| [Bernd barfuß "Gnade zunehmenden Alters"] | [Bernd fragt : Lebt am Arbeitsplatz Toleranz ?] |
Bernd genießt barfuß die
"Gnade des zunehmenden Alters"
(Forumbeiträge im Frühherbst 1999)
Barfuß in Karlsruhe- die Gnade des zunehmenden Alters ?
Mir fällt in letzter Zeit ein ziemlich seltsames Phänomen auf: vor vielen Jahren, so um
die 20 herum, bin ich im Sommer sehr viel barfuß herumgelaufen und obwohl es damals nach
meinem Eindruck wesentlich mehr Barfüßer hier in meiner Heimatstadt gab, als jetzt, habe
ich mir doch viele böse Blicke und selten blöde Kommentare eingefangen. Die Krönung war
damals eine Verkäuferin, die alle Kolleginnen zusammenrief, und laut brüllte: "Guck
mal, der ist ja barfuß!" Ich fand das damals ziemlich ätzend.
Nach meinem Studium habe ich mein barfußlaufen ziemlich reduziert, vermutlich aus Angst,
Kollegen oder Klienten über den Weg zu laufen. Erst seit ca. 2 Jahren, und vor allen
Dingen seit ich dieses Jahr dieses Forum entdeckt habe, laufe ich wieder vermehrt barfuß,
auch über längere Zeiträume hinweg und an Orten, wo ich mich früher nicht getraut
hätte, z. B. in unmittelbarer Nachbarschaft meiner Wohnung.
Die Erwartung: noch mehr blöde Kommentare über einen Mit - Dreißiger, der wohl seine
pubertäre Phase nicht überwunden hat. Doch, oh Wunder! Die Kommentare blieben bisher
völlig aus! Teilweise habe ich das Gefühl, die Menschen schauen mit Absicht über meine
"mangelnden Schuhe" hinweg. Ob sie sich nicht trauen, einen "gestandenen
Mitbürger" auf die Barfüßigkeit anzusprechen ?
Ich jedenfalls bin sehr positiv überrascht und nutze das natürlich auch entsprechend
aus. Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
Bin gespannt, ob die Kommentare auch ausbleiben, wenn ich im Oktober oder November noch
immer barfuß herumlaufe! Bernd
Hallo Bernd, ich selbst bin dieses Jahr auch ab und an
mal barfuß gelaufen, aber eher "aus Jux und Tollerei".
Seit ich dieses Forum nach einem HNA - Bericht (Hessisch - Niedersächsische Allgemeine)
gefunden habe, mach ich es "aus Spaß an der Freud'".
Die meisten Leute scheinen es entweder kommentarlos zu tolerieren oder (ebenfalls
kommentarlos) zu ignorieren. WENN es Kommentare gibt, höre ich ausschließlich "Guck mal, der läuft ohne Schuhe" von Kindern bis hin zu
"Ist dir nicht kalt an den Füßen?" von Bekannten.
[gespannt, ob Kommentare ausbleiben, wenn ich im Oktober oder November barfuß
herumlaufe]
Letzteren Kommentar ("... kalte Füße") wirst Du dann wohl ertragen müssen :-)
FußGruß Martin (KS)
Hallo Bernd, [seltsames Phänomen ... um die 20 herum
bin ich im Sommer viel barfuß herumgelaufen und habe mir Blicke und Kommentare
eingefangen]
Das wurde früher wohl als Protest der "verderbten" und anarchistischen Jugend
aufgefasst und war deshalb nicht wohlgelitten. Abgesehen glaube ich, dass auf junge Leute
auch heute in Schule, Elternhaus und Clique massiv Druck in Richtung Schuhetragen
ausgeübt wird. Aber den meisten ist klar, dass sie das bei einem selbstbewussten
Erwachsenen nicht mehr bringen können.
[Kommentare blieben aus ... habe das Gefühl, Menschen schauen mit Absicht hinweg. Ob
sie sich nicht trauen, einen "gestandenen Mitbürger" auf die Barfüßigkeit
anzusprechen? ... bin positiv überrascht und nutze das aus]
Haargenauso geht es mir auch -- als Endvierziger. Da es keinen Jugendprotest mehr gibt --
und kaum noch barfußlaufende Jugendliche -- wird Barfußlaufen wohl nicht mehr mit
drohender Anarchie in Verbindung gebracht. Die Leute finden es eher faszinierend,
dass jemand imstande ist, barfuß über Stock und Stein, beim Shopping und im Biergarten
unterwegs zu sein -- und das noch bei wechselhafter Witterung. Und ich kann in keiner
Weise feststellen, dass mir irgendjemand wegen meiner baren Füße aus dem Weg geht oder
mich abblitzen lässt!
Serfuß, Lorenz
[früher als Protest der anarchistischen Jugend
aufgefasst und deshalb nicht wohlgelitten]
Barfuß ein ausdruck von anarchismus? cool. :)
Ich drücke gerne meine unabhängigkeit von vorherrschenden strömungen aus, aber das ist
beileibe nicht mein hauptgrund - eher ein willkommener nebeneffekt. Wenn ich gefragt
werde, wogegen ich protestieren will, weiss ich immer erst mal keine antwort, weil es mir
meistens gar nicht ums protestieren geht ....
[Da es keinen Jugendprotest mehr gibt wird Barfußlaufen nicht mehr mit Anarchie in
Verbindung gebracht]
Tja, die jugend von heute, angepasste, langweilige konsumsklaven.. wir dagegen damals...
*kicher*
Mir macht es nichts aus, zu einer minderheit zu gehören, solange diese nicht
diskriminiert wird. unci (philosophischer anarchist - der heute
seine bürgerpflicht barfuß ausgeübt hat und freundlich im wahllokal empfangen wurde)
Ich bin austherapiert
Hallo Bernd, auch ich kann den zweiten Teil Deiner Erfahrungen nur bestätigen:
[Erwartung: noch mehr blöde Kommentare. Doch, oh Wunder! Die Kommentare blieben
bisher völlig aus!]
Wie ich gerade im Zusammenhang des Einkaufthemas ja geschildert habe, mache ich auch (ein
paar Jahre älter als Du) die absolut identischen Erfahrungen. Etwas Gefrotzel gehört
natürlich durchaus dazu; meine Frau erzählte mir heute von einem Gespräch mit einer
Bekannten, die ihrerseits mit gemeinsamen Bekannten gesprochen hatte : letztere
berichteten, sie hätten uns beim Einkaufen gesehen, "sie mit, ihn ohne".
Ob man da etwas machen könne ? "Nein", habe unsere Bekannte geantwortet,
"der ist schon austherapiert."
Ich werte das als gutes Zeichen; dass ich als wohl einziger Barfußeinkäufer im Ort
auffalle, bleibt nicht aus - und wenn es so humorvoll kommentiert wird, kann ich gut
mitlachen.
Nun sieht man uns das der Pubertät inzwischen Entwachsensein sicherlich an - und daran,
dass wir Schuhe besitzen, zweifelt vermutlich auch niemand. Bleibt also der naheliegende
Schluss, dass wir bewusst auf Schuhe verzichten - und da damit niemandem Schaden zugefügt
wird (wenn wir mal Schuster und Orthopäden außen vor lassen) und die gern genommenen
Bedenken (Erkältung, Scherben, Hundekacke ...) auch nicht andere oder die Allgemeinheit
treffen werden, gibt es ja auch kaum Ansatzpunkte für irgendein Daran - Anstoßnehmen ...
und also keine Reaktionen des vernünftigen Teils der Bevölkerung (der glücklicherweise
in der Mehrheit ist).
Und dann wissen wir auch gleich, welchem Teil der Bevölkerung wir diejenigen selten
auftretenden Exemplare zuordnen müssen, die doch lauthals irgendetwas gegen Barfüßer
einzuwenden haben ...
[um die 20 herum bin ich im Sommer viel barfuß herumgelaufen und habe mir Blicke und
Kommentare eingefangen]
In dem Alter habe ich mich leider nicht getraut (hätte es doch bloß schon das Forum
gegeben !), deshalb kann ich dazu nichts beisteuern.
[Bin gespannt, ob Kommentare auch ausbleiben, wenn ich im Oktober oder November noch
barfuß herumlaufe] Ich bin sehr zuversichtlich, dass dann die Kommentare
exponentiell zunehmen werden - auf der fürsorglichen Schiene à la "Sie werden sich
noch erkälten, junger Mann !"
Freuen wir uns schon mal drauf ! Herzliche Füße rheinaufwärts Georg
PS : Heute am späten Nachmittag haben wir den Pfarrbrief ausgetragen (erstmals barfuß).
Der o. g. Familie haben wir einen kleinen Vermerk geschrieben : "Dieser Pfarrbrief
wurde Ihnen barfuß zugestellt"
[Tja, die jugend von heute, angepasste,
langweilige konsumsklaven ... wir dagegen damals... *kicher*] Und wenn man sich noch so
vorsichtig ausdrückt, es wird doch zwischen den Zeilen gelesen ... Wenn ich jetzt
barfuß zur Arbeit radeln werde, steckt da schon sehr viel Protest darin: gegen das
Mobbing, das ich dank meiner Orientierung an menschlichen und ökologischen Idealen
erdulden musste.
Und gegen die Vergötzung des Geldes, die in vielen
Wirtschaftsunternehmen zu einer Kultur der Unterdrückung eben dieser Ideale führt.
Herzlich Füße, Lorenz
Meine Protestidee
-- ich weiß: heutzutage total uncool
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Bernd
fragt sich : Lebt am Arbeitsplatz die Toleranz ?
(Forumbeiträge im Herbst 1999)
Ich hatte vor einigen Tagen mal ein echt witziges
Gespräch mit meinen Kolleginnen und Kollegen, bei dem es zunächst um die
amerikanische NSNSNS - Geschichte ging. Alle waren wir einer Meinung, dass es
sicher nicht ästhetisch ist, ein normales Geschäft ohne Hemd zu betreten.
Dann
kam jedoch die Diskussion auf barfuß und alle waren der Meinung, so etwas tue
man doch nicht! Wenn irgendjemand barfuß in Geschäfte gehe, dann sei er
entweder Kind, psychisch krank oder ein Alt - Hippie. Ich musste da natürlich
deutlich widersprechen, worauf die erstaunte Frage kam, ob ich mir vorstellen
könne, barfuß auf der Straße herumzulaufen und etwa noch barfuß
einzukaufen.
Ob ich so etwas schon einmal gemacht hätte.
Auf meine Bemerkung, dass ich dies
nicht "schon einmal", sondern regelmäßig mache, gab es zunächst nur
betroffenes Schweigen, dann Gelächter und die Bemerkung, man habe schon lange
gedacht, ich könne nicht ganz bei Trost sein, weil ich auch jetzt im Oktober
noch ohne Socken zur Arbeit komme.
Irgendwie habe ich bis zu diesem Gespräch
gedacht, von deutlich toleranteren Menschen an meinem Arbeitsplatz umgeben zu
sein, ist aber wohl dann doch nicht. Möchte jetzt wirklich wissen, wie sie
reagieren, sollten sie mir tatsächlich mal barfuß begegnen. Bernd
Hallo Bernd, ich schlage Dir ein kleines Spiel vor :
[hatte vor einigen
Tagen witziges Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen]
Witzig ist immer gut, gibt 2 Punkte.
[kam Diskussion auf barfuß und alle waren der Meinung, so etwas tue
man doch nicht]
Schlechte Publicity, 3 Minuspunkte.
[barfuß
in Geschäfte ... entweder Kind, psychisch krank oder ein Alt - Hippie]
Noch schlechter ... weitere 4 Punkte Abzug!
[Bemerkung, dass ich dies nicht "schon einmal", sondern regelmäßig mache]
Sehr
gut ! Selbstbewusstsein, Mut, sicheres Auftreten ... 10 Punkte sind Dir sicher !
[betroffenes Schweigen, Bemerkung, man
habe schon lange gedacht, ich könne nicht bei Trost sein] Unqualifizierte Bemerkung
der Gegenseite, gibt nach den Spielregeln 5 Punkte für Dich !
[bis zu Gespräch gedacht, von toleranteren Menschen an Arbeitsplatz umgeben zu
sein ... Möchte wissen, wie sie reagieren, sollten sie mir
barfuß begegnen]
Deine Spieloption : bei jeder Begegnung gibt es 10 weitere
Spielpunkte (Du weißt schon : Selbstbewusstsein, Mut ...).
Deine momentane
Bilanz : 17 Plus- und 7 Minuspunkte, macht ein Guthaben von 10 Punkten, das Du
nach Belieben gegen eine schöne Barfußtour im Schnee oder eine Barfuß -
Wanderung an einem milden Dezembertag eintauschen kannst.
Und ganz im Ernst
denke ich, dass die Reaktion Deiner Kollegen bei einer Begegnung in einem
"Er macht es wirklich !" bestehen würde - und dann ist es gut. Mutige
Füße Georg
Hallo Georg, eine Begegnung dieser Art hatte ich dann tatsächlich gestern,
als eine Kollegin mich besuchte, um sich einige Umzugskartons zu leihen.
Dass ich im Haus barfuß herumlief, hat sie wohl noch akzeptiert, als ich dann jedoch
noch selbstverständlich barfuß in mein Auto einstieg, um mit ihr in die etwas
entfernte Garage zu fahren, hat sie bloß noch erstaunt geschaut, jedoch nichts
gesagt.
Mal gespannt, wann das an meinem Arbeitsplatz zum allgemeinen
Gesprächsthema wird! Bernd
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