Bruder Johannes hält Barfußreden
(Forumbeiträge im Sommer 1999)

Werte Forumsteilnehmer, heute wende ich mich in zwei Angelegenheiten an Sie ... Die zweite Angelegenheit ist eine politische: Ich möchte dafür plädieren, ein Ministeramt für Barfußangelegenheiten einzurichten. In den letzten Tagen habe ich versucht, den richtigen Kandidaten für das Amt des Ministers für Barfußangelegenheiten zu finden. Ich hatte, glaube ich, Erfolg. Bitte klicken Sie auf den Link, um sich meinen Wunschkandidaten anzusehen [zeigt Lorenz]. ...
Ich habe die Frage des Aufgabenfeldes des Barfußministeriums in meiner heutigen Gastrede im Bundestag erörtert. Einen kleinen Teil dieser Rede habe ich den Forumsteilnehmern kürzlich bereits im Rahmen eines Postings publik gemacht. Hier nun die komplette Rede:
Meine Damen und Herren! Liebe Bundestagsabgeordnete, werter Herr Bundestagspräsident!
Ich danke ganz herzlich nochmals allen, die mich gewählt haben, und bekunde denen meinen Respekt, die sich für die Mitbewerberinnen entschieden haben, denen ich meinen Respekt nicht versage. In diesen Tagen habe ich gelegentlich gesagt: An dem Wort Familienbande ist viel Wahres dran. Aber ich sage jetzt: Es ist für mich nicht nur eine selbstverständliche Pflicht, sondern auch eine persönliche Verpflichtung, von dem Tag an, an dem ich das Amt des Bundespräsidenten wahrnehme, über alle Grenzen und über alle Unterschiede hinweg der Bundespräsident von Deutschen aller Fußgrößen zu sein und der Ansprechpartner für alle Menschen, die ohne einen deutschen Pass bei uns leben und arbeiten.
Ich möchte auch der Präsident aller Barfußläufer sein, ein Thema, an dem mir persönlich viel liegt. Zu diesem Thema folgendes: Barfußlaufen ist keine Frage des Alters, des Geschlechts, der Hautfarbe oder Nationalität. Ich setze mich daher für das Barfußlaufen nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene ein.
Das Barfußlaufen eint uns über die Partei- und Landesgrenzen hinweg. Während meiner 5jährigen Amtsperiode möchte ich mich für barfußgerechte, landesweite Bodenbeläge einsetzen. Diese Boden - Neustrukturierung kann in einem vereinten Europa freilich nicht an den Landesgrenzen Halt machen. Hierzu muss ich noch einige Gespräche mit den Repräsentanten anderer Staaten führen.
Auch möchte ich für einen stufenweisen Ausstieg aus der Schuhfabrikation plädieren. Hierzu sind jedoch noch langwierige Konsensgespräche mit der Schuhindustrie notwendig. Ich plädiere bei dieser Gelegenheit auch gleich für die Einführung eines Ministerialamtes für Barfußangelegenheiten.
Zu den Aufgaben des zukünftigen Ministers für Barfußangelegenheiten gehört es, das Barfußlaufen durch barfüßige Staatsbesuche publik zu machen und sich für eine barfußgerechte Umwelt einzusetzen. Sicherlich wird es dieser Minister, angesichts der massiven Lobby der Schuhfabrikanten nicht leicht haben. Trotzdem wird er, so bin ich mir sicher, seine Aufgabe in bester Weise erledigen. Deshalb plädiere ich hier - und hier MUSS mir der Bundesrechnungshof recht geben - für eine höhere Bezahlung dieses Amtes.
Es gibt auch noch andere Themen, die wichtig sind: Wir wollen daran erinnern und wir wollen daraus lernen, dass die deutsche Einheit und der europäische Einigungsprozess zwei Seiten einer Medaille sind. Es ist in unserem eigenen und im europäischen Interesse, dass wir unsere Anstrengungen fortsetzen, damit die Menschen in allen 16 Ländern der Bundesrepublik gleiche Lebenschancen haben.
Vor 50 Jahren ist das Grundgesetz in Kraft getreten. Ich wünsche mir, dass wir uns, bei allen Kontroversen über einzelne Sachfragen und bei allem politischen Streit, den es gibt und geben muss und immer geben wird, immer wieder neu darauf besinnen, dass wir in unserer Verfassung Etliches unaufgebbar festgeschrieben haben: dass die Würde des Menschen unantastbar ist - da steht nicht: die Würde der Deutschen, sondern da steht: die Würde des Menschen -, dass Frauen und Männer gleiche Chancen und gleiche Rechte haben sollen, dass das private Eigentum zugleich dem Allgemeinwohl dienen soll.
Das gilt insbesondere für das Barfußlaufen, nicht aber für Schuhe. Es hat - auch unter uns - eine lange Diskussion gegeben: über das Grundgesetz und seine Chancen, über das Verhältnis von Vaterlandsliebe, Patriotismus und Nationalismus. Ich glaube, dass Nationalismus und Separatismus Geschwister sind. Ebenso wie Fußfetischismus und Parteiismus. Ich will nie ein Nationalist sein, auch kein Fußfetischist, wohl aber ein Barfußläufer. Ich danke allen herzlich, die mir ihr Vertrauen gegeben haben, und ich bitte alle, ob sie mich gewählt haben oder nicht: Nehmen Sie mich so an, wie ich bin. Haben Sie Geduld mit meinen Schwächen, und suchen Sie ein bisschen mit nach meinen Stärken. Lassen Sie mich als Zeichen meiner Verbundenheit mit Ihnen barfuß laufen!
So sage ich: Ich grüße alle Deutschen, ich grüße unsere Nachbarn, und ich grüße unsere Barfuß - Freunde überall in der Welt. Insbesondere jene aus dem "Hobby Barfuß" - Forum.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit! Stets Ihr Bruder Johannes

Euer Merkwürden, so sehr sich unzweiflig ein Kandidat aus Bayern für das in Aussicht genommene Staatsamt eignen würde, so spricht doch gegen Ihren Personalvorschlag die ausgewiesene Sachkenntnis des in Aussicht genommenen Kandidaten; sie würde ihn zu schnell zu einem Fremdkörper in der derzeitigen politischen Landschaft der Berliner Republik werden lassen!
Ich empfehle Ihnen daher, Frau Heide Simonis für das Amt in Aussicht zu nehmen. Sie ist Frau (die Quote, Merkwürden, Sie wissen doch !), kommt zwar nicht aus dem Osten (die Quote), aber wenigstens aus dem Norden , wird nach derzeitigen Vorhersagen im Laufe des kommenden Jahres über mehr Freizeit als derzeit verfügen und ist sogar schon (der Gipfel an Qualifikation) in Euer Excellenz Gegenwart barfuß im Fernsehen aufgetreten : bei der Verleihung des Ordens wider den Tierischen Ernst zu Aachen nämlich!
Euer Merkwürden gehorsamen Untertan würde freilich noch interessieren, worin der Aufgabenbereich des Ministeriums liegen soll und wie die Pensionsregelung gestaltet wird. Sollte es - wie im Finanzressort - möglich sein, nach einem knappen halben Jahr Amtszeit gemeinsam mit zwei Staatssekretären in den Ruhestand zu gehen, würde ich mich gerne für die Position eines der letzteren empfehlen wollen ...
Barfüßigst Georg (Untertan)

Werter Georg, Ihr ironischer, intelligenter Artikel war ein echter Lesegenuss. Zu den von Ihnen kritisierten Aspekten der politischen Landschaft möchte ich hier an dieser Stelle wiederum als Privatperson, nicht als Person des öffentlichen Lebens äußern. Ich kann Ihnen bei der Charakterisierung der politischen (In)kompetenzen nur zustimmen. Gerade aus diesem Grund habe ich mich ja auch nach einer Person umgesehen, die dieses Amt mit Kompetenz bekleiden kann (natürlich nur das Amt - nicht die Füße, die sollten schon unbekleidet sein).
Über die Höhe der Vergütung und den von Ihnen vorgeschlagenen Einsatz Ihrer Person können wir gerne Gespräche führen. Ich hoffe, dass der Bundesrechnungshof Ihren Vergütungsforderungen entgegenkommt. Erlauben Sie mir nun, Sie und alle anderen Leser mit einer kleinen Dichtung zu erfreuen?
Es ist dies keine meiner Oden, vielmehr ein Kurzgedicht, dessen Metrik ich zu übersehen bitte:
Barfußläufern gilt mein Gruß
Ich lauf so gerne barfuß
Schuhe zu tragen, ist wirklich Stuss
Wenn sich sie auch manchmal anzieh'n muss
Für mich ist das Sadismus
und verbreitet viel Verdruss
am linken und am rechten Fuß
Stets Ihr Bruder Johannes

In der mir eigenen Bescheidenheit würde das ganz normale Einkommen eines Staatssekretärs vollauf genügen. Vielleicht ließe sich noch das eine oder andere Aufsichtsratsmandat in einer geeigneten Branche - etwa im stark expandierenden Wirtschaftszweig der Barfußwanderwege - Gestalter - arrangieren.
Die Bekleidungszulage kann gegebenenfalls wegen der zu erwartenden Minderausgaben für italienische Designerschuhe um ein Fünftel gekürzt werden; ich wäre einverstanden, wenn der eingesparte Betrag an die Herren Fischer, Schröder und Trittin zu gleichen Teilen ausgeschüttet würde (wenn Herr Fischer sich im Verlauf meiner kurzen in Aussicht genommenen Amtszeit zum Barfußjoggen bekehren ließe, auch nur unter den beiden Letztgenannten). - Nicht nur der Bundesrechnungshof, auch der Herr Bundesfinanzminister wird daran gewiss Gefallen finden !
Apropos Bundesfinanzminister : dem Eichel Hans würde barfuß laufen auch bestens zu Fuß stehen ! Nicht nur, dass man ihm so deutlich weniger in die Schuhe schieben kann, diese Geste brächte auch die neue Bescheidenheit für Rentner und öffentlich Bedienstete in die richtige Bahnen : der Verzicht auf Schuhe senkt die Lebenshaltungskosten dieser Gruppen, da müsste eigentlich doch auch eine Erhöhung unterhalb der Inflationsrate zu verkraften sein!
Und gesund wäre es auch, da juchzt die Kollegin Fischer doch vor Freude gleich mit und streicht das Globalbudget der Ärzte um ein paar Milliönchen zusammen! ...
[zunächst einmal vielen Dank für Ihre Bewerbung für das Amt des Barfußpräsidenten]
Dieses Missverständnis gilt es sogleich auszuräumen ! Ich war doch nur auf der Suche nach einem netten gutbezahlten Job als Staatssekretär für kurze Zeit und einem anschließenden gaaaaaanz langen Ruhestand zum Zwecke ungestörten Barfüßerns - und so was findet sich eben nirgends so schön wie in der Politik ... Nicht ohne Grund bewarb ich mich ja auch um eine Tätigkeit in Euer Excellenz Kabinett.
Wie Sie sicherlich wissen, geht die Begrifflichkeit in eine Zeit zurück, als Staatsoberhäupter statt eines "Bruder" vor dem Vornamen eine Ziffer dahinter führten und ihre Mitarbeiter im Schlafzimmer empfingen - irgendwie hat das bis heute stark abgefärbt !
[So sage ich: Ich grüße alle Deutschen, ich grüße unsere Nachbarn, und ich grüße unsere Barfuß - Freunde überall in der Welt. Insbesondere jene aus dem "Hobby Barfuß" - Forum]
Wenn es nicht allzu vermessen wirkt, möchte ich mich diesem Gruß gerne anschließen !
Untertänigst *sich bis zum Boden verbeug* Georg, demnächst zu ernennender und bald darauf in den Ruhestand zu versetzender Mitarbeiter in Euer Excellenz allerhöchstem Kabinett

Hochgeschätzter Bruder Johannes! Fragen Sie doch mal bei Herrn Bundesminister Trittin nach, was er von einem gänzlichen Ausstieg Deutschlands aus der Schuhindustrie hält. Oder wär ihm auch das eine Schuhnummer zu groß? Mit vorzüglichen, auch barfüßigen Grüßen an die Hauptstadt unseres liebsten Nachbarn Gerald

Werter Gerald, als Staatsmann habe ich mich zu diesem Thema zurückzuhalten. Ich antworte Ihnen daher als Privatperson.
Ich teile Ihre Bedenken. Aus der Forderung nach sofortigem Atomausstieg, die dir Grünen noch vor einigen Jahren artikulierten, ist mittlerweile ein Szenario geworden, in dem schon von 35 Jahren gesprochen wird. Trotzdem fordere ich weiter Verbesserungen hinsichtlich des Barfußlaufen.
Und was das von Ihnen beispielhaft angesprochene Thema angeht, so darf ich Sie bitten, mit mir lauthals zu intonieren: HOPP HOPP HOPP - ATOMKRAFTWERKE STOPP!!! Stets Ihr Bruder Johannes

Gestatten Sie mir, werter Georg, nachdem Sie bei Ihrer Antwort an die Leserinnen Beate, Jeanette und Michaela Ihr von mir hochgeschätztes ironisches Pulver gegen Sarkastisches ausgetauscht haben und gegen mich verschossen haben, Sie nunmehr zu zitieren:
[damit beim Leser Freude keimt weil Johannes über barfuß reimt]
Wer im Glashaus der Metrik, der Orthographie und des Inhalts sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Meine bescheidenen Oden erheben nicht den Anspruch auf formale Perfektion, sie sollen lediglich der Unterhaltung der Barfüßer dienen. Stets Ihr Bruder Johannes

Hochgeschätzter werter Bruder Johannes,
Wie Eure Excellenz gewiss sogleich memorieren werden, hat der Kleine Vorsitzende Mao 1929 bei seiner Rede vor der Bar - Fuß - Sekte in Schuh - Nie, Provinz Ver - färb - sie (nicht zu verwechseln mit Schu - mi und Fer - ra - ri) von den Barfüßern ständige Selbstkritik gefordert (als er später zum Großen Vorsitzenden aufgestiegen ist, hat er diese Forderung auch auf Beschuhte übertragen).
Deshalb bekenne ich mich schuldig, mit den beiden Zweizeilern auch ein ganz bisschen Eindruck auf die von Euer Merkwürden so begeisterten jungen Barfüßerinnen machen zu wollen.
Ich gelobe Besserung und verspreche, künftig nicht noch einmal Euer Merkwürden' Kunst aus niederen Beweggründen nachahmen zu wollen ! Excellenz verstehen doch Spaß ?
Barfuß Georg

Hochverehrter Bruder Johannes,
[nachdem ich einige Probleme mit meiner Software ausgeräumt habe, habe ich endlich wieder Zeit, mich wieder bei Ihnen zu melden]
Dass Euer werte Exzellenz in der Bescheidenheit des wahren Staatsmanns das Geschehene derart darzustellen geruhen !
Als interessierter Bürger Ihrer w. E. Republik habe ich selbstverständlich Anteil genommen an den Fragen, die Ihnen wegen der WestLB aufgeworfen worden sind.
WestLB, das habe ich natürlich sogleich begriffen, heißt : wir im Westen Laufen Barfuß. Dass das Probleme gibt, leuchtet mir auch ein - schließlich wollen die Menschen im Norden, Süden und Osten nicht auf ewig zum Schuhetragen verurteilt sein.
Aber weshalb ist dann dauernd von Flugzeugen die Rede ? Aufklärung aus höchster Tastatur wäre mir sehr erwünscht ! Untertänigst Georg

Werter Georg, ich dachte, West LB bedeutet "Wir laufen barfuß", aber wie das auch sein mag - die Sache mit den Flugzeugen, die reges Medieninteresse gefunden hat, verhält sich folgendermaßen:
Mir wird in dieser Gelegenheit zur Last gelegt, ich hätte unberechtigtermaßen Flüge in Anspruch genommen. Dazu kam es aus einem ganz besonderen Grund:
Mein Chauffeur, den Sie bereits aus zwei meiner Oden kennen, wollte nicht auf mich hören und hat sich unnötigerweise derart oft in sein Schuhwerk hineingezwängt, dass er Blasen an den Füßen hatte und daher unmöglich meinen Dienstwagen fahren konnte. Da ich dringende Termine wahrzunehmen hatte, sah ich mich genötigt, diese Reisen per Flugzeug zu machen.
Dies mag Ihnen wie eine Ausrede vorkommen, aber es ist die Wahrheit.
Stets Ihr Bruder Johannes

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