Ganzjährig barfuß, oder : der Umgang mit dem sozialen Druck
(Forumbeiträge im Sommer 2000)

Anmerkung zu Julia Fiona: Gibt's eigentlich eine Statistik darüber, wie viele Ganzjahresbarfüßer hier vertreten sind?? Ich weiß einige, mich selbst eingeschlossen... ließe sich doch bestimmt mal eine Erhebung starten. :)
Bis zum nächsten Posting, Andreas Barfuß Spring

Hallo Forum, für die Erhebung über Ganzjahresbarfüßer sollten wir einen kleinen Fragebogen aufbauen und auf der Homepage mit einbinden. Eine Auswertung (fortlaufend) ließe sich so vereinfachen.
Ich schlage folgende Punkte zur Erfassung vor:
Name - Emailadresse - Alter - Ort - ganzjährig zu Hause - ganzjährig auch in der Öffentlichkeit, wenn nein: Zeitraum - bevorzugtes Gebiet: City, Wiese, Wald, Strand, alle Untergründe - wann begonnen
Bitte um Ergänzung. Wer wertet aus ? Wer programmiert den Fragebogen ? Wer bindet den Fragebogen ein ? Gruß Klaus_sg

Ich bin zwar noch relativ neu in der Materie "Ganzjahresbarfuß"; trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass man im Winter bei -10 Grad (oder kälter) barfuß läuft.
Bei so 'nem Wetter geht doch jeder mit Handschuhen aus dem Haus, oder? Sind Hände empfindlicher als Füße die auch noch Bodenkontakt haben?
Falls das Ganze nicht eher auf 'nem Wunschgedanken beruht, würden mich sehr die Kommentare unserer Mitmenschen interessieren, wenn man barfuß durch de n Schnee marschiert kommt. Wie ist das, Julia?
Ansonsten wünsche ich allen eine Schuh und Strumpf- freie Woche (noch ist Sommer!) Holgi

Da es auch Leute gibt, die im Winter mehrere Kilometer nur in der Badehose schwimmen (z. B. Dreikönigsschwimmen in Würzburg) ist das sicher auch nur eine Frage des Trainings. Lothar

Auch wenn ich keine weiten Wege barfuß im Winter unternehme, ist es doch das größte, durch den weichen frisch gefallenen Schnee zu laufen, man fühlt sich wie auf Wolken, auch wenn es nur eine Minute lang ist. Gesehen hat mich dabei noch keiner, aber die Fußspuren im Schnee und auch im Treppenhaus werden sicherlich einige bemerkt haben. Jochen

Seit Julia im Forum ist, haben wir ja eine echte Ganzjahres - Barfüßerin unter uns. Ich habe auch persönlich schon einige Ganzjahres - Barfüßer kennengelernt.
Ich bin selber Mitglied der DSS (DIRTY SOLE SOCIETY) und habe mich schon mit einigen per E-Mail ausgetauscht und habe schon einige persönlich kennengelernt. Dies hat mich mal zu einigen Überlegungen veranlasst.
Soll ich das nun bewundern oder verwundert und irritiert mich das auch ziemlich?
Im ersten Moment habe ich das absolut bewundert. Ja, ich als "Normal-Barfüßer" habe eigentlich auch immer den Wunsch immer und überall barfuß zu laufen. Meistens im Urlaub denke ich mir: So sollte es immer sein, nie mehr Schuhe anziehen und einfach glücklich sein und sich wohlfühlen.
Julia hat ja auch in einem ihrer Postings gesagt, sie läuft barfuß weil sie sich so am wohlsten fühlt. Recht hat sie!
Allerdings ändert sich das immer sehr schnell, wenn der ganz normale Alltag wieder beginnt. Man wird blöd angeglotzt, es werden einem dumme Fragen gestellt. Den einen mag das stören, den anderen nicht. Das kommt wohl auf den einzelnen an. Vor allem, wie er das selber wahrnimmt und wie er damit umgeht.
Dann gibt es aber auch mal Situationen, da hätte ich wohl besser Schuhe mitgenommen. Auf der Bahnhofstoilette (ekelhaft klebriger und versiffter Boden), beim Open - Air (überall Glasscherben) oder auch beim Einkaufen (eine helle Hose im Geschäft anprobieren und das mit schwarzen Fußsohlen kommt einfach nicht gut an!).
Also, ich ziehe bei bestimmten Gelegenheiten Schuhe an oder nehme wenigstens Flip-Flops oder Tevas mit. Und schon ist es wieder vorbei mit dem Ganzjahres - Barfüßer!
Dann wird es auch mal wieder kälter. Jedes Jahr denke ich mir, das geht jetzt mit dem Barfußlaufen noch ein bisschen länger in der kalten Jahreszeit als im letzten Jahr.
Aber wie hat Julia so schön gesagt, sie läuft barfuß weil sie sich so am wohlsten fühlt. Wenn die Temperatur unter 10 Grad Celsius geht, krieg ich einfach auf längeren Strecken kalte Füße. Ich zieh ja dann auch einen dickeren Pullover an oder wenn es noch kälter wird dann auch eine Winterjacke. Ich fühle mich dann jedenfalls nicht mehr wohl und das mit dem Ganzjahres - Barfüßer ist dann wieder nix mehr, weil ich einfach etwas an den Füßen brauche, damit ich mich wohlfühle.
Ich weiß, man kann bei kalten Temperaturen auch barfuß gehen. Ich habe auch schon Barfuß - Wanderungen im Frühling gemacht und es waren noch kleine Schneefelder zu überqueren. Es geht, aber auf Dauer fühle ich mich da wirklich nicht mehr wohl.
Julia redet von "Temperaturen um 0 Grad, bei -12 Grad zwei Kilometer zum Supermarkt gehen oder auch aus ihrem BMW barfuß in den Schnee steigen". Andere tun vielleicht ähnliches, aber ich fühle mich da nicht mehr wohl und kann diese Extreme nicht ganz nachvollziehen.
Für mich persönlich gilt: Barfuß fühle ich mich am wohlsten, aber nicht immer und überall. Liegt das nun an mir oder sind Ganzjahres - Barfüßer einfach doch andere Menschen.
Ich empfinde bei bestimmten Situationen Ekel (Beispiel Toilette). Es gibt auch Situationen, in denen mir meine Füße zu wertvoll sind, dass ich sie einer sehr hohen Verletzungsgefahr aussetze (Glasscherben oder Erfrierungen).
Es ist also auf der einen Seite ein psychologischer Unterschied, wie das Gefühl des Ekels oder der soziale Druck wenn die nackten Füße sehr auffallen und jeder glotzt.
Auf der anderen Seite muss es auch einen rein körperlichen Unterschied geben. Ich empfinde gewisse Temperaturen einfach als unangenehm. Gibt es da ein unterschiedliches Temperaturempfinden?
O.K., einen siebten Sinn habe ich beim barfußlaufen auch. Aber irgendwann wird es mir zu viel und ich zieh dann doch bei zu viel Glasscherben Schuhe an. Vielleicht sollte ich die Ganzjahres - Barfüßer doch lieber bewundern und sie sollten für mich ein Vorbild sein.
Vielleicht habe ich doch einfach noch nicht richtig ausprobiert und man fühlt sich das ganze Jahr und bei allen Gelegenheiten barfuß wirklich wohler. Der Ekel und der Soziale Druck spielen sich nur in meinem Kopf ab. Die Temperaturen und das mit den Glasscherben hat nur damit zu tun, das ich einfach noch zu wenig konsequent barfuß gehe und meine Füße noch nicht abgehärtet genug sind.
Vielleicht kann ja Julia oder ein anderer Ganzjahres - Barfüßer dazu mal Stellung beziehen.
Barfüßige Grüße Oli-M

Hallo Oli-M! Zwar bin ich kein "Ganzjahres-Barfüßer", aber erstens fände ich es schade, dass hier niemand auf einen so guten Beitrag antwortet, und zweitens würde ich doch gerne auch etwas zu einigen Punkten sagen.
[Julia barfuß am wohlsten fühlt. Recht hat Sie! wenn der normale Alltag wieder beginnt wird blöd angeglotzt, es werden dumme Fragen gestellt ... einen mag das stören, anderen nicht]
Genau dies stört mich ganz gewaltig. Ich kann diese immer wieder auftretenden Störungen ganz einfach nicht "nicht wahrnehmen". Eine so dicke "Hornhaut auf der Seele" kann ich mir gar nicht zulegen, und dickfellig möchte ich auch niemals werden.
Das von Dir Angesprochene ist das Einzige, was mich davon abhält, "Ganzjahresbarfüßer" zu sein. Glücklicherweise gibt es ab und zu auch das Gegenteil davon: Manche Frauen scheinen es romantisch, sinnlich, sympathisch zu finden, wenn ein Mann außerhalb des Freibades ganz natürlich barfuß läuft.
[Bahnhofstoilette ... Open - Air ... Einkaufen (helle Hose mit schwarzen Fußsohlen) ... ziehe bei Gelegenheiten Schuhe an oder Flip-Flops oder Tevas .. vorbei mit Ganzjahres-Barfüßer]
Das mit der hellen Hose im Geschäft gehört wieder in die Kategorie "Sozialer Druck" – s. o.
Zum unsauberen Untergrund:
- Hast Du jemals gehört, dass Krankheiten über das Barfußlaufen übertragen worden sind? Ich kenne nur zwei tropische Varianten (Sandflöhe und Hakenwurm), vor denen wir uns hier nicht zu fürchten brauchen. Letzterer scheint bei trainierten Füßen sowieso seine Schwierigkeiten zu haben. - Jetzt wirst Du sagen: Fußpilz!!! Fußpilz wird nur in Schuhen übertragen. Ein "echter" Barfüßer kann schadlos überall entlang laufen, da seine Füße dauernd Licht und Luft ausgesetzt sind und da seine Sohlen bei jedem Schritt mit 80 kg Druck abgescheuert werden. Seine Haut ist außerdem im Gegensatz zur "schwammartigen" Haut der Schuhträger fest und regelrecht geschlossenporig. Dies gilt nicht nur für die Sohlen.
- Eine Studie, wiedergegeben auf den Seiten der DSS, besagt, dass dauernd Barfußlaufende kerngesunde Füße haben. Ein Teil der Probanden war fast ausschließlich in einer indischen Großstadt unterwegs.
- Z.B. in Neuseeland gehen die Kinder barfuß in die Schule. Gerade auf Schultoiletten herrschen nach meinen Erfahrungen keine Idealzustände.
- Ein Erfahrung von mir: Eine Freundin von mir war in Tevas, ich überall barfuß unterwegs. Bei einer Rast zog sie die Sandalen aus: Ihre Sohlen waren dreckiger als meine – der Straßenstaub (übrigens beladen auch mit Sporen und Dauerstadien der verschiedensten Krankheitserreger) war zwischen Fußsohlen und Sandalen vorgedrungen. Zusammen mit Schweiß und Hautschuppen war er zu einer deutlich riechenden, für mich ekelhaften Schmiere verarbeitet worden. Während meine Sohlen an Licht und Luft, trocken und mit jedem Schritt kräftig abgescheuert waren, lief sie in einer ekelhaften Bakterien- und Pilz-Paste (in der Dauerstadien prima in aktive Stadien übergehen können).
- Würdest Du ständig ein Wochen-, Monate-, Jahrelang nicht gewaschenes Kleidungsstück anziehen wollen? Eines, was Du häufig trägst? Ich finde so etwas wirklich ekelhaft, und die Medizin gibt mir recht. Kein Wunder, dass die Füße in Schuhen "unappetitlich" sind und häufig krank werden. Zum "gefährlichen" Untergrund:
- Wie "gefährlich" Barfußlaufen ist, wenn man geübt ist : dazu habe ich eine ganze Reihe von Beiträge geschrieben, in denen man nachlesen kann, was dann alles völlig ungefährlich ist. Hierzu passen auch die Postings von Jens (Reisen in Indien) und die vielen Berichte auf der Barefoot travel Site. (Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch, und ich würde mich niemals unnötigen gesundheitlichen Risiken aussetzen. Z.B. trinke ich nur äußerst ungern aus einer Flasche, aus der gerade jemand anders getrunken hat, da der Weg für irgendwelche Erreger hier nun wirklich kurz ist.)
[unter 10 Grad Celsius auf längeren Strecken kalte Füße ... fühle mich nicht mehr wohl ... weiß, man kann bei kalten Temperaturen barfuß gehen ... habe Barfuß - Wanderungen im Frühling gemacht und kleine Schneefelder zu überqueren ... fühle mich nicht mehr wohl]
Hier fühle ich ähnlich wie Du. Unter zehn bis acht Grad ist bei mir allmählich Schluss.
Ich bin mir sicher, dass sich der Bereich des Wohlbefindens deutlich nach unten erweitern würde, wenn man nicht durch den o.g. sozialen Druck "ausgebremst" würde und bei niedrigeren Temperaturen besser in Übung wäre.
[Julia redet von "bei -12 Grad zwei Kilometer zum Supermarkt gehen oder aus BMW barfuß in Schnee steigen" ... fühle mich nicht wohl und kann Extreme nicht nachvollziehen]
Dies geht mir genau so. Es gibt aber Berichte über einen Volksstamm, der bei 0 Grad ständig barfuß lief.
[Für mich persönlich gilt: Barfuß fühle ich mich am wohlsten, aber nicht immer und überall]
Wenn der soziale Druck nicht wäre, sähe man mich oberhalb von acht Grad Celsius NIEMALS in Schuhen. Für mich sind sie eine Zumutung.
[sind Ganzjahres - Barfüßer andere Menschen ... empfinde bei Situationen Ekel (Beispiel Toilette) ... gibt auch Situationen, in denen mir Füße zu wertvoll sind (Glasscherben oder Erfrierungen)]
Ich kann mir vorstellen, dass bei Ganzjahres - Barfüßern das körperliche Bedürfnis nach Barfußlaufen noch höher ist als bei uns, und dass sie deswegen auch mehr Widerstand gegen den sozialen Druck leisten.
Ich kann mir auch vorstellen, dass sie im Bereich des "Ekels" einfach natürlicher empfinden: Krankheitsüberträger werden z.B. v.a. über Schmier - Infektion (Hände; Türklinke der Toilette) oder über Tröpfchen - Infektion (schlecht gelüftetes Büro, mal eben angehustet werden etc.) übertragen. Es gibt zig Leute, die sich nicht mal nach einem "großen Geschäft" die Hände waschen.
Zur Verletzungsgefahr kann ich nur sagen: Sie besteht beim Geübten nicht. Allenfalls gibt es mal Bagatellsachen, aber auch dies ist selten.
[psychologischer Unterschied, wie Gefühl des Ekels oder der soziale Druck]
Tja, entweder macht einem der Druck nichts aus (ist wohl auch Sache des allgemeinen Temperaments), oder man ist der Dumme.
[Ganzjahres - Barfüßer doch lieber bewundern und sollten Vorbild sein ... vielleicht noch nicht richtig ausprobiert und man fühlt sich das ganze Jahr und bei allen Gelegenheiten barfuß wohler]
Wenn Du mit dem Druck zurechtkommen würdest (mir gelingt es leider nicht), dann würdest Du Dich garantiert "das ganze Jahr und bei allen Gelegenheiten barfuß wirklich wohler" fühlen; von sehr tiefen Temperaturen einmal abgesehen.
[Ekel und Soziale Druck spielt sich nur in Kopf ab]
Ich glaube, das Gefühl des Ekels ist in unserer Zivilisation vielfach fehlgeleitet (bei den wirklich gefährlichen Dingen springt es gar nicht an, und bei den harmlosen wird "aus der Mücke ein Elefant" gemacht).
Der soziale Druck ist m. E. (Kai würde mir hier wiedersprechen) ganz real und sehr unangenehm. Beispiele könnte ich genügend aufführen - gestern starrte eine Kellnerin im Cafe z.B. mehrfach lange auf meine Füße. Ich habe sie dann freundlich gegrüßt, damit sie mich als Person auch noch wahrnahm.
Vor ein paar Wochen wurde ich im Postamt von einem anderen Kunden laut angequatscht ("Haben Sie Ihre Schuhe vergessen?", danach kam er zu mir herüber und überschüttete mich mit einem ganzen Wortschwall.).
Voriges Jahr in der Fußgängerzone: Ich kam an einem vollbesetzten Cafe vorbei, und ein Jugendlicher rief laut herüber (und die anderen an seinem Tisch grinsten sich eins) "Ey, haben Sie Ihre Schuhe vergessen?" Ich erwiderte "Gott sei Dank!" (tja, man könnte durchaus schlagfertiger sein...)
Das Blöde ist nur: Läuft man deswegen weniger barfuß, lässt die Übung nach, und die Verletzungsgefahr steigt. Und das nur wegen der DUMMEN, selbstgefälligen und von sich eingenommenen Leute!
Es grüßt zurück MarkusII

[Soziale Druck ist m. E. (Kai würde widersprechen) ganz real und sehr unangenehm]
Ich wäre der letzte, der behauptet, es gäbe keinen sozialen Druck zum tragen von Schuhen. Auch ich trage bei etlichen Situationen Schuhe um nicht 'unangenehm' aufzufallen.
Ich meine nur, die meisten Hindernisse befinden sich im eigenen Kopf und lassen sich dadurch ignorieren. Dass man als Barfüßer ganz real auffällt und auch mal Bemerkungen provoziert ist eine Tatsache, an der es nichts zu deuten gibt, ebenso dass Barfußlaufen in den meisten Berufen Tabubruch bedeuten würde.
Inwiefern einzelne Bemerkungen von fremden Passanten (die man nicht wieder sieht) aber sozialen Druck darstellen, ist diskussionswürdig. Das Besondere reizt nun einmal zu Bemerkungen, offen oder verdeckt. Wenn z. B. heute eine Frau einen ausladenden Hut trägt, fällt sie ebenso auf und provoziert Tuscheleien. Damit ist nicht unbedingt gleichzeitig ein sozialer Druck verbunden, keinen Hut zu tragen.
Grüße aus dem Süden
Kai (der nach einer Woche bei 'ner Veranstaltung endlich wieder barfuß laufen kann)

Bevor ich dieses Forum und ähnliche Webseiten kannte, habe ich "Ganzjahresbarfüßern" für eine Art von Spinnerei gehalten.
Nicht, weil ich es vielleicht selber nicht gern getan hätte. Sondern weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass das geht, weil die, die ich es tun sah, doch alle ein bisschen komisch waren.
Zum Beispiel der alternative Handwerker, der auf seinem klapprigen Fahrrad mit angehängtem Holzkarren voller Schrott durch die winterliche Großstadt radelte, die Füße nackt und der Struppelbart im Winde wehend.
Oder der leicht verrückte junge Mann, der sich in eine Decke hüllte, Selbstgespräche führte und barfuß durch Schnee und Eis stapfte, mit schmutzverkrusteten Füßen. Andere Beispiele gäbe es auch noch.
Ausnahme: ein Winterabend in Berlin vor Jahren, als an einem kalten Novemberabend eine Frau mit kräftigen schwarzen nackten Füßen aus der U-Bahn stieg, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Das gab mir dann doch zu denken.
Inzwischen weiß ich, dass es doch geht. Meine eigenen Versuche letzten Winter waren ein Genuss. Dieses Jahr (haben wir eigentlich schon Herbst?) wird das wiederholt und ausgeweitet.
Es hilft, dass die Umwelt offenbar ab einem bestimmten Grad von vermuteter Verrücktheit auf sonderbares Verhalten wie winterliches Barfußlaufen gar nicht sichtbar reagiert. Weniger jedenfalls als an einem leicht verregneten Sommertag. Fußfranz

Hallo Fußfranz, was ist an einem alternativen Handwerker so verrückt? Wobei es schon ziemlich schwierig ist im Winter Rad zu fahren, denn dabei bewegt man die Füße nicht. Tschüss Dominik

Eigentlich habe ich ja schon alles gesagt. Aber wenn ich nun als Vorbild gefragt bin ... Dazu eigne ich mich übrigens nicht. Aber nun:
Ich glaube tatsächlich, Frauen haben es leichter. Die Mode und die Konvention begünstigen sie. Aber ich habe Freundinnen, die dennoch meinen "Mut" bewundern und einerseits auf die mögliche soziale Abweisung des Barfußläufers hinweisen, andererseits aber darauf, dass sie sich körperlich wesentlich verletzlicher fühlen, wenn sie barfuß sind. Und zwar insgesamt.
Die Füße gehören zu den sensibelsten Tastorganen, Schuhe schützen schon sehr. Vielleicht geht es Männern genauso, und um so intensiver, je unangenehmer das Wetter ist. Dies Gefühl (das ich nie hatte) lässt wahrscheinlich nach, wenn man an Routine gewinnt, so wie der "7. Sinn" für Hindernisse absolut verlässlich wird.
Ich denke auch nicht lange über Wetter, Kälte oder so was nach, ich mache einfach, wonach mir der Sinn steht, und vertraue meinen Füßen. Das geht auch im Winter, so lange man es nicht übertreibt. Allerdings: Ich bin insgesamt nicht sehr "verfroren". Ich laufe schon oder noch in Sommerklamotten herum, wenn andere noch oder schon auf wärmere Sachen umgestellt haben. Ich drehe Klimaanlagen besonders weit herunter und mache die Heizung später an und früher aus.
Menschen sind so oder anders. Man kann es wohl nicht zwingen, und das ist ja auch nicht nötig. Man muss auch gar nicht den Ehrgeiz haben, Ganzjahresbarfüßer zu werden.
Wer es nicht ist, fühlt sich eben anders wohler.
Zum Ekel: Kenne ich auch. Ich habe hier schon über schleimige Straßen zu Beginn der Regenzeit in Asien geredet, ihr bringt Toiletten ins Spiel ... Manches, dem man begegnet, möchte man lieber nicht berühren. Allerdings sind Füße überaus leicht zu reinigen, leichter als Schuhe oder gar Sandalen, mit denen man irgendwo im Dreck versunken ist (Überdies habe ich schon manchen lohnenden Umweg für saubere Toiletten gemacht: wo die Touris hingehen, ist es nämlich meist dreckiger als für Einheimische. Und zur Not gibt es die Botanik).
Noch was? Ach so: Ich kann nur wiederholen, was ich schon gesagt habe - ein absolut gepflegtes Erscheinungsbild mildert vielleicht auch bei Männern die sozialen Probleme (die Mode macht es ihnen aber deutlich schwerer). Ich halte Designer - Klamotten, Make - Up und Nagellack nicht für einen Widerspruch zur Schuhlosigkeit. Julia Fiona

Hallo Julia, nachdem ich Deine Biographie mit Bewunderung und auch etwas Neid zur Kenntnis genommen habe, denke ich darüber nach, ob Du als Mann auch Business und barfuß zusammengebracht hättest.
Während ich bei den Frauen Deinen obigen Aussagen 100prozentig folge und hier auch der Meinung bin, dass es von Designersandalen mit lackierten Nägeln zu barfuß mit entsprechendem Fußoutfit nicht weit ist und dies mit Designerklamotten durchaus vertretbar ist. Dazu kommt, dass immer noch die meisten Führungspositionen von Männern eingenommen werden, die dann der Anblick von ästhetischen Frauenfüßen zumeist doch positiv beeinflusst bzw. zumindest keine Repressalien ergreifen.
So sind alle meine Kolleginnen in meiner Bank barfuß in Sandalen. Ich glaube nicht, dass es große Probleme gäbe, wenn sie auf die Sandalen verzichten würde, was sie teilweise auch tun.
Bei den Männern sieht das anders aus. Anzug und Krawatte zusammen mit barfuß passt einfach nicht, zumal auch lackierte Zehennägel hier eher albern aussehen. Dazu kommt, dass hier dann durchaus Repressalien bei der Verletzung der Kleiderordnung ausgeübt werden würden.
Somit bleibt mir nur zumindest bezüglich der fast nackten Füße meine weiblichen Kolleginnen zu beneiden, während ich mich in geschlossenen Schuhen und mit Socken durch den Tag quälen muss. Und somit erklärt sich für mich auch hier die nahezuhe Ausschließlichkeit von Männern.
Während Frauen einfach barfuß laufen können und dafür kein Forum benötigen, braucht "Mann" Unterstützung, Beistand, Ermutigung usw. Viele herzliche Grüße Lothar

Hi Lothar, Du hast natürlich recht: Ein barfüßiger Mann in Anzug und Krawatte sieht seltsam aus. Und ich habe ja schon bekannt, dass ich finde, dass lange Hosen auch bei mir selbst nicht so recht zu Barfüßen passen.
Ich glaube wirklich, dass ich als Frau mehr gegen den Business-Dresscode verstoßen würde, wenn ich beschuht in dem kleinen, buntbedruckten Sommerkleid, in dem ich gerade am PC sitze, zu einem Termin ginge, als barfuß und professionell gestylt wie üblich.
Allerdings tun Männer auch sehr wenig, um die Konventionen zu brechen. Freilich schon seit Jahrhunderten, anders sind Eure Uniformen nicht zu erklären. Männermode ist traditionell sehr einförmig, wofür der Einzelne natürlich nichts kann.
Das ändert sich aber gerade. Als ich vor zwei Monaten einen Freund in London besuchte (er ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer e- commerce- Firma), trug er im Büro und auf Terminen (ich hatte Geschäfte mit ihm zu erledigen, half ihm als Übersetzerin und Beraterin bei einem Deutschland - Deal) zwar den üblichen, dreiteiligen dunkelblauen Zwirn zu weißem Hemd und Krawatte. Nämlich Jackett, Weste und - Wickelrock! Du hast richtig gehört: Wickelrock, wadenlang, maßgeschneidert aus feinster Wolle. Ich hatte das zuvor nur auf dem Laufsteg bewundert und mich noch gefragt, wer das wohl tragen solle. Als Schuhwerk trug er dazu superteure, aus feinster Pflanzenfaser (Papyrus? irgendsowas) handgeflochtene japanische Flip Flops (die sicher einen Fachnamen haben) an den ansonsten mit japanischen Socken (denen mit den freistehenden ersten Zehen) bekleideten Füßen.
Ich habe niemanden offen Beschwerde führen oder auch nur dumm gucken sehen bei unseren Meetings. Wir waren allerdings alle jung, Mitdreißiger. Aber außer uns beiden verstieß niemand gegen den Dress Code. Doch unter Bankern, denke ich, hätte er so nicht bestehen können.
Ich gebe auch zu, dass mein Freund mir erzählte, er habe, als er anfing, Rock zu tragen, sein "zweites Coming out" gehabt: Viele, denen das vorher egal gewesen war, sagten ihm in entwaffnender Direktheit auf die Nase zu, dass er schwul sei, oder fragten ganz unverblümt danach. Er ist zufällig schwul, aber so direkt angegangen zu werden, dürfte auch nicht für alle Schwule besonders angenehm sein.
In seinem Rock kam er übrigens ohne Schwierigkeiten in seinen snobistischen Club hinein. Als ich dort hinein wollte - ich hatte keine Lust, einmal im Regen draußen auf ihn zu warten, als wir verabredet waren - wurde ich abgewiesen. Ich fragte warum.
Der Türsteher sagte: "I do not care for you being barefoot Madam, and I would not even care for anyone being in the nude, as long as the person concerned wears a tie and is male. That is our club policy, Madam. I'm very sorry."
Mit anderen Worten: So lange Du nur eine Krawatte trägst, kommst Du bei den Briten - egal wie - als Mann in den exklusivsten Laden. Wenn das kein Trost ist (or isn't it?). Julia Fiona

Ich gebe Dir bezüglich der Uniformmode der Männer recht. Ich finde die Bemalungen der Frauen auch toll (inzwischen auch von einigen Männern) und wenn man die richtige Figur dazu hat sehen auch Dinge gut aus, die hier als Müll gelöscht werden sollten.
Aber ich gebe auch zu, dass ich weder das Talent dazu habe und noch mir die Mühe geben würde, mich so perfekt zu stylen mit Make-up und Nagellack vielleicht auch noch mit verschiedenen Mustern auf jedem Nagel.
Das ist vielleicht der generelle männliche Fehler, dass Mann nicht so sehr auf sein Äußeres achtet und auch mir geht es so.
Ich bin zwar gezwungen mit Jackett, langer Hose, Krawatte und Schuhen anzutreten, aber gut aussehen tut das auch nicht immer, und wenn ich mich mal einer Modeberaterin unterziehen würde, würde man mir sicherlich eine ganze Menge vorwerfen können.
Das mit den Uniformen ist mir aber auch unbegreiflich. Eigentlich gibt es von den Männern kaum jemanden, der sie mag, und fast jeder empfindet das ganze als lästig. Dennoch ufert das ganze immer mehr aus und zwar mittlerweile auch in Jobs, wo es absolut nicht nötig ist, oder eben sogar bei der Arbeit hindert.
Ich finde es zum Beispiel völliger Unsinn, wenn ein Busfahrer mit Krawatte und Jackett einen Urlauberbus in heiße Länder kutschieren muss. Wenn er sicher fährt und den Bus reparieren kann, wenn etwas passiert, ist mir das weitaus lieber, vor allem da die meisten Urlauber ohnehin sehr leger gekleidet sind; ich auch.
Aber gerade im Osten findet man doch auch sehr viele Leute, die die Fahrt ins sonnige Italien im Anzug antreten. Aber vielleicht gehört das mittlerweile auch dazu und ich bin nicht up to date. Viele Grüße Lothar
PS: Soviel ich weiß kommen in englische Clubs nur männliche Wesen rein und da macht es keinen Unterschied ob Frau barfuß ist oder nicht oder?

Lieber Lothar: So ist es. Der Türsteher sagte, jede Person komme in den Club, und wenn sie nackt wäre, so lange sie nur eine Krawatte trage und männlich sei. Ein sehr britisches Statement. Und das nächste Mal vermeide ich längliche englische Zitate. Very sorry ;-) Julia

Hi liebe BarfüßlerInnen, wie ihr wisst, bin ich neu in diesem Forum. Laufen manche von euch - gemeint ist hier u.a. Julia Fiona - wirklich das ganze Jahr barfuß?
Ich laufe schon ziemlich oft - aber immer und überall?? Was hast Du, liebe Julia Fiona eigentlich für Füße?
Ich finde es jedenfalls enorm, dass du das ganze Jahr auf blanken Sohlen unterwegs bist.
Aber ich trainiere ja noch. Gruß alex

Ich denke, meine Füße sind ganz normal. Wenn es kalt wird, halt ziemlich gut durchblutet.
Die "Abhärtung", also das Gefühl, dass es nicht so kalt/ hart/ uneben oder was immer ist, findet wohl mehr im Kopf als an den Füßen statt. Außer Abhärtung könnte man auch Routine sagen.
Ich kenne einen Koch, der nimmt ohne Topflappen Pfannen vom Herd, die mir zu heiß wären. Aber Blasen würde ich davon auch nicht bekommen.
Wie Du sagst: Du trainierst noch. Am Ende wirst Du es ganz normal finden, auch im Winter ohne Schuhe zu sein. Zumal in einem Winter, wie er sich dieses Jahr abzeichnet. Richtig kalt will es wohl nicht werden.
Für Schuhe fehlt übrigens mir die Routine. Ich finde sie beengend oder sehr unbequem. ...
[Gibt es jemanden der jetzt noch barfuß unterwegs ist? Chris]
Ich. Komme soeben von einer Sause mit Freundinnen, bin viel zu munter und angesäuselt zum Schlafen gehen, war heute morgen ohne Schuhe Joggen bei leichtem Bodenfrost, bin dann mit dem Auto zur Arbeit, nach der Arbeit um die Häuser gezogen (barfuß in Kostüm, Rollkragenpullover und Leggins, für die Modeabfrager), habe ein wenig freundliche Anmache und tiefe Verwunderung einzelner alleinreisender Herren charmant und leichtfüßig wie immer pariert und bin angenehm auf- und leise durchgedreht am Ende mit dem Taxi nach Hause. Und kerngesund bin ich auch, ...
[ Bis vor ein paar Tagen war ich es noch, doch jetzt hab ich einen saftigen Schnupfen.]
... weil nämlich Schnupfen, Du Armer, je nach Sorte, von Viren oder Bakterien kommt, und nicht von baren Füßen. Den Viren und Bakterien aber fällt man im Zweifel auch beschuht zum Opfer.
Denn Schuhe schützen davor nicht, so lange man sie sich nicht in Nase und Mund steckt, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden. Und jetzt gehe ich ins Bett. Übrigens barfuß und ohne Schuhe in Nase und Mund, obwohl doch Winter ist und viele Leute ganz schlimm schniefen. Grüße! Julia Fiona [am 20. 12. 2000]

Außerdem: Wie war es denn damals (natürlich ein "weiter Begriff), wo sich viel Leibeigene oder ähnliches Volk, überhaupt keine Schuhe leisten konnten?
Irgendwie müssen die ja den Winter auch (zumindestenst die meisten...) überlebt haben. Also doch nur eine Frage der Routine und Übung? Chris

Auch soll es damals bei der Landbevölkerung üblich gewesen sein, dass Kinder ihre ersten Schuhe zur Konfirmation bekommen haben, kann das jemand bestätigen?
Die mussten ja auch über den Winter ..... Unci

Zur Ganzjahres - barfuß - Frage wurde eine Anleihe in vergangenen Jahrhunderten gemacht, um "die Machbarkeit" zu prüfen (Leibeigene etc.).
Die Überlegung ist gewiss nicht uninteressant, läuft aber wie alle historischen Vergleiche schnell Gefahr, die ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen zu übersehen.
Mag sein, dass manche Familien so gut wie gar keine Schuhe besaßen und rund ums Jahr barfuß gingen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass man für sehr kalte Tage die Füße zumindest umwickelte oder aus einem Holzstück doch nicht Energie durch Verbrennen sondern Holzschuhe durch Bearbeiten gewann - Zeit dafür war ja, denn in der vorindustriellen Landwirtschaft gab es im Winter nicht allzu viel zu tun.
Außerdem waren diese Menschen weitaus besser trainiert - waren sie doch viel abgehärteter, weil von Klein an den Wechsel der Temperaturen gewöhnt - übrigens nicht nur über die Jahreszeiten, sondern auch im Tagesablauf, denn der Tag einer bäuerlichen Familie reichte vom Sonnenauf- bis zum -untergang. Und so früh morgens ist es nicht nur im Winter recht frisch ! (Wessen Konstitution das nicht durchhielt, war übrigens schon sehr jung verstorben.)
So lebt bei uns aber niemand mehr (gut so) - und also hinkt der Vergleich zumindest erheblich. Georg

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