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Bernhard (HH) läuft als Querdenker barfuß
(Forumbeiträge seit Winter 2004/2005)
Hallo zusammen,
jetzt ist es an der Zeit, mich mal mit einer kurzen Vorstellung für eure Beiträge
und dieses Forum insgesamt zu bedanken. Bisher habe ich hier nur als Leser ein
wenig herumschmarotzt. Da meine eigenen Barfuß-Erfahrungen noch knapp sind,
werde ich hier nichts Neues erzählen können, so also nur ein paar Worte zu
mir.
Ich bin erst im vorletzten heißen Sommer darauf gekommen, mal häufiger auf
die Schuhe zu verzichten. Barfußlaufen war bis dahin überhaupt nicht meine
Sache. Im vergangenen Frühjahr dann habe ich mich schon richtig auf die ersten
warmen Tage gefreut, um endlich die Schuhe ausziehen zu können. Auf die Idee,
das schon eher zu tun, bin ich überhaupt nicht gekommen. Für meine Verhältnisse
hatte ich die Schuhe aber schon früh aus. Motivationsfaktor dabei war unsere
neu gemachte Terrasse, auf der sich die Steine so wunderbar von der Sonne aufwärmen.
Den Sommer über habe ich dann sehr viel auf die Schuhe verzichtet, allerdings
immer nur in der Freizeit. Dann las ich zum wiederholten Male in der Presse
einen Beitrag über einen Menschen, der hier in Hamburg, wo ich wohne, seit 7
Jahren das komplette Jahr über alle Wege barfuss macht. Das brachte mich auf die Idee, die Sache auch mal zu probieren.
Zudem erinnerte ich mich an ein Gespräch, dass ich mal in den frühen
Morgenstunden vor einem Hotel hier in Hamburg hatte. Da ging ein Mann mit seinem
Dackel spazieren und er sah mir aus, als wolle er den Hansemarathon, der an dem
Tag stattfand, laufen. Ich sprach in an und fragte, was er denn mit dem Hund
mache. Er meinte, der liefe mit! Darauf sagte ich, er sei dann wohl bekannt als
"Der mit dem Hund läuft". Darauf entgegnete er, nein, er sei bekannt
als "Der barfuss läuft." Diese Begegnung hatte ich lange im Kopf und
nun war sie wieder präsent und ein weiterer Mutmacher, denn hier im Hamburger
Nordwesten bin ich noch keinem einzigen Barfußläufer begegnet.
Ich habe ein sehr günstiges Umfeld zum Barfußlaufen, da ich große Teile
der Woche in meinem Büro im eigenen Haus arbeite. Als Hundebesitzer und Vater
von Kindergarten- Vorschul- und Tagesmutterkindern, mache ich viele Wege mit
Kinderkarre und Kind vor den Bauch geschnallt. Das sieht dann aus wie schwanger
und ich habe wahrscheinlich ein wenig den ruf eines "Bunten Hundes".
Ist der Ruf dann erst mal ruiniert, lebt es sich ja gänzlich ungeniert. So hatte
ich jedenfalls keine großen Hemmungen, mich mit nackten Füßen auf der Straße
zu zeigen. Anfänglich hatte ich schon das Bedürfnis, mir einen sportlichen
Pullover dazu anzuziehen, aber inzwischen trage ich hochgekrempelte Jeans,
Oberhemd und schicken Wollpullover und jetzt, wo es kälter wird, auch die
Lederjacke und Schal dazu. Alles kein Problem mehr. ...
Die letzte Woche wurde es hier in Hamburg recht kühl. Morgens gegen 8 Uhr,
wenn ich meine Hunde- und Kinderrunde drehe, war das Gras auf den Parkwiesen
teilweise noch mit Raureif überzogen. Da musste ich schon ein wenig stöhnen.
Hier im Forum habe ich dann nachgelesen, wann man es besser lassen soll und mir
die Info geholt, dass man ab einer gewissen Zeit, die bei jedem individuell zu
sein scheint, auf einen Wärmeschub hoffen kann. Darauf habe ich vertraut und
habe es heute das erste Mal erlebt. Das war ganz klasse! Nach ca. 3km über
gepflasterte Parkwege, durch nasses Laub und Gras und über Asphalt war es so
weit. Es ging ein richtiger Wärmschub in meine Füße! Ich habe sogar 10
Minuten auf einer Parkbank gesessen und es ließ nicht nach.
[Zwei Fragen an Dich: 1. Wie viel Grad waren es da?]
Luft: von mir gefühlte 5, laut Thermometer ca. 3
Boden: von mir gefühlte -5, vielleicht auch noch etwas weniger;-))
gemessen habe ich den Boden nicht, aber der Raureif im Gras war schon ein klein
wenig fest, also so um 1 Grad rum, denke ich.
[2. Wie hast Du das nur angestellt, bist Du sehr zügig gegangen]
Da es Nutzwege sind, die ich da gehe (ich bringe wie beschrieben meine Kinder
weg) und morgens die Zeit eigentlich immer knapp wird, gehe ich naturgemäß zügig
;-) Ich bin allerdings noch ein wenig schneller gegangen als nötig, teilweise
gelaufen und das hatte einen ganz guten Effekt. Zudem habe ich meine jüngste
Tochter um den Bauch geschnallt, die wiegt jetzt ca. 9 Kg. Das erhöht den Druck
auf die Füße. Und dann schiebe ich eine Kinderkarre vor mir her, in der meine
zweitjüngste Tochter sitzt. Das sind dann mit Karre bestimmt noch mal 25 KG, die
ich da auf schlecht aufgepumpten Reifen vor mir her schiebe. Die Wiese habe ich
aber auch nur kurz angetestet und die mit kleinen pieksigen Steinen übersäten Parkwege vorgezogen. Im Gras war es schon gemein. Aber toll der Effekt, wie man
plötzlich merkt, wie unterschiedlich kalt die Wege sind. Zwischen den Häusern
viel wärmer, als im offenen Park.
Heute hatte ich wieder ein neues Barfußerlebnis. Meine große Tochter hatte
erst später Schule, so dass ich meine Jüngste bei ihr lassen konnte. So konnte
ich den morgendlichen Rundweg mit Karre fast komplett laufen. Das war bei
Dauerregen und 9 Grad Lufttemperatur ein echter Spaß! Regenjacke, Regenhose,
Fleece-Pullover bis zum Hals zu, Handschuhe an und dann immer schön über die
matschigen Wiesen und durch jede Pfütze. Einen kleinen Wärmeschub hatte ich
schon nach ca. 2 km und die waren im Laufschritt schnell erreicht. Deutlich spürbar
auch hier wieder, wie verschieden kalt es auf dem Boden ist. Und, was ich nicht
öffentlich sagen würde, aber hier im Forum wird es vielleicht ähnliche
Erfahrungen geben: Auch die Nässe ist sehr differenziert zu spüren. Auf meinem
Weg war es sehr unterschiedlich nass, obwohl es von oben dauerregnete. ...
Es hat mich schon beim ersten Herumlesen hier im Forum vor
einigen Wochen gewundert, dass das Thema "blöde Blicke/Glotzaugen" so
häufig zwischen euch auftaucht. Entweder ist mein Selbstbewusstsein da anders
gelagert, oder mein Umfeld ein anderes, oder meine innere Einstellung und damit
verbunden auch meine Außenwirkung ist nicht der Norm entsprechend oder es ist
etwas, worauf ich jetzt nicht komme. Jedenfalls mache ich mir keine großen
Sorgen um die Blicke der anderen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich öffentliche
Auftritte gewohnt bin und mit so komischen Sachen mein
Geld verdiene, bei denen ich naturgemäß die Blicke auf mich ziehe. Ich habe
jedenfalls im Laufe der Jahre immer mehr zu mir selber gefunden und stelle fest,
dass mein Problem, mich äußerlich anders als die Norm zu verhalten, gering
ist.
Über Konventionen müssen wir dabei nicht reden. Es gibt Orte, an denen ich
nicht auf Schuhe verzichten würde, weil ich damit andere kompromittieren würde,
oder auch mir selber schade. Meine Freizeit besteht aus erheblich
mehr, als Momenten, in denen der Fleecepullover passend ist. Und ich finde mich
überhaupt nicht unpassend angezogen, außer dass meine Schuhe ausgezogen sind.
Aber genau das wollen wir hier ja alle ganz bewusst so. Damit verhalte ich mich
nun einmal gegen die Norm und es scheint mir schlecht investierte Energie zu
sein, Gedanken darauf zu verwenden, wie ich mich innerhalb dieses Normbruchs
wieder möglichst weit einnormiere. Ich lasse da, letztlich nicht anders als du,
mein Gefühl entscheiden und das sagt, dass es keineswegs komisch ist, wohl aber
für manch einen komisch aussieht. Das liegt aber nicht an Schal, Handschuhen
und Stirnband, sondern daran, dass um mich herum kein anderer Mensch barfuss über
den Raureif läuft. Das ist in sich ein so kolossaler Normbruch, dass ich
niemandem seine „Glotzaugen“ vorwerfen kann. Wie ich diese Blicke dann
interpretiere, dass liegt allerdings ganz bei mir selber. Mir tut es gut, erst mal
unvoreingenommen positiv zu interpretieren und ich glaube, dass nimmt
den auftretenden Situationen von vorn herein ein gehöriges Maß an Problemen.
...
Derbe Sprüche habe ich bisher noch keinen einzigen gehört. Ich bin
allerdings relativ Spruch resistent. Vielleicht hört sich in meinen Ohren manch
ein Spruch positiver an, als in deinen. Von einem Risiko, mich einem Spruch
auszusetzen, würde ich allerdings nie sprechen. Eher von der Chance, die darin
liegt. Ich habe früher immer die Raucher beneidet. Nicht um die Lunge, sondern
um den Gesprächsanlass. „Hast du mal Feuer?“ war bestimmt schon in ungezählten
Fällen der Beginn wunderbarer Gespräche, zu denen es ohne das Rauchen nicht
gekommen wäre.
Es ist meine grundsätzliche Art, Leuten, die mich ansprechen, offen und mit der
Grundeinstellung zu begegnen, dass die mir nichts Schlechtes wollen. Zu dem habe
ich einige Übung darin, Dinge anders zu machen, als es die Allgemeinheit tut.
Meinen Beruf habe ich ja schon erwähnt. Dann bin ich Vater von 5 Töchtern. Was
meinst du, wie oft ich schon gefragt wurde, ob ich nun so lange weiter machen
wolle, bis endlich ein Sohn da sei. Eine total bescheuerte Frage in meinen
Ohren, aber sie scheint förmlich in der Luft zu liegen, so wie die Fragen, die
sicher alle hier bezüglich des Barfußlaufens schon zig mal gehört haben. Ich
entscheide je nach Gesprächspartner, ob ich einen Spruch zurück schicke, oder
ob ich ernsthaft von meinen wunderbaren Töchtern erzähle.
Meine Jüngste ist übrigens 5 Monate alt. Seit sie 8 Wochen ist und es aus
orthopädischer Sicht grünes Licht gibt, trage ich sie vor dem Bauch mit mir
herum. Was meinst du, wie das unter einer Regenjacke aussieht? Und was glaubst
du, wie oft ich schon gefragt wurde, ob das Kind denn da unten nicht ersticken würde.
Manchmal sage ich „…die anderen 4 leben jedenfalls noch…“, manchmal
ergreife ich die Chance des Gesprächsanlasses. Mein Gang mit Kind vor dem Bauch
sieht übrigens auch komisch aus. Das Hohlkreuz lässt grüßen. Sieht halt aus
wie schwanger, nur dass ich ein Mann bin, 190cm groß und eine Geisthaltung vor
mir her trage, die offenbar nicht den schrägen Vogel erkennen lässt. Das
alleine gibt manchem schon zu knacken. Na ja, und dann geht der Kerl halt noch
ohne Schuhe über frostige Wiesen. Das fällt dann vielleicht nicht mehr so ins
Gewicht.
Übrigens fahre ich auch mit Kinder vor dem Bauch mit dem Fahrrad. Das machen
auch nicht viele. Ehrlich gesagt kenne ich keinen. Und selbst die, die es
wissen, fragen immer wieder ungläubig nach, ob ich meine Tochter da unter der
Jacke habe. Heute z.B. 13km reine Nutzstrecke durch strömenden Regen. Ach ja,
Regenkleidung ist schon ganz lange kein Thema mehr für mich. Das ist eines der
vielen alten Vorurteile, die ich für mich abgebaut habe. Ich dachte auch lange
Zeit, dass sei schrecklich, im Ganzkörper-Regenanzug Fahrrad zu fahren. Ist
aber alles nur eine Frage des Gesamtaufbaus der Kleidung, Stichwort Zwiebel.
Ein
ganz entscheidender Grund, warum ich zum Barfußlaufen gekommen bin liegt nämlich
darin, dass ich schon immer von Querdenkern angezogen war. Inzwischen entdecke
ich aber immer mehr, dass mich die „Querhändler“ noch mehr begeistern. Keine
Revoluzzer oder Provokanten und schon überhaupt nicht Trendsetter, sondern
Menschen, die einfach Dinge aus Überzeugung anders machen. Aus Überzeugung,
weil sie z.B. meinen, dass ein Schuh dem Fuß viel mehr Schaden zufügen kann,
als Barfußlaufen. Na und da treffen wir uns dann ja wieder, oder? ...
Viele Grüße aus Hamburg
Bernhard
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Bernhards (HH) barfüßiger Alltag
(Forumberichte seit Herbst 2004)
Hallo zusammen, nachdem ich nun seit Sommer keine Schuhe mehr trage, so weit das möglich
ist, geht es in den letzten Tagen noch einmal mit großen Schritten voran bei
mir. Das hat nicht zuletzt mit dem zu tun, was ich hier im Forum lese.
Z. B. das Autofahren. Bisher war ich immer mit Schuhen Auto gefahren, was die
Zeiten für das Barfußlaufen stark einschränkte. Inzwischen fahre ich barfuß
Auto. Heute morgen zum Beispiel mit meiner mittleren Tochter zum Schularzt. So
hatte ich meinen ersten Barfußgang in ein Behördengebäude. die Premiere
verlief prima. Ich habe mich gewundert, an wie vielen Stellen in diesem 60er
Jahre Bau Fußbodenheizung ist. Von der Schulärztin gab es ein wenig Erstaunen,
aber wer heutzutage 5 Töchter hat, muss ja eh irgendwie komisch gepolt sein.
Ich weiß nicht, wofür diese Ärztin mich mehr bedauert hat, für das Barfußlaufen,
oder für die 5 Töchter.
Heute Mittag hatte ich dann ein ernstes Gespräch im Kindergarten. Ich bin
dort Elternvertreter und da an den Kindern hier in Hamburg z.Z. viel zu Tode
gespart wird, sind die Themen ernster Natur. Ich war jedenfalls barfuß durch
den Park gelaufen und saß dort zum Gespräch auch so. Ging prima. Im
Kindergarten kennen sie mich jetzt sowieso schon so und es gibt entweder stilles
Lächeln, oder anerkennendes "Ich könnte das nicht!"
Bei so vielen Mädchen im Haus komme ich natürlich nicht um das Reiten
herum. Dienstags fahre ich meine Großen zum Reiterhof. Nachdem ich gerade 2x
mit dem Auto liegen geblieben bin, griff ich vorsichtshalber nach den Schuhen.
Gebraucht habe ich sie aber nicht. Auch die großen Pfützen auf dem Reiterhof
waren kein Problem. Auf dem Reiterhof kannte man mich bisher nicht barfuß, weil
ich die Strecke dorthin immer mit dem Auto fahre. Es gab freundliche und
erstaunte Kommentare. Der netteste: "Hast du eine Wette verloren?"
"Ne, ich will nur keine Erkältung bekommen." "Na egal, das ist
echt ein Ding, da gebe ich dir auch so einen aus!"
Noch mache ich täglich neue Erfahrungen und merke, dass noch viel mehr barfuß
geht, als ich bisher dachte. ...
Der nächste große Schritt für
mich ist jetzt am Wochenende passiert. Ich habe barfuß gearbeitet. Nun gehe ich
keiner normalen bürgerlichen Tätigkeit nach, sonder verdiene mein Geld u. a.
als DJ. Am Freitag nun war ich im altehrwürdigen Ratsweinkeller unter dem
Rathaus hier in Hamburg im Einsatz. Dort feierten 480 Fielmänner ihre
Weihnachtsfeier und ich durfte für die Musik sorgen. Ich stand sehr günstig
hinter meinem DJ-Pult, ca. 2,50 Meter über der Tanzfläche, zudem geschützt
von einer Brüstung, so dass mir niemand direkt auf die Füße sehen konnte. Nur
die 3 Techniker, die hinter mir standen, nahmen somit wahr, dass ich meine
Schuhe auszog. Die Gelegenheit, um erst mal ein Gefühl dafür zu bekommen, ob
ich mich barfuß bei der Arbeit wohl fühle. Ich fühlte mich prächtig!
Mit Beginn des Tanzes kam der
eine Tänzer oder die andere Tänzerin zu mir rauf, um Musikwünsche zu äußern
(bei 480 Gästen hat man reichlich Besuch am Abend). Ich registrierte nahezu
alle üblichen Reaktionen der eher festlich gekleideten Gäste von Erstaunen, über
Gekicher oder nervösem Wegsehen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass die
Reaktionen nicht bis zum Entsetzen gingen. Aber ich konnte nur die Mimik
interpretieren, denn es gab einen ganz deutlichen Unterschied zu den Äußerungen
im Alltag. Es kamen nämlich keine verbalen Äußerungen, außer von einem Gast
der folgendes sagte: "Also erst mal finde ich das total klasse, dass du
hier barfuß stehst und dann wünsche ich mir ..." (er nannte irgendeinen
Titel).
Irgendwann gegen 2 Uhr musste
ich das erste mal das Klo aufsuchen. Ich stellte mir kurz die Frage, ob ich die
Schuhe anziehen sollte, denn es war ein langer Weg von meinem Platz aus. Dort
unter dem Rathaus ist es total gediegen hanseatisch. Schwere Säulen, starke
Steintreppen und dunkle Holztäfelung an den Wänden. Zudem nur Schlips und
Kragen Träger, von denen ich sicher 150 auf meinem Weg zum Klo passieren müsste.
Ich habe mich ganz rasch entschieden und bin barfuß gegangen. Ging auch ohne
Probleme. Bei meinem zweiten Weg zum Klo um ca 4 Uhr war es dann schon ganz
selbstverständlich.
Da ich von 19 Uhr bis 5 Uhr
hinter meinem Pult gestanden habe, kann man wohl von einer stehenden Tätigkeit
sprechen. Muss ich euch erzählen, dass sich meine Beine und letztlich auch mein
ganzer Körper viel weniger ermüdet anfühlte, als sonst? Aus gesundheitlichen
Gründen ist es eigentlich Blödsinn, nicht grundsätzlich die Schuhe aus zu
lassen. Ich habe dafür die Gegenprobe am Samstag gemacht. Da hatte ich eine ähnliche
Feier, nur diesmal für den Media Markt. Ich hätte gut die Schuhe auslassen können,
aber wollte den Gegensatz bewusst testen. Der Unterschied der Bein- und Körperermüdung
war deutlich spürbar. Zudem meine ich auch den sicher sogar physikalisch
messbaren Unterschied der viel besseren Erdung bei Barfüßigkeit deutlich gespürt
zu haben.
Im letzten Jahr habe ich auf
der Fielmann Weihnachtsfeier auf einem Glasbalkon gestanden. Ich war komplett
einsichtig von allen Seiten, sogar von oben und unten. Ich glaube, an diesem
Platz hätte ich es (noch?) nicht gewagt, barfuß zu stehen. Zudem habe ich
Herrn Fielmann das Mikro für seine Rede reichen müssen. Dahinter stand dann
der komplette Vorstand der Fielmann AG, alle in Schlips und Kragen und mit
italienischen Designer Schuhen. Ich glaube, hüstel, für solche Situationen
brauche ich noch Training. In diesem Jahr stand dieser Tross weit weg von meinem
Platz. Meine einzige Befürchtung dabei ist allerdings nur, dass ein sehr gut
bezahlter Job weg sein könnte, wenn jemand der hohen Fielmannherren sagen würde,
"So einen Barfußspinner wollen wir hier nicht wieder sehen!" Und ich
halte das nicht für unwahrscheinlich. In dieser Firma wird sehr scharf geschossen, wie mir scheint.
Ich bin jedenfalls vom
Organisator der Feier trotz meiner baren Füße noch morgens um 5 Uhr für die nächste
Weihnachtsfeier gebucht worden. Die wird im Atlantik-Hotel hier in Hamburg
stattfinden. Auch ein schönes Pflaster, um ein wenig Barfuß-Werbung zu machen.
Die haben da so flauschige Teppichböden ;-)) Wenn ich allerdings zu einsichtig
stehe, weiß ich noch nicht, ob ich barfuß sein werde. Allerdings liegen bis
dahin ja noch 12 Monate Barfußerfahrung vor mir und wenn ich sehe, was die
ersten ca. 3 Monate schon gebracht haben, bin ich mir nicht ganz sicher. ...
Nachdem
ich nun seit einiger Zeit barfuß meine Jobs bei Kinderfesten mache, hatte ich
heute einen Termin an sehr nobler Adresse. Ich habe schon kurz überlegt, ob ich
barfuß hingehen sollte. Immerhin hatte ich einen Termin an der Elbchaussee und
zwar direkt neben dem altehrwürdigen Hotel Jakob mit einem der schönsten
Elbblicke Hamburgs. Meine Frau meinte, ich solle vorher noch das Auto
waschen...;-)) und auf jeden Fall Schuhe anziehen. Habe ich dann auch gemacht,
aber es fühlte sich schon im Auto nicht echt an. So habe ich die Schuhe an
einer roten Ampel ausgezogen und bin dort barfuß auf die Überwachungskamera
zugeschritten. Kurz dahinter lief ich dann auf den auf Hochglanz polierten
Porsche zu um dann in eines dieser unglaublichen Häuser an der Elbchaussee
einzutreten.
Zunächst
war meine Barfüßigkeit kein Thema, aber am Schluss wurde ich dann vom Kindermädchen
gefragt, ob ich das immer mache. Als ich das mit ja beantwortete, wollte sie
sich nicht einkriegen, aber die Gastgeberin outete sich als Schwedin und meinte,
bei ihr in Schweden liefen alle Kinder vom letzten bis zum ersten Schnee an
barfuß und während der Schneezeit nur ohne Socken in den Schuhen.
Ich habe
mich jedenfalls sehr gefreut, dass ich die Schuhe noch bei der Fahrt ausgezogen
habe und auch darüber, dass ich einen Job habe, der mir solche Dinge erlaubt.
Wer sein Geld bei Kinderfesten verdient, der kann ja sowieso nicht ganz echt
sein... es hat seine Vorteile. Ich hätte sonst auch nicht gewusst, wie
unglaublich weich und angenehm zu gehen so ein Teppichboden an der Elbchaussee
sein kann ...
Wenn ich als DJ arbeite, mache ich allerdings noch Unterschiede. Ich will mich
dann nicht zur Hauptperson machen und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich
als barfüßiger DJ ein Gesprächsthema bei den Gästen bin. Wenn allerdings im
Laufe des abends Gäste ihre Schuhe ausziehen und baruß tanzen, was nicht
selten vorkommt, bin ich sofort dabei. Ähnlich, wie ich mein Sakko auch erst
dann ablege, wenn es der Gastgeber tut.
Am Sonntag war ich erst mit meinem Kinderprogramm und danach mit meiner
Musikanlage von einer Firma gebucht. Da hatte ich die Schuhe natürlich erst
aus, war ja Kinderprogramm. Anschließend, als ich dann meine Musikanlage
aufgebaut hatte und den DJ Part übernahm, fühlte es sich richtig an, die
Schuhe wieder anzuziehen. Ich habe mich selber gewundert.
Grüße
aus Hamburg,
Bernhard
Hallo
Bernhard,
Ich habe
keine Kontakte zu den oberen Zehntausend, bin aber überzeugt, dass diese ein
ausgesprochen positives Verhältnis zum Barfußlaufen haben. Sie gehen von ihren
Segeljachten barfuß an Land, laufen barfuß auf ihren schönen, gepflegten
Grundstücken, machen Urlaub auf den Malediven, wo man seine Schuhe gleich bei
der Ankunft beim Personal abgibt. Und die Jetsetter haben nicht die geringste
Angst, dass sie jemand wegen der nackten Füße für arm halten könnte.
Anders die
einfachen ALG-II-Empfänger aus den Glasscherbenvierteln der Ballungszentren. Bei
denen weckt der Gedanke ans Barfußgehen unmittelbare Ängste vor weiterem
sozialem Abstieg ...
[habe mich gefreut, dass ich die Schuhe bei der Fahrt
ausgezogen habe und dass ich einen Job habe, der mir solche Dinge erlaubt]
Ich denke,
du verstehst, was ich durch Verdrehung der Tatsachen ausdrücken wollte :-))
Mit
schalkhaften Barfußgrüßen, Lorenz
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