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[Gibt es eine Bevorzugung von Barfüßern - oder machen nur Schuhe Leute ?] |
[Barfuß in städtischem und ländlichem Umfeld] |
Gibt
es eine Bevorzugung von Barfüßern - oder machen nur Schuhe Leute ?
(Forumberichte im Sommer 2000)
Mir ist in letzter Zeit folgendes aufgefallen:
Wenn ich barfuß in der Stadt unterwegs bin, werde ich oft von Fremden nach dem
Weg gefragt; wenn ich Schuhe trage, nie (kommt zwar immer seltener vor, aber
auch früher war es schon so).
Gehen die Leute davon aus, dass Barfußläufer
gerade mal kurz vor die Tür gegangen sind und um die Ecke wohnen, weil ja kein
Mensch dort, wo er nicht zu Hause ist, so rumläuft?
Und als ich einmal bei
relativ kühlem Wetter im Bahnhof auf einen Zug wartete (barfuß), kam doch
gleich eine ältere Dame und bat mich freundlichst, ihr beim Einsteigen mit dem
Gepäck zu helfen. Ich war nun wirklich nicht der einzige auf dem Bahnsteig, der
dafür in Frage gekommen wäre ... Fußfranz
[barfuß in der
Stadt unterwegs ... oft nach Weg gefragt ... Gehen Leute davon aus, dass Barfußläufer um Ecke wohnen, weil kein Mensch dort, wo er nicht zu
Hause ist, so rumläuft?]
Ja, das denke ich auch. Sie nehmen an, dass sich
niemand ohne "Schutzausrüstung" in die Fremde traut, also: das ist
jemand von hier. Unci
Hallo Fußfranz, gleiches ist mir auch schon aufgefallen. Ich bin aber der
Meinung, dass ein barfüßiger Zeitgenosse menschlicher wirkt, als einer mit
Schuhen.
Man weiß ja, dass die Kleidung hauptsächlich schützen soll und auch
in der Regel eine Art Verkleidung ist. Fehlt nun diese "Verkleidung"
(Schuhe), stellt man sich den Mitmenschen so dar, wie man wirklich ist
(ungeschützt). man könnte sagen, man hält dem Gegenüber seine Kehle hin. Das
weckt Vertrauen, da man auch selbst vertrauensselig wirkt.
Gruß und Fuß
Andreas S.
Das ist eine sehr interessante Deutung, Andreas, die sich mit meinen eigenen
Gefühlen gegenüber barfüßigen Menschen absolut deckt.
Schuhe sind ja auch
nicht nur ein Schutz, bestimmte Arten von Schuhen sind sogar so etwas wie eine
"Waffe". Damit kann man andere Menschen sogar verletzen (ich denke
gerade auch an die martialische Beschuhung und Bestiefelung gerade gewisser
Jugendszenen wie Punks/ Autonome, ganz besonders aber an den Nazidreck).
Barfüßige Menschen strahlen da gleich etwas urmenschliches aus (wobei das
natürlich in solchen Gebieten, wo alle Menschen barfuß sind, wieder
relativiert wird).
Es hängt aber davon ab, wie man selbst dazu steht. Die
Mehrheit steht der Barfüßigkeit sicher aufgeschlossen gegenüber, eine
verklemmte Minderheit sieht darin aber asoziales Verhalten oder
"Abgerissenheit" und wird sich aus diesem Grunde erst recht nicht an
Barfüßige wenden.
Fuß zum Gruß Lupu
[gleiches mir auch schon aufgefallen]
Mir auch, aber...
[bin
der Meinung, dass barfüßiger Zeitgenosse menschlicher wirkt, als einer mit
Schuhen. ... Fehlt "Verkleidung"
(Schuhe), stellt man sich so dar, wie man wirklich ist ... hält Gegenüber Kehle
hin]
... das deutet m. E.
einfach zuviel da hinein ... vielleicht magst Du psychologisch gesehen recht haben,
das kann ich nicht beurteilen, aber ich glaube ehr, dass jemand, der barfuß
unterwegs ist einfach als einheimischer angesehen und daher öfter
angesprochen wird. Ciao! Timu
Ich denke auch, dass Andreas recht hat. Seine Analyse deckt sich mit dem,
was ich selbst spontan gedacht habe.
Jede Kleidung ist auch ein Stück Maske. In
der Zeit der Stände waren bestimmte Kleidungsstücke vorgeschrieben, die nur
von den Angehörigen einer bestimmten Gruppe getragen werden durften (z. B. Zobel
für Adlige, Kaninchen für Bürgertöchter).
Was die von Lupu erwähnte Gruppe
der Punks angeht, weiß ich aus der Berliner Szene, dass dort aber auch relativ
viel barfuß gelaufen wird, so etwa nach dem Motto entweder richtige Stiefel,
oder gar keine Schuhe.
Es grüßt Hans-Martin
Das mit den Berliner Punks stimmt nur bedingt. Selber habe ich lange genug in
einem "szenigen" Kiez gewohnt (inklusive einer Menge besetzter Häuser
in der unmittelbaren Nachbarschaft): in zweieinhalb Jahren habe ich dort eine
(!) "Punkerin" (eine junge Mutter) zwei oder drei mal barfuß gesehen.
Sonst alle nur be"stiefelt".
Aber das war/ist zum Teil auch eine
unangenehme Gegend (unsaubere, Hundekot - Straßen), allerdings konnte ich ganz
gut barfuß gehen dort (ist wahrscheinlich wieder nur eine Sperre im Kopf).
Auf
einem Punk-/Autonomen Sommerfest in der Nähe gab's (in einem Hof) allerdings
dann doch auch einige (vornehmlich weibliche) Punker... Lupu
Hallo! Recht habt Ihr. Kleider machen Leute, und barfuß macht tatsächlich
"Image".
Ich machte im Herbst 1998 eine Business - Reise mit dem ICE und
wurde von meinem Gastgeber, der mich noch nicht vom Sehen kannte, am Bahnhof
abgeholt. Ich beschrieb mich als "große Frau im grauen Kostüm mit
knallroter Reisetasche". Genau so sah ich aus.
Der Mann stand mir so nahe,
dass er die Nase an mir hätte plattdrücken können, die Tasche war so rot,
dass sie ihn anschrie. Weil ich barfuß war, sah er mich aber nicht, wie er
Minuten später zugab, sondern nur sein "Bild" von einer barfüßigen
Frau: Das war aber nicht das einer Geschäftsreisenden, sondern das einer
Rucksacktouristin. Er fand sich erst mit mir als der Frau, auf die er wartete,
ab, als nur noch wir allein auf dem Bahnsteig standen.
Er hatte sich übrigens
als "durchschnittlicher Glatzenträger" beschrieben. Deshalb sah ich
ihn auch nicht: Ich hatte einen durchschnittlich kleinen Glatzkopf mit Bauch vor
Augen, er aber ist groß und schlank. Man erkennt halt am besten die unbekannten
Dinge, die am Ende dem Konzept in unserem Kopf am meisten entsprechen. Julia
Fiona
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Barfuß
in städtischem und ländlichem Umfeld
Forumbeiträge seit Herbst 2000)
Vorbemerkung : Das Thema wurde im Zusammenhang mit Beiträgen zu Berlin diskutiert.
Hi Tatjana & alle anderen ... Das erstaunt mich jetzt, dass bei Dir in der Gegend offensichtlich mehr Stadtmenschen als Landmenschen barfuß gehen, hier im Raum Bonn beobachte ich das genau anders herum ... Fuß zum Gruß, SchnaXeL
Barfuß in Berlin? Hallo, ich komme aus einen Dorf in der nähe von Lübeck. Dort bin ich als Kind schon barfuß gelaufen. Keiner wundert sich, also ganz normal. Nun bin ich mit meiner Mutter nach Berlin gezogen .... wer gibt mir mut auch in Berlin barfuß zu laufen? Anja
Ja, Großstadt und Dorf. Man sollte sagen: Das
typische Klischee trifft mal wieder zu.
Was Du Dir an Natürlichkeit und
Menschlichkeit in Deinem "Dorf" erlauben konntest, ist in der
Metropole Berlin nicht mehr so einfach möglich. Ich würde mir aber an Deiner
Stelle nicht soviel Gedanken machen. Ziehe Deine Sache durch! Irgendwann werden
Dir die Blicke egal sein. Dafür musst Du aber auch mit Deinem unmittelbaren
Umfeld abklären, das es Dich unterstützt und nicht Deine "Vorliebe"
ausredet.
Wie sieht das Deine Mutter? Und wie ist das mit dem Freund? Was würde
passieren, wenn Du barfuß zur Schule gehen wolltest? Würden Sie auf das Gerede
(es muss nicht kommen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich das, es kann
passieren!) der Nachbarn eingehen?
Viel Mut! Chris
Hi! Es scheint wohl tatsächlich so zu sein, dass
Barfüßigkeit in größeren Städten weniger üblich ist als in kleineren.
Bonn ist ja bekanntermaßen kleiner und unbedeutender als Berlin, aber auch hier
muss ich das oben genannte feststellen: In der Stadt selbst treffe ich recht
selten auf Barfüßer, aber je weiter ich aus der Stadt herauskomme, desto mehr
treffe ich an; schon 10-15km reichen hier völlig aus.
Aber ich wage mal zu
behaupten, dass auch Berlins Pflaster ein angenehmes Gefühl unter Deinen Sohlen
sein wird...
Den Unterscheid zwischen Stadt und Provinz mache ich nicht am
Untergrund fest, sondern eher an der Einstellung der Menschen.
Asphalt und
Pflaster sind innerhalb der Vororte genauso beschaffen wie in den Städten, aber
trotzdem gehen die Leute da eher barfuß ... :-) SchnaXeL
[scheint so zu sein, dass Barfüßigkeit in größeren Städten weniger üblich ist als in kleineren]
Meine Erfahrung ist genau das Gegenteil. Bevor man Überlegungen zur Häufigkeit
anstellt: die zahl der Barfüßer ist überall fast gleich null, denn es ist
eine extrem kleine Minderheit. Selbst wenn man die Teilzeit-Barfüßer mit
einbezieht.
[Bonn kleiner als Berlin,
aber muss feststellen: In Stadt selbst
treffe ich selten auf Barfüßer, aber je weiter ich
herauskomme, desto mehr treffe ich; schon 10 - 15 km reichen aus]
Ich habe das Gefühl, es sei genau anders herum mit den Häufigkeiten.
Ich
stamme aus einer Landgemeinde 50 km von Bonn entfernt, und wohne seit 1995 in
Bonn.
In meinem Heimatort war die zahl derer, die man nach hier geltender Konvention
als Barfüßer bezeichnen würde, null. Die Leute, die auf ihrem Grundstück mal
barfuß rumlaufen, zähle ich definitiv nicht dazu. Allenfalls
beim Stadtbummel im Gemeindehaupthort/ Kleinstadt kann man ganz selten mal eine Frau
sehen, die aus Bequemlichkeitsgründen an einem heißen Sommertag barfuß
geht und ihre Schuhe trägt.
Barfüßige Männer sind dort definitiv keine
vorhanden. Meiner Meinung nach eine Folge des Gruppendrucks, den ich auch
gespürt habe.
Das erste mal, dass ich Männer im Sinne dieses Forums barfuß
gesehen habe, war im Sommer 1995, als ich für ein paar Monate in Köln wohnte,
und in den darauf folgenden Jahren in Bonn. Das war für mich auch der Moment,
an dem ich mir gesagt habe: "Hey, cool! Hier ist das kein Problem, was du
schon lange gerne mal machen wolltest!" und ich tat es :)
Vielleicht lässt
das, was manche an kleinen Orten so schätzen, die gute Nachbarschaft und das Umeinander -kümmern,
Norm- Abweichungen weniger zu als das gegenseitige
ignorieren in größeren Städten, wo einem der andere so egal ist, dass man den
nie drauf ansprechen würde, warum er das und das so und so macht. Dabei muss
man aber auch noch zwischen "armen" und "reichen" Stadtteilen
unterscheiden, so ist meine Erfahrung.
In "armen" Bezirken ist man zwar genau so ignorant, aber es gibt trotzdem einen
Gruppendruck, nicht arm zu wirken, bzw. sich durch Bekleidung einen minimalen Status
zu sichern. Das steht dem barfuß laufen natürlich klar entgegen. Dann
kommt noch hinzu, dass man denkt: "wenn ich in meiner Freizeit barfuß in
der Fußgängerzone bin, und mein Chef kommt mir entgegen .....!" Für mich
ganz klar, jemand der darauf keine Rücksicht zu nehmen hat (Studenten z. B. :)
wird viel eher dem Barfußgehen zugeneigt sein. Es gibt sicher tolerante Chefs,
aber die meisten wollen noch nicht mal verstehen, warum man es so macht, und,
sie haben den Vorteil, das auch nicht verstehen zu müssen, sondern ganz einfach
die Kündigung schreiben zu können.
Grüße aus Bonn am Rhein [asc]
[tatsächlich so sein, dass Barfüßigkeit in größeren Städten weniger üblich ist als in
kleineren]
Ich
habe genau das Gegenteil beobachtet!
Ich wohne in einer kleineren Gemeinde am
Stadtrand von Hamburg. Dort sieht man selbst im Sommer nur selten jemand
barfuß.
In der Hamburger City allerdings kann man öfter Barfüßige sehen.
Zumindest an warmen Sommertagen. Man wird sogar weniger komisch angesehen als
in Berlin, habe ich festgestellt. Barfuß-Tschüs SteBa
Zum Thema passt auch gut der Beitrag : Lupu lebt barfuß in Groß- und Kleinstadt
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