleider Leute machen", aber Kleider prinzipiell keine Menschen. Ganz treffend gesagt! Das werde ich mir merken.
Diese missbilligende Etikettenfixierung ist leider nicht nur bei Schweizer Wirtschaftsinformatikern so. Mein Beispiel mit den cleanen Fast- Juristen war nur das extremste. In milderer Form ist mir ähnliches schon auf vielen Feiern passiert. Ich naives Dummchen bin halt immer davon ausgegangen, im studentischen Milieu wäre es ganz unproblematisch, barfuß auf Feiern zu gehen. Ist es im Prinzip auch. Es wird halt meistens nur immer und immer wieder thematisiert, wie unproblematisch das sei - und entsprechend geglotzt.
Dein Appell für das Selbstbewusstsein ist ebenfalls treffend gesagt. Ich für meinen Teil bin eigentlich eine sehr selbstbewusste Barfußläuferin (seit meiner harten Überwindungsphase mit 14-15 Jahren habe ich mich barfuß schon ziemlich viel getraut und bin daran "gereift").
Mein Problem ist nicht eine mögliche eigene Unsicherheit, sondern die angesichts nackter Füße offensichtliche Unsicherheit vieler aus meiner Umwelt. Und natürlich die Spannungen mit dem Partner: ärgerlich, weil eigentlich unnötig.
Um noch mal auf die Schweiz zu kommen: Meine Erfahrungen mit dem Barfußlaufen dort decken sich leider ziemlich mit gängigen Schweiz-Klischees: Besonders Bern ist sehr aufgeräumt und Barfüßer werden entsprechend skeptisch angeschaut. In Zürich ist das etwas lockerer (die Stadt ist ja auch etwas globaler und nicht ganz so spießig). Doch als ich mal im Sommer zu Besuch in einem Studentenwohnheim auf dem Züriberg war, wurde ich zur Attraktion. Es kamen tatsächlich Leute gelaufen, um mich dezent zu begutachten! Das hatte sich schnell herumgesprochen. Gut, ähnliches ist mir anderswo auch schon passiert, aber mir ist halt jetzt gerade das Beispiel aus Zürich eingefallen.
Liebe Grüße Lotsi

Diese Probleme hab' ich glücklicherweise nicht. Meine Frau ist hat nichts dagegen, dass ich fast immer und überall barfuß (auch mit ihr) hingehe. Sogar jetzt im Winter. Sie selbst geht zwar nur selten barfuß (im Sommer in der Wohnung/ Strand/ Garten), hat aber überhaupt kein Problem damit, sich mit mir barfuß in der Öffentlichkeit sehen zu lassen.
Barfuß-Tschüs SteBa

Das ist ja nahezu unglaublich! Also meine Frau hat da auch ein Problem mit!
Die Meinung der Masse, wie Lorenz so schön sagte, hat zwar keine Qualität, aber sie scheint doch ein ganz gewichtiger Faktor zu sein. So muss man sich halt arrangieren ... mfg Berni(N)

Hi Bernd, oh jeh, dieses Problem kenne ich in allen Facetten.
Es gab Frauen in meinem Leben, die liefen auch zumindest im Sommer häufiger barfuß. Ich hatte jedoch auch vor vielen Jahren ne Freundin, die sich weigerte, mit mir vor die Tür zu gehen, wenn ich keine Schuhe anhatte.
Meine jetzige Partnerin hat ebenfalls ein großes Problem mit meinem mangelnden Schuhwerk. Sie selbst läuft zwar lange ohne Strümpfe herum, teilweise auch im Winter, aber n i e ohne Schuhe, selbst in der Wohnung oder am Strand nicht. Sie hält mich für völlig durchgeknallt!
Während meine Mutter langsam resigniert, schämt sie sich häufig für mein Outfit. Besonders gilt dies, wenn wir in ihrem Wohnort (Bad Mergentheim) auf Bekannte ihrerseits treffen.
Für mich ist der Witz eigentlich, dass in diesem eher kleinbürgerlichen Ort mehr Menschen im Sommer ohne Schuhe anzutreffen sind, als in Karlsruhe! Witzig finde ich auch, dass einige der Bekannten meiner Partnerin auf mich keineswegs entsetzt, sondern eher bewundernd reagierten!
Nun hat sie die Befürchtung, dass unser Sohn, sobald er laufen kann, ebenfalls keine Schuhe anziehen möchte.
Irgendwie hätte ich mit dieser Befürchtung ihrerseits keine Probleme ...
*Grins Bernd (KA)

[hat sie Befürchtung, dass unser Sohn, sobald er laufen kann, keine Schuhe anziehen möchte ... hätte ich keine Probleme...*Grins]
Meine Töchter sind da recht unterschiedlich. Annika (10) ist überhaupt nicht dafür zu begeistern, ganz im Gegenteil ... Malaika (8) läuft aber auch lieber barfuß rum und hat auch schon erste kurze Versuche im Schnee gemacht.
Jedenfalls versuche ich meine Töchter keinesfalls dazu zu überreden, das dürfen sie machen, wie sie möchten. Malaika muss ich eher bremsen, weil ich halt doch etwas Bedenken habe, im Winter.
So ein kleiner Kinderkörper ist halt doch schneller ausgekühlt, als meine Fettreserven ... Bernd A

Hallo ihr Barfußläufer, zu diesem Thema wollte ich auch mal wieder meine Meinung kundtun. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, wie wichtig ihm konsequentes Barfuß laufen ist - ich selbst habe die Sache so entschieden, dass ich nur dann barfuß laufe, wenn es meine Frau bzw. den Rest der Familie nicht stört.
Und da an vielen Orten, aber auch zu vielen Anlässen Barfuß laufen entgegen mancher Illusionen und auch angeblichen Trends nach wie vor absolut unüblich ist, beschränkt sich das ungetrübte Barfußvergnügen eben bei mir auf relativ wenige Gelegenheiten.
Im Urlaub ist das anders - da wird schon mal toleriert, dass ich barfuß durch den Ort laufe. Aber hier zu Hause barfuß durch die Stadt?
Das mag in Oberbayern oder in der Schweiz auf dem Land vielleicht gar nicht so auffallen - hier läuft schlichtweg niemand barfuß, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Und deshalb habe ich auch keinerlei Illusionen, dass sich daran in absehbarer Zeit was ändert, dass ich als Barfußläufer in der City, aber auch bei Festen usw. die Attraktion wäre und "begafft" würde.
Bleibt also die Natur, wo die Sache etwas anders aussieht, ja vielleicht sogar wirklich eine gewisse Tendenz zu mehr Barfußlaufen festzustellen ist (Parks, Wiesen usw.).
Da mir's aber trotzdem Spaß macht, auch in der City und an anderen "unüblichen" Orten barfuß zu laufen, nutze ich die Gelegenheiten, wenn ich alleine unterwegs bin - da muss ja niemand unter Blicken und Kommentaren leiden außer mir selbst ...
Es wurde ja auch das Thema "barfuß zu Festlichkeiten, Weihnachten usw." angesprochen. Dazu muss ich sagen, dass ich nicht sooo ungern schicke Klamotten trage und mir es nicht schwer fällt, dies zu solchen Anlässen zu tun.
Nun passen zwar im Sommer sonnengebräunte Füße ohne weiteres auch mal zu edleren Klamotten, aber winterlich käseweiße Barfüße zu schicken Klamotten - sorry, das finde ich furchtbar.
Ich will bestimmt niemand zu nahe treten (manche schaffen es ja bestimmt, eine gewisse Fußbräune in den Winter zu retten), aber für mich passt einfach im Winter barfuß und schick gekleidet nicht zusammen. Und barfuß in Sandalen oder ähnlichem erinnert mich (im Winter!) irgendwie an fußkrank oder so - ne, das tue ich meiner Familie oder Verwandtschaft nicht an.
Das ist jetzt einfach meine persönliche Meinung, die ganz sicher keinerlei Anspruch hat, für jemand anderen Maßstab zu sein - ich bitte daher auch noch mal, dass sich niemand angegriffen fühlt, der dies anders sieht und praktiziert.
Nur sollten wir einfach nicht vergessen, dass wir uns zwar durch das Forum seit über 2 Jahren (zumindest wer von Anfang an dabei ist) darin bestärken, dass barfuß laufen ne super Sache ist, die man absolut nicht verstecken braucht, aber nach wie vor - oder gar mehr als je zuvor, sind wir eine verschwindend kleine Minderheit und können nicht damit rechnen, dass alle/viele andere das auch so sehen.
Mit besockten Füssen Moritz

Kontakte klappen bei mir am besten, wenn ich barfuß bin. Da bin ich so entspannt :-)
Ich bin sicher, dass Lotsi den Bogen richtig raus hat! Sie denkt sich eben für sich ihren Teil -- aber hier soll sie doch mal darüber schreiben können! Ansonsten bin ich überzeugt, dass sie die liebenswürdigste Barfüßerin weit und breit ist ...
Schöne Füße, Lorenz

Jetzt bin ich aber doch etwas geschockt.
Da schreiben wir hier jahrelang, dass Barfußlaufen in der Öffentlichkeit eigentlich eher positiv wahrgenommen wird und nackte Füße oft gar nicht auffallen, und jetzt auf einmal solche Aussagen! Ja um Himmelswillen, wie schafft ihr nur diese Aufmerksamkeit?
Aber im Ernst, ich kann den Nervfaktor durchaus nachvollziehen, wenn auch auf anderer Ebene. Ich habe einen weitgehend unbekannten Studiengang hinter mir und verkaufe Messgeräte, von denen nur sehr wenige Leute wissen, was man damit anfangen kann. Daher muss bei privaten Bekanntschaften auch ständig Fragen beantworten wie "Wo, Wie, Was kann man denn mit dem Studium denn anfangen?", "Wo, Wie, Was sind denn das für Geräte/werden sie gebraucht/funktioniert denn das?". Dann folgen immer minutenlange Monologe. Diese Fragen nerven, wenn man sie ständig beantworten muss.
Wie schön ist das dann doch, wenn mich jemand fragt, warum ich barfuß laufe, das lässt sich wenigstens in einem Satz beantworten. Solche Fragen (egal ob nach meinem Job oder nach meinen nackten Füßen) sind doch in der Regel bestenfalls Neugierde (bei der Frage nach Studium/Job sogar oft nur Anstand, oft interessiert meine Antwort gar nicht, was dann noch schlimmer ist, weil ich mir umsonst den Mund fusselig rede). Aber, liebe Lotsi, deswegen sind die Fragesteller doch nicht gleich alle spießig.
Ich persönlich empfinde die Glotzerei (wenn denn bei mir wirklich mal jemand glotzt, wahrscheinlich bin ich nicht hübsch genug ;-) wesentlich nerviger, als die Fragerei.
Wir müssen uns halt damit abfinden, dass viele Leute nicht nachvollziehen können, warum wir barfuß laufen. Da ist es doch natürlich, danach zu fragen, um den Wissensnotstand zu beheben.
Also, locker und selbstbewusst bleiben, auch wenn die Fragen zum hunderstenmal die selben sind - sie kommen ja von Personen, die sie zum ersten Mal stellen.
Ich habe da allerdings auch gutes Training, weil ich auch die Hotline für die Produkte (u.a. auch Software) mache, die ich verkaufe, da kommen auch jeden Tag die gleichen Fragen.
Liebe Grüße und Serfuß, Jörg (Hanna)

So normal ist Barfußlaufen !
Hallo Lotsi, hallo Forum, ich finde auch bei angestrengtem Überlegen keine meiner Gewohnheiten oder Tätigkeiten, bei der ich nicht ein- oder mehrmals mehr oder weniger heftig angeeckt oder schlecht angekommen wäre bzw. mich in einer zugehörigen Situation ausgesprochen unwohl gefühlt hätte.
Dass dies für mein und Euer Barfußlaufen auch gilt, beweist insofern zunächst einmal nicht mehr oder weniger, als dass Barfußlaufen eine ganz normale Angelegenheit ist, bei der man ebenso gute wie schlechte Erfahrungen machen kann. Im Nachhinein schlechter Erfahrungen - ich neige dazu, diese gründlicher zu analysieren zu versuchen als die guten - finde ich oft (leider nicht immer) Erklärungsansätze, und häufig genug war schlicht eine Fehleinschätzung der Gesamtsituation die Ursache, vielleicht noch kombiniert mit zwischenmenschlich - atmosphärischen Störungen, an deren Zustandekommen man selbst sich reichlich unschuldig fühlt.
Und genau diesen Zusammenhang lese ich auch aus Lotsis Schilderung heraus :
[wirklich Ärger gab`s, als wir zu Gartenparty bei seinen Bekannten mussten. Alles Leute, die mich nicht kannten. [...] warmer Sommerabend, machte mich extra fein (ahnte Schlimmes) - auch Füße: mit Fußkette sogar! [...] Das Fest war dermaßen fad - lauter spießige fast - Juristen und ähnliches Volk, alles im edlen Zwirn, Damen hochhackig im Cocktailkleid, alle super langweilig und ätzend. Und weil alles so langweilig war, drehte sich meiste um meine nackten Füße: gesprächstechnisch und optisch. Ich bin selten so doof angeglotzt (und angeredet) worden und mir auch fast nie barfuß so nackt und bloß vorgekommen. Fast ausgeliefert]
Neulich habe ich gelesen - nicht unbedingt neu -, dass Schuhe (nicht nur) in Mitteleuropa zur Standardbekleidung gehören.
Insofern kann man logischerweise auch diesbezüglich sowohl "underdressed" als auch "overdressed" erscheinen (an beides habe ich - ganz ohne Beteiligung meiner Füße - auch einige schlechte Erinnerungen).
Während overdresste Fußbekleidungen kaum zu existieren scheinen, ist "underdressed" in den Augen mancher Zeitgenossen wohl ein ziemlich interessantes Thema - und erst recht, wenn underdressed konkret barfuß ist. Also bleiben im Alltag nur folgende Alternativen :
- ständige Anpassung an fremde Maßstäbe (eine uns unsympathische Alternative);
- das Meiden solcher Personengruppen bzw. Situationen (schon eher praktikabel, weil diese Art Typen einem ja im Allgemeinen ohnehin eher unsympathisch ist ... Lotsi hätte sich auf der Cocktailparty mit ziemlicher Sicherheit auch ohne Gesprächsthema zu sein unwohl gefühlt);
- ein ausreichend dickes Fell, kombiniert mit einigen guten Argumenten pro Barfußgehen und contra Dummschwätzigkeit und Vorurteile.
Für welche Alternative man sich entscheidet, muss sicher vom eigenen Charakter, den konkreten Lebenszusammenhängen des Einzelnen, auch von Jahreszeit, Geschlecht, Region ... abhängig sein - so dass es eine allgemeingültige Antwort à la "So macht man es richtig" nicht geben kann und wird.
Ich selbst halte es pragmatisch : da ich nicht provozieren will, gehe ich zu bestimmten Anlässen ohnehin beschuht, schließe bei Bedarf auch Kompromisse (ziehe also auch mal Schuhe an, nur weil meine Frau oder unsere Kinder das von mir wünschen) oder nehme, wenn ich mir der Situation nicht sicher bin, in Auto oder Rucksack vorsichtshalber mal Schuhe mit ... um so besser, wenn diese Vorsicht überflüssig war (und das war sie dann nahezu immer).
Die Variante dickes Fell nehme ich allerdings auch immer häufiger in Anspruch (und habe subjektiv dabei den Eindruck, immer seltener "angemacht" zu werden). Schließlich fällt auch die Frage :
[gequältes "Muss das sein?!" presste er gerne heraus]
allerspätestens nach dem fünften klaren "Ja !!!" auf denjenigen zurück, der sie stellt ...
Was die angeschnittene Partnerschaftsproblematik anbelangt, komme ich ebenfalls auf die Normalität des Barfußlaufens zurück : ich behaupte, dass niemand von uns "den absolut idealen Partner / die absolut ideale Partnerin" hat, mit dem es keinerlei Auffassungsunterschiede gibt (wäre vermutlich auf Dauer ohnehin ziemlich langweilig).
Jede Partnerschaft ist in einigen oder sogar vielen Bereichen auf Kompromisse angewiesen, und ihr Gelingen ist entscheidend von der Kompromissfähigkeit der Beteiligten abhängig (der ideale Partner ist insofern in erster Linie kompromissbereit).
Das gilt auch für die barfüßige Leidenschaft, und wenn es diesbezüglich nicht nur keine Übereinstimmung gibt, sondern es außerdem auch an Kompromissbereitschaft des / der anderen fehlt, dann stellt das die Beziehung auf eine Belastungsprobe - so wie es in anderen Fragen, die für einen von beiden wichtig sind, auch wäre. (Vielleicht helfen ja gelegentliche Tarifverhandlungen à la: ich akzeptiere Dein Rauchen, obwohl es mir lieber anders wäre - und Du mein Barfußgehen in der Öffentlichkeit ... (ein besseres Beispiel fiel mir gerade nicht ein)).
Was bei aller so verstandenen "Normalität" der Barfußfragen noch offen bleibt, ist die Frage, warum nackte Füße für manchen sooo interessant sind, wie es auch aus Lotsis Bericht hervorgeht.
Im "Best of" gibt es dazu eine Vielzahl von Erklärungsansätzen - falls ich mal Zeit dazu finde, stelle ich sie als Katalog zusammen.
Herzliche Füße an alle, speziell Lotsi sendet Georg

Natürlich hätte ich mich auf besagtem Fest auch mit Schuhen unwohl gefühlt, und sicher ist es gut, auch mal Kompromisse einzugehen. Ich habe zu diesen Leuten so und so nicht gepasst, aber ich musste halt hin (Kompromiss mit meinem damaligen Freund).
Diese beschrieben Leute da haben sich, was das Schlimme war, in ihrem langweiligen Geplänkel auch noch prächtig amüsiert, ja, dies "Fest" durfte als gelungen gelten. Aber Ihr hättet die Leute mal sehen und hören sollen! Da kann man wirklich nur noch hilf- und wortlos stammeln "Spießer".
Sicher, unter Leuten, die jetzt nicht sofort als "sp." gelten dürfen, kann man barfuß auch zur Schau werden. So geschehen auf einem anderen Fest, das von angehenden Geisteswissenschaftlern dominiert wurde. Auch da war ich der Gegenstand steter Analyse. "Und du hast wirklich keine Schuhe dabei?", hieß es dauernd (wirklich: immer wieder!) ungläubig. "Ja, was machst du, wenn du wo reintrittst/ es zum Regnen anfängt / jemand was sagt / du wo barfuß nicht reindarfst / was sagen denn die anderen dazu / hast du dich schon verletzt / ist es jetzt am Abend nicht zu kalt" usw. usw. - das kennt Ihr ja.
Also: Barfuß auffallen und zum Objekt der Betrachtung werden, das kann einem überall passieren. Nicht nur unter "Spießern". Einverstanden.
Liebe Grüße Lotsi

Für mich drückt sich da eher latente Bewunderung in den Aussagen der Leute. Denn in unserer Gesellschaft fällt barfuß eben auf. Dort waren doch bestimmt auch Leute die Ihren unterschwelligen Wunsch in Dich hineinreflektiert haben: Ihren Wunsch, selber so selbstbewusst wie Du zu sein.
"Nicht alle Echos hallen negativ durchs Ohr"
Nichts für ungut. Chris2

Das Thema Konventionen hat mich immer sehr beschäftigt, und ich bin immer am Experimentieren, wie man sie ausweiten und flexibler gestalten kann. Ohne wirklich gute Alternativen kann man sie (so meine ich) nicht über Bord werfen, ohne sich das perfekte Chaos auf den Hals zu holen.
Aber sie müssen im Interesse von jedermann weiterentwickelt werden! 
Die Konvention, anständig gekleidet unter Leute zu gehen, hat unbedingt ihren Wert. Es wäre doch sehr niederdrückend, den ganzen Tag unter ungepflegten und zerlumpten Leuten verbringen zu müssen. Da mir aber die Einengung durch Schuhe und Krawatte auf Dauer lästig ist, suche ich nach Varianten, wie man barfuß und ohne Strick um den Hals ein gutes Bild machen kann. Und da war die Diskussion dieses Forums immer sehr hilfreich. Wir sind zusammen auf dem besten Weg zu einer sinnvollen Weiterentwicklung, aber so etwas fällt einem nicht in den Schoß. Deshalb ist es mir auch so wichtig, der Öffentlichkeit positive Assoziationen zum Barfußlaufen zu vermitteln!
Meine eigene Homepage zielt auf ein an Konventionen orientiertes Publikum: Eltern, Lehrer, Sportler etc. Ich argumentiere mit konservativen Werten, zu denen ich selbst voll stehe: Gesundheit und Naturverbundenheit. Diese können gut als Brücke dienen, um Barfußgehen als akzeptable Alternative zur beschuhten Lebensweise anzubieten!
Das muss für heute als knapper Versuch zur Rückführung zum Barfußthema genügen ...
Viele liebe Grüße von Lorenz

Hallo, nachdem ich hier in Süddeutschland eigentlich nie irgendwelche Probleme hatte, dachte ich mir nicht viel dabei, letzten Mai auch in Dresden in einem Hotel barfuß frühstücken zu gehen. Dort bekam ich tatsächlich zum ersten Mal ein leichtes Problem mit dem Manager.
Wie's ausging, möchte ich hier nicht berichten, ich habe aber auf diesen Anlass hin mal wieder einige Diskussionen geführt. Tenor: Ohne Hemd etc. kann man auch nicht überall hin.
Natürlich ändern sich solche Konventionen mit dem Ort und mit der Zeit (Hüte und Handschuhe sind auch nicht mehr üblich), aber grundsätzlich muss ich zugeben, dass es welche gibt.
Kleidung zählt bei den Menschen zur Körpersprache, und die wird einfach interpretiert. Ich bin jetzt an dem Punkt angekommen, an dem ich einsehe, dass zu unterschiedlichen Anlässen unterschiedliches Outfit passend ist. Und dieses Problem lässt sich, meine ich, am einfachsten und klarsten dadurch lösen, dass man eben fragt.
Wenn abends eine Party ist, rufe ich deswegen an und frage allgemein, welche Kleidung erwartet wird. Heißt es, "komme wie Du willst", ist das Problem erledigt. Wenn Frack und Zylinder erwartet werden, überlege ich mir, ob's mir das wert ist.
Ich denke, dass auch Probleme mit dem Partner auf diese Weise ausgeräumt werden können. In der Regel gehen die ja darauf zurück, dass der Partner sich in einem "vorauseilendem Gehorsam" gesellschaftlichen Erwartungen beugt, die er zunächst nur vermutet, und das auch von uns erwartet.
Klären wir also, wie die Erwartungen sind und entscheiden wir dann! Gruß, KH (VS)

Akzeptanz des Barfußlaufens durch den Partner
Hallo Forum, durch die vielen Beiträge zum Thema ‚Probleme mit dem Partner' habe ich meine Partnerschaft mal unter dem Gesichtspunkt 'Akzeptanz des Barfußlaufens durch den Partner' beleuchtet.
Aus meiner Partnerschaft heraus habe ich folgende signifikante Merkmale ableiten können :

Auch als überzeugter Barfüßer würde ich deswegen die Partnerschaft nie gefährden, sondern versuche eine, für alle Seiten, akzeptable Lösung zu finden.
Mich würde interessieren, ob ihr ähnliches beobachtet habt.
Viele Grüße Klaus_sg

Barfuß & Partner - einmal anders
Hallo Freunde! Zum Thema Barfuß & Partner möchte ich auch einmal meine ziemliche konträre Erfahrung beisteuern. Meine (mittlerweile Ex-, aber das hat sicher nichts mit barfuß zu tun) Freundin hat mir eigentlich sehr dabei geholfen, zu meinem Barfuß - Lifestyle zu stehen. Und das, obwohl sie zwar auch gerne in Feld und Flur barfuß unterwegs ist, im Gegensatz zu mir das aber fast nie in der Stadt getan hat. D.h. sie hat keine Vorbehalte gegen barfuß in der Stadt, findet es nur einfach für sich selbst auf Asphalt nicht angenehm.
Sie hat mir einfach viel Mut dazu gemacht, das auch zu tun, was mir gut tut. Beim Thema Schuhe genauso wie bei anderen "Anfällen" minimalistischen Kleidungsstils.
Das gab ein paar recht witzige Situationen: Einmal kann ich mich erinnern, wie sie mich beim Weggehen zu einer Wanderung gefragt hat, ob ich denn wirklich heute Schuhe anziehen will. Und ich nur froh darüber war, so den nötigen Anstoß zu bekommen, ein wenig mutiger zu sein und die Schuhe wieder in die Ecke zu stellen.
Ein anderes Mal sind wir an einem der ersten warmen Frühlingstage am Abend weggegangen. Vor der Wohnungstür: sie noch in Stiefeln, ich in Sandalen ohne Socken. Wir haben unseren Spaß an der ziemlich gegensätzlichen Fußbekleidung gehabt, und ich hab sie dann gleich noch gegensätzlicher gemacht, indem ich die Sandalen wieder zurückgebracht habe.
Irgendwie habe ich auch immer das Gefühl gehabt, Silke freut sich einfach, wenn ich mit nackten Füssen aufkreuze. Vielleicht weil sie dann gespürt hat, mir geht's gut und ich fühl mich wohl.
Was unsere Füße angeht, hatten wir also eine echt toll harmonische Beziehung. Warum es dann trotzdem damit aus geworden ist, passt nicht hier her und ist auch reichlich kompliziert.
Ich wollte Euch nur einmal schildern, dass es so rum auch geht in Beziehungen.
Liebe Grüße! Harald (2)

Eine Fortsetzung der Diskussion findet sich hier.

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