Wird mit Barfußlaufen Armut verbunden ?
(Forumbeiträge seit Frühjahr 1999)

Ein Zeitungsartikel in der Juni - Presseschau 1999 stieß eine Diskussion an :

Boafuaß
"Mama, derf i boafuaß renna?" Auch die Kinder unserer Zeit sind gerne ohne Schuhe und Strümpfe unterwegs, wenn die Sommersonne vom Himmel brennt. Unsere Großeltern durften nicht - sie mussten barfuß laufen. Zur Schonung des Schuhwerks. "I hon meine Schuah grod am Sunnta in d' Kircha ozog'n. Erst hon i 's trogn und vo da letztn Stauern am Kirchaweg hon i 's auffeto'", erzählte eine Großtante. Sie hat auch vom "Küah-Hüatn" berichtet, der herbstlichen Arbeit aller Bauernkinder. "Do is oft da Reif scho am Gras drog'hängt. Uns hot so vej in dö nackatan Füaß g'frorn, daß ma uns hoit ab und zua in an warma Kuahdreck eineg'stellt ham".
Die Nachkriegsgeneration hielt sich an das Gebot, in Monaten ohne "r", also von Mai bis August, barfuß laufen zu dürfen. Im Mai war es noch schwierig, ohne "Aua!" beispielsweise über eine grobe Schotterstraße zu laufen. Im August war das infolge der abgehärteten, von einer "Hornhaut" überzogenen Fußsohlen kein Problem mehr. Man konnte über ein Stoppelfeld flitzen, beim "Hoibazupfa" piekste der "Dangl" - die abgefallenen Fichtennadeln auf dem Waldboden - kein bißchen mehr. Aber dann begann nach den großen Ferien schon wieder die Schule und Schule war gleichbedeutend mit Schuhen.
Bis dahin gab es manches Malheur fuß- und beinseits. Als da waren: Brennessel malträtierten die Wadln, Ameisen waren mit Säure zugange, der "Ganserer" vom Nachbarn entwickelte eine Vorliebe für nackte Kinderbeine und zwickte, was der Schnabel hielt. Besonders schmerzhaft war eine "Stoatritt": Ein spitzes Steinchen saß in der Fuß - Hornhaut und man mußte zusehen, es wieder herauszuholen. Geschrei gab es, wenn wieder einmal ein "Zehernkapperl" fällig war: In vollem Lauf hatte man sich an einen Stein, ans Türstöckl oder ein anderes hartes Hindernis gestoßen - und weg war eine Zehenkappe. Absolute Problemzone war hier die große Zeh. Gefürchtet war das Zehenkapperl - Abstoßen vor allem bei den Buben, denn mit einer solchen Verletzung verbot sich über längere Zeit das Fußballspielen. Unangenehm war auch ein juckender "Baamhackl" an den Beinen. Er kam zustande, wenn ein kalter Wind über längere Zeit auf die vom Spielen im Bach nassen Wadl blies und die Haut dabei austrocknete. Daß die Schienbeine stets mit einer Ansammlung blauer Flecken versehen waren und die Knie ständig "aufgeschunden" waren, bedarf keiner besonderen Erwähnung - kleine "Betriebsunfälle", die sich nie vermeiden ließen. brigitte
[Passauer Neue Presse, Lokalteil Zwiesel (Der Bayerwald-Bote), 08. 06. 1999]

Ich wundere mich, dass im Artikel ein so negatives Bild vom Barfußlaufen gezeichnet wird.
Meine Erfahrungen sind viel, viel besser (und die von Euch allen auch, wenn mich mein Eindruck nicht täuscht); ebenso das, was KNEIPP und verschiedene Schriftsteller(innen) geschrieben haben. Waren die beschriebenen Leute alle ungeschickte Trampel? Das kann doch eigentlich nicht sein! MarkusII

Der Artikel hat ja durchaus auch Passagen, die ich ganz positiv verstehe.
Die angegebenen "Probleme" will ich gern glauben; sie beziehen sich ja auch auf das Toben von Kindern im "unaufgeräumten" Freien (da ist sicherlich ein gewisses Verletzungsrisiko vorhanden - und keineswegs nur an den Barfüßen, wie der Text ja auch selbst sagt - und sind stark komprimiert; wenn man das mit den gelegentlichen negativen Erfahrungen von Kindern bei Ballspielen (oder beim Rollschuhlaufen, Radfahren ...) ähnlich machen würde, könnte man daraus auch ganz leicht ableiten, dass es viel viel sinnvoller wäre, Bälle (Rollschuhe, Fahrräder ...) grundsätzlich abzuschaffen ... Georg

Von einigen älteren Damen aus meiner Wahlheimat Oberbayern habe ich ganz ähnliches gehört von ihren Barfußerfahrungen in den Monaten ohne "r" - vom Steintritt, der schmerzhaft herauseiterte, von den abgeschlagenen Zehenkuppen etc.
Natürlich assoziiert diese Generation Barfußlaufen nicht mit unbeschwerter Kindheit oder Strandurlaub, sondern mit drückender Armut. Und das regelmäßige Tragen von Schuhen ist dann wohl das Symbol für die Überwindung dieser Armut. So klingt aus den Worten einer guten Bekannten von uns auch das Erstaunen heraus, dass ich mir das freiwillig "antue", was für sie einstmals unausweichlicher Zwang war.  Lorenz

Ich habe einmal einen Spruch gehört, der lautete: Nur wer Schuhe hat, kann barfuß gehen.
Das zielt genau in diese Richtung. Wer sein Leben lang barfuß gehen musste, kann oft nicht verstehen, dass man das gerne tut.
Ich denke, dass man so auch regionale Unterschiede im Barfußverhalten verstehen kann. In vielen Ländern ist das Barfußlaufen noch ein Zeichen von Armut. Daher käme niemand auf die Idee, freiwillig auf Schuhe zu verzichten.
Als Tourist, der sich zwar das teure Flugticket, nicht aber Schuhe leisten kann, weckt man dann oft große Verwunderung.
Mit barfüßigen Grüßen Gerald

Barfuß gleich Armut! Diese Gleichung wiederspiegelt doch nicht nur festgesetzte Meinungen in unserer Gesellschaft, sondern eben auch eine geschichtlich Entwicklung.
Es ist wohl tatsächlich so, dass Schuhe in früherer Zeit oder auch heute noch in armen Länder ein Symbol von Reichtum ist. Man trägt Schuhe nicht nur, weil sie bequem (äh unbequem!) sind, sondern um seinen Reichtum, seine Macht zu demonstrieren.
Ein Beispiel aus der Zeit des Sklavenhandel. Da liefen die (schwarzen) Sklaven auch barfuß, derweil der reiche Großgrundbesitzer immer mit Schuhe vor seine Sklaven trat. Barfußlaufen war zu dieser Zeit nicht nur ein Zeichen der Armut, sondern auch der Unterwerfung und Demütigung.
Gleiches mag heute auch in Entwicklungsländer mehr oder weniger gelten. Dieses Prinzip gibt es auch heute in anderer Form in unserer Gesellschaft noch. So trägt doch der Chef, der Direktor, der Politiker auch an heißen Sommertagen eine Krawatte, nicht weil es bequem oder praktisch ist, sondern doch nur, weil es die gesellschaftliche Stellung es verlangt. Wenn es nach seinem Wohlbefinden geht, würde vielleicht nicht nur die Krawatte gelockert, sondern auch gleich die Schuhe ausgezogen ...!
In unserer Gesellschaft geht nun der Wandel dahin, dass Barfußlaufen nichts mehr direkt mit Armut oder Unterwerfung zu tun hat. Dafür werden dem Barfußlaufen andere Aspekte zugeordnet. Für viele sind Barfüßer linke Alternative oder grüne Fundis, welche vielleicht auch nicht zu der oberen Vermögensschicht gehören, auf Schuhe jedoch nicht wegen zu wenig Geld verzichten, sich diese jederzeit leisten könnten.
Tatsache ist aber auch, dass in diesen Kreisen Barfußlaufen gesellschaftlich akzeptiert ist. Es mag schon sein, dass es eine Gesellschaft gibt, wo man als Barfüßer weniger aus dem Rahmen fällt, als wenn man in Schale und mit Krawatte auftauchen würde.
Fazit: Barfußlaufen oder eben Schuhe tragen ist nicht eine Frage des Geldes, sondern der gesellschaftlichen Akzeptanz, eine Akzeptanz, welche in gewissen höheren und vermögenderen Berufszweigen, Berufshierarchien und Gesellschaftsschichten anders interpretiert wird. Nicht mehr Armut oder Reichtum, sondern die gesellschaftliche Stellung ist entscheidend, ob Barfuß oder mit Schuhe (Wobei keine Regel ohne Ausnahme, meine Theorie könnte mehrmals widerlegt werden)
Barfußlaufen ist heute aber vermehrt auch eine Frage des Alters. ALs Kind, als Jugendlicher wird es noch als selbstverständlicher angesehen, man kann, darf und getraut sich eher, barfuß zu zeigen. Je älter man wird, desto schiefer wird man aber (auch von den jüngeren) barfußlaufend angesehen, desto mehr braucht es Überwindung.
Und zu guter letzt, im Forum schon oft diskutiert. Bei Frauen wird Barfußlaufen als wesentlich gesellschaftsfähiger angesehen als bei Männer - deswegen sind Frauen jedoch nicht ärmer. Spency

[Barfuß gleich Armut ... festgesetzte Meinungen in unserer Gesellschaft, auch geschichtlich]
Dies ist bei uns ja auch keine aktuelle Realität mehr, z.B. habe ich noch nie einen Penner ohne Schuhe gesehen. Aber die älteren Menschen sind in ihrer Meinung durch ihre Kindheit in der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt.
[Prinzip in anderer Form in unserer Gesellschaft .. trägt Chef, Direktor, Politiker an heißen Sommertagen Krawatte, weil gesellschaftliche Stellung es verlangt]
Und der Mitarbeiter tut es, um klarzumachen, dass er auch bald in die Führungsetage vorrücken will!
[Wandel dahin, dass Barfußlaufen nichts mit Armut oder Unterwerfung zu tun]
Urlaub, Nichtstun, Eigensinn, Protest .... alles Dinge, die im Sinne des Aktionärsnutzens unproduktiv ist! Deshalb gilt tatsächlich:
[Für viele sind Barfüßer linke Alternative oder grüne Fundis ... [gesellschaftliche Stellung entscheidend, ob Barfuß oder mit Schuhe]
Man passt sich der Kleiderordnung der Klasse an, zu der man gehören möchte.
[Barfußlaufen heute vermehrt Frage des Alters ... als Kind, Jugendlicher noch selbstverständlicher angesehen ... Je älter, desto schiefer wird man barfußlaufend angesehen]
Das habe ich früher auch geglaubt, aber jetzt mit 48 Jahren bin ich erstaunt, wie wenig meine baren Füße beachtet werden -- am ehesten reagieren tatsächlich Teenager komisch.
Als ich jung war, wollten eben alle noch erzieherisch auf mich einwirken (Eltern, Lehrer, etc. wollten ja nur mein bestes). Jetzt hat das keiner mehr im Sinn -- und die wenigsten halten sich mit etwas auf, das sie nicht einordnen können. Mein Barfüßertum ist gottlob ziemlich unwichtig für die anderen. Erstaunte Blicke finde ich nicht abwertend, wenn etwa Leute einfach überrascht sind, dass es auf schmutzigem, steinigem oder kaltem Boden auch barfuß vorangeht.
[Bei Frauen Barfußlaufen als wesentlich gesellschaftsfähiger angesehen als bei Männern]
Dass (sichtbare) schöne Füße die Attraktivität eines Menschen steigern können, ist durch und durch in Ordnung -- dies gilt für mich allerdings für jedes Alter und Geschlecht .... Dass weibliche Attraktivität die männliche meist übersteigt, muss man(n) eben neidlos akzeptieren!
Serfuß, Lorenz

[keine aktuelle Realität mehr, z.B. noch nie Penner ohne Schuhe gesehen]
Oh doch, Lorenz, ich schon! Und zwar in meiner Kölner Zeit - und gar nicht so selten. Wobei es meist relativ warm war und die "Penner" vermutlich nur ihr einziges Paar Schuhe für die kalten Tage schonen wollten.
Die Füße sind dabei meistens genauso verwahrlost gewesen wie die ganze Person und Wasser auf die Mühlen derjenigen, die Barfußlaufen als unästhetisch empfinden.
Aber eigentlich hast Du natürlich Recht: barfuß = arm ist in Mitteleuropa heutzutage kein Thema mehr.
Serfuß, Jörg (Hanna)

Barfuß zu gehen kann beides sein, Zeichen extremer Armut oder extremen Wohlstandes. Um das zu erklären, gehe ich mal schematisch vor:
Zustand 1: "Ich bin der Umwelt ausgeliefert".
Die Tiere im Wald können sich keine Schuhe machen, die Urmenschen wahrscheinlich auch noch nicht, weil ihnen das Werkzeug fehlte. Auch heutzutage ist man unbeschuht, theoretisch, wenn einem das Geld fehlt. Dann muss man im Winter frieren, und barfuß ist keine tolle Sache.
Zustand 2: "Ich kann mich vor der Umwelt schützen".
Um sich vor dem feindlichen Lebensraum zu schützen, kann ich mir entweder Schuhe selbermachen oder kaufen. Ersteres setzt das Wissen darüber voraus, zweiteres setzt voraus, ich habe genug Geld.
Dieser Zustand ist schon eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu Nummer 1.
Zustand 3: "Ich kann die Umwelt formen".
Schreitet die Zivilisation voran, wird sie so mächtig, dass kein bedarf mehr besteht, sich vor der Umwelt zu schützen, weil die Umwelt an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.
Wir befinden uns im Moment (Jahr 2000) auf dem Weg von 2 nach 3. Heute leben wir in Häusern, in denen weitgehend unabhängig von den äußeren Witterungsverhältnissen das Klima nach eigenen Wünschen gestaltet werden kann. Barfuß laufen zu können ist das Zeichen, das ich so wohlhabend bin, dass ich den Winter einfach vor die Tür sperren kann.
Was meinen die Anderen dazu?
Vielleicht eine kleine Argumentationshilfe, um die Assoziation Barfuß = Armut bei anderen aufzubrechen.
Barfüßige Grüße Christian

Hallo Chris, wie du vielleicht gelesen hast, hat dieses Problem gestern auch mich und meine Mutter beschäftigt :
[Zustand 1: " Umwelt ausgeliefert" ... heutzutageunbeschuht, wenn Geld fehlt. Dann muss man im Winter frieren, und Barfuß ist keine tolle Sache]
Das musste meine Mutter (62) zumindest teilweise in ihrer Kindheit erdulden. Darum versteht sie nicht, dass ich (17) neuerdings zu Hause und im Sportunterricht gerne barfuß laufe, sie drängt mich sogar mit Argumenten ("Kind, du brauchst doch nicht barfuß gehen, es ist Geld genug da"), Schuhe anzuziehen.
[Zustand 3: " kann Umwelt formen" ... leben in Häusern, in denen Klima nach eigenen Wünschen gestaltet werden kann. Barfuß laufen ist Zeichen, dass ich Winter einfach vor Tür sperren kann]
Ich habe versucht, ihr das zu erklären, und natürlich versteht sie, dass ich jederzeit meine Schuhe anziehen kann, wenn mir danach ist. Ich glaube fast, der beste Weg, "Nichtbarfüßer(Innen)" zu überzeugen, ist, mit gutem Beispiel voranzugehen, wie ich es seit einem Monat versuche.
Aber natürlich spielen auch gesellschaftliche Zwänge (oft wird man sicherlich angestarrt und stößt - wie hier ich - auf Unverständnis) eine Rolle. Wenn man dann "aufklären" möchte, sollte man wohl versuchen, sich normal zu verhalten und nicht die anderen mit den gesundheitlichen Vorteilen des Barfußlaufens "zureden" (ich glaube, das führt vor allem bei älteren Leuten eher zu Trotzreaktionen).
Viele Grüße Kerstin

Hi Christian und der Rest!
Vielleicht sollten wir uns einfach mal bewusst machen, dass es im Prinzip purer Luxus ist, dass wir es uns erlauben können, wo und wann wir wollen barfuß zu gehen. Wenn wir nicht die Möglichkeit hätten, uns jederzeit in einer gut geheizten Wohnung aufzuwärmen, oder und für längere Strecken eines motorisierten Verkehrsmittels anzuvertrauen, würde es keinem von uns Spaß machen, barfuß zu gehen, zumindest nicht immer ...
Und genau aus diesem Grund sollten wir Menschen, die die Erfahrung gemacht haben, dass sie barfuß gehen mussten, obwohl es ihnen keinen Spaß gemacht sondern teilweise sogar wehgetan hat, genauso viel Toleranz und Verständnis entgegenbringen, wie wir es von ihnen erwarten.
Wenn wir z.B. als verwöhnte Mitteleuropäer in Ländern Urlaub machen, in denen es noch nicht lange selbstverständlich ist, dass sich jeder Schuhe leisten kann, sollten wir sehr behutsam vorgehen und eventuell gute Mine zum bösen Spiel machen und dann doch Schuhe anziehen ...
Fuß zum Gruß, SchnaXeL

Beim Friseur fand ich folgenden Leserbrief aus einem Blättchen der Regenbogenpresse:
"Es gehört wirklich viel Courage dazu, eine solche kunterbunte Küche mit abgewetzten Küchenschränken ablichten zu lassen. Egal, wie toll sich Frau Birgit Schrowange in der Barfußpose vorkommt: Als gutverdienende Fernsehdame wird sie sich doch sicher ein paar Schuhe leisten können."
Was schließen wir daraus?
1. Wo kunterbunt und abgewetzt, also schlampig, da ist barfuß nicht weit und passt dazu hervorragend.
2. Barfuß = arm, und das kann man einer "Fernsehdame" doch nun wirklich nicht abnehmen. Dass es andere Gründe fürs Barfußsein geben kann, scheint der Autorin diese bemerkenswerten Briefes nicht in den Sinn zu kommen.
Schade, dass sie (und manch anderer) so denkt - denn sie wissen nicht, was sie verpassen ...
Bald wieder auf nackten Sohlen ist der Schorsch

[Was schließen wir daraus?]
zum barfusslaufen, oder auch ablichten gehoert mehr mut, als mit schuhen Jo

... Leserbriefschreiber/innen sind meistens relativ konservativ (sehe ich an meiner Lokalzeitung nur überdeutlich). Also was soll's.
Alternativ kann man natürlich selber zu Papier und Feder greifen und einige kleine Zeilen pro barfuß verfassen - warum sollte man das Feld immer den "alten Konservativen mit zuviel Zeit" überlassen.
Kai

Hallo Forum, ich komme gerade aus meiner Mittagspause, die ich immer mit einem kleinen Spaziergang verbringe. Dabei hatte ich das folgende Erlebnis: aus einem Auto stiegen eine Frau und ein kleiner Junge aus und kamen direkt auf mich zu. Die Frau fragte mich, ob sie mir ein paar Fragen stellen dürften, da konnte ich mir natürlich schon denken, zu welchem Thema. Der Junge wollte wissen, warum ich barfuß gehe.
Nachdem ich erklärt hatte, dass es mir Spaß macht und dass ich seit einer durch schlecht passende Schuhe verursachten Verletzung immer barfuß gehe, kam eine verblüffende Antwort des Jungen. Die beiden hatten mich schon öfter gesehen als sie mit ihrem Auto an mir vorbeifuhren, und der Junge sagte, beim ersten mal hätte er gedacht, dass ich deshalb barfuß gehe, weil mich meine Frau aus der Wohnung geworfen hätte und ich somit kein Geld hätte.
Diese Aussage fand ich dann doch etwas verwunderlich, aber die Erklärung durch die Frau war einleuchtend: der kleine Junge stammt aus Rumänien und wurde hier in Deutschland adoptiert. Und in Rumänien ist es ein Zeichen von Armut, wenn jemand barfuß geht, wobei es bei uns eher ein Zeichen von Luxus ist, auf Schuhe verzichten zu können. ...
In der Stuttgarter City sind Kommentare eher selten, den meisten Leuten fällt es wohl auch nicht auf, dass ich barfuß unterwegs bin. Die beschriebene Begegnung fand im Stadtteil Degerloch (dort arbeite ich) statt.
In den Außenbezirken von Stuttgart passiert es mir schon öfter, dass ich auf meine bloßen Füße angesprochen werde (die gestellten Fragen sind fast durchweg interessiert/ bewundernd). Peter_w_g

Ich komme aus Berlin und dort sieht man, je nach Bezirk schon ein oder anderen barfuß laufen. Doch gerade in meinem Bezirk Charlottenburg hat Barfußlaufen "manchmal" schon was mit Armut zu tun. In der Zoogegend sieht man viele Obdachlose und Junkies im Sommer barfuß betteln oder saufen. Laufe in meiner Gegend trotzdem an wärmeren Tagen barfuß. Man kann anhand von Kleinigkeiten schnell zwischen Armut und Freude am Barfußlaufen unterscheiden. Klar, dass manche Leute das nicht raffen.
Jan

Heute ist mir etwas passiert, das es meiner Meinung nach wert ist, hier aufgeschrieben zu werden:
Ich bin heute Morgen mit der Bahn zu einer Freundin nach Karlsruhe gefahren.
Da der Zug sehr voll war, setzte ich mich zu einer Familie ins Abteil. Als wir kurze Zeit später miteinander ins Gespräch kamen, stellte sich heraus, dass diese Familie aus Rumänien stammt. Mir ist aufgefallen, dass sich weder die Kinder noch die Eltern an meinen nackten Füssen störten, sondern einfach darüber hinwegsahen.
Als wir dann doch irgendwann auf´s Barfußlaufen zu sprechen kamen, erfuhr ich, dass die beiden Eltern in ihrer Kindheit und Jugend das ganze Jahr über barfuß laufen mussten, da sie weder Schuhe, noch irgendwelche Pantoffeln besaßen. Die Mutter (ca. 55-60 Jahre) erzählte mir, dass sie sogar bei Schnee und Eis ohne Schuhe kilometerweit zur Schule laufen mussten, oder zur Arbeit. Als ich ihr dann erzählte, dass ich das auch tue, sah sie mich an, als wäre ich von einem anderen Stern. Sie konnte nicht verstehen, dass jemand, der sich Schuhe leisten kann, im Winter freiwillig darauf verzichtet.
Ich glaube, die haben mich nicht mehr ganz für voll genommen, was ich durchaus nachvollziehen könnte.
Auf jeden Fall habe ich heute gelernt, dass das, was wir aus reiner Freude tun, für andere Menschen durchaus ein notwendiges Übel, sogar eine Qual sein kann. Ich könnte mir zumindest nicht vorstellen, dass ich heute noch viel Spaß am Barfußlaufen hätte, wenn ich von klein auf gezwungen gewesen wäre, durchgehend, selbst im Winter, ohne Schuhe auskommen zu müssen.
Vielleicht wissen wir es manchmal gar nicht richtig zu schätzen, wie wertvoll es ist, sich frei entscheiden zu können.
Na ja, ich will jetzt nicht anfangen, hier zu philosophieren, aber ich denke, dass ich nach diesem Erlebnis doch ein wenig meine Einstellung zu Barfußlaufen ändern werde.
Ich selbst bin eben wieder mal mit rabenschwarzen Sohlen zu Hause eingetrudelt, und werde heute Abend noch ein wenig ausgehen. Diesmal allerdings etwas schicker, aber natürlich barfuß, denn ich kann ja nicht meinem eigenen Ruf schaden (schmunzel).
Ein schönes Wochenende und freie Füße wünscht allen im Forum
KATJA

Auch die Beiträge "Almosen einfach mal annehmen ?" und "Für Kerstins Mutter ist Barfußlaufen ein Zeichen von Armut geblieben" beleuchten die barfuß = arm - Frage.

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